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Full text of "The Technologist: Mitteilungen des Deutsch-amerikanischen Techniker-verbandes."

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Mittheilungen 



des 



I)eul5cK-JIinerikt).ßi5cK^n 

TECNIKER-VERBANDES. 

(National-Association of Germ an- American Technologist.) 



Dritter Band. 



OCXOBER 18©r — AUQUST 1898. 




PHILADELPHIA. PA. 

1898. 



THE NEW YOBK 

PUBLIC LIBRARY 

230114 

AtrOH. LENOX ÄND 
TILOeil FOUNOATIONS 

1901 



TA', /■•'- 



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THENEWYOR? 
PUBLIC LIBRÄRl^ 



A8T0R, LENOX ÄND 
TILDEN FOUNDATiO^a. 







E. L. Hetasner. 




THE NEW YORK 

IPÜBLIC LIBRARY 

230114 

ASTOR, LENOX AW) 

TILDEN rr.jMöATlONS 

1901 




MITTHEILUNG 

des 

Deutsch-Amerikanischen 

Techniker- Verbandes. 

'Mm] Association of 6eriiian-Ainerlcan Teclinologists.) 

PnBLIBHBD BI-MONTHLY. 



Vol. in. 



Oktober, 1897. 



JVb. 1. 



Die dreizehnte Jahres -Versammlung 

des 

Deutsch-Amerikanisclien Tecliniker -Verbandes, 

abi:ehalten in Schoharie Hansion, Greene Co., N. T., 
am 3. bis 6. September 1897. 



Der Gesammteindruck, den die in der Zeit vom 3. bis 7. 
September d. J. abgehaltene Jahres- Versammlung auf die Theil- 
nenmer machte, lässt sich in die trefflichen Verse des bekannten 
Liedes zusammenfassen : 

„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, 
Den schickt er in die weite Welt, 
Dem wird er seine Wunder weisen 
In Berg und Thal und Strom und Feld." 

Ja, in der That, es war eine ausserordentliche Gunst des 
Himmels für alle diejenigen, denen er es ermöglichte, hinauszu- 
wandern in die Berge und Thäler der Catskill Mountains und denen 
er dazu den hellsten Sonnenschein, die reinste und durchsichtigste 
Luft lieferte bis zum letzten Augenblicke des Scheidens, um ihnen 
einige der vielen Wunder zu zeigen, die der grosse Techniker des 
Weltenbaues geschaffen hat, den abgearbeiteten Menschenkindern 
zum Genüsse und zur Stärkung des Geistes und Wiedererweckung 
der Frische desselben, die ihm die schweren Lasten des Daseins 
überwinden hilft. 

Wenn etwas das heitere, lebensvolle Bild der vergangenen, 
schönen Tage trübt, so ist es die Thatsache, dass der Genuss der- 
selben nicht allen Mitgliedern mit ihren Familien vergönnt war. 



2 MiWieüungen des D. A. T. V. 

Gedacht ist der Zurückgebliebenen mehrfach und^ die Hoffnung 
ausgesprochen worden, dass in einer späteren Zeit, bei ähnlicher 
Gelegenheit, die Anzahl der Theilnehmer eine weit grössere, wo 
möglich eine allgemeine sein möge. Denn leichter finden sich die 
Herzen Gemeinsanistrebender zu einem festen Bunde nie und nir- 
gends zusammen, als in der beglückenden, herzbefriedigenden Natur, 
im Angesichte ihrer Wunder, denen der Mensch staunend und sich 
in Demuth beugend, gegenübersteht. 

Doch ich muss, will ich meiner Pflicht gewissenhafter Bericht- 
erstattung nachkommen, mich von dem Eindrucke, den das Erlebte 
und Erschaute noch jetzt auf mich macht, frei machen und auf 
die Einzelnheiten übergehen, und zwar beginne ich mit dem ersten 
Zusammentreffen der vereine, welche am Abende des 3. September 
in Lüchow's Eestaurant in New York stattfand. 

Der Empfang, den der New Yorker Verein seinen Gästen 
bereitete, war ein äusserst ansprechender und trug viel dazu bei, 
eine Herzlichkeit aufkommen zu lassen, welche das beste Zeugniss 
ablegte für die guten Beziehungen, in welchen die Vereine des 
Deutsch-Amerikanischen Techniker- Verbandes zu einander stehen. 
Ein improvisirter Kommers, dem sich sogar ein Tänzchen anschloss, 
war die Folge des sich von Anfang an entwickelnden Frohsinns, 
doch dehnte man die Festlichkeit nicht zu lange aus, um für den 
nächsten Tag, der die Erschienenen frühzeitig hinausführen sollte 
zum eigentlichen Platze der Juhres - Versammlung, frisch und 
munter zu sein. 

Es sei nicht vergessen, dass die Herren P. Goepel und E. L. 
Heusner sehr beifällig aufgenommene Begrüssungs - Ansprachen 
hielten; auch sei hier gleich des Arrangements-Komites gedacht, 
welchem höchstes Lob gezollt wurde. 

Am Morgen des 4. September, um 9 Uhr, versammelten sich 
die Verbands-Mitglieder mit ihren Damen zu gemeinsamer Fahrt 
nach den Catskill Bergen am Bord des Dampfschiffes „New York," 
um mit diesem, den Hudson River hinauf, die Station „Gafskill 
Landing'*' zu erreichen. Die Reise dorthin bietet viel des Interes- 
santen und Schönen und vielfach ist diese Flussstrecke als ameri- 
kanischer Rhein bezeichnet worden. In Parenthese möchte ich 
mir dazu erlauben zu bemerken, dass die Bezeichnung mir nicht 
zutreffend erscheint und wohl nur als Kompliment aufzufassen 
ist, welches der Fluss jedoch entbehren kann. Eher möchte ich, 
wenn schon ein Vergleich gemacht werden soll, einen anderen deut- 
schen Strom dazu heranziehen, nämlich die Donau, welche in der 
Geeend von Orsowa und Turn-Severin, beim sog. eisernen Thor, 
Aehnlichkeiten aufweist. Doch auch dieser Vergleich trifft nicht 
ganz zu und ist ein solcher überhaupt ganz überflüssig. Der Hudson 
mit seinen landschaftlichen Ufern ist so schön, dass Jedem, der 
Auge und Sinn für die Natur hat, die Reise dahin und eine Fahrt 
auf demselben bestens empfohlen werden kann. 

Die Ankunft in Catskill Landing erfolgte um 3i Uhr Nachmit- 
tags und ohne Aufenthalt ging es von hier weiter auf der Schmalspur- 
bahn nach der Station Otis Junction, welche 300 Fuss über dem 



Dreizehnte Jahres- Versammlung des D. A. T. V. 3 

Meeresspiegel liegt Weitere 1600 Fnss höher führte die Elevator- 
hahu die fieisenden nach Otis Summit, von welcher Station man 
eine schöne Fernsicht geniesst und dabei froh ist, die anscheinend 
gefährliche Auffahrt hinter sich zu haben. Während der etwas 
langsam erfolgenden Gepäckausgabe hatten die Maschinen -Tech- 
niker Gelegenheit zu eingehender Besichtigung der maschinellen 
Einrichtungen für die Elevatorbahn. 

Den weitaus ^rössten Theil der Reisenden führten hierauf die 
bestellten Wagen m die Berge bis zur Höhe von Kaaterskill, wäh- 
rend Einige es vorzogen, die Bahn für die Weiterreise zu benutzen. 
Auf der Höhe von Kaaterskill, woselbst (3000 Fuss über dem Meere) 
ein mächtiges Hotel errichtet ist, wurde kurze East gehalten, da 




sich ein ausserordentlich prächtiger Luginsland darbietet, der leider 
durch die bereits eintretende Dunkelheit und die Dämmerungs- 
nebelschleier etwas beeinträchtigt war; auch konnte der sich dar- 
bietende Genuss nur von kurzer Dauer sein, da nach eine zeitrau- 
bende Wagenreise über Laurel House, Kaaterskill Falls, Tannersville, 
nach dem Ziele „Schoharie Mansion" bevorstand. In ziemlich 
tiefer Dimkelheit erreichte man dasselbe, recht empfindlich abge- 
gekühlt, doch die bald folgenden Freuden der Tafel Hessen die 
Geister wieder aufleben und es dauerte nicht lange, da durchtönte 
fröhlicher Liederklang den geräumigen Kasinösaal des Hotels, 
welches für einige Tage den Theilnehmern an der dreizehnten 
Jahres- Versammlung schützenden Aufenthalt bieten sollte. 

Bevor ich in meinem Berichte fortfahre, sei hier eingefügt, 
dass die Unterkunfts- wie die Ernährungsfrage auf Schoharie 
Mansion einige Schwierigkeiten bot und vielleicht Manchem nicht 
nach Wunsch gelöst erschienen ist ; doch möge man bedenken, dass 



4 Mittheilungen des D, Ä, T, Fl 

der Leiter des Hotels von dem immerhin über Erwarten starken 
Besuch überrascht und daher nicht im Stande war, den an ihn 
gestellten Anforderungen so zu genügen, wie er es gewiss gerne 
selbst gesehen hätte. 

Der nächste — Sonntag — Morgen, der 5. September, ein Tag 
des Herrn, wie man ihn schöner sich nicht denken kann, brachte 
Alle frühzeitig auf die Beine und nach dem Frühstück, während 
die Delegaten ihre erste Sitzung hielten, machten die Unbeschäf- 
tigten Spaziergänge in der überaus schönen Umgebung des Hotels. 
Um 11 tJhr fanden sich sämmtliche Touristen, Herren und Damen, 
zusammen in der Villa des Herrn W. Keuffel, einem Mitgliede des 
T. V. New York, einer freundlichen Einladung zum Lnncheon 
folgend. Es bedürfte einer bogenlangen Beschreibung, wollte man 
Alles das wiedergeben, was dieser Besucn den Erschienenen bedeutete; 
ich muss mich aber leider kurz fassen und kann daher nur Einiges 
hervorheben. Die Villa des Herrn Keuffel, welche für den Tag 
höchst festlich und zweckbezeichnend dekorirt war, liegt im sog. 
Elka Park, einer deutschen Villen-Kolonie, welche sich an einen 
Theil der Catskill Berge anlehnt und in jeder Beziehung prächtig 
angelegt und ausgestattet ist. Die Aiissicht vom Parke, insbesondere 
von der Villa Keuffel aus, ist wundervoll und umgekehrt der 
Anblick der Kolonie, von tiefer gelegenen Punkten aus, ein ebenso 
origineller wie herzerfreuender. Unser Gastgeber mit seiner Familie 
war auf das Eifrigste bemüht, seinen Gästen den Aufenthalt ange- 
nehm zu machen, was ihm so gelang, dass dieser Besuch eine 
dauernde schöne Erinnerung bleiben wird. Die Gäste ihrerseits 
konnten dagegen nichts weiter thun, als ihren wärmsten Dank 
in jedmöglicher Weise in Gesang und Wort zum Ausdruck zu 
bringen. 

Nachdem noch ein aus *Tannersville herbeigeeilter Photograph 
durch eine Aufnahme der Villa mit ihren Besuchern den für den 
Verband historisch wichtigen Moment des Besuches verewigt, 
musste man von dem lieben Wirthe und seiner geschätzten Familie 
scheiden, um sich für das um 2 Uhr festgesetzte Festbankett vor- 
zubereiten. Zur dazu bestimmten Zeit erschienen denn auch alle 
Festtheilnehmer, denen sich die übrigen Bewohner von Schoharie 
Mansion angeschlossen hatten, in dem Kasino und der Hauptfestakt 
der dreizehnten Jahres- Versammlung begann. 

Hr. Heusner, vom Vorort Brooklyn, begrüsste die Erschienenen 
in einer Rede, in welcher er betonte, dass die jährlich wieder- 
kehrenden Zusammenkünfte sich immer mehr zu Festtagen des 
Verbandes heraus bildeten. 

Für die nach üblicher Sitte den Delegaten diktirten Toaste 
hatte das Vororts-Komite eine Wahl getroffen, welche erkennen 
liess, dass man versuchen wollte, auch Lösungen technischer oder 
mit der Technik in Beziehung stehender Fragen, wenn auch mehr 
in humor- oder phantasievoller Weise, bei der Festfeier zum Aus- 
trag oder doch zur Ansprache zu bringen. Es möge unerörtert 
bleiben, wie weit dieser Versuch gelungen ist und will ich es 
späteren Festarrangeuren der Jahres-Versammlungen überlassen, zu 



Dreizehnte Jahres- Versammlung des D. A, T. V, 5 

entscheiden, ob eine Wiederholung desselben zu machen sei. Da- 
gegen will ich die Reihenfolge der Toaste und der Reden nach- 
stehend aufführen. Es toasteten : 

Hr. W. C. Willenbücher, T. V. Washington: „Deutsches Vereins- 
leben und dessen Bedeutung in Amerika." 

Hr. A. Schumann, T. V. Philadelphia: „Die babylonischen 
Bauten in Amerika und ihre Aussicht für die Zukunft." 

Hr. J. H. Schäfer, T. V. New York: „Die Technik der 
Natur." 

Hr. Dr. R. G. G. Moldenke, T. V. Pittsburg: „Deutsche Einig- 
keit hüben und drüben." 

Hr. J. Ledent, T. V. Baltimore : „Die weltumfassenden Polypen- 
arme der Technik." 

Hr. C. F. W. Becker, für den T. V. Chicago: „Die weiblichen 
Techniker und ihr Einfluss." 

Der zuletzt ausgebrachte, sehr humoristisch gehaltene Toast 
fand den meisten Beifall, besonders bei den Damen, deren Liebling 
der Toastbringer augenscheinlich damit wurde, wofür eine Dame, 
die Frau eines Mitgliedes des T. V. Pittsburg, einen „sprechenden^^ 
Beweis lieferte, der von den übrigen Damen lebhaft applaudirt 
wurde. 

Um 4 Uhr endete das sehr animirte Festmahl und kurze Zeit 
darauf wurde ein Spaziergang nach einer Waldpartie am Roaring 
Kill — Old Saw Mill — unternommen. Auch hier herrschte bald 
wieder lebhafteste Bewegung und freudigste Stimmung und merk- 
würdige Geschichten werden die uralten Steine dem vorüDerieselnden 
Wasser des sonst stillen Baches noch nach Jahren zu erzählen 
haben, besonders von dem sonderbaren Gebrauche der deutschen 
Techniker, bei welchem dieselben mit ihren Trinkgefässen auf 
ihm herum rieben, um dieselben dann zu leeren und darauf, nach- 
dem sie noch damit geklappert hatten, ihnen einen Stoss zu ver- 
setzen, gegen den sie sich jedoch so heftig wehrten, dass einige 
der Gefässe zersprangen. 

Für den Abend dieses an Vergnügungen so reichen Tages fand 
noch eine Tanzunterhai tuuff im Kasino von Schoharie Mansion 
statt, doch wurde das Tanzbein nicht mit der Verve und Uner- 
müdlichkeit geschwungen wie sonst bei ähnlichen Gelegenheiten, 
woran jedenfalls die bei den Festtheilnehmern nachgerade einge- 
tretene Ermüdung schuld war. 

Am darauffolgenden Tage, Montag, den 6. September, fand die 
offizielle Geschäftssitzung statt, über welche hier nur kurz berichtet 
sei, da die ausführlichen Berichte des Vororts vollkommen Auf- 
schluss geben. Das Protokoll der Delegaten-Sitzungen ergab einige 
nicht bedeutsame Beschlüsse über Statuten-Aenderungen, dann die 
Wahl Philadelphia's als künftigen Vorortes und die Bestimmung, 
dass entweder Cleveland oder Atlantic City für die vierzehnte 
Jahres- Versammlung in Aussicht zu nehmen sei. 

Hr. E. L. Heusner, welcher die Versammlung leitete, erstattete 
einen eingehenden, sehr interessanten Jahres-Bericht, dessen Durch- 
sicht kein Verbands-Mitglied unterlassen sollte. 



1 



6 Mittheilungen des D, A. T. V, 

Hierauf verlas Hr. P. Goepel den Bericht des S teilen vermi tte- 
lungs-Komites und nachdem noch dem Redakteur der „Mitthei- 
lungen," Hrn. W. C. Willenbücher, welcher leider sich genöfchigt 
sah, sein so vortrefflich geführtes Amt niederzulegen, der Dank der 
Vereine zum Ausdruck gebracht worden war, erhielt das Wort Hr. 
E. Teimer, Masch.-Ing., von Altoona, Pa., zu einem Vortrage, 
betreffend: ,, Anleitung zur Bereclmung einer cylindrischen Stahl- 
schrauben- Feder mit kreisförmigem Querschnitt.^^ Der Vortrag 
erscheint wahrscheinlich in einer der nächsten Nummern der ., Mit- 
theilungen. ^* 

Demselben folgte ein zweiter Vortrag des Hrn. E. E. Lungwitz, 
Chemiker und Metallurgist, T. V. Brooklyn, über seine Erlebnisse 
und die geologischen Verhältnisse, etc., von British-Guyana, wo- 
selbst der Redner eine Mission zu erfüllen hat und von wo der- 
selbe für kurze Zeit hierher zurückgekehrt ist, um sich von den 
Anstrengungen, welche das tropische Klima mit sich bringt, zu 
erholen. 

Beide Vorträge ernteten den wohlverdienten Beifall der Hörer. 
Zum Schlüsse der Geschäfts-Sitzung wurde dem Vorort der Dank 
des Verbandes für seine fleissige und umsichtige Leitung votirt. 

Es folgte alsdann ein Damen-Preiskegeln, wozu der T. V. Brook- 
lyn die verschiedenen Gaben gestiftet hatte. Das Kegeln, welches 
unter der Leitung desselben Vereins vor sich ging, gewährte eine 
der heitersten Episoden des Festes. Das Glück spielte dabei eine 

f rosse Rolle mit und die bewährten Kegelerinnen wurden durch 
Tovizen geschlagen. Von den achtzehn vergebenen Preisen fiel der 
erste Preis, nebst drei andern, Washington zu, die übrigen ver- 
theilten sich ziemlich gleichmässig auf die vertretenen Provinzial- 
Städte. 

Inzwischen war die Mittagszeit herangerückt und man beeilte 
sich, zur wohlverdienten Leibesstärkung zu gelangen. Nach ein- 

fenommenen Mittagsessen traten dann wieder alle Theilnehmer der 
ahres- Versammlung mit ihren Damen eine Rundfahrt an, welche 
sie nach Onteora und Twilight Parks und zurück führte. Das 
viele Betrachten der Naturschönheiten sowohl, wie das anhaltende 
Sitzen in den engen Wägen ermattete schliesslich Geist und Körper 
und recht ermüdet kehrte man von der Tour zurück, um sich 
einem dolce far niente zu ergeben, welches es ermöglichte, dass der 
für den Abend angesagte Festkommers in gebührender Weise 
begangen werden konnte. 

Um 8 Uhr begann derselbe und da die Damen miterschienen 
waren, so gab dies dem Delegaten für Philadelphia, der den Kommers 
eröffnete, Veranlassung, mit einigen Worten eine Erklärung der 
Bedeutung des Kommerses zu geben, worauf er dann das Präsidium 
seinem rüstigeren Kollegen, Hrn. W. Stein, abtrat. Dass Letzterer 
seiner Aufgabe vollkommen gewachsen war, bewies der Verlauf 
des überaus fröhlichen, für Viele der Anwesenden an die längst ver- 
schwundene Studienzeit erinnernden Kommerses. Dass die Damen 
lebhaften Antheil an allen Vorgängen nahmen, geht daraus hervor, 
dass sich dieselben beim Absingen der Chorgesänge flott betheiligten 
und einige derselben durch musikalische Vorträge, welche stürmi- 
schen Beifall fanden, zur Erhöhung der fröhlichen Feststimmung 



Dreizehnte Jahres- Versammlung des D, A» T, V. 7 

beitrugen. Bis zum grauenden Morgen ertönten die Gesänge, zuletzt 
noch im Freien, wo die Berge Rip Van WinkeFs davon widerhallten» 
Die entschwundene Jugendlust war, wenn auch nur auf kurze 
Zeit, wiedererwacht uud Bündnisse wurden geschlossen oder erneuert, 
die wohl erst der Allbezwinger Tod zu lösen vermag. 

Der nächste Morgen, der letzte, den die Theilnehmer an der 
dreizehnten Jahres- Versammlung in Gemeinschaft zubringen sollten, 
entführte leider einen Theil derselben schon der heimathlichen 
Stätte zu, doch der grösste Theil blieb noch zurück, um noch 
einmal einen Rundgang durch Elka Park, dem so lieb gewordenen, 
zu unternehmen und von dort zurück auf Umwegen, durch Hecken 
und Gestrüpp zum Versammlungsort gelangt, das Anti-Katerfrüh- 
stück einzunehmen. 

Nochmals stiegen fröhliche Gesänge aus den nimmer rostenden 
Kehlen und ungeschwächt und dankbar wurde Gambrinus Gabe 
entgegengenommen, bis die Scheidestunde schlug, welche dem 
genussreichen und gemüth vollen Leben in den Catskill Bergen ein 
noch gern hinausgeschobenes Ende bereitete. Selbst der Himmel 
schien zu trauern, als er die frohe Schaar, der er bisher sein freund- 
lichstes Gesicht gezeigt hatte, scheiden sah, denn er sandte seine 
Thränen in starkem Strome hernieder als die Reisenden die Wagen 
bestiegen, die sie nach Tannersville zur Bahn und von dort weiter 
der Heimath zuführen sollten. 

Es mag für manche der Verbands-Mitglieder von Interesse sein, 
zu wissen, wie stark die Betheiligung der Vereine war und möge 
daher eine Aufstellung hierüber rlatz finden. 

Es hatten sich eingefunden: 

Vom T. V. Brooklyn 12 Herren und 5 Damen. 

" " Baltimore 2 " - 

" " New York 7 " 

" " Philadelphia... 13 " 6 

" " Pittsburg 6 " 3 

" " Washington 6 " 9 

Ingesammt 46 Herren und 23 Damen. 

Chicago und Cincinnati hatten keinen Theilnehmer geschickt, 
woran jedenfalls die weite Entfernung schuld war. 

Zum Schlüsse meines Berichtes will ich noch einige Worte 
beifügen in Bezug auf das Gesammtergebniss der 13. Jahres- Ver- 
sammlung. Die geschäftlichen Verhandlungen haben nichts Neues 
gezeitigt; es ist dies auch begreiflich, wenn man berücksichtigt, 
dass der Verband schwer um die Erhaltung des Bestehenden zu 
kämpfen hat. Dennoch wird es Aufgabe der Vereine, insbesondere 
des Vorortsvereines sein müssen, darüber zu sinnen, in welcher 
Weise es möglich zu machen, trotz der beschränkten pekuniären 
Mittel, die zur Verfügung stehen, Einrichtungen zu schaffen, die 
dem Verbände neue Freunde zuführen und ihm die alten erhalten. 
Mein für diesen Zweck seiner Zeit vorgeschlagenes Mittel, Konkur- 
renzen unter den Mitgliedern zu veranstalten, ist ad acta gelegt. 



1 



8 Mittheilungen des D. A. T. F. 

wie ich hoffe, nicht für immer. Ich bin der Ueberzeuffung, dass 
bei richtiger Auffassung der Sache durch dieses Mittel etwas zu 
erreichen ist; doch komme ich bei dieser Gelegenheit darauf nur 
zurück, um ein Beispiel zu geben, wie ich mir das Wirken des 
Verbandes vorstelle. 

Wenn also, wie gesagt, auf dem Arbeitsgebiete Hervorragendes 
nicht geleistet wurde, so ist der Erfolg auf geselligem, vereins- 
freundschaftlichem Gebiete dagegen ein ausserordentlich grosser 
fewesen und wird hoffentlich gute Früchte tragen. Die Genüsse, 
ie den Theilnehmern am Tecnniker-Tage geboten wurden, waren 
herzerquickende und werden unvergessen bleiben. 

Dabei störte kein Misston dieselben und kein böser Unfall 
unterbrach unliebsam die gehobene Stimmung, welche sich aller 
Theilnehmer von Anfang bis zu Ende bemäcntigt hatte, und so 
können wir mit Genugthuung zurückblicken auf die vergangenen 
Tage in New York und den Catskill Bergen und dabei die Hoff- 
nung hegen, dass auch die vierzehnte Jahres- Versammlung, wo 
immer sie stattfinden möge, in gleicher gemüthlicher und brüder- 
licher Weise verlaufen wird, wie alle ihre Vorgänger. 

A. S. 



Dreizehnte Jahres- Versammlung des D. A, T. F. 



Nachfeier zum dreizehnten Techüiker-Tag. 



„ Als sich der Schwärm verlaufen hatt'.'* 



Zu rasch waren die schönen Festtage dahingeschwunden, die 
uns mit solch' einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern der ver- 
schiedenen Vereine und ihren Damen zusammengeführt hatten in 
dem reizenden Elka Park, dem Paradiese der Catskills. Die Reich- 
haltigkeit des Programms mit seinen gemeinsamen Arbeiten und 
seinen geräuschvollen Freuden hatte uns nicht gestattet, in stiller 
Behaglichkeit die Idylle der lieblichen Geo^end zu gemessen, und so 
fanden sich nach programmmässiger Abfahrt der Techniker am 
Dienstag, den 7. September, noch einige „Edleren," die sich nicht 
von Schoharie hatten trennen können. Die unternahmen alltäglich 
Spaziergänge in die reizvolle Umgebung mit ihren schattigen 
Hainen, ihren duftigen Höhen, ihren urwüchsigen, wilden Wäldern, 
Sie kletterten über Stock und Stein, manches Sächlein hinauf und 
lauschten in stiller Andacht, sich auf den Felsblöcken, von schäu- 
mendem Wasser umrieselt, ausruhend, dem leisen Gemurmel der 
Elfen des "Roaring Kill." So wurden im Laufe der Woche an 
air den schönen Punkten der Umgebung die Träger des goldenen 
Zahnrades gesehen: in "Mink Hollow" an der Brücke, in der 
"Poggenburg" am "Crook Brook" (zu Deutsch: „Keuffelsbach"), 
der in wilden Springen vom „Colosseum" in's Thal hinunterhüpft. 
Ja, sie sind unter der liebenswürdigen Führung des Hrn. Bergenau 
hinauf aufs „Colosseum" selbst gestiegen, ein kleines Hochplateau, 
das von den Höhen in gleichmässiger Neigung hufeisenförmig 
begrenzt, einem mächtigen Amphitheater gleicht. Als sie dort mit 
der Kugelflinte schössen (aus Mangel an Bären schössen sie auf 
Scheiben), da gaben die alten Höhen den Donner mächtig verstärkt, 
brüllend zurück. Ueber dem Kamm des Gebirges schwebte in 
ruhigen Kreisen majestätisch der Aar. 

Wohin sie aber auch des frühen Morgens gegangen sein moch- 
ten : wenn die Sonne im Zenith stand, da fand man sie immer im 
Elka Park Club-Haus beim fröhlichen Frühschoppen vereint und ihr 
frohes Techniker-Gelächter zeigte den Elka rarkern auch dann 
noch, dass die Techniker gemüthliche Leute sind, als das Häuflein 
der Getreuen schon stark zusammengeschmolzen war. Nur einmal 
gelang es ihnen nicht, diesen Platz der Labe zu erreichen. Die 
liebenswürdige Frau Keuffel, die vom Vorbau ihrer Villa „Waldeck" 
die durstigen Techniker von den Bergen hatte steigen sehen, 
liess es sich nicht nehmen, sie nochmals in ihrem gastlichen 
Hause mit köstlicher Aussicht und kühlem „Nürnberger" zu 
erlaben. 

So vergingen die Tage in Naturgenuss und Gemüthlichkeit, 
und wenn der Schleier der Nacht sich über Berge und Thal gelegt 



lo Mittheilungen des D. Ä, T. V. 

hatte und den Wanderer an's Haus fesselte, so fanden sieh die 
Techniker und Technikerinnen im Ka,ßino des Schoharie Mansion 
zusammen, um sich mit Kegelspiel zu belustigen und den herr- 
lichen Gesangsvorträgen der lieben Hausfrau, Frau Goepel, zu 
lauschen. An einem der Abende half auch ein kleiner theatrali- 
scher Scherz dazu mit, die vom Techniker-Tag überkommene fröh- 
liche Stimmung zu erhalten. Aber die Erinnerung an einen Abend 
ist besonders lebhaft im Gedächtniss der „hinterbliebenen" Tech- 
niker. Sie hatten es nämlich gewagt, die Freunde von Elka Park 
zu einem Keffelabend einzuladen, und da diese in erfreulich grosser 
Anzahl erschienen und auch ihren guten Humor nicht vergessen 
hatten, so wurde dieser Abend zum Glanzpunkt der Nachfeier. 
Frau Goepel begrüsste die Gäste, die mit ihren Laternen gleich 
Irrlichtern aus dem dunklen Buschwerk gekommen waren, mit 
einem Lied ihrer eigenen Muse, das wir den Lesern nicht vorent- 
halten wollen und womit dieser ßücklick seinen Abschluss finde: 

Sei willkommen in Schoharie, 
Lieber, treuer Freundeskreis, 
Laut ertöne in die Runde 
Frisch und froh des „Mansions** Preis. 
Denn ein Fest wird heut gefeiert, 
Ruft's in alle Welt hinaus, 
Es vereint hier frohe Gast', 
Und sie kamen gern in's Haus. 

Als der „Rip" sich niederlegte. 
Dachte er: „Jetzt hah' ich Ruh', 
Denn die Berge stehen feste. 
Gross und herrlich immerzu !'* 
Doch die Wichtelmftnnchen kamen, 
Schlössen ihm die Augen zu. 
Und als endlich er erwachte, 
Ward vor Schreck er grau im Nu. 

Denn der Deutsche war gekommen, 
Hatte seinen Geist verpflanzt 
In die schönen Catskill-Gauen 
Wo „Van Winkle" sich verschanzt. 
Deutsche Sprache, deutsche Sitten, 
Frohsinn, Heiterkeit und Lust, 
Jauchzen uns entgegen heute 
Aus der frohbewegten Brust 1 

D'rum erhebet Eure Gläser, 
Liebe Gäste, gross und klein, 
Preist, was deutsche Kraft geschaffen 
In der mäch'gen Berge Reih'n. 
Erst ist „Elka Park" entstanden. 
Dem „Schoharie** dann entsprang, 
„Beide leben gross und mächtig 
Viele hundert Jahre lang!!*' 



Protokoll der dreizehnten Delegaten- Versammlung. 1 1 



Protokol 1 

der dreizehnten Delegaten-Versammlan? des D. A. T.-Verbandes, 

abgehalten in Schoharie Mansion in den Catskill Mountains 

am 5. bis 6. September 1897. 



Hr. G. W. Wnndram leitet die Versammlung. 
Anwesend sind die Herren Delegaten: 

J. Ledent von Baltimore, 

G. W. Wundram von Brooklyn, 

E. L. Heusner für Chicago, 

Cincinnati war nicht vertreten, 

J. H. Schäfer von New York, 

A. Schumann von Philadelphia, 

Dr. E. Moldenke von Pittsburg, 

W. C. Willenbücher von Washington. 

Die Versammlung beschliesst : zum nächsten Vorort den T. V. 
Philadelphia zu ernennen. Der Delegat, Hr. A. Schumann, ist 
demnach Protokollführer und verliest derselbe das Protokoll des 
Delegaten-Tages vom 3. September 1896. 

Der Delegat für Philadelphia, Hr. Schumann, stellt den Antrag : 
^^Die jährlichen Umlagen für den Verband sind auf 50 Cents fest- 
gesetzt.^*^ 

Der Antrag wird mit allen Stimmen gegen die des Antrag- 
stellers abgelehnt. 

Der Delegat für Pittsburg, Hr. Dr. R. Moldenke, stellt den 
Antrag, das Verbands-Statut im § 5 dahin zu ändern : ^yJeder Verein 
hat zwei Sekretäre, deren Funktionen dem Verein zu bestimmen 
überlassen bleibt.'' 

Der Antrag wird genehmigt. 

Zum nächsten Verbands- Versammlungs- Vorort soll in erster 
Linie Cleveland berücksichtigt werden und wenn dies nicht anläss- 
lich, ist Atlantic City zu wählen. 

Hrn. Willenbücher wird der Dank der Versammlung durch 
Erheben von den Sitzen zum Ausdruck gebracht. 

Der Kassenbericht ergiebt Folgendes: 

Kassenbestand von Washington übernom- 
men am 1. Oktober 1896 $ 95 57 

Gesammt-Einnahmen an Beiträgen 687 00 

Einnahmen $ 782 57 



12 Mittheilungen des D. A. T. V, 

Ausgaben waren im Ganzen $ 719 85 

Bestand am 23. August 1897 62 72 

Total $782 57 

Einzuziehende Beiträge verbleiben $60.00, 
Hierauf Vertagung. 

Der Vorsitzende, 

G. W. Wündram; Der Protokollführer, 

A. SCHÜMAMN. 

Delegaten: E. L. Heusner, 

RicH. G. G. Moldenke, 
Jos. Ledent, 

W. C. WiLLENBUECHER. 



Jahre s-Bericht 

des Vert>ancis -Vororts Brooklyn 
für das Verwaltungsjahr 1896/97, 
Yor^elesl von dem Verbands-Präsidenten, E. L. Heusner, auf dem drei- 
zehnten Techniker-Tasre am 6. September I89f in Schoharie 
Mansion, Greene County, N. Y. 



Meine Herren Delegaten, Verbands- Mitglieder und Fachgenossen ! 

Alle bisherigen Verbands-Tage sind in mehr oder minder 
grösseren Städten und Industrie-Centern abgehalten worden, in 
denen bereits Verbands- Vereine bestanden oder solche in der Bildung 
begriffen waren. Es war da durch Besichtigung von öffentlichen 
Werken und privaten Industrie-Anlagen, sowie durch Eachvorträge 
den Theilnehmern \\e\ Interessantes und Belehrendes geboten wor- 
den und haben die betreffenden Lokalvereine und Komites sich 
darin überboten, unser jährliiches Fest zu einem immer glänzenderen 
zu machen. Mit dem über alle Erwartung grossarti^en Feste, das 
im Vorjahre der Verein Pittsburg gegeben hat, schemt nach An- 
sicht der damaligen Delegaten-Versammlung ein Höhepunkt erreicht 
worden zu sein, so dass es ihnen wünschenswerth erschien, eine andere 
Basis für unser heutiges Fest zu suchen und ist man so schliess- 
lich auf die glückliche Idee gekommen, den diesjährigen Verbands- 
Tag nach den Catskill Bergen zu verlegen, wo wir beute, in der 
reinen Luft und umgeben von prächtiger Landschaft, so zu sagen 
direkt an der Brust von Mutter Natur schwelgen. 

Der erste Verbands- Vorort war der T. v. Chicago und ich 
hatte als Präsident dieses Vereins gleichzeitig die Ehre, der erste 



Jahres- Bericht des Verhands- Präsidenten, 



13 



Präsident des Verbandes zu sein. Es liegt mir somit nahe, bei der 
heutigen Feier der Vergangenheit des Verbandes in kurzen Zügen 
zu gedenken. 

Die Idee zur Gründung eines Techniker- Verbandes ist ausge- 
gangen von dem T. V. New York, welcher sich dieserhalb zunächst 
mit dem T. V. Philadelphia in Verbindung setzte, worauf, nachdem 
auch der T. V. Chicago zugesagt hatte, der „Deutsch- Amerikanische 
Techniker- Verband" gegründet wurde. 

Es mag hier erwähnt sein, dass vor diesen drei ältesten Vereinen 
ein „Verein deutscher Techniker von New York" im Jahre 1863 
gegründet wurde, der aber im Jahre 1865 wieder aufgelöst wurde. 
Soweit in Erfahrung gebracht werden konnte, sind drei von den 
Mitgliedern der damaligen Organisation auch heute noch eifrige 
Mitglieder unseres Verbandes, nämlich die Herren Otto Fuchs, 
Präsident des T. V. Baltimore; Hugo B. Eoelker, Vice-Präsident 
des T. V. New York, und G. W. Wundram, korresp. Sekretär des 
T. V. Brooklyn. 

Der damalige Verein beschäftigte sich ernstlich mit der Grün- 
dung einer Industrie-Schule. Leider ist das Projekt, obwohl bereits 
ausgedehnte Vorbereitungen dafür getroffen wurden, nicht zur 
Ausführung gekommen, hat aber immerhin das Resultat gehabt, 
dass mehrere der Mitglieder in das technische Lehrfach überge- 
gangen sind. Englisch-amerikanische Philanthropen haben inzwi- 
schen technische Lehranstalten mit grossen Kapitalien gegründet, 
die heute blühend und segensreich vor der Nation stehen. Es 
muss anerkannt werden, dass die heutigen amerikanischen Lehr- 
institute in den meisten Fällen ein Material liefern, das den 
Landesbedürfnissen vollständig Genüge leistet. Es ergiebt sich aber 
auch daraus, dass für den neu eingewanderten deutschen Techniker 
die Verhältnisse sich nicht mehr so günstig zeigen wie ehedem. 

Die nachfolgenden Tabellen geben eine Uebersicht über den 
Stand der Mitgliederzahl der einzelnen Vereine, sowie des Verbands 
in den verflossenen dreizehn Janren, und eine Uebersicht der Mit- 
glieder im vergangenen Jahre, nach deren Specialfächern geordnet : 

Mitgliederzahl der einzelnen Vereine während den Jahren 1885-1897. 



Verbine. 



New York. .. 
Philadelphia . 

Chicago 

St. Louis 

Cincinnati . . . 
Washington . 

Pittsburg 

Newark 

Cleveland 

Boston 

Lynn 

Buffalo 

Brooklyn 

Baltimore 



1885 



18861887 



259 
39 
51 



1888 



206 201 
52 63 
61 
28 23 
21 



241 
65 
56 
35 
19 
75 



1889 



236 
63 
46 
34 
23 
79 
32 



1«90 



251 
61 
37 
30 
32 
74 
40 
41 



189l!l892 



258 
69 
31 



271 

88 
61 
35; 35 

27 27 
68 40 
50 50 
511 61 

28 35 
24 27 

I 20 



18931894 



224' 210 

101 118 



72 
27 
18 
39 
64 
62 
36 
22 



33 



98 

15 

36 

101 

57 

27 



18 



1895 



158 

121 

79 

15 

37 

113 



1896 



1897 



135 113 

115 132 

67 30 



14 

34 

112 



13 

43 

131 



13 — 
35! 35 
37 i 30 



Total..... 350 3471 370 431 513 5661 641 715 



558 5621 527 



H 



Mittheilvngen des D. Ä, T. V. 



Uebersicht der Yerbands-Mitglieder für das Jahr 1896/9?, 
nach Spezial-Fächem geordnet 



Vereine. 



1. Baltimore... 

2. Brooklyn 

3. Buffalo 

4. Chicago... . 

5. Cincinnati . . 

6. New York . . 

7. Philadelphia. 

8. Pittsburg . . . 

9. Washington . 

Total 



12 



SÄ 


il 

5| 


i 
1 

< 




.2 
II 


Ig 


u 

1 V 


ll 


i 


11 






2 




5 






30 


12 




1 


13 




7 






35 


4 




2 


8 


2 


15 


2 




30 


9 




1 






2 






13 


46 


3 


11 


17 


2 




2 


5 


113 


40 


4 


12 


22 


2 


45 






132 


38 


8 


3 


16 


6 


38 


1 




131 


5 




6 


1 




16 


5 


5 


43 
527 


160 


15 


86 


74 


12 


128 



37 
35 
13 

67 

14 

185 

115 

112 

34 



Wie hieraus ersichtlich, zählte der Verband im ersten Jahre 
seines Bestehens 350 Mitglieder, von welchen der bedeutend grös- 
sere Theil, nämlich 259 Mitglieder, dem T. V. New York ange- 
hörten. 

Obwohl die Mitgliederzahl in allen übrigen Vereinen im 
Wachsen begriffen war und weitere drei Vereine in den nächsten 
drei Jahren dem Verbände beitraten, so gehörten doch am Ende 
des vierten Verbandsjahres dem Verein New York über die Hälfte 
aller Verbandsmitglieder an. Dieses Verhältniss erklärt, warum 
die Verbands-Statuten bestimmen, dass jeder Verein bei Verbands- 
Abstimmungen nur eine Stimme hat, einerlei, wie viele Mitglieder 
derselbe zählt. In den letzten Jahren haben einzelne Vereine eine 
80 grosse Mitgliederzahl erreicht, dass zwei derselben fast im Stande 
gewesen wären, den Verband zu kontrolliren, wenn die Mitglieder- 
zahl bei Verbands- Abstimmungen massgebend gewesen wäre. Die 
Erfahrung hat ergeben, dass die einzelnen Vereine, je nach lokalen 
Verhältnissen, andere Bedürfnisse und Existenz-Bedingungen haben, 
denen auch vom Verband aus Rechnung getragen werden muss. 
Obwohl einer Vertretung der Vereine nach Massgabe der Mitglie- 
derzahl eine gewisse Berechtigung nicht abgesprochen werden 
kann und auch einzelne Stimmen sich dafür erhoben haben, so 
erscheint es aus den angeführten Gründen für zweckmässig, die 
bisherige Abstimmungs-Methode auch fernerhin beizubehalten. 

Im Ganzen sind dem Verbände 14 Vereine beigetreten, von 
denen 6 sich wieder aufgelöst haben, so dass der Verband zur Zeit 
acht Vereine mit 527 Mitgliedern zählt. Die höchste Anzahl von 
Vereinen und Mitgliedern erreichte der Verband im Jahre 1892 
mit 11 Vereinen und 715 Mitgliedern. Gerade von diesem Jahre 
an bis heute zeigen die Vereine von Philadelphia und Pittsburg 
eine bedeutende Zunahme, während der Verband naqh und nach 



Jahres- Bericht des Verbands- Präsidenten. 



15 



auf seinen heutigen Bestand reduzirt wurde, hauptsächlich in Folge 
der Auflösung verschiedener Vereine und des Schwindens der 
Mitglieder des Vereins New York. Der Ausfall an Mitgliedern 
und an Vereinen erklärt sich durch die ungünstige Geschäftslage 
der letzten Jahre und zum Theil auch durch die ganz bedeutend 
geringere Einwanderung. 

Wenngleich die vorgelegte Statistik eine Verringerung der 
Mitgliederzahl ergiebt, so können wir doch einen Rückgang des 
Verbandes nicht zugeben, im Gegentheil hat sich der innere Zusam- 
menhang in den letzten Jahren sehr gebessert, so dass der Verband 
heute auf festerem Grunde steht wie je zuvor, und erwarten wir 
von der sich wieder bessernden Geschäftslage eine stetige Zunahme 
des Verbandes in jeder Richtung. 

Beifolgend eine Uebersicht über die Reihenfolge der Vororte 
und Festorte: 



Vorort. 



1. Chicago 

2. New York... 

3. Philadelphia.. 

4. St. Louis 

5. Chicago 

6. Cincinnati . . . 

7. Philadelphia . 

8. Philadelphia.. 

9. Pittsburg 

10. Pittsburg 

11. Washington.. 

12. Washington.. 

13. Brooklyn 



Verbands- 
Jahr. 



1884—85 
1885-86 
1886—87 
1887—88 
1888—89 
1889—90 
1890—91 
1891 -92 
i892— 93 
1893—94 
1894—95 
1895—96 
1896—97 



Versammlungsort des 

Delegaten- und 

Techniker - 1 ages. 



Buffalo 1885 
Cincinnati 1886 
New York 1887 
Pittsburg 1888 
Washington 1889 
Cleveland 1890 
Boston 1891 
Buffalo 1892 
Chicago 1893 
Philadelphia 1894 
Washington 1895 
Pittsburg 1896 
Schoharie 1897 



Anzahl der Verbands- 



Vereine. 


Mitglieder. 


8 


350 


4 


347 


5 


370 


6 


431 


7 


513 


8 


566 


10 


641 


11 


715 


11 


698 


9 


680 


8 


558 


9 


562 


8 


527 



Nachdem die Beziehungen zu dem früheren Verbandsorgan 
„Der Techniker*' mehrmals umgestaltet worden waren, wurde vor 
zwei Jahren zur Herausgabe einer selbstständigen zweimonatlichen 
Publikation, den ^, Mittheihingen des D. A, T, F." geschritten, 
welche schliesslich allgemeine Anerkennung fanden und zur Befes- 
tigung des Verbandes beigetragen haben. 

Die Kosten eines Organs, respektive die Herausgabe einer 
eigenen Publikation, welche den grössten Theil der Verbau dsmittel 
beanspruchte, sind häufig Veranlassung zu Meinungsunterschieden 
gewesen, doch hat langjährige Erfahrung zu der Erkenntniss 
geführt, dass diese Publikatfonen für die Existenz des Verbandes 
eine Noth wendigkeit sind und dass die Ausgaben für eine gut 
geführte und ausgestattete Publikation nicht umgangen werden 



i6 Mittheilungen des D. A, 2\ F. 

können. Für den Erfolg unserer Publikation „Mittheilungen" 
sind wir in erster Linie dem bisherigen Redakteur, Herrn W. C. 
Willenbücher, verpflichtet. Derselbe hat mit grosser Ausdauer und 
mit grossen Opfern in seiner Thätigkeit als Redakteur dem Ver- 
bände Bedeutendes geleistet, so dass ich es als meine besondere 
Pflicht ansehe, demselben, in Ihrer aller Namen, hiermit öffentlich 
unseren Dank auszusprechen. 

Das officielle Stellenvermittelungswesen unserer Organisation 
besteht aus der Oentralstelle für Stellenvermittelung, welche, haupt- 
sächlich den Nea eingewanderten wegen, bisher ausschliesslich von 
dem Verein New York geführt wurde. Ausserdem hat statuten- 
gemäss jeder Verein sein eigenes Stellenvermittelungs-Komite. Aus 
dem Bericht der Oentralstelle werden Sie ersehen, dass diese 
Funktion des Verbandes mit gewohnter Umsicht und Pünktlichkeit 
bethätigt wurde. 

Das verflossene Verbandsjahr hat einen befriedigenden Verlauf 
genommen und das einmüthige Znsammen wirken der Beamten, Ko- 
mites und der Einzelvereine ist lobend zu erwähnen. Die regelmäs- 
sig zweimonatlich erscheinenden „Verbands-Mittheilungen" haben 
die gegenseitige Interessenahme der Mitglieder, sowie der Vereine, 
wie schon erwähnt, mehr gefördert, wie das durch frühere Publi- 
kationen erreicht worden ist und steht zu erwarten, dass die erhöhte 
Anregung auch in ferneren Jahren reichlich Früchte tragen wird. 

Meine Herren! Im Namen des Vororts dankeich Ihnen Allen 
für die kollegial ische Zuvorkommenheit, mit der Sie uns die Ver- 
waltung unseres Amtes erleichtert haben. 

Möge unser Verband noch lange der Wahrung der Interessen 
und der Begründung kollegialischer und freundschaftlicher ße- 
ziehunff unter den deutsch-amerikanischen Technikern förderlich 
sein. Möge er noch lange blühen und gedeihen!! 

E. L. Heusi^er, 

Verbands- Präsident. 
BrooMyn, N, F., den 3, September 1897. 



Jahren- Bericht des Verbands- Schatznuisters. 17 



Jahres-Bericht 

des Verbands-Sclriatzmeisters 
für das Verwaltuns:5iahr 1896/97. 

(Reap. vonci l. Olctobar 1896 bis »uim 1. September 18Ö7 ) 

Vorg'elegt auf dem dreizehnten Techniker-Tag' zu Schoharle Mansion am 
6. September 189f. 



Einnahmen: 

Kasseabestaad (vom Vorort Washington übernpmmen) 

am 1. Oktober 1896 $ 95 57 

Verbands-ümlagen für 1896/97. 

T. V. Brooklyn, 1. Rate $17 00 

" " 2. " 17 00 

" " 3. " 17 00 

T. V. Baltimore, 1. ** 16 50 

" " 2. ** 15 50 

" 3. " 15 00 

T. V. Cinciunati, 1. «' 13 00 

^' " 2. " 13 00 

« " 3. " 6 00 

T. V. Pittsburg, 1. " 60 50 

" '•' 2. " 64 00 

" ** 3. '' 65 50 

T. V. Philadelphia, 1. " 59 00 

« " 2. " 60 00 

« " 3. " 65 00 

T. V. New York, 1. *' 56 50 

" " 2. " 56 50 

" "Theilder3. " 30 00 

T. V. Washington, 1. " 15 00 

" " 2. ** 19 00 

« « 3. ** 19 00 

687 00 

$782 57 



i8 , Mittheilungen dss D. A, T. V. 

Ausgraben: 

Verbands-Mittheiluugen, Vol. IL, No. 1 $154 59 

*^ " " "2.... 108 34 

" " '' " 3. .. 119 54 

" " 4.... 8110 

« " " 5.... 79 30 

" " " ** 6.... 148 56 

Schreibmaterial, Porto, Oirkulare, etc 28 42 



719 85 



Kassenbestand am 23. August 1897 >. 62 72 

Snmma $ 782 57 

Dr. Wilh. Schad, 

Verbands- Sc?iatzmei8ter. 
BrooMyn, N. F., den 1. September 1897. 



Jahres-Bericht 

der Centralstelle für Stellenvermittltang 
des Deutsch-Amerikanisclien Techniker-Verbandes, 

Yorsfelegt auf dem dreizehnten Technlker-Ta^re in Schoharle Manslon, 
den 6. September 1897. 



Die Thätigkeit der Centralstelle für Stellen- Vermittlung hängt 
mehr oder weniger mit den geschäftlichen Verhältnissen des Landes 
zusammen. Aehnlich wie das Thermometer die Schwankungen 
der Lufttemperatur angiebt, so zeigt die Statistik der Centralstelle 
während der letzten fünfzehn Jahre ein wechselndes Bild der hie- 
sigen Industrie und der mehr oder minder grossen Einwanderung, 
welche in Folge dieser Verhältnisse sich einstellte. Während die 
Zahl der Stellensuchenden im Jahre 1884 die höchste Zahl von 
129 erreichte, hat sich diese Zahl von Jahr zu Jahr vermindert. 
Im Jahre 1893, zur Zeit der Chicagoer Ausstellung, sank sie auf 
84 und ging im Laufe der letzten Jahre allmälig auf durchschnitt- 
lich 20 -30 zurück. 

Dieses Jahr war die Zahl der Applikanten 25. Es ist im 
Kleinen eine Andeutung, dass die technische Einwanderung nach 
Amerika beinahe vollständig nachgelassen hat. Es ist dieses nicht 
zu verwundern, da die deutschländische Tages- und Fachpresse 
seit Jahren von der Auswanderung abgerathen hat und auf der 
andern Seite drüben die Geschäfte blühender sind, so dass eine 
grössere Anzahl von Technikern festgehalten wurde. 



Jahresbericht der Oentralstelle für StellenvermUflmig. 19 

Die Zahl von 25 Stellensucheuden vertheilte sich auf die fol- 
genden Fächer: 

Maschinen-Ingenieure 15 

Civil- Ingenieure 2 

Architekten 3 

Chemiker und Hüttenleute 4 

Elektro-Techniker 1 

Von diesen waren 9 schon seit längeren Jahren in Amerika, 
während 16 neu eingewandert waren. Von den Stellensuchenden 
wurden 7 in Stellung gebracht und zwar 6 Maschinen-Ingenieure 
und ein Architekt. 

Den meisten der Angemeldeten wurden wie üblich die Adress- 
listen der Centralstelle zur Verfagnng gestellt, sowie mehreren, 
die nach dem Westen zu reisen beabsichtigten, die nöthigen Ein- 
führungskarten gegeben. 

Die Nachfrage nach Technikern war äussert gering. Viele 
Fabriken reducirten ihr Personal und Vakanzen waren sehr selten. 

Die Nachfragen nach Maschinen-Ingenieuren waren wie immer 
am zahlreichsten; Civil - Ingenieure wurden beinahe gar keine 
verlangt, da keine neuen Eisenbahn-Unternehmungen in Aussicht 
standen und bei andern Unternehmungen, wie bei der New Yorker 
Untergrundbahn, sich die Ausführung verzögerte. Nach Architekten 
war ebenfalls äusserst geringe Nachfrage, aber trotzdem gelang es 
uns, einige durch persönliche Empfehlung in Stellung zu bringen. 
Die Aussichten für Chemiker waren ebenfalls verhältnissmässig 
schlechte. 

Es muss jedoch konstatirt werden, dass in den letzten Wochen 
sich mehrfach Nachfrage nach Zeichnern und Ingenieuren ein- 
stellte und dass es in Folge dessen der Centralstelle gelang, mehrere 
unserer stellenlosen Fachgenossen unterzubringen. Ob diese Nach- 
frage anhaltend sein wird, wird sich bald zeigen. Ob die Ursache 
dafür in der Ermuthigung liegt, welche den ganzen Geschäfts- 
Verhältnissen durch die gute Ernte gegeben wurde, oder ob sie 
mit den neuen Tarif- Verhältnissen zusammenhängt, ist schwer zu 
sagen. Es wird iedoch mit Sicherheit zu erwarten sein, dass sich 
unter dem neuen Tarif die amerikanische Industrie im Allgemeinen 
heben wird und dadurch bessere Aussichten auf Stellungen für 
Techniker sich eröffnen werden. 

Da sich in den letzten Jahren viele Ingenieure auf das Studium 
der Elektro-Technik geworfen haben und die Nachfrage von den 
wenigen Gesellschaften, welche dies Gebiet beherrschen, klein war, 
so waren mehr Elektro-Techniker vorhanden wie Vakanzen. Hof- 
fentlich wird sich auch in dieser Richtung ein Umschwung zum 
Bessern zeigen. 

Was die Aussichten für die nächste Zeit sein werden, ist 
schwer zu sagen. Wir Alle hoffen, dass sich die Verhältnisse 
bessern werden und dass dann auch bessere Aussichten für deutsche 
Techniker vorhanden sein w^erden. Glücklicherweise ist die Zahl 



20 Mittheilungen des D. A. T. F. 



der Stellensiicheuden verhältnissmässig klein und in Folge dessen 
die häufig beinahe aussichtslose Arbeit der Central-Stelle weniger 
anstrengend gewesen. 

Wie wichtig eine bessere Geschäftslage für uns Alle ist, liegt 
auf der Hand. Es hängt ja das Bestehen der Einzelnen, ja sogar 
die Existenz unseres Verbandes mehr oder minder damit zusammen. 
Gelänge es, unseren Kongress zu veranlassen, die Regulirung 
unserer Währungs-Prage auf der Gold-Basis vorzunehmen, so dass 
feste, geordnete finanzielle Verhältnisse sich bilden könnten, dann 
würde die Aussicht auf erneute Thätigkeit auf dem Gebiete der 
Industrie wohl berechtigt sein, das Vertrauen des Kapitals den 
industriellen Unternehmungen wieder zugewendet und dadurch 
Gelegenheit für die nutzbringende Ausübung der fachwissenschaft- 
lichen Kenntnisse gegeben werden. 

Für die CentrcU- Stelle : 

Paul Goepel. 



Vortheüe der rotirenden Dampfmaschine. 21 



Vortheile der rotirenden Dampfmaschine über die liin- 
und liergeliende im Scliiffsbau-Wesen.'') 

Von Hector von Bayer. 



Die Vortheile eines rotirenden Motors für Dampfschiffe sind 
klar ersichtlich, insofern als die direkte Umsetzung der Dampf kraft 
auf die Triebwelle berücksichtigt wird, wodurch an Eaum, Gewicht, 
Reibung und Abnützung, selbstverständlich gewonnen wird. Wenn 
ein solcher Motor sich als ökonomisch im Dampfverbrauch erweist 
und bei grosser Umdrehungsgeschwindigkeit eine entsprechende 
Schubkraft in der Schraube erzeugt, und wenn dabei die bisher 
auffewandten Maschinen bedeutena vereinfacht werden, so ist 
sicherlich die rotirende Dampfmaschine als eine Rivalin der hin- und 
hergehenden dahingestellt, vorausgesetzt, dass keine Schwierigkeiten 
damit verbunden sind, welche die obengenannten unbestreitbaren 
Vortheile überwiegen. Bis jetzt sind derartige Schwierigkeiten noch 
nicht eingetreten, noch je solche zu vermuthen. 

Die Compound-Dampfturbine besteht aus einem System von 
Dampfturbinen, welche hintereinander auf derselben Welle sitzen, 
so dass eine jede derselben von der ihr zunächst vorliegenden den 
Dampf erhält und denselben der ihr folgenden abgiebt. Jede 
dieser Einzelturbinen besteht wieder aus einem Kranz fester Leit- 
schaufeln — dem Leitrade — und dem Laufrade. Der Dampf, der 
rings um die Welle einströmt, geht zuerst durch den ersten Kranz 
der Leitschaufeln, dann durch die Schaufeln des Laufrades, von 
da durch einen zweiten Kranz von Leitschaufeln und so fort durch 
die ganze Zahl der Leit- und Laufräder des Turbinenmotors. 

Die Schaufeln der Dampfturbine sind sorgfältig gekrümmt 
wie diejenigen der Wasserturbinen und die Strombewegung des 
Dampfes in den Turbiiienmotor ist ähnlich der des Wassers m der 
Wasserturbine. Dampf jedoch ist ein Expansiv-Gas und obgleich 
seine Wirkung auf jede individuelle Turbine wie die einer unelasti- 
schen Flüssigkeit ist, so findet doch stets zwischen den aufeinander 
folgenden Laufrädern eine Expansion des Dampfes statt und zwar 
nahezu nach dem Gesetze einer geometrischen Progression, so dass 
dieselbe sehr bald grosse Proportionen annimmt. Expansions- 
Verhältnisse von 50 bis zu 100 und sogar 200 sind ganz gewöhn- 
liche Erfahrungen mit Compou nd- Dampf turbinen und Condensator. 

Eine bemerkenawerthe Thatsache im Dampfturbinenbau ist, 
dass hohe Expansions-Verhältnisse und grosse Dampf- Volumina 
ökonomisch arbeiten, ohne entsprechende Vergrösserung der Maschi- 
nen-Theile zu benöthigen, oder was vielleicnt wichtiger erscheint 

♦) Nach einer Vorlesung des Hon. Charles Algemon Parsons im Institut der 
Clvll-Ingenieure, England. 



22 Mittheilungen des D. A. T. V. 

und der Dampfturbine einen speciellen Vortheil über die gewöhn- 
liehe Dampfmaschine giebt, uass die Reibungswiderstände bei 
richtiger, der Expansion entsprechender Konstruktion, praktisch 
die gleichen bleiben und dass zugleich eine ausnehmende Ersparniss 
von Dampf erreicht, wird. 

Die hohe Umdrehungsgeschwindigkeit verringert nicht nur 
das Gewicht der Maschine im Verhältniss zu einer bestimmten 
Pferdekraft, sondern auch das der Weile, der Schraube und deren 
Lager, wie das des Schiffskörpers. Das Totalgewicht der Maschine 
in Schiffen der Torpedoboot- Klasse, wenn mit Dampf tu rbiunen 
versehen, wird kaum ein Drittel von dem sein eines ähnlichen 
Schiffes mit der sonst üblichen Maschine von gleicher Kraft. Der 
Dampf verbrauch in den letzten Versuchen mit der „Tnrbinia" war 
nicht über 14} Pfd. per Pferdekraft unter voller Ladung, oder 
bedeutend weniger als bei Maschinen des früheren Typus, so dass 
die Grösse und das Gewicht des Dampfkessels, wie aucn der nöthige 
Kohlen vorrath bedeutend reducirt werden kann. Dadurch wird 
das Deplacement des Schiffes auch verringert, so dass mit einer 
gewissen Pferdekraft entweder grössere Geschwindigkeit erreicht 
werden kann, oder auf der anaern Hand eine grössere Ladung 
befördert werden kann, mit einem gewissen Kohlenverbrauch per 
Knoten. 

Zu diesen Vortheilen muss hinzugesetzt werden, dass der von 
den Dampfturbinen eingenommene Raum viel kleiner ist als der 
von einer gewöhnlichen Maschine, wodurch die Ladnngsfähigkeit 
des Schiffes erhöht wird. Der Umstand, dass die Dampfturbinen 
nahe am Schiffsboden gelegen sind, drückt den Schwerpunkt des 
Schiffes hinab und macht dasselbe mehr stabil. So sind die 
Dampfturbinen in der ,,Turbinia" — mit nur drei Puss Tiefgang — 
fast gänzlich unterhalb der Wasserlinie gelegen, ein Punkt von der 
höchsten Wichtigkeit für Kriegsschiffe. 

Die fast gänzliche Abwesenheit von Vibrationen in der stets 
in gleicher Richtung rotirenden Maschine erlaubt eine Verringerung 
im Gewichte des Schiffskörpers und erzeugt in rasch gehenden 
Schiffen einen bisher niemals erfahrenen Komfort, wie auch in 
Kriegsschiffen eine leichte und genaue Behandlung der Kanonen 
und Torpedos. 

Ein weiterer Vortheil wegen der kleineren und leichteren 
Wellen und Schrauben ist die leichtere Ausbesserung derselben, 
das Mitführen an Bord von Extrastücken und die Möglichkeit, 
wegen des geringen Tiefganges seichte Gewässer zu befahren. 
Kurz zusammen gestellt, sind die Vortheile des Dampfturbinen- 
Systems für das fcchiffswesen die folgenden: 

1. Bedeutend erhöhte Geschwindigkeit wegen der Verringerung 
des Gewichtes und des Dampfverbrauches. 

2. Erhöhte Ladfähigkeit. 

3. Erhöhte Oekonomie im Kohlen verbrauch. 

4. Bessere Möglichkeit, seichtes Wasser zu befahren. 

5. Erhöhte Stabilität des Schiffes. 

6. Verringertes Gewicht der Maschine» 

7. Verringerte Kosten in der Führung der Maschine. 



Fortheile der rotirenden Dampfmaschine. 23 

8. Verringerte Grösse und Gewicht der Schrauben und Wellen. 

9. Abwesenheit von Vibration. 

10. Erniedrigung des Schwerpunktes der Maschine und ver- 
ringerte Gefahr im Kriege. 

Das erste Schiff, welches mit einer Turbinenmaschine versehen 
wurde, war die „Turbinia." Seine Länge ist 100 Fuss, Breite 9 Fuss, 
mittlerer Tiefgang 3 Fuss und das Deplacement 44i Tonnen. Es hat 3 
Schraubenwellen, jede direkt getrieben von einer Compound- Dampf- 
turbine nach dem Parallelstrom-Typus. Die drei Turbinen stehen 
in serieSy und der Dampf, wenn voll arbeitend, expandirt von 170 
Pfund absolut bei Eintritt bis zu ein Pfund Druck im Condensator. 
Die Wellen sind etwas geneigt und iede trägt 3 Schrauben, im 
Ganzen also 9 Schrauben. Der Durchmesser der Schrauben ist 
18 Zoll und machen dieselben unter voller Geschwindigkeit 2200 
Umdrehungen pro Minute. Dampf wird von einem Wasserröhren- 
Kessel geliefert, der mit künstlichem Zug versehen ist. Der Apparat 
zur Erzeugung des Zuges ist in solcher Weise mit der Niederdruck- 
Turbinenwelle verbunden, dass, sobald mehr Dampf benöthigt 
wird, der Zu^ von selbst sich vergrössert. 

Man erreichte eine grösste Durchschnittsgeschwindigkeit von 
32 J Knoten, als das Schiff erst 15 Tage vom Stapel gelassen war 
und die Probefahrt über eine gemessene Meile stattgefunden hatte. 
Man erwartet eine grössere Geschwindigkeit, nachdem noch einige 
Aenderungen in der ersten Anlage von Dampfröhren gemacht sind. 
Es ergab sich bei der Probefahrt eine Leistung von 2100 indicirten 
Pferdekräften, einen Spei sewasser- Verbrauch von 14i Pfund per 
indicirte Pferdekraft-Stunde, und eine Geschwindigkeit, die alles 
Bisherige übertraf. Das Gewicht der Hauptmaschinen ist 3f Ton- 
nen ; das ganze Gewicht der Maschinen, Turbinen, des Kessels, 
des Condensators, der Schrauben und Wellen, des Kessel wassers, 
u. s. w., ist 22 Tonnen. Daraus ergiebt sich eine Entwickelung 
von 100 Pferdekräften per Tonne Maschinerie und nahezu von 50 
Pferdekräften per Tonne des Deplacement. 

In der „Turbinia" wurde der Kessel und die Maschinerie nach 
den Vorschriften des "Board of Trade" gebaut; die Konstruktion 
des Schiffskörpers ist schwerer und stärker als nöthig wäre für 
ein Schiff von dieser Grösse. 

Es wird zuversichtlich geglaubt, dass mit ähnlichen Schiffen 
von 200 oder mehr Fuss Länge und versehen mit Compound- 
Dampf turbinen eine Geschwindigkeit von 35 bis 40 Knoten erreicht 
werden kann, und ebenso glaubt man, dass die Geschwindigkeit 
einer jeden Klasse von Passagier-Schiffen durch die Dampfturbinen 
bedeutend erhöht werden kann. 



24 Mittheilungen den D. A, T, V, 



D^titech-'aAmei'il^anischer flpechniker-Vej'band. 

Vorort: Broolclyn. N. Y. 



Verbandsjahr 1896/97. 



Protokoll der Vororts-Sitzung vom J7. September 1897. 

Anwesend: die Herren Heasner, Lungwitz, Wundram, Schad, 
Friedburg. 

Das Protokoll der Sitzung vom 14. Juli wird verlesen und 
angenommen. 

Beschlossen : Den Herrn Sekretär der Delegaten -Versammlung 
aufzuforden, eine vollständige Kopie des Protokolls der Delee^aten- 
Sitzungen, wie bisher üblich, an die einzeluen Delegaten baldmög- 
lichst einzusenden. 

Bericht des Schatzmeisters. 
Kassenbestand am 14. Juli 1897 $ 66.95 

Elnn«ht3o«n. 

3. Umlage des T. V. Philadelphia $65.00 

3. " " " Cincinnati 6.00 

3. " " " Pittsburg 65.50 

3. " " " New York 56.50 

193.00 

$259.95 

Druckkosten No. 6, Vol. II, der „Mittheilungen".. .$134.00 

Auslagen der Redaktion 14.56 

Drucksachen für den Verbands-Tag 22.17 

Postkarten 8.00 

178.73 

Kassenbestand am 27. September 1897 $ 81.22 

Ausstände 58.00 

Aktiva $139.22 

Schluss der Sitzung. 



Verbands- Protokolle. 25 

Protokoll der Vororts-SItzuns: vom 30. September 1897. 

Anwesend: die Herren Heusner, Lungwitz, Wundram, Schad, 
Friedburg. 

Das Protokoll der Sitzung vom 27. September, c, wird verlesen 
und angenommen. 

Der Schatzmeister berichtet, dass die Aktiva der Verbandskasse 
sich auf $248.97 belaufen. 

In Anerkennung der vorzüglichen und selbstlosen Leistungen 
des bisherigen Redakteurs, Herrn W. C. Willenbücher, und in 
Bezugnahme auf das Delegaten -Protokoll vom 5. September 1896, 
wird beschlossen, dem Hrn. W. C. Willenbücher ein Ehrengeschenk 
im Werthe von $50.00 zu übersenden. Die Herren Heusner und 
Friedburg sind in dieser Angelegenheit als Komite ernannt, und 
der Schatzmeister wird beauftragt, die Summe von $50.00 dem 
Komite zu übergeben. 

Hierauf folgt der: 

Schlussbericht des Schatzmeisters. 

Kassenbestand am 27. September 1897 $ 81.22 

Blnnahmsn. 

Für Annoncen in den ,, Mittheilungen" 123.75 

$204.97 

Aasgabsn. 

Diverse Ausgaben des Publikations-Komites $14.00 

Ehrengeschenk für Hrn. W. C. Willenbücher 50.00 

64.00 

Kassenbestand am 30. September 1897 $140.97 

Ausstände 58.00 

Aktiva ' $198.97 

Als Kassen-Revisoren werden ernannt die Herren: C. Jacobi 
und Geo. L. Schäfer. 

Schluss der Sitzung. 

L. H. Friedburg, pröt. Sekretär. 



26 Mittheüungen des D, A. T. V. 



Vereins - Protokolle. 



Teclnnisclner Verein von Plniladelplnia.. 



Geschäfts- Versammlung vom J. Oktober 1897. 

Anwesend: 36 Mitglieder. 

Den Vorsitz führt Hr. Walter Stein. 

Nach Verlesung des Protokolls und einiger eingegangener 
Sehreiben erstattet der Präsident einen Jahresbericht über das 
abgelaufene Vereinsjahr 1896/97. 

Spezialberich te liefern die Herren A. Schumann über die 
Versammlungen, Mitgliederotand und den Werth des Tnventariums, 
welches sich auf $831.00 beziffert; feiner Hr. A. Propfe über 
die Kasse, welche einen Baarbestand von $ 79.00 aufweist ; Hr. A. 
Heilbrunn berichtet über Stellenvermittelung; Hr. J. Sachs über 
den Stand der Bibliothek, welche erfreuliche Zuwendungen erhielt. 
Für das Vortrags-Eomite berichtet Hr. G. Stierlin, dass in diesem 
Jahre fünfzehn Vorträge gehalten wurden. Ausserdem fanden 
Besprechungen über eine grosse Zahl im Fra^ekasten vorgefundenen 
Anfragen statt. Für das Jubiläums-Komite erstattete Hr. M. 
ühlmann ausführlichen Bericht. 

Sämmtliche Berichte wurden von der Versammlung beifällig 
entgegengenommen. 

Nachdem noch zu Kassen-Revisoren die Herren J. Paulus und 
M. Ammann ernannt worden, wird zur Neuwahl des Vorstandes 
geschritten und folgende Herren erwählt: 

Präsident, Hr. H. Schmaltz; 
Vice-Präsident, Hr. 0. Lüthy; 
Korresp. Sekretär, Hr. A. Schumann; 
Protok. Sekretär, Hr. G. Stierlin; 
' Vorsitzer des Vortrags-Komites, Hr. Dr. Th. Willken ; 
Vorsitzer des Stellenvermittelungs-Komites, Hr. A. Heilbrunn ; 
Schatzmeister, Hr. A. Propfe; 
Bibliothekar, Hr. J. Sachs. 

Hierauf erfolgte Schluss der Sitzung, welcher sich ein fröh- 
licher Kommers anschloss. 

A. ScHUMANi^^, Sekretär, 



VereinS'ProtokoUe. 27 

Teclnnisc)ier Verein von Ne\?v York:. 



QeneraU Versammlung: vom 9. Oktober 1897. 

Nach Eröffnung der Sitzung durch den Präsidenten, Herrn 
Paul Goepel, und Annahme des Protokolls der let/>ten Sitzung, 
sowie Erledigung der Routine-Geschäfte, wurde Hr. A. Drewsen, 
M. E., auf Empiehlung des Verwaltungsrathes als Mitglied auf- 
genommen. 

Der Vorsitzende legte dann den Jahresbericht für das letzte 
Vereinsjahr vor, aus dem hervorging, dass die Mitgliederzahl 117 
beträgt, also gegen das Vorjahr eine Zunahme von vier Mitgliedern 
zu verzeichnen ist. Darunter ist jedoch eine Anzahl von tüchtigen 
jüngeren Mitgliedern, welche dem geselligen Leben im Verein sehr 
zu statten kamen. Sodann haben sich die älteren Mitglieder wieder 
beim Verein betheiligt, was hauptsächlich dem Aufblühen der 
geselligen Seite zuzuschreiben ist. Dazu hat das günstig gelegenere 
Vereinslokal mit seiner geeigneten Räumlichkeit viel beigetragen, 
in hauptsächlicher Weise aber der treu zum Verein haltende Ver- 
waltungsrath, dessen Mitglieder in vollem Maasse ihre Pflicht 
erfüllten. In Folge dessen besserte sich auch die Finanzlage des 
Vereins, der mit einem Kassen-Ueberschuss von $62.81 in's neue 
Jahr eintritt. 

Der Verein hatte im Laufe des Jahres ein ordenliches Mit- 
glied, Hrn. Ernst Volkmann, ein Ehren -Mitglied, Hrn. Albert 
Fink, und ein lebenslängliches Mitglied^ Hrn. William Steinway, 
durch den Tod verloren. Der Tod des Hrn. Fink ist ein grosser 
Verlust für die Ingenieure Amerika's; der Tod des Hrn. Steinway 
ein solcher für das Deutschthum New York's speciell. Obwohl 
weniger Vorträge wie früher gehalten wurden, so waren die, welche 
gehalten wurden, vorzüglich und gut besucht. 

Mit der Aufstellung und erfolgreichen Durchführung des 
Programms für den Techniker-Tag in Schoharie Mansion schloss 
der Verein die Ereignisse des Jahres in würdiger Weise ab. Die 
Aussichten für das nächste Jahr sind günstige und sehen wir einer 
Kräftigung des Vereins mit voller Berechtigung entgegen. 

Sodann berichtete der Schatzmeister, Hr. John H. Schäfer: 
Einnahmen $486.60, Ausgaben $423.79, Ueberschuss $62.81. 

In Abwesenheit des Vorsitzenden des Stellen-Komites, verlas 
Hr. Goepel den Bericht desselben, aus welchem sich ergab, dass 
von 30 Stellensuchenden 10, und zwar die meisten erst in den 
letzten Monaten, in Stellung gebracht worden sind. 

Der Verein beschliesst, dem Redakteur der „Mittheilungen" 
für die von ihm dem Verbände geleisteten Dienste seine Aner- 
kennung und Dankbarkeit zu übermitteln. Der Verein stellt 
zugleich das dringende Ersuchen an den Redakteur, seinen Be- 
schluss, die Redaktion niederzulegen, in Wiedererwägung zu ziehen 
und sich auch fernerhin dieser so viel Opferwilligkeit erfordernden 
Aufgabe zu unterziehen und dadurch die Zukunft der ,, Mitthei- 
lungen" sicher zu stellen. 



28 Mittheilungen des D. A. T. F. 

Nachdem der Verein ebenfalls den Beamten den Dank für 
trene Pflichterfüllung ausgesprochen hatte, wurde zur Wahl der 
Beamten geschritten, welche folgendes Resultat ergab: 

Präsident, Leopold Kaczander ; 

Vice-Präsident, Hugo B. Roelker; 

Korresp. Sekretär, Wm. Mueser; 

Protok. Sekretär, Victor Kops; 

Schatzmeister, John H. Schaefer; 

Bibliothekar, Carl Kälble; 

Wissenschaftliches Komite, Dr. L. K. Böhm; 

Arrangements-Komite, Julius Spiro; 

Stellenvermittelungs-Komite, Paul Goepel. 

Obmann der Civil-Ingenieure, E. Ankener. 
" " Maschinen-Ingenieure, E. J. Aue. 

Die Obmänner der Sektionen der Architekten und Chemiker 
werden vom Vorstand gewählt. 

Nach der Wahl fand gemüthliche Zusammenkunft statt, bei 
welcher Hr. C. F. W. Becker, Mitglied der T. V. Philadelphia 
und Pittsburg, der als Gast anwesend war, officiell begrüsst wurde. 
Hr. Becker erwiederte in längerer Rede, in welcher er seine Erfah- 
rungen während seines zweijährigen Aufenthaltes in Amerika 
schilderte und besonders die Vortheile erwähnte, welche ihm durch 
die Mitgliedschaft d,es Verbandes erwachsen wären. Er würde 
dieselben in seinem neuen Wirkungskreise in Deutschland in 
dankbarer Erinnerung halten. Erst zu später Stunde trennte sich 
die vergnügte Gesellschaft. 

Victor Kops, prot. Sekretär. 



TPeclnniUer- Verein WashLington, D. C. 



General- Versammlung vom 6. Oktober 1897. 

Den Vorsitz führt der Präsident,^ Hr. Saegmüller, welcher den 
zahlreich erschienenen Mitgliedern Hrn. Bergenau von New York 
vorstellt. Da der Gast mit einem der schönsten Erlebnissen des 
letzten Techniker-Tages in naher Beziehung steht, so wurde seine 
Anwesenheit besonders von den T heil nehmern dieses Festes auf's 
Lebhafteste begrüsst. 

Nach Verlesung und Annahme der letzten Protokolle unter- 
breitet der Delegat zum dreizehnten Techniiser-Tage einen Bericht 
über die Verhandlungen der jüngst verflossenen Delegaten- Versamm- 
lung und verlas die daselbst angenommenen Aenderungen der 
Verbands-Statuten. 

Der Delegat macht alsdann Mittheilung über das Fest, wie 
dasselbe von herrlichem Wetter begünstigt in herrlichster Weise 
verlaufen ist. Es nahmen 46 Mitglieder, nebst 23 Damen, daran 
Theil und war Washington verhältnissmässig am stärksten vertreten, 
nämlich durch 6 Herren und 9 Damen. War schon die Umgebung 
der Gebirgslandschaft für Viele ein seltener Genuss, so war für 



Vereins- Protokolle. 29 



Alle die genaue Durchführung des aufgestellten Progra üffiK^SWYORK 
Kette festlicher Zerstreuungen. Besondere Erwähnung ve ÄÖWd&LIBRÄRY 
Empfang, der den Gästen durch Hrn. Wilhelm Keuffel i nd dessen 
Familie bereitet wurde und der durch seine Herzlicl keit und j 

unbegrenzte Gastfreundschaft allen Theilnehmern auf ^^fl^^^^^^ !!^**^ ' 
Erinnerung bleiben wird. Ebenso sei den gemeinschaftlroh ■unrofi ^'^^^'^'-^f^ ♦ 
nommenen Spaziergängen gedacht, welche die Schönheiten der 
Catskill so recht unmittelbar dem Auge der Besucher vorführten. 
Kaum fünfzig Schritte von Schoharie Mansion entfernt, konnte 
man die romantischsten Fusstouren antreten. Als einen Haupt- 
vorzug des diesjährigen Festes erklärt der Delegat den Umstand, 
dass alle Theilnehmer in einem Hotel wohnten (eine andere Wohn- 
stätte gab es überhaupt in nächster Nähe nicht) und dass dadurch 
die sonst vorkommenden Gruppen bildungen nicht stattfanden. 

De.r Delegat unterbreitet alsdann die vorgenommenen Verände- 
rungen der Verbands-Statuten. Er erwähnt dabei, dass bezüglich 
der Verbands-„Mittheilungen" kein formeller Beschluss ffefasst 
worden sei, dass sich jedoch die Delegaten im Namen ihrer Vereine 
fast einstimmig für die Fortführung derselben in ihrer jetzigen 
Form und Weise ausgesprochen hätten. 

Die Delegaten-Beschlüsse wurden angenommen. 
Alsdann kamen die Jahresberichte der Beamten zur Verlesung. 
Dieselben ergaben, dass der Verein in gutem Bestände ist und zu 
den schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigt. 

Die darauf folgende Wahl der Beamten für 1897/98 ergab 
folgendes Resultat: 

Präsident, George N. Saegmueller; 

Vice -Präsident, Richard von Ezdorf ; 

Korresp. Sekretär, Paul Bausch ; 

Protok. Sekretär, Wilhelm 0. Willenbücher; 

Schatzmeister, Heinrich H. Bergmann; 

Bibliothekar, Joseph Per Westesson. 
Als Mitglieder des Verwaltungsrathes wurden erwählt: 
Wilhelm Burchard, C. A. Didden, Jacob Jos6, Hermann 
Rassbach und Ernst J. Sommer. 

Als Mitglieder des Revisions-Komi tes ernennt der Präsident 
die Herren Burchard, Kürschner und Weyss. 

Indem wie berichtet, in der Delegaten-Versammlung in Scho- 
harie keine definitive Bestimmung über die Weifcerführung der 
„Mittheilungen" getroffen wurden und es bekannt geworden ist, 
dass dem Vorort Philadelphia gewisse Aenderungen zur Annahme 
vorgelegt werden sollen, so beschliesst die Versammlung einstimmig, 
sich in einem Rundschreiben an die übrigen Verbands- Vereine zu 
wenden und dieselben zu ersuchen, gleich dem T. V. Washington, 
beim Vorort gegen irgend eine Aenderung der „Mittheilungen" zu 
protestiren und im Gegentheil für die Beibehaltung des gegen- 
wärtigen Status einzutreten. 

Darauf Vertagung und Uebergang zu einer höchst fidel en 
Kneiptafel, bei der so ziemlich alle anwesenden Talente „heran" 
mussten. 

W. C. WiLLENBUECHER, prot. Sekretär. 



30 Mitttieilungen des D. Ä, T. V. 

TPeclnnischLer Verein Pittsbiarg. 



Res:elmä5sis:e Versammlung vom 34. September 1897. 

Vorsitzender: Hr. Otto Heeren. 

Anwesend: 22 Mitglieder 

Protokolle werden angenommen wie verlesen. 

Hr. K. V. Wagner trägt an, dass die Versammlung sich 
anlässlich des Todes des Hrn. Rotthof von den Sitzen erhebt. Es 
geschieht. 

Ein Brief vom Vorort wird verlesen, der Abstimmung über 
die Delegaten -Beschlüsse wünscht. 

Der Antrag des Hrn. Moldenke, die Beschlüsse anzunehmen, 
geht durch. 

Darauf stattet Hr. Dr. Moldenke seinen Bericht als Delegat 
zum Techniker-Tage ab. Der Verein spricht ihm seinen Dank aus. 

Hr. Lange schenkt dem Verein eine Photographie vom letzten 
Techniker-Tage. 

Folgende Herren werden nominirt: 

Präsident : Philip Lange. 

Vice-Präsident : Dr. E. Moldenke. 

Sekretär: Victor Beutner, F. König, 0. C. Eeymann. 

Stellvertretender Sekretär: G. Ellison, R. Dröhmer. 

Direktoren: H. Moeser, K. v. Wagner, G. Lutscher, H. Laub, 
F. Glafey, I. Nägli. 

Hr. F. König und Hr. I. Nägli werden zu Revisoren der 
Bücher des Schatzmeisters ernannt. 

Darauf Vertagung. 

A. Schotte, prot, Sekretär, 



General- Versammluns: vom 8. Oktober 1897. 

Anwesend: 34 Mitglieder. 

Der Präsident, Hr. Otto Heeren, eröffnet die Versammlung 
um 8.15. 

Die Protokolle der letzten Versammlungen werden verlesen 
und mit einigen Aenderungen angenommen. Das Protokoll der 
letzten General-Versammlung wird verlesen. Laufende Geschäfte 
liegen nicht vor. 

Hr. Dr. Moldenke stellt den Antrag, eine nachträgliche Nomi- 
nation zu gestatten, um Mitgliedern, die verhindert waren, an der 
vorigen Sitzung Theil zunehmen, Gelegenheit zu geben, ihre Mei- 
nung auszudrücken. 
• A. g. d. 

Hr. Dr. Moldenke nominirt Hrn. R. A. Skalweit für das Amt 
des stellvertretenden Sekretärs und Hrn. A. Kusebauch für das 
Amt des Bibliothekars, da es den Herren Ellison und Alexander 
unmöglich sei, eine Wahl anzunehmen. 

Die Nomination wird unterstützt. 



Vereins- Protokolle, 31 

Der Präsident, Hr. Otto Heeren, verliest seinen Jahresbericht, 
aus dem zu entnehmen ist, dass das verflossene Jahr, im Geffensatz 
zu dem vorletzten, ein sehr ruliiges war, indem nichts von Bedeu- 
tung vorgefallen ist. Von den vierzehn im Verlaufe des Jahres 
gehaltenen Vorträgen waren neun rein technischer Natur und fünf 
populär. Die siebzehn abgehaltenen Versammlungen waren im 
Durchschnitt von siebenun dz wanzig Mitgliedern besucht. 

Mitgliederbestand am 9. Oktober 1896 121 

Aufgenommen während des Vereinsjahrs 1896/97- . 17 

138 

Davon gehen ab : Verstorben 2 

Ausgetreten 6 

Gestrichen 4 

— 12 

Mitgliederbestand am 8. Oktober 1897 126 

Die Bibliothek ist um 96 Bände gewachsen und besteht nun- 
mehr aus 296 Bänden. 

Der Verein feierte die folgenden, zum Theil sehr stark besuch- 
ten Feste: Einen Weihnachts-ßommers im Dezember, zwei Winter- 
feste im Hotel Victoria im Februar und April, das Stiftungsfest im 
Juli in Camp Marion. Ausserdem wurde die Phoenix Brauerei 
„wissenschaftlich" besucht. 

Zum Schlüsse spricht der Präsident den Mitgliedern des Vor- 
standes und der Komites seinen Dank für ihre Unterstützung aus. 
Er bedauert, sich von einer aktiven Thätigkeit im Verein zurück- 
ziehen zu müssen und wünscht demselben ein weiteres Blühen 
und Gedeihen. 

Der Schatzmeister, Hr. Dr. K. F. Stahl, legt der Versamm- 
lung seinen Bericht über die Finanz-Verwaltung im verflossenen 
Jahre und den Bericht des Finanz-Komites vom Techniker-Tage 
1896 vor. 

Hr. Victor Beutner macht die Anwesenden in wenigen Worten 
auf die grossen Verdienste des abtretenden Präsidenten aufmerksam 
und bedauert, dass es laut Statuten der Versammlung unmöglich 
sei, durch die Ernennung des Hrn. Heeren zum Ehrenmitglied des 
Vereins eine gebührende Anerkennung der Dienste desselben aus- 
zudrücken. Er stellt den folgenden Antrag: 

Die General-Versammlung beauftragt den antretenden Vor- 
stand, zu erwägen, ob es nicht am Platze wäre, die Ernennung 
des Hrn. 0. Heeren zum Ehrenmitglied des Vereins, in Anerken- 
nung der grossen Verdienste desselben, der nächsten Versammlung 
zu empfehlen. 

Der Antrag wird mit grossem Beifall aufgenommen und von 
verschiedenen Seiten unterstützt. 

A. g. d. 

Hr. K. von Wagner stellt fernerhin den Antrag, das im 
Besitze des Vereins befindliche Originalbild „In Bayern" Herrn 
Heeren zu dediciren, für den dasselbe durch persönliche Beziehungen 



32 Mittheilungen des D, Ä. T. V. 

einen viel grösseren Werth besässe, als für den Verein. Herr 
Stupakoif hätte schon eine Photographie als Ersatz für das Original 
gestiftet. 

Hr. Heeren bemerkt, dass der Verein nach den Statuten kein 
Eeeht habe, über sein Eigenthiim vor seiner Auflösung zu verfügen, 
wird aber von Hrn. Stupakoff eines Besseren belehrt. 

A. g. d. 

Es wird zur Wahl geschritten. 35 Mitglieder hatten von ihrem 
Rechte Gebrauch gemacht, ihre Stimme schriftlich einzusenden, 
und die Wahl drückt daher viel mehr die Meinung des Vereins 
aus als je zuvor. 

Der Präsident ernennt die Herren Mulert, Alexander und Nägli 
zu Wahlrichtern. 

Die Stimmenabgabe ergiebt folgendes Resultat: 

Präsident, Philip A. Lange; 65 Stimmen. 

Vice-Präsident, Dr. R. Moldenke; 66 Stimmen. 

Sekretär, Victor Beutner; 56 gegen 11 Stimmen. 

Stell vertr. des Sekretärs: R. A. Skalweit; 54 gegen 14 Stimmen. 

Schatzmeister, Dr. K. F. Stahl ; 68 Stimmen. 

Bibliothekar, A. Kusebauch; 38 gegen 24 Stimmen. 

Direktoren: H. Laub, K. von Wagner, F. Glafey. 

Der neue Präsident, Hr. Philip A. Lange, dankt dem Verein für 
die ihm erwiesene Ehre. Nach den grossen Anstrengungen des 
Techniker-Tages sei natürlich eine grosse Apathie eingetreten. Es 
sei ihm aber gelungen, einige der tüchtigsten Kräfte wieder zur 
aktiven Arbeit für den Verein zu bewegen, und er verspreche sich 
mit der kräftigen und schaffensfreudigen Unterstützung durch die 
mit ihm erwählten Beamten und einer regen Interessen ahme Seitens 
aller Mitglieder des Vereins ein gedeihliches Weiterblühen des- 
selben. 

Hr. Dr. Moldenke und Hr. Kusebauch statten der Versammlung 
ebenfalls ihren Dank ab. 

Vertagung um 11 Uhr. 

Vtctor Beütner, Sekretär. 



Deiatsclner Tectinilcer- Verein Baltimore. 



Wissenschaftliche Versammlung: vom 15. Juli 1897. 

Anwesend: 15 Mitglieder. 

In Abwesenheit des Präsidenten eröffnet der Vice-Präsident, 
Hr. Stueler, die Versammlung. 

Das Protokoll der Sitzung vom 1. Juli wird verlesen und 
angenommen. An Korrespondenzen waren eingegangen : 

Der Internationale Verband für Material-Prüfungen sendet 
einen Prospekt über die besten Reise- Verbindungen für den Tech- 
nischen Kongress in Stockholm. 



VereinS'ProtokoUe. 33 

Ein Schreiben des Delegaten vom T. V. Philadelphia, Hrn. 
Schumann, welcher um die Ansicht unseres Vereins in Bezug auf 
die Herabsetzung der Beisteuer auf 50 Cents der Umlage ersucht. 
Vertagt bis zur nächsten Sitzung. 

Hr. Wundram ersucht um Einsendung: der Verbands-TJmlage. 
Ausserdem war eine Anzahl von Zeitschriften eingegangen. 

Hierauf wird Herrn Leupold das Wort ertheilt zu seinem 
Vortrage : 

„Anordnung von Verankerungen in flachwandigen Wasser-Gefässen/' 

in welchem er, erläutert durch eine Reihe von Beispielen und 
Skizzen, mehrere sehr gute und neue Regeln zur Bestimmung der 
Querschnitte von Zugstangen und deren Anbringung riebt. 

Der Vorsitzende sprach Hrn. Leupold den Dank des Vereins 
aus für seinen Vortrag. 



Qeschäfts-Sitzung vom 5. August 1897. 

Anwesend: 11 Mitglieder. 

Der Vice-Präsident eröffnet die Versammlung. 

Das Protokoll der Sitzung vom 15. Juli wird verlesen und 
angenommen. 

Korrespondenzen waren nicht eingegangen. 

Der Brief des Delegaten von Philadelphia kam nochmals zur 
Verlesung und wurde beschlossen, dieses Schreiben dahin zu beant- 
worten, dass wir unseren Delegaten entsprechend instruiren würden. 

Beschlossen wurde, die nächste Sitzung zu einer ausserordent- 
lichen Versammlung betreffs Wahl eines Delegaten für die 13. 
Jahres- Versammlung des Deutsch- Amerikanischen Techniker- Ver- 
bandes zu erheben. 

Hr. Lässig ersucht um eine kurze Beschreibung der besten 
und einfachsten Kraft-Eismaschinen. 

Der Bibliothekar verweist auf einen speciellen Aufsatz im 
Journal des Vereins deutscher Ingenieure, welcher diese Frage 
ausführlich behandelt. 

Hr. Ledent stellt den Antrag, in der Kürze einen gemein- 
schaftlichen Ausflug mit Damen zu veranstalten. Der Antrag wurde 
lebhaft unterstützt und wird Hr. Loeser beauftragt, einen ent- 
sprechenden Platz zu besichtigen und in der nächsten Sitzung 
darüber zu berichten. 



Ausserordentliche Versammlung vom 19. August 1897. 

Anwesend: 10 Mitglieder. 

Die Sitzung wird durch den Vice-Präsi deuten eröffnet 

Das Protokoll der Sitzung vom 5. Augusfc wurde verlesen und 
angenommen. 

In den Einladungen für den Verbands-Tag des Deutsch- 
Amerikanischen Techniker- Verbandes ist Hr. St^rnberg als Delegat 
angeführt. Hr. Sternberg erklärt, dass dies ein Irrthum und ohne 
sein Wissen und Willen gesehenen sei. 



34 MiWmlungen des D. A. T. V. 

Hr. Loeser berichtet über verschiedene Plätze, welche sich für 
einen gemeinschaftlichen Ausflug unseres Vereins eignen. 

Es wird ein Komite von Dreien ernannt, welches über die 
Wahl des Platzes entscheiden und alles Weitere für einen Ausflug 
arran^iren soll. 

Hierauf wurde zur Erwählung eines Delegaten für den Ver- 
bands-Tag geschritten. Die Wahl fiel auf Hrn. Ledent, welcher 
dieselbe annahm und folgende Instruktionen erhielt: 

1. Die ,, Mittheilungen" sollten in ihrer jetzigen Form und 
Ausstattung beibehalten werden. 

2. Wenn eineErsparniss gewünscht wird, so sollten die „Mit- 
theilungen" nicht an die einzelnen Mitglieder, sondern nach 
den Vereins-Lokalen gesandt werden. 

3. Festzustellen, wie hoch sich der jährliche Beitrag pro Mit- 

flied beläuft, 
[ru. Willenbücher öfficiell den Dank des T. V. Baltimore 
für die Führung der Redaktion der „Mittheiluugen" aus- 
zusprechen und ihn, wenn möglich, zu bestimmen, dieselbe 
aucn fernerhin zu übernehmen. 

Den nächsten wissenschaftlichen Vortrag wird Hr. Stueler 
über „Scbiifsbau" halten. 

Hr. Lässig dedicirte dem Verein ein Buch, wofür ihm der 
Dank des Vereins ausgesprochen wird. 



Qeschafts-Sitzung vom 3. September 1897. 

Anwesend: 10 Mitglieder. 

Die Sitzung wurde durch den Vice-Präsidenten eröffnet. 

Das Protokoll der Sitzung vom 19. August, sowie der Bericht 
des Komites für den Familien-Ausflug wurden verlesen und ange- 
nommen. 

Hr. Wundram, vom Vorort, erklärt in einem Schreiben, dass 
es seine Schuld sei, Hrn. Sternberg's Namen auf die Delegaten- 
Liste gesetzt zu haben, da seiner Zeit der Name unseres Delegaten 
noch nicht eingereicht war. 

Eingegangen war eine grössere Anzahl Zeitschriften ; ferner 
der erste Nachtrag zum Mitglieder-Verzeichniss des Internationalen 
Verbandes für Material-Prüfungen, sowie ein Bericht vom Präsi- 
denten desselben Vereins. 

Hr. Ledent verliest den Bericht über den Familien-Ausflug 
und übergiebt dem Schatzmeister den erzielten Ueberschuss. 

Auf Antrag des Hrn. Sternberg beschliesst der Verein, den 
Herren dieses Komite — Maiberg, Krekel und Ledent — für ihre 
Bemühungen, sowie Hrn. Loeser für Anfertigung des originellen 
Programms für diese Gelegenheit den Dank des Vereins auszu- 
sprechen. 

Hr. Krekel macht auf die am 7. Oktober stattfindende Beam- 
tenwahl und einzureichenden Berichte der Beamten aufmerksam. 

Auf Antrag des Hrn. Stueler beschliest der Verein, unserem 
Präsidenten, Hrn. Prof. Fuchs, sein Beileid über den Verlust in 
dessen Familie auszusprechen. 



Vereins -Protokolle. 35 

Wissenschaftliche Versammlung: vom j6. September 1897. 

Anwesend: 15 Mitglieder und 2 Gäste. 

Die Versammlung wurde durch den Präsidenten eröffnet. 

Das Protokoll der Sitzung vom 2. September wurde verlesen 
und angenommen. 

Unser Delegat, Hr. J. Ledent, verliest seinen Berieht des 
Verbands-Tages . 

1. Der Beitrag pro Jahr und Mitglied beträgt $1.50. 

2. Die „Mittheilungen" werden in ihrer jetzigen Form bei- 
behalten. 

3. Hrn. Willenbücher wurde für die Redaktion der „Mitthei- 
lungen" der Dank des Verbandes ausgesprochen. 

4. Als nächster Vorort für das kommende Jahr wurde der 
T. V. Philadelphia erwählt. 

5. Jeder Verein hat zwei Sekretäre zu erwählen, doch bleibt 
es den Vereinen überlassen, die Obligenheiten derselben 
selbst zu bestimmen. 

Hr. Ledent verehrt dem Verein eine Photographie sämmtlicher 
Theilnehmer und Theilnehmerinuen am Techniker-Tage. 
Hierauf hielt Hr. Stueler einen Vortrag über: 

„ Schiffs-Bau." 

Derselbe behandelte die Formeln zur Berechnung der Kon- 
struktionen von Schiffs-Körpern und war von einer grossen Anzahl 
Zeichnungen, Skizzen und einem Modell begleitet. 

Der Vortrag wurde von allen Seiten mit grossem Interesse 
verfolgt und sprach der Präsident Hrn. Stueler den Dank des 
Vereins für seinen ausführlichen Vortrag aus. 

Es wird bekannt gemacht, dass am 7. Oktober eine General- 
Versammlung und Beamten wähl stattfindet. 

In Folge verschiedener vorgebrachter Uebelstände, das gegen- 
wärtige Vereinslokal betreffend, wird ein Komite von drei Herren 
ernannt, welche sich nach einem passenden Lokale umsehen sollen. 

Das diesjährige Stiftungsfest findet unffefähr am 15. Oktober 
statt und ist das genaue Datum für die Abhaltung desselben noch 
zu bestimmen. 

Hr. Ledent benachrichtigt den Verein, dass dies seine letzte 
Versammlung sei, welcher er beiwohne, da er beabsichtige, Anfangs 
Oktober nach seiner Heimath — Belgien — zurückzukehren. 

Der Präsident, sowie alle Anwesenden, sprachen ihr lebhaftes 
Bedauern darüber aus und wünschten dem Scheidenden Glück 
und Wohlergehen. 

Hierauf schloss sich ein kleiner Kommers an, bei welchem 
noch manch' herzliches Wort gewechselt und manches Glas auf 
Hrn. Ledent's Wohlergehen geleert wurde. 



36 Mittheilungen des D. A. T. T. 

General- Versammlung vom T. Oktober 189T. 

Anwesend: 13 Herren. 

Nach Abhaltung einer Vorstands-Sitzang wurde die Versamm- 
lung um 8 30 durch den Präsidenten eröffnet. 

Das Protokoll der wissenschaftlichen Sitzung vom 16. Septbr. 
wurde verlesen und angenommen. 

An Correspondenzen waren eingegangen: 

Ein Schreiben des Vororts Philadelphia, betreffend die Be- 
schlüsse des Verbands-Tages. 

Ein Exemplar der Statuten des T. V. Pittsburg. 

Hierauf verlas der protok. Sekretär seinen Bericht über das 
verflossene Vereinsjahr, welcher mit einer kleinen Abänderung 
angenommen wurde. 

Desgleichen verlas der Bibliothekar seinen Bericht, worin er 
beantragt, Hrn. Lässig den Dank de« Vereins für die grosse Anzahl 
von Büchern, welche er der Bibliothek dedicirte, auszusprechen. 
Angenommen. 

Der Stellenvermittelungs- Kommissär hatte keinen Bericht 
einzureichen. 

Das Lokal-Komite berichtet, dass es als passendes Vereins- 
Lokal die Halle von Hrn. J. Meinberg, No. 116 N. Paca Str., 
empfiehlt. 

Der Bericht wird angenommen und beschliesst der Verein, 
vom 21. Oktober ab seine Versammlungen in vorgenanntem Platze 
abzuhalten. 

Ferner wird beschlossen, unser diesjähriges zweites Stiftungsfest 
am 21. Oktober im neuen Vereinslokale abzuhalten. Ein Komite 
wird ernannt, um alle nöthigen Vorbereitungen zu treffen. 

Hierauf wurde zur Wahl von Beamten geschritten mit dem 
Kesultate, dass sämmtliche bisherigen Mitglieder des Vorstandes 
in regelrechter Einzelwahl wieder erwählt wurden: 

Präsident, Hr. Prof. Otto Fuchs; 
Vice- Präsident, Hr. R. Stueler; 
Korresp. Sekretär, Hr. K. R. Sternberg; 
Protok. Sekretär, Hr. A. Loeser; 
Schatzmeister, Hr. H. Lässig; 
Bibliothekar, Hr. H. Krekel; 
Stellen- Vermittler, Hr. Theo. Zwermann. 

Der Präsident dankte im Namen des Vorstandes für das 
erwiesene Vertrauen und ermahnte den Verein zu festem Zusam- 
menhalten. 

Hr. Lässig schenkt dem Verein ein Buch, welches dankend 
angenommen wird. 

Aug. Loeser, 'prot, Sekretär. 



Vereins- Protokolle. 37 

TTechinlsclner Verein von Brooklyn. 



Regelmässige Versaminluns: vom a. Oktober 1897. 

Der Präsident, Hr. E. L. Heusner, eröffnet die Sitzung und 
begrüsst die anwesenden Gäste: Hrn. Carl F. W. Becker aus Offen- 
bach a/M., von Pittsburg kommend, auswärtiges Mitglied der T. V. 
Pittsburg und Philadelphia; ausserdem verschiedene Herren vom 
T. V. New York. 

Das Protokoll der Sitzung vom 12. August, c, wird verlesen 
und angenommen. 

Der korresp. Sekretär legt zwei Anmeldungen neuer Mitglie- 
der vor: 

Hr. Christoph Staiger, Juwelier, 358 Vemon Ave. 
Hr. William Braun, Lithograph, 552 Decatur Str. 

Beide Herren sind vom Vorstande zur Aufnahme empfohlen 
und werden als ordentliche Mitglieder aufgenommen. 

Die Geschäfts-Ordnung wird bis zur nächsten Sitzung vertagt, 
mit Ausnahme des Berichts des Delegaten, Hrn. Wundram. Der- 
selbe trägt seinen sehr ausführlichen Bericht vor, welcher sich 
ungetheilten Beifalls erfreut und dankend entgegen genommen 
wird. Herr Präsident Heusner erweitert diesen Bericht durch 
interessante Mittheilungen der Erlebnisse, welche den Herren 
beschieden waren, die noch mehrere Tage nach Schluss des Tech- 
niker-Tages in den Catskill verweilten. 

Schluss der Sitzung. 



Regelmässige Vereins-Sltzuns: vom 16. Oktober 189f • 

Der Präsident, Hr. E. L. Heusner, eröffnet die Sitzung. 

Das Protokoll der Sitzung vom 2. Oktober, c, wird verlesen 
und angenommen. 

Der korresp. Sekretär theilt die Umänderungen der Verbands- 
Statuten, laut Delegaten-Beschlüssen vom Delegaten-Tag der drei- 
zehnten Jahres - Versammlung, behufs Abstimmung über deren 
Genehmigung mit. 

Die Aenderung des §5 der Statuten dahin dass: Jeder Verein 
zwei Sekretäre hat, deren Funktionen den Vereinen zu bestimmen 
überlassen bleibt, wird abgelehnt. 

Angenommen wird dagegen die Aenderung des §28 der Sta- 
tuten, welcher fortan lauten soll: „Die Zahlungs-Termine für die 
Umlagen sind festgesetzt auf den 1. Oktober, 1. Januar und 1. 
April. 

Gemäss einem vorgelegten Schreiben des T. V. Washington, 
protestirt derselbe gegen etwaige Aenderungen in der Fassung und 
Art des Erscheinens der „Mittneilungen." 



38 Mittheilungen des D. Ä. T. V, 

Beschlossen: Sich dem Protest des T. V. Washington anzn- 
schliessen und den korresp. Sekretär zu beauftragen, dem Vorort 
hiervon Mittheilung zu machen. 

Ferner beschlossen: In Anbetracht 

1. dass der Protest des T. V. Washington vom 15. Oktober 
als nicht weitgehend genug angesehen wird und es wün- 
schenswerth erscheint, dass diese Angelegenheit mit Be- 
stimmtheit geregelt wird; 

2. dass der Antrag des Delegaten von Philadelphia, Hen'n 
Schumann, die Verbands-Ümlagen auf 50 Cents per cap. 
und die Broschüre entsprechend zu reduziren, von sämmt- 
lichen übrigen Delegaten abgelehnt wurde und der bisherige 
Beitrag von $ 1.50 ausdrücklich beibehalten wurde, weil es 
im Interesse des Verbandes liegend erschien, dass die „Mit- 
theilungen" in der bisherigen Weise fortgeführt werden ; 

3. dass die Art der Herausgabe der „Mittheilungen" sich als 
entsprechend bewährt hat und sich der allgemeinen Aner- 
kennung erfreut ; 

4. dass durch eingegangene Kontrakte, auf Annoncen bezüg- 
lich, welche die Summe von $200 repräsentiren und zum 
Theil noch auf ein Jahr laufen, die Verpflichtung vorliegt, 
die „Mittheilungen" in unveränderter Weise fortzuführen, 

beim Vororte den folgenden Antrag zu stellen: 

„Die „Mittheilungen" sollen für das laufende Jahr in unver- 
änderter Weise fortgeführt werden und wesentliche Aende- 
rungen in der Herausgabe und Ausstattung der „Mitthei- 
lungen" sollen der nächsten Delegaten-Versammlung über- 
lassen bleiben." 

Der Vorort wird ersucht, über diesen Antrag, gemäss § 29 der 
Verbands-Statuten, bei den Einzel -Vereinen abstimmen zu lassen. 

Laut einem Briefe des T. V. New York, ladet derselbe den 
T. V. Brooklyn ein, sich an dem für die nächste Woche in Aussicht 
stehenden Besuche des Bremer Lloyd-Dampfers „Kaiser Wilhelm 
der Grosse" zu betheiligen. 

Der nun folgende Jahres-Bericht des Präsidenten ergab einen 
interessanten IJeberblick über die Ereignisse und Leistungen inner- 
halb des T. V. Brooklyn im letzten Verbandsjahr und gab ausserdem 
der Befriedigung Ausdruck, dass der Verein sich auf der Höhe 
seiner Mitgliederzahl erhalten habe. 

Der Jahres-Bericht des Schatzmeisters ergiebt einen kleinen 
Ueberschuss. 

Nachdem noch der Antheil erregende Jahres-Bericht des Biblio- 
thekars erfolgt war, wurde zur Beamtenwahl für das kommende 
Vereinsjahr geschritten. Das Wahlergebniss ist folgendes : 

Präsident: E. L. Heusner, M. E., 11 Bartlett Str., Brooklyn. 
Vice-Präsident : Theo. Lungwitz, Chem., 11 Bartlett Str., 
Brooklyn. 



Vereins 'Protokolle. 39 

Korresp. Sekretär: G. W. Wundram, M. E., 316 Quincy Str., 
Brooklyn. 

Protok. Sekretär: Dr. L. H. Friedburg, Chem., 384 Monroe 
Str., Brooklyn. 

Schatzmeister: ür. W. Schad, 105 N. llth Str., Brooklyn. 

Bibliothekar: Jul. Hintze, M. E., 382a Monroe Str., Brookljn. 

Vorsitzender des wissenschaftlichen Komites : Dr. L. H. Fried- 
burg, ehem., 384 Monroe Str., Brooklyn. 

Vorsitzender des Stellennachweisungs-Komites : G. W. Wundram, 
M. E., 316 Quincy Str., Brooklyn. 

Vorsitzender des Arrangements - Komites : Theo. Lungwitz, 
Chem., 11 Bartlett Str., Brooklyn. 

Schluss der Sitzung. 

L. H. Friedburö, prot. Sekretär, 



Zwei Briefe. 



Deutsch-Amerikanischer Techniker- Verband. 

Verbands -Vorart, Brooklyn, 2^. T., den SO. Sept. 1897- 

Lieher Herr Willenbücher f 

Wie Ihnen bekannt, hat in diesem Jahre, ebenso wie im vorherigen, 
Ihre opferwillige und erfolgreiche Thätigkeit als Redakteur der „Mitthei- 
lungen" des D. A. T.-Verbandes die ungetheilte Anerkennung aller Verbands- 
Mitglieder gefunden. Der Vorort glaubt jedoch, es nicht dabei bewenden 
lassen zu dürfen, sondern dass auch ein bleibendes, sichtbares Andenken an 
Ihre vergangenen Dienste die Dankbarkeit ihrer Kollegen bezeugen sollte. 

Im Namen des Verbandes übersenden wir Ihnen in diesem Sinne ein 
Ehrengeschenk, das Sie noch lange an die verflossene Zeit erinnern möge 
und um dessen freundliche Annahme wir bitten. 

Der Vorort Brooklyn: 

G. W. WüNDRAM, korresp, Sekretär. 



428 New Jersey Ave., 8. E. 
Wasliington, D. C, 2. Oktober 1897. 

An den Verbands- Vorstand des D. A. T.-Verbandes, Brooklyn, N. Y. 

Geehrte Herren! 

Das schöne Geschenk, sammt Begleitschreiben, habe ich erhalten und 
haben Sie mir damit eine Ueberraschung bereitet, die mich gleichzeitig in 
Verlegenheit versetzt. 

Ich habe es stets betont, dass ich die Führung der „Mittheilungen" 
nur in der Absicht übernahm, dem Verbände zu dienen und den von mir 
verehrten Freunden gefällig zu sein. Dass meine Bemühungen Ihre Zustim- 
mung und die vieler Mitgheder gefunden haben, ist mir in der letzten Zeit 
erst recht» klar geworden und wird dies für immer eine angenehme Erinne- 
rung für mich sein. 

Was ich nun zu den herzlichen Worten Ihres Schreibens sagen sollte, 
geht über meine Fähigkeiten. Dieselben zwingen mich, das kostbare Geschenk 
anzunehmen und bleibt mir nichts übrig, als Ihnen und dem Verbände für 
diesen Beweis der Anerkennung meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen. 

In treuer Freundschaft, 

Ihr ergebener 

W. C. WiLLENBUECHER. 



^C0114 



40 Mitthsilungen des D. A. T. F. 



Kleine Nachrichten und Personallen. 



Die erste Nummer der diesjährig^en „ Mittheilung^en •• 

soll nicht an die Mitglieder des Verbandes verschickt werden ohne, 
nach ffuter alter Sitte und sicher im Namen aller Mitglieder, einem 
Gefühle der Dankbarkeit und der Anerkennung gerecht zu werden. 
Das wohlgelungene Bildniss des verehrten Vororts-Präsidenten, 
Hrn. E. L. Heusner, ist in diesem Sinne der Nummer 1, Vol. III., 
eingefügt. Da es aber nicht allen Mitgliedern bekannt sein dürfte, 
wie sehr Heusner mit dem Wohl und Wehe des Verbandes ver- 
knüpft ist; wie kaum einer, so wie er, alle zum Verbände gehören- 
den Einzelheiten stets in seinem Herzen hat, so sei noch ausdrücklich 
auf Folgendes hingewiesen: 

Heusner gehört mit zu den Gründern des Verbandes. Er 
nahm regen, thätigen Antheil an der Ausarbeitung der Verbands- 
Statuten ; der T. V. Chicago wurde durch ihn in's Leben genifen ; 
als Vice-Präsident des T. V. New York gelang es ihm, das System 
der Sektionen einzuführen; schliesslich hat sein unermüdliches 
Bestreben den T. V. Brooklyn grossgezogen. Jeder Verein wurde, 
während Heusner in ihm wirkte, zu Bedeutung und zu fruchtver- 
heissender Blüthe erhoben. Als ein Mann, auf den der Verband 
mit Stolz und Freude blicken darf, möge nun sein Bildniss die 
„Mittheilungen" dauernd schmücken. 



Der T. V. New York, der sich zu Anfang des Jahres in sehr 
bedrängten Verhältnissen befand, hat sich im Laufe des Jahres 
theils durch Gewinnung neuer Mitglieder, theils durch die Wieder- 
betheiligung der älteren Mitglieder recht gut erholt, und hatte eine 
stattliche Anzahl als Vertreter beim Techniker-Tag nach Schoharie 
Mansion geschickt. 

Leider ist der bisherige Präsident, Hr. Paul Goepel, der im 
Interesse des Vereins die Leitung für das letzte Vereinsjahr über- 
nomme'n hatte, nicht im Stande, im kommenden Vereinsjahre als 
Präsident zu dienen, da er als Präsident des bekannten Gesang- 
vereins „Deutscher Liederkranz" in New York gewählt wurde und 
es ihm nicht möglich ist, zu gleicher Zeit zwei Vereinen als solcher 
zu dienen. 

Am 8. Oktober wurde Hr. Goepel zudem auf dem Wahlzettel 
der "Citizens Union" (Low Ticket) für Register of Deeds von New 
York nominirt. Diese Nomination ist eine wohlverdiente Ehre und 
jeder Deutsche kann stolz auf dieselbe sein. Von Interesse für 
die Mitglieder des Verbandes dürfte sein, dass Goepel's Ansehen 
unter seinen Berufsgenossen und seine Beziehungen zum D. A. T.- 
Verbande in der Tagespresse besonders hervorgehoben wurden. 
Obgleich nicht vorzusehen ist, wie das Resultat in diesem ersten 



Kleine Nachrichten und Personalien, 41 

Wahlgange um die Kegierang von Gross-New York ausfallen wird, 
so ist es sicherlich der Wunsch aller Verbands-Mitglieder, dass die 
weitere Auszeichnung der Erwählung Hrn. Goepel zu theil wer- 
den möge. 

Trotz den grösseren Pflichten, welche jetzt an Hrn. Goepel 
treten, hat er sich doch bereit erklärt, die Wahl als Mitglied des 
Verwaltungsraths des Technischen Vereins anzunehmen, um dadurch 
wenigstens s«ne Theilnahme an dem Wiederaufbau des Vereins 
auszudrücken. 



Das Sprichwort: 

„Wo man singt, da lass' Dich ruhig nieder, 
Böse Menschen haben keine Lieder!** 

könnte man dem Bericht über den Techniker-Tag als Kennwort 
voransetzen. Dem Umstände, dass das Fest-Komite eine Sammlung 
der schönsten Lieder drucken liess, ist es wohl, nächst der Bewegung 
in der freien Natur, hauptsächlich zuzuschreiben, dass noch nie 
bei einer derartigen Gelegenheit so viel und so ausdauernd gesungen 
wurde, wie während der Festtage in den Catskills. Zu jeder Zeit 
und allen Orten wurden die herrlichen Lieder angestimmt und 
zeichneten sich die diesmal so zahlreich erschienenen jüngeren 
Mitglieder durch kommentmässiges Singen aus. Bis jetzt hat die 
„Linden wirt hin" von Baumbach allgemein als Leiblied des Vereins 
Philadelphia gegolten ; auf dem Techniker-Tag jedoch wurde es 
Verdientermassen — man weiss nicht wie's geschah — als Verbands- 
lied auserkoren. 

Dass es nebenbei nicht an achtem und rechtem Kunstgesang 
fehlte, ist aus dem Bericht zu ersehen. Die Theilnehmer waren 
so glücklich, eine Dame in ihrer Mitte zu haben, die in vollendeter 
Weise und nie ermüdender Liebenswürdigkeit die Begleitung dazu 
spielte. 

Das Brooklyner Mitglied, bekannt als Arrangeur von Damen- 
Kegeln, errang sich bei dem Kommers, dank seiner musikalischen 
Begabung, gleichfalls den Kuf eines vorzüglichen Accompanisten. 

Die erwähnte Liedersammlung ist elektrotypirt und können 
Exemplare zum Kostenpreise vom T. V. New York bezogen werden. 



Hr. Q. W. Wundram hat mit seinen photographischen Auf- 
nahmen in Schoharie Mansion den Vogel abgeschossen. Schade, dass 
er nicht auch die Aufnahme der Villa Keuffel in Elka Park 
gemacht hat. 

Dahingegen hat ein bedeutendes Kontingent der Festtheil- 
nehmer nicht genug mit der photographirten Naturschönheit gehabt, 
sondern die günstige Gelegenheit benutzt und in der herrlichen 
Gebirgsgegend der Catskills noch tagelang, nach Beendigung des 
Techniker-Tages, geschwelgt. Ein ausführlicher Bericht dieser 
Nachfeier findet sich an einer anderen Stelle dieser Nummer. 



42 Mittheilungen des D, Ä. T, F. 

5choharie Mansion wurde am 22. September geschlossen, da 
die noch anwesenden Gäste durch das sich plötzlich einstellende 
kühle Wetter sich zur Ktickkehr nach ihren städtischen Wohnungen 
entschlossen. 

Die Saison war, trotz ungünstiger Witterungs- Verhältnisse, 
eine sehr günstige zu nennen und gebührt der Verwalterin des 
Mansion, Frau Marie E. Goepel, die volle Anerkennung für die 
erfolgreiche Leitung desselben. Die anwesenden Gäste betrachteten 
sich nicht als Fremde, sondern als einen Theil einer grossen 
Familie, was zur angenehmen Geselligkeit in grossem Masse beitrug. 



lieber die Wiedervereini^^ung: der T. V. New York und 
Brooklyn, nach in Krafttretung von „Gross-New York," ist in 
letzter Zeit in den betreffenden Vereinen vielfach die Rede gewesen. 
Da keinerlei persönliche Differenzen zwischen den Mitgliedern beider 
Vereine vorliegen, würde einer Vereinigung nichts im Wege stehen, 
wenn nur die räumlichen Schwierigkeiten zu beseitigen wären. Die 
Entfernung zwischen den Wohnungen der Brooklyner Mitglieder 
und dem New Yorker Vereinslokal ist eben so gross, dass die 
Mitglieder ein persönliches Opfer bringen müssen, wenn sie eine 
Vereins-Sitzung in New York mitmachen wollen. In früheren 
Jahren waren die leitenden Mitglieder jünger und elastischer, einst- 
weilen sind sie älter und bequemer geworden. Es wurde deshalb 
der Vorschlag angeregt, ob nicht beide Vereine in eine gemein- 
schaftliche Organisation eintreten könnten, welche jeden Monat 
eine gemeinschaftliche Geschäfts-Sitzung mit Vorträgen, etc., halten 
sollte, dagegen die geselligen Sitzungen getrennt für die Sektion 
New York und Brooklyn abgehalten werden sollten. Dies würde 
natürlich eine gewisse Zwistigkeit mit sich bringen, aber es würde 
doch eine Möglichkeit bieten, die beiden Vereine wieder unter einen 
Hut zu bringen. Ob und unter welchen Bedingungen eine Wieder- 
vereinigung gemacht wird, ist vorläufig verschoben worden, bis di^ 
politiscne Vereinigung der beiden Städte New York und Brooklyn 
vor sich gegangen ist. 



Hr. Ernst Dettmar, M. I., protok. Sekretär T. V. New York 
und langjähriges thätiges Mitglied dieses Vereins, ist vor einigen 
Wochen nach London übergesiedelt. Sein früherer Chef, Hr. E. 
G. Hoffman, hat sich entschlossen, auch in Europa und speciell 
in London seine patentirten Maschinen zur Herstellung von „Anti- 
Frictions- Kugel II für Fahrräder" zu fabriciren und in den Markt 
zu bringen. Einige Monate vorher hatte sich Hr. Dettmar verhei- 
rathet und war zugleich die Reise nach London die Hochzeitsreise 
des jungen Paares. 

An Stelle von Hrn. Dettmar wurde Hr. Victor Kops zum 
protok. Sekretär für den Rest des Vereinsjahres gewählt. 

Die Adresse von Hrn. Dettmar ist: c/o E. G. Hoffman, No. 
43 Beech St., Barbican, London, E. C, London. 



Kleine Nachrichten und Personalien. 43 

Hr, Dr. L. Priedburg:, Mitglied des T. V. Brooklyn, welcher 
leider verhindert war, die Catskill-Freuden mitzuerleben, hat die 
Zeit benutzt, seine Toxieolorie fertig zu schreiben, welche in einigen 
Tagen im Buchhandel erscneinen wird. 



Hr. C. F, W, Becker, Mitglied des T. V. Pittsburg, ist am 
12. Oktober per Dampfer „Barbarossa" nach Deutschland zurück- 
gekehrt. Hr. Becker kam zum Zwecke allgemeiner Ausbildung 
und technischer Weiterbildung im März 1895 nach den Vereinigten 
Staaten. Er hat die Zeit seines Hierseins nach besten Kräften aus- 

fenützt; hat in seinem Berufe als Maschinen-Ingenieur in Phila- 
elphia, Boston, Buffalo, Pittsburg, Grand Rapids und Detroit 
Beschäftigung gefunden und benutzte die letzten drei Monate zu 
ausgedehnten Studienreisen, wobei er die Naturschönheiten des 
Landes mit in seinen Reiseplan aufgenommen hatte. In die letztere 
Zeit fällt der Besuch des Techniker-Tages, wo er sich durch sein 
immer heiteres Wesen und nie versagenden Mutterwitz die Zuneigung 
Aller erworben hat. Nach dem Techniker-Tag gehörte Becker zu 
den „Edleren," die eine Woche lang nachfeierten. Verschiedene 
Abstecher, wobei die Vereine Philadelphia, Brooklyn und New York 
besucht wurden, folgten. In der alten Heimath wird derselbe die 
Industriestädte Noradeutschlands besuchen und später in seine 
Vaterstadt zurückkehren, um daselbst neben der Vertretung einiger 
amerikanischen Finnen in das Geschäft seines Vaters einzutreten. 
Seine Adresse ist Ludwig-Strasse 24, Offenbach, am Main, und da 
er Mitglied des Verbandes bleiben wird, so hofft Hr. Becker, recht 
häufig Mitglieder, sowie auch deren Freunde, in Deutschland be- 
grüssen zu können. 



Hr. Julius Schubert, Mitglied des T. V. Brooklyn, weilt 
augenblicklich in Geschäfts-Angelegenheiten seiner Asphalt-Gesell- 
«chaft in California. 



Hr. Dr. Robert Schüpphaus, Mitglied des T. V. Brooklyn, 
welcher sich den Sommer über in Deutschland aufgehalten hat, 
befindet sich zur Zeit in England. 



Seit dem Techniker-Tag statteten der Haupt- und Residenz- 
stadt Washington Besuche ab: E. CoUins, Jr., von Philadelphia, 
C. F. W. Becker von Offenbach, Wm. Mueser und Hr. Bergenau 
von New York, G. W. Wundram von Brooklyn und L. C. Schneide- 
reith von Baltimore. 



Hr. Jos. Ledent, Mitglied des T. V. Baltimore, und den Theil- 
nehmern des Techniker-Tages als Delegat dieses Vereins auf das 
Vortheilhaf teste bekannt, ist Anfangs Oktober nach seinem Geburts- 



44 Mittheilvngen des D. Ä. T. V. 

lande, Belgien, zurückgekehrt. Der genannte Verein verliert da- 
durch die thätige Mitwirkung eines seiner besten Mitglieder. Ein 
grosser Freundeskreis ruft dem liebenswürdigen Kollegen Lebewohl 
und „Auf Wiedersehen!" nach. 



Das Technikum Mittweida, ein unter Staatsaufsicht stehen- 
des, höheres technisches Institut zur Ausbildung von Elektro- und 
Maschinen-Ingenieuren, Technikern und Werkmeistern, zählte im 
vergangenen 30. Schuljahre 1698 Besucher. Unter den Geburts- 
ländern der Besucher bemerken wir Staaten aller fünf Erdtheile, 
ebenso gehören die Eltern der Studirenden den verschiedensten 
Ständen, namentlich aber dem der Fabrikanten, Ingenieure, Bau- 

fewerke, Beamten und Kaufleute an. Der Unterricht in der 
llektrotechnik ist auch im letzten Jahre wieder erheblich erweitert 
und wird durch die reichhaltigen Sammlungen, Laboratorien, Werk- 
stätten und Maschinenanlagen, etc., sehr wirksam unterstützt Das 
Wintersemester beginnt am 18. Oktober und es finden die Aufnah- 
men für den am 27. September beginnenden unentgeltlichen Vor- 
unterricht von Anfang September an wöchentäglich statt. Ein 
ausführliches Programm mit Bericht wird kostenlos vom Sekretariat 
des Technikum Mittweida (Königreich Sachsen) abgegeben. 



Familien-Ausflus: des T. V. Baltimore. — Am Sonntag, den 
^0. August fand, vom herrlichsten Wetter begünstigt, ein Familien- 
Ausflug nach Seneca Star Fishing Shore, nahe der Chesapeake Bai, 
statt, woran sich 23 Damen und Herren betheiligten. Der Vor- 
mittag wurde nach Einnahme des Frühstücks mit Gründung eines 
Gesangvereins, Bootfahren, Fisch- und Krebsfang ausgefüllt. Nach 
dem ausgezeichneten Mittagessen wurden verschiedene Gesellschafts- 
spiele, Wettlaufen, Scheiben-Schiessen, etc., an-angirt; den ganzen 
Tag war ungebundene Fröhlichkeit vorherrschend und amüsirte 
sich Jeder aus das Angenehmste. 



Das Titelblatt und Inhalts-Verzeichniss für den zweiten 
Band der „Mittheilungen" sind diesem Hefte beigegeben. Dieselben 
können mit Leichtigkeit abgelöst und dem Inhalt des zweiten 
Bandes beim Einbinden beigefügt werden. 



MITTHEILUNqr^,^ 

des \ 

Deutsch- Amerikanischen \ ^^^J^T'^uNo^llSlSi- 

Techniker -Verbandes. 

(National Association of Oerman-American Teclinologists.) 

PUBLISHBD BI-MONTHLY. 



Vol. III. DECEMBER, 1897. ^0. 2. 



Anleitung zur Berechnung einer cylindrischen Stahl- 
schraubenfeder mit kreisförmigem Querschnitt. 



Vortrag des Herrn R. Teimer, Maschinen-Ingenieur, 
gehalten am Technikertag 1897. 

Die in der Praxis zumeist verwendete Feder ist die cylindrische 
Schraubenfeder mit kreisförmigem Querschnitt. 

Reuleaux hat in seinem im Jahre 1857 herausgegebenen Buche 
eine das Thema beinahe erschöpfende Abhandlung geliefert. 
Seine Formeln sind bloss, soweit die Coefficienten in Betracht 
kommen, verändert worden. Auch sind graphische Ermittelungen 
der Federdimensionen aus seinen Formeln deduciert worden. 

Die zwei Grundformeln, die für die Berechnung dieser Art 
Federn dienen, lauten, wenn 

P die in der Richtung der Federachse wirkende 

Kraft, 
S die zulässige Inanspruchnahme für Schub, 
G der Elasticitätsmodul für Schub, 
_ R der mittlere Halbmesser der Feder, 
t"X-^*— -T" ^ ^^^ Durchmesser des Federdrahtes, 

**• / die Länge des Federdrahtes, 

/ die Durchbiegung, entsprechend der Belastung P oder der 
Spannung 5^ ist^ 

P = ^ ^'i\ , 

^ 16 R '•' 

f_J2PR'2 

J~ Gn d' ^•' 






Mittheilungen des D. A. T. V, 



In die zweite Formel kann auch statt der Länge / die Höhe 
der zusammengedrückten Feder hs eingeführt werden \ 1 = 2t: R 
X der Anzahl der Windungen hs 

IT 
64PR' hs 



f- 



Gd' 



In folgendem wollen wir ein Beispiel aus der Praxis vorführen. 
Es sollen die Dimensionen einer Stahlfeder für das Drehgestell 
eines Möbeltransportwagens ermittelt werden. Der Frachtwagen 
ruhe auf 4 Federbünden, wie in nebenstehender Zeichnung an- 
gedeutet ist; die Gesammt- 
belastung wäre 94,000 Pfund, 
wobei für das Ladungsgewicht 
1 10 Prozent der vollen Ladung 
gerechnet wurden — in dem 
gegebenen Falle 60,000+ 6000 
Pfund. Aus Zeichnungen er- 
gibt sich der Wert des R circa 
2}i Zoll, die Höhe der freien 
Feder h circa 6^ Zoll. Wir 
wählen vorerst diese Werte. 
Sodann nehmen wir das S für 
Stahl=8o,ooo, G= 12,600,000 
Pfund per Quadratzoll an*). 

94,000 ^ x j- 

-^ = 23,500 ist die 

Maximalbelastung für einen 
Federbund. Im allgemeinen 
werden da die Annahmen ge- 
macht, dass dieser Belastung 
50 Prozent der Totalfederung 
entsprechen sollen. Dies wird 
zum Ausdruck gebracht, indem 
die Capacität der Feder gleich 
der doppelten Maximal-Belas- 
tung angenommen wird; in 
unserem Falle 47,000 Pfund. Da jedoch eine kleine Federung 
die Stösse, denen die Wagen ausgesetzt sind, ungeschwächter der 
Ladung mittheilt, als eine grössere Federung, so wollen wir bei 
dieser speciellen Wagenconstruction das Verhältnis P (Bund) zu 
23,500 kleiner nehmen. Wir wählen P (Bund) = 42,000 oder 
P (Capacität der einzelnen Feder) = 10,500 Pfund. 




Aus Formel i., finden wir d 



v/ 



PR 

ßOOO 



= 1.124^^ — J^ I>^". 



*) Diese Werte für S und G sind von der Pennsylvania R. R. Co. adop- 
tiert. 5 wird bei der vollständig zusammengedrückten Feder selbstverständlich 
am grössten sein. Diese Spannung soll Sd,ooo Pfund per Quadratzoll nicht 
übersteigen. 



O^ittheilungen des D. A, T. V. 3 

Im Falle der Durchmesser nicht als runde Zahl erscheint, 
wird die Zahl abgerundet und P darnach corrigiert. Dieses P 
wird dann für die nächste Formel gebraucht. 

Aus Formel 3., : / 64 PR^ • d d ^ ^ u ,4 

^ ^ ~ = r^i^ » worm P, R, G, d gegeben smd. 

{-=0.284 + 

f — h — hs = 6ji — hs 
6.87^ — hs = 0.284 hs 
hs = $.35 + "^^ 5^". 
f^ iH". 
Die Totalfederung der Feder ist i}4 Zoll. Die Federung, 
entsprechend der Maximalbelastung 23500 . , 23500 , 

4 ' ^^'^ 42000 ''^^' 
circa 0.84 Zoll sein. 

Anzahl der Windungen : /?, 43 8 7 

n= -=- X- = 4-. 
^899 

Diese einfache Rechnung ermittelt die Windungszahl und ist 
nothwendig, um die Zeichnung der Feder anschaulich zu machen. 
Der Draht wird an den beiden Enden der Feder dünner ge- 
zogen, und zwar um den halben Umfang. Die Länge des Drahtes 
beträgt somit hs 

l = R'(i + 2-) = 70}i Zoll. 
d 

Das Gewicht der Feder. — Es ist von primärer Wichtigkeit, 
dasselbe zu bestimmen, da die Kosten sich darnach berechnen. 

d^Tz hs 

W = X- X2/f7rX^, wobei (r das spezifische Gewicht 

4 d 
des Materials ist, für Stahl = 0.2824 per Cubikzoll. 

W=^ 1.3936 ^/?5 R für Stahl. (Wenn das Gewicht der Feder 
mit dieser Zahl nicht übereinstimmt, die Werte für d, hs und R 
aber richtig befunden würden, so würde dies ein (t von abweichen- 
der Grösse anzeigen, welches einer Veränderung des S gleich- 
kommt. Um die Eventualität einer viel grösseren Spannung zu 
vermeiden, wird ein Minimum des Gewichtes spezifiziert.) 

97 Prozent dieses so gefundenen Gewichtes können als 
Minimalgewicht für die Feder spezifiziert und bei der Prüfung 
gefordert werden. 

In unserem Beispiele wäre IV =: ij Pfund 12 Unzen; 
tf^-Minimum = 17 Pfund y/^ Unzen. 

Die eben angeführte Formel ist für praktische Zwecke nicht 
sehr zu empfehlen. Sie enthält zu viele Variable. — Reuleaux 
schon beweist, dass das Gewicht von Federn, die für die gleiche 
Belastung eine gleiche Senkung des Lastpunktes haben, bei 
gleichem Material und gleicher Sicherheit dasselbe sein muss und 



4 Mittheilungen des D. A. T. V. 

folgert daraus, dass das Gewicht der Belastung P und der Sen- 
kung/ (Formel 45 der Winterthur-Ausgabe) direkt proportional sei. 
Aus den Formeln i., und 3., können wir nicht allein dies 
deducieren, sondern auch eine Gleichung für die Bestimmung 
des absoluten Wertes des Federgewichtes finden. Setzen wir 
5?r 64 TT^ ö" 

— = fit, — = iS, = Y, so erhalten wir durch Substitution 

16 G 2 

in I., und 3., : 

R -^ d' 

R aus der ersten Formel = — „- 4., 

Dies cubiert und in die zweite Formel eingesetzt, gibt 

^~~ d'P^ ' ~ ß «« d' ^'^ 

d^ TT hs 

Das Gewicht IV= X — X 2T:R<r = yd Rh,. 

4 d 

Substituieren wir das R der Formel 4., und das hs der For- 
mel 5., so erhalten wir: 

/ 2G<T 

ß a^ S^ 

Hier sieht man wiederum, dass, wenn /und Pbei der Prüfung 
der Federn mit den Forderungen übereinstimmen, das Gewicht 
aber der aus dieser Formel gefundenen Zahl nicht gleichkommt, 
die Spannung des Materials als Variable erscheint. 

Für Stahlfedern können wir, wie bereits erwähnt, die Werte 

5 = 80,000 Pfund per Quadratzoll, 
G= 12,600.000 ,, ,, ,, 

(T = 0.2824 ,, ,, ,, setzen, worauf wir den 

Coefficienten 2G(t i 

als o.ooi 1 1 IQ5 = — finden. 

5^ 900 

fP 

J^=— 7., 

900 

fP 

IV mm. =0.97 JV= 

925 

[für P in kg, f in mm ist IV'm kg: 
jr=— !— /./^ 

22840 

log. H^= log./+ log. P- 4.3587] 

*) Auf die Möglichkeit einer Gleichung zwischen ^, P und/, bestimmbar 
aus den 2 Grundformeln, wurde ich zuerst durch Herrn Charles Lindström, 
Maschinen-Ingenieur der P. R. R. Co., aufmerksam gemacht. D. V. 



[Mittheilungen des T). A. T. V. 5 

Andere Formeln, die für cylindrische Schraubenfedern mit 
kreisförmigem Querschnitte Geltung haben, sind : 

R' = yj^ xPxyjL 8.. 

d^ = yl^XPXyll.. 9., 

R= V—— X '^ X V— 10., 

für Stahl mit den frütier angegebenen Werten für 5, G und «r : 
R^ = 0.00282479 P "V — 

d' = 0.00022538 P -v/— 

R = 3.54 d ^L 
^ h, 

(Die log. der drei letzteren Coefficienten sind 0.4509872 — 3, 
0.3529154 — 4, 0.5490353). 




Mittheilungen des D. A. T. V, 



Neuerungen in der Eisengiesserei« 



Auszug aus einem Vortrage des Herrn Dr. R. Moldenke, gehalten im 

Techniker- Verein Pittsburg. 

O 

,,Wenn man nach den Gründen forscht, wesshalb die Eisen- 
giesserei in technischer Hinsicht sich in neuester Zeit so gewaltig 
entfaltet hat, so findet man in erster Linie, dass ein Zusammen- 
hang dieses Fortschritts mit den schweren Zeiten, die auch jetzt 
noch nicht vorüber sind, vorhanden ist. Es wird viel mehr Geld 
aufgewendet als früher, Giessereien in guten Zustand zu setzen 
und zu erhalten und die bisher üblichen empirischen Methoden 
der aus der Praxis hervorgegangenen Giessermeister werden 
langsam durch die verantwortliche Leitung akademisch gebildeter 
oder begabter, durch Selbststudium unterrichteter Hüttenmänner 
ersetzt. Auch werden die fertigen Waaren immer schärfer kon- 
trolliert, so dass es nur noch Giessereien ersten Ranges möglich 
ist, ihre Existenz aufrecht zu erhalten. 

Wir sehen daher die alten schiefen Ebenen zur Beischaffung 
des Materials zum Cupolofen durch moderne, electrisch betrie- 
bene Gichtaufzüge ersetzt. Es wird mehr Sorgfalt auf die Wahl 
der Konstrucktion des Cupolofens und der Gebläse verwandt und 
hauptsächlich achtet man auf den Ausgangspunckt der ganzen 
Industrie : auf das Roheisen. Der scharfe, unerbittliche Wett- 
bewerb hat die Preise so heruntergebracht, dass man da, wo 
früher 5 Cents das Pfund Eisen und 12 Cents das Pfund Stahl- 
guss erzielte, jetzt nur noch 1,75 resp. 4 Cents für dieselbe 
Waare erhält. Dass man unter solchen Verhältnissen noch 
geschäftlich vorwärts kommen kann, verdanken wir nur der 
Wissenschaft, die uns lehrt den Reichthum der Erde durch syste- 
matische, auf logisches Studium gestützte Operationen vortheil- 
haft auszunutzen. 

Kauft der Leiter einer Giesserei einen modernen, electrisch 
begebenen Laufkrahn, so denkt er wohl nicht daran, dass ihm 
dieses die Wissenschaft ermöglichte und doch, welche Verbesse- 
rung wird dadurch bewirkt gegenüber einem halben Dutzend alter 
Drehkrähne mit Handbetrieb, die an dessen Stelle früher er- 
forderlich war^n. So ist es auch mit dem Gebläse, bei dem man 
darauf ausgeht, eine so grosse Ausnutzung der zur Verwendung 
stehenden Pferdekraft als irgend möglich ist, zu erzielen und dabei 
einen Mechanismus zu erfinden sucht, der nicht sehr kompliciert 
ist, etwaiger, nöthig werdender Reparaturen wegen. Man muss 
auch auf Vermeidung kleiner Ausgaben achten, da deren tägliche 
Wiederholung am Ende des Jahres eine beträchtliche Summe 
ausmacht. Zu beherzigen ist übrigens auch hier, dass meist das 
Beste zugleich das Billigste ist. 



Neuerungen in der Eisengiesserei. 7 

Wird nun ein neues Problem in der Giesserei zur Lösung ge- 
stellt, so soll man alle Anforderungen genau studiren, — auch die 
eventuell sich noch ergebenden, — die Grenzen scharf ziehen und 
die richtige Wahl treffen. Sollten Apparate nöthig sein, so müssen 
dieselben zweckmässig aufgestellt werden, für den Gang der 
Arbeit alle erforderlichen Vorsichtsmaasregeln getroffen sein, 
scharf technisch kontrolliert und alle sich zeigendenVerbesserungen 
verwerthet werden. 

Der alte deutsche Professor, der es bedauerte, dass die 
Wissenschaft in's tägliche Geschäftsleben hineingezogen wird, 
war ebenso kurzsichtig, als es der sogenannte praktische Mann 
ist, der von der Wissenschaft nichts annehmen will. 

Das Giessereiwesen hat sich noch viel zu ändern, ehe es 
allen Zwecken einigermaasen entspricht ; vor allen Dingen jedoch 
ist darauf zu dringen, dass da, wo es eine genügend grosse Pro- 
duktion erlaubt, ein tüchtiger Hüttenmann angestellt wird und 
dass man sich nicht auf nur praktische Leute verlässt, denen es 
in kritischen Fällen an Verständniss gebricht oder auf solche 
Chemiker, die mit der Metallurgie nicht genügend vertraut sind. 

Es kann die jetzige Zeit als eine solche des Fortschritts ange- 
sehen werden, da man wenig oder fast nichts von jenen Geheim- 
mitteln hört, die dem Gusseisen so wundervolle Eigenschaften 
geben sollen. 

Vergleicht man die in den Werken über Hüttenkunde be- 
schriebenen Cupolofen mit denjenigen, die man in der Praxis 
findet, so sieht man bald, dass die meisten ,, Neuerungen'' nur 
auf dem Papier stehen. Wenn man den grossen Verlust an 
Brennstoff betrachtet, den Jedermann gleich an den, aus dem 
Blechschornstein herausschlagenden Flammen erkennen kann, so 
kommt man zu der Ueberzeugung, dass der richtige Cupolofen noch 
nicht erfunden ist. Während man im Martin-Ofen ökonomisch 
schmelzen kann, bietet dagegen der continuirliche Schmelzprocess 
eines Schachtofens Vortheile, die für die industrielle Giesserei 
anderswo nicht gefunden werden. Nur einer der bekannten 
Cupolofen ist interessant und könnte wohl noch von einiger Be- 
deutung sein, nämlich derjenige, mit dem sogenannten ,,Centre 
Blast System" des Herrn Thos. D. West.' Ueber diesen hoffe 
ich später noch Weiteres berichten zu können. 

Wenn auch äusserst vortheilhafte Schmelzverhältnisse man- 
chem patentierten Cupolofen von seinemVerkäufer zugeschrieben 
werden, dass beispielsweise 17 Pfund Eisen zu i Pfund Coke 
stehen, so ist der Schmelzer noch zu suchen, der tagtäglich es 
über 12 zu i bringt ; 9 bis 10 Pfund Eisen zu i Pfund Coke kann 
man als ein gutes Verhältniss für eine gewöhnliche Giesserei, die 
keine Specialitäten von grosser Schwere oder grossem Querschnitt 
der Form herstellt, annehmen. 

In manchen Giessereien ist nur der Martin-Ofen im Ge- 
brauche und auch mit diesem und dessen System folgende Kon- 
struktionen sind grosse Fortschritte gemacht worden. Es würde 
zu weit führen dieses Thema eingehend zu behandeln und muss 



8 Mittheilungen des D. A. T. K 

ich es einem unserer Stahlspecialisten überlassen, uns darüber 
genauere Auskunft zu geben. Sonst lässt sich heut sagen, dass 
der Wunsch, der Traum des Hüttenmannes sich verwirklicht hat, 
indem wir jetzt mit Gas feuern und dadurch alle Vorzüge, die 
daraus entstehen, verwerthen können. Wird auch das reiche, 
natürliche Gas, mit seinen 25,000 Heatunits per Pfund nicht ewig 
währen, so können wir doch dieselben Effekte erzielen, indem 
wir grössere Quantitäten von produciertem Gas anwenden, wenn 
dasselbe auch nur ein Zehntel der Heizkraft besitzt. 

Was nun das Gebläse anbetrifft, so ist darauf zunächst hin- 
zuweisen, dass zwei Richtungen eingeschlagen werden. Man 
braucht entweder ein Centrifugal- oder ein Kapselgebläse ; alle 
beiden Systeme sind in den letzten Jahren bedeutend verbessert 
worden. Der positiven Wirkung halber sind die Kapselgebläse 
den anderen vorzuziehen, doch laufen die Meinungen darüber sehr 
auseinander. 

Was die Dampfkessel anbetrifft, so heisst es auch hier, dass 
gute Kessel viel Geld kosten. Die moderne Praxis kommt mehr 
und mehr auf die Anwendung der sogenannten ,, Water tube" 
Kessel, da sie jedenfalls die grösste Oekonomie aufweisen können, 
bedeutenden Fortschritt beweisst, da sie ihrer verhältnissmässig 
Auch die Corliss Dampfmaschine findet man jetzt schon in Giesse- 
reien und zwar mit Condensatorsystem verbunden, was einen 
geringen Tourenzahl halber bisher nur für sehr grosse Fa- 
briken und Kraftübertragungen angewandt wurden. In diesem 
Fache sowie auch in der Krafttransmissions-Frage ist noch viel in 
der Giesserei zu thun, denn selten findet man hierbei eine tech- 
nische Kontrolle. 

Wir haben ja in dieser Stadt Pittsburg einige grossartig 
angelegte Giesseröien, welche die kleineren darin übertreffen, 
•dass sie viel mehr Zeit darauf verwenden, die Kosten der 
Formerei zu verringern und damit Verbesserungen, die auch noch 
mit Anderem, als mit dem Sandhaufen zu thun haben, einführen. 

Sind die Gussstücke fertig, so hat man für das Putzen der- 
selben die Wahl unter vier Methoden. Das Handbürsten, das 
wohl nur im Nothfall angewandt wird, die Kollerfässer, die jetzt 
überall im Gebrauch sind, die aber dünnen Gussstücken gefähr- 
lich werden, das Sandstrahlgebläse, welches noch nicht voll- 
kommen genug ist und endlich der Gebrauch von Säuren. 

Früher wurde nur Schwefelsäure verwandt, jetzt findet aber 
Flusssäure, die den Sand löst, das Eisen aber nicht angreift, den 
Vorzug. Die Anwendung der Flusssäure kann als ein bedeutender 
Fortschritt angesehen werden — und wer von derselben einmal 
Gebrauch gemacht hat, zieht diese Methode allen anderen vor. — 

Ueber Verwendung komprimierter Luft in der Giesserei lässt 
sich viel pro et contra sagen; es sei genug, hier anzuführen, dass 
ein grosser Kraftverlust mit dem Gebrauch diesser Transmissions- 
methode verbunden ist. Es ist eben immer darauf zu sehen, dass 
man eine richtige Wahl trifft, die dem Zwecke am meisten ent- 
spricht. 



Neuerungen in der Bsengiesserei. g 

Ueber den Gebrauch von Formereimaschinen kann berichtet 
werden, dass, obwohl Maschinen für kleine Gussstücke von 
bedeutendem Vortheil sind, man doch die besten Resultate da- 
durch erzielt, dass man nur die grobe und schwere Arbeit den 
Formern abnimmt, dafür aber ihre geistigen Fähigkeiten umso- 
mehr in Anspruch nimmt. Man soll die Formerei einem guten 
Manne zur Leitung übergeben und nur an der nöthigen Beihülfe 
Lohnersparnisse machen. 

Ehe wir an das Eisen selbst kommen, wollen wir noch kurz 
die Geschäftsleitungsfrage erörtern. Hier in Amerika wendet 
man der Buchführung oft nicht die genügende Aufmerksamkeit 
zu. In vielen Giessereien ermittelt man nicht den Selbstkosten- 
preis der fertigen Waare und so können viele Verluste entstehen, 
die leicht hätten vermieden werden können. In dem dicht ein- 
geengten Belgien ist dies beispielsweise anders. Dort werden 
alle zwei Wochen die Bücher zur Ermittelung der Selbstkosten 
geprüft und das ,,Soir' genau analysiert. Wie wichtig ist es für 
den Leiter einer Fabrick, genau die einzelnen Abtheilungen zu 
kontrollieren und die Ursachen etwaiger anormaler Ausgaben zu 
untersuchen. 

Es ist vielleicht in gewisser Beziehung gut, dass die Wissen- 
schaft erst langsam in der Eisengiesserei Eingang fand, da die 
Eisenindustrie ja selbst sich nur langsam und bedächtig vervoll- 
kommnete. Die Wissenschaft hat aber den richtigen Grund für 
die verschiedenen Verfahren gefunden, die die Praxis entdeckt 
hat und somit uns Gelegenheit gegeben, Aenderungen vorzu- 
nehmen, die man früher nicht wagte. Es arbeitet z. B. eine 
Fabrik mit theurem, kaltgeblasenem Holzkohleneisen, anstatt 
mit dem billigeren Roheisen ; früher würde dieselbe nicht gewagt 
haben eine Aenderung eintreten zu lassen, jetzt aber kann sie 
das Eisen doch brauchen, wenn es nur die richtige Composition 
hat. Früher wurde nämlich nur nach dem Bruche des Eisens ge- 
urtheilt und dabei mancher Fehler begangen, während man jetzt 
immer mehr die chemische Zusammensetzung berücksichtigt. 

Hat man es mit verschiedenen Eisensorten zu thun, so muss 
man mit der Durchschnittsanalyse arbeiten und da ist dann aufzu- 
passen, dass den physischen Eigenschaften der Eisensorten auch 
die nöthige Rechnung getragen wird. So ist z. B. nicht rathsam 
ein Silicium armes Eisen in grossen Mengen mit einer kleinen 
Quantität Ferrosilicium zu vermischen, um gewisse Resultate zu 
erzielen, da beide Eisensorten nicht gleichmässig schmelzen, sich 
nicht genügend gut vermischen und überhaupt der Einfluss der 
eingeblasenen Luft nachtheilig auf das Silicium arme Eisen wirkt, 
wie auch verhältnissmässig viel Silicium aus dem Ferrosilicium 
herausbrennt. Das Resultat ist jedenfalls ein schlackenreiches, 
vielleicht auch verbranntes Eisen. 

Im regelnrässigen Gange der Giesserei ist eigentlich auf das 
angekaufte Alteisen am meisten zu achten. Das Roheisen kann 
man ziemlich gleichmässig gut erhalten. Die beim Schmelzen 
entstehenden Abfälle, z. B. Trichter-Eingüsse, Ausschussstücke 



10 Mittheilungen des D. A. T. K 

etc. kann man gut kontrollieren, aber das dazu kommende Alteisen 
hat eine unberechenbare Qualität. Nur die grösste Sorgfalt im 
Gebrauche, gestützt auf häufige Analysen, kann es ermöglichen, 
gleichmässige Resultate zu erzielen. Dazu kommt noch die Frage 
der Beschaffenheit des Kokes. Hier ist der enthaltene Schwefel 
wohl zu beachten und zur Zeit wird besondere Sorgfalt ange- 
wandt, Ersatz durch die Kohle für diesen Zweck zu finden. 
Schwefel ist überhaupt das ,,h^te noir" der Eisengiesserei. 

Eine Frage, die wohl noch eingehender beleuchtet werden 
könnte, ist bei Betrachtung des Schlackeninhaltes des Roheisen 
aufzuwerfen. Da etwa 25 Procent des Siliciums und Mangans 
eines Eisens im Cupolofen herausbrennen, so muss natürlicher- 
weise auch der entstehenden Schlacke Gelegenheit gegeben 
werden, sich auszuscheiden ; dies geschieht aber nur dann voll- 
ständig, wenn der Gang schön heiss ist. Wenn man zu sehr an 
Kokes spart so bekommt man kaltes Eisen, das sehr unrein und 
deshalb schwach ist. Natürlich giesst man das Eisen so kalt als 
möglich nachdem es heiss aus dem Cupolofen kommt und deshalb 
kann noch viel Schlacke sich in der Pfanne ausscheiden. 

Eine weitere Frage ist, welchen Einfluss etwa hinzutretender 
Sauerstoff auf die Gussstüke ausübt. Nimmt man verbrannte 
Kesselroststäbe, so kann man kein starkes Eisen erwarten, 
wesshalb man auch Gefahr läuft, wenn man dieses Material oder 
seine Umschmelzungen als Alteisen einkauft. 

Schlacken und Sauerstoff sind zwei Sachen, die ein sonst 
chemisch gutes Eisen ruinieren können. Um eingehendere 
Studien darüber zu machen, wird man sich am besten des 
Mikroscops bedienen. 

Die Zukunft wird wohl noch viele Verbesserungen und 
Neuerungen in der Giesserei bringen und wir sollen deshalb jede 
anormale Erscheinung sorgfältig prüfen und uns reiche Erfahrungen 
nach jeder Richtung sammeln, die uns zum richtigen Betrieb einer 
Eisengiesserei befähigen." — 




Das moderne Fahrrad, ir 



Das moderne Fahrrad; seine Geschichte und 
Entwickelung* 



Vortrag des Herrn Ingenieur A. M. P. Maschmeyer, im Techniker- Verein, 
Washington, D. C. 



Wenn ich die Aufmerksamkeit auf obiges Thema lenke, so 
geschieht dies nicht nur, weil das Fahrrad gegenwärtig so unge- 
mein populär ist, sondern auch, weil in der Construction des- 
selben Aufgaben zu lösen waren, die jeden Ingenieur interessiren 
müssen. Wenn man bedenkt, dass man im Fahrrad einen 
Mechanismus besitzt, der zum wenigstens aus looo Theilen zu- 
sammengesetzt ist und blos 25 Pfund wiegt, und dabei seinen 
Fahrer mit der Geschwindigkeit des schnellsten Rennpferdes 
sicher über die Landstrassen trägt, dann muss man staunen, 
wenn ich Ihnen mittheile, dass das moderne Fahrrad erst so zu 
sagen ein Produkt der letzten 20 Jahre ist. Blicken wir kurz 
auf die Geschichte des Fahrrades zurück. Baron Drais von 
Saverbrunn zeigte im Jahre 1816 einen Vorläufer des heutigen 
Rades. Kurbelbewegung fehlte diesem Rade und musste der 
Fahrende seine Füsse als Stösser gebrauchen, um sich fortzube- 
wegen. Dass man sein Gleichgewicht auf solchem Zweirade be- 
halten konnte, ohne die Füsse auf dem Erdboden zu haben schien 
nicht bekannt zu sein. In 1818 zeigte Johnson eine Verbesse- 
rung des von Drais'schen Rades. Die Verbesserungen bestanden 
in einem verstellbaren Sitze und gepolstertem Kissen auf der 
Lenkerstange um die Arme darauf zu ruhen. Dies Rad wurde 
unter verschiedenen Namen bekannt wie Pedestrian Curricle, 
Dandy horse auch Hobby horse und Velocipede. Eines dieser 
Räder kam 1819 nach New York, dann erschienen sie auch in 
Philadelphia, Boston und andern amerikanischen Städten. Um 
1840 construirte Kirkpatrick McMillan aus Dumfriesshire, Schott- 
land, ein Rad, welches meistens aus Holz bestand, aber zuerst 
einen Kurbelmechanismus besass ; dies Rad war den modernen 
Fahrrädern sehr ähnlich und war durch das Hinterrad getrieben. 
Ein gewisser Galvin Dalzell aus Lesmahagow machte verschie- 
dene Verbesserungen, ohne jedoch allgemeines Interesse damit 
zu erregen. Wieder verflossen beinahe 20 Jahre ehe etwas im 
Fahrradfache gethan wurde. In 1865 Hess PierreLallement den be- 
rühmten Boneshaker patentieren und zeigte diese Maschine auf 
der Pariser Ausstellung desselben Jahres. Er kam gleich darauf 
nach Amerika, wo er sich in New Haven mit einem Freunde 
associirte und in 1866 ein Patent auf seine Erfindung nahm. In den 
70er Jahren wurden Gummiradreifen in Gebrauch gebracht und 
da durch diese Vibrationen vermindert wurden, konnte man Räder 



12 Mittheilungen des T>. c/f. 7. V. 

grösseren Durchmessers gebrauchen und so kam das Hochrad in 
den Handel. Aber auch bei ihm fand man, dass Vollkommenheit 
noch nicht erreicht worden sei. Kopfüber vom Rade zu stürzen, 
wenn man nur einen kleinen Stein traf, war keineswegs eine 
Seltenheit und deshalb suchte man nach anderen Formen um 
diese Unfälle zu verhüten. The Springfield Roadster, war eine 
dieser. Hier waren Kurbeln durch einen Trittmechanismus er- 
setzt ähnlicli wie in dem ihm folgenden Star. Letztere jedoch 
hatte das kleine Rad vorne, und dieses war zugleich Lenkrad, 
demnach ein nach vorne Ueberstürzen ganz unmöglich, und diese 
Eigenschaft machte dies Rad für eine Zeit lang sehr beliebt. Ihm 
folgte das Facile, ein Rad, genau so gebaut wie das Hochrad, nur 
in kleineren Proportionen. Auch hier war wieder Kurbelmecha- 
nismus mit Tritthebeln verbunden. Kangoroo kam darnach, und 
in 1879 Hess Lawson schliesslich das moderne Fahrrad mit Ketten- 
betrieb patentieren. Dieses fand aber nicht sofort die ihm gebüh- 
rende Aufnahme und es vergingen wieder fünf Jahre, ehe es in 
Gebrauch kam. In 1885 wurde ein durch Kegelradübersetzung 
getriebenes Rad patentirt, aber es erforderte wieder acht Jahre 
ehe es fabricirt wurde. Dies war das sogenannte League Rad. 
Ungefähr 1000 dieser Räder wurden gebaut, dann brannte die 
Fabrik ab, und da die Fabrikanten keine Mittel besassen wieder 
aufzubauen, so kamen keine dieser Räder mehr unter das rad- 
fahrende Publikum. Jedoch die bedeutendste Fabrik in den 
Ver. Staaten kaufte die Patente und fing an sich für den Bau 
dieser Räder einzurichten. Drei Jahre wurde herumexperimen- 
tirt, ehe es dieser Fabrik gelang, eine ihres Rufes würdige Con- 
struction dem Publikum zu übergeben. 

In der kurzen Zeit, seitdem es in den Handel gebracht, hat 
es schon viel von sich reden gemacht. Dass dieses Rad nicht 
früher von dieser Fabrik angefertigt wurde, hatte seinen Grund 
darin, dass sie nicht die enorme Quantität Kegelräder, die dazu 
gebraucht werden, selbst anfertigen konnte, denn zu kaufen 
waren sie nicht, da ein Deutscher in Philadelphia, der ein Patent 
auf den Prozess und die Maschine, womit man genaue Kegelräder 
anfertigen konnte, besass, sich weigerte, dieser Fabrik solche 
Maschinen zu verkaufen. So war die Pope Mfg. Co. gezwungen 
sich anderswo umzusehen. Sie beauftragte einen gewissen Mr. 
Warren, der in der grossen Fabrik von Pratt & Whitney in 
Hartford das Schneiden der Zahnräder unter sich hatte, ihnen 
eine Maschine zu erfinden, welche Kegelräder schnell und präcis 
schneiden solle. Die Erfindung gelang und so wurde endlich das 
kettenlose Rad eine Möglichkeit. Wir wollen nun die Con- 
struction eines Zweirades näher betrachten. In seinen Haupt- 
theilen besteht es : i. aus den Rädern, 2. dem Lenkwerk, 3. dem 
Rahmen, 4. dem Triebwerk und 5. dem Sattel. 

Die Räder bestehen aus dem Hub, den Speichen, der Felge 
und dem Gummireifen. Die Form des Hubes ist sehr verschie- 
den, gewöhnlich besteht er aus einer Röhre mit scheibenförmigen 
Wülsten am Ende zur Aufnahme der Speichen, oder aus einem 



Das moderne Fahrrad. 13 

Rohr, in welches zwei Reihen durchlöcherter Stifte eingepasst 
sind, durch welche die Speichen gehen. Die letzteren sind heut- 
zutage nur tangential angeordnet. In die Enden des Hubes 
sind die Kugellagerschalen eingepresst. Die Ausbohrungen für 
dieselben müssen genau parallel mit einander eingearbeitet 
sein, was auf speciellen Drehbänken geschieht, die mit 
schnell centrierenden Klemmfuttern ausgerüstet sind und 
ziemlich automatisch arbeiten. Das Aeussere des Hubes wird 
entweder auf Revolver-Drehbänken gedreht oder auf Rund- 
frässmaschinen gefrässt. Am Hube des Hinterrades müssen ein 
Rechts- und ein Links-Gewinde eingeschnitten werden, ersteres 
um das Ketten- oder Kegelradtrieb aufzunehmen und letzteres für 
eine Sicherheitsmutter die ein Abschrauben des Triebes beim 
Rückwärtspedalen verhindert. Die Speichen werden aus einem 
sehr zähen Stahldraht, Musiksaitendraht, hergestellt, und zwar 
ist der Durchmesser derselben nicht gleichmässig. Wo die 
Speichen am Hube befestigt sind und ebenso an den Enden in den 
Felgen sind sie verstärkt. Das Verdünnen der Speichen in der 
Mitte geschieht auf kleinen furchtbar lärmenden Hämmern. Der 
Hauptsache nach bestehen diese Hämmer aus einem Kammring, 
der eine grosse Anzahl kleiner Stahlrollen in Bewegung setzt, d. 
h. sie zwingt sich zu schliessen und zu öffnen, wenn dieser Ring 
sich dreht. Die Speichen gehen zwischen diese Rollen durch und 
werden so verjüngt. Die Radfelgen werden hier in Amerika 
ausschliesslich aus Holz verfertigt. Man braucht meistens Ulmen, 
Ahorn und Hickory Holz dazu. Entweder sind sie aus einem 
'% Zoll dicken Streifen, der durch Dampf erweicht ist und dann 
zusammengeleimt wird gemacht oder aber aus einem soliden 
Ring der an einer Stelle durch ein Verbindungsstück zusammen- 
gehalten wird. Das Zusammenleimen geschieht in Formpressen. 
Oft braucht man kein Verbindungsstück, sondern man kerft die 
Enden ein und leimt sie direkt zusammen. Diese Ringe werden 
dann gedreht oder gefrässt mit Sandpapier geschliffen und ge- 
firnisst oder mit Wagenfarben lackirt. Die Löcher für die 
Speichen sind aber vorher auf besonderen kleinen Bohrmaschinen 
gebohrt. Das Rad wird dann auf einen Ständer gelegt der mit 
genau centrirenden Klemmen ausgerüstet ist, die Felgen 
und Hub genau zu einander centriren. Die Speichen werden 
dann eingeschraubt und schliesslich das nun zusammengestellte 
Rad ganz genau rundlaufend gemacht. Zuletzt werden die 
Gummireifen aufgekittet. In der Fabrikation derselben will ich 
hier nicht eingehen; da meistens dieselben in besonderen Fabriken 
hergestellt werden. 

Zur Geschichte der Erfindung der Gummireifen will ich nur 
Folgendes erwähnen. Die pneumatischen Reifen wurden im 
Jahre 1845 "^^^ einem Engländer Namens Thompson erfunden. 
Er Hess seine Erfindung in England patentieren und zwei Jahre 
später in Amerika. In seinem Reifen gebrauchte er einen innern 
und äussern Schlauch, d. h. es war im Princip ein '* inner tube 
tire.*' Der Aussenring bestand aus Leder, während der innere, 



14 Mittheilungen des D. A. T. V. 

die Luftkammer, aus Gummi gemacht war. Thompson bewies 
schon damals, dass ein Wagen, ausgerüstet mit diesen pneuma- 
tischen Reifen, blos 25 Pfd. Zugkraft erfordere, er wog 1070 
Pfund, während mit gewöhnlichen Stahlreifen versehen, es 41 
Pfd. erforderte den Wagen zu ziehen. Dies war auf macadami- 
sirten Strassen. Thompson machte nichts aus seiner Erfindung, 
da eben Fahrräder noch nicht in Gebrauch gekommen waren und 
auch weil seine Erfindung nicht genügend vervollkommnet war. 
In 1889, nachdem Thompson schon lange todt war, fiel es einem 
Kaufmann in Belfast ein, seines Knaben Rad, welches ihn durch 
den Lärm, den es machte, viel Verdruss verursachte und um die 
Erschütterungen zu vermindern, mit pneumatischen Radreifen zu 
versehen. So gab er uns einen, für das heutige Fahrrad nütz- 
lichsten Theil desselben. 

*Das Lenkwerk besteht aus der Gabel und der Lenkstange. 
Die Gabel besteht gewöhnlich aus einem Rohr, dem Gabelkopf 
und den Gabelenden. Die Gabelköpfe werden wieder in den 
verschiedensten Weisen fabrizirt. Manche Fabriken stellen sie 
aus zwei Platten her, die mit dem Rohr und Gabelenden zu- 
sammengelöthet werden. Andere wieder brauchen Schmiede- 
stücke, die in Rohr und Enden eingepasst und verlöthet sind. 
Noch andere bilden den Kopf aus gestanztem Blech, das Rohr und 
Enden verbindet. Die Gabel wird im Rahmens durch zwei 
Kugellager gestützt, die nachstellbar sind. Ueber den Stellring 
dieser Lager ist ein Klemmring, der die Lenkerstange mit der 
Gabel verbindet. Die Lenkstange besteht entweder aus einer 
gebogenen Stahlröhre mit Korkgriffen oder aus gebogenem 
Hickoryholz. Der Querarm der Lenkstange ist meistens so 
stellbar eingerichtet, dass man die gewünschte Richtung für die 
Handgriffe bekommen kann. An der Querstange ist dann noch 
der Bremshebel angebracht. 

Wir kommen jetzt zum Rahmen der Maschine. Die heutzu- 
tage allgemein gebräuchliche Form desselben besteht aus 
einem Viereck und angeschlossenem Dreieck oder wie hier ge- 
nannt Diamond Frame. Die Glieder bestehen aus Stahlröhren 
in Durchmessern von ^ — \% Zoll und in Dicke von No. 13 — 26 
Birmingham Drahtlehre, entsprechend tV und ^V Zoll. Die Ver- 
bindungstücke des Rahmens zeigen wieder grosse Verschieden- 
heiten in der Construction. Meistens werden sie aus Blech 
gestanzt, aber die beste Methode ist jedenfalls sie aus Schmiede- 
stücken herzustellen. Ueber die Herstellung der Röhren möchte 
ich einige Worte sagen. Die Pope Mfg. Co. hat eine eigene 
Röhrenfabrik, in der sie auch die berühmten Nickelstahlröhren 
fabrizirt. Dieser Stahl ist mit fünf Prozent Nickel legirt und 
besitzt mehr wie die dreifache Stärke des gewöhnlichen Stahles, 
den man zu Röhren gebraucht. Die Herstellungsweise der Röhren 
ist von grossem Interesse. Aus dem Stahlbleche von t^ Zoll 
Dicke werden 12 Zoll Scheiben gestanzt und dann unter 
hydraulischen Pressen in eine Pfannenform gepresst. Diese 
Pfannen werden nach inzwischen vorgenommenem Ausglühen 



Das moderne Fahrrad. 15 

unter anderen Pressen in eine Topfform verwandelt, die immer 
tiefer und tiefer wird, bis man sie schliesslich auf die hydrau- 
lischen Ziehbänke bringt. Hier werden sie über einem Dorn 
durch Ringe zu Röhren von erwünschter Dicke und Durchmesser 
gezogen. Es fehlt mir die Zeit, um Sie mit all den Einzelheiten 
einer Röhrenfabrik bekannt zu machen, und will ich daher nur er- 
wähnen, dass ohne diese Nickelstahlröhren es nicht möglich 
gewesen wäre, das heutige kettenlose Rad, im Gewichte von nur 
26 Pfund, herzustellen. Nachdem also die Röhren auf richtige 
Länge geschnitten, werden die Verbindungsstücke und Röhren 
in Formen mit Stiften unter einanderbefestigt und verlöthet. 
Diese Arbeit erfordert die sorgfältigste Aufsicht, denn sollte nur 
eine Löthstelle nicht gelingen, so ist der ganze Rahmen werthlos. 
In jedem Rahmen sind ungefähr 20 Löthstellen und jede nimmt 
y^ — lyi Minuten. Die Vollkommenheit, die man darin .erreicht 
hat, kann man am besten beurtheilen, wenn ich erwähne, dass 
in einer Fabrik im Jahre 1896 unter 1% Millionen Löthstellen 
weniger als ein Dutzend imperfect befunden wurden. Durch ein 
Sandgebläse und Feilen wird der Uebertluss von Schlagloth 
entfernt und die Rahmen gefeilt und lackirt. 

Das Triebwerk besteht aus der Kurbelwelle mit Kurbeln und 
Pedalen, den Kettenräder und Kette, oder wenn es ein kettenloses 
Rad ist, aus Kurbelwelle mit Kegelrad und Transmissionswelle mit 
Kegelrädern. .Die Kurbeln und Welle sind meistens durch Keile 
verbunden, im Columbia Rad aber sind seit 1897 diese ganz ver- 
mieden. Die Kurbelwelle, die aus zwei Theilen besteht, von 
denen je eine Hälfte eine Kurbel angebogen hat, ist durch eine 
Hülse mit Innnen-Rechts und- Linksgewinde verschraubt. Die 
Verbindungsstellen passen schwalbenschwanzartig in einander, 
so dass die Kurbeln immer einander gegenüber stehen. In die 
Kurbelenden sind die Pedale eingeschraubt und zwar an der 
rechten Seite mit Rechts- und an der linken Seite mit Links- 
Gewinde. Ketten werden aus Formstangen gemacht, die 
geschnitten und gebohrt werden müssen, sie werden dann 
durch automatische Nietmaschinen verbunden und schliesslich 
auf ungefähr looo Pfund Zug geprüft. Die Kettenräder werden 
unter Presshämmern geschmiedet, dann auf Räderschneid- 
maschinen, ein Dutzend auf ein Mal geschitten, gehärtet, polirt 
und platirt. Beim kettenlosen Rade werden die Kegelräder auf 
sehr ingenieus construirten Maschinen automatisch geschnitten 
und will ich kurz versuchen eine solche Maschine zu beschreiben. 
Wie Sie wissen, sind im Kegelrad Zähne und Lücken nicht immer 
von derselben Dicke und Weite wie im gewöhnlichen Zahnrad, 
sondern verjüngen sich nach dem Treffpunkt der Wellen. Dieser 
Umstand machte grosse Schwierigkeiten sie mit Fräsen zu 
schneiden. In der Maschine sind zwei Fräsen auf zwei zu 
einander geneigten Wellen montirt, die sich jede in einem pen- 
delnden Schlitten bewegen können, dessen Führungen so zu 
einander stehen, dass deren Mittellinien parallel mit der Kegel- 
form des Rades sind. Die Fräserzähne sind unter einem Winkel 



i6 Mittlieüungen des D. A. T. y. 

von 15° zu einander geneigt. Das roh geschmiedete Rad sitzt 
auf einer vertikalen Welle, so dass ein Zahn zwischen die Fräser 
steht und wird langsam rechts und links gedreht, während die 
Fräser in ihrer pendelnden Schlitten langsam folgen, nicht nur 
von rechts nach links und umgekehrt, sondern auch in der Richtung 
des Zahnes dem Mittelpunkte des Rades zu. Die Zahnform ist eine 
genaue Epicycloide. Im Triebwerk und andern Stellen des Rades 
sind eine Anzahl Kugellager. Der Zweck der Kugeln Ist nicht nur 
Reibungen zu verringern, sondern hauptsächlich, um die Lager 
nachstellbar zu machen. Die Anfertigung der Kugeln beschäftigt 
ein ganzes Heer von Arbeitern, von denen zwei Drittheile Mädchen 
sind. In einer Fabrik in Cleveland, die sich mit der Fabrikation 
von Kugeln befasst, werden in einem Monat 12 — 13 Millionen 
Stahlkugeln, im Durchmesser von }i — }i Zoll erzeugt. Form- 
gesenke, werden gebraucht um sie roh zu schmieden. Dann 
kommerv sie auf Schleifmaschinen, wo sie roh, bis auf tuW des 
genauen Durchmessers, geschliffen werden. Diese Rohschleif- 
maschinen sind amerikanischer Construction und äussert inte- 
ressant. Ein kastenförmiger Ständer trägt eine Scheibe, in der 
eine rechtswinklige Nute gedreht ist, und in welche die roh 
geschmiedeten Kugeln gelegt werden. Die Nute hat aber keinen 
Boden, d. h. die unter einem Winkel von 45*^ zur Senkrechten 
geneigten Seiten dieser Nute, stehen blos so weit auseinander, 
dass die Kugeln darin liegen können ohne durchzufallen. Ein 
flacher Ring presst die Kugeln in diese Rille so dass sie theilweise 
durchragen. Eine schnelllaufende Schmirgelscheibe, die excen- 
trisch zur Rille gelagert ist, schleift nun die in der Rille durch die 
daraufliegende Platte langsam zum Drehen gebrachten Kugeln 
mit unglaublicher Geschwindigkeit rund. Darauf werden die 
Kugeln in flache Kästen gelegt und von den Arbeiterinnen unter- 
sucht, ob sie alle genau rund sind. Zeigen die Lichtreflexe auf 
den Kugeln Kreisringe, so sind sie brauchbar. Es kommt nämlich 
hin und wieder vor, dass eine rohgeschmiedete Kugel nicht kugel- 
förmig, sondern als ein Tetraeder, d. h. ein vielseitiger Körper, 
dessen Flächen Dreiecke sind, aus der Schleifmaschine erscheint. 
Diese werden mit einem Magneten herausgegriffen. Die Kugeln 
werden dann auf den Fertigschleifmaschinen, die aus zwei ge- 
rillten Scheiben bestehen, mit Schmirgel und Oel auf genaues 
Maass gebracht. Nachdem sie genau calibrit sind, werden sie in 
eisernen Behältern in Oefen roth gehitzt und in einem Oelbade 
gehärtet, dann in sich drehenden Trommeln polirt und schliess- 
lich auf Sortirmaschinen sortirt. Die Kugeln sind nach all dem 
Messen und Sortiren nämlich nicht alle von derselben Grösse, d. 
h. sie variiren vielleicht ttj^^t Zoll von einander, eine Variation, 
die zwar an sich zulässig, aber für Kugeln, die im selben 
Lager laufen, nicht gestattet ist. Variationen über ^tAt^ Zoll sind 
nicht statthaft und Kugeln, die entweder zu gross oder zu klein 
sind, werden weggeworfen. Die Sortirmaschinen bestehen im 
Wesentlichen aus einem Behälter, aus dem die Kugeln in regel- 
mässigen Zeitintervallen auf zwei geneigte Stahlstreifen fallen. 



Das moderne Fahrrad. 17 

Diese Stahlstreifen stehen erst nahe zusammen, entfernen sich 
aber mehr und mehr, je weiter sie vom Behälter entfernt sind ; 
zuerst laufen die Kugeln sehr schnell zwischen diesen Streifen, aber 
je mehr sie zwischen dieselben einsinken, je langsamer wird ihr 
Lauf, und vor dem Durchfallen stehen sie beinahe ganz still. 
Dies macht eine grosse Anzahl dieser Sortirmaschinen erforder- 
lich. / Unter den Stahlstreifen sind eine Anzahl Röhren, durch 
welche die Kugeln den ihrem Durchmesser entsprechenden Be- 
hältern zugeführt werden. 

Jetzt komme ich zum letzten Theil des Fahrrades : Dem 
Sattel. Ich glaube kaum, dass ich Ihnen diesen sehr wichtigen 
und manchmal das Fahrrad zu einer Martermaschine machenden 
Theil näher zu beschreiben brauche. Um Ihnen jedoch einen Be- 
griff von den Verbesserungen am Sattel zu geben, möchte ich nur 
erwähnen, dass ich neulich auf meiner Suche nach Interessantem 
im Fahrradfache einen hygienischen Sattel fand, der mir im Ver- 
gleich mit den heut meist im Gebrauch befindlichen wie eine Hänge- 
matte vorkam, also seinen Namen Hammock saddle mit Recht 
verdient. Ich wäre jetzt so ziemlich mit der Beschreibung eines 
modernen Fahrrades fertig, möchte aber Ihre Aufmerksamkeit 
noch auf ein paar Minuten länger in Anspruch nehmen. Ich habe 
Ihnen nämlich Manches des Interessanten gar nicht erzählen 
können, da es Sie ermüdet haben würde. So habe ich z. B. 
nichts erwähnt von der Unzahl Prüfungen und Untersuchungen, 
denen jeder Theil eines Fahrrades unterworfen wird, ehe er in's 
fertige Rad geht. Ich habe nichts vom Nickelplattiren erzählt, 
da dieses nicht wesentlich ist. Vom Härten der einzelnen Lauf- 
theile, wie z. B. der Kegel der Kugeliager und der Zähne der 
Kegelräder, möchte ich jedoch noch sprechen, ehe ich schliesse. 
Diese Theile werden nämlich nicht gehärtet, wie man es im ge- 
wöhnlichen Sinne des Wortes versteht, wenn man von Werk- 
zeugen spricht. Zuerst braucht man zu diesen Theilen einen 
Stahl, der nicht viel Kohlenstoff enthält und daher sich nicht 
härten lässt, wenn man ihn rothglühend macht und dann ins 
Wasser taucht. Dieser Stahl ähnelt desshalb dem Schmiedeisen. 
Um nun die erforderliche Härte in den Arbeitsflächen dieser Theile 
zu erzielen, werden sie in gusseiserne Kästen gepackt, in denen sie, 
mit Knochenmehl und Kohlenstaub umgeben, ungefähr sechs 
Stunden im rothglühenden Zustande erhalten werden. Die 
äussere Haut absorbirt dann etwas von diesem Kohlenstaub und 
wird in Stahl verwandelt, um, wenn ins Wasser gebracht, glas- 
hart zu werden, während der innere Kern weich bleibt, und 
dadurch ein Brechen der Theile beinahe unmöglich wird. Nach- 
dem ich Ihnen nun die Geschichte und Herstellung eines 
Fahrrades gegeben habe, wäre es vielleicht nicht unerwünscht, 
noch einige Bemerkungen über die Vortheile des kettenlosen 
Rades zu machen. Jeder Maschinen-Constructeur weis, wie 
wichtig es ist, Lager aller Art vor Staub und Schmutz zu schützen, 
da diese, dem Schmirgel ähnlich, sie ausschleifen. Der Trieb- 
mechanismus eines Fahrrades macht keine Ausnahme und in 



i8 [Mittheilungen des T>. <^, T. K 

England werden die Ketten allgemein durch Gehäuse geschützt. 
Dies ist aber nur ein Nothbehelf und verhindert die Unannehm- 
lichkeiten durch Verschleiss der Räder und Ketten nicht, sondern 
verzögert sie nur. Im Fahrrad mit Kegelbetrieb ist der Trieb- 
mechanismus vollkommen geschützt und dann auch dauerhafter 
herstellbar. Die Glieder einer Kette können nie so gehärtet 
werden wie die Zähne eines Kegelrades, da sie sonst bald brechen 
würden. Die Abnützung der Zähne eines Kegelrades ändert die 
Theilungsabstände der Zähne nicht, macht nur die Spielräume 
grösser, während beim Kettenbetrieb die Theilungsabstände der 
Kette durch Strecken derselben immer grösser werden. Und nun 
will ich schliessen und Ihnen Allen, Jung oder Alt, Reich oder 
Arm, nur noch den Rath geben : Fahret Rad und seht Gottes 
schöne Natur und stählt Eure Körper in der freien Luft, um mit 
desto besseren Kräften heim an die Arbeit gehen zu können. 



An die Mitglieder 
des Deutsch - Amerikanischen Techniker - Verbandes I 



Die erste Nummer des Jahrgangs 1897-98 der „Mittheilungen'' 
erschien noch unter der Redaktionsleitung des Verbandsmitgliedes 
Herrn JV. C. IVillenbuecker, der mit Liebe und grossem Geschick 
das Neugeborene — das Unternehmen eines eigenen Verbands- 
organs — aus der Taufe hob und gehen lehrte. 

Aufrichtiger Dank sei dafür dem Hüter der Kindheit des 
Unternehmens, wie schon andererseits, so auch an dieser Stelle 
ausgedrückt. 

Mit der jetzt vorliegenden Nummer hat das heranwachsende 
Kind neue Pflegeeltern bekommen, die sich bemühen wollen, 
demselben zu weiterem Wachsen und Aufblühen zu verhelfen. 
Gab es auch bei der Uebernahme der Pflege einigen Streit über 
die Art der Erziehung unseres Kindes, so ist derselbe bereits ge- 
schlichtet, Dank der Liebe, welche demselben von allen Seiten 
dargebracht wird. 

Es ist als ein günstiger Umstand zu betrachten, dass die vor- 
liegende Nummer gerade in der herrlichen Festzeit erscheint, in 
welcher Jeder zum Geben und Empfangen besonders gern bereit 
ist, und lässt uns dieser Umstand hoffen, dass auch unsere Gabe, 
die wir hiermit den Verbandsgenossen übergeben, freundlichst 
entgegen genommen wird. 

In dieser Erwartung sehen wir der Zukunft des Verbands- 
unternehmens mit Freuden entgegen und indem wir den Lesern 
der ,, Mittheilunge W die herzlichsten Wünsche zu den Festtagen 
und zum neuen Jahre aussprechen, zeichnen wir uns 
Mit kollegialem Grusse 

Der l^ororts-yorstand 
als Redaktion der „Mittheilungen*'. 



Berichte des Vorortes. 19 



THE NEW VOR?'. ' 

Deul$ck-J!merik^ni$ckerTeckniker-Y( vb^m 



Vorort: Philadelphia, Pa 



ASTORy LENOX ANO 
TILDEW FOUNDATtOM-j J 



Verbandsjahr 1897- 98* 



"^ Protokoll der Vororts-Sitzung vom 6. October 1897. 

Anwesend die sämmtlichen Vorstandsmitglieder und zwar : 
Herr H. Schmaltz, Präsident; 
O. Lüthy, Vice-Präsident ; 
A. Schumann, Korresp. Secretär ; 
G. Stierlin, Protok. Secretär ; 
A. Propfe^ Schatzmeister ; 
J. Sachs, Bibliothekar ; 

A. Heilbrunn, Vorsitzer des Stellenvermittl.-Komites ; 
Dr. Theo. Willken, Vorsitzer des Vortrags-Komites. 
Es findet eine allgemeine Besprechung über die Führung des 
Vorortes statt. 

Darnach wird beschlossen, den früheren Vorort Brooklyn um 
Zusendung der Verbandsdokumente und des Kassenbestands zu 
ersuchen. Der Verein New York soW gefragt werden, ob ihm die 
Verwaltung des Verbandsarchivs lästig sei. In diesem Falle sei 
der Vorort bereit die Verwaltung zu übernehmen und die Zu- 
stimmung der Vereine nachzusuchen. 

Der Verein Pittsburg zeigt an, dass er den Abänderungen der 
§ § 5 und 28 der Verbands-Statuten, welche der Delegatentag be- 
schlossen, zustimme. 

Es soll eine i. Umlage für das Jahr 1897-98 ausgeschrieben 
werden, sobald ein Rechnungsbericht vorgelegt werden kann. 



Protokoll der Vororts-Sitzung vom 20. October 1897. 

Anwesend : die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, G. 
Stierlin, A. Propfe, J. Sachs und H. Heilbrunn. Herr O. Lüthy 
hatte sein Ausbleiben entschuldigt. 

* Druckfehler-Berichtigung. 

,,In dem Protokoll der 13. Delegaten- Versammlung, Seite 11, Vol. 111 No. 

I, haben sich bedauerlicher Weise Druckfehler eingeschlichen, welche 

hiermit berichtigt werden : 
„Zwischen den Anträgen der Vereine „Philadelphia" und ,, Pittsburg** ist 

einzusetzen : 
„Auf Antrag des Delegaten für „Brooklyn** Herrn Geo. Wundram 

werden die Zahlungstermine für die Umlagen festgesetzt auf 

I. October, i. Januar und i. April (§28 der St.) 
Ferner fehlt bei den Unterschriften der Namen des Delegaten für New 

York Herrn ,,John Henry Schaefer,** welcher zwischen den Namen 

der Herren Moldenke und Ledent zu setzen ist. 



20 tMittheilungen des T>. nA. T. K 

Herr A. Schumann theilt mit, dass die Bischer des Vororts 
eingetroffen sind. 

Der bisherige Schatzmeister des Verbandes Herr Dr. W. 
Schad hat den Kassenbestand, im Betrage von 1^140.97, einge- 
sendet. 

Die Vereine New York und Philadelphia zeigen ihre Zustimm- 
ung zu der vom Delegatentage beschlossenen Abänderungen der 
§§ 5 und 28 der Verb. Stat. an, der Verein Brooklyn stimmt nur 
bei dem § 28 zu, ist jedoch gegen eine Aenderung des § 5. 

Es liegt ein Schreiben des Vereins Washington, enthaltend 
einen Protest bezüglich der ,, Verbandsmittheilungen** und ein 
Schreiben des Vereins Brooklyn, betreffend einen Antrag über 
denselben Gegenstand vor. 

Ueber beide Schreiben wird im Zusammenhang berathen 
und nach eingehender Besprechung der Angelegenheit be- 
schlossen : ,, Gegen das Protestschreiben des Vereins Washington 
ist eine in gemässigter, aber entschiedener Form gehaltene Ant- 
wort zu erlassen, in welcher der Sachverhalt klar gelegt wird.** 

Es wird ferner beschlossen : ,,Der vom Verein Brooklyn ge- 
stellte Antrag, die Herausgabe des Verbandsorganes betreffend, 
soll zugleich mit dem Antwortschreiben des Vororts an den Verein 
Washington, den Vereinen zugeschickt werden.** 



Protokoll der Vororts-Sitzung vom 3. November 1897. 

Anwesend : die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, G. 
Stierlin, J. Sachs und A. Heilbrunn. 

Briefe sind eingegangen von den Herren Geo. Wundram — 
Brooklyn, O. C. Reymann — Pittsburg, W. Müser — New York 
und W. C. Willenbücher — Washington, D. C. Der Inhalt der 
Briefe kommt zur Verlesung und wird der Secretär mit Beant- 
wortung derselben betraut. 

Rechnungen sind eingegangen : 

i) Für Druck der ,, Mittheilungen** Vol. III, No. i . $97.50 

2) Für Redaktionskosten desselben 16. 11 

3) Für Express-Sendung von ,, Mittheilungen** . . 40 
Die Beträge werden zur Zahlung angewiesen. 

Es wird hierauf beschlossen : ,,Die Redaktion der ,, Mitthei- 
lungen** übernimmt der Vorort, der in seiner Gesammtheit das 
Publikationskomite bildet.** 

Der Verein Washington soll gebeten werden, die Versendung 
des Verbandsorganes weiter zu besorgen. 

Den Vereinen ist Mittheilung davon zu machen, dass der 
Vorort bis auf Weiteres in der bisherigen Weise die Redaktion der 
,, Verbandsmittheilungen** übernommen hat. 

Der Verein New York soll ersucht werden, nach §12 der 
Verbands-Statuten, Abschrift des Verzeichnisses des Verbands- 
eigenthums einzuschicken. 



Berichte des Vorortes. 21 

Protokoll der Vororts-Sitzimg vom 16. November 1897. 

Anwesend: die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, A. 
Propfe, J. Sachs und A. Heilbrunn. 

Herr Schumann verliest Briefe der Secretäre : Herrn W. C. 
Willenbücher — Washington, D. C, vom 4., 5. und 8. November, 
Herrn O. Reymann — Pittsburg, Pa., vom 6. November, Herrn 
W. Müser — New York, vom 8. November (2) und vom 11. No- 
vember und von Herrn G. Wundram — Brooklyn, N. Y., vom 12. 
November, sowie die von ihm darauf ertheilte Antwort. 

Herr Schatzmeister A. Propfe theilt mit, dass ihm 1^26.25 von 
Herrn G. Wundram an Einnahmen für Annoncen in den ,, Mit- 
theilungen** zugegangen sind. 

Der Verein Washington hat ;g20.oo für 40 Mitglieder und der 
Verein Philadelphia $65.00 für 130 Mitglieder als i. Umlage ein- 
geschickt. Gezahlt wurde eine Rechnung im Betrage von $0.75. 

Es folgte zum Schluss eine Besprechung, die Redaktion und 
Expedition der ,, Mittheilungen** betreffend. 



Protokoll der Vororts-Sitzung vom 24. November 1897. 

Anwesend : die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, G. 
Stierlin, A. Propfe, J. Sachs, A. Heilbrunn und Dr. Th. Willken. 

Briefe sind eingegangen : Vom Verein Pittsburg vom 11. No- 
vember, in welchem erklärt wird, dass durch das Rundschreiben 
des Vororts am 5. November die Schreiben der Vereine Washington 
und Brooklyn als erledigt betrachtet werden. Fernere Schreiben : 
vom Verein Washington 20. November (2), vom Verein New 
York, 20. November, werden dem Sekretär zur Beantwortung 
überwiesen. 

Die Liste des Verbandseigenthums ist von New York einge- 
gangen. 

Herr Schatzmeister A. Propfe theilt mit, dass der Verein 
Brooklyn $17,^0 für 35 Mitglieder als i. Umlage eingesendet hat. 
Eine Rechnung des Sekretärs, im Betrage von $2.25, wird zur 
Zahlung angewiesen. 

Es folgt hierauf eine längere Besprechung über verschiedene 
Angelegenheiten, die ,, Mittheilungen** betreffend. 

A. Schumann, yerbands-Sekretär, 




22 (Mitthälungen des TD, A,l. K 



Vereins-Protokolle. 



Technischer Verein von Philadelphia. 



Regelmässii^e Versammluai^ vom 9. Oktober 1897. 

Anwesend: 21 Mitglieder. 

Den Vorsitz führt Herr H. Schmaltz. 

Aus dem Verein ausgetreten sind die Herren O. Haensgen, 
Sylvester, Winterer, Reuleaux, Wegner, Cremer, Hoeborn, 
Krohn, L. Levy, Dr. Ch. Reuther und H. Roeske. 

Für das Bibliotheks-Komite werden ernannt die Herren Job. 
Feilner und A. Legier; für das Vortrags - Komite die Herren 
M. Uhlmann, Bernh. Schwarz und J. Paulus; für das Stellen- 
vermittelungs-Komite die Herren M. Pfatischer und W. Stein. 

Herr Walter Stein hält einen Vortrag über : 

„Die Centennial-Ausstellung in Nashville, Tenn.'' 

Der Staat Tennessee ist der erste der Vereinigten Staaten 
von Nord-Amerika, der seinen icx) jährigen Geburtstag in wirklich 
grossartiger Weise feiert, und verdient die damit verbundene Aus- 
stellung redlich die ihr zutheil gewordene rege Unterstützung der 
anderen Staaten. — Mit diesen Worten leitete der Redner seinen 
Vortrag ein und geht dann ein auf eine Schilderung der Anlagen 
der Ausstellung. Der Park, welcher dieselbe aufgenommen, liegt 
nicht zu weit von der Stadt Nashville ; er ist mehrere Acres gross 
und bietet durch seine hohe Lage einen schönen Ueberblick über 
die Stadt. Die einzelnen Gebäude der Ausstellung sind durch 
gute Wege verbunden und prachtvolle Blumenbeete beleben 
überall die freigebliebenen Flächen ; ebenso wird durch Grasplätze 
mit Kentucky blue grass und kleine Seen das landschaftliche Bild 
angenehm gehoben. Ein im egyptischen Style gehaltenes Thor 
bildet den Haupteingang. Der Vortragende bespricht die einzelnen 
Gebäude und zeigt dann eine Anzahl von Abbildungen vor. ^as 
Vereinigte Staaten -Gebäude ist — 350 Fuss lang, 120 Fuss breit — 
in italienischer Renaissance hergestellt ; dasselbe enthält eine 
Fischerei-Ausstellung und besondere Abtheilungen, welche Gegen- 
stände aus dem National-Museum, Treasury Dept., Smithsonian 
Museum etc. enthalten. Das (Mexicaniscbe Gebäude ; in demselben 
befindet sich eine Abtheilung für Alt Mexico, in welcher eine kleine 
Ausstellung von Mineralien etc. Platz gefunden hat ; die Abtheilung 
New Mexico weist Produkte der Neuzeit auf. Das IVoman's Build- 
ing — 160 Fuss lang, 65 Fuss breit — ist eine Nachahmung der 
12 Meilen von Nashville belegenen Heremitage des ehemaligen, 
Präsidenten A. Jackson. Die innere Einrichtung ist schöner und 



Vereins-Berichte, 23 

sinnreicher als seinerzeit diejenige des Frauengebäudes in Chicago 
war. Das Cbildren's Building, zu welchem Geldsammlungen der 
Kinder des Staates Tennessee die Mittel boten ; diese reichten 
ausserdem aus, ein silbernes Glockenspiel für einen Turm-Aufbau 
zu beschaffen. Das /Idministrations - Gebäude mit dem daneben 
liegenden Hospital machen äusserlich einen freundlichen Eindruck 
und ist letzteres musterhaft eingerichtet. Das Auditorium, zu 
welchem schattenspendende Laubgänge (Gourd Arbor) führen, 
ist ein prächtiger Bau in Kreuzform — 290 Fuss zu iio Fuss 
lang — mit 140 Fuss hohem Turm; derselbe dient zu Unter- 
haltungen und bietet Gelegenheit zum Ausruhen für die Besucher. 

Das Mineral and Forestry Gebäude bedeckt eine Fläche von 
77000 Quadratfuss und ist im Lichten 68 Fuss hoch. Drei Gal- 
ierien in demselben vergrössern noch den Ausstellungsraum. Die 
ausgestellten Gegenstände sind hauptsächlich vom Süden geliefert. 
Nahe bei diesem Gebäude befindet sich das kleine Histoty Building, 
enthaltend historische Artikel der Ver. Staaten von N. A. Das 
Gebäude ist eine Nachbildung des Erechtheion zu Athen. Gleich- 
falls einem berühmten altgriechischen Bauwerke, dem Parthenon, 
nachgebildet ist das Kunstausstellungs-Gebäude mit der davor er- 
richteten 40 Fuss hohen Statue der Palas Athene, welche von 
einer Dame, Miss Enid Yandell, modelliert wurde. In der Aus- 
stellung sind Künstler beider Welttheite vertreten. 

Das "Palace of Commerce " genannte Gebäude ist das umfang- 
reichste auf dem Platze; es ist 591 Fuss lang und 256 Fuss breit. 
Der central gelegene Pavillon hat ein zweites Stockwerk von 
160 Fuss zu 141 Fuss Grösse. 

Eines der grössten Gebäude auf der Ausstellung ist noch das 
500 Fuss lange, 200 Fuss breite Landwirtschaftliche Gebäude, dessen 
Architectur Renaissanceformen zeigt und einer der hübschesten 
Bauten ist. Ferner zu nennen ist das Transportations Building und 
das Hygiene and Educational Building; letzteres, 144 Fuss lang und 
ebenso breit, ist sehr sehenswerth und die darin gezeigten Vor- 
richtungen für Ventilation, Heizung, Desinfektion etc. sind be- 
merkenswerth. 

Ausser den bisher genannten Gebäuden befinden sich auf 
dem eigentlichen Ausstellungsplatze noch eine Anzahl kleinerer 
Bauten, welche die Ausstellungen einzelner Staaten, Städte und 
Gesellschaften aufgenommen haben. Darunter besonders be- 
merkenswerth ist das Negro Building, welches Artikel aller Art, 
von Negern hergestellt, enthält und damit die Fortschritte zeigt, 
welche die Neger dieses Landes in den letzten 30 Jähren gemacht 
haben. Bei diesem Gebäude ist eine Plantage mit Baumwollen- 
feld etc. angelegt. 

Zum Schlüsse der Aufzählung und Beschreibung der Gebäude 
bespricht der Vortragende eingehender die Machinery Hall, ein 
Gebäude von 375 Fuss Länge und 138 Fuss Breite und nennt 
derselbe eine Anzahl von Ausstellern. Als eines der anziehend- 
sten Objekte wird eine ,,Cotton bailing Machine** erwähnt, 
welche rollenförmige Ballen im Gewichte von 400 Pfund liefert. 



24 (Mittheilungen des TD. A. T. V. 

200 solcher Ballen können in einem Eisenbahnwaggon verladen 
werden, gegen 60 der bisher gebräuchlichen würfelförmigen 
Ballen. Diese Maschine wird noch vielfach umstritten und ist 
deren Anwendung einstweilen eine beschränkte. 

Herr Stein unterlässt es auch nicht, einen Ueberblick zu geben 
über die sich bei den Ausstellungen immer mehr vordrängenden 
,,Side Shows** und bespricht er besonders die für Techniker 
interessante Konstruktion der Riesenschaukel, welche 288 Fuss 
Höhe hat. 

Auch über die Eigenthümlichkeiten der Ausstellungsbesucher 
aus dem Süden bringt Redner eine kurze Besprechung, wobei er 
deren Genügsamkeit und Sparsamkeit hervorhebt, die den Nord- 
staatlern sehr sonderbar erscheinen müssen. Wenn trotzdem, 
wie vorauszusehen, die Ausstellung finanziell von Erfolg ist, so ist 
der starke Besuch derselben die Ursache davon. — 

Der sehr interessante Vortrag, dem die Anwesenden auf- 
merksam folgten, wurde sehr beifällig aufgenommen, und die sich 
daran anschliessende Diskussion gab Herrn Stein noch Gelegen- 
heit zu Mittheilungen über mancherlei Einzelheiten. 

Nachdem noch einige im Fragekasten gefundene Fragen be- 
sprochen worden, erfolgt Schluss der Sitzung. 



Wissenschaftlicher Ausflui^ am 23. Oktober 1897. 

An dem Ausfluge betheiligten sich etwa 25 Mitglieder und 
eine Anzahl Gäste. Derselbe richtete sich zuerst nach den in 
Pencoyd, Pa. belegenen Pencqyd Iron Works, Die Führung in den 
Werken, welche sehr bedeutenden Umfang haben, übernahmen 
einige Ingenieure der Fabrik in liebenswürdiger Weise. 

Das Etablissement, welches sich mit Herstellung von Stahl- 
trägern und Eisengerüsten für Bauten und Brücken beschäftigt, 
enthält: bridge shop, templet shop, foundry, machine shop, forge 
Shop, eyebar shop, automatic shop, steelplant and foundry etc. 
(chemical Station). 

In sämmtlichen Werkstätten wurde gearbeitet, und war die 
allgemeine Verwendung der Elektricität als Arbeitskraft von 
hervorragendem Interesse. 

Von Pencoyd aus begaben sich die Theilnehmer am Ausfluge 
nach der in der Nähe belegenen (Manayunk Brauerei der Herren 
Liebert und Obert. Herr Kurt Peukert, Architekt des ziemlich 
umfangreichen, in moderner Weise erstellten und eingerichteten 
Etablissements, hatte die Freundlichkeit, die Erschienenen herum- 
zuführen und Erläuterungen zu geben. 



Wissenschaftlicher Ausflui^ am 30. Oktober 1897, Nachmittags. 

Zu diesem Ausfluge hatte sich eine grössere Anzahl der 
Maschinen-Ingenieure und auch einige andere Mitglieder des Ver- 



VereinS'Berichte. 2 5 

eins eingefunden. Er galt einer Besichtigung von The John M. 
Roger's Boat, Gange and Drill Works in Gloucester City, N. J., 
welcher Ort mit dem Ferry Boot erreicht wurde. Die Führung 
der Fabrik übernahm der Superintendent Mr. Hanna, und eine 
spezielle Besprechung widmete das Vereinsmitglied Herr J. Sohn 
einem neuen Felsbohrer ,,Eureka**, 3^ inch Rock Drill. Die 
Fabrik beschäftigt sich ausser mit Herstellung der Bohrer mit 
Mess- und Precisions-Instrumenten verschiedener Art und mit 
Erbauung kleiner Boote mit Maschinenbetrieb. Die Besichtigung 
der vorgelegten Erzeugnisse der Fabrik und deren Besprechung 
boten so viel des Interessanten, dass die Besucher mehrere 
Stunden dadurch gefesselt wurden. 



Rei^elmässii^e Versammluai^ vom 13. November 1897. 

Anwesend 20 Mitglieder und 3 Gäste. 

Herr A. Schmaltz präsidiert. 

Es gelangt eine Anzahl von Schreiben zur Verlesung, betref- 
fend Protest des Vereins Washington; Antrag des Vereins Brook- 
lyn und Anzeigen des Vororts. Es wird beschlossen, die Erledi- 
gung der Geschäfte dem Vorstande zu überlassen. 

In den Verein aufgenommen wurden durch den Vorstand : 
Herr Otto Schweizer, Bildhauer, 
Herr Oscar Schehl, Maschinen-Ingenieur. 

Ausgetreten aus dem Verein sind die Herren R. Skalweit und 
Chas. Wolters. 

Den Vortrag des Abends hält Herr Joseph Sohn über: 

Konstruktion der automatischen Gesteinsbohrer, 

mit ausführlicher Beschreibung der Rock Drills 
von John Da. %oger, Gloucester, N. J. 

Der Herr Vortragende giebt an der Hand einer grösseren Zahl 
von Zeichnungen eine Beschreibung der Erfordernisse von Ge- 
steinsbohrern sowie einiger Arten derselben und geht dann auf 
eine ausführliche Darstellung der Roger'schen Rock Drills ein. 

Der Vortrag wird mit Beifall aufgenommen. 

Für den ,, Fragekasten ** ist besondere Vorbereitung getroffen 
durch provisorische Aufstellung eines Stereopticons mit elektrischer 
Lampe. Es handelt sich darum, festzustellen, ob das durch 
Wechselstrom in der elektrischen Leitung erzeugte Geräusch so 
stark ist, dass dadurch Störung für einen Vortrag mit Illustration 
durch das Stereopticon verursacht wird. Das Resultat ist ein 
für die Benutzung der elektrischen Beleuchtung günstiges. 

Nachdem noch Herr O. Lüthy über einen Besuch des Vereins 
Pittsburg berichtet und dessen Grüsse übermittelt und Herr 
•A. Heilbrunn über Stellenvermittelung Mittheilung gemacht, 
erfolgt Schluss. 



26 ü^ittkeüungen des ID. A. T. V. 

Refeliiiiisslse Versammluai^ vom 27. November 1^. 

Anwesend 30 Mitglieder und 4 Gäste. 

Herr A. Schmaltz präsidiert. 

Eine Einladung des Technischen Vereins Washington, D. C» 
zum 10. Stiftungsfest ist mit einem Gratulationsschreiben beant- 
wortet worden. Einladungskarten zu Versammlungen der Vereine 
New York und Pittsburg gingen ein und wurden erwidert. 

Der Präsident verliest folgendes Schreiben: 

Herr Präsident ! 
Hiermit ersuche ich Sie ergebenst, dem Vereine an- 
zuzeigen, dass ich bereits in der Vorstandssitzung am 20. Ok- 
tober d. J. die Erklärung abgegeben habe, dass ich alle 
Reformversuche inbetreff des Verbandsorgans aufgebe. Ich 
hatte nicht die geringste Ahnung davon, dass meine Be- 
mühungen für ein häufigeres Erscheinen der Verbands-Mit- 
theilungen, noch vor dem Bekanntwerden meiner Vorschläge, 
auf Widerstand stossen könnten, sonst hätte ich dieselbea 
jedenfalls unterlassen. Ich füge noch hinzu, dass ich von je- 
her der wärmste Freund des Verbandes war und für dessen 
Interessen eingetreten bin, wo ich konnte und hoffe ich,, 
dass die Mitglieder unseres Vereins dies gegebenen Falles 
bezeugen werden. 

Achtungsvoll 

A. Schumann. 

Hierauf berichtet der Präsident über die Angelegenheit des 
Antrages des Vereins ,, Brooklyn '*, betreffend die Weiterführung 
der „Mittheilungen**, und beschliesst die Versammlung, dem 
Vorstande die Erledigung der Sache zu überlassen. 

Am 5. December soll eine Weihnachtsfest -Vorfeier für die 
Kinder von Mitgliedern stattfinden und am 18. December das 
Weihnachtsfest. 

In den Verein eingetreten ist: 
Herr Maurus Neurath, Electro Techniker, 150 N. 15. Str., Phila. 

Ausgetreten ist: Herr Franz König, Philadelphia. 

Nach Erledigung der Geschäfte erhält das Wort Herr B. Haug 
zu einem Vortrage über 

„Bimetallismus''. 

Die Ausführungen des Redners, welche in klarer Weise er- 
folgen, gipfeln in dem Vorschlage, Münzen zu prägen, in welchen 
beide Metalle, Gold und Silber, enthalten sind. Eine Doppel- 
währung sei nicht zu empfehlen. 

An der sehr lebhaften Diskussion betheiligen sich die Herren 
M. Uhlmann, G. Landsmann, M. Sparbert, L. Eichhorn und 
H. Weniger. 



yereinS'Berichte. 27 

Rei^elmässii^e Versammluiii^ vom 11. Dezember 1897. 

Anwesend 28 Mitglieder und ein Gast. 

Herr H. Schmaltz leitet die Versammlung. — Eingegangen 
sind Einladungen der Vereine Pittsburg und Brooklyn, welche 
vom Sekretär Herrn A. Schumann beantwortet wurden. — Herr 
P. Kreuzpointner erinnert an die Erneuerung zur Mitgliedschaft 
zum internationalen Verbände für Materialien-Prüfung. 

Weitere geschäftliche Angelegenheiten liegen nicht vor und 
hält demnach Herr H. Schmaltz seinen angekündigten Vortrag, 
bezeichnet : 

''Aus der Sammelmappe des Technikers." 

Der Herr Vortragende schickt voraus, dass es ihm für heute 
nicht möglich sei, mehrere Gegenstände auf technischem Gebiete, 
wie er beabsichtigt hatte, zu besprechen ; er müsse sich darauf 
beschränken, einen Gegenstand der Betrachtung zu unterziehen, 
und zwar wähle er dazu: Condensationswasser-Kühlanlagen. Der 
Redner führte aus, dass durch Vertheilung des Wassers, unter 
gleichzeitiger Zuführung eines Luftstromes zu demselben, schnelle 
Verdunstung herbeigeführt und dadurch dessen Temperatur, selbst 
bei ungünstigen klimatischen Verhältnissen^ heruntergebracht 
würde. Es wurden vom Vortragenden die Einrichtungen von 
Klein, Körting, Barnard und Worthington angeführt und durch 
Illustrationen und Beschreibungen anschaulich dargestellt. Auch 
die Vor- und Nachtheile der verschiedenen Systeme gab Herr 
H. Schmaltz an. 

Herr A. Schumann spricht im Namen des Vereins dem Herrn 
Vortragenden Dank aus für den klaren und durchdachten Vortrag. 

Eine Diskussion findet nicht statt, doch beantwortet Herr 
H. Schmaltz beim Fragekasten einige Fragen, zu welchen der 
Vortrag Anregung gegeben hatte. 

Hierauf Schluss. A. SCHUMANN, Sekretär. 



Technischer Verein von New York* 



Rei^elmässii^e Versammluni^ vom 13. November 1897. 

Der Präsident, Herr Kaczander, eröffnet die Versammlung. 

Als neues Mitglied wurde vom Vorstande empfohlen und auf- 
genommen: 

Herr Hans Schroeder, Maschinen -Techniker. 

Der Beschluss des Verwaltungsrates bezüglich Unterstützung 
einer Petition zur Aufrechterhaltung des Studiums der deutschen 
Sprache in den öffentlichen Schulen der Stadt New York wird der 
Versammlung zur nachträglichen Gutachtung vorgelegt und von 
derselben gutgeheissen. 

Der Präsident teilt mit, dass in der nächsten, in der ,, Lieder- 
kranz-Halle ** stattfindenden regelmässigen Versammlung Herr 



28 CMittheilungen des T>. o1. T. K 

Strassenreinigungs-Kommissär Oberst George E. Warnig jr. den 
Verein durch seinen Besuch und Vortrag über ** Street Cleaning in 
New York*' beehren werde. Es wurde beschlossen, dem T. V. 
Brooklyn eine spezielle Einladung zu dieser Gelegenheit zugehen 
zu lassen. Nach dem Vortrag soll gesellige Unterhaltung statt- 
finden, für welche das Arrangements -Komite die -gefällige Mit- 
wirkung hervorragender Künstler erlangt hat. 

Der Präsident begrüsst sodann den als Gast anwesenden 
Herrn P. Kreuzpointner vom T.V. Pittsburg, und Herr Paul Goepel, 
der diesen Herrn von früher her kennt, ergreift die Gelegenheit, 
um auf die Verdienste hinzuweisen, die derselbe sich auf dem 
Gebiete der ,, Materialienprüfung'* erworben habe. 

Herr Kreuzpointner erwidert, dass es ihm ein ganz besonderes 
Vergnügen sei, den T. V. N. Y. persönlich kennen zu lernen und 
giebt dann in längerer, sehr interessanter Ansprache seinen An- 
sichten und Erfahrungen Ausdruck über die Aufgabe und Mission 
der Techniker, und zwar ganz besonders der deutschen Techniker, 
in der Hebung und Förderung der äusserst wichtigen Frage der 
Materialienprüfung. Als Beweis für die stetig wachsende Würdi- 
gung, welche diese Frage in allen Ländern finde, teilt er mit, dass 
es notwendig geworden sei, das Organ des Internationalen Ver- 
bandes für die Materialienprüfung der Technik, ,, Baumaterialien- 
kunde *', welches bisher nur in zwei Sprachen, deutsch und fran- 
zösich, erschien, von jetzt an auch in englischer Sprache er- 
scheinen zu lassen. Der Redner führt aus, wie in seiner Stellung, 
welche ihm sehr gute Gelegenheit giebt, die Eigenschaften von 
Stahl und Eisen genau zu beobachten, die Ueberzeugung sich ihm 
aufgezwungen habe, dass es zum Besten der persönlichen und 
allgemeinen Interessen der Ingenieure sei, eine Vereinigung zur 
Materialienprüfung ins Leben zu rufen; dass die meisten Ingenieure 
noch alte Handbücher benützen, welche gar keinen Bezug haben 
auf das moderne Feld der Anwendung von Eisen und Stahl und 
dass man heute noch, selbst unter den besten Ingenieuren, die un- 
sinnigsten Ideen über die Zerstörungsursachen dieser Materialien 
finde; z. B. die häufig erwähnte Idee der scheinbaren Krystallisier- 
barkeit des Eisens, deren thatsächliche Ursache gewöhnlich auf 
nichts anderes als auf gewisse Mängel in dem verwendeten Material 
zurückzuführen sei. Diese Unkenntnis führe namentlich auch 
dazu, dass geringwertiges Material produziert werde. Um die 
thatsächlichen Kräfte und Ursachen, welche das Material zer- 
stören, dem Ingenieur im allgemeinen jedoch sehr wenig bekannt 
sind, klarzulegen und zu studieren, seie es notwendig geworden, 
dass eine Vereinigung sich dieser Arbeit unterziehe, um dem 
Ingenieur den richtigen Weg zu zeigen, wie die Materialien am 
geeignetsten zur Konstruktion zu verwenden sind. 

Der Präsident dankt dem Redner für seine sehr interessanten 
Ausführungen, die von allen Anwesenden mit grosser Aufmerk- 
samkeit verfolgt wurden, und begrüsst dann Herrn E. L. Heusner, 
Präsident des T. V. Brooklyn. Derselbe fragt an, ob es möglich 
sei, ein gemeinschaftliches Weihnachtsfest für die T. V. Brooklyn 



l/ereins-Bericbte. 29 

und New York zu arrangieren. Dieser Vorschlag wird einem 
Komite überwiesen, welches in Gemeinschaft mit einem Komite 
des T. V. Brooklyn die einzelnen Details besprechen solle. 

Darauf Schluss des offiziellen und Uebergang zum gemüt- 
lichen Teil, der die Mitglieder noch längere Zeit in zwangloser 
Stimmung beisammen hielt. 



Rei^elmässii^e Versammluai^ vom 27. November 1897. 

Die Versammlung, welche in der Liederkranzhalle statt- 
fand, gestaltete sich zu einem Glanzabend, über dessen Verlauf 
der T. V. N. Y. mit Stolz zurückblicken darf. Etwa 200 Mit- 
glieder und Gäste, darunter eine grosse Anzahl Damen, hatten 
sich eingefunden, um den angekündigten Vortrag unseres be- 
kannten Strassenreinigungskommissärs Herrn George E. Waring 
jr., über : „Die Strassenreinigung New York's" zu hören. 

Von einer Geschäftssitzung absehend, stellte Herr Präsident 
Leop. Kaczander mit einer kurzen, passenden Einleitung der Ver- 
sammlung den Redner des Abends vor, und der äusserst herzliche 
Empfang, der demselben zuteil wurde, war ein deutlicher Be- 
weis für die Beliebtheit, der er sich erfreut. 

Die etwa einstündige Anrede des Vortragenden, der sich der 
englischen Sprache bediente, lautete im Auszug wie folgt : 

,, Diejenigen unter Ihnen, welche die Tageblätter lesen, 
wissen, dass man es mir zum Vorwurf gemacht hat, dass ich 
in Rhode Island ansässig bin, und es ist dies auch die einzige 
ernstere Anschuldigung, die je gegen mich erhoben wurde, gegen 
welche ich mich nicht verteidigen konnte. Trotzdem will ich 
sofort hier bemerken, dass ich die Stadt New York viel besser 
kenne, als die meisten Leute, die hier ansässig sind und zwar, 
weil ich älter als die meisten New Yorker bin und viele Jahre 
lang geschäftlich hier thätig war. Ich kann mich noch der Zeit 
erinnern, wo die Strassenreinigung in Bond Street, dem damals 
aristokratischen Teil der Stadt, sich noch in dem erdenkbar 
traurigsten Zustand befand. Ich erinnere mich aber nicht, dass, 
ehe ich die Leitung des Strassenreinigungs-Departments über- 
nahm, ich je irgend einen Teil der Stadt in gehöriger Weise 
gereinigt gesehen hätte.** 

Indem er dann von den Umständen sprach, die sich auf seine 
Ernennung bezogen, bemerkte der Oberst, dass ihm schon einige 
Jahre vorher von einem einflussreichen Politiker die Stelle ange- 
tragen worden sei, dass er aber dieselbe nur unter der Be- 
dingung habe annehmen wollen, dass er in Bezug auf Anstellung 
und Entlassung seiner Beamten freie Hand habe und daran sei 
dann auch die Sache gescheitert. Er fuhr dann fort : 

,, Nachdem Mayor Strong gewählt war, machte ich ihm das 
Anerbieten, die Stelle des Strassenreingungs-Kommissärs zu 
übernehmen, machte jedoch dieselbe Bedingung wie früher und 
nach einer zweistündigen Berathung hatte ich meine Ernennung. 
Es wurde mir versprochen, dass ich freie Hand haben solle, und 



30 tMittheilungen des T>. ^, T. T. 

ich muss gestehen, dass der Mayor seinVersprechen gehalten hat.** 
— Der Kommissär sprach dann im Detail von der Organisation 
und dem Wiederaufbau seines Departments, von den An- 
strengungen, die er machte, von der Opposition, mit der er zu 
kämpfen hatte und schliesslich auch von dem Erfolge, den er 
erzielte. Indem er sich dann direkt an die Mitglieder des tech- 
nischen Vereins wandte, sagte er, dass er es von dem grössten 
Nutzen gefunden habe, für die höheren Stellungen in seinem 
Department Leute anzustellen, welche gute technischen Schulen 
absolviert hatten, weil sie sich durchweg besser für die verlangten 
Arbeiten geeignet hätten, als Leute mit Universitäts- oder ge- 
wöhnlicher Geschäftsbildung. 

Zum Schluss gab er noch einen kurzen Ueberblick über die 
maschinellen Einrichtungen und Apparate, die zur Fortschaffung 
und besonders auch zur kommerziellen Nutzbarmachung der ver- 
schiedenartigen Abfälle verwendet werden und von denen die 
wichtigsten von ihm selbst erfunden und patentiert sind. Er 
führte unter anderem an, dass trotz der sehr grossen Kosten für 
Neueinrichtungen die Verwertung der Abfallstoffe es ermöglicht 
habe, dass die Strassenreinigung der Stadt New York )nicht mehr 
als 3 Cents per Woche per Kopf dar Bevölkerung koste, und es 
stehe zu erwarten, dass sich diese Ziffer noch veringern werde. 
Die Aufgabe, die er sich gestellt, sei jetzt nach hartem Kampfe 
gelöst, und alles was er hoffe, sei, dass das Unternehmen in dem- 
selben Sinne, in welchem es begonnen und bisher durchgeführt 
wurde, auch fernerhin fortgesetzt werde. Er schloss seine 
Anrede mit folgenden Worten: ,, Besonders nachdrücklich 
möchte ich den Umstand hervorheben, dass, wenn in Zukunft 
irgend welche Erschlaffung in der Disziplin des Departments ein- 
tritt und die Anstellung der Beamten wieder von politischem 
Einfluss abhängig wird, die ganze Arbeit, welche das Department 
in den letzten drei Jahren geleistet hat, hoffnungslos verloren 
ist ; ich kann Sie jedoch versichern, dass ich die besten Gründe 
habe, zu erklären, dass, wenn ich mit dem i. Januar von meinem 
Posten abtrete, die Leistungsfähigkeit des Departments und der 
Angestellten auf der jetzigen Stufe erhalten bleiben wird/' 

Der Redner erntete reichen Beifall für seinen interessanten 
Vortrag, und Herr Kaczander sprach in beredten Worten dem- 
selben die Anerkennung und den Dank des Vereines aus. 

Es folgte dann eine gleich interessante musikalische Unter- 
haltung, bei der Herr und Frau Hoveman mit einigen Gesangs- 
vorträgen, Frl. Jacobi mit zwei Violinsoli und das aus den Herren 
Kramer, Neite, Shalley und Balk bestehende Streichquartett die 
Gesellschaft entzückte. Den Kunstgenüssen schloss sich eine 
animierte gesellige Unterhaltung an, welche die Mitglieder noch 
längere Zeit in gemütlicher Stimmung beisammenhielt. 

Besondere Verdienste um das Arrangements und den wür- 
digen Verlauf des Abends erwarben sich die Herren Leop. 
Kaczander, Paul Goepel und Julius Spiro. 

Victor Kops, prot. Sekr. 



yereinS'Berichte . 3 1 

Techniker -Verein, Washington, D* C* 



Geschäftliche Versammluni^ vom 3. November 1897. 

Den Vorsitz führt der Präsident, Herr Saegmueller. Die 
Mitglieder sind zahlreich vertreten. 

Nach Annahme der verschiedenen Protokolle kommen die 
verschiedenen Zuschriften desVerbands -Vorstandes zurVerlesung. 
Der von demselben übermittelte Antrag des T. V. Brooklyn: 

,,Die '* Mittheilungen'* sollen für das laufende Jahr in un- 
veränderter Form fortgeführt werden und wesentliche 
Aenderungen in der Herausgabe und Ausstattung sollen 
der nächsten Delegaten -Versammlung überlassen bleiben ** 
wird einstimmig angenommen. 

Folgende Aufnahmegesuche wurden an den Verwaltungsrath 
verwiesen : 

Otto Heidemann, Xylograph, Petworth Subdivision ; vor- 
geschlagen von H. H. Bergmann und G. W. Spier. 

Afroin K. Mlodziansky, Forstmann, Department ofAgricuIture; 
vorgeschlagen von J. Jose und R. von Ezdorf. 

Emil H. Stück, Forstmann, Department of Agriculture; vor- 
geschlagen von A. Goenner und R. von Ezdorf. 

Louis Schade, Advokat, 21 Grand Place, N. W. ; vor- 
geschlagen von L. F. von Wimpffen und H. von Bayer. 

Beschlossen wird, die Vereins-Versammlungen von jetzt an 
jeden Mittwoch abzuhalten. Wie bisher wird der erste Mittwoch 
des Monats den geschäftlichen Angelegenheiten gewidmet werden, 
während der dritte Mittwoch für Vorträge, Diskussionen u. s. w. 
reserviert ist. Die übrigen Mittwoch-Abende sollen den geselligen 
Vereinigungen, sowie den etwa abzuhaltenden Verwaltungsrath- 
Sitzungen und der Erledigung dringender Angelegenheiten ge- 
widmet werden. Besondere Einladungen werden jedoch nur für 
den ersten und dritten Mittwoch ausgesandt werden. 

Das Revisions-Komite berichtet, die Bücher und Belege des 
Schatzmeisters untersucht und in Ordnung gefunden zu haben. 

Der Präsident theilt mit, dass das wissenschaftliche Komite 
aus den Herren von Ezdorf, von Bayer und Westesson bestehe. 

Das Vergnügungs-Komite ist aus den Herren Jose, Bergmann 
und Spier zusammengesetzt. 



Wisseaschaftliche Versammluni^ vom 17. November 1897. 

Diese Versammlung war ausserordentlich gut besucht. Der 
Vorsitzende des wissenschaftlichen Komites, Herr von Ezdorf, er- 
öffnet die Versammlung und ertheilt das Wort Herrn A. M. P. 
Maschmeyer, welcher einen überaus interessanten Vortrag über 

Die Geschichte und Entwicklung des modernen Fahrrades 

hält. Zahlreiche Einzeltheile des Fahrrades, älteren und aller- 
neuesten Datums, sowie Zeichnungen an der Tafel illustrierten 



32 [Mittheilungen des. T>. A. T. V. 

die Vorlesung. Das am meisten bewunderte Objekt war jedoch 
das neue kettenlose Rad, welches die Pope Manufacturing Com- 
pany dem Vortragenden für den Zweck freundlichst zur Verfügung 
gestellt hatte. 

Der Vorsitzende spricht Herrn Maschmeyer den Dank der 
Versammlung aus, und beschliesst die letztere, dem Verbands- 
vorstande die Aufnahme des Vortrages in die "Mittbeilungen" zu 
empfehlen. Die Gesellschaft ging hierauf zu animierter geselliger 
Unterhaltung über. 



Geschäftliche Versammluni^ vom L Dezember 1897. 

Der Präsident eröffnet die Versammlung. 

Vorlesung und Annahme der letzten Protokolle. 

Herr Otto Seiffert theilt mit, dass er nach Meriden, Conn., 
übergesiedelt ist, woselbst er Stellung bei der Eddy Electric Com- 
pany gefunden habe. Er wird jedoch auch fernerhin dem Verein 
als Mitglied angehören. Auf Empfehlung des Verwaltungsrathes 
und nach vorgenommener regelmässiger Abstimmung erklärt der 
Vorsitzende die Herren Heidemann, Mlodziansky, Stück und 
Schade als Mitglieder des Vereins aufgenommen. 

Folgende Aufnahmegesuche werden an den Verwaltungsrath 
verwiesen : 

F. G. Radelfmger, Rechner im hydrographischen Amt des 
Marine-Ministeriums ; vorgeschlagen von Jacob Jose und Max 
Franke. 

F. Schweinshaut, Lehrer der öffentlichen Schulen ; vor- 
geschlagen von Jacob Jose und H. H. Bergmann. 

Der Verwaltungsrath berichtet, dass der Verbands -Vorstand 
entschieden habe, die *' Mittheilungen" in unveränderter Weise 
fortzuführen und derselbe in seiner Gesammtheit die Redaktion 
derselben übernommen habe. 

Der Schatzmeister berichtet, dass er die erste Verbands- 
Umlage für das Jahr 1897-98 gezahlt habe. Diverse Rechnungen 
im Gesammtbetrage von $23.55 werden zur Zahlung angewiesen. 

Vom Vergnügungs-Komite wird berichtet, dass der Abend des 
28. Dezember für die Feier des diesjährigen Weihnachtsfestes 
bestimmt sei. 

W. C. WiLLENBUECHER, prot. Sekretär. 



Technischer Verein von Pittsburg* 

Rei^elmässige Versammluni^ vom 22. Oktober 1897. 

Vorsitzender : Herr Ph. Lange. 
Schriftführer : Herr O. C. Reyman. 
Anwesend : 22 Mitglieder und 2 Gäste. 
Der Herr Präsident eröffnete die Sitzung mit der Mitteilung, 
dass Herr v. Beutner als Sekretär resignirt habe und dass Herr 



/ 

VefeinS'Berichte . 3 3 

Otto C. Reyman zum Vereinssekretär vom Vorstand ernannt 
worden sei. Das Protokoll der Generalversammlung wird nach 
mehrfachen Abänderungen angenommen. 

Herr Siegfried Edström zeigt seinen Austritt aus dem Verein 
an, veranlasst durch seine Uebersiedlung nach Zürich. 

Vom T. V. Washington und vom T. V. Brooklyn sind Briefe 
eingelaufen, welche ein gemeinsames Vorgehen in Angelegenheit 
der Verbandsmitteilungen bezwecken. Der Vorstand drückt 
seine Ansicht dahin aus, dass der Delegatenbeschluss vom 5. 
September 1896, welcher diese Angelegenheit regelt, noch zu 
Recht besteht, und dass eine Abänderung in der Art und Weise 
der Herausgabe der Verbandsmitteilungen unmöglich ist. 

In Beantwortung mehrerer Briefe vom Vorort wird be- 
schlossen, den Vorort um baldige offizielle Mitteilung der von 
ihm geplanten Abänderungen in der Publikation der Verbands- 
mitteilungen zu ersuchen. 

Der Schatzmeister wird ermächtigt, dem Vereinssekretär für 
das erste Quartal des Geschäftsjahres bis zu $4.00 pro Monat 
für bezahlte Schreibhülfe zu bezahlen. 

Herr Otto Heeren teilt mit, dass er die ihm zugedachte 
Ehrenmitgliedschaft unmöglich annehmen könne, was mit Be- 
dauern zur Kenntniss genommen wird. 

Herr Dr. R. Moldenke hält darauf seinen an anderer Stelle in 
Kürze wiedergegebenen Vortrag über ,Moderne yerbesserungen 
im Giessereibetrieb/' An der folgenden Discussion beteiligen sich 
besonders die Herren S. Stupakoff und G. Lutscher. Dem Herrn 
Vortragenden wird der Dank der Versammlung sowohl in Worten 
als durch reichen Beifall zum Ausdruck gebracht. Darauf 
Vertagung. 



Rei^elmässii^e Versammluni^ vom 12. November 1897. 

Vorsitzender : Herr Ph. Lange. 

Schriftführer : Herr O. C. Reyman. 

Anwesend 25 Mitglieder und 13 Gäste. 

Von der Verlesung der Protokolle wird Umgang genommen. 

Als Mitglieder wurden die folgenden Herren vorgeschlagen : 

Robert Siegfried, Mechanical Engineer, Westinghouse 
Electric & Mfg. Co. 

Alfons Thiel, C. E., care of Schultz Bridge & Iron Co. 

August Schneider, M. E., care of Fox Pressed Steel Equip- 
ment Co. 

Der Redakteur der ,, Mitteilungen** Herr W. C. Willenbücher 
teilt mit, dass er seine Verbindung mit der Redaktion der ,, Mit- 
teilungen** vollständig gelöst habe. Herrn Willenbücher wird 
der Dank des Vereins in Anerkennung der grossen Verdienste 
die er sich um den Verband und insbesondere, um den T. V. 
Pittsburg erworben hat, ausgedrückt. Ein Schreiben des Vor- 
ortes des Inhaltes, dass in der Herausgabe der ,,Mitteüungen** 
keine Aenderungen eintreten werden, wird zur Kenntniss ge- 



34 zMittheüungen des T>. A. T, V. 

nommen. Der Herr Schatzmeister wird ermächtigt die erste Ver- 
bands-Umlage für das laufende Geschäftsjahr zu bezahlen. 
^ Rechnungen für Zeitschriften, Copirpresse mit Zubehör 
werden im Gesammtbetrage von $16.05 zur Zahlung angewiesen. 

Die einzelnen Comites haben sich mit Genehmigung des 
Präsidenten wie folgt konstituirt : 

Wissenschaftliches Comite : Die Herren Dr. R. Moldenke, 
Obmann, O. C. Reyman, A. Schotte. 

Stellenvermittlungs Comite : K. von Wagner, Obmann, 
S. Stupakoff, G. Lutscher. 

Vergnügungs Comite : Dr. K. F. Stahl, Obmann. 

Das Technikertags Comite wird für aufgelöst erklärt, die 
Aktiva und Passiva werden auf die Vereinskasse übernommen. 

Mit Rüksicht auf die Klausel in den Verbandsstatuten, dass 
^ aller Vereinsmitglieder den technischen Fächern angehören 
müssen, ist vom Vorstand festgestellt worden, dass nach dem 
Mitgliederstand vom 5. November 25 von den 125 Vereinsmit- 
gliedern als Nichttechniker im Sinne der Verbandsstatuten anzu- 
sehen sind. 

Herr Theodor Holch, technischer Attache der kaiserlichen 
deutschen Gesandtschaft in Washington, ergreift darauf das 
Wort zu seinem Vortrage über „Unsere Colonien/* Redner 
schildert in fesselnder Weise die Verhältnisse, wie sie zur Zeit 
in den verschiedenen deutschen Colonien bestehen. Er betont 
namentlich, wie notwendig es ist, praktische Ingenieure in den 
Colonien zur Verfügung zu haben, denen ein dankbares Feld 
durch Errichtung von Bewässerungsanlagen, Wegebauten, Ein- 
richtung von Sägemühlen, Ausnutzung der Windkraft zum Mo- 
toren-Betrieb u. s. w. offen stehe. Die ebenso interessanten 
wie lehrreichen Ausführungen des Herrn Vortragenden wurden 
häufig durch Beifall unterbrochen, dem der Herr Vorsitzende den 
Dank des Vereins anschloss. 

Vertagung 10.45. 

Otto C. Reyman, Sekretär. 



Technischer Verein von Brooklyn* 

Sitzung vom 1. November 1897. 

Der Herr Präsident E. L. Heusner begrüsst die Gesellschaft 
(welche trotz des überaus stürmischen Wetters den Saal bis auf 
den letzten Platz füllte), um alsbald Henrn Emil E. Lungwitz aus 
Britisch Guiana das Wort zu dem von ihm angekündigten Vor- 
trage zu ertheilen. 

Herr Lungwitz sprach in überaus fesselnder Weise über 
Land und Leute von Britisch Guiana, über die Goldgewinnung 
daselbst, über die Gefahren, welche dem dort nicht Eingeborenen 
von Seiten des Klimas beständig drohen, kurzum über Alles und 



Vereins-Berichte. 3 5 

Jedes, was die wissbegierigen Hörer nur wünschen konnten. Der 
Redner beschränkte sich nicht auf das Vortragen allein, sondern 
er zeigte auch eine reichhaltige Sammlung von Jagdgeräthen, 
Kleidungsstücken, Hausgeräth, sowie von Mineralien und Gold- 
klumpen vor. Referent kann dem Vortrage im Auszuge nicht 
gerecht werden und es steht in Aussicht, einen ausführlichen 
Bericht demnächst zu veröffentlichen. 

Nachdem der Präsident dem Vortragenden den Dank der 
Gesellschaft votirt hatte, in den sämmtliche Anwesenden mit 
Jubel einstimmten, so wurde die Diskussion eröffnet. Dieselbe 
gab Veranlassung zu vielen interessanten Aufklärungen, nicht 
zum mindesten denjenigen, welche der Herr Professor Demcker 
über die ,, Pflanzenwelt** des südamerikanischen Tropengebietes 
lieferte. 

Ein Vollbluts-Commers, während dessen dem Herrn E. 
Lungwitz von verschiedenen Seiten Glück auf seine bevor- 
stehende, nicht gefahrlose Rückfahrt in die heisse Zone ge- 
wünscht wurde, beschloss den, in jeder Beziehung schön und 
harmonisch verlaufenen Abend. 



Sitzuni^ vom 4. Dezember 1897. 

Auf der Tagesordnung steht der Vortrag des vormaligen 
Reichstags - Abgeordneten, Herrn L. Viereck, über die ,,Ent- 
wicklung und Zukunft von Alaska/* 

Herr Präsident E. L. Heusner begrü.sst die Gesellschaft und 
stellt den Redner des Abends vor. Herr Heusner betonte, dass 
er es absichtlich vermeide, auch nur zu erwähnen, dass das 
Wetter wiederum ungünstig sei, dass er sich aber freue, eine so 
zahlreich versammelte Gesellschaft begrüssen zu können. In 
kurzen Worten wies er darauf hin, wie es in Alaska im Gegen- 
satz zu Britisch Guiana das andere klimatische Extrem, die 
Kälte, sei, mit der der Pionier zu kämpfen habe. In begeisterter 
Weise betonte Herr Heusner, dass in beiden so unwirthlichen 
Gegenden der wirkliche Bahnbrecher und dauernde Sieger und 
Ueberwinder aller Schwierigkeiten wiederum ,,die Technik** 
sei : Eisenbahnen, Telegraphen, Maschinen vollkommener Art 
etc. seien die technischen Meilensteine des Vordringens in die 
unwirthsamen' Gegenden. — Nachdem diese, Sensation er- 
regende Einleitung beendet war, ertheilte Herr Präsident Heusner 
dem Herrn L. Viereck das Wort. 

Der Vortragende gab einleitend einen Abriss von der Geographie und den 
klimatischen Verhältnissen des nordischen Landes, das \ des gesammten 
Vereinieten Staaten gebietes und sogar mehr wie ein Prozent der festen Erd- 
oberfläche einnimmt. Man theilt Alaska in sechs, zuweilen auch in sieben 
Regionen ein, zur allgemeinen Orientirung genügt aber die Eintheilung in drei 
Bezirke. 

1. Nord-Alaska bis zum Polarkreis und der Wasserscheide des Yukon ; 

2. Central-Alaska, die Flussgebiete des Yukon und des Kuskokwin um- 
fassend ; und 

3. Süd-Alaska, die Aleuten, die Südseite der Halbinsel Alaska und die 
ganze südliche Küstenzone einschliessend. 



36 CMittheilungen des T>. ^. T. K 

Süd-Alaska ist das am längsten rtiit der Civilisation in Berührung ge- 
kommene, trotzdem aber ausserhalb der spärlichen Niederlassungen noch fast 
ganz wilde Gebiet im Süden, das seine Signatur durch den Kuro Schiwo d. h. 
Schwarzen Strom empfängt. Diese Meeresströmung nimmt ihren Ursprung 
im aequatorialen Gebiet der Südsee unweit der Philippinen und Molukken, 
und strömt längs der Ostküste Japans nach dem Norden. Ein Ausläufer 
dringt durch die Beringsstrasse bis in*s Arktische Meer, während der Haupt- 
strom die ganzen Küsten und Inseln Süd-Alaska's umspült und ihnen ein 
fanz unverhältnissmässig mildes Klima verleiht. In Sitko sinkt z. B. die 
emperatur äusserst selten unter o°, während der Sommer eine sehr ange- 
nehme Durchschnittstemperatur von 60—70° hat. 

Nord-Alaska ist ausserordentlich kalt und unwirthlich. In Point Barrow 
ist die Durchschnitts- Sommer-Temperatur ^6° unter Null, obgleich bis hierher 
noch die Wirkungen des Kuro Schiwo reichen. Das Innere dieses Gebietes 
ist fast gänzlich unbekannt, und nur die wenigen Häfen, namentlich Port 
Clarence am Norton-Sund, kommen für die Walfisch-Fänger in Betracht. 

Hat Süd-Alaska ein sehr feuchtes und mildes Seeklima, und Nord-Alaska 
ein durchgehends kaltes Klima, so herrscht in Central-Alaska ein heiss-kaltes 
Continental-Klima vor, wobei der Sommer allerdings selten länger als zehn 
Wochen dauert. Es ist hier um die Mitte des Jahres fast ununterbrochen Tag, 
da die Sonne nur für kurze Zeit vom Horizont verschwindet, im Winter frei- 
lich um so länger Nacht. Im Klondike Gebiet z. B. dauert die meist mit 
einer frühen Dämmerung von einigen Stunden abwechselnde Nacht beinahe 
drei Monate, was wesentlich dazu beiträgt, den Aufenthalt hier unleidlich zu 
machen. 

Vortragender schilderte hierauf die Fauna und Flora des Landes, die sich 
nach den klimatischen Abschnitten scheidet. Im Norden finden wir nur ein 

fefrorenes Marschland, auf dem der Eisbär sein Regiment führt, während die 
hier- und Pflanzenwelt des Südens ganz ausserordentlich reich ist. In Sitka 
gaukelt der Kolibri über einerVegetation von mehr als 300 bereits wissenschaft- 
lich festgestellten Blüthenpflanzen, herrliche Urwälder bedecken ungezählte 
Tausende von Quadratmeilen, bis zu 2000 Fuss über dem Meeresspiegel in's 
Gebirge herauf kletternd, und die verschiedenartigsten wilden Thic re, Bären 
aller bekannten Arten, grosse Elche und Caribor-Antilopen, Bergziegen und 
Bergschafe bevölkern die riesigen Jagdgebiete, die vielfach noch nie von 
eines Menschen Fuss betreten sind. In Central-Alaska ist die Vegetation 
natürlich weit spärlicher. Die Laubbäume, die sich im Süden noch vielfach 
finden (Pappel, Erle, Weide und Birke) verschwinden fast ganz, und abge- 
sehen von den verschiedenen Pelzthieren und gewissen grösseren Wald- 
bewohnern, zu denen in den nördlichen Theilen auch noch der Moschusochse 
hinzukommt, ist auch die Fauna eine entsprechend ärmere. 

Die Eingeborenen, die in diesem Lande wohnen, belaufen sich auf etwa 
3P,ooo. Es sind dies namentlich : 

1. Die Eskimos, etwa 15,000 an Zahl, meist nur im Norden und Nord- 
westen an den Küsten lebend, in Sprache und Civilisation ihren Stammes- 
genossen in Grönland sehr ähnelnd, 

2. Die Athapesken, 4 — 5000 an Zahl, im Inneren von Central-Alaska, 
von ähnlichen Eigenschaften wie die auch sonst in Nord-Amerika ansässigen 
Indianer. 

3. Die Aleuten, 2000 Seelen, stark mit russischem Blute gemischt und 
russisch sprechend, auf den nach ihnen benannten Inseln ; endlich 

4. Die Hinkiten, Hinda's und verwandte Stämme, zusammen von etwa 
5000 Köpfen, wahrscheinlich mongolischer Abstammung, im Süden. 

Vortragender führte nun aus, dass die Entwicklung Alaska*s stets aufs 
engste zusammenhing mit der Entwicklung der Hilfsauellen des Landes. 
Zunächst kamen Jäger und Fischer, zuletzt auch Goldsucher ins Land, und es 
ist höchst interessant festzustellen, welche Beweggründe jedes Mal die An- 
gehörigen der weissen Rasse bestimmten, in das zum Theil sehr mit Unrecht 
„Onkel Sam's Eiskasten" getaufte Land einzudringen. Bekanntlich gab ein 
Ukas des Zaren Peter des Grossen den Anstoss zur Entdeckung Alaska's in 
1741. Bering sollte die Ostgrenzen Sibirien *s und deren muthmasslichen 
Zusammenhang mit Amerika untersuchen, starb aber bei dieser schwierigen 



l/ereinS'Berichte, 37 

Expedition. Durch seinen deutschen Schiffsarzt Dr. Steller kani die erste 
nähere Kunde von dem merkwürdigen Lande in die Weit und hatte zur 
Folge, dass zunächst die Pelzjagd in diesem jungfräulichen Gebiete mit einer 
riesigen Energie in Angriff genommen wurde. Auf Grund der Aufzeichnungen 
der Russisch-Amerikanischen Pelzkompagnie und den in den amerikanischen 
Censusberichten enthaltenen Angaben schätzt man die bisherige Gesammt- 
ausbeute in Pelzen auf mehr als$ioo,ooo,cxx). Durch rücksichtslose Ausrottung 
der Seekühe, Walrosse und der Pelzroben ist neuerdings das Erträgniss 
wesentlich geschmälert worden, doch sind noch Hunderttausende von 
Ouadratmeilen vorhanden, die noch keines Kulturmenschen Fuss betrat, deren 
Wildreichthum aber sicherlich ein sehr grosser ist. Nächst der Jagd auf 
Pelzthiere war es die Fischerei, die Tausende von Arbeitern in's Land zog. 
In den Lachspackereien aliein sind zur Zeit an 6000 Menschen in jeder Saison 
beschäftigt, dabei giebt es nicht weniger wie 76 verschiedene Arten essbarer 
Fische, unter denen nächst dem Lachs Stockfische, Heilbutten, Heringe und 
Lachsforellen die grösste Rolle spielen. Diesen Sommer erhielten die Indianer 
nur I — 2 Cents für jeden Lachs, so gross war der Fang. Dabei kamen 
Thiere von 100—200 Pfund vor, wie sie sonst nirgends in der Welt wieder zu 
finden sein dürften. Im Herings- und Fischguano-Geschäft erzielte eine 
kleine Gesellschaft mit nur $75 ,000 Betriebskapital einen Gewinn von $114,000, 
und zweifellos sei noch für zahllose derartige Unternehmungen hier ein sehr 
lohnendes Feld zu finden, da ja allein 26,000 Meilen Küste in Frage kömen. 

So gross aber auch immer der Gewinn aus Jagd oder Fischerei war oder 
in Zukunft ausfallen möge, so war es doch in erster Linie der Goldreichthum 
des Landes, der die Einwanderung so anschwellen liess, dass heuer schon 
rund 10,000 Menschen nach dort strömten, für nächstes Frühjahr aber ein 
Massenzufluss von vielleicht 100,000 Seelen zu erwarten steht. Der Vor- 
tragende wies nach, dass es nicht diese Goldschätze waren, die seiner Zeit zur 
Annexion von Russisch-Amerika führten, sondern politische und wirthschaft- 
Hche Erwägungen, wie sie der verstorbene Senator Charles Sumner von 
Massachusetts, in einer, von grossem Weitblick zeugenden, umfänglichen 
Rede damals zu Gunsten der Ratifizierung des betreffenden Vertrages zum 
besten gab. Der Vortragende rekapitulirte diese Gesichtspunkte und konnte 
dabei auf einen von ihm besuchten japanischen Postdampfer verweisen, wie er 
jetzt alle vier Wochen regelmässig von Yokohama nach der pacifischen Küste 
fährt, ein sprechender Beweis dafür, wie der Handelsverkehr zwischen Ostasien 
und der Union in letzter Zeit sich entwickelt hat. Sumner hielt diese 
Wirkung, wie das Vorhandensein von Eisen und unerschöpflicher Urwälder 
des besten Holzes für wichtiger als Goldfelder, die man auf Grund der seit 
40 Jahren in Britisch Columbia gemachten Funde allerdings schon damals 
auch dort vermuthete, aber erst 1872 allmälig aufzufinden begann. 

Der Vortragende gab hierauf eine eingehende Schilderung der ver- 
schiedenen Gewinnungsarten des Goldes, sowohl der bergmännisch betriebenen 
„Quarzminen" wie der drei Hauptmethoden, nach denen die ,, Minen des 
armen Mannes" in den Goldwäschereien bearbeitet werden : das „Pfannen", 
die Bearbeitung mittelst der ,, Schaufel-Kiste'* und durch das „Schleusen" und 
zeigte, wie die jüngste Entwickelung Alaska's mit der Auffindung neuer 
Goldfelder auf's innigste zusammenhing. Sitka entstand freilich schon zu 
Anfang dieses Jahrhunderts, während Juneau, Dawson City und Skaguay 
ganz junge Goldgräberstädte sind, die kulturgeschichtlich das höchste 
Interesse beanspruchen. Der Vortragende gelangte bei seinen diesjährigen 
Streifzügen durch Alaska auch zu den Pässen am Lynn-Kanal (Chilkot, 
Chilkat und White Pass) und hatte so Gelegenheit, das Leben und Treiben der 
Goldsucher, wie namentlich das Entstehen einer neuen Goldgräberstadt, mit 
eigenen Augen zu beobachten. Skaguay zählte am i. Juli d. J. einen, Mitte 
September aber, als der Vortragende von dort fortging, etwa 5 — 6cco Ein- , 
wohner, während Dyea mehr den Charakter eines Indianerlagers hat, das nur 
vorübergehend weisse Durchzügler beherbergt. 

Vortragender besprach danach eingehend die Betriebsmethoden und die 
Erträgnisse der grössten Minen des Landes, die bei Juneau belegener grosser 
Transwell-Mine, die hauptsächlich im besitz der Rothschildgruppe sich 
befindet. 



38 CMittbeilungen des T>. ^. 7. K. 

Die Ausbeute betrug in den Jahren 

1882— 84 im ganzen nur $ ic,c)02 

1885 34,495 Tonnen mit 242,319 

1896 aber schon 263,670 Tonnen mit . . 782,829 

Von den in den ersten 8 Betriebsjahren erzielten $2,339,397 waren Profit 
1 ,076*000 = 45 Prozent, während von den in 1890-— 96 erzielten $6,625,945 
nicht weniger als $5,477,628 = 50,5 Prozent den Nutzen bildeten. 

Dabei ist das Erz, das hier gegraben ist, beihahe das denkbar schlechteste, 
da die Tonne immer nur 3i— 3i Dollars Goldes enthält, aber der Betrieb war 
sehr lohnend, da die Kosten der Herstellung von $2.25 in 1886 auf nur $1.08 In 
1896 herabgesetzt werden konnten. Mr. Duncan, der sehr umsichtige 
Betriebsleiter nimmt an, dass mit der gegenwärtig im Werk begriffenen 
Vermehrung der Zahl der Stampfer von 240 auf 540, und den in der-Moyukan 
Mine, die er ebenfalls leitet, von 50 auf 100, die Betriebskosten nicht mehr wie 
rund „Einen Dollar'* per Tonne betragen werden. Dabei wurden in den 
bisherigen 15 Betriebsjahren schon rund $10,000,000 Gold aus der Efde ent- 
nommen, und beträft schon letzt der durchschnittliche Tagesertrag $2—3000. 

Der Vortragende kam hierauf auf die Aussichten der Goldsucher zu 
sprechen, wobei er die Gefahren, Entbehrungen, Strapatzen und Mühselig- 
keiten, denen der Alaska-Fahrer auf ungebahnten Pfaden und durch die 
Wildniss ausgesetzt ist, mit lebhaften Farben zu schildern wusste. In Folge 
der klimatischen Verhältnisse sind im Yukon-Gebiet, wozu auch die an den 
Seitenbächen des Klondike, nordöstlich von Dawson City, im britischen N. 
W.-Territorium, belegenen, neuesten und bisher anscheinend auch ergiebigsten, 
Goldfelder zählen, noch besondere Schwierigkeiten zu überwinden. Hierher 
gehört namentlich der Umstand, dass der Boden das ganze Jahr hindurch bis 
-^yi Fuss unter der Oberfläche gefroren bleibt und im Sommer einem grossen 
Sumpfe gleicht, sodann die Widerwärtigkeiten des barbarisch kalten, halb- 
arktischen Winters mit fast dreimonatlicher Nacht, der Skorbut in Folge 
einseitiger Ernährung, endlich die Insektenplage, die in dem durchschnittlich 
60 — 70 Tage dauernden Sommer manchmal so intensiv wird, dass selbst grosse 
Bären daran zu Grunde gehen, während ein Goldsucher dem Andern die 
Fliegen und Mosquitos abwehren muss. Seiner Ansicht nach können nur 
Wenige dort auf ein grosses Resultat hoffen, während der eigentlichen Minen- 
Industrie hier noch ein ganz ausserordentlich aussichtsreiches Feld beschieden 
ist. Der Vortragende gab zum Belege dieser Behauptung eine Uebersicht der 
zahlreichen im ganzen Lande bereits entdeckten Goldfelder, der wichtigsten 
auf denselben errichteten Minen und ihre ungefähren Erträgnisse. Freilich 
werde die Zukunft Alaska's ganz und gar davon abhängen, wie die Verkehrs- 
wege in 's Innere entwickelt und die Frage der Lebensmittelversorgung gelöst 
werden würden. Vortragender hält es für unmöglich, dass über die schnee- 
bedeckten Berge, welche die Zufahrten in's Innere absperren, bei dem rauhen 
Klima des Landes im Winter überhaupt, Eisenbahnen gebaut werden können, 
sondern glaubt mit dem Ingenieur Pratt von Wilmington, Del., dass bis zur 
Eröffnung der ersten Eisenbahn in's Innere trotz aller Anstrengungen 
mindestens noch Jahr und Tag vergehen dürften. Damit sei aber auch die 
Colonisation des Landes, die in Central-Alaska ausschliesslich durch Minen- 
Anlagen erfolgen könne, aufgehalten und sehe Alaska seiner Ansicht nach, 
einer durch die fabelhaften Reichthümer des Landes an Gold und anderen 
Mineralien gesicherten, zwar durchaus glänzenden Zukunft entgegen, die sich 
aber erst allmählich im 20. Jahrhundert realisiren werde. 

Vortragender legte zum Schluss seines mehr als zweistündigen inter- 
essanten Vortrags noch eine Reihe von Erzproben vor und gab eine grosse 
Kollektion von meist überraschend gelungenen stereopti sehen Bildern aus dem 
Leben der Goldsucher und Indianer, wie von den Naturschönheiten des Landes 
zum Besten, die zur Erschliessung des Verständnisses des mündlich Mit- 
getheilten nicht unwesentlich beitrugen. Wie der Vortragende noch mittheilte, 
hat ihn das, was er heuer in Alaska selbst gesehen und gehört, derartig 
interessirt, dass er plant in den Monaten Juni, Juli und August 1898 eine 
Gesellschaftsreise zu unternehmen, welche die wichtigsten Goldfelder, wie die 
grossartigsten Naturschönheiten Alaskas, berühren soll. 

Wiederum beschloss die Sitzung ein gemüthlicher Commers. 

L. H. FRIEDBURG, prot Sekretär. 



l^ereinS'Berichte. 39 



Deutscher Techniker-Verein Baltimore. 



Zweites Stiftunirsfest am 21. Oktober 1897. 

Dasselbe wurde im neuen Vereinslokale 116 N. Paris Str. 
in Form eines Commerses mit Bankett abgehalten. Anwesend 
waren 15 Mitglieder und 10 Gäste. 

Die Halle war von einigen Mitgliedern und unserer Wirthin 
auf das geschmackvollste decorirt. 

Der Präsident eröffnete die Versammlung mit einer ein- 
drucksvollen Ansprache und stellte die anwesenden Gäste vor, 
worauf Alle den vorzüglichen Speisen bei flotter Tafel-Musik 
volle Gerechtigkeit wiederfahren Hessen. Hiernach begann der 
eigentliche Commers mit folgendem Programm : 

I. Lied : Zwei Jahre stehet unser Bund. 

Der erste Toast ,,Der deutsche Techniker in Amerika** 
wurde in brillanter Weise von Herrn R. Leupold beantwortet, 
in welchem er in ernster und humoristischer Rede auf die Ent- 
wickelung, die Vor- und Nachtheile der Technik, speciell in 
Amerika hinwiess. 

Das nächste Lied : ,,Wenn der Ingenieure Zahl sich vereint 
beim frohen Mahl,** auf welches ein von Hr. H. Krekel comman- 
dirter Salamander ,,Auf das Wohl des Deutsch-Amerikanischen 
Techniker-Verbandes** folgte. 

Hierauf folgte das Lied: ,,Zur Feier uns'res Stiftungs- 
Fest's,*' von unserem Mitglied Hr. O. Boettger gediehet. 

Der zweite Toast ,, Unsere Gäste*' wurde in meisterhafter 
Weise durch Hr. K. Sternberg beantwortet. 

Nächstdem stieg das Lied : ,,0 alte Burschen Herrlichkeit.** 

Der dritte Toast ,,Einfluss der Technik auf den Kultur 
Fortschritt** beantwortete einer der Gäste Herr L. P. Hennig- 
hausen. 

Das folgende Lied war : ,,Architect und Ingenieur,** worauf 
ein zweiter Salamander ,,Zu Ehren unserer Gäste** mit grosser 
Präcision gerieben wurde, worauf Herr E. Schmeisser im Namen 
der Gäste in gelungener Weise dankte. 

Das nächste Lied war : ,,Auf lasset die Glässer klingen,** 
nach welchem Hr. Ed. Leyh eine humoristische Rede vom Stapel 
Hess. Eine Anzahl allgemein bekannter Lieder schlössen sich 
noch an und erhielten die fröhliche Stimmung bis zum Schluss. 

Von den eingeladenen Techniker Vereinen von New York, 
Washington und Philadelphia waren Entschuldigungsschreiben 
eingegangen. Herr Dr. E. Fahrig von New York sandte ein Gra- 
tulations-Telegramm in lateinischer Sprache. Nach Schluss des 
officiellen Programms wurde Fidelitas erklärt, welche die An- 
wesenden noch längere Zeit zusammenhielt. 



40 CMitthälungen des T>. A. T, V. 

QeschafU-Sitxttos vooi 4. November 1897. 

Anwesend 9 Herren. 

Der Präsident eröffnete die Sitzung. 

Das Protokoll der Geschäfts-Sitzung vom 7. Oktober und 
dasjenige des zweiten Stiftungs-Festes wurden verlesen und an- 
genommen. Der Präsident sprach folgenden Herren den Dank 
des Vereins aus : 

Dem Protokollirenden Sekretär Hr. Loeser für die sorgfältige 
Anfertigung der Berichte. 

Dem Arrangements-Comite für die vorzügliche Anordnung 
und Arbeiten für das Stiftungsfest. 

Herrn Zwermann für ein Emaille Schild, welches er dem 
Verein dedizirte. 

An Correspondenzen waren eingegangen : 

Ein Schreiben des Hrn. Willenbücher von Washington, in 
welchem er dem Verein für das bewiesene Interesse bei Redi- 
girung der ,, Mittheilungen'* dankt. 

Die Technischen Vereine Philadelphia und New York senden 
ihre neue Beamten-Listen ein. 

Der Technische Verein Pittsburg theilt die Resignation des 
Hrn. Beutner und die Neuwahl des Hrn. O. C. Reyman mit. 

Der Technische Verein Washington protestirt gegen Abände- 
rung der Form der ,, Mittheilungen.** 

Der Technische Verein Brooklyn sendet verschiedene Re- 
solutionen ein. 

Der Technische Verein Philadelphia erhebt Wiederspruch 
gegen den an alle Vereine ausgesandten Protest in Bezug auf die 
,, Mittheilungen" vom Technischen Verein Washington. — Nach 
längerer Debatte wird beschlossen: ,,Da in den Sitzungen des 
letzten Verbands-Tages schon beschlossen wurde, die ,, Mit- 
theilungen'* in ihrer jetzigen Form beizubehalten, da ferner eine 
grössere Anzahl Geschäftshäuser für ihre resp. Annoncen in 
den ,, Mittheilungen*' schon voraus bezahlt haben und dass es 
lediglich Sache des Vorortes sei, für einen geeigneten Redakteur 
zu sorgen, welcher die ,, Mittheilungen** in bisheriger Form fort- 
zuführen habe.** 

Das Comite für Arrangirung des Stiftungsfestes verliest 
seinen Bericht und wird dankend angenommen. 

Der Schatzmeister Herr H. Lässig reicht seinen Kassenbericht 
für das verflossene Jahr ein, welcher ein Baarvermögen von 
$70.40 ausweist. 

Als Kassen-Revisoren werden die Herren Krekel und Maiberg 
ernannt. 

Für den nächsten wissenschaftlichen Abend meldet sich Hr. 
Prof. O. Fuchs an, einen Vortrag über „Kunst und Industrie*' 
zu halten. 

Aufgenommen als Mitglied wird Herr John B. Adt. 



yereinS'Berichte. 41 

Wissenschaftliche Versammlanf vom 18. November 1897. 

Anwesend 17 Herren. 

Den Vorsitz führte Herr O. Fuchs. 

Das Protokoll der Geschäfts-Sitzung vom 4. November wird 
verlesen und angenommen. 

Eingegangen war ein Brief des Technischen Vereins Phila- 
delphia, worin Herr A. Schumann um rechtzeitige Einsendung der 
Vereinsprotokolle und sonstiger Vereinsangelegenheiten ersucht. 

Das Kassen-Revisions Comite berichtet, dass es die Bücher 
und den Kassenbestand des Schatzmeisters correkt befunden 
habe. 

Hierauf folgte der höchst interessante Vortrag unseres Prä- 
sidenten Herrn O. Fuchs über „Kunst und Industrie.*' Er gab 
eine sehr lehrreiche Entwickelung der Kunst etc. beginnend mit 
den Urzuständen der wilden Völkerschaften anschliessend an die 
Egypter, Indier, Griechen, Römer ttc,^ desgleichen an den 
Gothischen, Byzantinischen und Renaissance Bau-Styl und einen 
allgemeinen Ueberblick der Kunst und Indusrie in Amerika, mit 
seinen Licht- und Schattenseiten. 

Der Vortrag wurde mit grossem Beifall aufgenommen und 
sprach ihm der Vice-Präsident Herr R. Stueler den Dank des 
Vereins dafür aus. 

Der nächst angemeldete Vortrag über „Die Schlacken-Cement 
Fabrikation", eine neue Industrie Baltimore's, wird von Herrn 
H. Lässig gehalten werden. 

AUG. LOESER, prot. Sekretär. 




42 Mittheilungen des D. A. 7. K 



Kleine Nachrichten und Personalien. 



Der Techniker -Verein Washinfton beging am 24. November sein 
uhnßbriges Stiftungsfest. Obgleich die Festlichkeit in einfacher 
Weise arrangirt war, zeichnete sich dieselbe dennoch durch die 
dort herrschende, wohlbekannte Geselligkeit aus. Die bei Tische 
ausgebrachten Trinksprüche waren der ,, Technik*', dem ,,T. V. 
Washington**, ,, unseren Damen** und ,, unseren Vergnügungen** 
gewidmet. Die eingegangenen Gratulations-Schreiben und Tele- 
gramme wurden als Zeichen freundschaftlicher Zuneigung mit 
Applaus begrüsst. 

Aus dem gegenwärtigen Bestände des Vereins geht hervor, 
dass demselben von den 34 Herren, welche ihn gegründet haben, 
noch zwölf als Mitglieder angehören. Die höchste Mitgliederzahl 
erreichte derVerein in den ersten zwei Jahren. Durch verschiedene 
Umstände sank dieselbe auf ihr nun schon seit Jahren fast kon- 
stant gebliebenes natürliches Niveau. Es waren und sind die 
Mitglieder verblieben, die nach langjährigem Zusammenleben 
einen Freundeskreis bilden, wie er dem Deutschen in Amerika 
nur selten zutheil wird. Frei von egoistischen Umtrieben und 
Kliquenwesen, ist es der Stolz des Vereins, ein Sammelpunkt 
denkender und ehrlich strebender Menschen zu sein. 

Möge dieses Zusammenwirken dem T. V. Washington auch 
in Zukunft verbleiben und möge nach weiteren zehn Jahren die 
alte Garde in unverminderter Zahl bei frohem Thuen zu finden 
sein ! 



Es mas als gutes Zeichen gelten, dass der Technische Verein von 
New York unter seinem neuen Präsidenten Herrn Leopold 
Kaczander seine erste Excursion gerade nach einem deutschen 
Werke machen konnte. Ein Werk allerersten Ranges, das in 
seiner Gattung als bedeutendstes die rückhaltlose Anerkennung 
aller Fachleute diesseits und jenseits des Oceans gefunden hat. 

Das Arrangements-Komite des New Yorker Vereins, die 
Herren Paul Goepel und Julius Spiro, erlangten von Herren 
Oelrichs & Co. die Erlaubniss zu einer Spezialbesichtigung des 
Norddeutschen Lloyd Dampfers ,, Kaiser Wilhelm der Grosse** 
für die technischen Vereine von New York und Brooklyn. Die 
Excursion fand am 18. Oktober d. J. statt. Es war der Tag vor 
der Rückfahrt des Dampfers nach Europa und daher die 
günstigste Zeit für eine Besichtigung. Trotz schlechtem Wetter 
fanden sich eine ausserordentlich grosse Anzahl Mitglieder beider 
Vereine ein. Es waren immerhin 150 Personen am Pier in 
Hoboken und man sah manches Gesicht, das dem Verein fast 
fremd geworden war. Etwa um 2 Uhr Mittags betraten die 



Kleine Nachrichten und Personalien. ^ 43 

Techniker da^ Deck des Dampfers und nahmen ihren Weg von 
dem am höchsten gelegenen Promenaden-Deck durch den grossen 
Speisesaal, den Salon, die Bibliothek, Rauchzimmer etc. nach 
dem unteren Deck. — In geradezu verschwenderischer Pracht 
erscheinen die verschiedenen Räume ; verschieden im Styl, je 
nach ihrer Art und ihrem Zweck ; durchgehend geschmückt mit 
Porträts Kaiser Wilhelm I., seiner Familienmitglieder und seiner 
Paladine. Die ornamentale und decorative Kunst hatte hier ein 
reiches Feld und steht sicher auf gleicher Höhe mit der Malkunst. 
Nicht zu vergessen sind die gewerblichen Arbeiten, z. B. die Ein- 
richtungen der Cabinen, welche in verhältnissmässig engem 
Räume durch practische und geschmackvolle Ausführung den 
guten Ruf der deutschen Kunstindustrie, besonders aber der 
Kunsttischlerei bewähren. 

Soweit ging die Besichtigung des Dampfers in freier, dem 
Belieben jedes Einzelnen überlassener Vertheilung vor sich. Der 
eine hielt sich hier, der andere dort längere oder kürzere Zeit 
auf, um schliesslich gesammt nach dem Hauptteil des Schiffes, dem 
Maschinenraum, zu gehen. Um eine rationelle und erspriessliche 
Besichtigung des Maschinenraumes zu ermöglichen, hatten die 
Ingenieure des Dampfers sich zur Verfügung gestellt, und konnte 
durch Vertheilung in einzelne kleinere Gruppen, je unter 
Führung eines Ingenieurs, ein eingehendes Studium vorge- 
nommen werden. 

Bis nach 5 Uhr hielten sich die Techniker im Maschinen- 
räume auf und eingedenk des Verbots : keine Aufnahmen mittelst 
Bleistift, Massstab und Skizzenbuch machen zu wollen, waren 
Auge und Ohr in fortwährender angestrengter Thätigkeit. Auch 
keine Veröffentlichung des Gesehenen darf stattfinden ; wahr- 
scheinlich aus Respekt vor der Gründlichkeit der Techniker! 
Somit ist auch hier Schweigen Pflicht ! 

Zum Schluss begaben sich die Mitglieder nach dem ,, Hotel 
Meyer*' in Hoboken, um sich mit einem guten Glase bayrisch 
Bier zu stärken. 



Herr OTTO LUETHY, Vice-Präsident des T. V. Philadelphia, 
nahm gelegentlich eines Besuches der Ofen-Anlagen in Glassport, 
Pa., an der Vereinssitzung desT. V. Pittsburg theil. 



Herr GEORGE ELLISON und Herr EMIL LUNDQUIST, Ingenieure 
der Westinghouse Electric & Manufacturing Co., sind nach New 
York übergesiedelt. Herr Ellison hat seinen neuen Posten als 
Chief Draughtsman der Western Electric Co. mit Office in New 
York bereits angetreten. 



Herr EUGEN FRIEDLAENDER, Superintendent Electrical Dep't. 
Duquesne Blast Furnaces, Duquesne, Pa., hat sich an Bord des 
,, Kaiser Wilhelm der Grosse'* nach Deutschland begeben. Herrn 



44 IMittheÜungen des D. A, T. V. 

Friedländer wurde kurz vor seiner Abreise eine Ueberraschung 
in Form eines Abschiedsdiners zutheil, das vom Präsidenten der 
Carnegie Steel Co., Herrn C. M. Schwab, veranstaltet wurde. 
Unter den geladenen Gästen befand sich auch Herr M. W. 
Alexander. 



Herr PAUL BAUSCH, korrespondierender Sekretär des 7.1). 
Washington, ist Anfangs Dezember wieder nach dort zurück- 
gekehrt. Seit den Techniker -Tagen in den Catskills war der- 
selbe damit beschäftigt, den Bau einer Lebensrettungs-Station 
am Michigan-See, in der Nähe von St. Joseph, zu leiten. 



Herr OTTO Seiffert, Mitglied des T. V. Washington, ist nach 
Meriden, Conn., übergesiedelt, woselbst er bei der Eddy Electric 
Company in Stellung getreten ist. 



Herr E. F. DrooP, Mitglied des T. V. Washington, feierte 
am 17. November sein vierzigjähriges Geschäftsjubiläum, bei 
welcher Gelegenheit ihm die Glückwünsche seiner zahllosen 
Freunde zutheil wurden. Bei der ausserordentlichen Körper- und 
Geistesfrische des Jubilars ist anzunehmen, dass er noch weitere 
vierzig Jahre eine Zierde der Washingtoner Geschäftswelt sein 
wird. 




O^aterial [ur Geschichte der T>. A. T. V. 45 



Material zur Geschichte der deutsch-amerikanischeii ^.^». — . 

nischen Vereine und des D. A. T.-Verbandes. / Pt/SLJcij :^V 

Dem in Üio, 5 VoU II mitgetheilten Geschichtsmaterial der Vereine/N^^Woil^Lg^^^ 

Philadelphia und Chicago wird im Nachstehenden noch das clMJi2^JJ^ü^- "^ 
übrigen Verbands vereine angeschlossen. 



Der Polytechnische Verein von Cincinnati^ O. 

wurde am 11. September 1886 gegründet und am 27. Dezember 
desselben Jahres inkorporirt. 

Seiner Entstehung liegt der Weltruf zu Grunde, welchen das 
grosse Bierdorf im Ohio -Thal geQJesst, dass ein grosser Theil 
seiner Einwohner aus gebildeten Deutschen bestehe. 

Dieser Ruf verschaffte der ehemaligen Porkopolis die Ehre, 
als Feststadt für den ^weiten Technicker-Tag auserwählt zu werden. 

Einige Cincinnatier Techniker wurden hiervon, und zwar 
von New York aus, benachrichtigt; sie theilten diese Kunde 
anderen Kollegen mit und besprachen mit diesen, wie sie die 
fremden Berüfsgenossen passend empfangen und begrüssen 
könnten. 

Dabei wurde allgemein dem Wunsche Ausdruck gegeben, 
dass die deutschen Ingenieure, Architekten, Chemiker und ande- 
ren Techniker der Königin des Westens sich vereinigen und ver- 
eint sich dem Verbände D. A. T. anschliessen möchften. Es 
wurden deshalb Circulare ausgeschickt und auch Einladungen zur 
Betheiligung an der Gründung eines solchen Vereins in den 
Zeitungen erlassen. 

Leider stellte es sich schon bei den Vor -Versammlungen 
heraus, dass unter der grossen Zahl der in Cincinnati lebenden 
Germanen die Techniker nur sehr schwach vertreten sind. 

Es bildete sich aber dennoch ein fester, wenn auch kleiner 
Kern für die Vereinigung, welcher heute noch vorhanden ist. 

Inzwischen traf Herr Augustus Kurth, der Nestor des Ver- 
bandes, in Cincinnati ein, um die nöthigen Vorbereitungen für 
den Technikertag zu treffen. 

Herr Kurth war hoch erfreut, von einigen, zum Nucleus des 
im Werden begriffenen neuen Zweiges des Verbandes gehörenden 
Herren begrüsst zu werden und schürte in liebenswürdiger Weise 
durch seine Ansprachen und Auseinandersetzungen in diesen 
Herren das Feuer der Begeisterung für die Sache. 

Auf Sonntag, den 5. September 1886, Vormittags, wurde eine 
Massenversammlung anberaumt, zu weicher durch Briefe und 
durch die Zeitungen alle Techniker Cincinnati's und Umgegend 



46 OAittheilungen des T>. A. T, V, 

eingeladen wurden. In dieser Versammlung, welche in der 
Musik -Vereins - Halle stattfand, in der am 17., 18. und 19. des- 
selben Monats der zweite Technikertag gefeiert wurde, wurde der 
Grundstein zum ,^ Polytechnischen Verein von Cincinnati*' gelegt. 
Die Theilnehmer waren allerdings nur schwach an Zahl, doch 
alle von gutem Schlag, und sie schmeichelten sich mit der Hoff- 
nung, dass es ihnen gelingen würde, alle nach den verschieden- 
sten Richtungen wirkenden geistigen Kräfte zu einer einzigen 
resultirenden zu vereinigen. Am 11, September 1886 wurde der 
Verein formell organisirt und die ersten Beamten gewählt. Seit- 
dem hat er fortbestanden, trotzend den Stürmen der schlechten 
Zeiten und der Geschäftskrisen. 

War der P. V. von Cincinnati auch immer der kleinste Zweig 
des Verbandes, so war er doch nie ein Schwächling ; denn er hat 
nach besten Kräften gestrebt und gewirkt. Ein Beweis dafür ist, 
dass der Verein, als er die Ehre hatte, der Vorort des Verbandes 
zu sein und die Arrangements für den sechsten Technikertag zu 
treffen, seine Aufgabe zur Zufriedenheit der grösseren Zweig- 
vereine des Verbandes durchführte. Seine Mitglieder gedenken 
mit freudiger Erinnerung vieler genussreicher Abende und fröh- 
licher Stunden, die sie in demselben verlebt haben. 

Natürlicher Weise ging es zu manchen Zeiten flotter her als 
zu anderen ; bisweilen wurde mehr Wissenschaft getrieben, bis- 
weilen mehr die Geselligkeit gepflegt. Das ist ja so in allen 
Vereinen der Welt Lauf. 

Am Ende des Gründungsjahres hatte die Mitgliederliste 
21 Namen aufzuweisen. Die grösste Mitgliederzahl, welche der 
Verein im Jahre 1889-90 besass, belief sich auf 32. Für die win- 
zig kleine Anzahl von Mitgliedern, die gegenwärtig noch gut- 
stehend und aktiv sind, sind nur die gedrückten Industrie- 
verhältnisse das Landes verantwortlich. 

Wir halten es für unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit 
dreier Herren zu gedenken, die früher unserem Verein und somit 
dem Verbände als thätige und eifrige Mitglieder angehörten, jetzt 
aber nicht mehr unter den Lebenden weilen ; es sind dies : Herr 
Otto Suhrlandt, Herr Louis Schoelch und Herr David Klausmayer. 
Mögen dieselben noch lange fortleben in der Erinnerung ihrer 
Freunde. 

Mit diesem Vereinsjahr beschliesst der P. V. von Cincinnati 
das erste Decennium seines Bestehens und sobald sich die 
Geschäftslage des Landes heben wird, so wird sich auch seine 
Mitgliederzahl wieder vergrössern und neuer Eifer und regere 
Thätigkeit ihn neu beleben. 

Möge er noch viele Decennien grünen und blühen! 



O^aterial ^ur Geschichte der T>. A. T. V. 47 



Techniker -Verein Washington, D. C. 



1887-1897^ 



Der Techniker-Verein Washington verdankt seine Ent- 
stehung einer Anregung von New York. Als im Sommer 1887 die 
Herren Richard Godeffroy und Paul Bausch, Mitglieder des dor- 
tigen Vereins, durch Bemühungen des Verbands-Stellenvermitte- 
lungs-Bureaus nach Washington umzogen, um an der zu er- 
bauenden Kongress-Bibliothek, unter den Architekten Smithmeyer 
und Pelz, ein neues Feld der Thätigkeit anzutreten, wurde ihnen 
ans Herz gelegt, das Evangelium des Verbandes unter den ziemlich 
zahlreichen deutschen Fachgenossen Washingtons zu verbreiten. 
Es dauerte nicht sehr lange, bis diese zwei Apostel, unterstützt 
von den besuchsweise anwesenden New Yorker Herren Goepel 
und Kurth, genügende Propaganda gemacht hatten, um mit noch 
einigen andern Kollegen ein Circular an alle deutschen Techniker 
senden zu können, worin zu einer allgemeinen Versammlung 
behufs Gründung eines Vereins eingeladen wurde. 

Diese erste Versammlung war denn auch sehr stark besucht 
und hatte ein glänzendes Ergebniss. Vierunddreissig Herren 
unterzeichneten eine Erklärung zur Gründung eines Technichen 
Vereins und ernannten eine Kommission zur Ausarbeitung der Ver- 
fassung. Das war am 29. November 1887 in der schon längst 
nicht mehr existirenden Edel'schen Musik-Halle, 708 E Str., N.W. 
In einer konstituierenden Versammlung am 15. Dezember wurden 
die vom Komite unterbreiteten Statuten angenommen und die 
ersten Beamten erwählt und zwar Präsident: J. L. Smithmeyer; 
Vice-Präsidenten: Chas. Kinkel und R. Godeffroy; Schatz- 
meister: C. A. Didden; Correspondirender Sekretär: Paul 
Bausch; Protokollirender Sekretär: C. H. Schneider; Beisitzer: 
Jakob Jose, E. J. Sommer, W. C. Willenbücher, A. Stierle und 
Paul Seifriz. Dieselbe Versammlung beschloss auch den An- 
schluss an den Verband. Die Mitgliederzahl hatte sich an diesem 
Tage bereits auf 57 vergrössert. 

Die Reihe der wissenschaftlichen Versammlungen begann am 
18. Januar 1888 mit einer Diskussion über Isolirung der Grund- 
feuchtigkeiten in Gebäuden. Am 4. April fand die erste gesellige 
Unterhaltung statt, mit Konzert, Bankett und Tanz. Im selben 
Monat siedelte der Verein nach Gerstenberg & Reuter's Lokal, 
1343 E Str., N. W., über. Die nöthigen Mobilien wurden an- 
geschafft, Klavier gemiethet, Zeitschriften gehalten und man traf 
sich beinahe allabendlich in dem sehr gut gelegenen und bedienten 
Hause. Die Organisation wurde vervollständigt durch Er- 
nennung eines wissenschaftlichen und eines Vergnügungs- 
Komites. Am 19. Mai wurde der Verein gesetzlich inkorporirt. 



48 ^ (Mittheilungen des T>. o1. T. K 

Das erste Familienfest im Freien wurde am 17. Juni in 
Riverdale gefeiert. Es betheiligten sich 119 Personen. Eine 
photographische Aufnahme der gesammten Gesellschaft enthält 
gar viele, die seitdem von dannen gezogen oder gar ins stille 
Land gewandert sind. 

Am 19. August fand die erste wissenschaftliche Exkursion 
statt, und zwar nach dem Etablissement des Mitgliedes 
Saegmueller, woselbst einige interessante astronomische Instru- 
mente eben der Vollendung entgegen gingen. 

Das zweite Vereinsjahr wurde am 2. Oktober 1888 eröffnet 
und Herr Chas. Kinkel ^um Präsidenten erwählt. Die Seele des 
Ganzen war damals anerkanntermassen Herr Richard Godeffroy, 
ein äusserst energischer, fähiger und gewandter, in allen Sätteln 
gerechter Mann, dem der vielbeschäftigte Präsident vertrauens- 
voll die Führung des Vereins überliess. Leider war seines 
Bleibens nicht lange. Die Leitung des Congressional Library 
Building ging den folgenden Sommer in andere Hände über und 
ein ganzes Dutzend der Vereinsmitglieder, darunter auch Herr 
Godeffroy, wurden in alle Welt zerstreut. Er und Herr Kinkel 
hatten es verstanden, Leben in den Verein zu bringen und die 
Mitgliederzahl zu erhöhen, bis sie etwa 85 betrug. 

Theils die eben erwähnten Verluste und das ganz natürliche 
Wieder-Abfallen der etwas zu hastig angeworbenen Mitglieder 
verursachten nach dem ersten schwungvollen und erfolgreichen 
Jahre ein langsames und andauerndes Zurückgehen des Vereins. 
Dazu kam noch die Thatsache, dass der natürliche Abgang an 
deutschen Technikern in Washington nur selten durch Zuzug 
ausgeglichen wurde, indem unseren Landsleuten nach und nach, 
namentlich in der Besetzung von Regierungsanstellungen, von 
Seiten der jungen amerikanischen Techniker beträchtliche 
Konkurrenz erwuchs. 

Gegen Ende des zweiten Vereinsjahres war Washington der 
Ort des 5. Deutsch-Amerikanischen Techniker-Tages. Derselbe 
wurde vom 25. bis 28. September 1889 in Edel's Halle abgehalten, 
mit grossem Pomp und Defizit. 

Die Thätigkeit des Vereins war auch in diesem Jahre eine 
rege, obschon gar manche verkehrte Richtung eingeschlagen 
wurde. 

Das folgende Jahr, 1889 — 90, wurde unter der Präsident- 
schaft des Herren E. J. Sommer angetreten. Im Dezember 1889 
fing der Verein an, sich über Faber's Restaurant, 411 9. Strasse, 
N. W., ein eigenes Lokal zu miethen. In diesem Jahpe vollzog 
sich eine allmälige Umänderung der geselligen Thätigkeit des 
Vereins, ein ' Uebergang vom abgesonderten Kneipen und Skat- 
spielen der Herren zu allerlei Unterhaltungen mit Damen : 
Kränzchen, Weihnachtsfeste, informelle Abende, ja sogar 
Kommers mit Damen. Die wissenschaftlichen Abende waren 
unter der speziellen Leitung des Vice-Präsidenten von Bayer von 
grossem Erfolg, und der geschäftliche und parlamentarische Theil 
wurde vom Präsidenten mit Energie und Sachkenntniss geleitet. 



^Material ^ur Geschichte der D. A. T. V. 49 

Derselbe Präsident verblieb auch im vierten Vereinsjahre 
an der Spitze. Die Mitgliederzahl im März 1891 war 62. Die 
Finanzen des Vereins lagen in Folge der grossen Ausgaben sehr 
im Argen und beim Jahresschluss blieb keine andere Wahl übrig, 
als das gemiethete Lokal nach zweijährigem Aufenthalt auf- 
zugeben. Auch der Austritt aus dem Verbände wurde aus 
finanziellen Gründen vorgeschlagen und fand vielfache Befür- 
wortung. Die Vereinsthätigkeit ging in Folge dessen stark 
zurück und damit entstand eine grosse Theilnahmlosigkeit vieler 
Mitglieder. 

Der im Oktober 1891 erwählte Vorstand, mit Herrn Hektor 
von Bayer als Präsidenten, trat somit keine leichte Aufgabe an. 
Das erste, was geschah, war eine Revision der Mitgliederliste. 
Nur 50 Namen blieben übrig. Dann wurde die fernere Verbands- 
Angehörigkeit nach einer schweren Redeschlacht gesichert. Das 
Faber'sche Lokal wurde gekündigt und bei Fritz Reuter, 4j4 Str. 
und Pennsylvania Ave., N. W., eingezogen (5. Januar 1892). 
Es wurden spezielle Anstrengungen gemacht, neue Mitglieder 
heranzuziehen, was auch in einigen Fällen gelang. Eine am 27. 
August 1892 vorgenommene Revision der Vereinsliste Hess jedoch 
nur noch 40 gutstehende Mitglieder übrig. Diese Zahl ist seitdem 
konstant geblieben und beweist, dass der Verein damit sein 
naturgemässes Niveau erreicht hat. Der Rückgang in der Mit- 
gliederzahl ist dem Verein in vieler Beziehung sogar von Vortheil 
gewesen, da schliesslich die Mitglieder blieben, die nun schon 
seit Jahren dem Verein den Stempel wahrer Kollegialität und 
Freundschaftlichkeit gegeben haben. In diesem Punkte ist es der 
Stolz des T. V. Washington, keinem anderen Verbands-Vereine 
nachzustehen. 

Am 24. September 1892 begann das sechste Vereinsjahr und 
trat Herr Paul Bausch in das Präsidenten-Amt ein. Eine am 27. 
Oktober abgehaltene Columbus Feier verdient hier der Er- 
wähnung als einer der besten Leistungen des Vereins. Ein 
beträchtlicher Geldbeitrag, zum Zweck würdiger Repräsentirung 
des Verbands von Seiten der Polytechnischen Gesellschaft von 
Chicago, gelegentlich der Weltausstellung, wurde geleistet. 
Desgleichen wurden viele deutsche Fachgenossen auf ihrer 
Durchreise individuell und kollektiv empfangen und unterhalten. 
Auch ein zu Ehren des wackeren Hektor von Bayer gegebener 
Kommers ist eine schöne Erinnerung. 

Die Finanzen erholten sich zu neuer Prosperität und der 
Verein anerkannte die Wirksamkeit des Vorstandes durch eine 
Wiederwahl am 4. Oktober 1893. '^n Dezember dieses Jahres 
richtete der Vorstand ein Rundschreiben an die verschiedenen 
wissenschaftlichen Bureaus der Bundesregierung und ersuchte 
um regelmässige Zusendung ihrer Publikationen an die verschie- 
denen Verbands-Vereine. Daraufhin versprachen etwa ein 
Dutzend dieser Anstalten die Versendung und geschieht dieselbe 
zum theil heute noch. Leider haben einzelne Vereine die Ein- 
stellung dieser Sendungen sich selbst zuzuschreiben, indem sie 



50 [Mittheilungen des T>. A. T, V, 

entweder den Empfang nicht oder nur unregelmässig anzeigten 
oder auch Adressenänderungen, ja selbst ihre Auflösung nicht 
bekannt machten. 

Januar 1894 verlegte der Verein sein Lokal nach den sehr 
schönen und bequemen Räumlichkeiten des Buena Vista Klub- 
hauses, 719 6 A Str., N. W., woselbst die erste geschäftliche 
Versammlung am 6. Februar abgehalten wurde. Ein werthvoller 
neuer Bücherschrank wurde angeschafft und der Verein gewann 
ungemein an äusserem Ansehen wie an innerem Leben. Die 
Tanzkränzchen insbesondere, zu welchen das Lokal wie ge- 
schaffen ist, nahmen einen ebenso eleganten wie zugleich auch 
freundschaftlichen und herzlichen Ton an. 

Für die folgenden zwei Jahre, 1894-95 und 1895-96, hatte 
der Verein die Ehre, als Verbands-Vorort zu fungiren und den 
gewählten Beamten fiel die in diesen zwei Jahren nicht unbeträcht- 
liche Arbeit der Verbands-Verwaltung zu. Herr Hermann 
Rassbach führte die doppelte Präsidentschaft während 1894-95. 

Vom 25. bis zum 2^. September 1895 wurde der elfte 
Techniker-Tag unter den Auspicien des T. V. Washington ab- 
gehalten. Die bei solchen Gelegenheiten wünschenswerthen 
Anstrengungen geschahen von Seiten Washington 's mit Lust 
und Liebe und zur Zufriedenheit der zahlreichen Festgäste. 

Bei der Wahl für das 9. Vereinsjahr, 1895-96, ging die 
Präsidentschaft an Herrn Hektor von Bayer über. Die Verbands- 
Verwaltung nahm in diesem Jahre wiederum so ziemlich alle 
Kräfte in Anspruch. Während der Wintermonate wechselten 
Vorträge und gesellige Unterhaltungen in bunter Reihe ab. Zu 
den angenehmen interessanten Geschehnissen des Jahres gehören 
ein Besuch des Washingtoner Vereins bei dem im Vorjahre ge- 
gründeten Schwesterverein Baltimore (14. März) und dessen 
Gegenbesuch in Washington (16. März). 

Im Oktober 1896 begann das 10. Vereinsjahr mit Herrn Georg 
N. Saegmueller als Präsident. Unter seiner Leitung nimmt der 
Verein einen neuen Anlauf zu weiterer Entwicklung. Verschiedene 
kühne Versuche, künstlerische Festlichkeiten (nach berühmtem 
Pittsburger Muster) zu veranstalten, gelangen über alles Erwarten. 

Schlusswort. Der T. V. Washington ist einer der kleineren 
Verbands-Vereine und hat vorläufig auch keine Aussicht, durch 
Zuwachs von Aussen an eine höhere Stelle zu treten. Trotz der 
geringen Mitgliederzahl bildet er jedoch im Leben der Mitglieder 
ein nicht zu ersetzendes Bindemittel. Wer die gesellschaftlichen 
Verhältnisse kennt, wird wissen, wie ungeheuer schwer es für 
den Deutsch-Amerikaner ist, unter seinen Landsleuten den rich- 
tigen Kreis congenialer Naturen zu finden. Ein anderer Punkt, 
der sehr wichtig ist, ist der, dass es bis jetzt noch keinem 
Einzelnen, viel weniger einer Klique (wovon übrigens schon seit 
Jahren keine mehr bestehen), eingefallen ist, den Verein zu 
persönlichen Zwecken zu gebrauchen. Was bereits oben er- 
wähnt ist, der Verein Washington ist durch freundschaftliche 
Bande aller seiner Mitglieder zu einer grossen Familie geworden. 
Und dass es auf immer so bleibe, ist der Wunsch Aller. 



^Material ^ur Geschichte der D. A. T. K 51 



Technischer Verein von Pittsburg, Pa. 

Am 10. Juli 1888 wurde der Technische Verein von Pittsburg 
gegründet. Herr A. Kurth, City Surveyor von Brooklyn, N. Y., 
war im Auftrage des Technischen Vereins New York nach Pitts- 
burg gekommen, um sowohl die nöthigen Vorbereitungen für den 
im September abzuhaltenden Technikertag zu treffen, als auch 
die Gründung eines Technischen Vereins anzustreben. Er setzte 
sich zu diesem Zweck mit den Herren S. Diescher, City Engineer, 
und Chas. Ehlers, City Engineer von Allegheny, in Verbindung, 
und einer Einladung dieser Herren zufolge fanden sich 12*) deut- 
sche Techniker im früheren VobwinkePschen Lokal an der Smith- 
field St., als ,,Bodega** bekannt, ein, um die Vorschläge des 
Herrn Kurth zu diskutieren. Herr H. Moeser führte den Vorsitz 
in dieser Versammlung, die damit endete, dass die Anwesenden 
sich bereit erklärten, einen Technischen Verein zu bilden. Herr 
H. Moeser wurde als Vorsitzender, Herr S. Diescher als Stell- 
vertreter und Herr K. von Wagner als Schriftführer provisorisch 
eingesetzt. Die nächsten Versammlungen — die zweite in der 
Bodega, die dritte im Hotel Duquesne, dem Absteigequartier des 
Mitgliedes General Steinmetz, die vierte im Saale des Lese- 
vereins — folgten einander in ziemlich kurzen Zwischenräumen 
und waren hauptsächlich der Ausarbeitung der Vereinsstatuten 
sowie den Vorbereitungen zum Technikertag gewidmet. Die 
Statuten des New Yorker Vereins wurden mit geringen Ab- 
änderungen angenommen und am 10. August, in der fünften Ver- 
sammlung, organisirte sich der Verein durch Wahl der folgenden 
Beamten: Präsident: H. Moeser; Vice-Präsident : S. Diescher; 
korrespondirender Sekretär: K. von Wagner; protokollirender 
Sekretär : J. Schlieper; Schatzmeister : Karl Amslen; Bibliothekar: 
F. Melber; Direktoren: W. G. Steinmetz, P. Didier und F. Rust. 
Die Beamten des neuen Vereins zeigten sich sehr rührig und 
wussten das Interesse an dem neuen Verein so zu erwecken, dass 
nach kurzer Zeit schon 25 Namen auf dem Mitgliederverzeichniss 
standen. Die folgenden zehn Herren gehören noch heute dem 
Verein als thätige Mitglieder an : Moeser, Stupakoff, von Wagner, 
Laub, Schmid, Geo. Koenig, Bippus, Deforth, Friedrich Koenig, 
Glafey. 

Am 13., 14. und 15. September 1888 wurde dann der vierte 
Technikertag in Pittsburg abgehalten. Derselbe trug ohne 
Zweifel viel dazu bei, den jungen Verein zu kräftigen und ihn 
mit den übrigen Verbandsvereinen in nähere Berührung zu brin- 
gen. Während der ersten Jahre unter der zielbewussten und 
hingebenden Leitung des Herrn Moeser, auf's Thatkräftigste 
unterstützt durch die rastlose Thätigkeit des damaligen Sekretärs 



*) von denen die Herren H. Moeser, K. von Wagner, John Deforth, 
H. Laub und G. Bippers noch heute dem Verein angehören, 



52 CMittheilungen des T>. A.T. K 

Herrn von Wagner, herrschte das beste Einvernehmen im Verein. 
In den Sitzungen wurden gute fachwissenschaftliche Vorträge ge- 
halten, die stets die Vereinsmitglieder fast vollständig versammel- 
ten. Bei der Aufnahme neuer Mitglieder wurde sehr streng ver- 
fahren; sie mussten Techniker sein, nicht nur dem Namen nach, 
sondern als solche auch von den Vereinsmitgliedern anerkannt 
sein. Zur Illustration dessen möge angeführt werden, dass die 
Aufnahme Professor Guttenberg's und Dr. Bernard's als ordent- 
liche Mitglieder zu Erörterungen des Begriffs Techniker führte, 
und erst im Mitgliederverzeichniss des Jahres 1891 finden wir 
zum ersten Male zwei Herren als ausserordentliche Mitglieder 
angeführt. Allmählich griff eine mehr liberale Auslegung des 
Begriffs Techniker Platz, die zur Folge hatte, dass nicht nur die 
Zahl der ausserordentlichen Mitglieder anwuchs, sondern dass 
Mitglieder, welche als ausserordentliche Mitglieder aufgenommen 
waren, später in die Liste der ordentlichen Mitglieder über- 
geschrieben wurden. Das Vereinsjahr 1893-94 brachte emen 
ganz gewaltigen Aufschwung des Vereins mit sich. Die allgemeine 
Depression der Geschäftslage machte sich weniger fühlbar in dem 
an natürlichen Hilfsquellen reichen Pittsburger Distrikt, und so 
kam es, dass eine grosse Zahl deutscher Techniker, theils Mit- 
glieder anderer Verbandsvereine, nach Pittsburg kamen. Ausser- 
dem war Pittsburg unter dem Vorsitz des Herrn Dr. K. F. Stahl 
Verbandsvorort während des Jahres 1892-93 gewesen und hatte 
dieser als solcher die Leitung der Verbandsgeschäfte in so 
zufriedenstellender Weise geführt, dass Pittsburg auf allgemeinen 
Wunsch als erster Verein Verbandsvorort auf ein weiteres Jahr 
blieb. Am 13. Januar 1894 wurde der Verein inkorporirt. Seine 
Mitgliederzahl stieg in diesem Jahre von 64 auf loi und auf der 
folgenden Generalversammlung kam das Anwachsen des jüngeren 
Elements im Verein dadurch zum Ausdruck, dass Vertreter des- 
selben, welche erst sehr kurze Zeit Vereinsmitglieder waren, in 
den Vorstand gewählt wurden. Obgleich man den Tendenzen 
des Vereins als Pflegstätte der technischen Wissenschaften noch 
vollauf gerecht wurde, schenkte man gesellschaftlichen Unter- 
haltungen mehr und mehr Aufmerksamkeit. Der Verein war 
sich bei Veranstaltung derselben stets seiner Stellung als Ver- 
treter des gebildeten Deutschthums bewusst und vereinigte auf 
seinen Unterhaltungen nicht nur die besten Elemente des an- 
sässigen Deutschthums, sondern zählte häufig auch Vertreter der 
Nationen anderer Sprachen zu seinen Gästen. Als ein würdiges 
Beispiel der Leistungen des Vereins auf dem Gebiete der gesell- 
schaftlichen Unterhaltungen mag der vom 2. bis 5. September 1896 
vom Verein Pittsburg unter der Leitung des Herrn Otto Heeren 
veranstaltete zwölfte Technikertag gelten, der allen Teilnehmern 
noch frisch im Gedächtniss ist. Durch die in dieser Richtung er- 
zielten Erfolge wurde der Verein allmählich aus der Bahn eines 
hauptsächlich der Förderung der technischen Wissenschaften 
dienenden Vereins, als welcher er gegründet und inkorporirt war, 
abgedrängt, und als kurz nach dem Technikertag eine Statuten- 



(Material ^ur Geschichte der D. 



A. T. K 



53 



revision vorgenommen wurde, hielt man es für völlig genügend, 
die Zulässigkeit der Aufnahme als ordentliches Mitglied in den 
Verein lediglich daran zu knüpfen, dass der um Aufnahme Nach- 
suchende ,,den Zwecken des Vereins das nöthige Interesse ent- 
gegenbringe.** Gleichzeitig wurde allen Mitgliedern, obTechniker 
oder Nichttechniker, das Recht der Wählbarkeit in den Vorstand 
und damit auch zum Präsidenten des Technischen Vereins ein- 
geräumt, und endlich die Ausübung der W^hl durch Proxy für 
zulässig erklärt. Obgleich diese revidirten Statuten in der regel- 
mässigen Generalversammlung zunächst abgelehnt wurden, ge- 
lang es, die Annahme derselben namentlich mit Hilfe der erst 
neu aufgenommenen Mitglieder in einer besonders dazu ein- 
berufenen ausserordentlichen Generalversammlung mit knapper 
Majorität durchzusetzen.*) 

In der folgenden labeile sind einige statistische Angaben 
zusammengestellt : 



Verefns- 
jahr 



1888 ' 

i888-8g ' 

1889-90 

1890-91 I 

1891-92 

1892-93 

1893-94 

1894-95 
18915-96 I 
1886-97 



Vorsitzender 



H. Moeser 
H. Moeser 
H. Moeser 
H. Moeser 
S. H. Stupakoff 
Dr. K.F.Stahl 
Dr. K. F. Stahl 
S.H. Stupakoff 
Otto Heeren 
Otto Heeren 



Stellvertreter 



S. Diescher 
S. Diescher 
Dr.F.H. Bernard 
Dr.F.H. Bernard 
Prof.Guttenberg 
GustavEhrhardt 
Karl von Wagner 
F. H. Kindl 
F. A. Glafey 
S. H. Stupakoff 



Delegfat 



, Mit- 
glieder- 
zahl 



F. Rust (Washington) 
H. Moeser (Cleveland) 
H. Moeser (Boston) 
K. F. Stahl(Buffalo) 
H. Moeser (Chicago) 
G.Guttenbere(Philad'a.) 
V. Beutner ( Washingt.) 
K. F. Stahl (Pittsburg) 
Dr. Moldenke (Schoharie 

Mansion, CatskillMoun- 

tains, N. Y.) 



27 
32 
40 
50 

64 

lOI 

113 
121 
132 



*) Ob die im letzten Vereinsjahre vorherrschende Theilnahmslosigkeit 
an den regelmässigen Versammlungen und technischen Vorträgen, die häufig 
eine Verzögerung in der Erledigung Taufender Geschäfte mangels eines Quorums 
herbeiführte, eine Folge der vorgenommenen Statutenänderung ist, bleibt uns 
vorbehalten, zu beobachten. Möge der Verein auf seinem neuen Cours von 
bestem Erfolg begleitet sein ! 




54 (Mittheilungen des T>. A. T. V. 



Technischer Verein von Buffalo. 

Im Jahre 1892 verlegte der D. A. T. V. den Technikertag 
nach Buffalo. Die Sache wurde hier mit grossem Enthusiasmus 
aufgenommen, durchgeführt und am 7. September 1892 gründete 
man unseren Verein, wobei man den Fehler beging, alle Herren, 
die bei der Feier theilnahmen, eo ipso als Mitglieder des jungen 
Vereins aufzunehmen, denn es stellte sich bald heraus, dass 
unsere Mitgliederzahl 31 nur auf dem Papiere existirte. Trotzdem 
wurden einige Vorträge sowie alljährlich eine Weihnachtsfeier 
abgehalten. Durch Verzug von Mitgliedern sowie aus anderen 
Gründen schmolz schliesslich die Zahl auf acht herab und im 
Jahre 1895 war durch den Tod des damaligen Präsidenten Herrn 
Dr. Gevekoth sowie durch ungünstige Umstände der Verein 
seiner gänzlichen Auflösung sehr nahe. 

Erst in diesem Frühjahr zeigte sich wieder etwas Leben im 
Verein und zwar in Folge einer gründlichen Reorganisation, wo- 
durch jetzt der Verein wieder 14 Mitglieder zählt. Wir hoffen 
stark, die Zahl bald zu vergrössern, da sich die Aussichten dafür 
wesentlich gebessert haben. 




Material ^ur Geschichte der D. A, T. K 



55 



Technischer Verein von Philadelphia* 



Als weiteres Material ^ur Geschichte der deutsch-amerikanischen 
technischen Vereine hat der seit Jahren im technischen Vereine von 
Philadelphia thätige Sekretär Herr A. Schumann eine Zusammen- 
stellung der Vorträge, welche in dem dortigen Vereine vom Ver- 
einsjahr 1883-84 an bis Ende des Vereinsjahres 1896-97 gehalten 
worden sind, gemacht. Herr Schumann verfolgt mit dieser Zu- 
sammenstellung, welche er im Vereinslokal aufhängen Hess, den 
Zweck, die Mitglieder, besonders die jüngeren unter ihnen, an- 
zuregen, Vorträge zu halten, und glaubt derselbe, dass die Ver- 
öffentlichung im Verbandsorgane auch in anderen Vereinen in 
gleicher Weise nutzbringend wirken dürfte. Die Redaktion kommt 
dem Ersuchen um Veröffentlichung um so bereitwilliger nach, als 
sie derselben Meinung ist wie der Einsender und dem Bestreben 
desselben besten Erfolg wünscht. 



Liste der seit dem 26. April 1884 felialteneii Vorträfe. 



Vereinsjahr 1883-84: 

Stein, Walter 

Blasius, W 

Lüthy, Otto 



Vereinsjahr 1884-85: 

Lüthy, Otto 

Kirchner, Felix 

Jahn, F. G 

Bilgram, Hugo 

Hermann, O 

Gieseler, E. A 

Borchers, Richard . . . 
Reinhard, Arn 



Vereinsjahr 1885-86: 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Dannenbaum, Dr. Herrn. 

Schmaltz, Herrn 

Bilgram, Hugo 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Naeff, Max 

Bilgram, Hugo 



Küchler, N. 
Blasius, W. 



Vereinsjahr i886-8y: 
Bilgram, Hugo .... 

Lüthy, Otto 



über Gasfeuerung für industrielle Zwecke. 
„ die Gesetze der Stürme. . 
„ die neuesten Verbesserungen in der Zucker- 
fabrikation. 

„ dasselbe Thema (Fortsetzung). 

„ Krähne. 

„ Telegraphie. 

„ Mikroscopie. 

,, historische Entwicklung der Chemie. 

„ Vermessung in der Ebene. 

„ unterseeisches Kabellegen. 

,, neue Steuerungen für Dampfmaschinen. 



Filtrierapparate für häusliche Zwecke. 

Meridianbestimmung. 

Cement. 

Eismaschinen. 

die Theorie des Gyroscops. 

Wasserreinigung. 

Küstenbeleuchtung. 

den Panamakanal. 

Ursache niedriger Arbeitslöhne; Standpunkt 

des Arbeitgebers, 
die Honigmann'sche Maschine. 
Tornados und Kunst, sich davor zu schützen. 



die Gesetze von Nachfrage und Angebot des 

Arbeiters. 
Bierstudien (Normalbier). 



56 



Mittheilungen des D. A, T. K 



Naeff, Max . . 
Clamer, F. J. . 
Gieseler, E. A. . 
Weidig, Dr. W. 
Lüthy, Otto . . 
Haug, B. . . . 



Fiadvad, H. . . 
Bilgram, Hugo . 

Müller, Emil . . 
Clamer, F. J. . 
Schmaltz, Herm. 



Vereinsjahr 1887-88: 
Schmaltz, Herm. ... 



Lüthy, Otto . 
Schumann, A. 



Kalteyer, N 

Derselbe 

Goldschmid. Th. J. . . . 

Hermann, Ö 

Schumann, A 

Buser, Emil 

Conkle, N 

Schwartz, Paul 

Noppel, N • . . 

Vereinsjahr 1888-8^: 

Uhlmann, Max 

Dannenbaum, Dr. Herm. 

Stein, Walter 

Lüthy, Otto 

Goldschmid, Th. J. • . . 

Clamer, F. J 

Maurer, H 

Schwartz, Paul 

Schmaltz, Herm 

Stein, Walter 

Peukert, Kurt 



Vereinsjahr i88g-go: 
Lüthy, Otto 

Uhlmann, Max .... 



Schmaltz, Herm. 
Graff, Emil . . 
CoUins, E., jr. . 
Goebbels, Leo . 
Schmaltz, Herm. 
Petsche, Bernh. 
Brandner, Paul . 
Meyer, John . . 



Winand, Paul 
Naeff, Max . • 
Altenederjr. . 



über barometrische Höhenmessung. 

,, Entwicklungsgeschichte der Metallurgie. 

„ Küsten- und Meerbeleuchtung (II.Theil). 

„ Molkereiprodukte. 

„ Bierbrauerei in der Haushaitting. 

„ Erwerb von Kenntnissen und deren Ver- 
wendung. 

„ das System der Krupp'schen Fabrik in Essen. 

„ die Beziehung des Gasdruckes zur Wärme- 
theorie. 

„ die Entwicklung d.Bergbahnen i. d. Schweiz. 

„ Metall- Legierungen. 

,, die Ausstellung bei Gelegenheit des Tech- 
nickertages in New York. 



Welches sind die besten Wasserabscheider 

bei langer Dampfleitung? 
die Anwendung überhitzten Wasserdampfes. 
Technisches und Nichttechnisches aus 

Rumänien. 
Zuckerfabrikation (L Theil). 
dasselbe Thema (II. Theil). 
Hygrometer. 
Thermochemie. 

Bau billiger Häuser aus feuerfestem Material. 
Arbeitergesetzgebung. 
Welsbachlicht. 

die Eisencentren des Südens von Amerika, 
einen neuen Oelfilter. 



d. i. Pittsburg auslest. Antifriktionsapparat. 

neue Arzenei mittel. 

interessante Hochofenreparaturen. 

Creolith-lndustrie. 

nutzbare Verwendung ungeniessbarerFische. 

Metallurgie. 

Anlage von Bibliotheken. 

Vorkommen von Zinn i. d. Ver. Staaten v. A. 

Kühlmaschinen. 

ein neues System von Hochbahnen. 

eine Reise durch den Westen der Ver.Staaten. 



neue Methode, unreines Wasser trinkbar zu 
machen. 

einige neue Werkzeuge für Revolver- 
maschinen. 

einen neuen Vorwärmer. 

Volapück. 

Winkelverkuppelungen. 

Gasmotoren-Anlagen. 

Kraftübertragung durch Druckluft. 

den schwimmenden Hebel. 

Stereotomie u. einschl. Baumaterialien. 

komb. Diagramm von 3 fachen Expansions- 
Dampfmaschinen. 

Gas und Gasmotoren. 

Einiges aus der Feldmesskunst. 

wicht. Einzelheiten an Zeicheninstrumenten. 



Material ^ur Geschichte der D. A. T. V. 



57 



Vereinsjahr iSgo-gi: 
Schmaltz, Herrn. . . . 



Herting, Otto . 
Wasmuth, H. A. 
Stein, Walter . 
Lüthy, Otto . . 
Weil, Jacob . . 
Haug, B. . . . 
Collins, E., jr. . 
Paulus, Jos. C. 



über Vorkehrungen zum Schutz gegen Unfälle 
in den Ver. Staaten. 

„ erste Hülfe bei Unfällen und Verletzungen. 

„ Heizkraft verschiedener Heizkohlen. 

,, den neuen Süden und dessen Eisenindustrie. 

„ Metr. System u. dessen Einf. in den Ver. St. 

,, Strassenbahnen. 

,, Praktibilität d. Einführung d. metrisch. Syst. 

,, Seidenfabrikation. 

„ Herstellung und Kennzeichen guter Maschi- 
nen-Riemen. 



Vereinsjahr i8gi-g2: 

Schumann, A 

Borchers, Richard . . 
Stein, Walter .... 

Teucher, F. S 

Derselbe 

Schumann, A 

Leech, Gr 

Majer, Carl 

Pfatischer, Matt. . . . 
Schmemann, H. . . . 



I 



Cement und dessen Verwendung. 

Transmissionen. 

Aufbereitung der Kohlen. 

Einiges über Torpedos. 

dasselbe Thema (Fortsetzung). 

kleine und kleinste Wohnstätten. 

Elektricität als Betriebskraft. 

Kunstgewerbe u. dessen Entwickl. i. d. Ver.St 

Accumulatoren. 

Cyclopenbauten in der neuen Welt. 



Vereinsjahr i8g2-gj: 
Schumann, A. . . • . 

Borchers, Richard . . 

Stierlin, Gust 

Petsche, Bernh. . . . 



Weiland, Dr. Carl . . 



Petsche, Bernh. 
Röske, Heinr. 



Pfatischer, Matt. . . . 

Levy, Louis 

Uhlmann^Max .... 
Schultz, Clarence . . . 



Röske, Heinr. . 
Collins, E., jun. 
Stein, Walter . . 



Baugesetze für Städte in Bezug auf Gesund- 
heit und Feuersicherheit. 

Expansions-Dampfmaschinen. 

Sumatra. 

Konstruktions - Prinzipien schelllaufender 
Dampfmaschinen. 

Wie sehen wir mit den Augen und wie sollen 
wir diese pflegen ? 

Wärme als Kraft. 

künstlicheReinigung bei städtischenWasser- 
leitungen. 

Glühlampen, Besonderheiten elektr. Ströme. 

Ueberblick der photomech. Druckverfahren. 

Kegelräder mit schiefen Zähnen. 

Geschichtliche Entwickelung des Kriegs- 
• schiffs-Baues. 

Luftschiffahrt. 

Chicagoer Weltausstellung. 

Bergwerks- Ausstellung auf derselben. 



Vereinsjahr i8gj'g4: 

Schmaltz, Herm 

Schumann, A , 

Collins, E., jr 

Röske, Heinr 

Weiland, Dr. Carl . . . 

Metzler, A. J i 

Rinald, Cl. D 

Metzler, A. J. ... • . i 
Jacques, W. (Bethlehem) 

Peukert. Kurt 

Röske, Heinr 

Derselbe I 

Borchers, Richard . . . 



Klar-Eis-Fabrikation. 

Einführung regelrechten Ziegelverbandes. 

Kesselexplosionen. 

Mechan. Filtration in grossem Massstabe. 

Farbenempfmdung und Farbenblindheit. 

Bierbereitung. — Historisches. 

Porzellan- E maille-Farben . 

Bierbereitung (11. Theil). 

Geschütze und Panzerplatten. 

Prüfung der Festigkeit amerikan. Hölzer. 

elektrolitische Effekte unterirdischer Bahnen. 

dasselbe Thema (Fortsetzung.) 

Fabrikation und Legung von Kabeln. 



58 



Mtthälungen des D. A. T. K 



Vereinsjahr i8g4-^S' I 

Verschiedene , über 

Stein, Walter ! „ 

Stierlein, Gust | „ 

Schumann, A | „ 

Weiland, Dr. Carl • • • „ 

Stein, Walter ! „ 

Goll, Fritz ....... I „ 

Schumann, A i „ 

Collins, E., jun ' „ 

Reuther, Dr. Chas. . . . ! „ 

Luhe, Rud. von der ... i „ 

Feilner, John | „ 

Neufeld, Julius, L. . . . | „ 

Heilbrunn, Alex .... „ 

Schumann, A.* ,, 

Becker, Carl „ 

Schumann, A „ 

Vereinsjahr i8g5'<)6: \ 

Röske, Heinr i 

Derselbe 

Schumann, A 

Lüthy, Otto 

Verschiedene 

Sohn, Joseph ' 

Heilbrunn, Alex | 

Weiland, Dr. Carl ... I 
Hagmaier, Henry .... I 

Sparbert, Max , 

Reuther, Dr. Chas. . . . 

Uhlmann, Max 

Röske, Heinr 

Rinald, Cl. D 

Schumann, A 

Stein, Walter 

Schumann, A i 

Derselbe 

25. Vereinsjahr i8g6-gy: 
Petsche, Bernh 

Schumann, A 

Lüthy, Otto 

Weiland, Dr. Carl ... 

Sohn, Joesph 

Schumann, A 

Stein, Walter 

Collins, E. jun 

Burchard, Anton .... 

Legier, A 

Reuleaux, Eugene . . . 

Schumann, A 

Lüthy, Otto 

Feilner, John 

Schumann, A 



einige Fragen, in umfangr. Beantwortung. 

Fabrikation von Coks etc. 

Reise nach dem fernsten Osten. 

Betonbrücke bei Munderkin|;en. 

unsere kleinsten Freunde u.Feinde ( Microb)» 

Fabrikation von Coks etc. (II. Theil). 

Elektrizitätserzeugung und -Verwendung. 

Geschichte der Architektur ältester Zeit. 

Ventilation. 

Sonnenlicht, elektrischesLicht und Gaslicht. 

Geschichte, Chemie u. Fabrik, des Zuckers. 

Photochemie und photographische Optik. 

das Telephon. 

Neueres aus der Galvanoplastik. 

Bau des Nord-Ostsee-Kanals. 

die Sicherheit der Oceanschiffahrt. 

Standbahn contra Schwebebahn. 



Konstrukt.d. Wasserdämme etc.-GeschichtL 

dasselbe Thema (II. Theil). 

Eigenes Heim. 

Wanted Inventors. 

einige Fragen, in umfangr. Beantwortung. 

den Kampf zwischen Panzer und Geschütz. 

Aluminium. 

das menschliche Nervensystem. 

astronomische Ortsbestimmung. 

Jacquardweberei. 

Keramik. 

Etwas über Schleiferei im Maschinenbau. 

Wasserfilter- Anlage für Philadelphia. 

Rost und rostsichere Farben. 

Schaffung billiger Wohnungen und Erwerb 

eigenen Heims. 
Peiper's Kohlenstoffbestim. i. Eisen d.Zeichn. 
Mittheilungen aus der Fachliteratur, 
öffentl. Rohrpost-Anlagen u. deren Betrieb. 



den Motor der Bates Them. Eng. Co. im 
Vergleich mit modernenDampfmaschinen. 

Anlagen zur Erzielung guter Tageslicht- 
beleuchtung in Sammlungsräumen. 

Verwendung des Phosphors. 

die Röntgen-Strahlen (mit Experimenten). 

die Konstruktion von Dampfkesseln. 

eine Platz-Anlage vor der City Hall und 
Philadelphia's monumentale Bauten. 

Kohlenstaubfeuerung und Allgemeines über 
Rauchverbrennung. 

Seide. Produktion, Verarbeit. u. Verwendung. 

Graphische Methode zur Ermittelung des 
Dampfdiagramms. 

Seife, ihre ehem. Beschaffenh. u. Wirkung. 

Einrichtung und Instandhaltung von Trans- 
missions-Anlagen. 

Stampfbetonbau. 

A. d. Vergangenheit des T. V. Philadelphia. 

Photograph ieren im Freien. 

die 13. Jahresversammlung des D. A. T. V. 



MITTHBILUNGEN 

des i_ - *OEh Fnn^f.- 



Deutsch-Amerikanischen 

Techniker -Verbandes. 

(National Association of Qerman-American Teclinologists.) 

PUBLISHBD BI-MONTHLY. 

KoL III. FEBRUAR, 1898. No. 3. 

Darstellung von Ammoniak uod dessen Verwendung 
für industrielle Zwecke. 



Vortrag des Herrn F. Qoldschmid (Philadelphia). 



Der Verbrauch von NH3 und dessen Verbindungen hat sich 
in den letzten 10 Jahren enorm gesteigert als Düngemittel, zur 
Fabrikation der Ammoniak-Soda, zur Fabrikation des künstlichen 
Eises. Die stets steigende Nachfrage nach (NH^ ) 2 S04 hat 
natürlich eine Menge von Versuchen zur Darstellung von NH, 
aus allen möglichen Quellen, namentlich aus dem N. der Luft 
hervorgerufen. Bis jetzt sind letztere Versuche ohne praktische 
Resultate geblieben, und man darf wohl sagen, dass noch kein so 
erzeugtes NH^ in den Handel kommt. 

Das NH3 ist eine Verbindung von N und H, deren Zusammen- 
setzung der Formel NH3 entspricht. 82, 35% N. 17, 65 H. Mit 
Säuren verbindet sich das NH3, indem es mit dem H. derselben 
zusammentritt und mit diesem ein zusammengesetztes Radical 
Ammonium NH4 bildet, welches dann die Stelle des H der Säure 
vertritt, z. b. NH3 + HCL = NH^ CI. Das RadicalNH^ verhält 
sich wie ein einwertiges Metall. 

Die grösste Menge des NH3 und der NH3 Salze, welche in der 
Technik Verwendung finden, wird gewonnen durch trockene 
Destillattion der Steinkohlen, bei der Leuchtgasfabrikation und 
Koksfabrikation sowie als Nebenproduct bei der Fabrikation der 
Knochenkohle. Verhältnissmässig geringe Mengen erhält man 
aus gefaultem Harne und Cloa:kenwässern, bei der Verarbeitung 
der Melassenschlempe und durch Einwirkung überhitzten Wasser- 
dampfes auf gewisse Cyanverbindungen. 



^'^ *. 



2 Mittheilungen des D. A. T. K 

Eine nicht unwichtige NHj Quelle ist der gefaulte Harn. 
Wenn N haltige organische Substanzen in Fäulniss übergehen, so 
bildet sidh stets NH3, und zwar, wenn der organische Körper eine 
Proteinsubstanz, d. h. schwefelhaltig war, zum Theil (NH^), 
C03 zum Theil als (NH^), S. War dagegen der organische 
Stoff schwefelfrei, so bildet sich nur (NHJa Co,. Dies ist d^r 
Fall bei der Fäulniss des Harns, wo der Harnstoff CH4 N« O unter 
Wasseraufnahme in (NHJa Co, übergeht. 

CH4 N, O + H, O = (NHJa C03. Ein erwachsener Mann 
produzirt täglich im Durchschnitt 30 g. Harnstoff, entsprechend 
einer jährlichen Produktion von 24,2 Kg. (NH^)a S04. 

Durch trockene Destillation von Thiersubstanzen, wie 
Knochen, Home, Hufe, Fleisch gefallener Thiere, getrocknete 
menschliche oder thierische Exkremente etc. zersetzt sich die 
organische Substanz und der grösste Theil derselben geht 
in Gestalt von (NHJ, C03. H, O, NH^ CN, (NHJ, S und 
Knochenöl über. Der organische Theil der genannten Thier- 
substanzen enthält 12 — 18% N. Die Fabrikation von NH3 durch 
trockene Destillation von Thiersubstanzen, mit Ausnahme der 
Knochen, einst schwunghaft betrieben und die hauptsächlichste 
NH3 Quelle bildend, hat seit der allgemeinen Verbreitung der 
Leuchtgasfabrikation aus Steinkohle allen Boden verloren. 

Eine Quelle für NH3 liegt in den sogenannten Tankwassern 
der Schweineschlächtereien von Chicago, wo täglich zehn- 
tausende von Schweinen geschlachtet werden. Hierbei fallen 
zahlreiche Fleischtheilchen ab, die nicht verkäuflich sind und 
desshalb nur auf Fett bearbeitet werden. Zu diesem Zwecke 
kocht man dieselben in geschlossenen Gefässen aus. Das Fett 
steigt nach oben und unter demselben befindet sich eine Flüssig- 
keit, die im Liter 5 — 6 g. NH3 enthält und desshalb als NH3 Roh- 
stoff nicht zu unterschätzen ist, 

NHj erhält man auch als Nebenprodukt bei der Rübenzucker- 
fabrikation. Beim Kochen des mit Kalkmilch versetzten Rüben- 
saftes entwickelt sich NH3 in reichlicher Menge, welches man auf 
(NH4)a SO4 verarbeitet. Das NH3 ist das Zersetzungsprodukt 
der im Rübensafte sich befindenden Asparaginsäure und des 
Betains. 

Bei der Verarbeitung der Rübenmelasse auf Spiritus und 
Schlempe wird letztere abgedampft und der Rückstand der 
Schlempe in eisernen Retorten der trockenen Destillation unter- 
worfen, in ähnlicher Weise, wie es mit dem Holz bei der Be- 
reitung von Methylalcohol, Essig, Aceton geschieht. Es entsteht 
neben zurückbleiben der Schlempen-Kohle und etwas Theer eine 
wässerige Flüssigkeit, die man auf ähnliche Weise wie das Gas- 
wasser auf (NH4)a S04 verarbeitet. Eine Fabrik in CouriSres 
(Frankreich) liefert aus den Condensationswässern der Rüben- 
schlempe jährlich 480 Tonnen (NH4)a S04. 

In Philadelphia und New York wird NH3 aus den Küchen- 
abfällen wiedergewonnen. Die Abfälle enthalten 80^ H^O, 
3 — ^ % Fett und 16 % Düngestoff. Dieser Düngestoit enthält 



Darstellung von Ammoniak und dessen Verwendung, } 

5 % NH3 + H3P04 von 3J4— 5%. Die Quantität der Abfälle 
von einer Stadt wie New York beträgt ungefähr locx) Tonnen 
täglich. Dieselben werden erst mit Dampf ausgelaugt, dann 
wird die feste Substanz durch Auspressen von der flüssigen ge- 
trennt. Die feste Substanz wird dann getrocknet und liefert ein 
vorzügliches Düngemittel. Aus der Lauge werden das Fett und 
andere lösliche Salze gewonnen. Es sollen auf diese Weise den? 
Erdboden Tausende von Tonnen NH3 zurückgegeben werden. 

Von grösserer Tragweite als die soeben beschriebenen Bil- 
dungsweisen des NH3 ist die Darstellung und Gewinnung des- 
selben bei der Destillation der Steinkohle und letztere ist es, 
die als Haupt^^Rohmaterial obenan steht. 

Die Steinkohle giebt ihren N., welcher im Durchschnitt 
0,75 % vom Gewichte der lufttrockenen Kohle ausmacht, als 
NH3 ab, namentlich bei der Herstellung von Leuchtgas und von 
Koks und wird hierbei als sogenanntes Gaswasser gewonnen. 
Die quantitative Ausbeute von NH3 -Wasser aus verschiedenen 
Kohlensorten ist sehr verschieden. Das NH3 - Wasser, das bei 
der Leuchtgas-Fabrikation gewonnen wird, scheidet sich theils 
bei der Luftkühlung des Gases zugleich mit dem Theer in der 
Vorlage und dem Condensator ab und wird zum Theil durch 
Waschen mit Hg O in den Scrubbers erhalten. Das Gaswasser 
aus der Vorlage enthält viel weniger NH3 als das aus dem Con- 
densator und den Scrubbers. 

Der Gehalt des Gaswassers an NH3 hängt selbstverständlich 
ab von dem Feuchtigkeitsgrade der Gaskohlen, dem N- Gehalt 
derselben und der bei der Destillation eingehaltenen Temperatur. 
Je höher letztere ist und je länger dieselbe einwirkt, desto mehr 
wird der N. der Steinkohle als NH3 auftreten. Doch enthält das 
Gaswasser durchschnittlich von 0,75—1,2 % NH,. 

Das Gaswasser ist eine wässerige, noch ein wenig theerige 
Bestandtheile in Suspension enthaltende Lösung folgender Be- 
ßtandtheile : 

Freies NH3 

(NHOa C03 

(NHJ, S 

(CN)3S 

(NHJ C, H3 O, 

(NHJCJ. (NH,),So„ 

(NHJa S, O3 und Salze von organischen N-haltigen Basen. 

Das Gaswasser hat den bekannten stechenden Geruch und 
alkalischen Geschmack. Durch den Gehalt an organischen 
Basen riecht es viel unangenehmer als das reine. 

Früher beschränkte man sich häufig darauf, das Gaswasser 
direct mit H« SO4 zu sättigen und die Lösung bis zur Krystallisation 
des (NHJa SO4 einzudampfen. Die bei der Sättigung entweichen- 
den Gase (Kohlensäure und Schwefelwasserstoff) Hess man allen^ 
falls durch eine Feuerung streichen, um den Schwefelwasserstoff 
zu verbrennen, was aber wegen der beigemengten Feuchtigkeit 
und Kohlensäure nur unvollkommen gelang. Das re3ultirende 



54 tMittbeilungen des T>. A. T. V. 



Technischer Verein von Buffalo. 

Im Jahre 1892 verlegte der D. A. T. V. den Technikertag 
nach Buffalo. Die Sache wurde hier mit grossem Enthusiasmus 
aufgenommen, durchgeführt und am 7. September 1892 gründete 
man unseren Verein, wobei man den Fehler beging, alle Herren, 
die bei der Feier theilnahmen, eo ipso als Mitglieder des jungen 
Vereins aufzunehmen, denn es stellte sich bald heraus, dass 
unsere Mitgliederzahl 31 nur auf dem Papiere existirte. Trotzdem 
wurden einige Vorträge sowie alljährlich eine Weihnachtsfeier 
abgehalten. Durch Verzug von Mitgliedern sowie aus anderen 
Gründen schmolz schliesslich die Zahl auf acht herab und im 
Jahre 1895 war durch den Tod des damaligen Präsidenten Herrn 
Dr. Gevekoth sowie durch ungünstige Umstände der Verein 
seiner gänzlichen Auflösung sehr nahe. 

Erst in diesem Frühjahr zeigte sich wieder etwas Leben im 
Verein und zwar in Folge einer gründlichen Reorganisation, wo- 
durch jetzt der Verein wieder 14 Mitglieder zählt. Wir hoffen 
stark, die Zahl bald zu vergrössern, da sich die Aussichten dafür 
wesentlich gebessert haben. 




Material {ur Geschichte der D. A. T. K 



55 



Technischer Verein von Philadelphia. 



Als weiteres Material ^ur Geschichte der deutsch-amerikanischen 
technischen Vereine hat der seit Jahren im technischen Vereine von 
Philadelphia thätige Sekretär Herr A. Schumann eine Zusammen- 
stellung der Vorträge, welche in dem dortigen Vereine vom Ver- 
einsjahr 1883-84 an bis Ende des Vereinsjahres 1896-97 gehalten 
worden sind, gemacht. Herr Schumann verfolgt mit dieser Zu- 
sammenstellung, welche er im Vereinslokal aufhängen Hess, den 
Zweck, die Mitglieder, besonders die jüngeren unter ihnen, an- 
zuregen, Vorträge zu halten, und glaubt derselbe, dass die Ver- 
öffentlichung im Verbandsorgane auch in anderen Vereinen in 
gleicher Weise nutzbringend wirken dürfte. Die Redaktion kommt 
dem Ersuchen um Veröffentlichung um so bereitwilliger nach, als 
sie derselben Meinung ist wie der Einsender und dem Bestreben 
desselben besten Erfolg wünscht. 



Liste der seit dem 26. April 1884 f elialtenen Vorträge. 



Vereinsjahr 1883-84: 

Stein, Walter 

Blasius, W 

Lüthy, Otto 

Vereinsjahr 1884-85: 

Lüthy, Otto 

Kirchner, Felix 

Jahn, F. G 

Bilgram, Hugo 

Hermann, O 

Gieseler, E. A 

Borchers, Richard . . . 
Reinhard, Am 

Vereinsjahr 1885-86: 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Dannenbaum, Dr. Herrn. 

Schmaltz, Herrn 

Bilgram, Hugo 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Naeff, Max 

Bilgram, Hugo 

Küchler, N 

Blasius, W 

Vereinsjahr i886-8y: 
Bilgram, Hugo 

Lüthy, Otto 



über Gasfeuerung für industrielle Zwecke. 
„ die Gesetze der Stürme. 
„ die neuesten Verbesserungen in der Zucker- 
fabrikation. 

„ dasselbe Thema (Fortsetzung). 

„ Krähne. 

„ Telegraphie. 

„ Mikroscople. 

,, historische Entwicklung der Chemie. 

„ Vermessung in der Ebene. 

„ unterseeisches Kabellegen. 

,, neue Steuerungen für Dampfmaschinen. 



Filtrierapparate für häusliche Zwecke. 

Meridianbestimmung. 

Cement. 

Eismaschinen. 

die Theorie des Gyroscops. 

Wasserreinigung. 

Küstenbeleuchtung. 

den Panamakanal. 

Ursache niedriger Arbeitslöhne; Standpunkt 

des Arbeitgebers, 
die Honigmann'sche Maschine. 
Tornados und Kunst, sich davor zu schützen. 



die Gesetze von Nachfrage und Angebot des 

Arbeiters. 
Bierstudien (Normalbier). 



54 CMittbeilungen des T>. A. T. V. 



Technischer Verein von Buffalo. 

Im Jahre 1892 verlegte der D. A. T. V. den Technikertag 
nach Buffalo. Die Sache wurde hier mit grossem Enthusiasmus 
aufgenommen, durchgeführt und am 7. September 1892 gründete 
man unseren Verein, wobei man den Fehler beging, alle Herren, 
die bei der Feier theilnahmen, eo ipso als Mitglieder des jungen 
Vereins aufzunehmen, denn es stellte sich bald heraus, dass 
unsere Mitgliederzahl 31 nur auf dem Papiere existirte. Trotzdem 
wurden einige Vorträge sowie alljährlich eine Weihnachtsfeier 
abgehalten. Durch Verzug von Mitgliedern sowie aus anderen 
Gründen schmolz schliesslich die Zahl auf acht herab und im 
Jahre 1895 war durch den Tod des damaligen Präsidenten Herrn 
Dr. Gevekoth sowie durch ungünstige Umstände der Verein 
seiner gänzlichen Auflösung sehr nahe. 

Erst in diesem Frühjahr zeigte sich wieder etwas Leben im 
Verein und zwar in Folge einer gründlichen Reorganisation, wo- 
durch jetzt der Verein wieder 14 Mitglieder zählt. Wir hoffen 
stark, die Zahl bald zu vergrössern, da sich die Aussichten dafür 
wesentlich gebessert haben. 




Material ^ur Geschichte der D. A. T. K 



55 



Technischer Verein von Philadelphia. 



Als weiteres Material ^ur Geschichte der deutsch-amerikanischen 
technischen Vereine hat der seit Jahren im technischen Vereine von 
Philadelphia thätige Sekretär Herr A. Schumann eine Zusammen- 
stellung der Vorträge, welche in dem dortigen Vereine vom Ver- 
einsjahr 1883-84 an bis Ende des Vereinsjahres 1896-97 gehalten 
worden sind, gemacht. Herr Schumann verfolgt mit dieser Zu- 
sammenstellung, welche er im Vereinslokal aufhängen Hess, den 
Zweck, die Mitglieder, besonders die jüngeren unter ihnen, an- 
zuregen, Vorträge zu halten, und glaubt derselbe, dass die Ver- 
öffentlichung im Verbandsorgane auch in anderen Vereinen in 
gleicher Weise nutzbringend wirken dürfte. Die Redaktion kommt 
dem Ersuchen um Veröffentlichung um so bereitwilliger nach, als 
sie derselben Meinung ist wie der Einsender und dem Bestreben 
desselben besten Erfolg wünscht. 



Liste der seit dem 26. April 1884 felialtenen Vorträfe. 



Vereinsjahr 1883-84: 
Stein, Walter .... 

Blasius, W 

Lüthy, Otto 



Vereinsjahr 1884-85: 

Lüthy, Otto 

Kirchner, Felix .... 

Jahn, F. G 

Bilgram, Hugo .... 

Hermann, O 

Gieseler, E. A 

Borchers, Richard . . 
Reinhard, Arn 



Vereinsjahr 1885-86: 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Dannenbaum, Dr. Herrn. 

Schmaltz, Herrn 

Bilgram, Hugo 

Lüthy, Otto 

Gieseler, E. A 

Naeff, Max 

Bilgram, Hugo 



Küchler, N. 
Blasius, W. 



Vereinsjahr i886-8y: 
Bilgram, Hugo 

Lüthy, Otto 



über Gasfeuerung für industrielle Zwecke. 
„ die Gesetze der Stürme. 
„ die neuesten Verbesserungen in der Zucker- 
fabrikation. 

, , dasselbe Thema ( Fortsetzung) . 

„ Krähne. 

„ Telegraphie. 

„ Mikroscople. 

„ historische Entwicklung der Chemie. 

„ Vermessung in der Ebene. 

„ unterseeisches Kabellegen. 

„ neue Steuerungen für Dampfmaschinen. 



Filtrierapparate für häusliche Zwecke. 

Meridianbestimmung. 

Cement. 

Eismaschinen. 

die Theorie des Gyroscops. 

Wasserreinigung. 

Küstenbeleuchtung. 

den Panamakanal. 

Ursache niedriger Arbeitslöhne; Standpunkt 

des Arbeitgebers, 
die Honigmann'sche Maschine. 
Tornados und Kunst, sich davor zu schützen. 



die Gesetze von Nachfrage und Angebot des 

Arbeiters. 
Bierstudien (Normalbier). 



8 Mittheilungen des D. A. T. K. 

geschehen, so passirt das nun unter Hochdruck sich befindende 
Gas verschiedene Traps, wo Oel, das vom Compressor mit- 
gerissen wird, sich niederschlägt. Zur vollständigen Verflüssigung 
geht das heisse Gas durch eine grosse Anzahl Schlangenrohre, 
die mit Wasser gekühlt werden. Auf diese Weise erhalten wir 
wasserfreies, flüssiges NH,,. welches in einem sogenannten 
Receiver aufgefangen wird. Von dort wird nun das NH, in 
Cylinder abgezogen, welche auf einer Waage liegen. Diese 
Cylinder haben eine Länge von f und einen Durchmesser von 
10", sie sind von Schmiedeeisen hergestellt und sind die Köpfe 
eingeschweisst. Alle Cylinder sind auf iqdo Pfund Druck 
geprüft. Zur Entleerung der Cylinder ist eine Spindelvalve mit 
^ oder f6"'Oeffnung angebracht. 

Der Inhalt eines jeden Cylinders wird geprüft bevor er die 
Fabrik verlässt und zwar auf folgende Weise. In einen Glas- 
kolben werden 3 — 4 Ounces des flüssigen NH3 vom Cylinder ge- 
zogen und dem Verdunsten überlassen. Sind Wasser, Oel oder 
andere Verunreinigungen vorhanden, $0 bleiben dieselben im 
Kolben zurück und der Cylinder oder dessen Inhalt wird über- 
gearbeitet. Es ist dies ein^ Probe, der jeder Consument machen 
kann und sollte. 

Die Compressionsmaschinen, welche von der latenten Ver- 
dampfungswärme, von Substanzen, die einen niedrigen Koch- 
punkt haben, Gebrauch machen, wie Ammoniak, Kohlensäure, 
schweflige Säure etc., arbeiten praktisch alle nach demselben 
Princip. 

Die Theorie ist folgende : Wir wollen annehmen, wir ge- 
brauchen zum Kühlungsprozess NH3. Mit demselben wird die 
Maschine chargirt und unter einem Drucke von 125 — 175 Pfund 
das NH3 Gas comprimirt. Die Höhe des Druckes hängt von der 
Temperatur des nachher zur Kühlung zu verwendenden Wassers 
ab. Während des Comprimirens wird Wärme erzeugt und zwar 
in Proportion zur Quantität NH3, die verdichtet wird. Das 
comprimirte heisse Gas wird nun abgekühlt, indem es, durch eine 
grosse. Anzahl Schlangenrohre forcirt wird, die mit Wasser ge- 
kühlt werden ; folglich entzieht das Wasser dem NH3 die Wärme. 
Wenn dieser Punkt erreicht ist, ist das Gas bereit in flüssigen 
Zustand überzugeben. Das nun verflüssigte Gas tritt in Röhren, 
wo es expandirt unter einem Drucke vpn io-T-30 Pfund. D^s in 
den Röhren expandirende NH3 entzieht nun den Röhren und 
deren Umgebung dieselbe Quantität 1 Wärme, welche vorher von 
dem Gas dem Wasser beim Condensiren zu flüssigem NH3 ab- 
gegeben ^yurde. Das Gas, welches nun seine Kühlungsarbeit 
verrichtet hat,, kehrt zum Compressor zurück und ist bereit die- 
selbe, Arbeit wieder zu thun. Sei es nun NH3, Kohlensäure oder 
schweflige /Säure, als die arbeitende Substanz, sie kehren immer 
wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. 

Wie ich schon früher bemerkte, verwendet man neben den 
Compressionsmaschinen die Absorptionsmaschinen. Die Absorp- 
tionsmaschinen unterscheiden sich von den Compressionsmaschi- 



Darstellung von Ammoniak und dessen Verwendung. 



nen dadurch, dass alsAusgangsprodukt nicht flüssiges,sondernaqua 
ammonia genommen wird. Bei allen grösseren Absorptionsmaschi- 
nen wird auf folgende Weise operirt : Das aqua ammonia wird in 
einem Kessel erhitzt unter einem hohen Drucke. Die NH3 - 
Dämpfe treten in einen Cohdenser, wo sie sich abkühlen und da 
sie unter hohem Druck stehen,, sich verflüssigen, somit aus 
NH3 Wasser dargestelltes flüssiges NH3. Dieses flüssige NHj 
wird in einem Behälter gehalten, von wo es dann nach Willkür 
zu Gefrierzwecken benützt werden kann. Haben dann die 
NHj Dämpfe ihre Pflicht gethan, so werden dieselben in einem 
Absorber aufgefangen und auf diese Weise wieder starkes NH3- 
Wasser dargestellt. Dieses geht wieder nach den Kesseln und 
beginnt die Operation von Neuem. 

Die wässerige Lösung von NH3, bekannt als aqua ammonia 



istNHjGas, absorbiert in H^ O. 



Die Stärke zur Anwendung 
desselben beim Absorbtionsystem kann verschieden sein, doch 
werden die Maschinen gewöhnlich mit einem aqua ammonia von 
26° Be = 29% NH3 chargirt. Die Stärke von aqua ammonia be- 
stimmt man mit einem Hydrometer, gewöhnlich das von Baume. 
Es giebt Orte, wo direkt gereinigtes Gaswasser von 26° an- 
gewendet wird, doch zieht man ein aqua ammonia aus schwefel- 
saurem Ammoniak, seiner Reinheit halber, vor. Zur Fabrikation 
von aqua ammonia. gebraucht man ähnliche Kessel wie bei der 
Fabrikation von flüssigem NH3. In dieselben kommt (NHJa So^ 
in Lösung und abgelöschter Kalk im Ueberschuss. Die Gase 
werden in Schlangenröhren gekühlt, passiren eine Vorlage und 
gelangen dann in die Absorber. Von letzteren befinden sich ver- 
schiedene hintereinander, um das vollständige Auffangen des 
Gases zu ermöglichen. Bei der Absorbtion des Gases vom Wasser 
entwickelt sich Wärme und das Volumen nimmt zur selben Zeit 
zu. Ohne Abkühlung wäre es unmöglich auf die Dauer zu 
arbeiten und sind daher alle Absorbtionsgefässe mit Kühlschlangen 
versehen. Je wärmer die Lösung, desto weniger wird von der- 
selben absorbirt. 



LösHchkeit von 


Ammoniak in Wasser bei verscliiedenen Temperaturen. 


Grade 


, Pfunde von 


Grade 


Pfunde von 


Fahrenheit. 


Ammoniak . 
zu I Pfund NVasser. 


Fahrenheit. 


Ammoniak 
zu I Pfund Wasser. 


. 32 ,, 


0.875 , , 


, 89.Ö 


0,403 


39,2 


0,792 


93,2 , 


0,362 


50 


0,679 


100,4 


0,324. 


... 5.7,2 , 


0,612 


107,6 


0,290 


68 


0,526 . 


114.8 


., 0,259 


75,2 


0,474 


122 


0,229 


82,4 


,0,426 . 


. 132,8 


0,186 



Ist das meiste Gas aus der Charge ausgetrieben und die 
Temperatur im Kessel kommt in die Nähe des Siedepunktes des 



10 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Wassers, so destillirt natürlich viel von demselben mit und wird 
in der Vorlage aufgefangen. Die Charge ist beendigt, wenn ein 
Muster, gezogen zwischen den Kühlschlangen und der Vorlage, 
io° oder Wasser zeigt. Das in der Vorlage aufgefangene NH^ - 
Wasser wird mit der nächsten Charge übergearbeitet. Das in 
den Absorbern erhaltene aqua ammonia, wird, wenn es seine 
richtige Stärke erreicht hat, in sogenannte Drums abgezogen. 

Starkes NH,- Wasser, nur kurze Zeit offen stehen gelassen, 
verliert NHj und ist daher beim Musternehmen Vorsicht geboten. 

Wie ich schon vorhin sagte, wird oft starkes Gaswasser oder 
sog. Direkt Process aqua zur Chargirung der Absorbtionsmaschine 
angewendet. Neutralisirt man ein Muster von diesem Direkt 
Process aqua und ein solches von Sulphate aqua, so bemerkt man 
bei dem Direkt Process einen unangenehmen, brenzelichen 
Geruch, den man bei dem Sulphate aqua nicht findet. Dieser 
Geruch rührt her von organischen Aminbasen und Alkoholen, 
Methylalkohol, Aceton, Aethyl und Isapropylalkohol, die natür- 
lich den Kälteeffekt beeinflussen. 

Es sind dies dieselben Verunreinigungen, die dem Fabrikanten 
des flüssigen NHj, viele Schwierigkeiten in den Weg stellen. 

Diese Verunreinigungen sind vom flüssigen NHj sehr schwer zu 
trennen und bilden dieselben meistens die Hauptverunreinigungen 
im käuflichen NHj. 

Ich habe diese Verunreinigungen einer fraktionirten Destil- 
lation unterworfen und kam zu folgendem Resultate : 

1. Methylalkohol und Acetone . . . 2,5% Temp. 136—153** F. 

2. Methyl und Äthyl Alkohol ... 4% Temp. 153 — les"" F. 

3. Aethylalkohol 14,9% Temp. 165—172'* F. 

4. Isopropylalkohol 78,6% Temp. 172—180** F. 

Diese Oele sind brennbar und kann die Gegenwart derselben 

jedenfalls zu Explosionen Veranlassung geben. 

Wie Sie aus meinen Beschreibungen der beiden Kälte- 
Erzeugungs-Systeme ersehen konnten, könnte man annehmen, 
dass es möglich wäre, mit demselben Betrag NH3 auf eine un- 
begrenzte Dauer zu arbeiten. Theoretisch sollte kein Verlust 
von NHj stattfinden ; denn dieselbe Quantität wird immer wieder 
gebraucht. In der Praxis aber geht NHj verloren, durch Leckage 
und theilweise Zersetzung. Natürlich hängt der Verlust ab von 
der Sorgfalt, mit der eine Anlage gehandhabt wird. Ist absolut 
kein Leck vorhanden, so kann der Verlust nur von Zersetzung 
herrühren, was man durch das Niedrighalten der Temperatur 
beim Compressor vermeiden kann. Der Betrag des Verlustes 
kommt, wie gesagt, ganz auf die Sorgfalt an, mit der eine Maschine 
gehandhabt wird und kann sich in einem Jahre bis auf 200 Pfund 
bei einer 25 Tonnen-Maschine belaufen. 

Durch die hohe latente Verdampfungswärme des NH3 und 
seinen verhältnismässig niedrigen Druck, bei welchem es ver- 
flüssigt werden kann, und seiner neutralen chemischen Eigen- 
schaft halber werden in den Vereinigten Staaten meistens NH3- 
Eismaschinen gebraucht. 



Darstellung von Ammoniak und dessen Verwendung. 1 1 

Wie Sie aus folgender Tabelle ersehen können, hat Ammoniak 
den Vortheil über Kohlensäure und schwefelige Säure, dass beim 
Kühlungsprozess ein kleinerer Verlust stattfindet und der Total- 
Kühlungseffekt der grösste ist. Der einzige Vortheil, den 
schwefelige Säure hat, ist ihr niedriger Druck. Für Kohlensäure 
braucht man den kleinsten Compressor, aber der Verlust durch 
Druck und Erhitzung ist sehr gross in diesem Falle. 



s|2 






><3 



It 



II 



> 






1^1 
llf 



Schwefelige Säure 
Kohlensäure . , . 
Ammoniak . . . 



lO 

310 
30 



171,2 
123,2 
555.5 



7,35 

0,277 

9,10 



0,41 
1,00 
1,02 



23,3 
44,7 
61,7 



61,70 
3,24 
23,3 



Prozent 
0,24 
0,81 
0,18 



Apparate für einen Betrieb mit schwefeliger Säure sind aus 
Eisen gebaut, doch muss die schwefelige Säure absolut trocken 
sein, da sonst eine Zerstörung stattfinden würde. 

Ammoniak, das gewöhnlich für Reinigungszwecke in der 
Haushaltung gebraucht wird, ist ein aqua ammonia von 13 — 16 ^ 
Be = 5 — 9 % Ammoniak. 

Lecke können beim Ammoniakbetriebe leicht entdeckt wer- 
den durch den Geruch des Ammoniak oder durch weisse Dämpfe, 
die sich bilden, wenn man mit Salzsäure in die Nähe eines Lecket 
kommt. Ein Reagenz, das noch 0,000,001 %, also Spuren von 
Ammoniak anzeigt, ist das Nessler'sche Reagenz. 




12 Mittheilungen des D. A. T. K' 

Ein Schreiben des Herrn P. Kretizpointner* 



VORWORT.— In der Sitzung des Technischen Vereins von Philadelphia 
am 8. Januar d. J. wurde die Frage behandelt: „^f# lassm sich düvirscküdemn 
StahlsorUnbi^eichn^?** 

Herr P. Kreuzpointner. welcher in besagter Sitzung anwesend war, hatte 
Gelegenheit genommen, sich an der Besprechung der Frage zu betheiligen und 
hat dann noch nachträglich in einem Briefe Erklärungen inbetreff eines 
speziellen Gegenstandes abgegeben, die wir des allgemeinen Interesses wegen, 
welches dieselben verdienen, mit Hinweglassung der Anmerkungen persön- 
licher Natur, nachstehend wiedergeben. 

AltoONA, 9. Januar 1898. 

Ich hatte in meinen Ausführungen nur immer das im Con- 
verter oder offenen Herd ' erzeugte Produkt im Auge, weil es 
meines Wissens bisher noch nicht gelungen ist, im Cupola-Ofen 
Stahl von der chemischen oder physischen Beschaffenheit zu er- 
zeugen, welcher ein derartiges Produkt für Konstruktionszwecke 
tauglich macht, welche oft wiederholte und verschiedenartige, 
oft unberechenbare Stösse und Spannungen auszuhalten haben, 
das heisst einen hohen Grad von Betriebssicherheit besitzen 
müssen. 

In der Ueberstürzung der Fragen dann, welche irhmer un- 
ausbleiblich ist, wenn das Gebiet der physischen Metallurgie von 
so vielen Punkten auf einmal besprochen wird,' wie es in der 
Sitzung der Fall war, und in der Eile meiner Abreise vergass ich 
dann, Sie gewünschten Unterschiede der beiden Metalle, Offen- 
herd-Stahl und sogenannter Cupola-Stahl, näher zur allgemeinen 
Zufriedenheit zu erklären. Ich thüe dies, hiermit noch nach- 
träglich zur besseren Abrundung der Debatte und zu Nutz und 
Frommen aller Interessirten. 

Ein für Konstruktionszwecke benutzter Stahl ist ein solcher, 
welcher nicht allein die gewünschte Zugkraft und Prozente 
Dehnung respective Festigkeit uhd Zähigkeit besitzt, sondern 
auch dass der gewünschte Graid F^estigkeit und Zähigkeit in jedem 
noch so kleinen Querschnitt des benutzten Metalles derselbe sei. 
Um diesen idealen Zustand auch nü,r annähernd herbeizuführen, 
ist die erste Bedingung, dass jedes einzelne Kristall in der Ge- 
sammtmasse der Kristalle, aus welchen das Stück Metall zusam- 
mengesetzt ist, dieselbe Grösse und physikale Beschaffenheit 
habe und diese einzelnen Kristalle dann an ihren verschiedenen 
Seiten durch Cohäsion so fest zusammengehalten werden, dass 
die berechnete Arbeit nicht im Stande ist, die Kristalle an ihren 
aneinandergeschichteten Flächen zum Gleiten zu bringen. 
Die Härte und Grösse der Kristalle bedingen den Festigkeits- 
grad einer Sorte Stahl, und diese Härte und Grösse wird bedingt: 
erstens durch Menge und Komposition der anwesenden chemischen 
Bestandtheile und zweitens durch den Hitzegrad, welchem das 
Material vor seiner Bearbeitung ausgesetzt war. Ich spreche hier 



\ 



Schreiben des Herrn H Kreu^pointner. 1 3 

nur von gegossenen und nicht geschmiedeten oder gerollten Pro- 
dukten der Stahlgiesserei, 

Nur wenn die Masse der Kristalle in deren chemischen und 
physischen Beschaffenheiten und deren dadurch bedingten Grösse 
durchaus gleichmässig ist, dann nur kann die für gewisse Zwecke 
nothwendige Festigkeit und Zähigkeit in jedem kleinsten Quer- 
schnitt der Masse gleichmässig vertheilt sein. Ist in irgend einem 
Theile des Gussstückes eine Gruppe Kristalle grösser oder kleiner; 
weicher oder härter wie andere nebenanliegende Gruppen von 
Kristallen, dann ist es leicht begreiflich, dass der Widerstand im 
Innern des Gussstückes gegen die von Aussen wirkenden Kräfte, 
welche das Material zu zerstören suchen, nicht so erfolgreich und 
anhaltend sein kann, als wenn vollkommene Gleichmässigkeit 
herrschte. Wenn man einen Maulesel und einen Ochsen oder 
einen schweren Normandie-Zuggaul und einen Shetland-Pony 
zusammenspannt, dann bekommt man nicht das Quantum Arbeit, 
das man durch eine gleichmässigere Vertheil^mg der Zugkräfte er- 
halten würde. 

Mit dieser Grundbedingung eines guten Gussstückes vor 
Augen und zum Vergleich, betrachten wir uns nun einmal die 
Struktur eines im offenen Herde erzeugten und nachher gründlich 
ausgeglühten Güssstückes und eines solchen in der Cupola er- 
zeugten und durch Cementation verbesserten Gussstückes, welche 
beide für Zahnräder bestimmt sind. Betrachten wir die Ober- 
fläche eines passend zubereiteten Querschnittes des Offenherd- 
Stahles unter dem Miskroskop, dann finden wir eine unregel- 
mässig figurirte, dunkelgraublau gefärbte Grundmasse, welche 
mit einem weissen, schimmerden, weitmaschigen Netz, nicht 
unähnlich den Figuren eines Moireestoffes, durchzogen ist. Bei 
einer Vergrösserung von 500 bis 6cx) mal, zerfällt die dunkle 
Grundmasse in andere Bestandtheile, während das schimnniernde 
Netz eine offene, astartige Struktur, zeigt. Besitzt nun das 
Gussstück den gewünschten Grad von Gleichmässigkeit der 
Struktur, dann sind die Maschen des Netzes annähernd gleich 
gross, zusammenhängend, von gleichförmigen Schimmer, nur 
selten durch matte Stellen durchdrungen, während die Grund- 
masse gleichmässig dunkel ist. Ist die Kristallmasse unregel- 
mässig, dann findet man die Maschen des Netzes unregelmässig, 
es läuft in Knoten aus, mattgraue Flecken finden sich hie und da 
auf der Oberfläche, kurzum im Vergleich zum Vorigen bekommt 
man den Eindruck der Störung und des Unfertigen, obwohl das 
Metall im Allgemeinen gut erscheint. Einen ganz anderen Ein- 
druck bekommt man nun, wenn dessen Oberfläche durch 
Präparirung andere Eigenschaften beigebracht wurde, sei es 
durch Erweichen der Oberfläche wie im Temperguss, oder durch 
Härtermachen der Oberfläche durch Cementiren. In beiden 
Fällen muss unbedingt eine Schichtung der Struktur stattfinden 
durch die verschiedenartige chemische Zusammensetzung der 
Kristalle und der dadurch bedingten Verschiedenheit in der 
Grösse und Härte jedes einzelnen Kristalls. 



14 Mittbeilungen des D. A. T. V. 

Im Temperguss, wie in sogenannten „casehardened,*' d. h. 
oberflächlich cementirten Gegenständen, sieht man oft schon mit 
freiem Auge, drei verschiedene Schichten. Eine härtere, (oder 
weichere) dicke Haut, einen daranstossenden Ring von Metall, der 
das Uebergangsstadium von einer Strukturbeschaffenheit in eine 
andere zeigt und weiter gegen den Kern dann eine Annäherung 
an den Zustand des ursprünglichen Metalls. Das Mikroskop zeigt 
natürlich diesen Unterschied in der Strukture noch viel deutlicher 
und, wie vorzüglich in seiner Art das Produkt auch immer sein 
mag, erklärt uns, warum derartige Gusswaaren, im Vergleich zur 
homogenen Masse eines guten Stahlgussstückes, nicht so brauch^ 
bar dann sind, wenn Srhlag- und Stosswirkungen eine hohe 
Elasticitätsgrenze erfordern» Hier kommen wir noch zu einem 
anderen und zwar sehr wichtigen Faktor in der Frage der Gleich- 
mässigkeit eines Konstruktionsmateriales. Ein Konstruktionstheil 
wird in dem Maasse dauerhafter und brauchbarer sein, je schneller 
und gleichmässiger die auf der Oberfläche eines Stückes Stahl durch 
Schläge und Stösse eri^eugte Wirkung, respektive Erschütterung, nach 
dem Innern der Maasse abgeführt und ^leichmässig über jeden Quer- 
schnitt vertheilt werden kann. Ist nun die Struktur, durch Saigerung, 
ungleicher Grösse der Kristalle, Blasen, scharfe Ecken etc. der 
schnelleren Fortführung und gleichmässigen Vertheüung dieser 
Erschütterung ungünstig, so muss nothwendig ein Theil des Kon- 
struktionstheiles mehr Arbeit thun wie ein anderer nebenanliegen^ 
der Theil. Es tritt schneller eine Ueberspannung, Ermüdung 
dieses Theiles ein und die Berechnung, welche für das ganze 
Stück gelten soll, erweist sich als zu gering, weil der Ochse oder der 
Normandiegaul auch die vom Esel oder Schetlandpony nicht aus- 
geführte Arbeit thun muss. In Bezug auf die Brauchbarkeit von 
Offenherd - Stahlguss und sogenanntem Cupola • Stahlguss für 
Zahnräder sollte daher die Entscheidung nicht sehr schwierig sein. 
Für kleinere Gegenstände, welche überhaupt nicht gut aus Stahl 
gegossen werden können, so auch für Zahnräder bis zu einer 
Grösse, wo nach dem Gutachten des Konstrukteurs die Folgen 
der Schläge und Stösse, welche das Rad auszuhalten hat, wegen 
der Unregelmässigkeit der Struktur gefährlich wird, sind also 
solche sogenannte Cupola-Stahlgüsse ganz am Platz. Uebrigens 
kann man das nicht wohl einen Stahlguss nennen. Ein Stück 
Eisen, das durch längeres Glühen in einem Kohlenstoff an der 
Oberfläche stahlähnliche Eigenschaften erhält, ist nicht gegosse- 
ner Stahl, wie man auch das beste Malcable Iron nicht gegossenes 
Schweiseisen nennen kann. Die in Rede stehende Frage wäre 
also dahin zu beantworten, dass der Unterschied zwischen Stahl- 
guss und Cupola-Guss für Zahnräder darin besteht, dass im 
Produkte des offenen Herdes die chemischen Bestandtheile gleich- 
massig vertheilt sind, dass die einzelnen Gruppen von Kristallen 
ebenfalls gleich in deren physikalischer Zusammensetzung sind 
und dass diese Gleichmässigkeit der Struktur, in Verbindung mit 
dem nöthigen Grade von Festigkeit und Zähigkeit, diese Art 
Stahlguss befähigt, in jedmöglicher Grösse, ob gross oder klein, 



Schreiben des Herrn H. Kreuipointner. 1 5 

den Anforderungen gerecht zu werden, welche man an ihn stellt. 
Im Produkte der Cupola' dagegen besteht durch das von aussen 
nach innen dringende Cementiren ein verhältnissmässig be- 
deutender Unterschied der chemischen Zusammensetzung und 
der Struktur, wodurch eine mehr oder weniger grosse Ungleich- 
mässigkeit der Qualität und des Arbeitsvermögens in den einzel- 
nen Querschnitten des Gusstückes entsteht und wodurch die 
Fähigkeit des Metalls verringert wird, den Schlägen, Stössen und 
Spannungen erfolgreich zu widerstehen, welchen grössere Guss- 
stücke ausgesetzt sind. 

Bezüglich meiner Bemerkung, dass gegossenes Eisen oder 
Stahl Mineralien sind, möchte ich noch hinzufügen, dass mit 
wenigen Ausnahmen, alle aus einem geschmolzenen Zustande 
erkaltenden Substanzen eine kristallinische Form annehmen und 
dass die mineralische Struktur immer die Grundform dieser 
Kristallisation ist. Ob nun die Bestandtheile Silicium, Eisen oder 
Kohle sind, ist eine reine Zufälligkeit und dass man das eine 
Mineral schmieden und hämmern kann, thut nichts zur Sache, 
Die Grundform der Menschheit ist dieselbe, ob der Mensch weiss, 
gelb, schwarz oder roth ist. Auch sind alle Metalle im gegossenen 
Zustande kristallinisch, sogar das Blei, wenn auch nur schwach. 
Ich würde bei Prüfung des Materials rathen, einen Querschnitt 
eines Stahl- oder Cupolagussstückes fein zu scleifen, zu polieren 
und mittelst verdünnter Stickstoffsäure zu ätzen, wodurch der 
Unterschied der beiden Arten besser zu erklären ist. Die Aetzung 
darf nur schwach sein. p_ kreuzpointner. 




i6 Mittheilungen des D. A. T, V. 

A* Bruckner's Patent- Wände* (Feuersicher und schaUdicht) 



Der Herstellung von Theil- oder Scheidewänden in Gebäuden, 
welche als feuersicher gelten können, ist schon seit langer Zeit, 
sowohl von Seiten der Architekten wie Baunternehmer und Ver- 
sicherungsgesellschaften Aufmerksamkeit geschenkt worden ; es 
dürfte daher von Interesse für die betreffenden Kreise sein, über 
eine neue Konstruktion feuersicherer und zugleich schalldämpfen- 
der Wände, Einiges zu erfahren. 

Die nach ihrem Erfinder Brtickner benannten, bei dieser neuen 
Konstruktion von Wänden zur Verwendung kommenden Platten 
sind auf beiden Seiten glatt und am besten in solchen Dimensionen 
herzustellen, dass drei derselben im Aufbau eine Quadratyard 
ergeben, beispielsweise jede Platte 2' lang und 1,5' hoch. Die 
Dicke kann beliebig gemacht werden. Als Material zur Herstellung 
der Platten verwendet man Gips, mit einem Zusatz von Sand, am 
besten Schlackensand. Die untere Seite jeder Platte hat eine 
Nuth, die obere eine Feder, so dass beim Aufstellen eine dichte 
Verbindung in den wagerechten Fugen ermöglicht wird. Jede 
Platte hat im Innern eine Anzahl runder Hohlräume, welche, bis 
auf zwei derselben, die als Kanäle durchgehen, oberhalb ge- 
schlossen sind. Beim verbandmässigen Aufstellen der Platten 
kommen die Kanäle übereinander zu stehen und bilden somit eine 
durch die ganze Wand senkrecht stehende Röhre. An den senk- 
rechten Seiten der Platte befinden sich halbrunde Kanäle, die beim 
Aufstellen der Wand in den senkrechten Fugen gleichfalls kurze 
Röhren ergeben. Um der Wand als ein festes Ganzes eine hohe 
Widerstandsfähigkeit zu verleihen, werden die Röhren, nachdem 
sie gut angefeuchtet worden, mit Gips in dünnem Leimwasser 
angerührt, ausgegossen. Das Aufstellen einer Wand geht sehr 
schnell von statten und sind irgend welche Stützen überflüssig. 
Das Befestigen der Thür- Und Fensterzargen etc. geschieht in 
leichtester Weise durch kleine Ankereisen. 

Um den Plattenwänden kräftigere Verspannung zu geben 
und ihnen eine Ausführbarkeit in grösseren Dimensionen, ohne 
anderweitige Stützen und Verriegelungen, zu sichern, werden 
in Entfernungen von drei bis sechs Fuss durch die vorerwähnten 
Röhren eiserne Stäbe, oder noch besser, Röhren (Gasröhren) 
eingelegt und eingegipst und zwischen Fussboden und Decke ver- 
mittels Gewinde-Zapfen und Muffen verspannt. Das Aufeinander- 
setzen der Platten wird hierbei dadurch erleichtert, dass die Eisen- 
verbindung aus mehreren Theilen besteht, deren jede durch 
2 oder 3 Platten durchreicht und mit Gewinde resp. Muffe ver- 
sehen ist. Die- so verbundene, }i oder ^ Zoll im Durchmesser 
haltenden, hohlen oder vollen Eisenstäbe werden zwischen Holz- 
balken durch Holzschrauben, zwischen Eisenbalken (beams) durch 
Mutterschrauben oben und unten befestigt und nahe der Decke 



A. Brückner' s Patent-Wände. 17 

vermittels einer mit Rechts- und Linksgewinde versehenen Spann- 
mutter fest angespannt. 

Beiläufig erwähnt sei, dass sich alte Gasröhren zu der Ver- 
spannung verwenden lassen und damit eine billige Herstellung 
erzielt wird. 

Die Vorzüge der Konstruktion sind wohl leicht zu erkennen ; 
auf einige Vortheile, die mit derselben verbunden sind, sei noch 
hingewiesen. Die Wände sind leicht, da durch die Hohlräume 
circa 30 Prozent des Gewichts fortfallen. Mit Aufstellung der 
Platten ist eine Wand fertig und bedarf dieselbe keines Verputzes 
(Plasters). Sie ist sofort trocken und kann alsbald tapeziert oder 
gestrichen werden. Aufhängen schwerer Bilder, Spiegel etc. 
kann ohne Gefahr erfolgen. 

Die Feuersicherheit der Bruckner'schen Wände illustriert 
folgender Versuch : Ein aus den Platten hergestellter Raum (mit 
Nebenraum) wurde einer Temperatur von circa 1000 Grad 
Celsius ausgesetzt, ohne dass sich an den Wänden nachträglich 
eine sichtbare Veränderung zeigte und im Nebenraum stieg 
während der Feuerprobe die Temperatur nicht über 30 Grad C. 

Ausser der Feuersicherheit haben die hohlen Gipsplatten 
noch die Eigenschaft, den Schall zu dämpfen, und wo Letzteres 
als Hauptzweck in Frage kommt, kann man die Platten durch 
Einlegen von schalldämpfenden Stoffen (plattenförmiges Filztuch, 
Korkmasse etc.) vollkommen schalldicht machen. 

Es sei noch aufmerksam gemacht auf eine Verwendung der 
Bruckner'schen Platten für freitragende Wände. Will man solche 
errichten, so lässt man die Hohlräume und durchgehenden Röhren 
in den Platten nicht senkrecht laufen, sondern nach einer be- 
liebigen, den Umständen am besten entsprechenden schrägen 
Richtung. Dadurch wird es möglich, die eisernen Verspannungen 
je nach Erforderniss einzubringen, so zwar, dass durch dieselben 
Spreng- oder Hängewerke konstruirt werden können. 

Zum Schluss dieser Besprechung sei erwähnt, dass die vor- 
beschriebenen Platten vielfach aus Cement und auch mit Draht- 
einlagen hergestellt werden und damit sich weitere Verwendungen 
derselben ergeben. Die Kosten der Herstellung der Platten wie 
deren Aijfstellung zu Wänden sind, wie von Fabrikanten ver- 
sichert wird, geringere als bei anderen Konstruktionen für gleiche 

'^'^^^^^' A. SCHUMANN. 




i8 Mittheilungen des D. A. 7. K 

Internationaler Verband 
für die Äaterialienprüfung der Technik. 



Der Internationale Verband für die Materialienprüfung der 
Technik gewinnt immer mehr an Ausdehnung und wenn derselbe 
seine Absicht, die Verhandlungen des Verbandes auch in englischer 
Sprache, statt wie bisher, nur in deutscher und französischer 
Sprache zur Ausführung bringt, ist es wohl ausser Frage, dass 
sich hier in den Vereinigten Staaten immer mehr Anhänger an die, 
von dem Internationalen Verbände vertretenen Bestrebungen 
finden werden. Da einige Vereine des D. A.T.V. dem Verbände 
als korporative Mitglieder bereits beigetreten sind und die übrigen 
voraussichtlich dem gegebenen Beispiele bald folgen werden, so 
dürften einige Mittheilungen aus den Verhandlungen des vom 23. 
bis 25. August V. J. in Stockholm stattgefundenen Kongresses des 
Internationalen Verbandes am Platze sein. Theilnehmer waren 
zu diesem Kongresse erschienen : 

Aus Belgien 5 

,, Dänemark 10 

,, Deutschland 86 

,, England 5 

,, Frankreich 43 

,, Holland 2 

,, Italien 6 

,, Luxemburg i 

,, Norwegen 15 

,, Oesterreich-Ungarn . 47 (33 resp. 14) 

,, Portugal I 

,, Russland und Finnland 40 (33 resp. 7) 

,, Schweden yj 

,, Schweiz 10 

,, Spanien 9 

,, Ver. Staaten v. Amerika 4 

Insgesammt . . . .321. 

Aus dieser Liste geht hervor, dass Deutschland am stärksten 
vertreten war und zwar mit mehr als 25 Prozent aller Erschienenen. 

Die vier aus den Ver. Staaten von Nordamerika eingetroffenen 
Herren, welche die weite Reise nicht gescheut hatten, um ihr 
Interesse für die Sache zu bekunden, waren die Herren G. L, 
Bückström - Philadelphia, O. M. Carter - Savannah, Ga., A. S. 
Halstead-U. S. Navy, und Gus. C. Henning -New York. 

Den Kongress eröffnete Herr Prof. L. v. Tetmajer-Zürich ; 
als Schriftführer fungirten : Herr Dr. Elmquist und Herr I. Landin- 
Stockholm. 

Den vor Kurzem herausgegebenen Protokollen des Kongresses 
entnehmen wir über die stattgefundenen Verhandlungen einiges 



Internationaler Verband für Materialienprüfung, 19 

besonders Bemerkenswerthes. Nach Begrüssung der Versamm- 
lung durch Herrn von der Lanken Namens der schwedischen 
Bevölkerung, wurden die für die Geschäftsführung geltenden Be- 
stimmungen festgesetzt und erfolgten dann die Wahlen zur Kon- 
stituirung der Bureaux. Unter den vom Verbandspräsidenten 
gemachten Mittheilungen erregte lebhafte Zustimmung diejenige, 
dass Herr A. Carnot-Paris eine umfangreiche, höchst werthvolle 
Arbeit über die chemisch-analytischen Methoden der Untersiichung 
des Eisens eingeliefert hat. — Diese Arbeit wird voraussichtlich 
im Verbandsorgan des Internationalen Verbandes erscheinen. 

In Bezug auf die sehr umfangreichen und interessanten 
Arbeiten der Sektionen sowie die stattgefundenen Verhandlungen 
über die Vorlagen und Berichte derselben müssen wir auf die 
Durchsicht der Protokolle hinweisen, da eine Wiedergabe zu viel 
Raum einnehmen würde. 

Vorträge wurden folgende gehalten : 

„Die Metall-Mikroskopie als Untersuchungsmethode" — Herr 
Ingenieur OSMOND. 

„Ueber die innere Reibung fester Körper als absolute Eigen- 
schaft und die mit Hilß derselben abgeleiteten Formeln für 
die Zug- und Druck^Diagramme" — Herr Prof. Rejto- 
Budapest. 

„Ueber den Erhärtungspro^ess kalkhaltiger Bindemittel'* — 
Herr Dr. W. MICHAELIS, Cement -Techniker, Berlin. 

Die rege Betheiligung, welche der Kongress in Stockholm 
gefunden, sowie die daselbst gepflogenen Verhandlungen lassen 
erwarten, dass der Internationale Verband für die Materialien- 
prüfungen der Technik kräftig heranwachsen und dadurch seinen 
Zweck, allgemein giltige Regeln für die Prüfungen zu schaffen, 
bestens erfüllen werde. A. SCHUMANN. 



Dmckfelilerberichtigfiin^ in der Nr* 3^ VoL III* 

Auf Seite 8 ist die 21. Zeile falsch eingesetzt, dieselbe kommt 
zwischen der jetzt 23. und 24. Zeile zu stehen. 



20 Mittheilungen des D. A. T, K 

Neue Bücher* 



Repertorium der technischen Journal Litteratur. Herausgegeben im 
Kaiserlichen Patent Amt, Jahrgang 1896. Carl Heymann Verlag, Berlin 1896. 

Der vorliegende stattliche Band bietet eine vorzügliche Uebersicht über die 
Veröffentlichungen technischen Inhaltes des Jahres 1896. Das in dem Reper- 
torium enthaltene Verzeichniss der inhaltlich ausgezogenen Zeitschriften enthält 
nicht weniger als 261 Titel. Neben der grossen Zahl der in deutscher Sprache 
erscheinenden Fachblätter sind nicht nur die wichtigsten der in englischer und 
französischer Sprache herausgegebenen aufgenommen, sondern im Repertorium 
sind auch die Veröffentlichungen Italien iscner, spanischer, schwedischer und 
russicher Zeitschriften berücksichtigt. Dem Inhalt nach umfasst das Re- 
pertorium die Litteratur der gesammten Technologie, erstreckt sich auf 
Maschinenwesen, Baukunst, Schiff-, Acker- und Bergbau, Hüttenwesen, 
Elektrizität, Physik und Chemie. Die ersten vier Seiten des Buches sind der 
Aufzählung der bei Aufstellung des Repertoriums benutzten Journale sowie der 
Erklärung der Abkürzungen gewidmet. Als sehr zweckmässig ist zu be- 
zeichaen, dass dem Titel einer jeden Veröffentlichung der Nachweis des Ver- 
lagsortes sowie die benutzte Bandnummer angefügt ist. Im zweiten Theil des 
Werkes, im eigentlichen Repertorium, ist besonderer Werth auf die Voll- 
ständigkeit der Nachweise auch sonst noch zu beachtender Stichwörter gelegt. 
Die Stichwörter selbst sind durch den Druck besonders hervorgehoben ; in 
Fällen, wo die Anzahl derunter einem Stichwort angeführten Aufsätze zu gross 
wird, ist eine Gliederung in Unterabschnitte durchgeführt worden. Unter 
Elektrizität und Magnetismus beispielsweise finden sich sieben Hauptunter- 
abtheilungen, deren jede wieder in besondere Abschnitte zerlegt ist. Die über 
einem Stichworte aufgeführten Aufsätze sind alphabetisch nach den Namen 
der Autoren geordnet, oder wenn derselbe unbekannt war, nach dem ersten 
Hauptwort in der Ueberschrift des Aufsatzes. Die Nummer des Bandes, die 
Seitenzahl und ein Hinweis auf etwaige Abbildungen sind in jedem Falle an- 
gegeben. Der dritte Theil endlich bildet ein alphabetisches Register. Die- 
jenigen Aufsätze, für welche Zweifel betreffs der Wahl eines Stichwortes beim 
"acnschlagen obwalten könnte, sind auch hier unter mehreren Stichwörtern 
nachgewiesen. 

Der Werth des vorliegenden Buches rückt erst ins richtige Licht, wenn 
man sich die Schwierigkeiten vergegenwärtig, welche sich der Aufstellung 
einer, alle Gebiete der Technick umfassenden Uebersicht entgegenstellen, zu 
deren facheemässen Bearbeitung das Eindringen in jede einzelne Fachrichtung 
unerlässlich ist. Es ist deshalb mit Freunden zu begrüssen, dass das 
Kaiserliche Patentamt in Berlin sich der grossen Arbeit unterzieht, das Re- 
pertorium der technischen Journal Litteratur auf dem Laufenden zu halten. 

R— N. 



fe 



Entwickelung und Bedeutung der Zahl und des Maasses. Von Reinhold 
Patitz. 1896. Selbstverlag. Milwaukee, Wis. 

Das vorliegende Werk verdankt seine Entstehung, wie der Verfasser im 
Vorwort sagt, einer Anregung der American Metrological Societv und ist ein Bei- 
trag zu den Bestrebungen zur Einführung des metrischen Maass-Systems in 
den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Auf fleissigem Quellenstudium 
beruhend, enthält das Buch eine Geschichte der Astronomie und Mathematik 
seit den ältesten Zeiten. Es werden darin die Arbeiten und Forschungen der 
Chinesen, Indier u. s. w. bis zu den Völkern der neuesten Zeit angeführt und 
weist der gelehrte Verfasser nach, wie sich der Begriff von Zahl und Maass 
entwickelt und welche hohe Bedeutung dieselben für das Wohl und den Fort- 
schritt der Menschheit gehabt haben. Ein neuer Fortschritt wird in der Ein- 
führung des metrischen Maasses gefunden und auf dessen grossen Werth hin- 
gewiesen. A. S. 



Aus Fachschriften. 21 

Aus Fachschriften. 



Röhrenvortrieb in wasserreichem Boden. Nach einem, dem Ingenieur 
Haag patentierten Verfahren, das in glücklicher Weise die Mängel der bisher 
theils geplanten, theils mit mehr oder weniger Erfolg angewendeten Verfahren 
zu vermeiden scheint, wird Folgendes mitgetheilt : Bei dem neuen Verfahren 
wird das vordere, mit Druck -Wasserpressen vorzutreibende, gegen das schon 
verlegte Tunnelrohr stopfbüchsenartig abgedichtete Rohrende in eine mit Luft 
gefüllte Arbeitskammer und einen vorn ofßnen, mit Wasser gefüllten Vorraum 
getheilt. Beide Abtheilungen sind durch eine Doppelwand getrennt, von wel- 
cher die innere nur ein Stück über den Rohrboden emporragt, die äussere von 
oben nur bis etwas unter die Oberkante der erstgenannten hinabreicht. Das 
Grundwasser steigt bei entsprechend reguliertem Luftdruck bis zur Oberkante 
der Innenwand; es entsteht hier also ein Wasserverschluss, der in wirksamer 
Weise das Entweichen von Luft aus dem vorderen Röhrenende verhindert, also 
das gefährliche Aufrühren des Bodens, den grössten Uebelstand, der mit den 
jetzigen Methoden verknüpft ist, vermeidet. In dem vorderen, mit Wasser 
gefüllten Raum stellt sich die Erde in natürlicher Böschuhe ein, deren Fuss 
bis in den Sumpf zwischen den beiden Wänden hinabreicht und dort abgegraben 
wird. Die Böschung sinkt also allmählich nach und gleichzeitig wird das 
Rohr vorgeschoben. Da dieses vorne offen ist, setzt es der Bewegung nur 
geringen Widerstand entgegen und da es mit Wasser gefüllt ist, bedarf es 
keiner künstlichen Belastung gegen den Auftrieb und keiner komplizirten Ein- 
richtungen, um die beabsichtigte Richtung des Vortriebes genau einhalten zu 
können. Herr HAAG, welcher für besondere Verhältnisse verschiedene Ab- 
arten dieser vorbeschriebenen Grundform vorschlägt, spricht die Ansicht aus, 
dass auf diesem Wege mit ebenso grosser Sicherheit das wagerechte Vortreiben 
von Röhren in Tiefen bis zu 30 m zu erreichen sein werde, wie dies bei senk- 
rechter Absenkung eines Kaissons, dem einfachsten Falle des Röhren -Vor- 
triebs im wasserreichen Boden, schon seit lange erreicht sei. 

Aus: , , Deutsche Bauleitung' * . 




22 Mittheilungen des D. A, T. A. 

DeuI$cK-J!inerik2ini$cKerTecKniker-YerI)2in(I 

Vorort: Philla.delphila., Pa.. 



Verbandsjahr J897-98. 



Protokoll iler Vororts-Sitzung vom 5. Januar 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmalz, A. Schumann, A. Propfe, 
J. Sachs und A. Heilbrunn, die anderen Herren entschuldigt. 

Das Protokoll der letzten Sitzung verlesen, genehmigt. Der 
Sekretär verliest eine Anzahl eingegangener Schreiben : Herr 
O. C. Reyman — Pittsburg, 27. November, Herr W. Mueser — 
New York, 30. November, (Zustimmung zum Antrag Brooklyn), 
Herr H. Dreses — Cincinnati, 21. November, Herr G. Wundram — 
Brooklyn, 3. Dezember, Herr C. Kaelble — New York, 3. 
Dezember, Herr W. Mueser — New York, 7. Dezember, Herr W. 
Willenbücher — Washington, 27. November, Herr O. C. Reyman— 
Pittsburg, 2. Dezember, Herr W. Mueser — New York, 10. Dez., 
Herr O. Haensgen — Chicago, 14. Dezember; Herr W. Mueser — 
New York, 20. Dezember (2), Herr O. C. Reyman — Pittsburg, 
20. Dezember 1897. 

Der Vorortsvorstand hat drei Circulare ausgesendet. 

Es erfolgt Vorlegung der Resultate mehrerer Abstimmungen 
der Vereine : 

a) Aenderung des § 5 der Verbands-Statuten ; dafür 5 und 
2 stillschweigend, dagegen i Verein. 

b) Aenderung des § 28 der Verbands-Statuten ; dafür : 
sämmtliche Vereine, wobei 2 stillschweigend. 

Somit sind die Aenderungen der Statuten, gemäss den Vor- 
schlägen der Delegatenversammlungen vom 5. bis 8. September 
1897, beschlossen. 

c) Antrag des Vereins Brooklyn, betreffend die unveränderte 
Herausgabe der Verbands-Mittheilungen ; dafür : 4 Vereine und 2 
stillschweigend, 2 Vereine erklären den Antrag als durch das 
Vorgehen des Vororts - Vorstandes für erledigt. Der Antrag 
Brooklyn ist angenommen. 

Der Sekretär A. Schumann protestirt gegen die Begründung 
des Vereins Baltimore, in Bezug auf die irrthümliche Annahme, 
dass der Delegatentag über die Fortführung der ,, Mittheilungen** 
bereits Beschluss gefasst habe. 

Nach der nunmehr feststehenden Bei^timmungen des § 28 der 
Verbands-Statuten beschliesst der Vororts-Vorstand Ausschreibung 
einer 2. Umlage von 50 Cents pro Mitglied für das Verbandsjahr 
1897-98. 



Berichte des Vorortes, 23 

Der Schatzmeister Herr H. A. Propfe legt einen Kassen- 
Ausweis vor, darnach waren bisher an 



Einnahmen: 

Kassenbestand am i. Nov. $140.97 

Umlagen 219.50 

Anzeigen in den „Mitth.** . 53.61 

$414.08 



Ausgaben : 

Verbands-Mitthell., Druck $183.20 
Redaktion und Expedition . 34.11 
Verschiedene Ausgaben . . 19.65 

$236.96 
In Kasse $177.12 



$414.08 



Die Ausgaben und Einnahmen werden geprüft und für richtig 
befunden. 

Nach Erledigung der laufenden Angelegenheiten, werden 
solche, die ,, Mittheilungen** betreffend besprochen, und eine von 
Herrn A. Schumann eingereichte Denkschrift zu späterer Be- 
sprechung entgegengenommen. 



Vororts- Vorstand Sitzung vom 25. Januar 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmalz, A. Schumann, A. Propfe, 
J. Sachs und Dr. Th. Willken. 

Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. 

Vom Sekretär wird eine Anzahl eingegangener Briefe und die 
ertheilten Antworten vorgelegt : Herr W. Mueser — New York, 
6. und 10. Januar, Herr G. Wundram — Brooklyn, 16. Januar, 
Herr Dr. F. W. Ihne — Chicago, 20. Januar, Herr O. C. Reyman 
— Pittsburg, 18. Januar 1898. 

Die Antwort auf den zuletzt erwähnten Brief vom Verein 
Pittsburg, in welchem der dortige Vorstand die Veröffentlichung 
der Geschichte des Vereins glaubt rügen zu müssen, wird gemein- 
sam festgestellt und die Rüge entschieden abgelehnt. 

Circulare an die Verbands - Vereine wurden ausgeschickt : 
unter dem 6. Januar, Anzeige des Abstimmungs-Resultates von 
Statutenänderungen und Antrag Brooklyn, sowie Ausschreibung 
einer 2. Umlage ; unter dem 19. Januar, Ersuchen um Einsendung 
der Protokolle etc. für die nächste Nummer der ,, Mittheilungen.** 

Herr A. Schumann legt eine zweite Denkschrift zu späterer 
Besprechung (Führung der ,, Mittheilungen** betreffend) vor und 
wird dieselbe entgegengenommen. 

Der Schatzmeister, Herr A. Propfe, zeigt den Eingang von 
$^6, 2. Umlage des Vereins New York für 112 Mitglieder, an. 



Vororts -Vorstands-Sitzung vom 17. Februar 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, A. Propfe, 
J. Sachs und Dr. Th. Willken. 

Das Protokoll der vorigen Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. 



24 Mittbeilungen des D. A. T. K 

Der Schatzmeister Herr A. Propfe giebt an, dass bis heut 
$574.34 eingegangen und $220.56 ausgegeben sind; es blieben in 
Kasse $353.78. 

Briefe gingen ein : Von Herrn W. C. Willenbücher -Wash- 
ington, 25. Januar — Herrn S. M. Pratt, New York, 26. Januar — 
Herrn O. C. Reyman, Pittsburg, 29. Januar — Herrn J. Spiro, 
New York, 9. Febr. — Herrn O. C. Reyman, Pittsburg, 3. Febr. — 
Herrn V. Kops, New York, 11. Januar — Herrn P. Bausch, Wash- 
ington, II. Febr. — Herrn G. W. Wundram, Brooklyn, 13. Febr. 
und 15. Febr. — Herrn R. C. Reyman, Pittsburg, 12. Febr. — 
Herrn Dr. L. S. Friedburg, Brooklyn, 16. Februar 1898. Ausser- 
dem eine grosse Anzahl Postkarten, eine Kopie eines Briefes des 
Herrn Dr. K. Stahl-Pittsburg und ein Schreiben der Bibliothek 
des Eidgenössischen Polytechnikums Zürich. 

Durch Circular hat der Sekretär Herr A. Schumann die 
Herren Vereinssekretäre um Einsendung überzähliger, alter 
„Mittheilungen** gebeten, um an den Vorort gelangende Gesuche 
um Ueberlassung von solchen befriedigen zu können. 

Im Verfolge des in Kopie vorliegenden Schreibens des Herrn 
Dr. Karl Stahl soll dem Pittsburger Verein für seine Bestrebungen, 
dem Verbände den Verein Cleveland wiederzugewinnen, Dank 
gesagt und Erfolg gewünscht werden. 

Herr A. Schumann überreicht dem Vororts -Vorstand ein Ver- 
bands-Mitglieder -Verzeichniss, welches zu besitzen nach seiner 
Meinung sehr nothwendig sei. Der Vororts-Vorstand spricht 
dem Herrn Sekretär besten Dank für seine mühevolle Arbeit aus 
und nimmt das Verzeichniss entgegen. 

Es folgt nunmehr eine Besprechung über die in der nächsten 
Nummer der „Mittheilungen*' zu veröffentlichenden Eingänge. 
Dabei wird daraufhingewiesen, dass in manchen Protokollen und 
Berichten ganz intime Angelegenheiten der Vereine, deren Ver- 
öffentlichung nur für die nächst Betheiligten Interesse haben kann, 
vorkommen. Es wfrd beschlossen: ,,In Anbetracht, dass der 
Umfang der „Mittheilungen" aus verschiedenen Gründen mög- 
lichst einzuschränken ist und da das Verbandsorgan weiteren 
Fachkreisen zugeht, wird der Verbands-Sekretär beauftragt, in 
jedem Einzelfalle sich mit dem betreffenden Vereins-Sekretär zu 
verständigen, welche Kürzungen vorzunehmen sind. 

A. Schumann, l^erbands-Sekretär. 



yereinS' Berichte. 25 

UfiVj 



Vereins- Protokolle. 



THE NKwTv"^ — ) 



Technischer Verein von Philadelphia* 

Regelmässige Versamnilung vom 8. Januar 1898. 

Anwesend: 31 Mitglieder und 3 Gäste, unter diesen Herr 
P. Kreuzpointner vom Verein Pittsburg. 

Herr H. Schmalz leitete die Versammlung und beglück- 
wünschte dieselbe zum neuen Jahre. 

Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrt die Versammlung das 
Andenken an das verstorbene Mitglied R. Boericke durch Erheben 
von den Sitzen. 

Es erfolgt Verlesung einer Anzahl von Zuschriften, darunter 
vom Vorort die Aufforderung zur Zahlung einer 2. Verbands- 
umlage. Diese wird genehmigt. 

In den Verein aufgenommen sind als ordentliche Mitglieder : 
Herr Wm. Semper, Chemiker, Philadelphia. 
Herr Rieh. Ledig, Fabrikant, Philadelphia. 

Herr A. Schumann erhält das Wort zu einem Vortrag über : 

„Feuersichere Scheidewände". 

Der Redner beschreibt verschiedene, seit Anfang dieses 
Jahrhunderts erfundene Konstruktionen von Scheidewänden in 
Gebäuden, wie die Rabitz- und Monier - Wände, verschiedene 
amerikanische Gipswände mit Unterlagen von Draht oder Blech, 
die Polygon - Gipsplattenwände und verweilt dann in längerer 
Ausführung bei den neuerfundenen Bröckner'schen Patent- 
Platten-Wänden. Eine Anzahl von Illustrationen begleiteten den 
Vortrag. Eine Diskussion schliesst sich demselben nicht an. 

Im Fragekasten finden sich mehrere Fragen vor, deren eine 
lautet : „Wie lassen sich die verschiedenen Stahlsorten bezeichnen?" 
Eine Ausstellung von Stahlsorten ist der Frage beigegeben. 

Herr H. Schmalz erklärt in einer Einleitung zur Diskussion 
über die gestellte Frage, dass dieselbe nicht so leicht zu beant- 
worten sei, als es auf den ersten Blick Manchem erscheinen 
möge. Er geht dann weiter auf den Gegenstand ein und schildert 
verschiedene Herstellungsmethoden von Stahl. Eine Anzahl 
von Zuschriften und Beschreibungen aus Fachjournalen werden 
vom Redner vorgelegt und besprochen. 

Weiter an der Diskussion betheiligen sich : Herr R. Müller, 
welcher eine Anzahl von Mustern, wie Xemperguss, Malleable 
Iron etc. zur Ansicht vorlegt ; Herr A. Haug, Herr M. Uhlmann, 
Herr W. Stein, welcher vorschlägt, die Bezeichnungen nach der 
Herstellungsmethode vorzunehmen und Herr P. Kreuzpointner, 



26 Mittbeilungen des D. A. T. V. 

welcher sich in einem längeren Vortrage ziemlich eingehend über 
Eigenschaften von Stahlsorten und Prüfung derselben auslässt. * 
Der sehr vorgerückten Zeit wegen, muss die Besprechung 
abgebrochen werden und nachdem noch Herr A. Schumann in 
Beantwortung einer anderen Frage : ,,Welche Fach- Zeitschriften 
geben Auskunft über Verschieben schwerer Gebäude ? '* auf einige 
ausführliche Mittheilungen in der ,, Deutchen Bauzeitung'* hin- 
gewiesen, worin amerikanische Ausführungen beschrieben sind, 
erfolgt Schluss der Versammlung. 



Regelmässige Versammlung vom 22. Januar 

Anwesend : 29 Mitglieder und 3 Gäste. 

Die Versammlung leitet Herr H. Schmalz und macht der- 
selbe auf einige Artikel der letzterschienenen Nummer der 
,, Mittheilungen** aufmerksam. 

Eine Anzahl von Zuschriften gelangen zur Verlesung ; unter 
den Eingängen befindet sich das Protokoll des Kongresses des 
Int. Verbandes für die Materialienprüfung der Technik, auf welches 
Herr A. Schumann besonders hinweisst. 

Nach Erledignng der geschäftlichen Angelegenheiten, erhält 
das Wort Herr F. Goldschmied zu einem Vortrage über : 

Darstellung von Ammoniak und dessen Verwendung 

für industrielle Zwecke. 

Der Redner hatte seinen Vortrag sorgfältig ausgearbeitet und 
begleitete denselben mit Vergleichstabellen und Illustrationen. 

Lebhafter Beifall der Anwesenden lohnte den Herrn Vor- 
tragenden. 

Es erfolgt im „Fragekasten*' Fortsetzung der in der vorigen 
Sitzung abgebrochenen Besprechung der Frage : ^^Bezeichnung der 
Stahlsorten/* Von Herrn P. Kreuzpointner ist ein darauf bezüg- 
licher Brief eingegangen. 

Herr M. Uhlmann giebt an, dass m der Fragestellung ver- 
gessen wurde hervorzuheben, dass es sich um „geschäßsmässige** 
Bezeichnungen handele, worauf es ihm persönlich allein ankomme. 

Herr W. Stein meint, dass man sowohl in Deutschland wie 
hier in den Ver. Staaten von Nord-Amerika sich damit beschäftige, 
genaue Bezeichnungen für Eisen- und Stahlsorten zu finden. 
Weiter an der Besprechung betheiligen sich noch die Herren 
J. Sohn und George F. Ott ; worauf der Gegenstand verlassen 
wird. 

Es erfolgt alsdann Schluss der Sitzung, jedoch nicht der 
Versammlung, welche noch längere Zeit zusammenbleibt, um 
dem nach Japan abreisenden Mitgliede Herrn W. Ammann, einen 
Abschiedstrunk zu weihen und ihm die herzlichsten Wünsche für 
die Reise darzubringen. 



* In einer Zuschrift des Herrn P. Kreuzpointner, welche an anderer 
Stelle abgedruckt ist, bringt derselbe seine Erläuterungen zum Abschluss. 



yeränS'Berichte. 27 

Regelmässige Versaminlaiig vom 12. Februar 1898. 

Anwesend : 28 Mitglieder und 4 Gäste. 

Herr H. Schmalz leitet die Versammlung. 

Schreiben gingen ein : Vom Verein ,, Pittsburg/* Stellen- 
nachweis und Einladungen zu Versammlungen, von Herrn O. 
Häuptner, das Programm des 22. Stiftungsfestes im Verein ,,New 
York.*' 

Der Bibliothekar, Herr J. Sachs, dankt den Herren, welche 
die Kneipzeitung beim Weihnachtsfest unentgeltlich hergestellt 
und damit der Bibliothekskasse $10.70 zugewendet haben ; Herrn 
H. Schmalz wird gleichfalls gedankt für Ueberlassung einer Fach- 
zeitung (Ver. deutsch. Ing., Jahrgang 1898. 

Es erhält das Wort Herr Maurus Neurath zu einem Vortrag 
über : 

Accumuiatoren, deren HersteUung und Verwendung. 

Der Herr Vortragende, der seine sehr eingehenden Aus- 
führungen mit einer grossen Reihe sorgfältig gezeichneter 
Illustrationen, die durch das Stereopticon gezeigt werden, be- 
gleitet, hält das Interesse der Anwesenden bis zum Schlüsse wach 
und erntete lebhaften Beifall. 

Der Präsident spricht dem Redner den Dank des Vereins aus. 

An der dem Vortrage sich anschliessenden Diskussion be- 
theiligten sich eine Anzahl der erschienenen Mitglieder. 

Hierauf zeigte Herr A. Schumann an einem Modellaufbau die 
Art und Weise der Aufführung der Brückner'schen feuersicheren 
und schalldichten Gips-Platten-Wände, über welche derselbe sich 
in einem früheren Vortrage bereits geäussert hatte. 

A. Schumann, Sekretär. 



Technischer Verein von New York» 



Regelmässige Versammlung vom 18. Dezember 1897. 

Die Versammlung wurde eröffnet durch Herrn Präsidenten 
Kaczander. 

Die Protokolle der regelmässigen Versammlungen vom 13. 
November und 27. November werden verlesen und angenommen. 

Hierauf Begrüssung der Gäste und unseres neuen Mitgliedes, 
Herrn Dominic Lindenthal, der vom T. V. Pittsburg in den T. V. 
New York übergetreten ist. 

Einlaufe : Einladung vom Albrecht Dürer -Verein zum Weih- 
nachtsfest. Einladung vom T. V. Pittsburg zu seinem Weih- 
nachtsfest. 

Als neue Mitglieder wurden vom Vorstandsrathe unterstützt 
und aufgenommen die Herren : Hans Schroeder, M. E., T. H. 
Gottlieb, M. E., und H. Reissner, C. E. 

Mit einer kurzen Anrede und einem herzlichen Neujahrs- 
wunsch schliesst der Präsident den geschäftlichen Theil und 



28 Mittbeilungen des D. A. T. V. 

übergiebt dann das Präsidium dem Vergnügungskommissär, Herrn 
Spiro. Derselbe eröffnet den gemüthlichen Theil und damit die 
eigentliche Weihnachtskneipe, welche unter der kräftigen Mit- 
hilfe unseres schneidigen ,, Fuchsmajors*' Werner und so ziemlich 
aller anderen anwesenden „Talente" in höchst fideler Weise 
verläuft. 



Regelmässige Versammlung vom 8. Januar 1898. 

Vorsitzender : Herr John Schaefer. 

Das Protokoll der letzten regelmässigen Versammlung wird 
verlesen und angenommen. 

Hierauf Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. 

Der T. V. Baltimore übersandte eine deutsche Zeitung, die 
einen interessanten Bericht über Karl Heinrich Schnauffer, dem 
bekannten 1848er und deutsch-amerikanischen Dichter enthielt. 
Dieselbe wurde dankend angenommen und wird der Bibliothek 
einverleibt werden. 

Neue Mitglieder : Herr Max Eushlin, M. E., wird vom Vor- 
standsrath empfohlen und als Mitglied aufgenommen. 

Sodann erhält das Mitglied Herr Martin Joachimson, El. Ing., 
das Wort zu einem Vortrag über : 

Elektrische Strassenbahnen mit unterirdischer Stromzufiihrung. 

Einleitend zeigt der Vortragende durch Skizzen die Unter- 
schiede zwischen amerikanischen und europäischen Systemen, 
und erklärt dann die Anlage und Konstruktion der gegenwärtig 
hier im Bau begriffenen elektrischen Strassenbahnen der 2. und 
4. Avenue. Der Vortragende entwarf ein bis in die kleinsten 
Details ausgearbeitetes Bild der gesammten Anlage und die 
nachfolgende lebhafte Diskussion bewies so recht, wie angezeigt 
und nothwendig derartige Vorträge sind. 

Der Vorsitzende dankte Herrn Joachimson im Namen des 
Vereins für die äusserst interessanten Ausführungen. 

Sodann gab Mitglied P. Neuhaus seine interessante Reise- 
Erlebnisse im Westen zum Besten und sprach speziell von seinen 
Beobachtungen über die Styleinheit* und Reinheit der Architektur 
von St. Louis, im Gegensatz zu der Stylverwirrung, wie man sie 
in New York sieht. 



Regelmässige Versammlung vom 12. Februar 1898. 

Präsident Leop. Kaczander eröffnete die Versammlung. 

Die Protokolle der regelmässigen Sitzung vom 8. Januar und 
des am 29. Januar abgehaltenen Stiftungsfestes^ werden verlesen 
und angenommen. 

Zur Verlesung kommt ferner ein Brief des Herrn H. 
Kaltwasser, worin er um Bescheinigung darüber ersucht, dass er 
im Jahre 1884 Mitglied des T. V. New York gewesen sei und der 
korresp. Sekretär wird beauftragt, das Protokollbuch aus dem 



yereinS'Berichte. ' 29 

betreffenden Jahrgang zu untersuchen und Herrn Kaltwasser das 
Resultat brieflich zu übermitteln. 

Hierauf begrüsst der Vorsitzende Herrn Theo. Masel, ein 
früheres Mitglied des T. V. Chicago, der als Gast anwesend ist, 
und erwähnt sodann, dass in der nächsten Versammlung Herr H. 
Gottlieb, Mitglied des Vereins, einen Vortrag über : „Neuerungen 
und yerbesserungen an Maschinentheilen für Transmissionsanlagen'* 
halten wird. 

Nach Erörterung verschiedener technischer Tagesfragen wird 
der offizielle Theil der Sitzung geschlossen. 

Victor Kops, Sekretär. 



Techniker -Verein, Washington, D* C 

Wissenschaftliche Versammlung vom 15. Dezember 1897. 

Herr Hector von Bayer, der sich letzten Sommer längere Zeit 
in Süd-Dakota aufgehalten hat, hielt einen interessanten Vortrag 
über: 

Die Black Hills. 

Als Einleitung beschrieb derselbe die Kosmologie unseres 
Planeten in der anschaulichsten Weise und leitete davon die 
geologische Entwickelung der Black Hills ab. Es folgte dann die 
Beschreibung einer Eisenbahn durch das sogenannte Spearfish 
Canon, wobei ein Gefälle von 2700 Fuss bei einer kürzesten Ent- 
fernung von etwa 10 Meilen, zwischen den Städten Deadwood 
und Spearfish, durch unzählige Kurven und Schleifen mit einer 
Gesammtlänge von nahezu 40 Meilen überwunden werden musste. 

Der Redner sprach hierauf über die verschiedenen Weisen, 
wie das Gold in den Black Hills gefunden und verarbeitet wird, 
wobei die dortigen grossartigen Stampfwerke in Lead, die 
Schmelzöfen in Deadwood, die neueren dort eingeführten chemi- 
schen Prozesse, wie durch Chlorinatron und Cyankalium-Zer- 
setzung, erklärt wurden. 

Zahlreiche Specimen von Mineralien der Black Hills sowie 
Karten und Photographien der Gegend trugen zur Erläuterung 
der Vorlesung bei. 

Hierauf gemüthliches Zusammenbleiben. 



Wissenschaftliche Versammlung vom 19. Januar 1898. 

Die Mitglieder und deren Damen waren an diesem Abend 
ausserordentlich zahlreich erschienen. 

Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag über : 

„Fritz Reuter und Recltatlonen aus dessen Werken'' 

von Herrn G. W. Spies, welcher sich dieser doppelten Aufgabe 



30 Mittbeilungen des D. A. T. V, 

mit grossem Erfolge und zur Anerkennung aller Anwesenden 
erledigte. 

Die Absätze zwischen dem Vortrage und den einzelnen 
Recitationen wurden durch musikalische Vorträge auf's an- 
genehmste ausgefüllt. Den instrumentalen Theil hatten die 
Fräulein Else und Anna Ulke und Frl. Isemann nebst Herrn Louis 
Illmer freundlichst übernommen, während der gesangliche Theil 
von Frl. Wilma Willenbücher ausgefüllt wurde. 

Nach dem Vortrage fand eine sehr ausgedehnte gesellige 
Sitzung statt, die zu weiteren Vorträgen aller Art Gelegenheit gab. 
Schliesslich wurde noch getanzt und zu gutem Schlüsse lud Herr 
Spies zur Feier seines i6. Hochzeitstages zu einer Bowle ein, wo- 
bei ihm und seiner Gemahlin die Glückwünsche der Gäste zu 
Theil wurden. 



Geschäftliche Versammlung vom 2. Februar 1898. 

Der Präsident, Herr Sägmüller, eröffnet die Versammlung. 
Verlesung und Annahme der verschiedenen Protokolle. Verlesung 
der eingelaufenen Korrespondenzen. 

Vom Vorort liegt die Nachricht vor, dass derselbe die An- 
nahme der Aenderung der §§ 5 und 28 der Verbandsstatuten 
wie sie in der Delegatenversammlung vom 5.-6. September 1897 
beschlossen wurde, konstatire. Die Annahme des Antrags des 
T. V. Brooklyn, betreffend die unveränderte Weiterführung der 
,,lVlittheilungen'*, wird gleichfalls erklärt. 

Der Vorort schreibt ferner die zweite Umlage für das Jahr 
1897-98 aus und wird der Schatzmeister beauftragt, dieselbe zu 
berichtigen. 

Verschiedene weitere Rechnungen werden ebenfalls ge- 
nehmigt. 

Die Kandidaten Herren F. Schweinshaut und Wilhelm von 
Mumm, Professor und Prinzipal der Berlitz School of Language, 
713 14. St. N. W., unterstützt von den Herren Saegmüller und 
Willenbücher, werden durch erfolgte Abstimmung als Mitglieder 
in den Verein aufgenommen. 

Der vorgeschlagene Kandidat Radelfmger hat sein Aufnahme- 
gesuch zurückgezogen. 

Beschlossen wird, am 21. Februar ein einfaches Kränzchen 
und am i. April ein Maskenfest abzuhalten. 

Der Sekretär wird beauftragt, den Vorort zu ersuchen, zum 
mindesten zwölf Exemplare der „Mittheilungen** an die Vereins- 
bibliothek zu senden. Ferner wird um Zusendung der Nummern 
I und 2 des neuen Jahrganges an die seit dem i. November 1897 
aufgenommenen Mitglieder gebeten. 

Beschlossen wird, 25Exemplare des Liederbuches der ,, Hütte** 
anzuschaffen. Herr Hermann Rassbach wird die Bestellung der- 
selben besorgen. 

W. C. WiLLENBUECHER, Sekretär. 



VereinS'Berichte, 31 



Technischer Verein von Pittsburg* 

Regelmässige Versammlung vom 27. November 1897. 

Vorsitzender: Herr Philipp Lange, Schriftführer: Herr O. C. 
Reyman. 

Anwesend: 20 Mitglieder und 10 Gäste. 

Der Präsident eröffnet die trotz des schlechten Wetters gut 
besuchte Sitzung um 8.15 und begrüsst die zahlreich erschienenen 
Gäste. Die Protokolle der beiden letzten Sitzungen werden an- 
genommen, wie verlesen. Briefe vom Vorort, die Redaktion der 
,, Mittheilungen** betreffend, werden zur Kenntniss genommen, 
ebenso Einladungen von den Technischen Vereinen New York 
und Washington. Auf Empfehlung des Vorstandes werden die 
Herren 

Robert Siegfried, Mechanical Engineer, Alfons Thiel, Civil 
Engineer, und August Schneider, M. E., 
ohne Abstimmung als Mitglieder aufgenommen. 

Gegen den Uebertritt des Herrn Dominic Linderithai zum 
T. V. New York werden keine Einwendungen erhoben. 

Als neue Mitglieder werden vorgeschlagen die Herren : 

Heinrich Heine, C. E., L. Oberauer, M. E.-, Edward A. 
Uehling, M. E., Hermann lllies, M. E., Ernst Prochaska, M. E., 
Albert Stammelbach, M. E., und Joseph Eli. 

Das Vergnügungskomite berichtet, dass für den 4. Dezember 
ein Unterhaltungsabend angesetzt sei und für den 18. Dezember 
die übliche Weihnachtskneipe. 

Herr G. L. Luetscher beginnt darauf seinen Vortrag über : 

Ein modBrnes Stahlwerk. 

Unterstützt von vielen Zeichnungen, giebt der Vortragende 
eine detaillirte Beschreibung der Anlagen der Schoenberger 
Steel Co. Der Vortrag enthielt so viel des Interessanten und 
Wissenswerthen, dass, um dem Thema vollauf gerecht zu werden, 
die Diskussion für die nächste Sitzung angesetzt wurde. Ver- 
tagung 10.30. 

Regelmässige Versammlung vom 10. Dezember 1897. 

Vorsitzender: Herr Philipp Lange; Schriftführer: Herr Otto 
C. Reyman. 

Anwesend : 31 Mitglieder und 5 Gäste. 

Der Präsident eröffnet die Sitzung um halb neun Uhr und 
begrüsst besonders die Herren Stein und Lüthy aus Philadelphia, 
sowie Herrn Kreuzpointner aus Altoona. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird angenommen, wie 
verlesen. Mehrere Briefe werden verlesen und dem Sekretär 



32 Mittheilungen des D. A. T. K 

zur Erledigung überwiesen. Die in der letzten Sitzung zur 
Aufnahme vorgeschlagenen Herren : 

Oberauer, Uehling, Prohaska, Eli, Stammelbach und Illies 
werden ohne Abstimmung aufgenommen. Als neue Mitglieder 
werden vorgeschlagen die Herren : 

Werner Gurlitt, M. E., und Henry Otto, Master Mechanic 
Schoenberger Steel Co. 

Eine Rechnung über $14.75 ^ür Briefpapier und 5000 Brief- 
umschläge wird zur Bezahlung angewiesen. 

Das Vergnügungskomite berichtet über den am 4. Dezember 
abgehaltenen Unterhaltungsabend ; dem Komite wird der Dank 
des Vereins für die erfolgreiche Veranstaltung ausgedrückt. 

Das Stellenvermittlungs-Komite berichtet über seine Thätig- 
keit und ersucht um Mittheilung offener Stellen. 

Herr Willenbücher, vormaliger Redakteur der Verbands-Mit- 
theilungen, lässt dem Verein durch Herrn Reyman seinen ver- 
bindlichsten Dank für die offizielle Anerkennung seiner Thätigkeit 
als Redakteur ausdrücken. 

Herr Lutscher leitet darauf mit kurzen Worten die Diskussion 
über seinen in der letzten Sitzung gehaltenen Vortrag ein, an 
welcher die Betheiligung eine so rege und allgemeine war, dass 
die Sitzung erst bei vorgerückter Stunde geschlossen werden 
konnte. 



Regelmässige Versammlung vom 14. Januar 1898. 

Vorsitzender: Herr Philipp A. Lange; Schriftführer: Herr 
Otto C. Reyman. 

Anwesend : 33 Mitglieder. 

Die Sitzung wird mit Verlesung und Annahme des Protokolls 
der letzten Versammlung vom Präsidenten um 8. 15^ eröffnet. 

Briefe vom T. V. Philadelphia, die Aufnahme eines Kandi- 
daten betreffend, sowie zwei Schreiben vom Vorort, auf die Her- 
ausgabe der ,, Mittheilungen** bezüglich, werden verlesen. Der 
Sekretär berichtet über einen von ihm an die übrigen Verbands- 
vereine gerichteten Warnbrief. Es wird beschlossen, künftighin 
nur solchen Herren bei der Erlangung einer Stellung behilflich zu 
sein, die entweder persönlich bekannt sind oder mit Empfehlungs- 
schreiben versehen sind. 

Auf Empfehlung des Vorstandes, werden ohne Abstimmung 
als Mitglieder aufgenommen die Herren : 

Heinrich Heine, C. E., Werner Gurlitt, M. E., und Henry 
Otto, M. M. Herr John Walter, C. E., wird durch Vorstands- 
beschluss wieder als aktives Mitglied auf der Liste geführt. 

Gestrichen wegen Nichtbezahlung ihrer Beiträge werden die 
Herren : Chas. A. Flack, Fred. Werle, W. Wiese. 

Als neue Mitglieder werden zur Aufnahme vorgeschlagen die 
Herren : Karl Till, M. E., und Albert Haardt, M. E., c. 0. Westing- 
house El. & Mfg. Co., Pittsburg; Edwin Rund, M. E., East Pitts- 
burg ; H. W. Bernard, Chemiker, 55 Wilson Ave., AllegheTny, Pa.; 



VereinS'Berichte. 3 3 

W. C. Cronemeyer, General Manager U. S. Tinplate Co., Demm- 
1er, Pa. 

Eine Rechnung über persönliche Unkosten des Schatzmeisters 
(Porto etc.) in Höhe von $7.40 wird zur Bezahlung angewiesen ; 
ebenso eine Rechnung über $10.20 für Einladungskarten. Der 
Vorstand ermächtigt den Schatzmeister, dem Vereins-Sekretär 
$12.00 für das erste Quartal des Vereinsjahres zu bezahlen, und 
bewilligt den gleichen Betrag für das zweite Quartal. 

Das Vergnügungskomite berichtet über Einnahmen und Aus- 
gaben der beiden kürzlich abgehaltenen Unterhaltungen (siehe 
unter Personalnachrichten) und theilt mit, dass der nächste 
, Unterhaltungsabend am 29. Januar stattfinden wird. Das Ver- 
gnügungskomite besteht aus den Herren 

Dr. K. F. Stahl, Obmann ; R. A. Skalweit, A. Kusebauch, 
O. Rosenbaum und E. Härder. 

Eine sich auf den in der Dezember-Nummer der Verbands- 
Mittheilungen enthaltenen Beitrag zur Geschichte des T. V. 
Pittsburg beziehende Interpellation wird dahin beantwortet, dass 
der Vorstand sich mit dem Gegenstand der Interpellation bereits 
beschäftigt habe, eine Diskussion darüber im Plenum vor der 
Hand jedoch nicht erwünscht sei. 

Herr Armin Schotte, C. E., hält darauf seinen Vortrag über: 

Concret. 

Mit der einleitenden Bemerkung beginnend, dass Redner 
lediglich Stoff für eine Diskussion bieten wolle, streift der Herr 
Vortragende so viele interessante Fragen, dass an der folgenden 
Besprechung sich fast alle anwesenden Herren betheiligen, deren 
Meinungsaustausch erst durch die vorgerückte Stunde ein Ziel 
gesetzt wurde. Herrn Schotte wird bestens für seine Aus- 
führungen gedankt. 

Vertagung 10.45. 



Regelmässige Versammlung vom 28. Januar 1898. 

Vorsitzender: Herr Philipp A. Lange; Schriftführer: Herr 
Otto C. Reyman. 

Anwesend : 22 Mitglieder. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird angenommen, wie 
verlesen. 

Auf Empfehlung des Vorstandes werden die Herren 

Karl Till, M. E. ; Albert Haardt, M. E. ; Edwin Rund, M. E.; 
H. W. Bernard, Chemiker, und W. C. Cronemeyer, General 
Manager U. S. Tinplate Co., Demmler, Pa., 
ohne Abstimmung als Mitglieder aufgenommen. 

Vom T. V. New York liegt eine Einladung zum Stiftungsfest 
vor. Zwei Briefe vom Vorort werden dem Sekretär zur Erledigung 
überwiesen. Die Obmänner der einzelnen Komites berichten 
über ihre Thätigkeit. Besonders beifällig wird die Ankündigung 
des für den 21. Februar in Aussicht gestellten Winterfestes auf- 



34 Mittheilungen des D. A. T. V. 

genommen. Darauf wird die auf der Tagesordnung stehende 
Diskussion „(Motoren im Kleinbetrieb" von Herrn Dr. Moldenke 
als Obmann des wissenschaftlichen Komites durch eine kurz ge- 
fasste allgemeine Uebersicht eingeleitet. 

Schluss der Sitzung 9.45. O. C. Reyman, Sekretär. 



Technischer Verein von Brooklyn* 

Sitzaog vom 15. Janaar 1898. 

Der Vorstand schlägt Herrn Arthur Wolters als ordentliches 
Mitglied vor. Derselbe wird als Mitglied des T. V. Brooklyn 
aufgenommen. 



Gemeinschaftliche Exkursion der Technischen Vereine von New York und 

Brooklyn. 

Am Samstag, den 22. Januar, Nachmittags 3 Uhr, fand unter 
reger Betheiligung der Mitglieder der Technischen Vereine von 
New York und Brooklyn eine Exkursion zur Besichtigung der 
Abwässeranlage (Purification Building) in Brooklyn statt. Herr 
G. W. Wundram, korresp. Sekretär des T. V. Brooklyn, machte 
den Führer. Diese Anlage liegt an der Jamaica Bay und ist der 
Endpunkt der Kanalisation des niedrig gelegenen Stadttheils East 
New York. Die Abzugskanäle sind flach und grösstentheils auf 
Pfählen gebaut, da der Grund niedrig und in der Nähe der Bay 
sumpfig ist. Die Abfallstoffe treten durch die Kanäle in ein 
grosses Sammelbasin ein in der Höhe von — 2.4 Fuss und fliessen 
zwischen Schutzwänden, welche bis zur Höhe von — 0.8 Fuss 
aufsteigen nach der Rohrverbindung, wo sie in der Höhe von 
— 3.0 Fuss ankommen. Von hier werden dieselben in die ge- 
meinschaftliche Kammer des eigentlichen Desinfecting tank ge- 
leitet, wo sie in der Höhe von —6.5 landen, um dann durch die 
grossen Ventile in die rechts- oder linksseitigen Desinfections-An- 
stalten geführt zu werden. Das Gebäude ist ringförmig gebaut 
und hat einen inneren Durchmesser von 150 Fuss. Die Abfall- 
stoffe gelangen zwischen den concentrischen Mauern nach dem 
centralen Brunnen (Boden — 16 Fuss) durch einen der Syphone. 
Von diesem Brunnen wird der nunmehr gereinigte Abfall durch 
Pumpen zurück in den nach hinten durch eine Mauer ab- 
gesperrten Kanal auf die Höhe von +1.0 Fuss gebracht, um von 
hier durch einen 30(X) Fuss langen offenen Kanal nach der 
Jamaica Bay abzufliessen. 

Auf der künstlich geschaffenen langen Reise der Abfallstoffe 
durch die Ringmauern wird die Reinigung ' derselben besorgt auf 
mechanischem Wege : durch den langen Weg, der die Ablagerung 
der substantiellen Stoffe befördert, durch in Zwischenräumen ein- 
geschaltete Drahtnetze und Bretter sog. Dipboards, und auf 



yereinS'Berichte, 35 

chemischem^ egQ durch Beimischung von Kalkwasser, Eisenchlorid 
und Chlorgas. 

Die ausführliche Erklärung der ganzen Operation durch den 
Oberingenieur Herrn Bruseton fesselte die Aufmerksamkeit Aller 
bis zum letzten Augenblicke. 

Nach der Besichtigung fand sich die ganze Gesellschaft in 
Piel's Brauerei zusammen, wo ein gemeinschaftliches Essen ein- 
genommen wurde. Bei nachfolgendem ausgezeichneten Bier 
blieben die Herren bis zu später Stunde in fröhlicher Stimmung 
beisammen. L. H. FRIEDBURG, Sekretär. 



Technischer Verein von Baltimore* 



Qeschäfts-Sitzuns vom 2. Dezember 1897. 

Anwesend 14 Herren. 

Der Präsident Herr O. Fuchs eröffnete die Versammlung um 
».30 Uhr. 

Das Protokoll der letzten Sitzung vom 18. November wurde 
verlesen und angenommen. 

An. Korrespondenzen waren eingegangen : 

Der T. V. Washington ladet zu seinem am 24. November 
1897 stattfindenden 10. Stiftungsfest ein. Der T. V. New York 
sendet eine Einladung zu einem Spezialvortrag über ,,Street 
Cleaning in New York/* 

Herr Rud. Leupold benachrictigt den Verein, dass er eine 
Office für „Steam Engeneering** in No. 106 E. Saratoga Strasse 
eröffnet habe, desgleichen Privatunterricht in der höheren 
Elementar-Mathematik ertheile und ersucht die Mitglieder um ge- 
fällige Unterstützung bei vorkommenden Fällen. 

Herr H. Krekel stellt den Antrag, das Inventar und die 
Bibliothek des Vereins, welches einen gegenwärtigen Werth von 
ca. 150 Dollars habe, versichern zu lassen. Beschlossen: Das 
Inventar zu 200 Dollars für die nächsten drei Jahre versichern zu 
lassen und wird der Bibliothekar beauftragt, alles Weitere zu 
besorgen. 

Herr O. Boettger ladet die Mitglieder an einem noch zu be- 
stimmenden Tage zur Besichtigung der grossen Wasserpump- 
Werke der Stadt ein. 

Beschlossen wurde, Mitte Januar einen Familienabend im 
Vereinslokale zu veranstalten. Der Präsident ernannte die Herren 
Loeser, Krekel und Boettger als Komite für diesen Abend. 



Wisseoschaftliche Versaminlung vom 15. Dezember 1897. 

Anwesend 12 Herren. 

Die Sitzung wurde 8.30 Uhr durch den Präsidenten Herrn 
O. Fuchs eröffnet. 



36 Mittheilungen des D. A. T. K 

Das Protokoll der Sitzung vom 2. Dezember wurde verlesen 
und angenommen. 

An Korrespondenzen waren eingegangen : 

Der T. V. Philadelphia sendet eine Einladung zu dessen am 
18. Dezember stattfindenden Weihnachts-Kommers. 

Der T. V. New York ersucht Näheres über Herrn Herbert, 
früher Mitglied des T. V. Baltimore, mitzutheilen, da derselbe in 
gleicher Eigenschaft in New York beitreten möchte. 

Der Bibliothekar berichtet, dass das Inventar des Vereins auf 
drei Jahren zu 200 Dollars versichert sei. 

Das Komite für den Familienabend berichtet, dass derselbe 
am 18. Januar im Vereinslokale stattfinden würde und spezielle 
Einladungen dafür ausgesandt werden. 

Wegen Abwesenheit des Herrn H. Lässig musste dessen Vor- 
trag ausfallen, doch war Herr K. R. Sternberg bereit, einen, 
wenngleich nicht technischen Vortrag über Karl Heinrich 
Schnauffer in fesselnder Weise zu halten. 



Qeschäfts-Sitzang vom d. Januar 1898. 

Anwesend 14 Mitglieder. 

Die Sitzung wurde durch den Präsidenten Herrn O. Fuchs 
eröffnet. 

Das Protokoll der Versammlung vom 15. Dezember wurde 
verlesen und angenommen. 

Folgende Korrespondenzen wurden verlesen : 

Der T. V. Verein New York erkundigt sich nochmals nach 
Herrn Herbert Zwecks eventueller Aufnahme in den Verein. 

Der Vorort Philadelphia ersucht gleichfalls um Auskunft über 
Herrn Herbert und bittet dieselbe direkt an den T. V. New York 
zu senden. 

Der Vorort Philadelphia warnt in einem Rundschreiben an 
sämmtliche Technischen Vereine des Verbandes vor einem 
Schwindler, Eugen Ludl, Maschinen - Ingenieur und Elektro- 
Techniker. 

Unser früheres Mitglied, Herr Wansleben, ersucht um Wie- 
deraufnahme in den Verein. Durch Ballotage wurde Herr 
Wansleben einstimmig wieder aufgenommen und vom Präsidenten 
mit einer kurzen Ansprache herzlich willkommen geheissen. 

Herr H. Lässig hielt einen kurzen, doch sehr fesselnden Vor- 
trag über 

„Die Kerze als Gasfabrik.'' 

Vom Präsidenten, Herrn Prof. O. Fuchs, wurde eine im Jahre 
1863 von ihm auf's das sauberste und mit grosser Genauigkeit 
ausgeführte Zeichnung eines Monitors vorgezeigt und ent- 
sprechend erklärt. 



yereinS'Berichte. 37 

Wissenschaftliche Versammlung vom 20. Januar 1898. 

Anwesend 12 Mitglieder und 3 Gäste. 

Die Sitzung wurde 8.30 Uhr durch den Präsidenten Herrn 
O. Fuchs eröffnet. 

Das Protokoll der Sitzung vom 6. Januar wurde verlesen 
und angenommen. 

An Korrespondenzen waren eingegangen : 

Der Vorort Philadelphia ersucht um zeitige Einsendung der 
Protokolle und sonstiger Mittheilungen spätestens bis zum 15. 
Februar. 

Der T. V. New York sendet eine Einladung zu dessen am 29. 
Januar stattfindenden Stiftungsfest. Herr K. R. Sternberg erbietet 
sich den T. V. Baltimore dort zu vertreten, was mit Dank an- 
genommen wird. 

Hierauf wurde Herrn Th. Zwermann das Wort ertheilt zu 
seinem Vortrag über 

„Die Geschichte des Emaills und der Emaille-Technik''. 

Der Vortrag war äusserst interessant und enthielt sehr viel 
Neues und Wissenswerthes. Herr Th. Zwermann gab einen 
wohl durchgearbeiteten historischen Ueberblick der Entwicklung 
der Emaille -Technik von den ersten Anfängen bis zur gegen- 
wärtigen Zeit und wurde der Vortrag durch eine grosse Anzahl 
emaillirter Gegenstände erläutert. 

Der Präsident sprach Herrn Zwermann den Dank'des Vereins 
für seinen Vortrag aus. 

Das Komite reichte seinen Bericht resp. Abrechnung für den 
Familien-Abend ein. 

Am 22. Januar statteten ca. 16 Mitglieder des T.V. Baltimore 
den Baltimore Enamel Works, einer freundlichen Einladung des 
Betriebs -Ingenieurs derselben, Herrn Th.. Zwermann Folge 
leistend, einen Besuch ab. Herr Zwermann erklärte und zeigte 
in zuvorkommendster Weise die Einrichtung, den Prozess und die 
verschiedenen Erzeugnisse dieser bedeutenden Industrie. Die 
Anwesenden folgten mit grossem Interesse der Erklärung und 
waren auf's Höchste befriedigt von diesem Besuch. 



Qeschäfts-Sitzung vom 3. Februar 1898. 

Anwesend 11 Mitglieder und ein Gast. 

In Abwesenheit des Präsidenten Herrn O. Fuchs und des 
Vize-Präsidenten wurde Herr Zwermann als temporärer Vor- 
sitzender erwählt. Das Protokoll der Wissenschaftlichen Ver- 
sammlung vom 20. Januar wurde verlesen und angenommen. 

An Korrespondenzen waren eingegangen : 

Herr Prof. E. Fahrig, welcher seit ca. einem Jahre in New 
York wohnt, wünscht in den dortigen Technischen Verein über- 
zutreten und verspricht, in der Kürze im Techniker -Verein 
von Baltimore einen Vortrag über „Production von Formal Gas*' 
zu halten. 



38 



Mitthdlungen des D. A. T. K 



Der Technische Verein von Pittsburg sendet eine Einladung 
zu einer gesellschaftlichen Zusammenkunft am 29. Januar. 

Der Vorort Philadelphia ersucht darum, ihm alle entbehr- 
lichen Nummern der,, Mittheilungen", Jahrgänge 95-96 und 96-97, 
gefälligst zusenden zu wollen. 

Herr R. Sternberg berichtet über die freundliche Aufnahme, 
die ihm als Vertreter des T. V. Baltimore bei dem Stiftungsfest 
des T. V. New York am 29. Januar zu Theil geworden sei. 

Vorgelegt wurden eine grössere Anzahl eingegangener tech- 
nischer Zeitschriften. 

A. LOESER, Sekretär. 




yereinsnachrichten und Personalien. 39 



Vereinsnachrichten und Personalien. 



i Rudolph Bocrickc. 

Am 25. December 1897 verstarb infolge eines Unglücksfalles, 
welcher ihn auf einer Wasserfahrt betroffen, das Mitglied des 
Technischen Vereins von Philadelphia, Herr Ingenieur RUDOLPH 
BOERICKE. An dem im jugendlichen Alter Verstorbenen verliert 
der genannte Verein ein eifriges Mitglied und seine Fachgenossen 
einen Kollegen, der zu den besten Erwartungen berechtigte. 
Die Wiege desselben stand in Philadelphia, woselbst er am 
3. November I863 geboren wurde, zu seiner allgemeinen Aus- 
bildung die Quäker-Schule und eine Privatakademie besuchte 
und dann eine praktische Lehrlingszeit auf Cramp's Shipyard als 
Maschinist durchmachte. Später wurde Boericke Assistent- 
Ingenieur auf einem Schiffe der U. S. & Brazil-Mail-Steamship Co., 
in welcher Eigenschaft er häufige Fahrten nach Brasilien und 
anderen Südstaaten Amerikas mitmachte. Hiermit schloss er 
seine praktische Lehrzeit ab und nachdem er auf der Universität 
von Philadelphia das Maschinenbaufach studirt hatte, trat er als 
Zeichner in die Westinghouse Co. in Pittsburg ein. Seine darauf 
folgende Thätigkeit in der Firma Stein & Schwarz führte im Laufe 
der Zeit und nachdem der eine Compagnon, Herr Schwarz, ge- 
storben war, zum Eintritt Boericke's als Mitglied der Firma, 
welche fortan den Namen Stein & Boericke Ltd. annahm. Der 
Verstorbene hat sich eingehend dem Studium der Brennmaterialien 
gewidmet und viel dazu beigetragen, das Waschen und Briquet- 
tiren der Kohlen in Amerika einzuführen. 

Erst vor Kurzem, nach einjährigem Aufenthalt in Texas — 
woselbst Boericke für die genannte Firma mit Erfolg eine Braun- 
kohlen-Briquett-Anlage gebaut und in Betrieb gesetzt hatte — , 
nach Philadelphia zurückgekehrt, begab er sich zum Besuche 
seiner Verwandten, die ihn sehnlichst erwartet hatten, nach 
Malvaruh am See Senka. Bei einer Bootfahrt, die er in Gemein- 
schaft mit seinem Bruder Eduard machte, um eine Statue, welche 
die kunstbegabte Schwester geschaffen und die am See aufgestellt 
war, zu besichtigen, geriethen die Brüder in die Wellen eines 
vorüberfahrenden Dampfers, die das Boot zum Schwanken und 
durch hinzutretende Umstände zum Kentern brachten. Die Ver- 
unglückten wurden zwar noch lebend an's Ufer gebracht, doch 
verstarb Rudolph Boericke wenige Augenblicke darnach, beweint 
von seinen Angehörigen und betrauert von den vielen Freunden, 
die er sich durch sein stets liebenswürdiges Benehmen und ge- 
fälliges Wesen zu erwerben gewusst hatte. 

Der Verstorbene gehörte ausser dem Technischen Verein von 
Philadelphia dem FranUin Institute, dem Institute of Mining Engineers 
und dem Engineer Club of Philadelphia als Mitglied an. 



40 Mittheilungen des D. A, T, V. 

Die Fachgenossen und Freunde werden dem zu früh Dahin- 
gegangenen ein treues Gedenken bewahren. ,,Er ruhe in Frieden." 



Am 29. Januar brannte die in Philadelphia belegene Fabrik 
des Herrn GEORGE F. OTT total nieder. Die Ursache des 
Schadenfeuers, welches am Abend zum Ausbruch kam, ist nicht 
ermittelt worden und war dasselbe für den Besitzer, der sich 
gerade auf einer Geschäftsreise befand und erst in der Nacht 
zurückkehrte, eine sehr traurige Ueberraschung. Doch in ge- 
wohnter Thatkraft ging Herr Ott, nach Ueberwindung des ersten 
Schreckens, sofort daran, in der Nähe der Fabrik eine Office 
aufzumachen und nachdem die glücklicherweise geretteten 
Zeichnungen, Bücher etc. untergebracht waren, mit Ordnen des 
Geschäftes und Schaffung neuer Pläne für seine Arbeiten vor- 
zugehen. 

Die unter dem Namen „Progress'- Copper, Brass Sr Iron 
Works" bekannte Fabrik beschäftigt sich besonders mit Her- 
stellung von Brauerei-Betriebs-Einrichtungen, Eismaschinen etc. 
und geniesst dieselbe weit verbreiteten, besten Ruf. 



Herr WILLIAM MUESER, Korresp. Sekretär des Technischen 
Vereins New York, hat am 26. Januar eine Geschäftsreise nach 
Europa angetreten, von wo er in etwa sechs Wochen zurück- 
kehren wird. Wir wünschen glückliche Reise. 




Festtage in den Vereinen, 41 



Festtage in den Vereinen. 

Der Reigen der Winteryergnügungen des Pittsburger T. V. 
wurde am 4. Dezember mit einem gemüthlichen Familien- Abend 
eröffnet. Trotz des schlechten Wetters, es goss in Strömen, hatte 
sich eine stattliche Anzahl Mitglieder und Gäste rnit ihren Damen 
eingefunden. Dieser ,, starke Andrang" war wohl zum grössten 
Theil den eifrigen Bemühungen und Agitationen der Herren 
O. Rosenbaum und R. A. Skalweit zuzuschreiben, besonders legte 
der Letztgenannte eine rührende Theilnahme für das Zustande- 
kommen der kleinen Festlichkeit an den Tag, wofür ihm denn 
auch zu wiederholten Malen, während des Abends, Worte 
wärmste,r Anerkennung zu Theil wurden ; mit bekannter Schnei- 
digkeit und Hintenansetzung seines eigenen Ichs waltete er 
seines Amtes als Kassirer bezw. Stütze des Schatzmeisters. 

Das Programm war ein äusserst reichhaltiges. Gesang, 
Couplets und Violinsoli wechselten in bunter Reihenfolge mit 
einander ab, sogar eine Dichtung des unsterblichen Fritz Reuter 
wurde in der klassischen Sprache des Dichters von .einem echten 
Obotriten zum Vortrag gebracht. 

Nach Erledigung des ersten Theiles vergnügte sich die 
jüngere Welt beim Tanz und war es hauptsächlich hier, wo unser 
allbeliebter Oscar seine Lorbeeren errang und seinen guten 
Thaten die Krone aufsetzte. 

Währenddessen hatten sich einige der älteren Häuser im 
Nebenzimmer eine gemüthliche Ecke eingerichtet, woselbst sie 
sich als ,,Schlossergilde'* konstituirten, bei welcher Gelegenheit der 
grosse vom T. V., Philadelphia geschenkte Krug als Zunfthumpen 
oder ,, Willkomm** fleissig die Runde machte und von Meister und 
Gesellen wacker zugesprochen wurde. 

Die Zwischenpausen wurden durch allerhand lehrreiche und 
weise Gespräche sowie mit Butterbrod und Rundgesang aus- 
gefüllt. In wirklich hervorragender Weise zeichnete sich Herr von 
Aueberg p. p. aus, der die Anwesenden durch das, mit seiner 
klangvollen Stimme vorgetragene, ewig schöne Lied ,, Hundert 
Semester** in hohem Grade erfreute. 

S'geht halt nix über die Gemüfhlichkeit. 

Doch wie Alles auf diesem Planeten ein Ende nimmt, so 
muste auch dieser schöne Abend ein Ende nehmen. Nur höchst 
ungern, ,,der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe," 
trennte man sich zu vorgerückter Stunde mit dem allseitig aus- 
gesprochenem Wunsche : In einigen Wochen sehen wir uns 
wieder. 

Der Kommers. 

Kaum war das vorerwähnte kleine Fest verrauscht und ver- 
klungen, als die Alarmtrompete schon wieder ertönte, um mit 



42 Mittheilungen des D. A. T. K 

lustiger Fanfare die Mitglieder zu fröhlichem Thun zusammen zu 
rufen, zu dem traditianellen Weihnachts-Kommers, dem ,, Kar- 
neval der Geistesheroen." * 

Derselbe fand am 19. Dezember im kleinen Saale der 
Central Turnhalle statt und war ein glänzender Erfolg, im 
vollsten Sinne des Wortes. 

Punkt 9 Uhr rief v. Aueberg p. p. die Corona zur Ruhe und 
Hess auf das Blühen, Wachsen und Gedeihen des T. V. Pittsburg 
einen kräftigen Salamander reiben, der äusserst flott klappte. 

Nach dem, mit grosser Verve gesungenem, Liede „Ergo 
bibamus*' wurde die von Dr. K. F. Stahl redigirte Bierzeitung 
unter allgemeinem Jubel und Beifall verlesen ; der Dokter hatte 
mit Zuhülfenahme von „Forster Jesuitengarten" wirklich Gutes 
geleistet und bewies unwiderlegbar, dass er sehr wach gewesen 
war. Nach Verlesung der Zeitung wurden einige, von abwesenden 
Mitgliedern eingelaufene Briefe zur Kenntnissnahme gebracht, 
auch ein von hoher Stelle in Berlin eingetroffenes Schreiben an 
unsern Präsidenten, Herrn Ph. Lange, wurde verlesen. 

Es folgte dann das ,, Ordenskapitel der Ritter von der ge- 
heimnissvollen Reisschiene,** welches mit einem von Herrn 
V. Beutner gedichteten Lied (wohl das Meisterwerk des genannten 
Herrn) eingeleitet wurde. Im Ganzen gelangten 12 Orden zur 
Vertheilung. von denen die, den Herren Rosenbaum und 
Droehmer überreichten, wohl die Gelungensten waren. 

Hierauf erschien Luetscher auf der Bildfläche und schoss mit 
seinen Beduinen und seiner Odaliske aus altem, ägyptischem 
Adelsgeschlecht, deren blaues Blut man durch die zarte Haut 
schimmern sah, den Vogel ab. Die Tanzleistungen der Be- 
treffenden waren einfach ,,Non plus ultra.** 

Nachdem Herr v. Aueberg p. p. noch eine schreckliche 
Mordgeschichte vorgetragen (leider gelang dieselbe nicht voll- 
ständig, ob dieses an der schlecht gestimmten Guitarre lag oder 
an den vielen Ganzen, die der Genannte als Präsidium der Corona 
vorgekommen, möge dahin gestellt sein) folgte ,,Initium fideli- 
tatis.** Die vorhersehende frohe Stimmung hielt die Mitglieder 
noch lange zusammen, es hatten die Hähne in der Nachbarschaft 
schon bedenklich oft gekräht, als Dr. Stahl als letzter Offizieller 
die Halle schloss und mit Würde und einem ihm nicht gehörenden 
Hute seinen heimathlichen Fluren zuschritt. 

Der Kommers des Jahres 1897 gehörte zu den gewesenen 
Dingen. — ,,Vivat sequensl** 

Ordenskapitel. 

Lied. Mel.: „Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd.'* 

I. Vorbei ist die Jugend, entschwunden die Zeit, 
Da die Bmst ohne Plagen und Sorgen 
Nur dachte des sausenden, brausenden Heut*, 
Sich nicht kehrte an's Gestern und Morgen, 
Die Zeit, da stets der sonnige Tag 
Durch Nacht und Wolken strahlender brach. 



Siehe „Pittsburger Neue Welt*' 



Festtage in den Vereinen. ' 43 

2. Wo das junee Herze in feuriger Kraft 
Hing am Hohen, am Edlen im Leben, 

Wo der Geist durchbrach die beengende Haft 
Des Gemeinen im haltlosen Streben, 
Und liess, was beengende Fesseln trug, 
Zurück in rauschendem Adlerflug. 

3. Das Leben in kalter Grausamkeit 
Hat zerstört nun mit schroffem Gebote, 
Was einst in unnennbarer Seligkeit 
Die Brust zu zersprengen uns drohte. 
Weil das Herze niedere Sorge engt, 
Nach irdischen Schätzen Alles drängt. 

4. Und bedrückt von Sorgen führt emsig und bang 
Manche Hand nun Zirkel und Schieber, 

Die einst in goldener Jugend schwang 
Den Humpen und blitzenden Hieber ; 
Es rostet aer Schläger, das Band verblich. 
Des Sommers Sonne der Herbstnacht wich. 

5. Doch nimmer kann des Schicksals Wuth 
Zerstören dem muthigen Manne 

Die ruhige Kraft und den furchtlosen Muth, 

Auch im Winter grünet die Tanne. 

Wenn auch kalt das Herz, wenn auch grau das Haar, 

Er ficht weiter für Alles, was echt und wahr. 

6. Und wenn dann in schwärmendem Bruderkreis 
Der Wein wieder funkelt im Becher 

Da sprüht sein Auge, dann brennt wieder heiss 

In der Brust das Herze dem Zecher, 

Und weltvergessen träumt er zurück 

Der seligen Jugend entschwundenes Glück. 

7. So wollen zum Ordenskapitel wir jetzt 
In alter Jugendlust schreiten. 

Das uns im Flug* der Gedanken versetzt 

In die frohen vergangenen Zeilen : 

Erhebt euch, ihr Zecher, und schwingt euren Krug, 

Auf's Ordenskapitel 'nen wackeren Zug. 

VICTOR BEUTNER. 



Der Techrfische Verein von Philadelphia hat von Alters her 
zwei Festtage im Jahre, an denen eine grössere Zahl seiner Mit- 
glieder lebhaften Antheil nimmt; es sind dies ddiS Stiftungsfest wnäi 
der Weihnachtskommers, Letzterer war in diesem Jahre auf den 
18. Dezember festgesetzt und gehörte derselbe zu denjenigen 
Festveranstaltungen, bei denen der Berichterstatter in der an- 
genehmen Lage ist, mit wenigen Worten seiner Pflicht zu genügen. 
Der Verlauf des Festes lässt sich nämlich mit dem kurzen Satze 
schildern : „Es war Alles im höchsten Grade gelungen!" 

Einige nähere Angaben mögen jedoch diesen im Lapidarstyle 
gehaltenen Bericht ergänzen. 

Zur Festfeier hatten sich etwa 50 Herren, meist Mitglieder 
des Vereins, in dem einfach, mit Guirlanden geschmückten 
grossen Vereinssaal zusammengefunden. Herr H. SCHMALTZ 



44 Mittheilungen des D. A. T. V. 

führte den Vorsitz. Um 8 Uhr begann der Kommers, welcher 
programmmässig um 12 Uhr sein Ende erreicht haben sollte, doch 
wurde diese Stunde weit überschritten, da weder die gebotenen 
Unterhaltungen noch die Lust, daran theilzunehmen, in der fest- 
gesetzten Zeit erschöpft waren. 

Die Namen aller Derjenigen zu nennen, welche dazu bei- 
trugen, dem Feste zum Gelingen zu verhelfen, sei dem Bericht- 
erstatter erlassen ; er wäre sonst gezwungen, eine lange Liste 
aufzuführen und dabei könnte es ihm dann leicht passieren, dass 
er doch den Einen oder Anderen zu nennen vergässe, was ihm 
und vielleicht auch den Betreffenden nicht recht wäre. 

Hervorgehoben aus der Reihe des Dargebotenen sei, dass 
ein lichtstrahlender Weihnachtsbaum nicht fehlte und dass 
Schnitzelbank, Morithat, Vokal- und Instrumental- sowie dekla- 
matorische Vorträge, eine Kneipzeitung (herausgegeben zum 
Besten der Bibliothekskasse) nebst Supplement und noch ver- 
schiedene andere Unterhaltungen, wie Tanzdivertissement etc*, 
und endlich auch eine Vertheilung urkomischer Geschenke, den 
Erschienenen so viel Stoff zur Erheiterung boten, dass keine Zeit 
blieb, Reflektionen anzustellen über die Berechtigung zu so über- 
schäumender Lustigkeit in Anbetracht der noch immer schlechten 
Geschäftsverhältnisse, die unstreitig auch auf den Stand der 
Techniker lähmend einwirken. Und somit war wohl der Haupt- 
zweck der Weihnachtsfeier auf das Beste erfüllt und gebührt 
Allen, die an deren Gelingen mitgearbeitet haben, herzlichster 
Dank. Erwähnt sei auch noch, dass der Brudervereine Pittsbufg 
und Brooklyn, welche ihre guten Wünsche eingesendet hatten, 
freundschaftlichst gedacht wurde. 

Gleichsam als Nachfeier zum Weihnachtsfest veranstaltete 
der Verein am I5. Januar ein Familienfest, welches stark besucht 
war und auf welchem von Anfang bis Ende fröhliche Feststimmung 
herschte. 



22. Stiftungsfest des Technischen Vereins New York. 

Im festlich geschmückten Vereinslokale feierte der Technische 
Verein New York am Abend des 29. Januar sein 22. Stiftungsfest 
durch einen wohlgelungenen Festkommers — ohne Damen, deren 
Abwesenheit jedoch wahrscheinlich dazu beigetragen hat, die 
richtige ungezwungene Gemüthlichkeit und den würzigen Humor 
zum Vorschein zu bringen, welche die Grundbedingung für das 
Gelingen eines derartigen Festes sind. Das von unsrem Mitglied 
JOH. Hladik entworfene und künstlerisch ausgeführte, illustrirte 
Programm enthielt eine reiche Auswahl von humoristischen und 
Gesangs vortragen, Toasten und allgemeinen Liedern zur Be- 
friedigung von Herz und Gemüth. 

Eröffnet wurde das Fest gegen 9 Uhr durch eine schwung- 
volle Begrüssungsrede des Präsidenten LEOPOLD KaCZANDER. 



Festtage in den Vereinen. 45 

Er hiess alle Anwesenden herzlich willkommen und betonte, dass 
es bei Stiftungsfesten sonst üblich sei, eine kurze Geschichte des 
Vereins zu liefern, die Kämpfe der Vergangenheit zu schildern 
und der Hoffnung für die Zukunft in möglichst verheissungsvollen 
Worten Ausdruck zu verleihen. Von dieser Gepflogenheit wolle 
er jedoch für diesmal absehen, weil ein kleiner Verein wie der 
T. V. N. Y., dessen Lebensschiff gewöhnlich in ruhigem Fahr- 
wasser segle, bei einem jährlich wiederkehrenden Stiftungsfeste 
nur wenige besondere Ereignisse durchlebt hat, welche zur 
Reflexion auffordern, und schon oft Erzähltes und längst Bekann- 
tes zu wiederholen sei weder interessant noch erheiternd. Der 
heutige Abend solle ausschliesslich der heiteren, frohen Laune 
einer kurzen, sorglosen Gegenwart gewidmet sein, bei der wir 
nicht hinter uns blicken und die Zukunft ganz ruhig abwarten, 
im Bewusstsein erfüllter Pflicht, ohne prophetische Betrachtungen 
anzustellen, bei denen man, nebenbei gesagt, sehr häufig ganz 
,, unprophetisch hereinfalle". 

Fortfahrend sagte Redner: ,,Doch kann ich nicht umhin, 
ganz kurz auf zwei Punkte hinzuweisen, welche für den Verein 
von Wichtigkeit sind. Der eine betrifft die Betheiligung der Mit^ 
glieder an den Vereinsabenden, welche alles zu wünschen übrig 
lässt. Die besten Bestrebungen der Vereinsleitung müssen 
resultatlos bleiben und die Ambition, etw|is zu leisten, wird er- 
stickt, wenn nicht die Gesammtheit der Mitglieder mit dem Ver- 
waltungsrath harmonisch zusammenwirkt und ihre Ueberein- 
stimmung mit den und Unterstützung der Bestrebungen der 
Vereinsleitung nicht durch aktive Betheiligung an den Vereins- 
abenden dokumentirt. Mit dem Entrichten der Beiträge sind die 
Pflichten der Mitglieder nicht erfüllt. Wir wollen die Herren 
selbst hier sehen, so oft und so zahlreich als möglich ; denn nur 
dadurch werden die Sitzungen lebhafter, anregender und nur so 
kann der Verein wirklich blühen und gedeihen. 

Der zweite Punkt betrifft die wissenschaftliche Thätigkeit 
des Vereins. Die Herren, welche bereits im Verwaltungsrath 
gesessen haben, wissen, wie schwer es ist, Miglieder, welche 
autoritativ über technische Gegenstände sprechen könnten, zu 
Vorträgen zu bewegen. Ich will nicht die Gründe für diese 
Thatsache erörtern; es genügt, zu konstatiren, dass dieselbe 
besteht und es dem Verwaltungsrath sehr schwer macht, Vor- 
tragsabende zu besetzen. Nun kann aber der Verein in anderer 
Richtung eine wissenschaftliche Mission erfüllen, welche viel- 
leicht Wünschenswerther ist als die gegenseitige Belehrung, und 
das ist die Belehrung nach aussen, die Verbreitung populär tech- 
nischen Wissens unter Nichttechnikern. Ein in jSier Beziehung 
gelungener Anfang wurde in dieser Richtung mit dem Vortrage 
des Herrn Col. Waring gemacht, der sehr gut besucht war. 
Die Aufgabe ist eine schwere, weil unsere Mittel hauptsächlich 
räumlich beschränkt sind ; doch mit Ausdauer und Beharrlichkeit 
kann der Verein auf diesem Gebiet eine weite, dankbare Thätig- 
keit entwickeln." 



1 



46 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Nach diesen kurzen, ernsten aber wohlgemeinten Betrach- 
tungen forderte der Redner mit einem kräftigen ,, Prosit*' die 
Anwesenden auf, durch frohe Laune, kecken Witz und Humor 
das Arrangements - Komite in dem Bestreben zu unterstützen, 
den Abend, zu einem gemüthlichen zu machen, und begrüsste so- 
dann Herrn KURT STERNBERG, der als Vertreter des Technischen 
Vereins Baltimore anwesend war, sowie die anderen Gäste. 
Erwidernd dankte Herr STERNBERG für die freundliche Begrüssung 
und überbringt in herzlichen Worten die Grüsse und Glück- 
wünsche seines Vereins an den Technischen Verein New York, 

Die gemüthliche Stimmung fing nun an zum Durchbruch zu 
kommen und es entwickelte sich das feuchtfröhliche Kommersiren 
in einer Art und Weise, welche bewies, dass die deutschen Tech- 
niker in Amerika den alten deutschen Komment nicht vergessen 
haben. Zwischen den allgemeinen Liedern folgten in rascher 
und angenehmer Abwechslung ausgezeichnete Gesangs- und 
deklamatorische Vorträge der liebenswürdigen Gäste, der Herren 
DeBlank von der Metropolitan Opera Co. und SCAFF vom 
Irving Place Theater, sowie gelungene humoristische Gesangs- 
vorträge unserer Mitglieder Max Werner und JOH. Hladik, 
welche den originellen Text speziell für dieses Fest verfassten. 
Aber es fehlte auch nicht an manch kernigen und ernsteren 
Sorten, und der frühere Präsident, Herr Paul GOEPEL, einer der 
Gründer des Vereins, dessen Verdienste um den Verein ja wohl- 
bekannt sind, benützte die Gelegenheit, um in einer längeren 
Ansprache einen Rückblick zu werfen auf die Gründung und 
Entwicklungsgeschichte des T. V. N, Y. im Besonderen und des 
Verbandes im Allgemeinen, auf die Ziele und Bestrebungen hin- 
zuweisen, welche die Gründer im Auge gehabt hätten, und schloss 
mit dem Wunsche, dass diese alten und gesunden Ideen auch 
fernerhin beibehalten werden mögen. 

Darauf folgte ein gemeinsames, sehr gut zubereitetes ,, mitter- 
nächtliches** Souper, während dessen Verlauf einige schwungvolle 
Toaste ausgebracht wurden. Herr Kaczander toastirte auf die 
Gründer und ,, Alten Herren", welche den kräftigen Stamm unter 
den Mitgliedern des Vereins bilden, und forderte die jüngeren 
Mitglieder auf, dem guten Beispiel dieser ,, alten Herren" nach- 
zueifern. 

Dann erhielt Herr Jul.Spiro das Wort zu einer in trefflichen 
Worten gehaltenen Anrede über : „Der Einfluss des deutschen Tech- 
nikers auf die industrielle Eniwickelung dieses Landes, die Gründung 
der deutschen technischen Vereine und des Verbandes." Er betrachtet 
den T. V. N. Y., der heute sein 22. Stiftungsfest begeht, als einen 
Zweig des segensreichen Baumes, den die deutsche Ingenieur- 
kunst in einem fremden Lande gepflanzt habe, und gedenkt der 
Pioniere unter den deutschen Technikern und der fruchtbaren 
Thätigkeit der Gründer des Verbandes. Er giebt der Hoffnung 
Ausdruck, dass der Verband, welcher in 1892 seine höchste Blüte 
erreichte, in den letzten Jahren jedoch an Mitgliederzahl abnahm, 
durch die sich bessernde Geschäftslage bald wieder dahin gebracht 



Festtage in den Vereinen. 47 

werde, selbst das Bannerjahr 1892 überflügeln zu können. Ganz 
besonderen Nachdruck jedoch legte der Redner darauf, dass der 
Verband mehr in die Oeffentlichkeit treten solle und die ameri- 
kanische Welt wissen lasse, über welch treffliches Material der- 
selbe verfüge. Er erwähnt als besonders lobenswerth das Vor- 
gehen des Technischen Vereins von Chicago, dem es schon ge- 
lungen sei, Korporationen und Private von seiner Kompetenz der- 
art zu überzeugen, dass er um Abgabe von wissenschaftlichen 
Gutachten oder Erklärung von technischen Fragen ersucht wurde. 

Fortfahrend sagte er: ,,Also hinweg mit der Bescheidenheit, 
die uns in engen Grenzen hält, und trachten wir darnach, in der 
Oeffentlichkeit als ein grosser und massgebender Verband zu er- 
scheinen, dessen Wort und Stimme in der technischen Welt Gehör 
findet, und lassen Sie uns nicht eher ruhen, bis der Verband eine 
dem Repräsentanten der deutschen Technik in Amerika gebüh- 
rende Stellung sich errungen hat. Sind wir einmal auf dieser 
Stufe angelangt, so wird es uns auch viel leichter sein, dem neu 
angekommenen Ingenieur bei der Erlangung von Stellung mit 
Erfolg behilflich sein zu können.*' Er schloss mit einem kräftigen 
Salamander auf das Wohl und Gedeihen des Verbandes. 

Der offizielle Theil des Festes war damit beendigt und in dem 
nun folgenden gemüthlichenTheil machte sich der sehr erfreuliche 
Umstand bemerkbar, dass der Verein unter seinen Mitgliedern 
eine Reihe tüchtiger Künstler besitzt. Dieselben brachten eine 
Anzahl von Vorträgen zu Gehör, voll des köstlichsten und 
würzigsten Humors, und es war nicht zu verwundern, dass, nach- 
dem ^,der Schwärm sich verlaufen hatte, die „Ritter von der Gemüth- 
lichkeit" noch bis zu früher Morgenstunde an traulicher Tafelrunde 
beisammen blieben. 

Das Stiftungsfest wurde von allen Theilnehmer als eines der 
gelungensten betrachtet, die der T. V. New York je gefeiert hat, 
und die Herren JUL. SPIRO, J. Hladik, Max Werner, Carl 
Kaelble und JoHn Schaefer, welche das Arrangements-Komite 
bildeten, haben sich die vollste Annerkennung des Vereins ver- 
dient. Victor Kops, prot. Sekretär. 



Am 18. Januar fand im Vereinslokale des deutschen T. V. 
Baltimore ein gemüthlicher Familien - Abend statt, an welchem 
sich Damen und Herren betheiligten. Die Halle war in den 
deutschen und amerikanischen Landesfarben geschmackvoll 
dekorirt. Der Abend wurde bei launigen Reden, humoristischen 
Vorträgen und Liedern in angenehmer Weise verbracht, wozu ein 
vorzüglicher Lunch und ausgezeichneter ,, Stoff** das nöthige 
Fundament lieferte. Das Arrangementskomite bestand aus den 
Herren Loeser, Kreckel und Boettger. Der Abend trug viel dazu 
bei, die Damen besser miteinander bekannt zu machen und gab 
ihnen eine Idee, wo und in welcher Weise die Herrn nach Schluss 
des wissenschaftlichen Theiles die Vereinsabende verleben. 



48 Mittkeilungen des D. A, T. K 

Auf dem am 5. Februar yon New York nach Genua ab- 
gefahrenen Dampfer ,, Kaiser Wilhelm II." traten Herr und Frau 
Otto Heeren aus Pittsburg eine Erholungsreise nach Italien an. 
Herr Otto Heeren hofft in dem milden Klima der Riviera wieder 
völlige Genesung zu finden und im Frühling gestärkt nach der 
Heimath zurückzukehren. Die besten Wünsche des Pittsburger 
Technishen Vereins begleiten ihn. 



Das Technikum Mittweida, ein unter Staatsaufsicht stehendes, 
höheres technisches Institut zur Ausbildung von Elektro- und 
Maschinen-Ingenieuren, Technikern und Werkmeistern zählte im 
vergangenen 30. Schuljahr 1698 Besucher. Unter den Geburts- 
ländern der Besucher bemerken wir Staaten aller 5 Erdtheile, 
ebenso gehören die Eltern der Studierenden den verschiedensten 
Ständen, namentlich aber dem der Fabrikanten, Ingenieure, Bau- 
gewerke, Beamten und Kaufleute an. Der Unterricht in der 
Elektrotechnik ist auch im letzten Jahre wieder erheblich er- 
weitert und wird durch die reichhaltigen Sammlungen, Labora- 
torien, Werkstätten und Maschinenanlagen etc. sehr wirksam 
unterstützt. Das Sommeesemester beginnt am 19. April und es 
finden die Aufnahmen für den am 21. Mäez beginnenden unent- 
geltlichen Vorunterricht von Anfang März an wöchentlich statt. 
Ausführliches Programm mit Bericht wird kostenlos vom 
Sekretariat des Technikum Mittweida (Königreich Sachsen) ab- 
gegeben. Das Technikum Mittweida erhielt anlässlich der 
Sachs. -Thür. Ausstellung zu Leipzig die höchste Auszeichnung, 
die Köngl. Sächsische Staatsmedaille. 




MITTHEILUNGEN 

des 

Deutsch-Amerikanischen 

Techniker -Verbandes. 

(National Association of German-American Teclinologists.) 

PUBLISHBD BI-MONTHLY. 

yoL IIL APRIL, 1898. No. 4. 

Das Email und das Emaillieren« 



Vortrag des Herrn Theo. Zwermann im Verein Baltimore, Md. 



Unter Email versteht man einen Glasüberzug auf einer 
festen Unterlage, welcher durch eine bis zur Schmelzhitze des 
Glases erhöhte Temperatur in Fluss und hierdurch mit der 
Unterlage in eine so innige Verbindung gebracht wird, dass die 
letztere mit dem Ueberzuge einen festverbundenen Körper bildet. 
Schon aus dieser Erklärung geht hervor, dass die Unterlage aus 
einem Stoffe bestehen muss, welcher, ohne eine Aenderung zu er- 
leiden, diejenige Temperaturerhöhung ertragen kann, welche zum 
Flüssigwerden des Glases respt. des Emails nöthig ist. Organi- 
sche Körper sind also von vornherein ausgeschlossen. Es blei- 
ben somit gewisse Steinarten, keramische Producte und Metalle. 

In der Technologie werden die glasigen Ueberzuge auf die 
beiden erstgenannten Gattungen, mögen dieselben zum Schutz 
oder zum Schmuck dienen, im Allgemeinen dem Gebiet der Kera- 
mik zugezählt. Der Gegenstand meines heutigen Vortrags wird 
jedoch das Email auf Metall sein. 

Von dem neuerdings aufgetauchten Missbrauch des Wortes 
"Email" für gewisse dem Glasschmelz ähnliche pastose Lak- 
üher^üge, zu welchem vielleicht, die in der Technik angewende- 
ten Lakarbeiten der Ostasiaten Anlass gegeben haben, nehme 
ich keinerlei Notiz. 

Die Eintheilung des Emails, in den verschiedenen Erschein- 
ungsformen, lässt sich folgenderweise vornehmen : Erstens, 
nach dem zum Ueberzug verwendeten Glasfluss ; zweitens, nach 
der Art seiner Anwendung. 



2 Mittheilungen des D. A, T. y. 

Bei der ersteren Gattung, unterscheiden wir durchsichtigen 
Glasfluss, welcher den Untergrund deutlich erkennen lässt, oder 
sogenanntes translucites Email, und undurchsichtigen Glasfluss, 
welcher den Grund unsichtbar macht, oder opakes Email. 

Bei der Anwendung des Emails in dem Kunstgewerbe, theilt 
man dasselbe in Goldschmiede-Email und Maler-Email. Das Er- 
stere umfasst diejenigen Arten der Anwendung, bei welchem das 
Email als ein Hülfsmittel des Goldschmiedes erscheint, das 
zweite, oder das sogenannte Maler-Email dagegen solche Werke 
der Schmelzkunst, welche als selbstständige Kunstwerke er- 
scheinen, wobei natürlich nicht ausgeschlossen ist, dass diesel- 
ben auch als selbstständige Beiwerke zum Schmuck von Edel- 
schmiedearbeiten verwendet werden können. 

Das Goldschmiede-Email wird nach der Art seiner Ausfüh- 
rung in eine Anzahl Unterabtheilungen zerlegt : 

a) In die Metallfläche werden zur Aufnahme des Emails 
Vertiefungen hineingearbeitet, was in alter Zeit mit dem Grab- 
stichel, in neuerer Zeit, durch Tiefätzung oder mechanische 
Pressung, Prägung oder Guillochirung geschieht. Die entstan- 
denen Vertiefungen oder Gruben, wurden in ältester Zeit mit 
je einer Farbe von Email ausgefüllt, so dass der Eindruck der 
Arbeit an Mosaik erinnerte, erst beim Fortschreiten der Technik, 
lernte man in dieselbe Grube, verschiedene Farben einzufüllen, 
deren mehr oder weniger beabsichtigten Verlaufens ineinander, 
einen wesentlichen Theil des Effectes bildete. Diese Gattung 
führt den Namen Grubenschmelz oder '* Email Champleve.'* 

Eine zweite Abtheilung ist diejenige auf reliefiertem Grund, 
der mit dem Grabstichel in flachem Relief, welches durch das 
blanke Metall in seiner Wirkung gesteigert wird, ausgeführt zu 
werden pflegt. . Die in verschiedenen Farben in diese Vertiefun- 
gen gebrachte Schmelzfarbe lässt je nach ihrer grösseren oder 
geringeren Dicke den Metallgrund heller oder dunkler durchschei- 
nen. Diese Art wurde von den Italienern, welche sich die 
Erfindung zuschreiben, Email de hasse taille oder Email translucide 
sur ciseleur en r^/i^/ genannt. 

h) Zellenschmelz oder Email classone, dieser Schmelzüberzug 
ruht ganz auf der Oberfläche des Metalls, wird aber aus Gründen 
der leichteren Herstellung, oder der besseren Wirkung in klei- 
nere Abtheilungen, Zellen, Domunculi, welche durch feine, auf 
dem Metallgrund aufgelöthete Metallstreifen oder Drähte gebildet 
werden, gefüllt. Hierher gehört auch das Draht oder Filigran 
Email, wobei die durch Filigranfäden gebildete Figuren mit Schmelz 
ausgefüllt werden. Zu diesem gehört ebenfalls der frühmittel- 
alterliche, rheinische Grubenschmelz, der in ausgehobenen Gru- 
ben von grösserer Ausdehnung, durch eingesetze Drahtzellen 
getheilt und mit Email ausgefüllt wurde, und den Namen ge- 
mischtes Email oder Email mixte trägt. 

Dann ist noch zu dem Goldschmiede-Email zu rechnen, die 
Emaillirung von kleinen Hochreliefs oder Freifiguren in Gold, 



Das Email und das Emaillieren. 3 

welche in der Bijouterie vom 16. Jahrhundert auftritt und 
Emaü de ronde bosse heisst. 

Ebenfalls will ich hier, die etwas sagenhafte Gruppe des 
Fensterschmelzes Email a Jour erwähnen. Man hat sich das so 
vorzustellen, wie ein kräftiges Filigran ohne Unterlage, dessen 
Zwischenräume mit durchsichtigem Schmelz derart angefüllt 
sind, dass durch dieselben das Licht wie durch ein Fenster hin- 
durch scheint. 

Das Vorkommen von Verwechselungen ist bei diesem Ver- 
fahren mit geschnittenen Stücken farbigen Glases, die in Metall- 
fassungen eingesetzt sind-, erklärlich, indem dieses Email Aehn- 
lichkeit damit hat. 

Die bisher von mir besprochenen Gattungen von Email 
wurden durchschnittlich zur Ausschmückung von Goldschmiede- 
arbeit verwendet und reiht sich an dieses als zweites das Maler- 
Email an. Bei diesem werden die metallenen Unterlagen voll- 
ständig mit einer Lage einfarbiger Email überzogen, welche als 
Malgrund dient, um darauf mit dem Pinsel in verschiedener 
Art der Technik mit Schmelzfarben Darstellungen auszuführen, 
die durch Einbrennen mit dem Grund zu einer Masse zusam- 
menschmelzen. 

Hiermit habe ich in gedrängter Kürze die Hauptklassen 
der Schmelztechnik, welche der Kunst und dem Kunstgewerbe 
angehören, besprochen. 

Dass aber ausserdem der Schmelzüberzug auf Metall, beson- 
ders auf Eisen und Stahl, in der Technik eine ungeheuer grosse 
Rolle spielt und bedeutende Industrien erzeugt hat, darauf werde 
ich im Verlauf meines Vortrages noch näher eingehen. Erwähnt 
sei hier gleich die Uhrzifferblatt-lndustrie, bei welcher meist 
weisses Email auf Kupfer oder Edelmetall erzeugt wird. 

Ich will jetzt eine sehr kurzgefasste Wiedergabe der Ge- 
schichte des Emails geben. 

Die Erfinder des Emails werden wohl ebenso, wie die- 
jenigen der meisten technischen Künste, im Dunkel der vorge- 
schichtlichen Zeiten verborgen bleiben. Sicher ist, dass diejeni- 
gen Völker, die wir als Urvölker zu bezeichnen pflegen, Glas- 
fritten erzeugt haben, die durch Beimischung von Metalloxyden 
und Metallsalzen (Sulphateri) undurchsichtig und farbig gemacht 
wurden. Persien, Indien, China und Japan müssen von Alters 
.her im Besitze einer sehr ausgedehnten Schmelztechnik gewesen 
sein. Der älteste nachweisbare Beleg von dem Vorhandensein 
eines Glas- oder Emailflusses, liefern uns die glasirten Backsteine 
an dem Belustempel in Aegypten, dessen Alter auf 12,000 Jahre 
geschätzt wird. Das älteste Beispiel von emaillirten Metallgegen- 
ständen ist ein .Stück Email Champleve, dasselbe befindet sich im 
Louvre Museum in Paris und ist altaegyptischer Herkunft. Es 
ist dies ein in Gold modellirter Geier mit Widderkopf, welcher in 
den Klauen das Nilsiegel hält. Ferner sind noch weitere werthvolle 
Fundstücke altaegyptischen Ursprungs vorhanden, z. B. eine 
Pectorale König Ramses des zweiten. Genügende Beweise sind 



4 Mittheilungen des D, A.T. V. 

vorhanden, dass die Emailetechnik von Aegyptern, Assyrern und 
Graecoitalern in umfassenster Weise verwandt wurde. 

Auf die Frage ob die Griechen das Email gekannt und ange- 
wandt haben, knüpft sich ein Streit über die Bedeutung des 
griechischen Wortes Electron. Ursprünglich wohl unzweifelhaft 
Bernstein bedeutend, ist dieses Wort von mittelalterlichen 
Schriftstellern unbestritten in der Bedeutung von Email gebraucht 
worden. Es ist schwer begreiflich, wie über das hohe Alter die- 
ser Incrustations Manier, das sogenannte Email Champleve, 
Zweifel erhoben werden konnte, da doch genügende Beweise 
vorhanden sind, dass sie gleichmässig von Aegyptern, Assyrern 
und Graceoitalern angewandt wurde. Auch beweisen die aegyp- 
tischen Bronze- und Goldschmiedearbeiten mit eingelegten 
Schmelzen, sowie die etruskischen und griechischen Fundstücke 
im britischen Museum und sonst, zur Genüge, die Herstellung 
dieser Artikel von jenen Völkern. Indess bleibt viel Wahres 
daran, dass die harte feuerfeste Schmelzmalerei auf Metall, dem 
Genius der Griechen nicht zusagen mochte und sie daher auch 
wohl unter den Römern als barbarische Erfindung galt. Dass 
die gallo-romanischen Bewohner der Küsten der Nordsee wirklich 
grosses Geschick und einen gewissen eigenthümlich barbarisiren- 
den Kunstgeschmack in der Schmelzarbeit besas3en, scheinen 
höchst interessante, dahin bezügliche, in Frankreich und Eng- 
land gemachte Funde zu bestätigen. 

Wenn wir auch zugeben müssen, dass unsere Kenntniss von 
der Verwendung des Emails in der alten Welt auf schwachen 
Füssen steht und sich auf wenig, schwierig zu untersuchende 
Reste und auf umstrittene Schriftstellen stützt, so neigt man 
doch neuerdings zu der Annahme, dass an ein vollständig Ver- 
lorengehen dieser Technik in der Augustäischen Zeit und eine 
Wiederentdeckung an zwei von einander unabhängigen Stellen, 
einmal bei den Celtischen Barbaren, dann am Hofe der oströmi- 
schen Kaiser, nicht zu denken ist. Die Gräberfunde, welche in 
den letzten Jahrzehnten an vielen Orten gemacht wurden, weisen 
zur Genüge darauf hin, dass für die um das Mittelmeer gelegenen 
Länder in der Emaillefabrikation eine Unterbrechung von mehreren 
Jahrhunderten, unmittelbar vor und nach unserer Zeitrechnung 
nicht angenommen werden darf. Die Fundstücke des sogenann- 
ten barbarischen Emails, welche nach den mit ihnen zusammen- 
gefundenen Münzen und Medaillen, die Zeit von Beginn unserer 
Zeitrechnung bis um die Mitte des dritten Jahrhunderts umfasst, 
zeigen eine vollständige Abweichung der Ornamentirung und 
kann man nicht umhin diese als eine selbstständige Gruppe in 
der Schmelzkunst anzuführen. Der Umstand, dass die Gräber- 
funde in fast allen nordeuropäischen Ländern, nirgends aber im 
Bereich der alten Culturvölker, gemacht worden sind, haben, ge- 
stützt auf die Schriftstelle des Philostratus, dazu geführt, diese 
Gruppe als das Email der Barbaren zu bezeichnen. Die Schrift- 
stelle lautet in der Uebersetzung : Man sagt, dass die Barbaren 
am Oceanos, diese Emaillen dem glühenden Erze aufgiessen. 



Das Email und das Emaillieren. 5 

dass dieselben fest zusammen halten und steinhart werden, und 
erhalten was gezeichnet oder gemalt war. Das gemeinsam unter- 
scheidende Merkmal dieser Schmelzarbeiten, welches namentlich 
e'me Verwechselung mit denen aus Byzanz ausschliesst, ist, dass 
es durchaus Grubenschmelz auf unedelen Metallen, Bronze und 
Kupfer ist und die Farbenpallette schon eine ziemlich reiche ist ; 
denn sie umfasst schon weiss, schwarz, blau, eisenroth, gelb, 
orange und grün. Die Ornamentik ist eine sehr primitive, sie 
bewegt sich in Kreisen, Quadraten, Dreiecken, graden und huf- 
eisenförmigen Linien respt. Streifen, und erinnert fast nie an 
irgend ein Element der antiken Ornamentik. 

In Byzanz, der Hauptstadt des oströmischen Reiches, in wel- 
cher ein mit orientalischer Pracht ausgestatteter Kaiserhof die 
Reste altgriechischer Kunstfertigkeit, dem christlichen Glauben 
dienstbar gemacht hatte, war vom fünften Jahrhundert an der 
Zufluchtsort aller bildenden Künste und Luxusindustrien gewor- 
den. Während die auf italienischen Boden erwachsene Cultur 
unter wechselnder Herrschaft eingewanderter Barbarenstämme 
einer schnellen Auflösung entgegen ging und die glanzvollen 
Centren der Römerherrschaft unter den Stürmen der Völker- 
wanderung zusammenbrachen, erneuerte sich der Glanz des 
weltbeherrschenden Roms in der Stadt Constantins mit aller 
Pracht und allem Luxus, welchen die Herrschaft absoluter Monar- 
chen nur um die Person des Herrschers häufen konnte. Wenn 
wir neben den Künsten der Miniaturmalerei, des Mosaics, des Gold- 
schmiedens und anderen, auch die Schmelzarbeiten als Band in der 
Reihe sehen, welche zum Glänze des byzantinischen Kaiserhofes 
beizutragen hatten, so muss uns natürlich die Frage beschäftigen, 
ob die Schmelzarbeit, spezieil Zellenschmelz auf Goldgrund, dem 
wir in Byzanz ausschliesslich begegnen, von aussen eingeführt 
worden ist, oder aber sich auf dem Boden der oströmischen Resi- 
denz selbstständig entwickelt hat. Der erste Anschein spricht 
für das Erstere. Die meisten Forscher neigen zu der Annahme, 
dass die Technik des Zellenschmelzes seit uralten Zeiten in 
China geübt worden ist, und dass schon auf dem von Justinian 
lebhaft befahrenen Handelswege, von China über den persischen 
und arabischen Meerbusen, dann über Syrien und Aegypten, so- 
wohl fertige Emailwaaren der Chinesen, wie auch ostasiatische 
Künstler nach Byzanz eingedrungen seien. Aber einmal steht 
unsere Kunde von dem Alter der ostasiatischen Kunsterzeugnisse 
auf den schlechtesten Füssen' und die genauere Bekanntschaft 
mit den Geschichtswerken der Chinesen nöthigt uns immer mehr 
bei allen Annahmen, welche über unser frühes Mittelalter zurück- 
gehen, äuserst vorsichtigt zu sein. Dann aber fehlte uns unter 
den mannigfachen Aufzählungen, der aus Ostasien in's ost- 
römische Reich eingeführten Waaren jede Andeutung von ferti- 
gen Schmelzarbeiten. Nimmt man jetzt den Charakter der 
chinesischen Waare, der fast von jeher der gleiche geblieben ist, 
und stellt dagegen den der byzantmischen, so sind die beiden so 
grundverschieden, dass man annehmen muss, dass keine Waaren 



6 Mittheilungen des D. A. T. V. 

von China eingeführt worden sind. Dagegen kann man eher 
annehmen, dass sich die Meisterschaft der Schmelzarbeiten in 
Constantinopel selbst entwickelt habe, nach den in Aegypten 
und wohl in dem ganzen Bereiche der östlichen Mittelmeer- 
länder geübten Schmelzarbeiten. Mochten diese auch zum 
Theil in Zellenmosaik bestehen. Man darf kaum zweifeln, 
dass. die. Freude an dieser farbigen Ausstattung der Metallarbei- 
ten und Ueberbleibsel der Technik unter den nach der oströmi- 
schen Residenz zusammenströmenden Elementen leise fortgelebt, 
und dass sie unter der Gunst des prachtliebenden Hofes neues 
Leben erhalten haben. In Bezug auf das erste Vorkommen be- 
deutender Schmelzarbeiten in Byzanz sihd wir auf litterarische 
Ueberlieferungen angewiesen, und es bleibt zu bedauern, dass in 
Folge der untechnischen Darstellung der Schriftstellen und der 
doppelten Bedeutung des Wortes Electron für (Schmelzarbeiten 
und weisse Goldlegirungen) diese Ueberlieferungen an der denk- 
bar grössten Unklarheit leiden. 

So muss dahin gestellt bleiben, ob das erste Beispiel von 
byzantinischer Schmelzarbeit, die Capada electrina^ welche Kai- 
ser Justinian (518 — 527) dem Papste Hormisdas zum Geschenk 
machte, eine mit Email geschmückte oder aus Goldlegirungen 
gegossene Altarlampe gewesen ist. Das älteste Beispiel von 
byzantinischem Zellenschmelz, welches bis auf unsere Tage ge- 
kommen ist, befindet sich an der eisernen Krone der Lombarden, 
welche in Monsa aufbewahrt wird. Diese Krone, welche be- 
kanntlich ihren Namen von dem im Inneren angebrachten, aus 
einem Nagel vom Kreuze Christi geschmiedeten eisernen Reife 
führt, wurde von der Lombardenkönigin Theodolinde (gest. 625) 
zu Anfang des 7. Jahrhunderts gestiftet. 

Mit einiger Sicherheit können wir das erste Auftreten der 
Schmelzkunst im grösseren Umfange unter der Herrschaft des 
Kaisers Justinian (seit. 527) vermuthen. Ferner wurden unter 
der Regierung des Kaisers Basilius des Macedoniers (867 — 886) 
bedeutende Kunstwerke der Schmelztechnik ausgeführt. Ein 
Enkel desselben, Constantin VIL, erwähnte in einer selbstver- 
fassten Schrift: **Die Ceremonien am byzantischen Hofe" 
unter Anderem, von einer erstaunlichen Prachtentfaltung, ge- 
legentlich eines Besuches des Emirs von Tarus, wobei die Kost- 
barkeiten des kaiserlichen Hofschatzes und der Hauptkirchen, 
darunter viele Schmelzarbeiten ausgestellt waren. Auch wird 
darin erwähnt, dass sich der Kaiser bei der kirchlichen Feier, am 
Tage vor der Palmenweihe vor einem Bilde der Gottesmutter, 
welches aus Email hergestellt war, aufstellte. 

In Byzanz selbst folgte auf die unter Constantin entwickelte 
Blüthe der Schmelzkunst ein ziemlich schneller Verfall, der mit 
dem politischen Rückgang des oströmischen Reiches Schritt hielt. 
Dieser Rückgang tritt bereits mit dem 10. Jahrhundert ein, als 
die lange Regierung Basilius II. (976—1025) durch eine Reihe 
zwar siegreicher aber blutiger Kriege mit den Sarazenen, Deut- 
schen und Bulgaren, sowie durch Erdbeben, Hungersnoth und 



Das Email und das Emaillieren. 7 

andere Schrecknisse in der Hauptstadt bezeichnet wurden. Dann 
folgte Schlag auf Schlag. Roman III. unterlag den Arabern bei 
Alebo ; unter Michael IV. (1034— 1041) ging die bis dahin durch 
das Exarchad von Ravenna wenigstens äusserlich aufrechterhal- 
tene Oberherrschaft über Italien und durch eine Empörung der 
Serben, auch dieser Theil des Reiches verloren. Die Regie- 
rungszeit Michaels VII. und seines Nachfolgers Nicephirus sieht 
unglückliche Seltschukenkriege und schlieslich eine Plünderung 
der Hauptstadt, bis unter Alexis I. die sämmtlichen Besitzungen 
in Afrika an die Araber, die wichtigsten Plätze von Syrien und 
Kleinasien an die Türken verloren gehen. Das so völlig ge- 
schwächte Reich kann jetzt selbst dem Ansturm der Kreuzfahrer 
keinen Widerstand mehr entgegen setzen, die 1204 mit der 
Eroberung und Plünderung Constantinopels dem oströmischen 
Reiche ein unrühmliches Ende bereiten. Dass alle die Künste, 
welche zu ihrem Gedeihen auf die Pflege des Hofes angewiesen 
waren, mit dem Sturz desselben ihrem Ende entgegengehen 
mussten, liegt auf der Hand. {Kreuzfahrer Limburg an der Lahn.) 

Schluss folgt in nächster Nummer der **Mittheilungen." 




Mittheüungen des D. A. T. V. 
Accuniulatoren, deren Herstellung und Verwendung. 

Vortrag des Elec. Ing. M. Neurath im Verein Philadelphia. 



Als einer der glänzendsten Erfolge der Kulturentwicklung 
unseres Jahrhunderts, des Jahrhunderts der raschen Entwicklung, 
der Naturwissenschaften und der damit eng verknüpften wissen- 
schaftlichen Technik, darf es wohl bezeichnet werden, dass es 
weite Kreise in den Stand gesetzt, dieser Entwicklung mit 
Interesse und Verständniss zu folgen. Nebst dem Dampf war es 
die ELECTRIZITAET, welche unserem Jahrhundert Gepräge und 
Ansehen verliehen hat, welche Hand in Hand mit Ersterem die 
Ursache geworden, dass die Entwicklungsgeschichte nicht mehr 
wie in früheren Zeiten nach Jahrhunderten und Jahrzehnten 
rechnet, sondern nach Jahren und Monaten rechnen muss. 

Dem Scharfsinn genialer Forscher und dem unermüdlichen 
Fleiss der, von der Natur mit besonderem Scharfblick ausge- 
stattete und vom Glück und Zufall begünstigte Erfinder ist es 
gelungen, in der verhältnissmässig kurzen Zeit, die in der 
Entwicklungsperiode der Electrizität in Betracht kommt, alle 
Formen in welchen diese Kraft erscheint, zu erkennen und alle 
ihre Wirkungen der Menschheit zu Nutzen zu machen. 

Bekanntlich wird die Electrizität durch Berührung 

i) Von heterogenen Metallen untereinander — Leiter erster 
Ordnung. 

2) Von heterogenen Flüssigkeiten untereinander — Leiter 
zweiter Ordnung. 

3) Von Metallen mit Flüssigkeiten. 

4) Von Metallen mit Gasen, erregt. 

In sich geschlossene Leiter erster Ordnung liefern keine freie 
Electrizität. Nur durch die Berührung Leiter erster Ordnung 
wird freie Electrizität durcH chemische Einwirkung der Leiter auf 
einander erzeugt. Aus den Verbindungen dieser Leiter setzen 
sich die galvanischen oder Primärelemente zusammen. Ein solches 
Element besteht z. B. aus einer Zink und einer Kohlenplatte in 
verdünnter Schwefelsäure. 

Verbindet man die Kohlenplatte leitend mit der Zinkplatte, 
so wird nach der Spannungsreihe nach Poggendorff, die Kohle 
positiv, das Zink negativ electrisch und der Strom fliesst von der 
Kohle durch den äusseren Schliessungskreis zum Zink und vom 
Zink durch die verdünnte Schwefelsäure zur Kohle zurück. Da 
der Strom in der Flüssigkeit selbst vom Zink zur Kohle fliesst, 
so bezeichnet man Zn. als Anode, K. als Kathode. 

Der electrochemische Vorgang in dem Element stellt sich 
folgendermassen dar : Die Schwefelsäure verbindet sich mit dem 
Zink zu Zinksulfat, welches in Lösung geht und das freigewordene 



Accumulatoreriy deren Herstellung und {Verwendung, 9 

Aequivalent Wasserstoff scheidet sich an der Kathode, der 
Kohlenplatte ab. Zn + Ha SO4 = Zn SO^ + H^. Die poroese 
Kohlenplatte okkludirt einen Theil des Wasserstoffgases, ein 
Theil desselben bleibt an der Oberfläche der Kohle hängen und 
ein weiterer Theil entweicht. Die an der Oberfläche der Kohle 
hängenden Gebläschen verhindern den Zutritt der Flüssigkeit 
2ur Kohle, erhöhen daher den inneren Widerstand des Elementes 
und schwächen die Stromstärke. Ferner entsteht durch die 
gegenseitige Berührung von Kohle, Gas und Flüssigkeit ein Strom 
in Element selbst, dessen Richtung dem Hauptstrom entgegen- 
gesetzt ist. Diesen secundär gebildeten Strom nennt pian Polar- 
isationstrom. Als Wärmewirkungen d. h. als Energieverlust, 
äussern sich im Element die ehem. Zersetzung und die Strom- 
arbeit. Diese Wärmeentwicklung wirkt jedoch bis zu einem 
gewissen Grade insofern etwas günstig, als sich hierdurch der 
Widerstand der Fluessigkeit selbst vermindert und die Gebläschen 
schneller entweichen, also einen besseren Zutritt der Flüssigkeit 
zur Kathode gestatten. Wie man sieht, sind die Vorgänge in 
einem Element complizirter Natur und können durch eine Menge 
Nebenumstände z. B. noch durch die theilweise Lösung der Gase 
in der Flüssigkeit u. s. w. beeinflui:st werden. Man sollte 
meinen, dass es durch Rückbildung der in dem Element unter 
Stromschluss entstandenen Stoffe möglich wäre, das Element zu 
regenerieren. Zu diesem Versuch verbindet man die Pole einer 
Stromquelle deren electromotorische Kraft grösser als diejenige 
des Elementes ist, mit den gleichnamigen Polen des Elementes. 
Der Strom fliesst dann von der Kohle, durch die Flüssigkeit zum 
Zink und vom Zink durch die Stromquelle zur Kohle zurück. Bei 
diesem Verfahren wird die Kohle zur Anode, das Zink zur 
Kathode. Angenommen, dass sich die gesammte freie Schwefel- 
säure mit Zink zu Zinksulfat verbunden hat. Unter Einwirkung 
des Stromes zersetzt sich die Zinksulfatlösung (Zn SO^) in 
Schwefelsäure und Zink. An der Anode konzentrirt sich die 
Schwefelsäure und an der Kathode wird das Zink niederge- 
schlagen. Die vorher neutrale Lösung wird sauer und der Strom 
zersetzt nur noch die besser leitende verdünnte Schwefelsäure 
allmählig konzentrirter und löst schliesslich das an der Kathode 
niedergeschlagene Zink wieder auf. Der normale Zustand des 
Elementes kann also durch dieses Verfahren nicht hergestellt 
werden. Die vor kurzer Zeit aufgetauchte Idee, die Primärele- 
mente wirthschaftlich auszunutzen, ist bald nach ihrem Entstehen 
wieder aufgegeben worden. 

Ersetzt man in dem Element die Kohlenplatte durch eine aus 
Bleisuperoxyd bestehende Platte, die Zinkplatte durch, in 
Bleigitter gepresstes schwammiges Blei und schliesst das Element, 
so fliesst ein Strom vom Bleisuperoxyd zum schwammigen Blei. 
Der electrochemische Vorgang in dem Element ist folgender : 
Die Schwefelsäure verbindet sich mit dem schwammigen Blei zu 
Bleisulfat (Pb SO^). An der Bleisuperoxydplatte scheidet sich 
das entsprechende Aequivalent Wasserstoff ab, welches das 



10 Mittheilungen des D. A, T. V.. 

Bleisuperoxyd (Pb Oa) zu Bleioxyd (Pb O) reduziert. Das 
entstandene Bleioxyd verbindet sich mit der Schwefelsäure 
ebenfalls zu Bleisulfat. Gleichzeitig entsteht Wasser (H, Q). 
Beide Platten lösen sich aber in der umgebenden Schwefelsäure 
nicht auf. Durch die Verbindung der Schwefelsäure mit 
dem Blei resp. dem Bleioxyd und die Wasserbildung fällt die 
Säuredichte und damit erhöht sich der Widerstand. Unter- 
nimmt man den Versuch dieses Element zu regenerieren, so 
werden sich folgende Vorgänge entwickeln : Das Bleisuperoxyd 
resp. das nunmehrige Bleisulfat wird zur Anode, das schwammige 
Blei resp. Bleisulfat zur Kathode. Der Strom zersetzt die ver- 
dünnte Schwefelsäure zu Schwefelsäureanhydrid, Sauerstoff, und 
Wasserstoff. An der Anode erscheint Schwefelsäureanhydrid 
und Sauerstoff, an der Kathode Wasserstoff. 

Anode. Kathode. 

H, SO, = (SO3 + O) + H, 

Der Säuerstoff oxydirt das Bleisulfat zu Bleisuperoxyd. Der 
Wasserstoff reduziert das Bleisulfat zu schwammigen Blei. Das 
an der Anode erscheinende Schwefelsäureanhydrid und die aus 
dem Bleisulfat ausgeschiedene Schwefelsäure verbinden sich mit 
der vorhandenen verdünnten Schwefelsäure. 

Entladung. Ladung. 

Pb + H, So, = Pb SO, + H, Pb SO, + O = Pb O, + SO3 
Pb O, + H, =. Pb O + H, O Pb SO, + H, = Pb + H, SO, 
Pb O + H, SO, = Pb SO, + H, O 

Hierdurch wird die verdünnte Schwefelsäure konsentrirter 
und damit der Widerstand geringer. Das Element ist, wie dies 
Verfahren zeigt, regenerierbar. Regenerierbare Elemente nennt 
man Sekundär-Elemente oder Accumulatoren, oder auch schlecht 
bezeichnet Sammler, da ein direktes Aufspeichern der Electrizität 
nicht stattfindet. Der wesentliche Unterschied zwischen Primär- 
und Sekundär-Elementen besteht darin, dass die Primärelemente 
chemische Energie in electrische Energie umsetzen. Die 
Sekundär-Elemente dagegen durch electrische Energie chemische 
Energie und durch chemische Energie wieder electrische Energie 
erzeugen. Einen Accumulator dessen Anode aus Bleisuperoxyd 
und dessen Kathode aus schwammigem Blei besteht, kann man 
bei der Ladung, als eine Zersetzungszelle betrachten. Bevor ich 
zur Herstellung der Accumulatoren übergehe, will ich etwas 
über die Vorgeschichte derselben erwähnen. Im Jahre 1854 
entdeckte zuerst der deutsche Arzt Sinnsteden, die Fähigkeit des 
Bleies, einen kräftigen Polarisationsstrom zu erzeugen. Plante 
führte die Entdeckung weiter aus, und stellte den ersten 
Accumulator, aus Bleiplatten in verdünnter Schwefelsäure beste- 
hend, her. Faure vervollkomnete das Plantesche System indem 
er die Bleiplatten vorgängig mit einer Schicht von Bleisalzen oder 
schwammigem Blei bedeckte. Ich will nicht die einzelnen 
Stadien der Metamorphose der einzelnen Systeme vortragen. 



Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. ii 

denn das würde viel zu weitläufig werden. Ich beschränke mich 
auf die Mittheilung der Thatsache, dass wir bereits so vielerlei 
Systeme besitzen, dass dieselben einzeln zu benennen, kaum 
möglich ist. Die Construktion derselben, wie auch die 
Bestandtheile der Elektroden, ist mehr oder minder verschieden, 
doch in Einem stimmen fast alle mit einander überein, 
nämlich dass sie gewöhnlich den von der Fabrik garantirten 
Nutzeffekt nicht liefern. Die Anforderungen, welche man 
an das Material der Accumulatoren, ausser Ökonom. Rück- 
sichten, zur Erzielung eines möglichst hohen Nutzeffektes und 
Haltbarkeit zu stellen hat, sind folgende : Hohe electromotorische 
Erregung bei der Berührung der durch die Ladung entstandenen 
chemischen Verbindungen und gute Leitungsfähigkeit derselben. 
Grosse Porosität und Unlöslichkeit der Masse, hohe Leitungs- 
fähigkeit, geringe oder nicht schädlich wirkende Zersetzbarkeit 
der electrolytischen Flüssigkeiten. Ferner vollkommene Rück- 
bildung der bei der Entladung entstandenen chemischen Verbin- 
dungen in den Anfangszustand. Diesen Anforderungen am 
besten entsprechend haben sich bis jetzt Blei und verdünnte 
Schwefelsäure erwiesen. Das Anodenmaterial- Bleisuperoxyd- 
leitet ungefähr wie Graphit, ist in verdünnter Schwefelsäure 
unlöslich, besitzt bei grosser Porosität, Festigkeit und seine, bei 
der Entladung stattfindende Verbindung zu Bleisulfat, wird bei 
der Ladung wieder zu Bleisuperoxyd regeneriert. Das Kathoden- 
material, das schwammige Blei, leitet noch besser als das Blei- 
superoxyd, und das, bei der Entladung gebildete Bleisulfat wird 
bei der Ladung in schwammiges Blei reduziert. Das Wasser der 
verdünnten Schwefelsäure in Wasserstoff und Sauerstoff zersetzt, 
wobei etwas Schwefelsäure und Wasser durch die aufsteigenden 
Gasbläschen mit übergerissen wird, aber leicht ersetzt werden 
kann. Die verdünnte Schwefelsäure besitzt eine gute Leitungs- 
fähigkeit. Die electromotorische Erregung zwischen Bleisuper- 
oxyd, Schwefelsäure und Blei beträgt cirka 2,25 Volt. Alle 
anderen Systeme, welche als Elektroden Zink, Eisen, Kohle 
Mangan und verschiedene Flüssigkeiten verwenden, haben die 
Bleiaccumulatoren nicht zu überflügeln vermocht. 

Nun will ich die bedeutensten Systeme einzeln vorführen : 
Das älteste System, des Bahnbrechers der Accumulatoren : 
Das Plante'sche System. — Plante legte zwei gleiche 600 mm. 
lange, 200 mm. breite und i mm. dicke Bleiplatten, welche durch 
Kautschukbänder isoliert waren, über einander und rollte beide 
Platten über einen Holzcylinder, welcher nachher entfernt wurde, 
zu einer Spirale auf. Die Spirale wurde fixiert, in ein Gefäss 
mit verdünnter Schwefelsäure von cirka 9 Be und durch 2 Bunsen 
Elemente geladen. Der Widerstand eines solchen Accumulators 
beträgt cirka 0,03 ohm. Das Abfallen der Masse zu verhindern 
benutzte er Flanell, was aber den Uebelstand nicht beseitigte. 
Der Accumulator hatte ein bedeutendes Gewicht und eine ver- 
hältnissmässig geringe Kapazität. 

Das Faure'sche System. — Faure Hess sich im Jahre 1881 



12 Mittheilungen des D. A. T. V, 

ein Patent ertheilen, nach welchem er die Elektroden durch 
galvanischen Niederschlag mit einer Schicht schwammigem Blei 
bekleidet und das Abfallen des Niederschlages durch poröse 
Scheidewände verhinderte. Erst anderen Construckteuren war 
es vorbehalten, durch richtige Anordnung der Träger der aktiven 
Masse, haltbarere Accumulatoren mit mehr Nutzeffekt herzu- 
stellen. 

Das System Tudor, welches von der Accumulatoren Aktien 
Gesellschaft in Hagen i. W. erzeugt wird, beteht aus einer ge- 
gossenen Bleiplatte, welche mit einer grossen Anzahl horizon- 
taler, nach Aussen sich erweiternden Rinnen, zur Aufnahme der 
aktiven Masse, versehen ist. Die Rinne steht i — 1,5 mm. von 
einander ab und besitzt eme Tiefe von 1,5 — 2 mm. Die Platten 
stehen 6 — 10 mm. von einander ab. Die Stärke der Träger für 
die Anode 6—10 mm. für die Kathode 5 — 9 mm. Auch die 
hiesige Electric Storage Battery Co. besitzt das Patent für die 
United States. 

Das System Jahr, unterscheidet sich von aUen übrigen Con- 
struktionen dadurch, dass zuerst die Füllmasse in trapezförmige 
Würfel gepresst wird. Diese Würfel werden mit dünnen Stiften 
aus Blei symmetrisch in einer zweitheiligen Giessform angeordnet 
und die freibleibenden Räume mit Blei voll gegossen. Der 
massive Kern ist 2 mm. stark, die Rippen 8 mm., die längste 
Seite eines Würfels beträgt 22 mm., die kürzere 20 mm., die 
Stärke einer Platte von Masse zu Masse 10 mm. Die aktive 
Masse ragt cirka i mm. über das Blei hervor und soll hiedurch 
der innere Widerstand des Accumulators geringer werden. Von 
grösserer Bedeutung als die fragliche Verminderung des Wider- 
standes ist die Vermehrung der wirksamen Oberfläche, der Füll- 
masse, durch das Ueberstehen derselben. 

Das System Pollak, welches sich in den letzten Jahren 
bedeutenden Eingang in ganz Deutschland verschafft hat, gilt 
in Bezug auf Vollkommenheit als am zweckentsprechendsten. 
Die Träger bestehen aus gewalzten Bleiplatten, welche mit einer 
grossen Anzahl zapfenartiger Erhöhungen versehen sind, so dass 
dieselben einer Bürste mit kurzen Borsten ähnlich ist. Durch 
die grosse Anzahl Erhöhungen ist die Berührungsfläche der aktiven 
Masse mit den Bleiträgern eine sehr ausgedehnte. Die Masse 
kann sich nach einer Seite frei ausdehnen und haftet fest an den 
Trägern. Die Herstellung der Platten geschieht durch Walzen, 
in der Weise, dass man Bänder aus Tafelblei, die in geeigneter 
Breite zugeschnitten sind, zwischen Fa^onwalzen langsam durch- 
passieren lässt. Letztere bestehen aus massiven, cylindrischen 
Kernen, auf welche zahlreiche Ringe aus 1,5 mm. starkem 
Stahlblech dicht neben einander aufgezogen werden, in welche 
das erforderliche Muster eingefrässt ist. Von den in grösseren 
Längen gewaltzten Streifen werden Stücke von passender Grösse 
abgeschnitten, an deren Oberkante man Ansätze aus Blei an- 
löthet und zwar mit einem besonderen, leichtflüssigen, aber 
dabei sehr festen Löthmittel, das von Schwefelsäure nicht ange- 



Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. 13 

griffen wird. Auch können die Löthstellen durch Anwärmen 
leicht wieder getrennt werden. Die Vertiefungen der rohen 
Bleiplatten werden mit feinzertheiltem Blei ausgefüllt, das nach 
Angabe der Fabrik auf electriolitischem Wege, aus einer al- 
kalischen Bleilösung gewonnen wird. Dies wird zwar fest 
eingepresst, bleibt aber denoch porös. Hierauf erfolgt eine 
Formirung, bei der die poröse Bleischicht der zu positiven Elek- 
troden bestimmten Platten, in Bleisuperoxyd verwandelt wird. 
Die Zeitdauer dieser Formirung dauert cirka 100 Stunden. Bei 
der erklärten Art der Herstellung wird die Verbindung zwischen 
aktiver Masse und Bleiträger derart, dass die Grenzlinie zwischen 
beiden nicht mehr scharf wahrzunehmen ist. Die Platten lassen 
sich klopfen und biegen, ohne dass die Masse abfällt. Die 
positive Platte ist 6 — 7 mm., die negative etwa 5 mm. dick. 
Die Zäpfchen ragen 2 — 3 mm. über den Grund der Platte heraus. 
Ihre länge ist 4 mm., sie krümmen sich jedoch in Form von 
Häckchen. 

Das System Correns wird fabriciert von der Firma C. Wilhelm 
Kayser Hüttenwerk & Accumulatoren Fabrik in Berlin. Bei 
diesen ist die Verhütung des Herausfallens der Füllmasse* in 
erster Linie berücksichtigt. Es sind Doppelgitter, die scheinbar 
aus 2 Gitteröffnungen bestehen. Die Gitteröffnungen sind 
Quadrate von 7 mm. Seitenlänge. Die beiden Gitter sind in 
der Länge und Breite um die Hälfte einer Quadratseite gegen 
einander versetzt und hängen, wo sich die Stäbe beider Gitter 
kreuzen, durch Querstücke zusammen. Jedes Doppelgitter ist 
ein Stück, aus reinem Blei gegossen. Die stählerne Giessform 
besteht aus zwei Hälften, jede davon ist mit zapfenartigen Vor- 
Sprüngen versehen, welche yon beiden Seiten in einander greifen. 
In diese quadratischen Vorsprünge sind Nuthen eingearbeitet, 
welche den erforderlichen Raum für die Gitterstäbe bilden, 
während die Zapfen selbst die Oeffnungen des Gitters erzeugen. 
Die beiden Metallgitter schliessen zwischen sich einen einzigen 
grossen zusammenhängenden Hohlraum ein. Dieser Hohlraum 
wird ganz mit Füllmasse ausgefüllt, und so ein zusammen- 
hängendes Ganzes gebildet. Sie ist durch die beiden Gitter am 
Herausfallen verhindert, besonders da sich auch die quadratischen 
Oeffnungen nach aussen etwas verengen. Als Füllmasse wird 
für die positive Corrensplatte reine Mennige, für die negative 
reine Bleiglätte verwendet. 

Das System der Kölner Accumulatoren Werke von Gottfried 
Hagen in Kalk bei Köln, sind den Correns'schen -ähnlich und 
besitzen auch ein Doppelgitter, welches in einem Stücke gegossen 
wird. Die Gitterstäbe laufen nach innen in ein Dreieck und sind 
gegen einander nicht versetzt. 

Das System Khotinsky wird erzeugt von der Electrischen 
Gesellschaft in Gelnhausen. Die Platten bestehen aus ge- 
pressten Bleistreifen, welche mit tiefen Rinnen versehen sind. 
Die Rippen, welche die einzelnen Rinnen von einander trennen, 
greifen an der Plattenoberfläche etwas über, so das die Nuthen 



14 Mittheilungen des D. A, T. V, 

an der Oberfläche enger sind als im Innern. Die Rinnen sind 
zur Aufnahme der Füllmasse bestimmt, welche durch die vor- 
springenden Ränder der Rippen am Herausfallen verhindert wird. 
Als Füllmasse dient Bleistaub, feinzertheiltes metallisches Blei, 
das durch Einwirkung eines Dampfstrahles auf ausfliessendes 
geschmolzenes Blei gewonnen wird. Desswegen werden die- 
selben auch Bleiaccumulatoren genannt. Bei den positiven 
Platten wird der Bleistaub durch i8o stündige Formirung in Blei- 
superoxyd verwandelt. Dem aktiven Material der negativen 
Platten wird eine poröse Substanz zugesetzt, d^ren Hauptzwecl< 
darin besteht, zu verhindern, dass die aktive Masse eine fest- 
geschlossene Schichte bilde, denn solche leiten schlecht und 
werden in Folge dessen vom Strome nicht durchgearbeitet. Eine 
poröse Füllmasse dagegen nimmt in allen ihren Theilen an der 
chemischen Umwandlung bei der Ladung und Entladung theil 
und ergiebt daher eine grössere Capacität. Zur Herstellung von 
Platten werden mehrere Streifen parallel nebeneinander gelöthet. 

Nach dem System der Firma D. Lehmann &Mann in Berlin, 
werden Platten in Muldenform erzeugt. Zur Erzielung einer 
grossen wirksamen Berührungsfläche besitzen die Mulden, sowie 
die senkrechten Rückwände derselben, zahlreiche eckige Oeff- 
nungen. Zur Versteifung ist das Ganze von einem 3 mm. 
starken massiven Bleirande umgeben und durch mehrere dicke 
Rippen durchzogen. 

Das System Schäffer & Heinemann, nach welchem die 
Gesellschaft ,,Watt Accumulatoren Werke in Berlin *' fabriciert, 
ist ähnlich den Correns'schen Platten, nur sind die Gitter- 
öffnungen nicht quadratisch, sondern rechteckig und ebenfalls 
gegen einander versetzt. 

Das System der Firma W. A. Böse & Co. in Berlin, unter- 
scheidet sich von allen übrigen Systemen dadurch, dass die 
Platten ganz aus aktivem Material bestehen. Sie sind am Rande 
von einem Rahmen aus Hartblei umgeben, der die Stromleitung 
vermittelt. Diese sogenannten Masseplatten sollen sich durch 
ein hohes Aufspeicherungsvermögen auszeichnen und werden 
vielfach zur Beleuchtung von Eisenbahnwagen verwendet. Das 
aktive Material wird aus Bleioxyden hergestellt und erhält durch 
Behandlung mit gewissen organischen Substanzen Härte und 
Widerstandsfähigkeit. Die aktive Masse ist an zahlreichen 
Stellen durchstochen, so dass Löcher von i mm. Durchmesser 
entstehen, die den Zutritt der Säure erleichtern. Ferner ist 
noch in der Mitte ein Loch von 7 mm. Durchmesser um die 
Circulation der Säure, zwischen den einzelnen Platten zu be- 
fördern. 

Das System Julien, wird erzeugt von der Gesellschaft 
L'Electrique in Brüssel, von der Electrical Power Storage Co. 
in London, sowie von der Societe Suisse Pour La Construktion 
D'Accumulateur Electrique in Marlyle-Grand, ist ähnlich den 
übrigen Gitterconstruktionen, mit dem Unterschiede, dass der 
metallische Träger der Platte, ein Gitter aus sogenanntem Julien- 



Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. 15 

metalle, eine Art Hartblei ist und angeblich bei der Verwendung 
zur positiven Elektrode nicht oxydirt wird. Das Gitter besitzt 
quadratische Oeffnungen von cirka 8x8 mm. lichte Weite, die 
sich nach innen etwas verengen und mit aktiver Masse ausgefüllt 
werden. Dann wird durch die Mitte jedes solchen quadratischen 
Massepfropfen ein Loch von 2 mm. Durchmesser hindurchge- 
drückt. Der Zweck dieser Durchlochungen ist, die Berührungs- 
fläche der aktiven Masse mit der Säure zu vergrösseren, der 
Füllmasse, insbesondere der positiven Platten, Raum zum Aus- 
dehnen zu schaffen und auch eine bessere Cirkulation der Säure 
zwischen den Platten zu ermöglichen. 

Das System Gülcher, gehört zu den neueren, bei denen das 
Abfallen der Masse durch ein Glasgewebe verhindert wird. 

Das System T. A. Willard in Clevelandhat schiefe Ansätze, 
welche die Masse halten. 

Das System des Leitner'schert Electrischen Werkes, ist 
ähnlich dem Willard'schen, nur sind die Ansätze um die Hälfte 
gegeneinander versetzt. 

Der Aufbau geschieht derart, dass die Elektrodenplatten in 
Messingformen gegossen werden (mit Ausnahme des Pollak'schen 
Systemes). Die positive Platte muss immer stärker sein, als 
die negative. Die gegossenen Platten werden auf Glas oder 
Marmorplatten gelegt und die Füllmasse, die man ein wenig mit 
Schwefelsäure anfeuchtet, eingetragen. Es muss stets darauf 
geachtet werden, dass die aktive Masse sich ausdehnen kann-, 
denn sonst wird die Masse herausgeworfen und de Metallgerippe 
verziehen sich oder sie zereissen. Die Electroden werden in den 
Gefässen derart angeordnet das + und — Platten mit einander 
abwechseln und ist stets um eine negative Platte mehr zu nehmen 
für eine Zelle. Positive und negative Platten werden durch 
Verbindungslamellen aus Blei zu je einem System vereinigt. 
Die Gefässe bestehen aus mit Blei ausgeschlagenen, getheerten 
Holzkästen, die auf niedrigen getheerten Holzböcken ruhen und 
zur besseren Isolation auf zweitheilige Isolatoren, deren Unter- 
theil mit Oel voll gegossen wird. Glaskästen werden bei klei- 
neren Zellen verwendet. Die Montirung muss derart sein, dass 
entweder ein oder beide Systeme aufgehängt sind, zu welchem 
Zwecke, an den Seiten der Platten Nasen angebracht sind. 
Beide dürfen niemals auf dem Boden stehen, denn es könnte 
Kurzschluss eintreten. Die Zellen sind durch Porzellan oder 
Hartgummi Isolatoren zu isolieren. Als Räume eignen sich am 
besten hohe und schattige Lokalitäten deren Fussboden asphal- 
tirt und deren Wände und Decken mit Oelfarbe gestrichen sind. 
Zur Abführung der schädlichen Säueredämpfe müssen die Räume 
mit einer guten Ventilation versehen werden. Für die Halt- 
barkeit der Accumulatoren. ist der Aufbau derselben von der 
grössten Wichtigkeit. Die Platten müssen vertikale Stellung 
und gleichmässigen Abstand von einander haben, mit Berück- 
sichtigung der ungehinderten Ausdehnung derselben, da durch 
das Abfallen von Masse sehr leicht Kurzschluss entstehen kann. 



i6 Mittheilungen des D. A.T. V. 

Ferner muss auch stets für säuerebeständige Verbindung Sorge 
getragen werden. Die Breite der Zeilen richitet sich nach der 
Breite der Platten und wird 40—60 mm. grösser als diese ge- 
nommen. Bei der Höhe der Zellen ist zu beachten, dass die 
Säure mindestens 20 mm. über die Oberkante der Platten über- 
steht und der Boden der Zellen cirka 80 — 100 mm. unter der 
Unterkante der Platten sich befindet, um Raum für abfallende 
Masse und für eine genügende Quantität Säure zu haben. Die 
Endplatten sollen stets 20 — 30 mm. von der Innenkante der 
Zellenwand abstehen. Früher wurden die Platten auf Stütz- 
scheiben gestellt, doch besass dieser Aufbau den Uebelstand, 
dass durch Ausdehnung die Platten aus ihrer Richtung kamen 
und herunterfielen. Diese Uebelstände vermeidet eine vielfach 
angewandte Methode, die von den meisten Fabriken befolgt wird. 
Jede Platte besitzt zwei Nasen und ruht mit diesen entweder 
direkt auf der oberen Kante der Kästen, wenn solche aus Glas 
sind, oder es wird bei, mit Bleiblech ausgeschlagenen Holzkästen, 
auf die Kante derselben eine Bleileiste befestigt, welche zur 
Isolation der Platten ein Glasrohr besitzt. An der unteren Seite 
der Nase befindet sich ein kleiner Ansatz, welcher ein Ver- 
schieben der Platten verhindert, aber doch genügend Spielraum 
zur Ausdehnung derselben lässt. Die Platten werden durch die 
Glasröhren in einem gewissen Abstand gehalten und die Glas- 
röhren selbst befinden sich in flachen Nuthen der negativen 
Platten. Die letzten Röhren werden an der oberen Seite durch 
Hartgummibänder festgehalten. Eine andere Anordnung, welche 
aber die Montage und das Auswechseln der Platten erschwert ist 
folgende : Die negative Platte besitzt 2 angegossene Füsse (bei 
grösseren Platten auch 3), mit welchen sie durch eine Unterlage 
aus paraffinirtem Holz oder Blei auf dem Boden des Kastens 
steht. Die positive Platte besitzt 2 hakenförmige Ansätze, mit 
welchen sie vermittelst starker Glasröhren auf der Oberkante 
der negativen Platten aufgehängt wird. Hierdurch ist ein freies 
Ausdehnen der positiven Platten ermöglicht. 

(Schluss folgt in nächster Nummer.) 




Mining and Transportation, 17 



Mining and Transportation* 

Vortrag gehalten vor dem T. V. Pittsburg von Harry J. Lewis, C. E. 

am XI. März i8q8. 

(Referent: OTTO C. REYMANN.) 

Ohne Eisenbahnen würde das Absatzgebiet der Bergwerke 
ein eng begrenztes sein, die Abfuhr des Fördergutes nur langsam 
von statten gehen, und damit die Production der Minen 
überhaupt beschränkt sein. Ohne Bergwerke hinwider wären 
die Eisenbahnen hauptsächlich auf Holz und Oel zu Feuerungs- 
zwecken angewiesen ; dadurch würde eine nicht unwesentliche 
Preissteigerung dieser beiden Stoffe herbeigeführt werden, die sich 
für die Eisenbahnverwaltungen durch Verteuerung des Be- 
triebes fühlbar machen würde. Die Eisenbahnen sind nicht 
nur die besten Kunden der Bergwerke geworden, sondern 
auch umgekehrt, indem die ersteren den letzteren mehr Fracht- 
verkehr durch den Versand von Kohlen, Erz, und den aus beiden 
gewonnenen Fabrikaten, verdanken, als irgend einem anderen 
Industriezweige. Die Beziehungen zwischen Bergwerkbetrieb 
und Eisenbahnverkehr sind auf diese Weise eng miteinander ver- 
knüpft, sie sind im weitesten Sinne des Wortes zum bedeutend- 
sten Faktor in der Ausdehnung und Entwicklung der moder- 
nen Zivilisation geworden. 

Der Verkehr zu Wasser hat gleichfalls infolge der Einfüh- 
rung der Dampfkraft zu Betriebszwecken und infolge einer Ver- 
kehrszunahme durch den Versand der Erzeugnisse des Berg- 
baues, einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die Trans- 
portroute über die grossen Seen übt einen grösseren Einfluss 
auf den Binnenverkehr aus als irgend ein anderer Wasser- 
weg, wobei der Kohlenversand auf dem Ohio und seinen 
Nebenflüssen vielleicht an zweiter Stelle anzuführen ist. 
Der Total Versand über die Seen während des Jahres 1897 er- 
reichte 12,215,645 Gross Tonnen, während 6,500,000 Tonnen 
Kohlen in entgegengesetzter Richtung verschifft wurden. Dies 
entspricht einem Verhältniss von 2:1. Auf dem Ohio wurden 
1896 3,811,759 Net Tonnen Kohlen stromabwärts transportirt 
und etwa ebensoviel auf dem Kanawha Fluss, doch hier fallen 
die Einnahmen aus Frachten in entgegengesetzter Richtung aus. 
Dazu kommt noch die Kohlenmenge, welche in Pittsburg und 
Umgegend verbrannt wird. Trotzdem die Kohlen von den Eisen- 
bahnen zu den billigsten Frachtsätzen befördert werden, spielen 
die aus diesem Verkehr erzielten Einnahmen für sie eine bedeu- 
tende Rolle, indem durch den Kohlenversand Rückfrachten für 
die sonst leer nach ihren Ladestationen zurücklaufenden Erz- 
wagen geschaffen werden. Pittsburg verdankt seine beherr- 



i8 Mittheilungen des D. A. T. V. 

sehende Position im Kohlen- und Eisenmarkt seiner günstigen geo- 
graphischen Lage, welche es ermöglicht die Erz heranbringenden 
Eisenbahnzüge mit Kohlen beladen wieder zurückzuschicken. 
Berücksichtigt man nur die zur Eisenerzeugung nöthigen Kohlen- 
und Erzmengen, so findet man, dass im Pittsburger Revier zu 
minimalen Preisen nicht mehr als yi der gesammten Fördermenge 
der am Oberen See gelegenen Eisensteingruben verarbeitet wer- 
den können, indem zur Erzeugung von i Tonne Roheisen etwa 2 
Tonnen Eisenstein und i Tonne Kohlen nothwendig sind. Als 
Resultat ergiebt sich, dass für je 2 Tonnen Erz, welche nach 
Pittsburg verfrachtet wurden zur Erzeugung von i Tonne Roh- 
eisen, 2 Tonnen Kohlen von Pittsburg als Rückfracht in ent- 
gegengesetzer Richtung den herabkommenden Eisenerzen bis zu 
einem solchen Punkte entgegengeschafft werden könnten, von wo 
aus die resultirenden 2 Tonnen Eisen zu billigen Frachtsätzen 
auf den Markt gebracht werden können. Dem entsprechend 
wären Hüttenwerke am Siidrand des Erie Sees anzulegen zur 
Versorgung des mittleren Distriktes, während die Hochöfen zur 
Bedienung des Nordwestens am besten am Oberen See errichtet 
würden. 

Der Ausführung eines solchen Planes steht die vorzügliche 
Güte der Pittsburger Kohle entgegen, eine Kohle, welche nicht nur 
ihr Absatzgebiet den Transportwegen entlang beherrscht, aufwei- 
chen der Eisenstein nach Pittsburg verfrachtet Wird, sondern 
noch darüber hinaus. Der Nordwesten ist zur Deckung seines 
Kohlenbedarfs auf die von hier aus als Rückfracht versandte 
Kohle angewiesen, und es ist für Pittsburg von grösster Wich- 
tigkeit, dass dieser Kohlenbedarf in einem günstigen Verhältniss 
zu den im Pittsburger Revier verarbeiteten Erzmengen steht. 
Die vorzügliche Güte der hiesigen Kohle ermöglicht den Konsu- 
menten aus einer Tonne dieser Kohle eine höhere Nutzleistung zu 
erzielen als aus der gleichen Menge einer anderen Bezugsquelle, 
und dass dieser Umstand um so mehr zu Gunsten der Pitts- 
burger Kohle in die Waagschale fällt, wenn der Verkaufspreis 
ab Zeche durch Frachtspesen verdoppelt und verdreifacht wird, 
bevor die Kohle ihren Bestimmungsort erreicht, ist selbstver- 
ständlich, und daraus wieder lässt sich auf eine Erweiterung des 
Absatzgebietes für die hiesige Kohle schliessen. 

Ein grosser Vortheil erwächst dem Austausch von Kohlen 
und Eisenerz daraus, dass dieselben Transportmittel wie Eisen- 
bahnwagen und Schiffe gleich gut zur Beförderung beider Ma- 
terialien benutzt werden können. Reduzirung der Lade-, 
Umlade- und Entladekosten, sowie der damit verbundenen 
unvermeidlichen Verluste, haben nicht nur besondere Vor- 
richtungen für diese Zwecke entstehen lassen, sondern auch 
zu zweckentsprechender, konstruktiver Ausbildung der Fahr- 
zeuge geführt. Dadurch wird ebenfalls eine Erweiterung des 
Absatzgebietes ermöglicht und den. hiesigen Hochöfen eine 
reichliche Erzzufuhr gesichert. 



Mining and Transportation, 19 

Für die Anlage leistungsfähiger Hüttenwerke am Eriesee 
können nur solche Punkte in Frage kommen, die eine unmittel- 
bare Ueberführung des zu Wasser ankommenden Eisensteins 
auf die Lagerhöfe gestatten. Die Grösse der letzteren muss so 
bemessen werden, dass der Bedarf während der Winterzeit, wo 
die Zufuhr per Wasser abgeschnitten ist, gedeckt werden kann. 
Die während dieser Jahreszeit aus dem Transport des Erzes vom 
Vorrathslager zum Hochofen erwachsenden Kosten, müssen so 
niedrig wie möglich gehalten werden durch Anwendung automa- 
tischer Transportmittel und gänzlich fortfallen, so lange die 
Schifffahrt auf den Seen offen ist. Das Vorhandensein solch 
günstiger Hafenplätze am Eriesee ist von nicht zu unterschätzen- 
der Bedeutung für das Pittsburger Kohlenrevier, indem die Hoch- 
öfen im Pittsburger und Wheeling Distrikt, im Mahoning und 
Shenango Thal während der Wintermonate zur Zeit ausschliess- 
lich mit Erz von den Stapelplätzen am Eriesee versorgt werden. 
Am I. Dec. 1897 lagerten hier 5,930,755 Gross Tonnen Eisenerz 
oder beinahe 60 Prozent der Jahreszufuhr. Ein Aufstapeln 
der Kohlen in den Seehäfen ist unter gegenwärtigen Umständen 
nicht rathsam, indem die Kohlenumlade-Vorrichtungen so ver- 
bessert sind und so ökonomisch arbeiten, dass das Verfrachten 
der Kohle von der Zeche direkt zum Abnehmer am Oberen See 
zur Nothwendigkeit geworden ist. Es scheint also für die Eisen- 
bahnen angezeigt, zur Erlangung von Rückfrachten für den 
Erztransport von den Erie Seehäfen nach den Hochöfen während 
der Wintermonate einer möglichst grossen Ausfuhr von Kohlen 
nach den Seehäfen Vorschub zu leisten, wobei sie dann eine 
grössere Ofenkapazität versorgen könnten, selbst wenn das An- 
wachsen des Kohlenversandes während der Sommermonate den 
Verkehr schwieriger gestalten sollte. 

Durch den Betrieb von Koksofenanlagen mit Gewinnung der 
Neben-Erzeugnisse in Verbindung mit Hochöfen würden die 
Eisenbahnen in den Standgesetzt, die Kohle wie sie aus der 
Grube kommt zu billigen Frachtsätzen und mit denselben Aus- 
rüstungen, wie sie zum Erzversand nöthig sind, zu befördern. 
Auf den Hochofenwerken könnte ein grosser Theil der Abzugs- 
gase zu Heizzwecken ausgenutzt werden, wodurch eine billige 
Verarbeitung des Roheisens an Ort und Stelle erleichtert würde. 
Die Anlage eines Walzwerkes in unmittelbarer Nähe des Hoch- 
ofens führt zu einer bedeutenden Ersparniss an Brennstoff, in- 
dem das heisse vom Hochofen kommende Metall direkt weiter 
verarbeitet werden kann. Die sonstigen Reduktionen der Be- 
triebskosten, welche sich aus einer Vereinigung von Koksöfen 
mit Gewinnung der Nebenprodukte, Hochöfen und Walzwerke 
ergeben, sollten besonders für die Wahl eines Anlageplatzes am 
Südrand des Eriesees sprechen. 

Obwohl die Interessen der Bergwerksbesitzer und Trans- 
portgesellschaften gemeinsame und unzertrennliche sind, so hat 
man sich stets bestrebt, einer Verschmelzung derartiger Unter- 
nehmungen gesetzlich vorzubeugen. Dies hat die Organisation 



20 Mittheilungen des D. A. T, V. 

von Körperschaften zur Folge gehabt, welche zwar verschiedene 
Namen tragen, deren Interessen jedoch identische sind. Dem 
Buchstaben des Gesetzes blieb man treu, seinen Sonder- 
interessen wurde man nichts desto weniger vollauf gerecht ! Ein 
weiterer Schritt in dieser Richtung würde gemacht, durch eine 
Vereinigung solcher Erzkonsumenten, welche bereits Kohlengru- 
ben besitzen, mit den Eigenthümern der Erzbergwerke und mit den 
Eisenbahnen und Schifffahrt kontrollirenden Gesellschaften. Das 
erfolgreiche Zustandebringen einer solchen Vereinigung — und 
die besten Anzeichen sind dazu vorhanden, — würde neuerdings 
beweisen, dass es ein nutzloses Beginnen ist, die natürliche Ent- 
wicklungs der Handelsbeziehungen durch Gesetzgebung künst- 
lich zu beeinflussen. 




Direct rotirende Aufnehmer-Verbund-Dampfmaschine. 21 

Direkt rotirende Aufnehmer > Verbund - Dampf- 
maschine mit und ohne Condensation. 



(Direct Rotary Receiver, two or Möre Step Expansion 
engine, with or without condensatiqn.) 



Von John H. Meyer, Ingenieur, Philadelphia, Pa. 



Alle bis jetzt bekannten besseren direkt rotirenden Dampf- 
maschinen gehören der Turbinen-Klasse an, sind aber in Hinsicht 
der Oekonomie hinter den besseren Ausführungerf der Kurbel- 
Dampfmaschinen weit zurückgeblieben. Die Ursache hierfür ist 
in der freien Expansion des Dampfes zu suchen, da hierbei die 
Expansion, namentlich bei hohem Druck, nicht genügend ausge- 
nutzt wird. 

(Unter freier Expansion ist die Expansion des Dampfes vor 
dem Eintritt, oder während des Durchströmens durch das Tur- 
binen-Gehäuse, zum Unterschied von der begrenzten Expansion 
in einem geschlossenen Behälter oder Cylinder zu verstehen.) 

Ausserdem ist die Geschwindigkeit dieser Klasse, welche 
bei den de Laval von 17,000 Umdrehungen per Minute für kleine 
bis 30,000 für grössere Maschinen steigt während die Parson und 
Morton Dampf-Turbinen 400 respective 800 Umdrehungen er- 
reichen, für den praktischen Bedarf zu gross, ganz abgesehen 
von den mechanischen. Schwierigkeiten. 

Eine bedeutend grössere Oekonomie sowie bedeutend redu- 
zirte Geschwindigkeit, welche dem jetzigen Bedarf angepasst ist, 
sind mit der neu patentirten ** Direkt rotirende Aufnehmer-Ver- 
bund-Dampfmaschine" zu erzielen. 

Die beigefügte Zeichnung stellt eine derartige Zwei- 
Cylinder-Werbund-^eiSchme ohne Condensation dar, welche mit 
einem Kessel-Ueberdruck von 80 Ib und einem absolutem Aus- 
puffdruck von 16 Ib bei 500 Umdrehungen 19,6 Dampf-Pferde- 
kraft (Judicirte Pferdekraft) und 12,6 effecktive Pferdekraft 
leistet. 

Der Dampf verbrauch ist 16,3 Ib per Dampf-Pfk. und Stunde 
(nach Rechnung) und bei einem Verdampfungsgrad des Kessels 
von 8 ft) Wasser per i Ib Kohle, ein Kohlenverbrauch von 2,04 Ib 
per Pfk. per Stunde. 

Die besten Zwei-Cylinder-Verbund-Kurbel-Maschinen mit 
Condensation verbrauchen 2% bis 23^ Kohlen. 

Eine Fünf-Cylinder-Verbund-Condensations-Maschine, mit 
denselben obigen Hochdruck-Cylinder Dimensionen, einem 



22 



Mittheilungen des D. ^. T. V. 




iL 
— T:*m^ 



T^- 



+'^- 




Direkt rotirende Aufnahme- Verbund-Dampfmaschine 

mit und ohne Condensation. 



Von JOHN H. MEYER, Ingenieur, Philadelphia, Pa. 



Direct rotirende /4ufnehmer'yerbund'Dampfmascktne. 23 




Direkt rotirende Aufnehmer-Verbund-Datnpftnaschine 

mit und ohne Condensation. 



Von JOHN H. MERER, Ingenieur, Philadelphia, Pa. 



24 Mittheilungen des D. A, T. V. 

Niederdruck-Cylinder mit dem 9,5 fachen Volumen des Hoch- 
druck-Cylinders giebt mit 2CX) Ib Kessel-Ueberdrucl< und 500 
Umdrehungen, 80 Dampf-Pfk. und ein Kohlenverbrauch von i Ib 
per Pfk. und Stunde unter den angenommenen Verdampfungs- 
grad des Kessels, während die besten drei- und vierfachen Ex- 
pansions- und Condensations-Kurbel-Dampfmaschinen i|^ bis 
i}4 ^ Kohle per Dampf-Pfk. und Stunde gebrauchen, dabei 
haben die neueren Kessel einen Verdampfungsgrad von 9 und 
g}4 ft) Wasser per i Ib Kohle. 

Die Maschinen bestehen aus zwei bis sechs Cylindern hinter 
einander mit derselben Achse, zwischen je zwei Cylindern ein 
Aufnehmer. Am äussern Ende des Hochdruck-Cylinders ist die 
Dampfkammer, am entgegengesetzten äusseren Ende des Nieder- 
druck-Cylinders befindet sich die Abdampfkammer. 

Die Cylinder sind parallel zur Achse in zwei Hälften getheilt 
zur Aufnahme der Welle und der Kolben, ausserdem befindet 
sich an jedem Cylinderende ein Theil eines Aufnehmers, wel- 
cher sich durch Verbindung der respectiven Cylinder zu einen 
Ganzen gestaltet. 

Die Welle wird an jedem Ende ausserhalb der Cylinder in 
einem Lager geführt und sind die Oeffnungen für die Welle in 
den betreffenden Enden der Cylinder durch Stopfbüchsen abge- 
dichtet. 

Cylinder und Aufnehmer nehmen an Volumen zu, vom 
Hochdruck nach dem Niederdruck-Cylinder, jedoch abhängig 
von einander. 

Da die Cylinder sowohl als die Kolben symmetrisch sind und 
sich die Arbeit des Dampfes in jedem Cylinder wiederholt, so 
genügt es vollkomjrjen, einen Cylinder, respective Kolben und 
dessen relative Bewegung, zu beschreiben. 

Der aus zwei Hälften zusammen geschobene Cylinder hat in 
der, der Einströmung zugekehrten Wand, zwei, drei oder mehr 
Einströmungsöffnungen (am zweckmässigsten sind drei, daher 
diese Anzahl im folgenden beibehalten) und in der entgegenge- 
setzten, oder der Ausströmung zugekehrten Wand sind drei Serien 
Ausströmungsöffnungen. Der Anordnung des Kolbens ent- 
sprechend sind diese Oeffnungen gleichmässig in einem Kreise, 
für jede Seite, vertheilt. In der Mitte einer jeden Endwand 
befindet sich eine Oeffnung, gross genug um die Nabe des 
Kolbens, respective die Lagerschaalen für die innere Auflage der 
Welle oder Nabe, aufzunehmen. Der Cylinder wird genau 
cylindrisch und rechtwinklich ausgebohrt und der ebenfalls 
gedrehte Kolben genau beweglich eingepasst. In der inneren 
Mantelfläche sind drei Vertiefungen in gleichen Abständen (120°) 
über die Mantelfläche vertheilt, zur Aufnahme der drei Klappen- 
ventile, welche einseitig aufgehängt sind und frei nach innen 
schlagen ; diese Ventile sind gekrümmt nach dem inneren Halb- 
messer des Cylinders und so in die Vertiefungen eingepasst, 
dass sie dieselben beweglich genau ausfüllen, doch sind die bei- 
den Enden in der Lurvenrichtung abgerundet. Aussen an der 



Direct rotirende Aufnehmer-yerbund-Dampfmaschine, 25 

Mantelfläche befinden sich drei Stutzen, die über jede innere 
Vertiefung radial abstehen. 

Die Stutzen sind ausgebohrt zur Aufnahme einer Spiralfeder 
bis zu einer bestimmten Grenze, oder eines kleinen Dampf- 
kolbens für alle Fälle anwendbar, welche mittelst einer Ver- 
längerung auf die Flachventile drücken und nach innen zu trei- 
ben trachten. Der Kolben besteht aus einem Teller mit def 
Nabe, oder für grössere Abmessungen aus Doppel-Teller und 
Naben in der Mitte, zur Aufnahme der Welle, sowie dem Rad- 
kranz als Umfang. Radial auswärts befinden sich am Kranz 
drei Daumen in gleichem Abstand, die unter sich und mit dem ' 
Kranz durch zwei Seitenleisten verbunden sind. Der äussere 
Durchmesser des Kolbens über die Seitenleisten und Daumen- 
enden ist gleich dem Innern Durchmesser des Cylinders und die 
äussere axiale Länge über die Seitenleisten gleich der inneren 
axialen Länge des Cylinders. 

Die Begrenzungslinie der Daumen in der Normalebene zur 
Achse ist von der Vorderseite (Seite nach der Bewegungsrich- 
tung) ein Viertelkreis mit grosser Füllung nach dem Kranz und 
an der Hinterseite eine Hypocycloide eines Kreises mit dem 
Halbmesser gleich der Länge des Flachventils (selbstverständ- 
lich vom Aufhängepunkt gemessen), welcher in einem Kreis 
rollt mit dem Halbmesser, gleich der Entfernung vom Mittelpunkt 
der Welle bis zum Aufhängepunkt des Flachventils plus der 
Länge des Flachventils. 

Die Breite der Flach ventile ist gleich der axialen Länge 
zwischen den Seitenleisten des Kolbens, die Länge derselben 
ungefähr i}i Mal der radialen Höhe der Daumen. Ist der Kol- 
ben im Cylinder plazirt, so haben sich in demselben 3 Taschen 
gebildet, die vollständig geschlossen sind. Der Inhalt dieser drei 
Taschen ist das aktive Volumen des Cylinders. Dreht sich der 
Kolben im Cylinder, so werden gleichzeitig alle drei Flachven- 
tile von den passirenden Daumen in ihre Vertiefungen geschoben 
und so wie die Daumen die Ventile verlassen haben, von ihren 
Spiralfedern respective ihren Dampfkolben sofort längs der 
Hypocycloiden-pläche in die Taschen gedrückt ; dieses Spiel 
wiederholt sich für jede Umdrehung drei Mal. Diejenige Seiten- 
leiste des Kolbens, welcher der Einströmungsseite des Cylinders 
zugekehrt, ist mit drei länglichen Oeffnungen versehen, die 
gleichen Abstand von einander haben und gleichzeitig über die 
Einströmungsöffnungen des Cylinders gleiten. Die Länge dieser 
Oeffnungen ist von. dem verlangten Füllungsgrad abhängig. 
In der Vorderseite eines jeden Daumens ist die Oeffnung eines 
Kanals, welcher sich innerhalb des Daumens nach der Aus- 
strömungsseite dreht und durch die zugehörige Seitenleiste 
ausmündet und bei der Umdrehung des Kolbens über die Serien 
der Oeffnungen in der Cylinderwand gleitet. Angenommen, 
der Kolben hat eine solche Stellung im Cylinder, das die Flach- 
ventüe ungefähr ^ ihres Weges in den Kammern liegen, wäh- 
rend der Dampf vom Kessel mit der Dampfkammer verbunden 



26 Mittbeilungen des D. A. 7. V. 

ist, dann beginnt die Einströmung. Der einströmende Dampf 
drückt gegen die Flachventile und treibt die Daumen und mit 
ihnen den Kolben vor sich her ; hat der Kolben seinen bestimm- 
ten Theil der Umdrehung vollzogen, ist die Einströmung ge- 
schlossen und die Expansion beginnt, diese dauert an, bis die 
nächsten Daumen gleichzeitig alle Flachventile zu heben begin- 
nen und hiermit die Ausströmmung öffnen. Die Ausströmung 
ist bis kurz vor der nächsten Ausströmungsperiode geöffnet. 
Bei einer Umdrehung sind also drei Füllungs-Expansions- und 
Ausströmmungs-Perioden. Dabei ist die Ausströmungs-Periode 
ungefähr doppelt so lang als die Füllungs- und Expansions- 
Periode zusammen. 

Sind zwei Cylinder vorhanden, so sind die Kolben auf der 
Welle so aufgekeilt, dass der eine Kolben für Dampf öffnet, wäh- 
rend der andere die Ausströmung öffnet. 

Mit fünf Cylindern z. B. sind diese Perioden so vertheilt, 
dass auf 120*^ also zwischen zwei Daumen des Hochdruck- 
Cylinders jeder Cylinder die Einströmungs-Periode durchge- 
macht hat oder mit anderen Worten : Wären die fünf aufgekeil- 
ten Kolben transparent und man würde in der Achsenrichtung 
durchsehen, so sind alle Daumen 24° von einander entfernt. 
Die Einströmungsöffnungen in der Cylinderwand sind mit Metall- 
büchsen versehen, die durch den Dampf gegen die Seitenleisten 
der Kolben gedrückt, dampfdicht über dieselben gleiten. Die 
Ausströmungsöffnungen sind nur für Condensations-Maschinen 
am Niederdruck-Cylinder ebenfalls mit durch Federdruck ab- 
dichtende Büchsen versehen. 

Die kleinen Dampfkolben für die Flachventile erhalten 
Kesseldampf und ihre Ausströmung mündet in den folgenden 
Aufnehmer ; diese Ein- und Ausströmung ist durch die eigene 
Bewegung des Kolbens so regulirt, dass ihre Ausströmung 
beginnt, wenn die Einströmung in ihrem zugehörenden Haupt- 
Dampf-Cylinder öffnet, während die kleinen Kolben mit vollem 
Dampfdruck auf die Flachventile wirken, ehe sie von den 
Daumen ganz in die Vertiefung geschoben sind um ein Schlagen 
zu verhindern. ' 

Die Daumen sind an ihren radialen Enden mit Bronze 
Dichtungsstreifen versehen, die mittels Wellblechfedern gegen 
den Cylinder-Mantel abdichten ; in derselben Weise sind die 
Seiten der Flachventile mit den Seitenleisten des Kolbens abge- 
dichtet. 

Der Umfang der Seitenleisten ist mit 1 heilringen in Nuten 
versehen, die durch ihre Centrifugalkraft eine Dichtung mit dem 
Mantel herstellen. 

Die Seitenleiste an der Einströmungsseite ist innerhalb der 
Einströmungsöffnungen durch einen Ring mit Federn gegen die 
zugehörende Cylinderwand gedichtet. 

Die aufgehängten Enden der Flachventile sind "cicular abge- 
rundet und sind an ihre gleichgrosse Bohrung durch den Dampf- 



Direkt rotirende Aufnehmer-yerbund-Dampfmaschine. 27 

druck dampfdicht angepresst, während die freien Enden durch 
denselben Druck dampfdicht auf den Kranz gleiten. 

Unter den Aufhängebolzen der Flachventile sind ebenfalls 
Bronzestücke eingepasst, welche auf den Umfang der Seiten- 
leisten des Kolbens gleiten. Der Niederdruck-Cylinder ist mit sei- 
nen Fussflanschen umwandelbar mit der Grundplatte verbunden 
und für Zwei-Cylinder-Maschinen der Hochdruck-Cylinder direkt 
an den Niederdruck Cylinder angeschroben. Für Drei- oder 
Mehr-Cylinder-Maschine sind die anderen benöthigten Fuss- 
flanschen mittels Schwalbenschwänzen mit der Grundplatte ver- 
bunden, um der Ausdehnung in der Achsenrichtung Rechnung 
zu tragen. Aus diesem Grund sind die Aussenlager ohne 
Ansätze. 

Es ist leicht ersichtlich, dass mit dieser gedrängten Con- 
struktion ein nur geringer Wärmeabfall in der Maschine statt- 
findet, die ganze Maschine wird mit einem Nichtleiter bekleidet 
und nimmt nach kurzem Betrieb die Temperatur des Hochdruck- 
Cylinders an. Die kurzen Uebergangsöffnungen und Kanäle 
vermindern ebenfalls den Dampfabfall durch Reibung und Ab- 
kühlung. Ausserdem besitzt die Maschine einen hohen Gleich- 
mässigkeitsgrad, da jeder Kolben auch noch als Schwungrad 
wirkt und nimmt derselbe mit der Anzahl der Cylinder zu. 

Eine *'Ein''-Cylinder-Maschine würde beim Angehen eben 
wie eine Kurbel-Maschine auf Einströmung gestellt werden 
müssen, eine **Mehr"-Cylinder-Maschine wird durch direkten 
Dampf in jeder beliebigen Stellung angehen. 

Da die Maschinen nur sehr wenig Raum einnehmen, habe 
ich die Ein-Cylinder-Maschinen gar nicht in Betracht gezogen. 

Die abgebildete Maschine beansprucht 3 ft. 6" in der Länge 
und 2 ft. 2" in der Breite und Höhe. 




'■^V'^ 



28 Mittheilungen des D, A. T. V. 

DQul5cK-JImQrik2^ni5cKQrTQcKnikQr-YQrI)2^nd 

Vorort: Phiila.delphila., Pa.. 



Vcrbandsjahr 1897- 98- 



Protokoll der Vororts-Sitzung vom 9. März 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz; A. Schumann, A. Propfe, 
A. Heilbrunn und Dr. Th. Willken. 

Das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und ßenehmigt 
Es gelangen die eingegangenen Briefe, etc. zur Verlesung und 
zwar von Herrn C. Kaelble — New York, 25. Februar ; Verein 
Pittsburg durch Herrn Dr. K. Stahl, Ausflug nach Cleveland, O. 
betreffend; Herrn A. Loeser — Baltimore, 5. März, und einige, 
Mitgliederaufnahme betreffende, Anzeigen. 

Zur Zahlung angewiesen werden : für die '*Mittheilungen'* 
d. V. No. 3, Vol. III., Druckkosten JJ78.00 und Expedition, etc. 
$13.75, sowie für Postwerthzeichen JJ0.75. 

Dem Eidgen. Polytechnikum Zürich, sollen auf den diesbe- 
züglich geäusserten Wunsch, je i Exemplar der früher erschie- 
nenen "Mittheilungen d. V.'*, soweit solche noch vorhanden, 
zugesandt werden. 

Die Vereine Cincinnati, Chicago und Baltimore sollen ge- 
mahnt werden, die rückständigen Umlagen zu zahlen. 



Protokoll der Sitzung vom 31. März 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, A. Schumann, A. Propfe, 
J. Sachs, A. Heilbrunn und Dr. Th. Willken. 

Das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und genehmigt. 
Es gelangen einige Schreiben zur Verlesung : von Herrn W. 
Mueser — New York, 14. und 18. März ; Herrn A. Loeser — Balti- 
more, 5. März ; Herrn O. C. Reyman — Pittsburg, 12. März; 
Herrn Prof. Rudio — Zürich, 15. März, und von einigen amerikani- 
schen Ingenieur-Vereinen gedruckte Zuschriften und Broschüren. 
Die letzteren sollen für das Archiv aufgehoben werden. 

Die Vereine Chicago, Cincinnati und Baltimore, haben noch 
keine Antworten auf die denselben zugegangene Schreiben ein- 
geschickt. 



\ 



Berichte des Vorortes. 29 

Eine Anfrage des Herrn O. C. Reyman, Verein Pittsburg, 
betreffend Bestimmung, welcher Verein für ein Mitglied, das 
mehreren Vereinen angehört, für die Umlagen aufzukommen hat, 
soll dahin beantwortet werden : dass der Vorort nur eine Mei- 
nung abgeben kann ; die Sache jedoch dem Technikertag zur 
Entscheidung vorzulegen ist. Nach längerer Berathung darüber, 
ob eine 3. Umlage erhoben werden soll, wird beschlossen, eine 
solche auszuschreiben und eine Rechnungsablage beizufügen. 
Der Schatzmeister Herr A. Propfe, wird dem Sekretär den 
Kassenausweis zugehen lassen. 

Der Verein Baltimore hat eine Umlage 1897 — 98 eingesendet. 

A. Schumann, f^erbands-Sekretär. 




30 Mittheilungen des D, A. T. K 

Vereins- Protokolle. 



Technischer Verein von Philadelphia« 

Regelmässige Versammliuig vom 26, Februar 1898. 

Anwesend 20 Mitglieder. 

Herr H. Schmaltz eröffnete die Versammlung und übergiebt 
dann den Vorsitz Herrn A. Schumann, um einen Vortrag zu hal- 
ten über : 

''Aus der Sammelmappe des Technikers," 

(ERSTE FOLGE.) 

Der Herr Vortragende bespricht Neuerungen in Transmissio- 
nen bei Maschinen, besonders die "Hänger und l^menscheiben,*' 
Philadelphia leistet in der Herstellung derselben Bedeutendes und 
sind überhaupt amererikanische Leistungen auf diesem Felde her- 
vorragend. Die Firma Cresson & Co. hierselbst, hatte dem Vor- 
tragenden bereitwilligst einige der zur Besprechung gelangenden 
Gegenstände zur Ansicht dargeliehen. 

Eine lebhafte Diskussion, an welcher sich die Herren E. 
Collins jr., P. Ehlers, G. F. Ott, F. Weil, J. Sohn, F. Paulus 
und A. Burchard betheiligten, und welche vershiedene andere 
Besprechungen hervorrief, legte Zeugniss ab von dem lebhaften 
Interesse, welches der Vortrag hervorgerufen. 

Herr A. Schumann spricht dem Herrn H. Schmaltz den Dank 
des Vereins aus, der hierauf den Vorsitz wieder übernimmt. 

Im Fragekasten wird Auskunft über einen feuersicheren 
Holzfarbenanstrich gewünscht, und geben die Herren Gl. D. 
Rinald, Dr. H. Dannenbaum und P. Ehlers, Antwort. 

Herr A. Burchard macht auf eine versuchte Lösung des Pro- 
blems eines perpetuum mobile aufmerksam, welche sich anschei- 
nend als richtig darstellt, und fragt, welches der Grund sei, dass 
dieselbe dennoch sich als unrichtig erweise. Die Herren G, F. 
Ott, P. Ehlers, M. Uhlmann, A. Haug und der Fragesteller 
selbst geben eingehende Erklärungen ab. 

Herr A. Schumann weisst hin auf die in Deutschland viel zur 
Verwendung kommenden Kessler'schen Fluate. Herr Dr. H. 
Dannenbaum hält diese Fluate für die Zwecke der Conservier- 
ung weicher Baumaterialien ganz geeignet. 



Regelmässige Versammlung vom 12. März 1898. 

Anwesend 16 Mitglieder. 
Herr H. Schmaltz leitet die Versammlung. 
Herr P. Collins erstattet Bericht über den vom Pittsburger 
Verein unternommenen Ausflug nach Cleveland, O. 



l^ereinS'Berichte, 31 

Herr Dr. Th. Willken berichtet Namens des wissenschaft- 
lichen Komites. Herr M. Uhlmann regt an, häufiger, statt abge- 
schlossener Vorträge, Fragen zur Diskussion zu stellen. Herr H. 
Schmaltz meint, dass für wichtige Fragen Vorbereitungen zur Be- 
antwortung erforderlich wären, d;e ebenso viel Zeit beanspruchen 
als Vorträge, so z. B. die von Herrn Uhlmann gestellte Frage : 
'*lVie ist der Ausbildungsgang eines Lehrlings in einem technischen 
Fache ^u gestalten?" Herr Schmaltz spricht dann den Wunsch 
aus, es mögen sich der Beantwortung dieser Frage zwei Herren, 
die entgegengesetzter Ansicht seien, widmen. 

Herr A. Schumann verbreitet sich über die Bestrebungen 
des '* Internationalen (Verbandes für Materialienprüfung der Technik.'* 
Er weisst hin auf die im Lesezimmer aufliegende Zeitschrift des 
Verbandes und macht auf einige Besprechungen darin besonders 
aufmerksam. Zum Schlüsse spricht er die Hoffnung aus, dass 
der D. A. T. V. sich bemühen werde, für die Sache des Ver- 
bandes hier im Lande zu wirken. Es sei dieses eine schöne 
Aufgabe und dem nächsten Technikertage zur Behandlung zu 
empfehlen. 

Herr H. Schmaltz eröffnet eine Diskussion über die Frage : 
'* Welches sind die betriebssichersten Pumpen für gebohrte Tiefbrun- 
nen ? " 

Es werden die bekannten Arten von Pumpen von dem 
Fragesteller mit Hülfe von Handzeichnungen an der Tafel be- 
schrieben und die Vorzüge der mit Druckluft betriebenen Brun- 
nen geschildert. 

An der Diskussion betheiligten sich die Herren P. Ehlers 
und A. Burchard und wird besonders dabei auf den erforderlichen 
Kraftverbrauch hingewiesen und Meinungen ausgetauscht. 



Regelmässige Versammlung vom 26. März 1898. 

Anwesend 31 Mitglieder und 2 Gäste. 

Herr H. Schmaltz leitet die Versammlung. 

Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen eröffnet Herr H. 
Schmaltz die Besprechung gestellter Fragen nriit einer Beschrei- 
bung einer Vorrichtung zur besseren Ausnutzung der Brustleiher 
(Bohrinstrument) und zeigt er durch einen praktischen Versuch 
die Nützlichkeit der Vorrichtung. 

Herr A . Burchard hält einen kurzen Vortrag über ''(Verflüssigung 
der Luft" und theilt darin die bisher über den Gegenstand ge- 
machten und bekanntgewordenen Experimente mit. Zeichnun- 
gen an der Tafel illustrirten die Ausführungen, welche lebhaften 
Beifall fanden. 

Herr P. Ehlers machte Mittheilungen über ''Benutzung der 
Schormteintemperatur ^ur yorwärmung von Kesselspeisewasser" 
Die sehr interessante Besprechung von Erfindungen auf diesem 
Gebiete der Technik, welche der Redner mit Stereopticonbildern 
begleitet, finden reichlichen Beifall, und betheiligen sich an der 



32 Mittheilungen des D. A. T. V. 

sich anschliessenden Diskussion die Herren H. Schmaltz, Dr. B. 
Terne und W. Bürgermeister. Herr P. Ehlers erwähnt noch, 
dass die angeführten Anlagen sich besonders bei grösseren Be- 
trieben sehr empfehlen. 



Regelmässige Versanunluag vom 9. April 1898. 

Anwesend 2i Mitglieder und 2 Gäste. 

Herr H. Schmaltz führt den Vorsitz. 

Ein Circular des Vororts fordert zur Zahlung einer 3. Umlage 
auf und wird dieselbe bewilligt. 

Als Mitglieder des Vereins sind aufgenommen : 

Herr C. Hugo Trik, Civ. Ing., City Hall, Phila. 

H. Kaltwasser, Masch. Ing., 204 Franklin St., Phila. 

Herr M. Uhlmann berichtet über die Vorarbeiten für das am 
29. April abzuhaltende Stiftungsfest. 

Herr E. Buser berichtet über einen Besuch des Techn. 
Vereins Brooklyn und die bei der Gelegenheit angeregte Frage 
über den Ort zur Abhaltung des nächsten Technikertages. Der 
Vorort soll die Angelegenheit in der nächsten Nummer der ''Mit- 
theilungen" zur Besprechung bringen. 

Es erhält nunmehr das Wort Herr J. Weil zu einem Vor- 
trage über : 

'' Einige Hilfsmittel zum technischen Zeichnen." 

Der Redner, welcher eine Anzahl seiner Zeichenmateria- 
lien und Messinstrumente, etc., vorlegt, erklärt deren Gebrauch 
und Vorzüge. Sehr viel Interesse erregt ein neues Vervielfäl- 
tigungsverfahren von Zeichnungen, bei welchen die Zeich- 
nungen in blauer oder brauner dunkler Farbe auf weissem 
Grunde erscheinen. 

Die Versammlung dankt dem Vortragenden durch grossen 
Beifall. An der Diskussion betheiligen sich die Herren H. 
Schmaltz, M. Uhlmann, P. Ehlers und B. Haug. Letzterer hat 
eine Anzahl von Hilfsmitteln für seinen eigenen Gebrauch her- 
gestellt, die er vorzeigt und bespricht. Dieselben finden viel 
Anerkennung. 

A. Schumann, Sekretär, . 



Technischer Verein von New York. 



Regelmässige Versammlung vom 26. Februar 1898. 

Präsident Leop. Kaczander eröffnet die Sitzung. 

Das Protokoll der regelmässigen Versammlung vom 12. 
FebTuar wird verlesen und angenommen. 

Neue Mitglieder : die Herren D. L. Wehrhahn, M. Ing., und 
Wm. F. Brendlin, M. Ing., wurden vom Verwaltungsrath zur 



y er eins- Berichte. 33 

Aufnahme empfohlen und als ordentliche Mitglieder aufge- 
nommen. 

Einlaufe: Einladung vom ''Verein für Kunst und Wissen- 
schaft*' zu einem Maskenkränzchen; verschiedene Mitglieder 
werden der Einladung Folge leisten. 

Sodann erhielt Herr P. Gottlieb, Mitglied des Vereins, das 
zu seinem angekündigten Vortrag über : 

''Neuerungen und Verbesserungen von Maschinentheilen 
für Transmissions-Anlagen." 

In längerer, wohl vorbereiteter Rede, die dem Vorort zur 
Wiedergabe zugegangen ist, erläuterte der Vortragende, unter 
Vorzeigung von Modellen und Photographien, die konstruktiven 
Eigenthümlichkeiten, Vorzüge und Herstellungsweise der neu- 
esten Hänge- und Wandlager-Formen, einer verbesserten Ein- 
und Ausrückvorrichtung für Transmissions-Riemen und zweier 
neuer Arten von Riemenscheiben. 

Der Präsident dankte dem Redner für seine hochinteressan- 
ten Ausführungen, und die lebhafte Diskussion des Vortrages, 
an der sich die Herren : Spiro, Kaczander, Neuhaus und Kops 
betheiligten, bekundete das Interesse, welche die anwesenden 
Mitglieder dem für jeden Konstrukteur wichtigen Thema ent- 
gegenbrachten. 

Herr Kaczander theilte sodann mit, dass auf Anregung des 
T. V. Brooklyn, an Stelle des ersten Vereinsabends im Monat 
März, vom Verwaltungsrath ein gemeinschaftlicher Besuch des 
deutschen Irving Place Theaters beschlossen worden sei, und 
dass für den darauf folgenden Vereinsabend ein Vortrag über: 
^^Eismaschinen und künstliche Eisbahnen/* in Aussicht stehe. 

Hierauf Schluss des offiziellen Theiles. 



Regelmässige Versammlung vom 26. März 1898. 

Präsident Kaczander eröffnete die Versammlung. 

Geschäftliches : Das seitherige Mitglied Herr W. J. Reich 
ist in den T. V. Pittburg übergetreten. 

Hierauf Verlesung des kürzlich in den hiesigen Blättern er- 
schienenen ''Offenen Briefes'* von Col. Waring, bezügl. des 
Druckes seines Reports über die von ihm gemacten Ver- 
besserungen im Strassenreinigungs-System der Stadt New York. 
Es wurde einstimmig beschlossen, $io,oo zur Bestreitung der 
Kosten beizutragen, weil der T. V. die Arbeiten und Erfolge des 
früheren Strassenreinigungs-Kommissärs voll und ganz würdige, 
und der korresp. Sekretär wurde beauftragt, ein diesbezügliches 
Schreiben an denselben zu richten. 

Herr Karl Obermayer, M, Ing., wird als ordentliches Mit- 
glied aufgenommen. 



34 Mittheilungen des D, A, T. K 

Der Präsident theilt sodann mit, dass für den nächsten 
Monat ein humoristischer Vortrag des Herrn Karl Hauser über : 
''Geselliges Polytechnikum" in Aussicht genommen sei ; der Aus- 
schuss sei der Meinung, dass der Verein mehr in die Oeffentlich- 
keit treten solle und die Popularität des bekannten Humoristen . 
werde eine ausgezeicnete Zugkraft sein. 

Im Anschluss an eine während des Nachmittags stattgefun- 
denen Exkursion, bei der die hochinteressante Einrichtung und 
Maschinenanlage der künstlichen Eisbahn des St. Nicholas Skat- 
ing Rink besichtigt wurden, erhielt unser Mitglied Herr J. E. Aue, 
der bei der Exkursion den liebenswürdigen Führer gemacht hatte, 
das Wort zu seinem Vortrag über : 

" Eismaschinen." 

Derselbe wurde in freier Rede gehalten und lautete im Aus- 
zug wie folgt : 

" Die Eismaschine gehört zu einem Zweige der Tecknik, der sich erst in 
den letzten 40 Jahren entwickelt hat. Die Unzuverlässigkeit des Eisern tens 
und die damit verbundenen Störungen in Industrien! denen das Eis gerade so 
unentbehrlich ist wie die Kohle, veranlasste schon frühe Erfinder einen Ersatz 
für das Natureis zu suchen. 

Schon im 16. Jahrhundert war es bekannt, dass man durch eine Mischung 
von Salpeter in Wasser eine Temperaturerniedrigung erzielen konnte. An- 
fangs des 17. Jahrhunderts entdeckte man, dass eine Mischung von Schnee 
oder Eis mit Salz eine Temperatur von 10° F. ergab. Es wurden später noch 
andere Mischungen angewandt, weiche theis nur aus Chemikalien bestanden. 
Die meisten dieser Kältemischungen sind wohl nur im Laboratorium zur An- 
wendung gekommen ; zur Herstellung von Ice Cream und ähnlicher Produkte 
braucht man aber heute noch gestossenes Eis und Salz. 

Anfangs dieses Jahrhunderts erzeugte Leslie mit Hilfe der Luftpumpe 
eine geringe Quantität Eis direkt vom Wasser, indem er von der Thatsache 
Gebrauch machte, dass das Wasser bei genügend verringerten Luftdruck 
schon bei 32° F. verdampft. Nach diesem Prinzip wurden in den 20iger 
Jahren verschiedene Eismaschinen konstruirt, weiche die abgesaugten 
Dämpfe durch konzentrirte Schwelsäure kondensirten und die Luft mittelst 
einer Luftpumpe absogen. Es soll mit diesen Maschinen bis zu 6 Tonnen per 
Tag fabrizirt worden sein. 

Im Jahre 1834 konstruirte Perkins eine Maschine, in welcher Kälte durch 
Verdampfen von Aether erzeugt wurde. Der Aether wurde durch eine Pumpe 
angesaugt, dann komprimirt, durch Abkühlen kondensirt, wobei die gebun- 
dene Wärme frei und durch das Kühlwasser abgeführt wird, dann unter 
geringerem Drucke wieder verdunstet. Dabei wird diese Wärme vom Aether 
wieder aufgenommen und das Wasser durch Entziehung von Wärme ent- 
zogen. Wenngleich diese Maschine noch keine praktischen Erfolge hatte, so 
gebührt Perkins doch die Ehre, die erste Kompressions-Maschine gebaut zu 
haben. 

Von den Chemikalien, welche heute in den Kälte-Maschinen zur Ver- 
wendung kommen, nimmt das Ammoniak die erste Stelle ein. Der Siede- 
punkt desselben liegt bei gewöhnlichem Luftdruck weit unter dem Gefrier- 
punkt des Wassers und es übertrifft die andern gebrauchten Chemikalien 
bedeutend an gebundener Wärme. Dieselbe ist für Ammoniak [NH3] 568, 
für schweflige Säure [SO2] 164, für Kohlensäure [COa] 100.60. 

Denjenigen Ingenieuren, welche sich näher über diese und ähnliche 
Punkt ienformiren wollen, seien verwiesen auf die Tabellen und die Hand- 
bücher von Kent und Behrens, sowie auf die Tabellen von Ledonse, welch 
letztere in den Van Nostrand Series von 1892 erschienen sind. 



Vereins-Berichie, 35 

Unter den verschiedenen modernen Systemen, die in Kühlanlagen ge- 
braucht werden, nimmt die Kompressionsmethode den ersten Rang ein. Das 
Ammoniak wird durch eine Pumpe aus den Kühlschlangen angesogen, kom- 
primirt und in den Kondenser getrieben. Hier wird es durch kaltes Wasser 
abgekühlt und dadurch verflüssigt, wobei das Kühlwasser die frei gewordene 
gebundene sowie die durch Kompressen erzeugte Wärme abführt. Das 
flüssige Ammoniak strömt dann durch ein Drosselventil in die Kühlschlan- 
gen, wo es verdampft und die dazu nöthige Wärme der zu kühlenden Sub- 
stanz entnimmt ; und wird von hier von der Pumpe wieder angesogen. Der 
Kreislauf ist ein geschlossener und bei gut konstruirten Maschinen geht sehr 
wenig Ammoniak verloren. Falls keine Undichtigkeit in den Röhren und 
Mascnirientheilen existirt, ist der einzige Auslass die Stopfbüchse der Pumpe 
und die hat man mit Erfolg durch Anwendung von Oelkammern gedichtet. 
Zum Schmieren der Pumpe darf jedoch nur ein Oel gebraucht werden, welches 
keine thierischen Fette enthält, da sonst die Röhren verseifen. 

Im Jahre 1867 erregte Carre mit seiner AhsorpUons-^diSchxnt bedeutendes 
Aufsehen. Eine Mischung von 25 Theilen Ammoniak in 75 Theilen Wasser 
wird in einem Kessel durch Dampf erhitzt, wodurch das im Wasser enthaltene 
Ammoniak verdampft und der zum Verflüssigen des Ammoniaks nöthige 
Druck erzeugt wird. Die Gase werden in dem mit Wasser gekühlten Kon- 
denser kondensirt. Das flüssige Ammoniak tritt dann durch einen Regulier- 
hahn in die Kühlschlangen und verdunstet dort unter niederem Druck, nimmt 
hier von der kühlenden Substanz Wärme als gebundene Wärme auf, geht 
dann nach dem Absorber, wird dort von einer schwachen Ammoniakmischung 
absorbirt uud vermittelst einer Pumpe durch den Interchanger zurück nach 
dem Kessel geleitet. Der Interchanger überträgt die Wärme der vom Kessel 
kommenden geschwächten Ammoniakmischung auf die vom Absorber kom- 
menden Mischung. 

Diese Absorptionsmaschinen werden meistens nur zur Eisfabrikation 
angewendet. 

Im Jahre 1850 baute Dr. Gorrie in New-Orleans eine Maschine, in wel- 
cher er Luft komprimirte, dann abkühlte und schliesslich dieselbe in einem 
Cylinder hinter einem Kolben expandieren liess. Die Kompressionswärme, 
welche durch das Kühlwasser abgeführt wurde, wird beim Expandieren wieder 
aufgenommen und dadurch Gefriertemperatur erzeugt ; da aber nur die mess- 
bare Wärme und nicht die latente Wärme der Luft in Betracht kommt, so 
müssen sehr grosse Luftmengen durch die Maschine passiren und dieselbe 
sehr grosse Dimensionen erhalten. Die Luftmaschinen haben sich längere 
Zeit auf Schiffen bewährt, werden aber jetzt auch dort durch Ammoniak- 
Kompressionsmaschinen ersetzt. 

Die künstliche Kühlung, die immer mehr an Ausdehnung gewinnt, in 
Brauereien, Schlachthäusern, zur Aufbewahrung von Eiern, Früchten, Pelzen 
u. s. w., geschieht am praktischsten und billigsten, indem man entweder das 
Ammoniak oder gekühltes Salzwasser [Bline] durch Röhren in die zu küh- 
lenden Räume leitet. 

Die Kiihlfahigkeit einer Maschine wird in Tonnen von Eis ausgedrückt. 
Bei einer Bestimmungsfähigkeit von i Tonne versteht man, dass die Maschine 
so viel Kälte erzeugt, wie das Schmelzen von i Tonne Eis. Man kann 
ungefähr i % Pferdekraft auf i Tonne Kühlfähigkeit, und auf i Tonne Kohlen 
14 bis 24 Tonnen Kühlfähigkeit rechnen. 

Zur Eisfabrikation kommen heute nur zwei Systeme in Anwendung: 
das Kannen- und das PlattenSysXtm, 

Bei der Herstellung des Kanneneises wird meistens nur destillirtes Wasser 
verwendet, da das gewöhnliche Trinkwasser ein weisses, schmutziges Eis 
liefern würde. Durch den Gebrauch von destillirtem Wasser wird das Eis 
nicht allein viel klarer, sondern es wird auch die Gefahr der Uebertragung von 
ansteckenden Krankheiten vermieden. Die mit destillirten Wasser gefüll- 
ten Kannen werden in eine Salzlösung gestellt, welche durch Kühl- 
schlangen genügend abgekühlt werden, um das in den Kannen befindliche 
Wasser zu gefrieren. Der Gefrierpunkt der Salzwasserlösung liegt je nach 
dem Salzgehalt tiefer unter dem Gefrierpunkt des Wassers. Diese Eisblöcke 



36 Mittheilungen des D. A. T. V. 

wiegen gewöhnlich 300 Pfund bei grösseren Anlagen und verschiedene Eis- 
fabriken können 200 bis 300 Tonnen Eis pro Tag liefern. Gute Anlagen 
ergeben ungefähr 7 Pfund Eis für i Pfund Kohle oder ungefähr 3 Tonnen Eis 
für I Pferdekraft. Ein grosser Theil des Dampfes, ungefähr 40 Prozent, geht 
im Destillirapparat verloren. 

In den Platteneis-Anlagen liegen die Kühlschlangen zwischen zwei Eisen- 
platten. Dieselben stehen in mit Wasser gefüllten hölzernen Kästen. Das 
Ammoniak wird in den Kühlschlangen verdampft und das Eis setzt sich an 
den eisernen Platten an. Nachdem es eine Dicke von 12 Zoll erreicht hat, 
wird es von den Platten abgethaut und mit Krahnen aus den Kasten gehoben. 
Ein solcher Eisblock ist mitunter io''x2o'' und wiegt 10 Tonnen, wird jedoch in 
Stücke von 300 Pfund geschnitten. Da zum Platteneis gewöhnliches Wasser 
verwendet wird, so fallen die Destillierapparate, welche zum Kanneneis ver- 
wendet werden, fort. 

Das Platteneis ist sehr klar, ohne Kern, ist aber im Stande, Krankheiten 
zu übertragen, da das Wasser nicht gekocht wird. Eine solche Anlage liefert 
ungefähr io>^ Pfund Eis für i Pfund Kohle, aber die Anlagekosten sind be 
deutend grösser als beim Kannensystem. 

Die Eismaschinen sind schon seit mehrere Jahren mit Erfolg zur Her- 
stellung von kuenstUchen Schlittschuhbahtun verwendet worden. Eine abge- 
kühlte Salzlösung wird durch Rohre gepumpt, welche auf dem wasserdichten 
Boden des Eisbehälters liegen. Das Eis bildet sich um diese Röhren, bis es 
ungefähr i bis 2 Zoll über denselben steht. Das von den Schlittschuhen 
abgekrazte Eis wird abgefegt und durch warmes Wasser ersetzt, welches 
über die Eisfläche gespritzt wird und nach dem Gefrieren eine vollständige 
gerade Fläche giebt. 

Der Redner erläuterte seine Darstellungen der verschiede- 
nen Systeme mit Hilfe von vorgeführten Skizzen. Reicher Bei- 
fall der zahlreich erschienenen Mitglieder belohnte Herrn Aue am 
Schlüsse seines mehr als einstündigen Vortrags, den er in einer 
Weise zum Gehör gebracht hatte, wie es nur ein erfahrener 
Fachmann thun kann, der sein Thema vollständig beherrscht, 
und die darauffolgende lebhafte Diskussion bewies das Interesse, 
welches die Mitglieder dem instruktiven Vortrage entgegen 
brachten. 

Der offizielle Theil des Abends war damit zu Ende gebracht, 
aber es vergingen noch einigen Stunden in der gemüthlichsten 
Stimmung bis die letzten Mitglieder daran dachten nach Hause 
zu gehen. 



Tbeater-Abead des T. V. New York. 

Am 12. März veranstaltete der Verein, an Stelle der regel- 
mässigen Sitzung, einen gelungenen ** Theater-Abend." Eine 
Anzahl Mitglieder der Vereine New York und Brooklyn mit ihren 
Damen, besuchten gemeinschaftlich das deutsche Irving Place 
Theater, wofür die Billette schon im Voraus reservirt worden 
waren. Zur Aufführung kam: **Die Fledermaus" und die 
gediegene und flotte Darstellung Hess nichts zu wünschen übrig. 
Nach Schluss der Vorstellung versammelten sich die Theil- 
nehmer im Vereinslokal, wo noch einige Stunden in angenehmer 
Unterhaltung verbracht wurden. Der gelungene Verlauf des 
Abends bewies wie angebracht derartige gemeinschaftliche 
Theaterbesuche sind, und eine baldige Wiederholung würde 
sicher auch eine bessere Betheiligung von selten der Mitglieder 
zur Folge haben. VICTOR KOPS, Protokoll. Sekretär. 



yereins-Berichte. 37 



Techniker -Verein^ Washington^ D* C. 

Geschäftliche Versammlaag vom 2. iVlärz 1898. 

Den Vorsitz führt der Präsident Herr Sägmüller. 

Verlesung und Annahme der Protokolle. 

Vom deutschen ** Central Verein " liegt eine Einladung vor, 
demselben beizutreten. Die Versammlung entscheidet, dass ein 
solcher Anschluss nicht mit den Tendenzen des Techniker Vereins 
übereinstimmen würde. Das gestellte Ersuchen wird daher in 
freundschaftlicher Weise abgelehnt. 

Rechnungen im Betrage von $13.00 werden zur Zahlung 
angewiesen. 

Auf Wunsch des Herrn Gosseling wird derselbe fernerhin 
als auswärtiges Mitglied verzeichnet werden. 



Wissenschaftliche Versammluag vom 16. iVlärz 1898. 

Der Präsident, Herr Sägmüller, hielt an diesem Abend einen 
längeren Vortrag über „Zeit- und Ortsbestimmungen/* Eine 
Anzahl astronomischer und Vermessungs-Instrumenten bildete 
fast eine kleine Ausstellung, die in Verbindung mit den sach- 
lichen Auseinandersetzungen des Vortragenden, ein leichtes Ver- 
ständniss des behandelten Themas ermöglichten. 

Da Herr Sägmüller ein ausführliches Referat seines Vortrages 
für die ,, Mittheilungen ** in Aussicht gestellt hat, so ist von einem 
Bericht darüber an dieser Stelle abgesehen. 



Geschäftliche Versammluag vom 6. April 1898. 

In Abwesenheit des Präsidenten führt der Vice-Präsident, 
Herr von Ezdorf, den Vorsitz. 

Es liegt die Mittheilung vor, dass sich der T. V. Cleveland 
unter dem Präsidium des Herrn Alfred H. Raynal auf's Neue 
organisirt habe. Zum Zwecke dieser Neu-Gründung hatten 
sich am 5. März 35 Mitglieder des T. V. Pittsburg nach Cleveland 
begeben. Mit Zustimmung des Präsidenten hat zur selben Zeit 
der prot. Sekretär im Namen des hiesigen Vereins eine Glück- 
wunsch-Depesche an die dort Versammelten abgesandt. Indem 
über den Empfang dieser Depesche nichts verlautet ist, so wird 
der korresp. Sekretär instruirt nochmals in aller Form den 
Gefühlen der Freude über die genannte Neu-Gründung Aus- 
druck zu verleihen und unseren Glückwunsch für das Gedeihen 
des Vereins Cleveland darzubringen. 

Der unterdessen eingetroffene Präsident, Herr Sägmüller, 
übernimmt den Vorsitz. 



38 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Rechnungen im Gesammtbetrag von $24.85 werden zur 
Zahlung angewiesen. 

Vom Vorort liegt die Einforderung der 3. Umlage für 1897-98 
vor. In Anbetracht des niedrigen Kassenbestandes ist eine 
sofortige Zahlung nicht möglich, jedoch wird der Schatzmeister 
angewiesen, dieselbe so bald als thunlich zu besorgen. 

Ein Antrag, am i. Mai einen Kommers abzuhalten, wird in 
Berücksichtigung der vorgeschrittenen Jahreszeit abgelehnt. 

Die Frage eines Frühlingsfestes wird einer vorläufigen 
Besprechung uRterzogen. 

Das wissenschaftliche Komite stellt einen Ausflug nach der 
Hygienic Ice Company in Aussicht. Herr Hermann Rassbach, 
der Schöpfer dieser Gefrier-Anlagen neuesten Systems, hat Vor- 
trag und Führung dasselbst freundlichst übernommen. 

W. C. WiLLENBUECHER, prot. Sekretär. 



Technischer Verein Pittsburg» 



Regelmässige Versamniiung vom 11. Februar 1898. 

Vorsitzender : Herr Philipp A. Lange ; Schriftführer : Herr 
Otto C. Reyman. 

Anwesend : 33 Mitglieder und 6 Gäste. 

Der Präsident begrüsst die zahlreich erschienenen Gäste 
und stellt sie der Versammlung vor. 

Der Schatzmeister wird ermächtigt, die zweite Verbands- 
umlage 1897 — 98 an den Vorort zu entrichten. 

Veranlasst durch den in der December Nummer der Ver- 
bandsmittheilung enthaltenen Beitrag zur Geschichte des T. V. 
Pittsburg hat der Vorstand die Einführung eines zweigliederigen 
Komites nach eingehender Erwägung beschlossen ; dasselbe soll 
alle den Verein betreffende Mittheilungen ausser den Protokollen 
abfassen. Die Redaktion der **Mittheilungen'' wird gleichzeitig 
ersucht, nur die von diesem Press-Komite unterzeichneten Ein- 
sendungen zu veröffentlichen. Zu Mitgliedern des Press-Komites 
wurden die Herren Ph. A. Lange und O. C. Reyman ernannt. 

Das Press-Komite wird ersucht eine offizielle Vereinsge- 
schichte zur Veröffentlichung in dem Verbandsorgan auszu- 
arbeiten und dem Vorstand zu unterbreiten. 

Herr Dr. Stahl regt einen Besuch Clevelands zur Vorberei- 
tung des diesjährigen Technikertags und zur eventuellen Grün- 
dung eines Techn. Vereins in Cleveland an. Ein Subscriptions- 
bogen zur Theilnahme an einer auf den 5. März zu diesem 
Zweck angesetzten Fahrt nach Cleveland, O., wird in Umlauf 
gesetzt. 



yereins-Berichte, 39 

Herr Robert Siegfried, Mech. Eng., beginnt darauf mit der 
Einleitung zu seinem angekündigten Vortrag über : 

'' Die Entwicklung der Dynamo-Maschinen." 

Der Redner giebt einen historischen Ueberblick über die 
früheste Entwicklung der electromagnetischen Maschinen. Von 
der Fanaday'schen Anordnung ausgehend, werden die allmäh- 
lichen Verbesserungen der Dynamos an Hand der wichtigsten 
Erfindungen vom Vortragenden dargelegt. In der Diskussion 
machen namentlich die Herren Till und Lange interessante 
Mittheilungen über Konstructionseinzelheiten der modernen 
Dynamos. 



Regelmässige Versammluag vom 25. Februar 1898. 

Vorsitzender : Herr Ph. A. Lange ; Schriftführer : Herr O. 
C. Reyman. 

Anwesend : 27 Mitglieder und 3 Gäste. 

Vom Sekretär wird ein Brief des Vororts verlesen, worin 
derselbe dem T. V. Pittburg besten Erfolg in seinen Bemühun- 
gen, in Cleveland, O., einen T. V. zu gründen, wünscht. 

Die Herren : O. Sivertien, M. E., New Castle Eng. Works. 
New Castle, Pa. ; O. M. Topp, Architect, Bissei Block, Pitts- 
burg, Pa. ; O. C. Opsion, C. E., 4303 Davison Str., Pittsburg, 
Pa. ; Raoul Prugger, M. E. ; Gustav Berentsen, M. E., und H. 
M. Wharton, M. E., die letzten drei Herren bei der Westing- 
house Elect. & Mfg. Co., Pittsburg, Pa., wurden auf Empfeh- 
lung des Vorstandes ohne Abstimmung als Mitglieder aufge- 
nommen. 

Dem Vergnügungskomite wird der Dank des Vereins für 
seine erfolgreiche Veranstaltung des Winterfestes votirt. Eine 
Anfrage, die Veröffentlichung der offiziellen Vereinsgeschichte 
betreffend, wird vom Presskomite dahin beantwortet, dass Herr 
O. C. Reymann mit der Bearbeitung derselben bereits begonnen 
habe. 

Der Antrag des Herrn Dr. Moldenke : Eventuelle Kosten 
für Vorbereitung der Fahrt nach Cleveland, O., aus der Ver- 
einskasse zu decken, wird vom Vorhand angenommen. 

Folgende Rechnungen werden für richtig befunden und dem 
Schatzmeister zur Bezahlung überwiesen : Für Einladungen zu 
den regelmässigen Vereinssitzungen, $5.50 ; für Druckarbeiten 
(Briefbogen, Umschläge und Formulare) $6.55. 

Herr Robert Siegfried, M. E., ergreift darauf das Wort zur 
Fortsetzung seines Vortrages über : 

''Die Entwicklung der Konstruction der Dynamo- 
Maschinen." 

An Hand zahlreicher Skizzen unterzieht der Redner die an 
den einzelnen Theilen der Dynamomaschinen gemachten Ver- 



40 Mittheilungen des D. A. T. V. 

besserungen einer kritischen Besprechung, die viele neue Ge- 
sichtspunkte aufdeckt und allseitigen Beifall findet. Der vor- 
gerückten Stunde halber musste leider von einer Diskussion des 
interessanten Themas abgesehen werden. • 



Regelmässige Versammlang vom 11. März 1898. 

Vorsitzender : Herr Ph. A. Lange ; Schriftführer : Herr O. 
C. Reyman. 

Anwesend : 36 Mitglieder und 7 Gäste. 
. Ein Glückwunschschreiben des Vorortes und T. V. Phila- 
delphia's, anlässlich der erfolgreich verlaufenen Fahrt nach 
Cleveland, O., wird unter allgemeinem Beifall der Versammlung 
verlesen. 

Die vom Vorstand zur Aufnahme als Mitglieder empfohlenen 
Herren : Hermann F. Kunkel, Contractor, 349 Ohio St., Alle- 
gheny, Pa. ; Dagbert Ording, C. E., und J. A. Janson, C. E. 
beide c. 0. Schultz Bridge and Furn. Co., McKees Rocks, Pa., 
wurden ohne Abstimmung aufgenommen. 

Herr W. F. Reich, M. E., c. 0. Westinghouse Elec. & Mfg. 
Co., ist vom T. V. New York zum T. V. Pittsburg überge- 
treten. 

Herr W. Gurlitt beantragt, Herrn Dr. Stahl für die Veran- 
staltung der Fahrt nach Cleveland, O., zu danken. A. g. d. 

Der Sekretär wird auf Veranlassung des Schatzmeisters 
ersucht, beim Vorort anzufragen, ob für solche Herren, welche 
einheimisches Mitglied eines Verbandsvereines und gleichzeitig 
auswärtiges anderer Verbandsvereine sind, die Verbandsumlage 
auch von letzeren Vereinen bezahlt werden muss. 

Der Präsident stellt der Versammlung den Redner des 
Abends Herrn Henry J. Lewis, C. E., vor. Derselbe hielt einen 
an anderer Stelle auszugsweise wiedergegebenen Vortrag über : 

''Mining and Transportation/' 

illustrirt durch reiche Photographien ausgeführter Kohlenent- 
ladevorrichtungen. Der Vortrag und besonders die Vorführung 
der Photographien mittelst der Laterna Magica wurden freigebigst 
applaudirt von der stark besuchten Versammlung. 



Regelmässige Versammluag vom 25. März 1898. 

Vorsitzender : Herr Philipp A. Lange ; Schriftführer : Herr 
Otto C. Reyman. 

Anwesend :. 34 Mitglieder und 4 Gäste. 

Herr John W. Block, Chemiker, c. 0. Erie Chemical Works, 
Erie, Pa., wird auf Empfehlung des Vorstandes als Mitglied 
aufgenommen. 



VereinS'Berichte. 41 

Herr Emil Wagener, M. E., zeigt seinen Austritt aus dem 
Verein, wegen Uebersiedlung nach Boston, an. 

Herrn Adolf Steding wird auf Antrag des Herrn Reyman 
der Dank des Vereins für die Erlangung einer Fahrpreiser- 
mässigung gelegentlich des Ausflugs nach Cleveland, O., votirt. 

Ein Antrag des Herrn Stupakoff, dem T. V. Cleveland ein 
Glückwunschschreiben zu übersenden, wird ebenfalls ange- 
nommen. 

Der Sekretär wird ersucht, die Mitglieder durch ein Rund- 
schreiben zur Bestimmung des Versammlungsabends aufzu- 
fordern. 

Der Vorsitzende ertheilt darauf Herrn Karl Till, M. E., das 
Wort zu seinem Vortrag über : 

'' Electrische Bahnen in Deutschland." 

Reicher Beifall und die anerkennenden Worte des Präsiden- 
ten lohnten den Redner für seinen gediegenen und äusserst 
klaren Vortrag, dessen Verständniss den Zuhörern durch zahl- 
reiche Skizzen und eine vorzügliche Vortragsweise leicht gemacht 
wurde. In der folgenden Diskussion wurden mehrere Fragen 
der Herren Lange und Reyman durch den Vortragenden er- 
schöpfend beantwortet. 

Eine Sammlung photographischer Aufnahmen, welche von 
Herrn Till gelegentlich des Clevelander Ausflugs gemacht wur- 
den, fanden aufrichtige Bewunderer und willige Abnehmer. 

O. C. Reyman, Sekretär. 



Berichtigung. 



In der No. 3 der ** Mittheilungen '* ist unter den im Pitts- 
burger Verein aufgenommenen Mitglieder zu lesen : Herr Edwin 
**Ruud" statt Rund. 




42 Mittheilungen des D. A, T. V. 



Technischer Verein von Brooklyn* 



Sitzung vom 19. Febraar 1898. 

Der Herr Präsident E. L. Heusner eröffnet die Sitzung. 

Die Geschäftsordnung wird für heute suspendirt, um Zeit 
für den auf der Tagesordnung stehenden Vortrag des Herrn Prof. 
Demcker zu gewinnen. 

Herr Professor R. Demcker sprach über die "Entstehung der 
Arten,'' wie diesselbe nach seiner Vorstellung stattgehabt hat. 
Er glaubt an eine Urzeugung {generatio spontanea seu equivoca) 
aus chemischen Elementen und an Artenbildung durch Bastar- 
dirung. 

Nach dem Vortrage fand gesellige Unterhaltung statt. 

Schluss. 



Sitzung vom 5. Mn 1898. 



Die Sitzung wird vom Präsidenten E. L. Heusner eröffnet. 

Als neues Mitglied wird aufgenommen : Herr Alfred Hoff- 
bauer, Techniker, 224 South gth St., Brooklyn. 

Dr. L. H. Friedburg berichtet über Forschritte auf dem 
Gebiete der Photo-Chemie : 

Ueber Fortschritte auf dem Gchktc der Photo-Chemie« 

Die Antriebe, welche zu den neuesten Errungenschaften auf photo-chemi- 
schen Boden geführt haben, sind von zweierlei Art. Einerseits rühren sie 
von den Bestrebungen der reinen Physik her, andererseits von denen der 
Astronomie sowohl, als auch der Mikroskopie. 

Der Physiker, bemüht, neues Beweismaterial für die Wellenbewegung 
des Lichtes anzuhäufen, wurde durch den Fund der getreuen Wiedergabe 
des farbigen Bildes der Aussenwelt auf der lichtempfindlichen Platte belohnt. 

Der Astronom, nicht zufrieden mit dem, was das, vergleichsweise wenig 
lichtempfindliche, menschliche Auge von den Vorgängen, namentlich auf der 
Sonne, erblicken kann, suchte nach einer Steigerung der chemischen Empfind- 
lichkeit von photographischen Platten und erreichte dieselbe in so ausser- 
ordentlichem Maasse, dass er die Vorgänge im sichtbaren Theile der Sonne, ja 
sogar die im unsichtbaren Theile der Sonne stattfindenden, bis auf die klein- 
sten Einzelheiten auf jenen lichtempfindlichen Platten klar, deutlich, scharf 
wiedergegeben fand. (Ich erwähne nur die parabolischen Linien»* in denen 
die kosmischen Körper auf die Sonne fallen, oder die grossen Zyklonen, 
welche in der Corona auftreten). 

Es ist kennzeichnend für die Reife der heutigen Naturwissenschaft, dass 
sie an der emsigen, rastlosen Arbeit der 'Beobachtung festhält und die theore- 
tische, spekulative Seite nur insofern gelten lässt, als sie ihm wirklich neuen 
Arbeitsantrieb und neue Angriffspunkte für untersuchende Thätigkeit ge- 
währt. Das Zeitalter der Dogmatiker liegt im Dunkel hinter uns und kein 
rationeller Naturforscher verspürt die Lust, sich wieder in dasselbe zu ver- 
lieren. Wenn man sich fragt, wodurch dieser kerngesunde Zustand der 
Wissenschaft herbeigeführt worden, so wird man finden, dass das vollgereifte 
Bewusstsein, wie unendlich wenig uns zu wissen gestattet ist, die IVissenschafl 



yereinS'Berichte. 4? 

dazu geführt hat, dann doch wenigsten sehen zu wollen. Licht wollen wir 
haben und, dieses zu bringen, ist die einzige Aufgabe der Wissenschaft, un- 
bekümmert darum, was für Licht es sein wird. Desshalb die Gleichgültig- 
keit gegen Hypothesen, oder gar gegen Kontroversen über Hypothesen, die» 
nachdem sie vorflogen, doch nur wieder durch auf's neue unzulängliche ersetzt 
werden müssten. 

Um ein Beispiel zur Erläuterung anzuführen, will ich nur an die bekannte 
Thatsache erinnern, dass der so erfolgreiche, zu früh verstorbene Lieblings- 
Schüler des Prof. v. Helmholtz, der Hamburger, Prof. Hertz in Bonn, folgen- 
dermassen verfuhr: Nachdem er, experimentell die Identität der Licht- 
bewegungen und Elektrizitätsbeweguhgen gefunden hatte, stürtzte er nicht 
etwa, wie das noch vor fünfzig Jahren "modern" gewesen wäre, in den 
Ozean der Hypothesen, sondern er legte die gefundenen Thatsachen an sechs 
Differential-Gleichungen vor Anker. 

In ganz anderer Weise, aber doch ähnlich im Prinzip, ergeht es uns auf 
photo-chemischem Gebiete. 

Wir "wissen" noch bis heute nicht genau was da auf der lichtempfind- 
lichen Platte chemisch vor sich geht, aber wir erwarten, möglicherweise. Auf- 
schluss darüber nur von der rastlos arbeitenden Beobachtung, bei der dann, bei- 
läufig so mancherlei für die sogenannte praktische Seite des Lebens abfällt. 

und was ist es denn, das uns an dieser praktischen Seite so allgemein 
interessirt? Es ist die Möglichkeit der photographischen Wiedergabe der 
natürlichen Farbenpracht unserer Landschaften, unserer schönen Pflanzen-, 
Thier- und Menschen-Formen, unserer Meisterwerke der Kunst. 

Wenige nur werden sich für die Wiedergabe der Vorgänge auf der Sonne» 
oder auf der Platte des Mikroskops erwärmen. 

Mir fällt dabei mein Berliner Freund ein, der uns, am Fusse des Mor- 
teratch-Gletschers in Graubündten, alleine hinauf wandern Hess und ruhig, 
im primitivsten Wirthsstübchen, beim soundsovielten Gläschen Ivabittern. 
sitzen blieb, indem er sagte ; **Ach was, der Professor Dove in Berlin wird 
mir schon erzählen, wie es da oben aussieht !" 

Um nun auf den Kernpunkt unserer heutigen Unterhaltung zu kommen, 
Solist da folgendes zu sagen. 

I) Der Pariser Physiker LlPPMANN hat gefunden, dass wenn man die 
emtfindliche Seite einer durchsichtigen lichtempfindlichen Platte, gegen eine 
Schicht reinsten, spiegelnden, flüssigen Quecksilbers presst, und sodann der 
Lichtwirkug in der photographischen Kammer aussetzt, (so dass also die 
Lichtstrahlen durch das Glas der Platte auf deren lichtempfindliche Seite 
fallen und, alsbald vom Quecksilber auf dieselbe reflektirt werden) bei 
genügender Dauer der Einwirkung ein positives, farbiges Bild, bei dem 
dann folgenden Herrvorrufen entsteht. 

Die Thatsache wird einstweilen auf Interferenz-Erscheinungen zurück- 
geführt. Man muss sich denken, die verschiedenen Längen der Lichtwellen, 
welche eben den verschiedenfarbigen Gegenständen der Aussenwelt entspre- 
chen, zersetzen die empfindliche Schicht in verschieden starkem Maasse, 
bringen also verschiedene Dichten der Ablagerung des Zersetzungsproduktes 
hervor. Durch die in demselben Sinne wirkende Spiegelung, wird diese 
Wirkung derart verstärkt, dass schlieslich die verschieden dicht abgelager- 
ten Schichten, wirklich das Licht genau entsprechend reflektiren, wie es die 
Aussenobjekte thaten, also deren Farben tragen. 

Mag dieses nun die richtige Deutung sein, oder nicht, die Thatsache, dass 
man in solcher Weise der Anordnung, z. B. das Sonnenspektrum getreu, iii 
Farben wiedergibt, ist praktisch erwiesen. 

Die lange Dauer der Expositionszeit (ungefähr 15 bis 25 Minuten) ist 
dadurch bedingt, dass eine nicht körnige, durchsichtige Schicht um sehr viel 
weniger lichtempfindlich ist, als wenn dasselbe Material der Schicht stark 
gekörnt, also opaque wäre. 

II) Daraus ergab sich dann das Bestreben der Fabrikanten von licht- 
empfindlichen Platten, Mischungen herzustellen, die, trotzdem sie nicht 
gekörnt sein dürfen, doch, relativ wenigstens, starke Lichtempfindlichkeit 
zeigen. 



44 Mittheilungen des D, A, T. V. 

Die Folge dieses Bestrebens war, dass AUGUST und LOUIS LUMIERE, 
in Lyon, entsprechend verbesserte Platten herzustellen lehrten. Sie haben, 
nach der folgenden Formel arbeitend, stets gute Ergebnisse erzielt. 

A. Wasser 200 Gewich tstheile 

Gelatin 10 

Kaliumbromid ... 3,5 •' 

B. Wasser 200 

Gelatin 10 " 

Silbernitrat .... 5 " 

Beim Vermischen der beiden Lösungen, sowie bei allen nachfolgenden 
Behandlungen darf die Temperatur nicht über ■+• 40° C. steigen, sonst wird 
die Masse körnig und undurchsichtig. 

Die Platten werden horizontal, auf kalter Unterlage ruhend, übergössen, 
später in Alkohol getaucht, so dass die ganze Oberfläche benetzt wird, endlich 
gewaschen und getrocknet. 

Will man die Intensität vergrössern, so halbirt man die, durch Vermischen 
von A und B erhaltene Lösung und löst in den Hälften je eine neue Menge der 
entsprechenden, verschiedenen Stoffe, Kaliumbromid, resp. Silbernitrat. 

Man soll noch grössere Empfindlichkeit erzielen, wenn die, wie oben 
beschrieben, bereiteten Platten in eine Lösung von Silbemitrat (i : 200), 
welche mit Essigsäure versetzt ist, getaucht werden. Dann werden sie 
getrocknet und einige Stunden lang bei einer Temperatur von 4- 25° C. sich 
selbst überlassen. Es tritt keine Opalisirung ein und die Lichtempfindlichkeit 
wird im Verhältniss i ; 60 verstärkt. Die so behandelten Platten werden 
wiederum gewaschen, getrocknet und halten sich einige Tage lang. 

Um diese Platten für die LIPPMANN'SCHEN Farbphotographieen zu 
benutzen, muss man in die Anfangslösungen orthochromatisirende Substanzen, 
wie Erythrosin, Cyanin, Anisolin, Methylviolet u, s. w. einführen. 

Das Entwickeln dieser Platten geht leicht und glatt mit Pyrogallol, 
Ammoniak und Kaliumbromid vor sich. Uebrigens kann man alle Entwickler 
in Anwendung bringen. 

Zu bemerken bleibt hier noch, dass man mit Platten, die auf die oben 
beschriebene Weise hergestellt wurden, in denen man jedoch Lodsilber anstatt 
Bromsilber erzeugte, (selbst ohne dass ein Ueberschuss von Silbernitrat vor- 
handen war), welches in den gewöhnlichen Platten keine entwickelungsfähigen 
Bilder giebt. Negative erhielt. 

Einstweilen ist die Empfindlichkeit dieser lodsilberplatten noch gering, 
nur TjyiTTTT der gewöhnlichen Platten, aber sie mögen sich verbessern lassen. 
Ein Objektif — erforderte, in hellem Sonnenlicht, eine Expositionszeit von 
einer Minute. Soweit sind die Herren LUMIERE gekommen. 

III) Der Direktor der Prager Sternwarte, PROF. CH. V. ZENGER, hat 
zur Herstellung seiner ausserordentlichen Sonnenphotographieen einen ganz 
anderen Weg eingeschlagen, um kornlose Platten zu bereiten. Er verwirft 
die Gelatin ganz und benutzt CoUodion. Er benutzt auch nicht Silbersalze 
sondern Urannitrat. Leider giebt er nicht an, wie er seine Photographieen, 
die auf solche Weise erzeugt werden, entwickelt. Meine eigenen, mit solchen 
Platten angestellten Versuche erlauben mir aber, es als wahrscheinlich hinzu- 
stellen, dass er das Uran ebenso, wie wir bisher die Silbersalze, mit Pyrogallol 
u. s. w. hervorruft. 

Der Vorzug der auf kornlosem Material hergestellten Bilder tritt, nach 
ihm, sehr in den Vordergrund, wenn man zu vergrösseren wünscht. Diese 
Bilder gestatten eine Vergrösserung um dreissig Durchmesser. 

Wie schon eingangs erwähnt, hat ZENGER, am 12. Mai 1896, eine grosse 
Explosion, die auf der Sonne stattfand photographirt. Man erblickt auf 
derselben drei grosse Zyklonen, welche in die Corona eindringen, man sieht 
den Fall kosmischer Körper, mit ihren parabolischen Fall-Linien, man sieht 
die Umrisse der Zyklonen und ihre Bewegungsrichtung. Auf einer anderen 
Platte sind die Protuberanzen scharf wiedergegeben. 



yereinS'Berichte. 45 

IV) Es ist hier zu bemerken, dass, wenn man Mikro-Photographieen von 
stark farbigen Objekten herzustellen wünscht, und zwar von rarben, welche 
nicht so leicht wie Blau und Violett auf die Platte einwirken, man „ Panchro- 
matische Platten,'* wie sie, gleichfalls von den Gebruedern LUMIERE in 
Lyon angefertigt werden, benutzen muss. Diese Platten sind sensitiv gegen 
alle Farben des Spektrums, sie müssen frisch panchromatisirt werden, um die 
besten Erfolge zu erzielen, und sie sind in völliger Dunkelheit, in ungefähr 
8 Minuten zu entwickeln. Die Expositionszeit schwankt, je nach der Intensität 
des Gesammtlichts. 

Man sagt, dass die besten Ergebnisse durch die, nachfolgend erwähnten 
Körper bedingt werde, soweit es die Mikro-photographie betrifft : 

Erythrosin B für grün, gelb und orangegelb ; 

Cyanin (oder Quinoleinblau) für roth und roth-orange. 

Wir wollen hier nicht vergessen, dass wir das Princip der Ortho-chroma- 
tisirung und vorzügliche Vorschriften zur praktischen Ausführung derselben — 
VOGEL— verdanken. 

Will man panchromatische Platten zu gewöhnlichen Photograph ieen 
benutzen, so wendet man ein gelbes Lichtfilter an. 

V) Wir kommen jetzt zu einer anderen, neuen Seite der photo-chemischen 
Wirkung. ZENGER, welcher dieselbe eingeführt zu haben scheint, hat der- 
selben den Namen ,,Nacht-Photographie" gegeben. Dieselbe ist nicht zu 
verwechseln mit der Nacht-Photographie, wie sie von PAUL MARTIN, in 
LONDON, und ALFRED STIEGLITZ, hier in NEW YORK, durch die photo- 
graphischen Fahrbücher von Scovill & Adams, u. s. w., wohl Allen genügend 
bekannt sind. 

Bei der ZENGER'SCHEN Nachtphotographie handelt es sich um etwas 
ganz anderes, um die Fluoreszenz. Kurz gesagt, verfährt man wie folgt: 
jnan bestreicht eine Glassplatte mit sogenanntem Balmain'schen Phosphor, 
(phosphorescent paint). Man setzt sie zunächst einer ganz schwachen Licht- 
wirkung aus und bringt sie alsbald in die photographische Kammer. Lässt 
man nun z. B. das Sonnenspektrum auf diese Platte fallen, so erhält man eine 
Wiedergabe des Spektrums in seiner ganzen Länge, d. h. vom Ultraroth bis 
zum Ultraviolett. 

Um dieses Bild, welches allmälig verschwinden würde, festzuhalten, so 
wird die Platte gegen die empfindliche Seite einer gewöhnlichen Bromgelatin- 
platte gelegt und dann werden die Beiden, längere Zeit so sich selbst über- 
lassen, (natürlich mit Ausschluss des Lichts). Beim folgenden Entwickeln 
der gewöhnlichen Platte findet man das oben erwähnte Bild, als permanentes 
wiedergegeben. 

Es sei hier erwähnt, dass man auf der phosphoreszirenden Platte, im 
rothen Theile die Fraunhofer'schen Linien als helle Streifen auf dunklem 
Grunde erblickt, während im violetten Theile diese Linien schwarz auf hellem 
Grunde erscheinen. 

Exponirt man nun, selbst in stürmischen Nächten, eine phosphoreszirende 
Platte gegen passende Gegenstände, so erhält man, bei späterem Kontakt mit 
der gewöhnlichen Trockenplatte, in der angegebene Weise, ebenfalls Bilder. 

ZENGER hat auf diese Weise, aus einer Entfernung von ungefähr fünfzig 
amerikanischen Meilen (78 Kilometer), den Mont-Blanc, von Genf aus photo- 
graphirt. Zeit: Mitternacht; Himmel: stark bewölkt; Wetter: stürmisch. 

Die Ortlerspitze in Tyrol war auf einem Bilde von einer Aureole umgeben. 

Mit einer Landschaftslinse von LANCASTER und mit späterer Anwendung 
von mit Eosin orthochromatisirten Trockenplatten von ILFORD, von mittel- 
starker Empfindlichkeit, wurde wiederum von Genf aus die Kammer, drei 
Minuten lang, anf die Montblanc-Kette gerichtet. Man erblickt auf dem so 
erhaltenen Bilde, deutlich die Scheidegrenze zwischen Felsen und Eis. Diese 
Linien stellen demnach etwas dar, was für das menschliche Auge völlig 
unsichtbar war. 

VI) Wir können nun nicht umhin noch eines Verfahrens zu gedenken, 
welches farbige Bilder, photographisch gewonnen,. betrifft. Es sei ausdrücklich 



46 Mittheilungen des D. A. T, V, 

betont, dass es sich auch hier nicht um ein ,, Färberei- Verfahren" des vom 
Negativ gewonnenen Druckes handelt, wie es unlängst die photographische 
Welt in Aufregung versetzt hat. Das Verfahren, dessen wir gedenken wollen 
is das von JOLLY angegebene. Ich bin in der Lage, Ihnen wenigstens 
dieses eine Verfahren durch eine Platte vor Augen zu führen. 

Man gewinnt das Negativ indem man durch eine Glasplatte, welche, 
immer abwechselnd roth-orange, gelb-grün und blau liniirt ist, photographirt. 
Man kann so Momentbilder aufnehmen. Das Negativ wird, wie gewöhnlich 
entwickelt und sieht schwarz liniirt aus, ähnlich einem Holzschnitt. Um die 
richtigen Farben der photographirten Gegenstände hervortreten zu lassen, 
legt man nun hinter das Negativ eine sensitirende Glasplatte, welche wiederum 
farbig liniirt ist, aber in der folgenden Abwechselung : 

Roth (B— C des Sonnenspektrums.) 

Grün ( nahe E" ** 

Violett (zwischen G und H des Sonnenspektrums.) 

Wenn auch diese Farben-Photographieen sich zu den in nächster Zukunft 
zu erwartenden verhalten mögen, wie ein vorzügliches Daguerreotyp zu einem 
modernen Platindruck, so sind doch immerhin die Anfänge für die wirkliche, 
photographische Wiedergabe der Farben gegeben und man muss sich erfreuen 
an dem erfrischenden Antriebe zu so vielseitigem Arbeitsbestreben, welches 
auf diesem Gebiete erwacht ist und welches schon so bemerken swerthe That- 
sachen zu Tage gefördert hat, wie die Ihnen heute Vorgeführten. 

Die durch dieses Referat angeregte Diskussion lieferte noch 
manch v^issenswerthe Thatsache in Bezug auf panchromatische 
Platten, die namentlich, dem als Gast anwesenden Herrn Holst, 
dem New Yorker Inhaber der Firma Görz in Berlin zu verdanken 
waren. 

Wie üblich ward auch die heutige Sitzung durch eine ge- 
müthliche Kneiperei beschlossen. 

L. H. FRIEDBURG, prot. Sekretär, 




f^ereins-Berichte. 47 



Deutscher Techniker-Verein Baltimore* 



Wissenschaftliche Versammluag vom 17. Februar 1898. 

Anwesend 14 Herren. 

Der Präsident Herr O. Fuchs eröffnete die Sitzung. An 
Korrespondenzen wurden verlesen : 

Herr Vollkommer, gegenwärtig in Youngstown, O., ange- 
stellt, ersucht seinen Namen aus der Mitgliederliste zu streichen. 

Hierauf wurde Herrn H. Lässig, jr., das Wort ertheilt zu 
seinem Vortrag über : 

'' Schlacken-Cement Fabrikation." 

Herr Lässig hatte eine grössere Anzahl Proben der natürlichen 
und gemahlenen Schlacken zur Ansicht vorgelegt, welche er bei 
verschiedenen chemischen Untersuchungen benutzte. Er gab 
eine eingehende Erklärung der chemischen Bestandtheile ver- 
schiedener Cemente, sowie einen kurzen Ueberblick über die 
Cement-Fabrikation in Sparrows Point. 

Der Präsident dankte dem Vortragenden im Namen des 
Vereins. Herr Lässig zeigte ferner den neuesten Gasolin 
Heater von Hüll vor und erklärte denselben. 



Qeschäfts-Sitzuag vom 3. März 1898. 

Anwesend 15 Herren. 

Die Sitzung wurde durch den Präsidenten Herrn O. Fuchs 
eröffnet. 

Prof. E. Fahrig von New York entschuldigt sich, seinen ver- 
sprochenen Vortrag Anfang März nicht halten zu können. 

Erledigung von Routine-Geschäften. 



Wissenschaftliche Versammlung vom 17. März 1898. 

Anwesend 16 Mitglieder und 5 Gäste. 

Der Präsident Herr O. Fuchs eröffnete die Versammlung. 

Der Vorort Philadelphia ersucht um Einsendung der Ver- 
bandsumlage. Der Schatzmeister wird angewiesen, das Weitere 
zu veranlassen. 

Hierauf wurde Herrn Ingenieur F. Mayer das Wort ertheilt 
für seinem Vortrag : 

Monier's System von Cement- und Beton-Konstruktionen. 

Der Vortragende schilderte in fesselnder Weise die zufällige 
Entdeckung dieses Systems sowie die praktischen Versuche und 



48 Mittheilungen des D. A.T, V. 

Anwendungen desselben. Er erläuterte in welch vielseitiger 
Weise dies System in Europa angewandt und welche collosale 
Belastungen die äusserst dünnen Betonwände mit Eisenstab- 
Einlagen aushalten können. Zum besseren Verständniss wur- 
den eine grössere Anzahl Photographien ausgeführter Konstruk- 
tionen vorgezeigt. 

An der darauf folgenden Debatte betheiligten sich die Herren 
Sternberg, Leupold, Lässig, Boettger und Zwermann. Der Prä- 
sident sprach Herrn Mayer den Dank des Vereins für diesen 
höchst interessanten Vortrag aus. 

Nach Schluss der Sitzung wurde Fidelitas erklärt, welche 
die Anwesenden noch einige Stunden bei bester Laune zu- 
sammenhielt. 



Qescbäfts-Sitzuag vom 7. April 1898. 

Die Versammlung wurde durch den Präsidenten Herrn O. 
Fuchs eröffnet. 

Anwesend 14 Mitglieder. 

Der Vorort Philadelphia benachrichtigt den Verein, dass 
noch eine dritte Verbands-Umlage ausgeschrieben wurde und 
bezieht sich auf § 28 der Vereins-Statuten, gleichzeitig um baldige 
Einsendung derselben ersuchend. 

Beschlossen wurde, den Besuch der Fabrik der Crown, 
Cork & Seal Co. auf Sonnabend, den 9. April, festzusetzen. 

Bei der darauf folgenden Ballotage wurde Herr Architekt 
Warner als Mitglied aufgenommen. 

Mit Bezug auf Einzahlung der dritten Umlage, welche nach 
§ 28 der Vereins-Statuten am i. Dezember, i. März und i. Juli 
zu entrichten ist, wird beschlossen, dass sich der Schatzmeister 
direkt mit dem Vorort in Verbindung setzt und um Aufklärung 
ersucht, um so mehr, da wir noch mit einer Umlage im Voraus 
sind. 

J4err Kochel berichtet, dass Herr Leupold nach Deutschland 
zurückgegangen sei, um sich dort dauernd niederzulassen und 
entschuldigt die Unterlassuug eines schriftlichen Abschiedes vom 
Verein durch die sehr plötzliche Abreise dieses Herrn. 

Der Präsident sprach sein Bedauern über den Fortgang des 
Herrn Leupold aus, da derselbe stets ein sehr eifriges Mitglied 
war und das grösste Interesse für den Verein zeigte. 

Herr Lässig berichtet, dass er einen neuen Apparat zur 
Bestimmung des specifischen Gewichtes der Cemente erhalten 
habe, welchen er in der nächsten Sitzung vorzeigen und erklären 
werde. 

Ferner übergiebt Herr Lässig dem Verein je einen offiziellen 
Bericht der Sewerage Commission und des Water Departments, 
der Stadt Baltimore, welche mit Dank angenommen werden. 



VereinS'Berichte. 49 

In Folge der freundlichen Einladung der Crown, Cork &Seal 
Co. von Baltimore statteten 16 Herren des Deutschen Techniker 
Vereins Baltimore am Sonnabend, den 9. April, der Fabrik der 
genannten Gesellschaft einen Besuch ab. Der Verein wurde 
von dem Präsidenten aufs freundlichste empfangen und wurden 
die grossartig angelegten Fabrikräume mit den neuesten Ma- 
schinen und deren Erzeugnisse eingehend gezeigt und erklärt. 
Die Fabrik ist die grösste ihrer Art in den Vereinigten Staaten 
und besitzt die vollkommenste Einrichtung zur Herstellung von 
Gummi-, Kork-, und Blech-Verschlüssen für Bier-, Sodawasser-^ 
Champagner-Flaschen, welche einem Druck von 80 — 120 Pfund 
pro Quadratzoll jahrelang wiederstehen und daher irgend welche 
Nachtheile für die Flüssigkeiten nicht entstehen. Nach Besich- 
tigung der Verschlüsse wurden die verschiedenen Inhalte der 
Flaschen einer gleich scharfen Kontrolle unterzogen, welche 
ebenfalls zur vollen Anerkennung der Fabrik ausfiel. 

AUG. LOESER, protokoll. Sekretär. 




50 Mittheilungen des D. A. T. K 



Ausflug des Technischen Vereins Pittsburg nach 
Cleveland am 5. und 6. März I898. 



Am 5. September des lezten Jahres hatte die Delegaten 
Versammlung beschlossen, den Technikertag des Jahres 1898 in 
Cleveland abzuhalten, falls es möglich wäre, den dortigen Verein 
wiedfer ins Leben zu rufen. Der Technische Verein von Pitts- 
burg hat es seitdem für seine Pflicht gehalten, den in der nur 
130 Meilen entfernten Nachbarstadt ansässigen Collegen bei der 
Wiederaufrichtung des alten Clevelander Techniker Vereins mit 
Rath und That zur Seite zu stehen. 

Diese guten Vorsätze nahmen aber erst eine bestimmte Form 
an, als Herr Dr. K. F. Stahl es in die Hand nahm, einen Ausflug 
der Pittsburger Herren nach Cleveland zu arrangieren. Es ge- 
lang ihm leicht, eine grössere Anzahl von Unterschriften für diesen 
Ausflug zu sammeln, und er setzte sich darauf brieflich mit den 
früheren Mitgliedern des Clevelander Vereins in Verbindung. 

So kam es, dass am 5. März 25 Mitglieder des Technischen 
Vereins von Pittsburg unter Führung ihres Präsidenten, Herrn Ph. 
Lange, sich um 3 Uhr auf dem Bahnhofe der Pittsburg und Lake 
Erie Bahn einfanden. Drei weitere Herren hatten sich schon am 
Morgen nach Cleveland begeben und trafen dort später mit den 
übrigen Collegen wieder zuzammen. Eine grosse Freude wurde 
aber den Ausflüglern durch die Theilnahme der Herren Collins 
und Lüthy aus Philadelphia bereitet. Für Herrn Collins' Enthu- 
siasmus für die Wohlfahrt des Verbandes ist allerdings der kleine 
Spaziergang von Philadelphia nach Cleveland via Pittsburg nur 
ein Kinderspiel! Die Eisenbahn Verwaltung hatte in folge der Be- 
mühungen des Dr. Stahl und des Vereinsmitgliedes Herrn A . Steding 
eine bedeutende Ermässigung des Fahrpreises gewährt und den 
Ausflüglern einen Wagon reserviert. In demselben herrschte 
dann auch sehr bald ein hochlustiges Leben, das den enragierten 
Kartenspielern ein gewaltiger Dorn im Auge wurde. Die Eisen- 
bahnfahrt selbst bietet viele landschaftliche Schönheiten, be- 
sonders solange die Bahn dem wilden und pittoresken Thale des 
Beavers folgt. 

In Cleveland hatten sich leider in Folge eines Missverständ- 
nisses einige Herren auf einen falschen Bahnhof begeben, und so 
kam es, dass nur Herr Häberlin von Cleveland und die Herren 
Lutscher und Reyman, welche schon am Morgen von Pittsburg 
nach Cleveland gefahren waren, die Ankommenden empfingen 
und nach dem Hauptquartier, dem ** Hollenden Hotel," geleiteten. 
Auch hier war es dem unermüdlichen Doktor gelungen, für die 
Theilnehmer eine Ermässigung der Preise zu erwirken. 



Ausflug des T. K Pütsburg nach Cleveland, 5 1 

Bald war die ganze Gesellschaft im " Savarin ** versammelt 
und stillte den Bärenhunger, der sich inzwischen bei Allen ein- 
gestellt hatte, mit unglaublichen Mengen höchst vortrefflicher 
Wiener Schnitzel. Auf Vorschlag des Herrn Dr. Stahl setzte 
man sich nach Erledigung des ebengenannten materiellen Theiles 
des Programms im unteren Saale des ** Savarin" zu einem 
feucht-fröhlichen Kommers zusammen, um mit den Clevelander 
Herren alle weiteren Schritte in Ruhe zu überlegen. Herr 
Victor Beutner, übernahm aufgefordert von Herrn Dr. Stahl 
das Präsidium und stellte die Redner des Abends der Corona 
mit einigen schwungvollen Worten vor. 

Als erster gab Herr Heinrich Moser, Ehrenmitglied und 
Gründer des Vereins Pittsburg, der trotz seiner 78 Jahre der 
guten Sache zu Liebe alle Beschwerden eines solchen Ausflugs 
auf sich genommen hatte, einen kurzen Ueberblick über die 
Gründung und ersten Jahre des T. V. Pittsburg. Er betonte, 
dass man auch hier klein anfangen müsse und Arbeit und" Mühe 
nicht scheuen dürfe, und dass dann ebenso wie in Pittsburg 
auch hier sicher der Erfolg das Werk krönen würde. Er gab 
den Clevelander Herren den Rath, nicht zu engherzig bei der 
Aufnahme von Mitgliedern zu verfahren und auch den Vertretern, 
der Technik verwandter Fächer den Beitritt zu gestatten. 

Das Präsidium stellte darauf den Präsidenten des Pittsburger 
Vereins, Herrn Philipp A. Lange, den Anwesenden als bestes 
Beispiel der guten Folgen einer ** Resurrection " vor. Herr Lange 
gab unter grosser Heiterkeit die Geschichte dieser, seiner Wieder- 
belebung zum Besten. Er erzählte, dass er, eins der ältesten 
Mitglieder des Vereins, erst vor wenigen Jahren durch eine ganz 
ähnliche Gelegenheit zu activer Thätigkeit ** resurrected *' worden 
sei, und bat die Clevelander Herren, seinem guten Beispiel zu 
folgen. Darauf hob er in ernsten Worten hervor, dass 
die Technischen Vereine über der Pflege der Geselligkeit nicht 
ihre wissenschaftlichen Ziele vernachlässigen sollten.* Nachdem 
Herr Häberlin eine kurze Ansprache gehalten hatte, erwähnte 
Herr Dr. Stahl den Nutzen der Techn. Vereine für stellenlose 
Mitglieder und für solche, die von einer Stadt in die andere über- 
siedeln müssten. Herr Collins legte den Clevelander Herren 
nochmals mit warmen Worten die Gründung des Vereins ans 
Herz, und Herr Lüthy endlich pries in schwungvoller Rede die 
idealen Bestrebungen der Techn. Vereine, als Mittelpunkte 
deutscher Wissenschaft. 

Glückwunschtelegramme vom Vororte und T. V. Philadel- 
phia, T. V. Washington, von Herrn Willenbücher, Göpel und 
Dr. Moldenke liefen während des Abends ein und wurden unter 
grossem Jubel verlesen. 

Von selten der Clevelander Herren versprachen die Herren 
Häberlin, Gorge und Duchscher, nichts unversucht zu lassen. 



52 



Mittheilungen des D. A. T. V. 



um dem alten Verein wieder neues Leben einzuflössen. Derselbe 
constituierte sich darauf mit folgenden Mitgliedern : 



H. Häberlin, 
S. B. Schadin^ 
A. W. Kurz, 



H. W. Fliedner, 
F. Günther, Jr., 
B. Duchscher, 



Adolph Gorge, 
Theo. A. Uehling, 
Alfred H. Raynal. 



Ferner verpflichteten sich die folgenden Pittsburger und 
Philadelphier Herren demselben als auswärtige Mitglieder beizu- 
treten : 



M. W. Alexander, 
Victor Beutner, 
Ed. Collins, Jr., 
Frank Drabner, 
C. Dürfeid, 
Henry Ewert, 
Sam Forter, 
H. Freygang, 
O. Gressly, 



W. Gurlitt, 
Wm. Heeren, 
W. F. Hofmann, 
A. Haardt, 
Ph. A. Lange, 
G. L. Lutscher, 
Otto Lüthy, 
H. Moser, 
H. A. Otto, 



O. C. Reymann, 
A. Schneider, 
R. A. Skalweit, 
K. F. Stahl, 
AI. Stammelbach, 
A. Schotte, 
A. Wirth. 



Herr Victor Beutner gab dem jungen Vereine zum Schlüsse 
noch den Rath neben der Wissenschaft, auch deutsche Gesellig- 
keit zu pflegen, nach dem Beispiel des T. V. Pittsburg, in welchem 
sowohl die Wissenschaft als auch die Geselligkeit gebürend ge- 
würdigt wird. 

Am nächsten Morgen begab sich der neugegründete Verein 
unter Führung des Herrn Häberlin nach den Fabrikanlagen der 
Brown Hoisting and Conveying Machine Company, wo der- 
selbe von Herrn Alexander Brown selber empfangen und durch 
die hochinteressante Fabrik geführt wurde. Besonderes Interesse 
fand ein Cantilever Krahn von 320 Fuss Länge und 6 Tonnen 
Lade-Capacität, der in vollem Betrieb den Ausflüglern vorgeführt 
wurde. In der Fabrik selbst erregte die Anordnung der Lauf- 
krähne zum Versetzen der Arbeitsstücke allgemeine Aufmerksam- 
keit. Der ,, Vereinsphotograph ** Herr Carl Till machte mehrere 
Aufnahmen der Fabrikgebäude und des Cantilever Krahnes, bei 
welcher Gelegenheit auch einige Gruppenbilder der Anwesenden 
Herren aufgenommen wurden. Nachdem dann noch das Garfield 
Monument gemeinschaftlich besichtijBit, und im Hauptquartier ein 
Diner eingenommen war, verliess man des Nachmittags um 3 
Uhr Cleveland mit dem Bewusstsein, dass wenigstens der Grund- 
stein zu einem neuen Technischen Verein Cleveland gelegt 
war. Möge er blühen, wachsen und gedeihen, dem Verband 
zur Ehre, seinen Pflegeeltern zur Freude, sich selbst zum Ruhm. 



Ausflug des T. V, Pittsburg nach Cleveland. 53 

Nach Mittheilungen, welche in der Zwischenzeit von Cleve- 
land eingetroffen sind, hat der neue Technische Verein von 
Cleveland, O. die folgenden Herren zu Beamten erwählt : A. H. 
Raynal, Präsident ; L. F. Dieter, Vice-Präsident ; H. Häberlin, 
Secretär und Schatzmeister, 228 Marcy Ave., Cleveland, O. 
Versammlungslocal : **Savarifi," Ontario und Champlain Str. 

14. April 1898. O. C. Reyman, Sekretär. 




54 Mittheilungen des D. A.T, V. 



Vereinsnachrichten und Personalien. 



Dem Vororte sind von verschiedenen Seiten Aufforderun- 
gen zugegangen, für Abhaltung des nächsten Technikertages nicht 
Cleveland oder Atlantic City als Zusammenkunftsort zu wählen, 
sondern einen anderen, der die Gewähr bietet, dass die Theil- 
nehmer nicht durch Zerstreuungen von den eigentlichen Zwecken 
der Zusammenkunft abgelenkt werden. Es ist Niagara Falls als 
passender Platz in Vorschlag gebracht worden. Dem Vororte 
würde es jedenfalls sehr erwünscht sein, wenn ihm offiziell 
Seitens der Vereine Mittheilungen über die Auffassung der Sache 
zugingen. 



Der NAECHSTE Delegatentag wird sich voraussichtlich 
mit der Frage über die Art der Weiterführung des Verbands- 
organes zu beschäftigen haben, indem bereits Anträge auf Reform 
desselben vorliegen. Da nun Verhandlungen, welche viel Zeit 
beanspruchen und wie solche über den erwähnten Gegenstand 
in Aussicht stehen, in der heissen Jahreszeit, in welcher der 
Delegatentag fällt, mit Recht nicht beliebt sind, so dürfte es sich 
empfehlen, Memungen über die Sache schon jetzt auszutauschen 
und sich dazu der Mittheilungen d..V. zu bedienen. Die Frage 
sollte in den Vereinen ventilirt und die Ansichten dem Vorort zur 
Veröffentlichung in kurzer Form übergeben werden. 



Der T. V. Washington beschloss am i. April seine Winter- 
Vergnügungen mit einem Maskenkränzchen. Gleich wie im 
Vorjahre war dasselbe ein durchschlagender Erfolg und ist der- 
selbe zum grössten Theil den Bemühungen der Damen zuzu- 
schreiben. Die Mühe und Sorgfalt, welche dieselben auf die 
Herstellung der Kostüme verwandt hatten, ergab ein Ensemble, 
das ebenso schön wie originell zu nennen war. Die Herren- 
Masken, obgleich zahlreicher wie früher, waren nicht so mannig- 
faltig. Doch gab es auch hier verschiedene, die sich durch Witz 
und gute Laune besonders auszeichneten. 

Ueber die andern Festlichkeiten ist zu bemerken, dass sie 
in gewohnt gemüthlich-geselliger Weise verlaufen sind. Das 
Weihnachtsfest musste gezwungener Maassen hinter dem von 
1896 zurückstehen. Das damals erreichte konnte kaum so 
schnell wieder bewirkt oder übertroffen werden. — Das alljähr- 
lich wiederkehrende Fest zu Ehren Washington 's Geburtstag 
war, wie fast immer, der Höhepunkt der Saison und zeichnete 
sich durch besondere Theilnahme und grosse Dauerhaftigkeit 
aus. 



yereinsnachrichten und Personalien. 55 

Herr ARNE Ulstrup, seit mehreren Jahren Ingenieur der 
Westinghouse Electric & Mfg. Co., wird einen Ruf nach Chris- 
tiana Folge leisten und am 20. April an Bord des Dampfers 
**Majestic" nach Europa zurückkehren. Herr Ulstrup gedenkt 
zunächst eine 6-monatIiche Studienreise durch Böhmen und 
Deutschland zu machen, um dann die Leitung der umfangrei- 
chen Glaswerke des Christiana Glass Magazins in Christiana zu 
übernehmen. Seine zahlreichen Pittsburger Collegen und 
Freunde wünschen ihm besten Erfolg in seiner neuen verant- 
wortlichen Stellung. 



Karl von Wegner, eines der eifrigsten und thätigsten 
Mitglieder des T. V. Pittsburg, hat endlich seine langjährigen 
Absichten, eine Besuchsreise nach Europa zu unternehmen, aus- 
geführt, und ist in Begleitung des Herrn Alfons Thiel, Ende 
vorigen Monats abgereist. Herr von Wegner gedenkt bis zum 
Hochsommer in Deutschland zu bleiben. Herr Thiel, ein 
neueres Pittsburger Verbandsmitglied, beabsichtigt seinen Eltern 
in Brieg, Reg. Bezirk Breslau, einen Besuch abzustatten. 



Herr FRITZ KINDL nebst Gemahlin sind nach fast ein- 
jähriger Abwesenheit von Pittsburg wohlbehalten wieder zu- 
rückgekehrt zur grossen Freude aller Bekannten und Freunde. 
Herr Kindl war in wichtigen Geshäftsangelegenheiten als Ver- 
treter der Carnegie Steel Co., Ltd., nach Süd Amerika geschickt 
worden und gedenkt nun seinen ständigen Wohnsitz wieder in 
Pittsburg zu nehmen. 



Ueber • DEN Besuch des Polytechnikums in Berlin 
wurde vor Kurzem in den politischen Tagesblättern die Nachricht 
verbreitet, dass Ausländer, insbesondere Amerikaner, von dem- 
selben ausgeschlossen würden und knüpften sich daran Bemerk- 
ungen, welche geeignet waren, das Vorgehen der deutschen 
Schulbehörden in ein ungünstiges Licht zu stellen. • Demgegen- 
über mögen, im Interesse der technischen Kreise hierselbst, die 
nachstehenden Ausführungen am Platze sein : die Nachricht von 
dem Zurückhalten von Ausländern von dem Besuche ist an sich 
richtig, die Maassregel jedoch durch die Verhältnisse erklärlich 
und berechtigt. Nach statistischen Aufzeichnungen ist der 
Besuch der technischen Hochschulen in Deutschland durch 
Studirende aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika ge- 
ringer, als man meist anzunehmen geneigt ist. Das Polytech- 
nikum in Berlin wird beispielsweise durchschnittlich von 8 Stu- 
direnden dieses Landes besucht. Im letzten Semester war diese 
Zahl auf 11 gestiegen. Diese geringe Zahl beweist schon zur 
Genüge, dass von einem Ausschluss aus Furcht oder Eifer- 
süchtelei, wie gesagt worden ist, keine Rede sein kann. Um die 



56 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Sache vollständig aufzuklären mag noch die nachstehende Notiz, 
welche der gutunterrichteten ''£)^«/s^Ä^ Bauleitung'* entnommen 
ist, Aufnahme finden. Dieselbe schreibt : 

"An der technischen Hochschule in Berlin hat der Besuch 
der Abtheilung für Maschinen - Ingenieurwesen sich derartig 
gesteigert, dass Auditorien und Zeichensäle nicht mehr aus- 
reichen. Um zunächst vorläufige Abhilfe zu schaffen, hat der 
Unterrichtsminister unter dem i6. Februar d. J. angeordnet, 
dass vom i. April ab Ausländer weder als Studirende noch als 
Hospitanten dieser Abtheilung (!) mehr aufgenommen werden 
sollen. Gleichzeitig ist eine ältere Maassregel, durch welche den 
rechtzeitig sich meldenden Studirenden von den Hospitanten 
Zeichenplätze gesichert werden sollen, in Erinnerung gebracht 
worden." 




MITTHBILUNGEN 

i 

des i '"* 

Deutsch-Amerikanischen 

Techniker -Verbandes. 

(National Association of Qennan-American Teclinologists.) 

PUBLISHBD BI-MONTHLY. 

yoL III. JUNI, 1898. No. 5. 



Das Email und das Emaillieren. 



Vortrag des Herrn Theo. Zwermann im Verein Baltimore, Md. 



(Fortsetzung und Schluss.) 

Im Jahre 971 reichte die Enkelin jenes oströmischen Kaisers, 
unter dessen Herrschaft die Kunst des Zellenschmelzes ihren 
ersten bedeutenden Aufschwung nahm, ihre Hand dem deutschen 
König Otto II. Mit dem 'Einzüge der Theophano, Tochter Roma- 
nus des Jüngeren und Enkelin Constantin's, in ihre nordische 
Heimath, erlebte auch die kunstvolle Arbeit der Byzantiner ihre 
Verpflanzung auf deutschen Boden. Nicht allein, dass das Hei- 
rathsgut der jungen Kaiserstochter reich versehen war mit dem 
farbenprächtigen, am griechischen Hofe so beliebten Schmuck- 
gegenständen, nein auch von Künstlern und Gelehrten erfahren 
wir, welche Theophano von Pojzanz zur Zierde ihrer neuen 
Residenz mit nach Trier brachte. 

Hier aber sass von 974 — 993 auf dem bischöflichen Stuhle 
ein Mann, der ein warmer Beförderer aller Künstler war, Egbert. 
Unter seinem Einfluss blühte beim Stift zu Maxinim eine Gold- 
schmiedeschule, von deren Werken die Zeitgenossen viel Rühm- 
liches zu sagen wissen. Neben ihm finden wir an Otto's Hofe 
den viel gepriesenen und gelehrten Bernard als Erzieher von 
Theophanos Sohn ; auch dieser Geistliche gründete, als er 992 — 
1022 den Abtstuhl des Klosters Hildesheim einnahm. Schulen für 
alle Arten von Kunst und Kunstgewerbe, deren Erzeugnisse den 
Kirchen der Ottonenzeit einen bis dahin unerreichten Glanz ver- 
liehen haben. Den Hildesheimer Werkstätten waren die vom 
Bischof Meinwerk (1009 — 1036) in Paderborn gegründeten ent- 
sprungen. 



2 Mittheüungen des D. A. T. K 

Alle diese Klosterwerkstätten empfingen ihre Anregungen von 
der fremden Kaiserstochter und den Künstlern, welche diese an 
ihrem Hofe versammelte. Dass unter den Kunstfertigkeiten, 
welche sich ihnen zur Nachahmung boten, die bestehende Arbeit 
des Zellenschmelzes in erster Linie stand, muss man vermuthen, 
auch wenn wir für diese Thatsache nicht die sicheren Beweise 
besitzen, welche für das Aufblühen des Zellenschmelzes auf deut- 
schem Boden zu Anfang des ii. Jahrhunderts sprechen. 

Die ältesten und wichtigsten, für dieses auf deutschen Boden 
verpflanzte Zellenemail, sind die vier sogenannten Mathilden- 
kreuze im Schatze der Stiftskirche zu Essen. Eines derselben 
ist mit kleinen Emailtäfelchen, die mit Edelstein abwechseln, ein- 
gefasst, und trägt ein rechteckiges Emailbild 4 — 6 Cm. gross, auf 
welchem die Madonna das Kind auf dem Schoosse haltend, abge- 
bildet ist, zu ihren Füssen eine weissgekleidete Gestalt mit einem 
Kreuz. Die Inschrift Mathilda abba tissa, in Goldfäden auf 
grünem Schmelz-Grunde ausgeführt, bezeichnet als Schenkerin 
dieses Kreuzes die Äbtissin Mathilda (f 1012), die Tochter Otto II. 
und der Theophano. 

Es würde zu weit führen, alle aus jener Zeit stammenden 
Kunstwerke anzuführen. Dass in dieser fruchtbaren Zeit, die 
Emaillierkunst, nachdem sie auf deutschem Boden Wurzel ge- 
schlagen hatte, nicht hinter dem Aufblühen der anderen Künste 
zurückblieb, ist selbstverständlich. Die grössere Vertrautheit 
mit dieser Technik, hatte bald eine planmässige Artwendung zur 
Folge. Statt der bis dahin ziemlich regellos «nd wild zusammen- 
gehäuften Cabochons und Schmelzplättchen, begegnen uns 
jetzt die letzteren auf den Evangeliendeckeln und Reliquiarien in 
schöner- rythmischer Vertheilung und zweckentsprechender An- 
wendung. Und ganz allmählich vollzieht sich auf deutschem 
Boden der Uebergang vom Zellenschmelz zum Grubenschmelz. 
So natürlich es ist, dass man bei einer historischen Behandlung 
der Emailarbeiten, die beiden Techniken grundsätzlich aus- 
einander hält, so wenig darf man sich zu der Vorstellung ver- 
leiten lassen, dass dieselben in ihrem wirklichen Auftreten in 
einem harten Gegensatz gestanden, oder in ihrer Anwendung 
sich ohne Uebergang abgelöst hätten. Haben wir doch gesehen, 
dass bereits bei dem in Byzanz selbst angefertigten Zellen- 
schmelz, die Anwendung von Gruben und Vertiefungen unter die 
Metallflächen, überall damit unterläuft, wo die Schmelzarbeit in 
der Goldfläche liegt. 

Von dem Einsetzen dieser Vertiefungen in das Goldblech, 
war es nur ein Schritt zu dem Ausheben dieser Gruben mit dem 
Grabstichel, sobald das Metall des Recipienten für ein derartiges 
Verfahren stark genug war und so können wir in Deutschland 
ein allmähliges Uebergehen vom byzantinischen 2tettenschmelz 
zum deutschen Grubenschmelz, vermittelt durch das sogenannte 
gemischte Email, annehmen, um nicht in Versuchung zu kom- 
men, für den Grubenschmelz etwa das ebenfalls in Gruben 
ausgeführte* Barbaren-Emaille als Ahnherrn heranzuziehen, zumal 



i 



Das Email und das Emaillieren. 3 

wenn wir uns erinnern, dass zwischen cjem letzten Auftreten des 
Letzteren und dem deutschen Grubenschmelz mehr als sechs 
Jahrhunderte liegen, also etwa die Zeit, die uns heute Lebenden 
von dem Erbauer des Strassburger Münsters trennt. 

Von Trier, Köln, Hildesheini und den anderen rheinischen 
Klöstern verpflanzte sich die Schmelzkunst durch das an Kloster 
reiche Maasthal nach Verdun, wo wir zu Anfang des 12. Jahr- 
hunderts, ebenfalls eine nicht unbedeutende Schule von Email- 
löre antreffen. Als Hauptwerk dieser Schule wird mit Recht 
der Verduner Altar in dem Stift, Kloster Neuburg bei Wien, 
bewundert. Ein Antipendium von 5 Meter Länge bei i.io Meter 
Höhe, welches in 3 Reihen je 17 Emailletafeln von 23 Ctm. Höhe 
und 68 Ctm. Breite enthält und oben durch ein Dreipassaufsatz 
gekrönt wird. Dann wurden noch in anderen Orten des Maas- 
thales Emaillen angefertigt und zwar in Lüttich, Mastrich, Wals- 
ort, u. s. w. Bis mit dem Eintritt des gothischen Styles im 13. 
Jahrhundert dem Grubenschmelz der Niedergang bereitet wurde. 

Die hohe Bedeutung, welche Limoges in der Schmelzkunst 
zur Zeit der Renaissance gewann, hat französische Gelehrte zu 
dem natürlichen Wunsche geführt, dieser Schule auch eine selbst- 
ständige Erfindung, unabhängig von Deutschland für den Gruben- 
schmelz des frühen Mittelalters zuzusprechen, wobei sie einen, 
von den ottonisch deutschen Einflüssen unabhängigen Weg von 
Constantinopel über Venedig nach Limoges nachzuweisen such- 
ten. Uns brauchen diese verfochtenen Meinungen nicht zu 
beschäftigen, da man doch heute weiss, dass noch im Jahr 
1143, ^^s im Niederreiche die Schmelzarbeiten in höchster 
Blüthe standen, der grosse Sucher für die Goldschmiedearbeiten 
seiner Abtei St. Denis, welche er mit Schmelzarbeiten verzieren 
wollte, Auri Fabros Lotharingos herbeiholen musste, wobei wir 
uns erinnern, dass Köln sowohl wie Verdun, Mitte des 12. Jahr- 
hunderts, zu Lothringen gehörten. Eine weitere Beziehung, der 
Wichtigkeit für die Entwickelung der Schmelzkunst von Limoges 
beizulegen ist, bestand zwischen dem reichen Kloster Limousin 
Grentmont und dem rheinischen Kloster Siegburg, welch letz- 
teres als Hauptsitz der rheinischen Goldschmiede- und Schmelz- 
künste galt. Im Jahr 1 181 besuchte ein Siegburger Abt das Kloster 
von Grentmont, worauf sich zwei Mönche und zwei Laienbrüder 
dieses Klosters zum Gegenbesuch nach Siegburg begaben, wo 
zwischen beiden Klöstern ein Abkommen für gegenseitige Abhal- 
tung von Seelenmessen geschlossen wurde. Auf dieser Reise lernten 
die französischen Mönche nicht allein die Schätze an Goldarbeiten 
und Emaillen von Siegburg und Bonn kennen, sondern sie hielten 
sich auch eine Woche in Köln auf, von wo sie zahlreiche Reli- 
quien, deren Verzeichniss sich im Inventar von Grentmont 
befindet, in ihre Heimath mitnahmen, und für einige dieser 
Reliquien auch die Schreine in Köln hergestellt wurden. Die 
Schmelzkunst nahm in Limoges denselben Entwickungsgang wie 
am Rhein ; die ältesten Arbeiten zeigen, nach byzantinischen Vor- 
bildern, die in die Metallfläche eingelassenen, mit Schmelz 



4 Mittheilungen des D. A. T. V, 

ausgefüllten Figuren ; später wird nur der Hintergrund emaillirt, 
wobei man die grossen Emailleflächen durch Ueberziehen mit 
Ornamenten zu theilen suchte. Zum Unterschiede von den 
rheinischen Arbeiten, haben die ornamentalen Zeichnungen der 
Hintergründe, bei einer gewissen Einförmigkeit der Erfindung, 
die sich bis ins 14. Jahrhundert fast gleich bleibt, etwas schwer- 
fälliges. In den Arbeiten zeichnen sich die Limousiner besonders 
durch ein tiefes Smalteblau der Gründe aus, während bei den 
rheinischen Arbeiten ein helles, ins Grünliche gehende Blau vor- 
herschte. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts können die limou- 
siner Arbeiten ihre rheinischen Vorbilder nicht verleugnen. Von 
da ab treten Abweichungen in der Färbung ein, vor Allem aber 
gewinnt die Reliefarbeit im Metall an Verbreitung, so dass die 
Schmelzarbeit sich häufig auf dem, mit farbigen Ranken auf tief- 
blauen Grund überzogenem Hintergrund der Relieffiguren be- 
schränkt. Die geringe Mannigfaltigkeit und der Mangel an 
Sorgfalt in der Durchführung lassen auf eine eilige, fast fabrik- 
mässige Anfertigung dieser, in grossen Mengen verlangten Kir- 
chengeräthe schliessen. 

Die hohe Blüthe, welche im 13. Jahrhundert die limousiner 
Emailarbeit erreichte, musste unter der erwähnten Massenproduk- 
tion bald ins Welken kommen; dazu kam noch, dass mit dem 
14. Jahrhundert, nachdem Karl V. Frankreich aus den verderb- 
lichen Kriegen wieder zur Ruhe und Wohlhabenheit zurückgeführt 
hatte, auch bei den französischen Grossen der Geschmack sich 
mit Entschiedenheit der eigentlichen Gold- und Silberschniiiede- 
arbeit zuwandte, wie aus den noch erhaltenen Inventarien der 
Herzöge von Berry, Anjou und Burgund, hervorgeht und da, wo 
noch eine farbige Belebung der Goldschmiedearbeit durch 
Schmelzfarben gewünscht wurde, bot sich der, inzwischen in 
Italien sich entwickelnde durchsichtige Reliefschmelz als ein pas- 
sendes Mittel dar. Die limousiner Schmelzwerkstätten beschränk- 
ten sich mehr und mehr darauf, ihre Massenprodukte ^für ärmere 
Kirchen, welche sich keine Gold- oder Silbergeräthe gestatten 
konnten, anzufertigen und verschwanden schliesslich eine 
nach der anderen bis auf bescheidene Handwerkertraditionen, 
die im Stillen fortleben mochten, um im 16. Jahrhundert in dem 
Maler-Email zum neuen glänzenden Leben zu erwachen. Und 
dieser Zweig der Schmelzkunst gewährt, abweichend von dem 
bisher betrachteten, dem Metallgrund keinerlei Antheil an der 
Wirkung mehr, indem er das Metall vollständig bedeckt und 
ihm somit die Rolle zuweist, welche die Leinwand und das Holz 
etc., in der Oelmalerei einnimmt und unterscheidet sich nur von 
Letzteren durch die technischen Besonderheiten und Beschränkun- 
gen, welche ihm die schmelzbaren Farben auferlegen. Aber die 
Erscheinung, welche uns in der Geschichte der technischen 
Künste so häufig begegnet, finden wir auch hier wieder bestätigt : 
nicht- diejenigen Techniken, welche mit Hülfe der chemischen 
Wissenschaft am meisten Herr über die Schwierigkeiten der Her- 
stellung geworden sind, erzeugten die künstlerisch hochstehenden. 



Das Email und das Emaillieren. 5 

von den Kennern am meisten geschätzten Werke. Da wo 
jeine schwer zu überwindende, relativ unvollkommene Technik 
den Künstler zum Einsetzen seines höchsten Könnens anspornt, 
haben wir die Werke zu suchen, welche in der Geschichte der 
Künste stets den ersten Platz eingenommen haben und densel- 
ben dauernd behalten werderu 

Ich bin gezwungen, noch einmal auf die japanische Schmelz- 
technik zurück zu kommen. In Japan ist, nach einheimischen 
Ueberlieferungen, die Kunst der Schmelzarbeit *'Shippa Yaki" 
aus China gegen Ende des i6. Jahrhunderts durch Hirato Hiko- 
schiro eingeführt worden. Sie fand ihre erste Aufnahme in 
Nagoya in Owari, welcher Ort bis heute der Hauptsitz dieser 
Kunstindustrie geblieben ist. In Nagoya und einigen Nachbar- 
orten, besonders Torschima, wird das Emaillieren als Hausindus- 
trie betrieben und wurde von hier vor etwa einem Menschenalter, 
als diese Kunst einen besonderen Aufschwung durch ihre Zur- 
schaustellung auf der Pariser Weltaustelluug 1867 nahm, nach 
Kiota Opaka, Tokio und Yokohama verpflanzt. Auf Kiuschiu, 
dem bis vor 30 Jahren den Europäern einzig zugänglichen Theile 
Japans, wird Schmelzarbeit nicht gefertigt und kommt auch 
heute noch in Nagasaki selten zum Verkauf, woraus sich die 
auffallende Thatsache erklärt, dass man vor 30 Jahren in den 
Sammlungen japanischer Kunstindustrien neben Lackwaaren, 
Bronze und keramischen Arbeiten, kein Email fand. Inzwischen 
hat uns Japan nicht nur seine bewunderungswürdigsten Stücke 
seiner Schmelzkunst geliefert, sondern es überschüttet un- 
seren Markt mit einer Fülle neuer Emailwaare von grösten- 
theils künstlerischer Vollendung, und so unglaublich niedrigen 
Preisen, dass der Gedanke an eine Konkurrenz längst aufge- 
geben werden muste. Allerdings wollen aufmerksame Beobach- 
ter in der künstlerischen Qualität der japanischen Zellenschmelze 
seit ihrem ersten Auftreten auf der Weltausstellung 1867 einen 
starken Rückgang bemerken. 

Den Schluss meines heutigen Vortrags wird naturgemäss ein 
Blick auf die heutigen Leistungen der Schmelztechnik bilden 
müssen, welche, wie schon erwähnt, ungeheuere Industrien ent- 
wickelt hat, und dieses ist das Emaillieren auf Guss- und 
Schmiedeeisen, Eisen- und Stahlbleche. Trotz alledem, dass das 
Emaillieren auf Eisenblech noch keine 50 Jahre alt ist, weiss 
man doch nicht genau, wo und wann es zuerst ausgeführt wurde. 
Das Emaillieren auf Gusseisen wurde zuerst im Jahre 1783 von 
dem schwedischen Bergbaubeamten Rinnmann versucht, doch 
soll man noch 1828 in England und Frankreich zu keinen Resul- 
taten gekommen sein, wogegen in Deutschland zu Lauchhammer 
schon 1815—20 emaillirte gusseiserne Geschirre hergestellt wur- 
den. Heute natürlich sind die Kochgeschirre nicht mehr viel in 
Anwendung, weil dieselben zu schwer und unbändig sind, da- 
gegen hat die Gussemaille eine grössere Anwendung in Wasser- 
leitungsartikeln, Badewannen, Closets, gusseisernen Oefen, 
Küchenherden u. s. w., gefunden. 



6 Mittheilungen des D. A.T. V, 

Seitdem man durch Vervollkommnung der Maschinen gelernt 
hat, Bleche durch Stanzen, Prägen und Drücken in beliebige 
Formen zu bringen, wurden auch viele Versuche angestellt, um 
Geschirr aus Eisen- oder Stahlblech zu emaillieren. Diese 
Geschirre, welche sich durch billige Herstellungskosten und 
geringes Gewicht auszeichnen, bieten unstreitig das Beste was 
man von einem Gefäss überhaupt verlangen kann. Obwohl 
nun seit den ersten Jahren der Herstellung von Blechemaille, die 
Versuche der Fabrikanten meistentheils mit einem negativen 
Resultate endeten, indem die Emailüberzüge ungemein leicht 
absprangen und schon beim Aufschmelzen so ungleichförmig 
waren, dass viele Fabrikanten häufig zu der Ansicht gelangten, 
es sei überhaupt unmöglich Blechgeschirre mit einem fehler- 
freien Emailüberzug zu versehen, so lehrt uns doch ein Blick in 
eine Eisenhandlung, dass man gelernt hat, diese Schwierigkeiten 
im vollen Maasse zu überwinden und emaillierte Blechwaaren von 
tadellosem Aussehen und guter Haltbarkeit herzustellen. 

Es wird die Herren vielleicht interessieren zu erfahren, wie 
gross die Leistungsfähigkeit d. h. die tägliche Fertigstellung der 
lo in den Vereinigten Staaten bestehenden Fabriken an Küchen- 
waare ist. Diese lo Fabriken produzieren täglich 225,cxx) Stück 
Waare. 




Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung, 
Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. 



Vortrag des Elec. Ing. Herrn M. Neurath im Verein Philadelphia. 

(Fortsetzung und Schluss.) 

Ueber die Lebensdauer der Accumulatoren resp. die Zeit, 
dass die Platten in gebrauchsfähigem Zustande bleiben, lassen 
sich allgemein giltige Angaben nicht machen. Die Zeit, während 
welcher Accumulatoren in grösserem Umfange praktische Ver- 
wendung finden, ist noch zu kurz, dass hinreichendes Er- 
fahrungsmaterial vorliegen könnte. Die Platten sind heikler 
Natur, so dass es immer von Nebenumständen abhängt, beispiels- 
weise, dass sich die Platten werfen, krümmen oder verziehen. 
Den grössten Einfluss auf die Lebensdauer einer Batterie hat die 
Behandlung. Häufiges Entladen mit hohem Strome, zu starkes 
Ueberladen, seltenes Laden, häufige nur theilweise Ladung, 
Stehenlassen im entladenen Zustande, Unterlassen des Auffüllens 
der Säure, überhaupt nachlässige Behandlung können die vor- 
züglichst gebauten Accurriulatoren vorzeitig verderben. All- 
gemein gilt, dass sich eine Batterie bei regelmässigem Betriebe 
am besten hält. Die meisten Fabriken leisten bei Aufstellung 
einer Batterie, eine 2 — 3 jährige Garantie für deren Haltbarkeit. 
Auch ist es in Deutschland nicht selten, dass der Käufer bei Auf- 
stellung einer Batterie, mit dem Fabrikanten eine Versicherung 
contrahirt, nach welcher die Fabrik gegen eine jährliche Gebühr 
von 5—6 % des Kostenpreises, zeitweilige Revisionen der Batterie 
ausführen lässt, alle nöthigen Reparaturen auf ihre Kosten vor- 
nimmt und nach Ablauf eines vereinbarten Zeitraumes, die 
Batterie in ebenso betriebsfähigem Zustande übergiebt, wie sie zu 
Anfang war. Es ist empfehlenswerth, ein derartiges Abkommen 
zu treffen, da auch bei der sorgfältigsten Behandlung einer 
Batterie nicht selten Störungen auftreten, deren Ursachen sich 
nicht recht aufklären lassen, deren Beseitigung aber mehr oder 
weniger kostspielige Reparaturen erforderlich machen. 

Die erste Ladung muss begonnen werden, sobald die Säure 
eingegossen ist und fortgesetzt bis die .positiven Platten dunkel- 
braun werden, und das specifische Gewicht der Säure von 1,15 
bis 1,18 gestiegen ist. Die negativen Platten werden grau. Für 
die erste Ladung wird verdünnte Schwefelsäure von 19 Be bei 
20° C verwendet. Zum Nachfüllen verwendet man Säure von 
höchstens 4 Be. Zweckmässig ist es, zum Laden eine Neben- 
schlussmaschine zu verwenden, denn wenn durch Verminderung 
der Tourenzahl der Dynamo, die Batterie sich auf die Maschine 
entladet, die Electromagnete derselben durch Umkehr des Stromes 
nicht umpolarisiert werden, sondern sich nur die Stromrichtung 
im Anker ändert. Steigt die Spannung wieder, so wird auch die 



8 Mitthälungen desD.A. T. V. ' 

Ladung fortgesetzt. Da die Emk einer ladenden Maschine höher 
sein muss, als diejenige der zu ladenden Batterie, so muss die 
erstere, bevor sie mit der Batterie verbunden wird, schon ihre 
volle Emk besitzen. Bei der Nebenschlussmaschine erreicht 
man dies einfach dadurch, dass man sie leer anlaufen lässt, bis 
die normale Tourenzahl erreicht ist. Dagegen müsste eine direkt 
gewickelte Maschine auf einen besonderen Hülfswiderstand an- 
laufen und der Letztere beim Umschalten der Maschine auf die 
Batterie, einen Augenblick zur Batterie parallel geschaltet sein, 
bevor er weggenommen werden könnte. Tritt jedoch durch 
einen Zufall die Abnahme der Tourenzahl der Serienmaschine 
ein und der Strom schlägt um, d. h. er geht aus der Batterie 
durch die Maschine, so wechselt die Stromrichtung auch in der 
Magnetwickelung. Dadurch werden die Magnete umpolarisiert 
und die im Anker der Maschine erzeugte Emk wechselt ihre 
Richtung, so dass die Maschine und Batterie nicht mehr gegen- 
einander, sondern hintereinander geschaltet sind. Die beiden 
Emk addieren sich und der Strom erreicht eine unzulässige Höhe, 
so dass die Drathwicklung der Maschine sich derart erhitzt, dass 
ihre Isolierung verbrennen kann. Die Maschine ist dauernd 
umpolarisiert und man muss sie bei einer neuen Ladung im ent- 
gegengesetzten Sinne wie zuvor mit der Batterie verbinden. 
Benutzt man eine Maschine mit gemischter Wickelung d. h. eine 
Compound Maschine zum Laden, so behält beim Eintreten der 
genannten Verhältnisse der Strom in der Nebenschlusswickelung 
seine Richtung, in den direkten Windungen schlägt er dagegen 
um und es können bei Wiedererhöhungen der Tourenzahl der 
Dynamo, nur in dem Falle die früheren normalen Verhältnisse 
eintreten, wenn nur wenige direkte Windungen vorhanden sind, 
so dass die magnetisierende Kraft des Nebenschlusses ganz 
bedeutend überwiegt. Es ist daher zweckmässig, wenn eine 
schon vorhandene Compound Maschine zum Laden dienen soll, 
bei derselben die direkten Windungen auszuschalten und als eine 
reine Nebenschluss-Maschine zu benutzen. Da jedoch in diesem 
Falle der Magnetismus bei vollem Strome kleiner ist, als bei 
Einschaltung der direkten Wickelung, so giebt die Maschine 
weniger Spannung und es kommt darauf an, ob die Maschine für 
die Batterie ausreicht. 

Für jede Zelle ist im Anfange eine Spannung von cirka 2,05 
Volt erforderlich. Während A der Ladezeit steigt die Spannung 
auf 2,35 — 2,40 Volt und in den letzten A rapid auf 2,65 Volt. 
Bei 2,22 — 2,25 Volt beginnt die Gasentwicklung und zwar 
erscheint der Sauerstoff an der Anode gewöhnlich etwas früher, 
als der Wasserstoff an der Kathode. Während der Ladung wird 
eine gewisse Menge Schwefelsäure gebildet und Wasser ver- 
braucht, wodurch der Säuregehalt der Flüssigkeit steigt. Um- 
gekehrt findet beim Entladen Wasserbildung statt, während 
etwas Schwefelsäure der Flüssigkeit entzogen wird, so dass die 
Concentration der Letzteren abnimmt. Diese Aenderungen 
lassen sich mittelst eines in die Flüssigkeit gesenkten Aräometers 



Accumülatorefiy deren Herstellung und Verwendung. 9 

leicht nachwei3en. Bei der Ladung findet eine Zunahme, bei 
der Entladung eine Abnahme des specifischen Gewichtes der 
Säure statt. Bei 2,6 Volt hat die Gasentwicklung den höchsten 
Grad erreicht, was sich durch ein milchiges Aussehen der Flüssig- 
keit erkennen lässt und kann dies als Zeichen betrachtet werden, 
dass die Masse für die Gase nicht mehr aufnahmefähig ist und 
durch weitere Ladung nur noch Wasser zerzetzt wird. Es ist 
dann zweckmässig die Ladung zu unterbrechen. Nach der 
Stromunterbrechung fällt die Spannung der Batterie sofort auf 
2,25 — 2, 10 Volt. Bei Stromabgabe fällt die Spannung in der 
ersten Minute sehr schnell auf cirka 1,95 Volt und sinkt langsam 
auf 1,85 Volt herab. Hierauf tritt ein rapides Sinken ein und es 
ist zweckmässig die Entladung zu unterbrechen, sobald der 
Werth 1,85 Volt erreicht hat. 

Zur Regulierung der Entladung werden sogenannte Zellen- 
schalter angewandt. Zwischen je zwei Kontakten liegt ein 
kleiner Widerstand, welcher verhindern soll dass eine Zelle 
kurz geschlossen wird, beim Uebergang von einem Kontakte auf 
einen zweiten. Bei sehr bedeutenden Stromstärken, bei denen 
ein derartiger Widerstand zu voluminös wird, ist die Einrichtung 
wie folgt : Statt eines Schleifkontaktes sind zwei vorhanden, 
die in kleiner Entfernung von einander starr verbunden aber 
von einander electrisch isoliert sind. Zwischen beiden ist der 
Zwischenwiderstand eingeschaltet. Dies wären Einfachzellen- 
schalter gewesen, die den Zweck haben, bei der Entladung die 
Spannung zu regulieren. Beim Laden ist es jedoch zweck- 
mässiger einen Doppelzellenschalter zu verwenden, der mit 2 
Hebeln versehen ist, deren einer den Zweck des Einfachzellen- 
schalters erfüllt, während der andere dazu dient, geladene Zellen 
nach der Maschine abzuschalten.* 

Die Benutzung von Gegenzellen ist eine Einrichtung, die 
dazu dient, die Anzahl der Schaltzellen zu vermindern. Durch 
die Möglichkeit, die Schaltzellen bald subtractiv zu entziehen, 



*) Die von dem Herrn Vortragenden auf Stereopticonplatten gezeichneten 
Illustrationen einiger gebräuchlichen Schaltungen zeigten : 

Schaltung für eine Batterie und eine Nebenschlussmaschine von genügend 
hoher Spannung, um den Accum. in einer Reihe laden zu können. Während 
der Ladung können Lampen brennen. 

Schaltung für einen Accum. und 2 Nebenschlussmaschinen, deren jede 
genügend hohe Spannung besitzt, um den Accum. in einer Reihe laden zu 
können. 

Schaltung für eine Accum. Anlage mit Zusatzmaschine nebst Electro- 
motor. Die gleichzeitig brennenden Lampen werden von der Maschine allein 
gespeist. 

Schaltung für eine Accumulatoren-Anlage mit von der Maschine entfernt 
stehenden Accum. Die Ladung geschieht in einer Reihe mittelst Nebenschluss- 
Dynamo Maschine. Während der Ladung können von der Maschine sowohl, 
als auch vom Accum. Lampen brennen. Bei starkem. Lichtbedarf in der Fern- 
leitung kann die Maschine den Accum. unterstützen. 

Schaltung für eine Nebenschlussmaschine und einen fernstehenden sowie 
einen nahestehenden Accum. Die Maschine hat so hohe Spannung, um die 
parallel geischalteten Accumulatoren in einer Reihe laden zu können. Während 
der. Ladung können Lampen in beiden Accum. -Stromkreisen mitbrennen. 



10 Mittheilungen des D, A. T. K 

bald additiv der übrigen Batterie hinzuzufügen, kann man eine 
so grosse Veränderlichkeit der Spannung erzielen, wie sie bei 
gleicher Grösse der ganzen Batterie sich nur durch eine doppelt 
so grosse Anzahl von Schaltzellen der gewöhnlichen Art bewirken 
Hesse. 

Bei der Konstruktion eines an jedem Schaltbrett noth- 
wendigen automatischen Ausschalters ist folgender Vorgang zu 
beachten : Es ist der Schalthebel nebst Handgriff und der Anker 
des Etectromagnetes starr verbunden. Bei normalem Strome 
wird der Anker von den Magnetpolen festgehalten und der Aus- 
schalter ist geschlossen. Sinkt die Stromstärke unter die zu- 
lässige Grenze, so reissen eine Feder sowie die Schwere des 
Hebels den Anker ab und der Strom wird unterbrochen. Eine 
Feder dient als Anschlag für den fallenden Hebel und zur Milder- 
ung des Stosses. 

Da bekanntlich die Querschnitte der den Consumstellen 
die nöthige electrische Energie zuführenden Leitungen propor- 
tional zum Consum und zum Quadrat der Entfernung wachsen, 
so ist man bei der Vertheilung electrischer Energie von einem 
Centralpunkte aus, an gewisse Grenzen gebunden. Diese 
Grenze liegt beim ausschliesslich direkten Betriebe da, wo die 
Kosten der Verstärkung der Querschnitte der Leitungen, eine 
solche Höhe erreichen, dass es billiger wird eine neue Central- 
Stromvertheilungs-Anstalt, mit Strom erzeugenden Maschinen- 
einrichtungen zu errichten. So lagen die Verhältnisse bis jetzt 
und auch noch immer für diejenigen, die der Accumulatoren-Frage 
nicht die gebührende Beachtung Schenken. Es kann kühn die 
Behauptung aufgestellt werden, dass für grössere centrale Strom- 
vertheilungs-Anlagen, eine Einrichtung mit vertheilten Accu- 
mulatoren-Stationen, in Bezug auf Anlagecapital, Einfachheit 
und Sicherheit des Betriebes, Gleichmässigkeit des gelieferten 
Stromes, Lebensdauer der Glühlampen und Billigkeit der Be- 
triebskosten einen Vorzug verdient, gegenüber jeder direkten 
Stromvertheilung ohne Accumulatoren. Für diese Behauptung 
sprechen allein schon genügend die Ersparnisse an Grund- 
erwerbskosten, da man die Accumulatoren auch in Kellerräume 
unterbringen kann, die Einschränkung der Maschinenanlage, also 
der Kessel, Dampf und Dynamo-Maschinen nebst Gebäuden, 
Schornsteinen, etc. Ferner die Reduktion der Speiseleitungen auf 
einen Bruchtheil der sonst erforderlichen Querschnitte, eine ganz" 
bedeutende Ersparniss an den Querschnitten der Vertheilungs- 
leitungen, und das Erforderniss eines sehr kleinen Bedienungs- 
personals. Accumulatoren finden Anwendung, in den meisten 
electrischen Beleuchtungsanlagen, wo ein wechselnder Strom- 
bedarf stattfindet. Am Tage brennen gar keine oder wenige 
Lampen und erst gegen Abend tritt die volle Lampenanzahl in 
Wirksamkeit. Während der späten Nacht brennen ebenfalls 
nur wenige Lampen. Es müssten also, um einer geringen An- 
zahl von Lampen Strom liefern zi^ können, grössere, schwach 
belastete Motoren in Betrieb bleiben. Doch erfahrungsmässig 



Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. ii 

kostet der Betrieb solcher schwach belasteten Motoren im Ver- 
hältniss das Doppelte, wie wenn dieselben voll belastet wären. 
Ladet man dagegen, zur Zeit des geringsten Strombedarfes eine 
entsprechend grosse Accumulatoren-Batterie, so kann dieselbe, 
während des grössten Strombedarfes, die Stromlieferung, gleich- 
zeitig mit den Dynamos und nach Aufhöfen des Hauptbedarfes, 
die weitere Stromlieferung übernehmen. Die maschinelle An- 
lage wird hierdurch, während einer bestimmten Zeit, voll aus- 
genutzt. Ferner, da die Accumulatoren kürzere Zeit, ohne dabei 
Schaden zu leiden, einen zweifachen Strom wie gewöhnlich 
liefern können, so eignen sich dieselben besonders auch als 
Reserve für Theater und Vergnügungslokale. So nicht minder, 
wenn eine Betriebsstörung der maschinellen Anlage eintritt. 
Weiterhin als Regulatoren für grössere Lichtschwankungen. Ein- 
cylindrige Gasmotoren, deren Tourenzahl gewöhnlich schwankt, 
werden in Verbindung mit einer Accumulatoren Batterie stets 
ruhiges Licht liefern. In dem Falle, wo z. B. eine Anlage durch 
Wasserkraft betrieben und dieselbe nur am Tage ausgenutzt 
wird, können Accumulatoren Nachts geladen werden und am 
Tage Electromotoren betreiben oder am Abend zur Beleuchtung 
dienen. Ferner für galvanoplastische Zwecke, wo eine Maximal- 
spannung von 4 — 6 Volt erforderlich ist, eignen sich dieselben 
vorzüglich. Bevor ich jedoch mit den stationären Accumulatoren 
schliesse, darf ich deren vorzügliche Leistungen in den Centralen 
von Strassenbahnen nicht unerwähnt lassen. Wertn man in 
Betracht zieht, dass die Schwankungen der stationären Maschinen 
zwischen der Null-und Maximal-Leistung oftmals innerhalb einer 
Minute erfolgen, wenn man anderseits in Rücksicht zieht, dass 
der Betrieb innerhalb gewisser Tagesstunden variirt, wobei die 
Maschinenleistung stets für den grössten Verbrauch eingerichtet 
sein muss, so ist es wohl klar, dass ein wirthschaftlicher Vortheil 
bei der Anwendung stationärer Accumulatoren Batterien möglich 
sein muss. Uiese Batterien dienen dazu, die wechselnde Be- 
lastung der Stromlieferung auszugleichen, indem bei schwacher 
Belastung der Strecke, die an der normal arbeitenden Dynamo- 
Maschine zur Verfügung stehende überschüssige Energie in der 
Batterie selbstthätig aufgespeichert wird und bei grösserer als 
normaler Beanspruchung der Strecke, wieder selbstthätig ab- 
gegeben wird. Eine Anordnung zu diesem Zwecke wird durch 
eine von Siemens & Halske in Berlin patentierte Einrichtung 
erläutert. Parallel zur Betriebsmaschine, wird eine Accumula- 
toren Batterie geschaltet, in deren Stromzweig eine Zusatz- 
maschine eingefügt ist. Die Schenkel derselben werden durch 
den schwankenden Betriebsstrom und durch einen von der 
Sammelbatterie allein abgezweigten Strom so erregt, dass beide 
Erregerströme einander entgegenwirken, d. h. dass beim An- 
wachsen des Betriebsstromes die electrische Kraft der Zusatz- 
maschine in dem einen Sinne, bei Abnahme des Betriebsstromes 
dagegen in anderem Sinne beeinflusst wird, so dass bei Ver- 
änderung des Betriebsstromes sofort selbstthätig eine entsprech- 



12 Mittheilungen des D. A. T. K 

ende grössere oder geringere Beanspruchung der Sammelbatterie 
bewirkt wird. Eine neuere grössere Anlage nach diesem System 
ist die Electrische Bahn Zürich-Hirsladen. 

Ein ausgedehntes Bahnnetz kann diese Ausgleichung gut 
entbehren, da durch eine grosse Wagenanzahl die wechselnde 
Beanspruchung in minimalen und rentablen Grenzen sich be- 
wegt. Handelt es sich darum eine kleine Beleuchtungsanlage 
mit der Bahn zu verbinden, ist nichts zweckmässiger, als die am 
Tage zum Ausgleich der Bahnschwankungen dienende Batterie 
mit so viel Ueberschuss zu versehen, dass während der Beleucht- 
ungsstunden, die Batterie von der Bahn abgeschaltet und zur 
Stromabgabe für die Beleuchtungsanlage benutzt werden kann. 

Dies wären die Verwendungen der sogenannten stationären 
Accumulatoren, deren Frage eine längst gelöste ist. 

Das Ideal des Electrotechnikers bildet jedoch, die Verwend- 
ung der Accumulatoren für das Fortbewegen von Fahrzeugen. 
Ob zwar in den letzten Jahren auf diesem Gebiete Enormes 
geleistet wurde, bleibt es doch der Zukunft überlassen, die Frage 
vortheilhaft zu lösen. Schon als in den 8o-er Jahren Emile 
Alphons Faure sein Patent auf Accumulatoren nahm, glaubte 
man, dass das Verfahren dazu berufen sein werde, den Strassen- 
bahnbetrieb zu beherrschen. Diesen Erwartungen haben die 
dann gemachten Vorversuche nicht entsprochen, denn all die 
Versuche haben sich für die Praxis als nicht lebensfähig er- 
wiesen. Die Versuche in dieser Richtung stagnierten eine Zeit 
lang und vielleicht ist es dem Umstände zuzuschreiben, dass 
der in jener Zeit heranrückende Feind der Electricität, der am 
Horizont des electrischen Gebietes auftauchte, der ein bedeuten- 
deres, ja man kann sagen, ein grosses Feld sich eroberte, nämlich 
das Auer, respektive Welsbach-Licht, welches in Europa sehr 
grosse Verbreitung fand, vielen Fabrikanten, denen ein Absatz- 
gebiet entrissen wurde, zur Aneiferung veranlasst^, auf diesem 
Gebiete zu grübeln, zu suchen, und auch zu finden. Obschon 
der Accumulator die Eigenschaft besitzt, nebst seinem verhältniss- 
mässig hohen Gewicht an Capazität und Spannung, bei Bean- 
spruchung mit Entladestrom, wie dies bei, den ungleichen Strom- 
anforderungen eines Strassenbahnbetriebes, beim Anfahren und 
bei Steigungen unvermeidlich ist, erheblich einzubüssen. Und 
wenn auch das den electrischen Eigenschaften zuzuschreibende 
Hinderniss, die. geringe Haltbarkeit der Platten gegenüber den 
unvermeidlichen Stössen der Wagen und das Umherspritzen der 
Flüssigkeit zum Nachtheil des Förderungsbetriebes, nicht zu 
leugnen ist, steht ihm doch der Vortheil zu, die Wiederge- 
winnung der Arbeit beim bergabfahrenden Wagen, in Form 
von electrischer Energie, die der Wagonmotor, als Stromerzeuger 
wirkend, hergiebt und dann zum Wiederladen der Zellen benützt 
wird. Die ferneren Vorzüge wären noch, die Unabhängigkeit 
der Wagen von einander und von der Station, so auch gleich- 
massige Ausnützung der stationären Kessel, Dampfmaschinen 
und Dynamos beim Laden der Zellen. 



Accumulatoren, deren Herstellung und Verwendung. 13 

Bezüglich des Uebels des Umherspritzen der Flüssigkeit, hat 
man versucht derart abzuhelfen, dass man gelatinartige Säure 
(Patent Oerlikon) anwendet. Betreffs der Haltbarkeit der 
Platten gegenüber der Stösse, haben wir bereits unzählige Ver- 
besserungen zu verzeichnen. 

So besitzt schon bereits seit einer Reihe von Jahren Paris 
eine Accumulatoren Bahn nach dem System Claret-Vuiileminer, 
die einen tadellosen Verkehr vom Centrum der Stadt nach der 
1% Stunden gelegenen Stadt Romainville aufweisst. In der Stadt 
Hannover in Deutschland bewähren sich ebenfalls solche Bahnen 
schon längere Zeit. Im Frühjahre des vorigen Jahres wurde in 
Frankfurt am Main nach dem bewährten System Pollak der Ver- 
kehr aufgenommen, welches System vermöge seiner vorzüg- 
lichen Leistung, von vielen Städten in Deutschland bereits 
adoptiert wurde. Eben so wenig zurück ist das System Marschner 
in Dresden, welches seit einem halben Jahre bei der Dresdner 
Strassenbahn in Verwendung ist. Die Wagen mit 48 Plätzen 
sind mit 144 Elementen und i Motor ausgestattet und soll sich 
nach diesem System eine Ladung auf 4,4 Pf. pro Km. stellen. 

Vor einigen Wochen wurde die Strecke zwischen Chicago 
und Englewood, mit Batterien der hiesigen Storage Battery Co., 
eröffnet. Laut statistischem Ausweis der E. T. Z. vom Januar 
1898, wird in Deutschland eine Streckenlänge von 200 Km. mit 
Accumulatoren Strassenbahn befahren. 

Das Auswechseln der Batterien geschieht entweder an den 
Endstationen oder, wenn die Strecke zu gross ist, wird eine 
Zwischenstation angeordnet. Die Prozedur. geschieht entweder 
auf einfachem Wege,, oder durch einen untergrabenen Kanal, oder 
wie es das neueste Patent vom August 1897 von Pollak in Frank- 
furt am Main zeigt. Die Accumulatoren sind hierbei in einem be- 
sonderen kleinen Wagen untergebracht, der unter dem Personen- 
wagen leicht hinuntergeschoben werden kann, wo er mit ihm 
federnd verbunden ist. Dieses Verfahren hat den Vortheil, dass 
man jeden früher als Pferdebahnwagen benutzten Wagen leichter 
umgestalten kann, doch knüpft sich daran die Frage, ob die 
Reibung der Räder des kleinen Wagens die Sache nicht ungünstig 
macht. 

Die Verwendung der Batterien bei Droschken und anderen 
Fahrzeugen steht zwar noch weit zurück, und ist dies mehr ein 
Gegenstand des Luxus, als des praktischen Bedürfnisses, obzwar 
auch in dieser Richtung sich auch bereits eine Strömung zu 
Gunsten der Verwendung von Accumulatoren bemerkbar machte. 
Paris hat der Sache die Direction gegeben, wo es zum ,,bon ton** 
gehört eine electrische Equipage zu besitzen. Auch in Berlin 
hat sich kürzlich die Firma: ** Centraleuropäische Gesellschaft 
für Motorwagen " etabliert. Die Firma F. B. Rä in Chicago baut 
Motorwagen, bei welchen das Gewicht des Wagens, besetzt mit 
Kutscher und 2 Personen cirka 900 Kg. beträgt. Maximal 
Geschwindigkeit 30 Km. pro Stunde. Die Ladung der Batterie 
genügt für 95 Km. Das bisher Vollkommenste auf diesem 



14 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Gebiete ist der Elieson Motorwagen in London. Der Wagen 
ist mit Lamina Accumulatoren ausgerüstet. Für eine 7 Platten 
enthaltende Zelle beträgt das Gewicht \2% Kg. Die Batterie 
gestattet eine Fahrt von 48 Km. bei einer mittleren stündlichen 
Geschwindigkeit von 12,8 Km. Die Kosten einer Ladung stellen 
sich auf I Shilling. Die Accumulatoren Wagen würden für die 
im Umkreise von 24 Km., von der Stadt entfernten Landbewohner, 
von grossem Vortheil sein. Eine Ladung genügt bei derselben 
meist zur Hin- und Rückfahrt, erst könnten die Eigenthümer, 
während sie ihre Geschäfte in der Stadt besorgen, die Batterie 
in einer Stromverkaufscentrale, deren Etablierungen kaum aus- 
bleiben würden, laden lassen und dann wieder zur Fahrt benutzen 
können. 

Wir wollen hoffen, dass das nun bald eintretende neue Jahr- 
hundert auch in dieser Richtung, Aufschwung und Gedeihen 
nicht versagen und der Electrotechnischen Industrie einen neuen 
Zweig schaffen wird. 




Neuerungen an Masckinentheilen für Trammissionsanlagen. 1 5 

Neuerungen und Verbesserungen an Maschinen- 
theilen für Transmissionsanlagen* 

Vortrag, gehalten im Techn. Verein von New York von F. H. Qottlieb. 



Ich beginne das mir zur Besprechung gestellte Thema mit 

„Hänge- und Wandlager." 

Der Rahmen des in Fig. i dargestellten Hängelagers ist, entgegen 
der seitherigen Praxis, aus einem Stück gegossen und der Bügel 
nachher abgesprengt, wodurch ein genaues Zusammenpassen 
beider Theile erzielt wird. Nach dem Fussende hin ist der 
Rahmen erweitert, um dem seitlichen Druck den nöthigen Wider- 
stand zu leisten. 

Die Bolzenlöcher in den Füssen sind rund, entgegen den 
seither üblichen Schlitzlöcher. Die erforderlichen Schrauben 
sind weder eingegossen noch eingeschraubt, sondern werden 
durch Contremuttern in den dafür bestimmten Aussparungen des 
Rahmens festgehalten. Neben den gewöhnlichen Stellschrauben 
für verticale Einstellung sind hier auch solche für horizontale Be- 
wegung angebracht, eine Verbesserung, welche bei der Montirung 
und im Laufe der Zeit etwa nöthigen Adjustirung von Wellen- 
leitungen von nicht zu unterschätzendem Vortheil ist, indem man 
seither für eine seitliche Bewegung auf die in den Füssen befind- 
lichen Schlitzlöcher angewiesen war. Die Lagerbüchse ruht mit 
ihrem kugelförmigen Ansatz in dem hierzu correspondirenden 
Ausschnitt des Oelgefässes und gestattet so eine selbstthätige 
Adjustirung. An beiden Enden der unteren Lagerschraube be- 
findet sich ein schwalbenschwanzartiger Ansatz zum Abstreichen 
des überflüssigen Oeles, wodurch ein Tropfen auf Waaren oder 
Maschinen verhütet wird und sind die üblichen Tropfgefässe 
überflüssig. 

Da wo Stellringe nöthig sind, ist ein Behälter (Fig. 2) mit 
Deckel an das Oelgefäss angegossen, in welchem der Stellring 
läuft, also vollkommen verdeckt ist und somit Unglücksfälle durch 
Hängenbleiben an Stellringschrauben unmöglich macht. 

Die selbstthätige Schmierung geschieht durch zwei lose auf 
der Welle hängende und mit dieser rotirende Ringe, welche 
genügend Oel aus dem Reservoir fördern und ohne Störung 
arbeiten. 

Das Wandlager ist auf denselben Grundprinzipien construirt 
und durch die Ihnen vorliegende Abbildung hinreichend erklärt. 

Ich gehe nun zu dem zweiten Gegenstand über : 

„Ein Arrangement für feste und lose Riemenscheiben," 

wobei der Riemen, wenn ausgerückt, still steht. Diese Vor- 
richtung ist für solche Fälle insbesondere berechnet, wo Wellen- 



i6 Mittheilungen des D. A. T. V. 

leitungen und Maschinen zeitweise ausser Betrieb gesetzt werden, 
oder wo das fortwährende Laufen der Riemen und Scheiben nicht 
wünschenswerth und Kraft und Material erspart werden sollen. 
Schliesslich wird auch dem Geräusch von ausgelaufenen Schei- 
ben absolut vorgebeugt und Feuersgefahr durch heissgelaufene 
lose Scheiben verhütet. 

Sehr richtig ist, dass durch diese Anordnung eine Ersparniss 
hervorgerufen wird an Kraft, Riemen, Oel, Abnutzung der 
Scheiben und Wellen, sowie an Zeit, da die für gewöhnliche lose 
Scheiben nöthige Wartung ganz wegfällt. 

Die Mehrkosten werden in ganz kurzer Zeit erspart, speciell 
in Fällen wo Vorgelege etc. mit grosser Geschwindigkeit arbeiten, 
und eine Anlage, die mit diesen Arrangements ausgerüstet ist, 
ergiebt eine Ersparniss von circa 25 Prozent. 

Es bietet dieses Arrangement in vielen Fällen Ersatz für 
Frictionsscheiben und ist nebenbei billiger als solche und frei von 
den mancherlei, durch deren Construction oder Complicirtheit 
hervorgerufenen Zufällen, die ja bekannt sind, z. B. einseitiges 
Auslaufen der Nabe wenn sich die Riemenscheibe auf der An- 
triebswelle befindet und andrerseits alle die Mängel der gewöhn- 
lichen losen Riemenscheiben. 

Die Construction ist nun folgende : An der Lagerbüchse ist 
eine röhrenförmige Verlängerung zur Aufnahme der losen Schei- 
ben angegossen, anstatt dass diese auf der Welle selbst läuft. 

Ah der Nabe der losen Scheibe ist, nach der Hängelagerseite 
zu, eine Führungsnuthe für den Hebel angebracht, mit welchem 
die lose Scheibe ein- oder ausgerückt wird und der seinen Dreh- 
punkt am Hängearm hat. 

An der Innenseite der festen und losen Riemenscheiben sind 
Frictionsscheiben angebracht und zwar eine derselben mit Gummi- 
belag. 

Der Modus operatus ist folgender : 

,, Angenommen ist, es wird eine Maschine oder Vorgelege 
mit festen und losen Riemenscheiben betrieben, auf der Haupt- 
transmission befindet sich eine dieser speziellen Vorrichtungen 
also ebenfalls mit fester und loser Scheibe. 

Sobald nun der Riemen mit einer gewöhnlichen Ausrück- 
vorrichtung auf die lose Scheibe übergeführt ist, kommt derselbe 
sofort zum Stillstand, da er sich nicht auf losen Scheiben befindet, 
und es treten dann die vorher erwähnten Vorzüge und Resultate 
ein ; nämlich eine vollständige Entlastung aller Betriebstheile 
und die daraus resultirende Ersparniss. 

Soll nun die Maschine oder Vorgelege in Betrieb gesetzt 
werden, so werden Frictionsscheiben mittelst des Hebels anei- 
nandergepresst, die lose Riemenscheibe beginnt sich zu drehen 
und der Riemen kann mit Leichtigkeit auf die feste Scheibe ein- 
gerückt werden. 

Die lose Scheibe kommt wieder zurh Stillstand sobald die 
Friction durch den Hebel gelöst ist. 



Neuerungen an Maschinentheilen für Transmissionsanlagen. 17 




FIG. 3. 




FIG. 2. 



i8 Mittheilungen des D. A. T. y. 

Wie Sie seinen ist die Vorrichtung eine sehr einfache aber 
dabei zweifellos ungemein zweckmässige und führt sich in letzter 
Zeit mehr und mehr ein. 

Ich gehe nun zu meinem dritten Gegenstand über : 

„Der Pneumatischen Riemenscheibe." 
., Patent Newell." (Fig. 3.) 

Wie Sie sehen ist diese Riemenscheibe durchlöchert und 
zwar zur Beseitigung von Luftblasen, welche sich bei der ge- 
wöhnlichen Riemenscheibe zwischen Riemen und Scheibe bilden, 
indem da, wo der Riemen aufläuft, stets eine Quantität Luft 
eingesogen wird, welche dann comprimirt ein Gleiten des Rie- 
mens und demzufolge Kraftverlust verursacht. 

Diesem Uebelstand ist nun mit der sogenannten " Para 
Pmumatic Pulley" effectiv vorgebeugt, der Riemen, legt sich fest 
um die Scheibe und gestattet die höchstmöglichste Kraftüber- 
tragung. 

Ein weiterer Vortheil liegt darin, dass lose gespannte Riemen 
verwendet werden können, was eine Entlastung der Lager zur 
Folge hat und in einer Ersparniss an Kraft, Minderverbrauch 
von Oel, längerem Halten der Riemen etc. resultirt. 

Diese Riemenscheibe hat sich bereits ein ziemlich grosses 
Feld erobert und zwar lediglich auf Grund ihrer effectiven Vor- 
züge und grösstentheils unter höchst ungünstigen Verhältnissen. 

Die erzielten Resultate sind theilweise phänomenal und will 
ich einige Beispiele anführen. 

Eine Schrotmühle mit gewöhnlichen Antriebscheiben lieferte 
50,000 Ib. per Stunde. Nachdem dieselben durch pneumatische 
•derselben Grösse Versetzt waren, war das Resultat 75,000 Ib. 
bei gleichem Kraft und Kohlenverbrauch. 

In verschiedenen Hutfabriken sind an den Formmaschinen 
6" breite Riemenscheiben durch 4" pneumatische ersetzt worden 
und leisten diese Maschinen nicht nur dasselbe, sondern liefern 
durch den gleichmässigen Gang, da absolut kein Rutschen der 
Riemen vorkommt, eine bessere Waare. 

Ein anderer sehr bezeichnender Fall liegt bei dem Betrieb 
eines Exhaustors vor. Raumverhältnisse gestatteten nicht, ein 
Vorgelege anzubringen, und so wurde derselbe von der Haupt- 
welle betrieben und zwar mit einer Riemenscheibe von 50" 
Durchmesser ; die Scheibe am Exhaustor war 6^" die Distanz 
zwischen den beiden Axen nur 48", die Umdrehungszahl des 
Exhaustor, 1700 per Minute. In diesem Falle arbeitet das 
" Para Pneumatic Pulley" tadellos, ohne irgend welches Gleiten 
des Riemens. 

Im Madison Square Garden sind 4 Dynamomaschinen im 
Betrieb, jede für einen besondern Stromkreis von gleicher Be- 
lastung, welche alle zugleich laufen oder abgestellt sind. 

Jede Maschine hat ihren besondern Ampere-Meter, und 
während der Zeiger der 3 Maschinen, welche mit gewöhnlichen 



Neuerungen an Maschinentheilen für Transmissionsanlagen. 19 

Riemenscheiben angetrieben werden, fortwährend hin- und her- 
spielt, steht der, der einen Maschine, die mit einer pneumatischen 
Riemenscheibe ausgerüstet ist, vollkommen still. 

Dies Resultat spricht wohl zur GerK\ge für sich selbst. 

In einer Fabrik in Florida wurde eine Centrifugalpumpe mit 
einem Riemen von 20" Breite betrieben und war es sefther 
nöthig, einen Riemenspanner zu verwenden. Nachdem die ge- 
wöhnliche Riemenscheibe durch eine pneumatische ersetzt war, 
läuft der Riemen ohne Spannvorrichtung und die Pumpe arbeitet 
besser als zuvor. # 

An Kreissägen, Hobelmaschinen u. s. w. sind gleichfalls 
günstige Resultate erzielt worden, überhaupt sind diese Scheiben 
fast durchweg im Gebrauch, wo die gewöhnlichen, den Dienst 
versagt haben. 

Wohl sind diese Riemenscheiben theurer, doch wird der 
Mehrkostenpunkt durch die geschilderten mannigfachen Vorzüge 
bald aufgewogen. 

Die im Vorgehenden geschilderten Gegenstände sind das 
Erzeugniss der Geo. V. Cresson Co. in Philadelphia. 

Ich komme nun zum letzten Gegenstand meines Vortrags 
der : 

,, Stahl-Riemenscheiben/' (Fig. 4.) 

Diese werden von der ** American Pulley Co.," einem 
Zweiggeschäft der Geo. V. Cresson Co. in Philadelphia ange- 
fertigt und sind das Resultat langjähriger Erfahrung in der Ver- 
wendung von Stahlblech für allerlei Fabrikationszwecke, des 
Ingenieurs Thomas Corscaden. 

Herr Corscaden hat auch die erforderlichen Specialmaschinen 
construirt, ein Unternehmen, das nicht weniger Anerkennung 
verdient als die Riemenscheibe selbst, da von deren Leistungs- 
fähigkeit die akkurate und billige Herstellung abhängt. 

Die Construction und deren Ausführung erfordert selbst- 
redend ein speziell dafür hergestelltes Material und zwar ist es 
ein genau nach der Lehre gewalztes Stahlblech, auf beiden 
Seiten glatt, welches mit grosser Geschmeidigkeit der Faser, die 
höchstmöglichste Widerstandsfähigkeit verbindet. 

Mit Ausnahme der Nieten und Schrauben ist diese Riemen- 
scheibe ausschliesslich aus solchem Material hergestellt und zwar 
folgenderraaassen : 

,, Nachdem die für die verschiedenen Theile nöthigen Stücke 
von den Blechtafeln abgeschnitten sind, werden dieselben auf 
kaltem Wege, mit unter sehr hohem Druck arbeitenden hydrau- 
lischen Pressen, in ihre bezügliche Formen gepresst, 

Den wichtigsten Theil in der Fabrikation bilden die Formen 
aus Gussstahl und ist dies auch der bei Weitem kostspieligste 
Theil aber auch gerade das Mittel zum Zweck, nämlich schnelle 
und billige Produktion. 

Drehbänke, Bohrmaschinen, u. s. w. werden gar nichr ver- 
wendet, überhaupt so zu sagen keinerlei Handarbeit ausgeführt. 



20 Mittheilungen des D. A. T. K. 

Das Gewicht der Stählriemenscheiben beträgt circa ys der 
gusseisernen, Scheiben und circa das gleiche der hölzernen, die- 
selben sind absolut rund und ausbalancirt und für alle 
Geschwindigkeiten ohne Gefahr verwendbar. 

Wie aus Nachfolgendem zu ersehen, werden die einzelnen 
Theile mit grosser Genauigkeit hergestellt, so dass alle Theile, 
wie sie aus der Presse kommen, beliebig und ohne Nachhelfen 
zusammengefügt werden können. Es ist interessant, dass die 
fertige Riemenscheibe mehr wiegt als der Abfall an Blech. 

Alle Riemenscheiben sind zweitheilig und werden augen- 
blicklich in den Grössen von 8 bis 24" Durchmesser und bis zu 
12" Breite, mit runder und grader Oberfläche hergestellt. Die 
Normalbohrtingen sind ilf — 2A — 2A — 2H und 31V, zwischen- 
liegende oder kleinere Bohrungen werden durch viertheilige 
Stahlbüchsen hergestellt, die durch kleine Schrauben in der Nabe 
festgehalten werden. Die Scheiben werden auf der Welle fest- 
geklemmt und ist unter gewöhnlichen Verhältnissen kein Keil 
nöthig, um ein Rutschen auf der Welle zu verhüten. Die 
Klemmvorrichtung hat sich als durchaus zuverlässig bewährt, 
wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann, indem ich Riemen- 
scheiben von 24" Durchmesser mit 8" bis 10" Doppelriemen bei 
variirender Belastung ohne Keil verwendet habe, ohne dass 
jemals ein Loswerden auf der Welle vorgekommen ist. 

Selbstredend ist für einen Keil auch Vorkehrung getroffen 
und zwar wird dann eine gusseiserne Büchse verwendet. 

Lose Riemenscheiben werden ebenfalls unter Zuhülfenahme 
einer gusseisernen Büchse hergestellt, auf welche die Riemen- 
scheibe aufgeklemmt ist. 

Wie Sie sehen, ist der Scheibenkranz aus 4 Theilen her- 
gestellt, welche an der Aussenkante umgerollt sind, einerseits 
zur Versteifung, andrerseits wird dadurch auch eine Beschädi- 
gung der Riemen b^im Auf- und Abwerfen vermieden. 

An der Innenseite jedes einzelnen Viertels ist ein grader 
Flansch zur weiteren Versteifung, an welchen die Arme ange- 
mietet sind. 

Die Combination dieser beiden oder genau gesagt, 4 
Flansche, gestattet die Verwendung eines sehr dünnen Materials 
für den Kranz. 

Jeder Satz Arme für die beiden Scheibenhälften ist wiederum 
aus 2 Theilen hergestellt und durch die eingepresste Wellenform 
ausserordentlich widerstandsfähig. 

Je 3 Arme sind, mit dem daran befindlichen Stück Nabe, 
aus einem Stück Blech gemacht, der ganze Satz für eine Riemen- 
scheibe, also aus 4 Theilen. 

Arm- und Kranzhälften werden zusammengenietet und 
stellen in ihrem Zusammenhange eine Riemenscheibe von so 
grosser Widerstandsfähigkeit her, wie keine andere. 

Ich will nun noch Einiges über Fabrikanlage und die 
Werkzeugmaschinen mittheilen. 



Neuerungen an Masckinent heilen für Transmissionsanlagen. 21 

Durch die ganze Fabrik ziehen sich 2 Druckwasserleitungen 
von 150 bezw. 30CO Ib. per Quadratzoll. 

Durch die Verwendung dieser beiden Druckstärken, sowie 
Anwendung grosser und leicht handlicher Ventile, sind die 
Pressen leicht und schell zu handhaben, was wiederum zur bil- 
ligen Produktion beiträgt. 

Mit dem niederen Druck werden die Formen geschlossen, 
der hohe Druck thut die eigentliche Arbeit. 

Das Oeffnen der Formen geschieht durch ein spezielles 
Accumulatoren-System, welches sofort und zwar automatisch 
arbeitet, sobald der Druck von der Presse, resp. deren Kolben' 
abgestellt ist. 

Die erste Manipulation zur Herstellung des Kranzes besteht 
darin, dass das hierzu verwendete Stück Blech in einen Halbkreis 
gebogen wird, dann werden die runde und grade Ecke zugleich 
hergestellt, schliesslich die Löcher in den graden Flanschen ge- 
stanzt, um die Arme und Scfiellen, welche die beiden Scheiben- 
hälften zusammenhalten, umzunieten. Die Stange hierfür ist je 
nach Grösse der Arbeit radial verstellbar. 

Nach diesen vorbereitenden Manipulationen wird der Kranz 
in der grossen Presse in seine fertige Form gepresst. 

Diese Presse hat 4 horizontale Cylinder von 10" Bohrung 
und 8" Hub. 

In der Mitte resp. da, wo die 4 horizontalen Cylinder zu- 
sammen kommen, ist ein verticaler Cylinder von 24" Bohrung 
und 12" Hub angebracht. 

Mit den 4 horizontalen und radial arrangirten Cylindern 
können 500 Tonnen Druck ausgeübt werden, das gleiche Quan- 
tum mit dem verticalen Cylinder. 

Die Kolben der horizontalen Cylinder drücken auf die Ober- 
fläche der Scheibenhälften, der verticale auf die Ecken und wird 
auf diese Weise die genaue Form hergestellt, wobei das Material 
von den horizontalen Kolben so festgehalten wird, dass ein Ver- 
schieben in der Form unmöglich ist. 

Das erste Stadium in der Herstellung der Arme besteht 
darin, dass die dazu verwendete Stahlblechplatte zweimal der 
Länge nach aufgeschlizt wird und die so nothwendigen Streifen 
sind für die Arme bestimmt, während der Rest des Stückes zur 
Formation der Nabe dient. Nun wird dieses Stück am Ende 
der Schlitze rechtwinklig umgebogen und dann in der Presse in 
einen Halbkreis geformt und dabei zugleich den drei Armen ihre 
richtige Position gegeben. 

Nachdem dieses geschehen, wird in einer anderen Presse 
die Wellenform in die Arme gepresst. Es werden nun noch die 
zum Zusammennieten nöthigen Löcher eingestanzt. 

Die Klemmvorrichtung, womit die Riemenscheibe auf die 
Welle befestigt wird, ist folgendermaassen hergestellt : ,,Das aus- 
gestanzte Stück Blech wird zuerst U förmig umgebogen, dann in 
einen Halbkreis und schliesslich die Nietenlöcher eingestanzt. 



22 Mittheilungen des D, A. T. K 

Aehnlich wie diese ist die Herstellung der Schellen, welche die 
beiden Scheibenhälften zusammenhalten. 

Ein interessanter Prozess ist die Herstellung der Nabe, 
welche aus 2 halbkreisförmigen Stücken Stahlblech besteht. 

Das Rohrstück wird zuerst in annähernde halbcylindrische 
Form gebracht und ist es ersichtlich, dass es eines sehr hohen 
Drucks bedarf, um die?e Form bei der dem Metalle innewohnen- 
den Elastizität so zu fixiren, dass dieselbe keiner Veränderung 
unterworfen ist. 

Es ist unmöglich diese Arbeit mit einem Male zu verrichten, 
oder allein durch Druck auf die Oberfläche. 

Es wird daher das Stück nach der ersten Biegung in eine 
zweitheilige Form gelegt, die ungefähr eine Metalldicke ausein- 
andersteht, und nunmehr durch einen grossen Druck auf beide 
Enden die Form mit dem Metall gefüllt und eine perfecte Contur 
hergestellt. 

Diese Arbeit ist von solcher Genauigkeit, dass fertige Stücke 
nie mehr wie ein ^Afs bis tAt^ variiren. 

Nachdem nun Arm-Scheibenhälften u. s. w. auf diese Weise 
hergestellt sind, werden dieselben auf einer hydraulischen Presse 
zusammengenietet und zwar ist die Presse für alle Riemen- 
scheibengrössen verstellbar. Auch diese Maschine arbeitet wie 
alle anderen mit der grössten Genauigkeit und stellt mit ihrer 
Vernietung ein selbstständig compaktes Ganze her. 

Die letzte Arbeit besteht in dem Poliren der Oberfläche 
mittelst eines Polirbandes. 

Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, eine annähernde Idee 
von der Akkuratesse zu geben, mit welcher diese Riemenschei- 
ben hergestellt sind, zweifellos würde die Besichtigung der Fabrik 
ein anschaulicheres Bild von der Art der Herstellung der be- 
sprochenen Riemenscheiben geben. 




Berichte des Forortes. 23 

Deul5cK-7Iinerik?^ni5cKerTecKniker-YerL?^nJ 

Vorort: Plnlladelplnla., Pa.. 



Verbandsjahr J897-98. 



Protokoll der Vororts-Sitzuag vom 7. Mai 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, O. Lüthy, A. Schumann, 
A. Propfe, J. Sachs und Dr. Th. Willken. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. Es gelangen alsdann eingegangene Briefe zur Ver- 
lesung : Von den Herren Wm. Raecke, Polytechnische Gesell- 
schaft, Chicago, 27. April — H. Laessig, Jr., Verein Baltimore, 
28. April — O. C. Reyman, Verein Pittsburg, iq. April — G. W. 
Wundram, Verein Brooklyn, 25. April — H. von Bayer, Verein 
Washington, 22. April — V. Kops, Verein New York, 15. April — 
Dr. L. H. Friedburg, Verein Brooklyn, 9. und 13. April — 
P. Bausch, Verein Washington, 6. Mai. Ferner eine grosse Zahl 
Begleitschreiben zu Einsendungen von Protokollen etc. für die 
„Verbands Mittheilungen/' Mitgliederlistenänderungen u. A. Die 
Montana Society of Engineers hat eine Druckschrift eingeschickt, 
welche dem Archive einverleibt werden soll. 

Herr A. Schumann macht Mittheilung von dem Versand 
der No. 4, Vol. III der „Mittheilungen/' und findet hierauf eine 
kurze Besprechung über Eingänge für die nächste Nummer statt. 

Der Sekretär wird beauftragt an den neu gebildeten Tech- 
nischen Verein ,,Clevelanä. O." eine Anfrage zu richten, ob der- 
selbe Willens sei dem Verbände beizutreten. 

Rechnungen liegen vor und werden zur Zahlung angewiesen : 
von Phila. Demokrat Pub. Co. — Druck der No. 4 d. M. $87.30; 
vom Sekretär Schumann, Versand und Redaktionsspesen $13.68 ; 
an Postwerthzeichen für den Vorort $1.00. 

Umlagen sind eingegangen : vom Verein Cincinnati, O. 
I. und 2., im Betrage von $12.00; vom Verein Brooklyn, die 3. 
im Betrage von $19.00. 



Vororts- Vorstaads-Sitzuag vom 1. Juai 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, O. Lüthy, A. Schumann, 
Heilbrunn und Dr. Th. Willken. 
Das Protokoll der letzten Sitzung verlesen und genehmigt. 



24 Mittheilungen des D. A. T. V, 

Schreiben sind eingegangen.: Von Herrn H. Dreses, Cin- 
cinnati, 12. Mai — Herrn Wm. Mueser, New York, 12. und 16. 
Mai — Herrn O. C. Reyman, Pittsburg, 15. May — Herrn W. 
Beyenbach, Chicago, 19. Mai (nebst Beilage einer Vereins- 
zeitung) — Herrn G. W. Wundram, Brooklyn, 24. Mai — Kjirte 
der Bibliothek des Polytechnikums Zürich, und Postkarten des 
Herrn P. H. Kartts, Chicago, und Wm. Mueser, New York. 

Auf das Circularsschreiben vom 14. Mai, betreffend : Reform 
der „Mittheilungen** sind bisher Meinungsäusserungen einge- 
gangen von den Vereinen New York und Brooklyn. 

Es kommt die Frage wegen Wahl des Ortes für die Abhal- 
tung des diesjährigen Technikertages zur Besprechung und wird 
beschlossen : den Vereinen die Stadt Reading, Pa. hierfür zu 
empfehlen. 

Der Verein New York macht darauf aufmerksam, dass die 
Ausgabe einer Mitgliederliste im August statutenwidrig wäre und 
beantragt derselbe : die Liste im November herauszugeben, da 
das zweckmässiger sei und die Statutenbestimmung hierüber 
wohl überlegt und gerechtfertigt erscheine. 

Es wird beschlossen : dem Antrage zu entsprechen. 



Vororts- Vorstands-Sitzung vom 18. Juni 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, O. Lüthy, A. Schu- 
mann, A. Heilbrunn, F. Sachs und Dr". Th. Willken. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird genehmigt. Zu- 
schriften sind eingegangen von Herrn O. C. Reyman — Pittsburg, 
I Juni (2), 10. Juni und 16. Juni; von Herrn V. R. Sternberg — 
Baltimore, 5. Juni; von Herrn W. Mueser — New York, 7. Juni; 
von Herrn P. Bausch — Washington, D. 'C, 10. Juni, und von 
Herrn G. W. Wundram— Brooklyn, N. Y., 14. Juni 1898. 

Nachdem sich die Verbandsvereine zustimmend zu dem Vor- 
schlage des Vororts ,, Reading Pa. als Ort der Abhaltung des 
nächsten Technikertages zu bestimmen" ausgesprochen haben, 
wird beschlossen : in genannter Stadt, auf Neversink Mountains, 
den Technikertag abzuhalten und sofort ein vorläufiges Pro- 
gramm festgesetzt. Dasselbe bestimmt die Zeit vom 3ten bis 
7ten September für die Zusammenkunft. Am Sonnabend, den 
3. September, informeller Empfangsabend im Verein Philadelphia ; 
Sonntag, den 4. September, gemeinsame Fahrt nach Reading und 
Ausflug in die Umgebungen ;. Montag, den 5. September, Dele- 
gatentag und Bankett ; Dienstag, den 6. September, Besichtigung 
industrieller Etablissements und Spaziergänge, Allgemeiner Techr 
nikertag, Abends Festkommers ; Mittwoch, den 7. September, 
Frühschoppen und Abschied. 

Von den. Vereinen Baltimore und Pittsburg sind Meinungs- 
äusserungen, betreffend Reform der **Mittheilungen'* eingegangen. 
Es wird beschlossen, die Ansichten der Vereine in den ** Mit- 
theilungen " zu veröffentlichen. Hierauf Schluss. 

A. Schumann, Verhanäs-Sekretär. 



yereinS'Berichte. 25 



Vereins- Protokolle. 



Technischer Verein von Philadelphia. 



Regelmässige Versammlung vom 23. April 1898. 

Anwesend : 30 Mitglieder und eine grosse Anzahl von Gäs- 
ten, Herren und Damen. 

Herr H. Schmaltz leitete die Versammlung. 

Nach Erledigung einiger geschäftlichen Angel,egenheiten, be- 
spricht Herr H. Schmaltz, unter Vorzeigung eines Musters, einen 
neuen Schlauch, Derselbe ist mit einem Stahlnetz überzogen 
und verspricht grosse Dauerhaftigkeit und Widerstand; ein Uebel- 
stand sei die grössere Schwere. 

Die eingetretenen kriegerischen Ereignisse haben den Vor- 
stand veranlasst eine Anzahl von Laternenbildern, Darstellungen 
von der Insel Cuba, seiner Bewohner, stattgefundener Kämpfe 
daselbst, und einige auf den Krieg bezügliche Dinge zeigend, an- 
zuschaffen und dieselben mit dem Stereopticon zur Anschauung 
zu bringen. Herr A. Schumann hatte es unternommen einen 
kurzen Kommentar dazu zu liefern. Die Versammlung lohnte die 
Vorführung durch lebhaften Beifall. Eine gemüthliche Unterhal- 
tung schloss sich der Versammlung an. 



Regelmässige Versammlung vom 14. Mai 1898. 

Anwesend 20 Mitglieder und 2 Gäste. 
Vorsitzender Herr H. Schmaltz. 

Nach einigen Berichten erhält das Wort Herr Maurus Neu- 
rath zu einem Vortrage über : 

„Die electrische Ausstellung in New York." 

Der Redner betont in der Einleitung zu seinem Berichte die 
Bedeutung, welche die Electrizität in dem gegenwärtigen Kriege 
dokumentiere. Er erwähnt ferner die neueste Erfindung Nicola 
Tesla's, das Telegraphieren ohne Draht und geht dann ein auf 
eine Beschreibung des Ausstellungsraumes und der ausgestellten 
Gegenstände. Von Letzteren werden angeführt : die verschie- 
denen Apparate für den häuslichen Gebrauch, wie Koch-, Siede- 
und Bügelapparate, Nähmaschinen etc. Zu verzeichnen sei die 
Demonstration des von Edison erfundenen Prozesses der electri- 
schen Eisengewinnung. Mit einer schematischen Darstellung an 
der Wandtafel illustrirte Redner seine Besprechung der Erfin- 
dung, Herr Neurath hatte von einer grossen Anzahl der Aus- 



26 Mittheilungen des D. A. T. V. 

steller Cataloge erhalten, welche er in der Versammlung circuli- 
ren Hess und dabei die abgebildeten und in New York ausgestell- 
ten Gegenstände einer Besprechung unterzog. 

Zum Schlüsse derselben erwähnt Redner ein Miniaturmodell 
des Dreischienensystems, wie solches bei der New York, New 
Haven and Hartford R. R. Co., zwischen Berlin — New Britain — 
Hartford im Betrieb ist. Dieses System, welches als Reformation 
des ganzen Bahnwesens angesehen wird, erfordert eine viel ein- 
gehendere Erläuterung, als es der Rahmen des heutigen Vortra- 
ges gestattet. Mit diesen Worten endigte Hefr Neurath seine 
sehr interessante Besprechung der Ausstellung, für welche ihm 
reichlicher Beifall kund gegeben wurde. 

An der Diskussion, welche folgte, betheiligten sich die Her- 
ren O. Lüthy, W. Stein, H. Schmaltz, A. Heilbrunn und J. Sohn. 
Lezterer nimmt infolge einer Aufforderung des Vorsitzenden Ge- 
legenheit, einige Erklärungen über den f, Diesel-Motor'* abzugeben. 

Im Fragekasten finden sich Anfragen über eine Farbe für 
schwarze Wandtafeln und über den Einfluss des Seewassers auf 
Gusseisen, auf welche die Herren O. Lüthy, N. Schlatter und 
G. F. Ott Antwort geben. 

Anlass zu der zuletzt gestellten Frage gab ein von Herrn W. 
Stein vorgelegtes Stück Gurbenschiene, welches entnommen war 
aus einer Anzahl von gusseisernen Schienen, die seit etwa 25 
Jahren unter Wasser gelegen hatten. Das Aussehen des Mate- 
rials ist demselben geblieben, doch ist das Gewicht ein ganz ge- 
ringes geworden, was dem Auslangen des Eisens zuzuschrei- 
ben ist. 

Hierauf Schluss. 



Regelmässige Versammlung vom 28. Mai 1898. 

Anwesend 18 Mitglieder und 4 Gäste. 

Vorsitzender Herr H. Schmaltz. 

Nach Verlesung einiger eingegangenen Schriftstücke^, unter 
denen sich ein Circularschreiben des Vorortes, betreffend Reform 
der „SMittheilungen'' befindet, wird inbezug auf Letzteres beschlos- 
sen : „Der Vorstand ist beauftrag, die Bestimmungen über die Pu- 
blikationen des Verbandes einer Prüfung ^u unternehen, etwa notbwen- 
dig erscheinende ^enderungen resp. Zusätze ^u den § § 2^ bis 26 det 
yerbandsstatuten 7^ formulieren und der nächsten Geschäflsversamm- 
lung des Vereins ^ur Genehmigung vorzulegen." 

Da Weiteres nicht vorliegt erhält das Wort Herr E. Buser zu 
einem Vortrage über : 

„Reading als Industriestadt." 

Der Redner erklärt, sich nicht sehr eingehend über das ihm 
gestellte Thema äussern zu können, er giebt jedoch einen Umriss 
von den in der Stadt Reading, Pa., vorhandenen Fabrikbetrieben. 



VereinS'Berichte. 27 

Ebenso schildert der Herr Vortragende mit einigen Worten das 
sociale Leben der Stadt und etwas eingehender die Umgebungen 
derselben. 

Die Versammlung lohnte Herrn Buser für seine Mittheilun- 
gen durch Beifall. 

Für eine Excursion nach Reading hat Herr Buser Vorberei- 
tungen getroffen und ladet der Präsident zu lebhafter Betheili- 
gung ein.* 

Im Fragekasten kommen folgende Fragen zur Besprechung : 

i) Welche Vorrichtungen eignen sich dazu, eine innige Ver- 
bindung von Petroleum und Seifenwasser auf mechanischem 
Wege zu erreichen ? 

2) Welches sind die Ursachen der häufigen Explosionen bei 
Luftkompressoren ? 

3) Durch welchen Apparat lässt sich Gas für Heizzwecke 
im chemischen Laboratorium billigst liefern ? 

An der Beantwortung der Fragen betheiligen sich mehrere 
der anwesenden Mitglieder. Hierauf Schluss. 



Regelniässige Versamnilung vom 11. Juni 1898. 

Der heutigen Sitzung war Tags zuvor eine Besichtigung dei 
elektrischen Ausstellung, welche von einem Consortium veran- 
staltet war, voraufgegangen. Die Herren M. Neurath und M. 
Pfatischer hatten dabei in liebenswürdiger Weise die Führung 
übernommen. 

In der heutigen Sitzung waren anwesend 16 Mitglieder und 
2 Gäste und wurde dieselbe von Herrn H. Schmaltz geleitet. 

Nach Erledigung einiger Geschäftsangelegenheiten und nach- 
dem der Vorschlag des Vorortes, die Stadt Reading für den 
nächsten Technikertag zu wählen, angenommen worden, erhält 
das Wort Herr M. Neurath zu einem Bericht über die 

''Elektrische Ausstellung in Philadelphia." 

Der Redner macht Mittheilung von den in der Ausstellung 
befindlichen Gegenständen, welche wenig Neues aufweisen. 
Interessant wäre ein Zimmer mit Moore'schem Vacuumlicht er- 
leuchtet ; doch war darüber, weil die Sache als Geheimniss 
behandelt werde, nichts Näheres in Erfahrung zu bringen. Nach- 
dem noch über zwei im Fragekasten befindliche Fragen, be- 
treffend Auskunft über drahtgenähte Treibriemen und ein neu 
gefundenes Element, '*Cripton" genannt, durch die Herren 
C. Paulus und A. Heilbrunn Antwort ertheilt worden, erfolgt 
Schluss der Sitzung. 

A. Schumann, Sekretär. 



* Die Excursion hat am 2Qten Mai stattgefunden und dazu geführt, dem 
Vororte vorzuschlagen; Reading für den Versammlungsort des nächsten Tech- 
nikertages zu empfehlen. 



28 Mittheilungen des D. A, T. K 



Technischer Verein von New York. 



Regelmässige Versammlung vom 14. Mai 1898. 

Präsident Kaczander eröffnet die Sitzung, welche die letzte 
vor den Sommerferien sein wird. 

Das Protokoll der letzten regelmässigen Versammlung wird 
verlesen und angenommen. 

Einlaufe: Zirkular und Einladung zur Besichtigung der Aus- 
stellung der ** National Sculpture Society," sowie ein Exemplar 
von Col. Waring's Bericht über die Fortschritte im Strassen- 
reinigungswesen der Stadt New York. 

Neue Mitglieder: die Herren Alfred Tschinkel, M. I., John 
Weichsel, M. L, und Chas. W. Reinhardt, C. Ing., werden als 
ordentliche Mitglieder aufgenommen. 

Die vorläufige Diskussion, betreffend des Ortes für den 
nächsten Technikertag, ergiebt bei der Abstimmung, dass die 
Mitglieder .in erster Linie für Niagara Falls, in zweiter Linie für 
Reading sind. 

Hierauf ertheilt der Vorsitzende Herrn Jul. Spiro, Mitglied 
des Vereins, das Wort zu seinem bereits angekündigten Vortrag 
über : 

''Die Entwickluns der Papierfabrikation mit besonderer 
Berücksichtigung der Massenfabrikation." 

Der Redner bespricht zunächst die Herstellung des Papyrus, 
wie sie von den alten Egyptern und Römern betrieben wurde, 
sowie das im Mittelalter gebräuchlichen sogenannten Perga- 
mentes, und geht dann über zur Beschreibung der Hand- und 
Maschinenfabrikation des modernen Papiers. Den Kernpunkt 
des Vortrages bildet die Darstellung der Massenfabrikation des 
Zeitungspapieres, das in den Vereinigten Staaten in ungeheuren 
Quantitäten hergestellt und konsumiert wird; Der Redner, der 
seine Bemerkungen mit Hilfe von Skizzen und Zeichnungen 
erläuterte, erntete am Schlüsse seines mehr als einstündigen 
Vortrages den vollen Beifall der Versammlung für seine hoch- 
interessanten Ausführungen. Nach darauffolgender lebhafter 
Diskussion über den Vortrag wird der offizielle Theil des Abends 
geschlossen. 



In der Vorstandsitzung vom 9. Juni 1898 wurde beschlossen, 
dass der T. V. New York sich officiell bei der am 16. Juni in 
Philadelphia stattfindenden Versammlung von Mitgliedern des 



yereins-Berichte. 29 

Internationalen Vereins der Materialienprüfung betheiligen solle 
und zwar wurden als Delegat, resp. Substitut, gewählt die Herren 
Mueser und Lindenthal. 



Besuch der Elektrischen Ausstellung am 26. Mai 1898. 



Donnerstag Abend, den 26 Mai, besuchte der T. V. 
York, in Gemeinschaft mit dem T. V. Brooklyn, die unter 



den 



Auspizien der N. Y. Eelectrical Society stehende Elektr sehe ^enox and 



Ausstellung in Madison Square Garden. Trotz des strömehd^^Q^M Voun dxtions 
Regens hatte sich aus beiden Vereinen eine stattliche AnzahF 
Mitgliedern mit Damen eingefunden, und unter der freundlichen 
Führung unseres Mitgliedes, Herrn F. Gottlieb, wurden im Ver- 
laufe einiger Stunden die wichtigsten Ausstellungsgegenstände in 
systematischer Weise in Augenschein genommen, erklärt und 
demonstrirt. Als besonders interessant, weil sie auf dieser Aus- 
stellung zum ersten Male zu sehen waren, seien erwähnt : Der 
epochemachende deutsche Diesel Motor, Dratlose Telegraphie 
(System Clark — Marconi); Elektrische Strassenbahn mit unter- 
irdischer Zuleitung (System Walker) und das Moore'sche Vacuum 
Tube Light. 

Die meisten der Theilnehmer versammelten sich nach 
Schluss der Ausstellung bei Lüchow, wo sie reichlich Gelegenheit 
hatten, sich von den Strapazen der Exkursion zu erholen und in 
angenehmer und ungezwungener Unterhaltung noch längere Zeit 
beisammen blieben. 

Victor Kops, Protokoll. Sekretär. 



Techniker -Verein, Washington, D* C* 



Wisseoschaftlicher Ausflug vom 20. April, Abends. 

Auf die Einladung nach der Hygienic Ice Company's Fabrik, 
um daselbst die kürzlich dort von Herrn Ingenieur H. Rassbach 
so erfolgreich aufgestellte Platten — Eis-Einrichtung zu inspiciren, 
folgte eine grosse Anzahl der Techniker mit ihren Damen. Zu- 
erst führte Herr Rassbach die anwesende Gesellschaft in den 
älteren Theil der Fabrik, wo Eis noch nach dem bekannten früh- 
eren Prinzip des sogenannten Kannen-Eises gemacht wird. Der 
Maschinen-Raum, electrisch beleuchtet, mit seinen acht (8) ge- 
waltigen Ammoniak Compressions-Pumpen und den daneben 
angelegten fünf Dampfkesseln von je fünf Hundert Pferdekräften 
in all ihrer Macht so stille und gleichmässig ihre Arbeit ver- 
richtend, war ein magischer Anblick. Hier wurde der Prozess 



30 Mittheilungen des D. A,T. V, 

der Kälte-Maschinen erklärt und die verschiedenen Theile dersel- 
ben besichtigt, wie folgt : Von einem kleinen Gefässe aus, das 
mit flüssigem, wasserfreiem Ammoniajc gefüllt ist, strömt diese 
Flüssigkeit langsam durch ein viele Meilen langes Röhrensystem 
durch das im Gefrier-Behälter befindliche Salzwasser, nimmt da- 
bei durch langsames Verdampfen die dazu nöthige Wärme von 
der Umgebung ab und erzeugt dadurch Kälte, wird dann als Gas, 
vermittelst der grossen Pumpen angesaugt und wieder compri- 
mirt, um dann, nach Entziehung der durch die Compression 
entstandenen Wärme, vermittelst eines mit Wasserstrahl versehe- 
nen Condensators im flüssigen Zustand in das erstgenannte 
Gefäss zurückzukehren. Nachdem dann die Gesellschaft -den 
Gefrier-Raum besichtigt hatte, wo die durch comprimirte Luft 
arbeitende Hebevorrichtung der 300 Abs wiegenden Eiskannen 
gezeigt wurde und von wo aus täglich 150 Tonnen Eis fabrizirt 
werden, wurde das Hauptgebäude verlassen, um nach dem Ne- 
bengebäude zu gehen, wo das Wasser zu grossen Eisplatten 
gefroren wird. Es wurden hier die grossen Vortheile dieser neuen 
Industrie über das sogenannte Kannen-Eis erläutert, die absolute 
Klarheit des Eises wegen der Abwesenheit von eingefrorenen 
Luftblasen hervorgehoben, sowie die längere Haltbarkeit des 
Platten-Eises, die bedeutend verringerte Arbeitskraft und die 
damit verbundene bedeutende Kostenersparniss. Es wurde dann 
eine Platte Eis 15 Fuss lang, 8 Fuss hoch, und 14 Zoll dick durch 
einen Hydraulischen Hebeapparat aus dem grossen Gefrierbe- 
hälter emporgezogen und von allen Seiten inspizirt. Diese Eis- 
platten, über 4 Tonnen schwer, gefrieren in dem durch Luft 
stets agitirten Wasser an den zwei Seiten der im Behälter einge- 
schalteten vertikalen Hohlwände von Eisenblech, durch welche 
letzteren ein Ammoniak-Röhren-System geleitet ist. Das Eis ist 
so krystalklar dass man ein Object ganz genau durch die Platte 
in ihrer Längsrichtung sehen konnte, also mit 15 Fuss von Eis 
dazwischenliegend. Die Platte Eis wurde dann in kleine Blöcke 
zersägt, und nach dem Vorrathshaus befördert. 

Dass der Techniker die ihn umgebende stete Kälte durch 
den richtigen Stoff dabei zu neutralisiren wusste, bedarf wohl 
keiner weiteren Erwähnung. Das Abschiednehmen nach diesem 
höchst interessanten Abend war, anscheinlich einem Jeden der 
Techniker, nur zu rasch erschienen trotz der nahen Mitter- 
nacht Stunde. H. v. B. 




yereins-Berichte. 31 



Technischer Verein Pittsburg* 



Reselmässige Versammiung vom 8. April 1898. 

Vorsitzender: Herr Ph. Lange, Schriftführer: Herr O. 
Reyman. 

Anwesend : 23 Mitglieder und 3 Gäste. 

Ein Schreiben vom T. V. Cleveland wird zur Kenntniss ge- 
nommen, ebenso eine Einladung der Metrological Society. Das 
Vergnügungskomite berichtet, dass bei der Veranstaltung der 
beiden letzten Feste ein Ueberschuss erzielt wurde, und dass ein 
Besuch der Phoenix Brauerei in Aussicht genommen sei. Meh- 
rere Vakanzen werden vom Stellenvermittlungskomite zur Kennt- 
niss der Vereinsmitglieder gebracht. Herr Jas. O. Handy, als 
Gast anwesend, erhält darauf das Wort zu seinem Vortrag über 
**Food and Water Control in Germany." 

^ Food and Water Control. 

Der Redner leitet seinen Vortrag mit einer Schilderung sei- 
ner Reise nach Europa ein, deren Hauptzweck das Medium der 
neuesten Fortschritte auf dem Gebiete der sanitären Wohlfahrts- 
einrichtungen bildete. In Hamburg bot sich Herrn Handy eine 
besonders günstige Gelegenheit, Beobachtungen zu machen und 
Erfahrungen zu sammeln. Da infolge der dort vor einigen Jah- 
ren aufgetretenen Cholera Epidemie eine scharfe Controlle über 
die Beschaffenheit der Nahrungsmittel und besonders des Trink- 
wassers ausgeübt wird. Hamburgs niedriger Prozentsatz an 
Todesfällen lässt sich unmittelbar auf die strikte Ausübung der 
von der Gesundheitsbehörde erlassenen Verfügungen zurückfüh- 
ren. Nicht nur wird das Wasser in genau vorgeschriebener 
Weise in den städtischen Wasserwerken filtrirt, sondern auch 
täglich durch das hygienische Institut auf seine Reinheit und Ge- 
niessbarkeit hin geprüft. Die dazu nöthigen Proben werden dem 
Steigrohr an den Pumpstationen, den Ablagerungsbassins, den 
Ein- und Auslässen der 18 Filter, sowie dem Vertheilungsnetz an 
verschiedenen Punkten entnommen. Die Filter werden durch 
bakteriologische Methoden auf ihre Wirkungsweise hin geprüft. 
Eine genaue Beschreibung der Herstellung der Präparate, sowie 
der Ausführung der Versuche machte die Zuhöhrer mit diesem 
Theil der Arbeiten bekannt. 

Die vom Ingenieur F. Andreas Meyer entworfenen Hambur- 
ger Wasserwerke, können als Musteranlage gelten. Die Pump- 
station ist auf dem Billwärder angelegt. Die Filter auf einer 
anderen etwa lyi Meilen davon entfernten Insel. Die Höhe, 
auf welche das Wasser gehoben werden muss, wechselt von 
8 — 29 Fuss je nach dem Wasserstande der Elbe. Die 4 Ablager- 
ungsbehälter deren jeder 20.500.000 Gallonen Wasser halten 



32 Mittheilungen des D. A. T. V. 

kann, entsprechend dem ij4 fachen täglichen Wasserverbrauch 
der Stadt, nehmen einen Flächenraum von etwa lo Ack^r ein. 
Nachdem das Wasser sehr langsam durch diese Behälter geflossen 
ist, und den grösseren Theil des mitgeführten Schlammes in 
demselben abgelagert hat, wird es in langen steinernen Canälen 
den i8 Filtern zugeführt. Nur 14.0x30 dieser sind gleichzeitig im 
Gebrauch indem die übrigen entweder entleert, gereinigt oder 
wiedergefüllt werden. Die Baugrube für einen solchen Filter 
wird zunächst mit einer Lage fest gestampften Ton bedeckt, 
auf welche eine lose Schicht aufgebracht wird die bis auf die, mit 
einem Gefälle von 1:2 angelegten Böschungen hinabreicht. Der 
Boden und die Seitenwände sind mit Ziegelsteinen abgedeckt, 
die auf der Böschung hochkantig gestellt, am Boden jedoch 
flach verlegt sind. Für die Seitenwände der Hauptabzugskanäle 
sind Ziegelsteine verwendet, für den oberen Theil Granit. Die 
Seitenabzugskanäle sind gänzlich aus Ziegelsteinmauerwerk her- 
gestellt. Ueber diesen Abzugkanälen liegt eine Schicht grobzer- 
schlagener Steine, dann Kies und endlich eine 40-Zoll Sandschicht. 
Die Leistungsfähigkeit der Filter beträgt 600.000 Gallonen pro 
Tag und Acker Oberfläche. Eine eingehende Beschreibung der 
Reinigungs- und Wiederfüllungsarbeiten der Filterbetten folgt. 
Das Waschen des Sandes wird beispielsweise mit filtrirtem Flass- 
wasser und den Körting' sehen Strahlgebläsen vorgenommen, die 
gesäuberten Filterbecken werden erst wieder in Betrieb genom- 
men, wenn das in ihnen filtrirte Wasser weniger als 100 Bacte- 
rien pro cub. cm. enthält. Den Wiederbetrieb der Filteranlagen 
unterzieht Redner dann einer längeren Betrachtung. Auf Grund 
seiner Beobachtungen, sowie des werthvollen statistischen Zahlen- 
materials kommt Herr Handy zu dem Resultat, dass die Wirklich- 
keit des erneuten Ausbruchs einer Choleraepidemie in Hamburg 
so gut wie ausgeschlossen ist. 

Den zweiten. Theil des Vortrages bildete eine Beschreibung 
der Wasserwerke in Altona und ein Vergleich der bacteriologi- 
schen Beschaffenheit des Wassers aus beiden Anlagen, deren 
Verschiedenheit sowohl auf natürliche Einflüsse, als Abweichun- 
gen in der Betriebsweise beider Wasserwerke beruht. Verbes- 
serungen, ausgeführt vom Ingenieur der Bremer Wasserwerke 
Herrn Goetze, behandelt der Redner ebenfalls des Längeren, Im 
Allgemeinen hat sich wiederholtes Filtern des Wassers, als ökono- 
misch und zweckensprechend erwiesen, wenn die Regulierung 
selbstthätig bewirkt werden kann. Als Beispiel einer geschlos- 
senen Filteranlage führt Herr Handy die Berliner Anlage an. 
Dieselbe arbeitet mit bestem Erfolg und bietet besonders während 
des Winters schätzenswerthe Vorzüge. Die Anlagekosten sind 
jedoch rund 50% höher. In solchen Fällen wo Flusswasser sich 
als gänzlich unbrauchbar für Trinkzwecke erweist, wird zum 
Grundwasser Zuflucht genommen, dessen Entnahme dann syste- 
matisch erfolgt und auf ein dem Bedarf ensprechend grosses 
Gebiet vertheilt werden muss. Charlottenburg's Wasserwerke 
werden als Beispiel für eine solche Anlage citiert. 



yereinS'Berichte, 33 

Der letzte Theil des Vortrags war der Verhütung der Nah- 
rungsmittelverfälschung gewidmet. Das in Deutschland übliche 
Verfahren bietet besonderes Interesse und könnte wahrscheinlich 
auch hier in den Vereinigten Staaten mit Erfolg eingeführt wer- 
den. Die Controlle ist eine rein chemische, für welche die 
nöthigen Vorarbeiten der Polizei zufallen. Die Beschaffenheit 
gewisser leicht verfälschbarer Nahrungsmittel, wie Milch, Butter, 
Mehl, Wein etc. ist durch Gesetz genau vorgeschrieben. Obgleich 
die Vorschriften, welche das verkaufbare Produkt^ zu erfüllen 
hat, ziemlich umfangreich sind, sind dieselben doch als höchst 
zweckdienlich zu bezeichnen, und dass diese Vorschriften genau 
befolgt werden, ist bei der sprichwörtlich gewordenen Gewissen- 
haftigkeit und Strenge des deutschen Beamten selbstverständlich. 

Dem Herrn Vortragenden wird der Dank des Vereins durch 
den Vorsitzenden ausgedrückt, wonach in eine lebhafte Diskus- 
sion eingetreten wurde. 



Regelmässige Versammiuog vom 22. April. 

Vorsitzender: Herr Ph. Lange; Schriftführer: Herr O. C. 
Reyman. 

Anwesend 31 Mitglieder und 2 Gäste. 

Vom T. V. Philadelphia liegt eine Einladung zum Stiftungs- 
fest vor, der Secretär wird ersucht, ein Glückwunschtelegramm 
dazu abzusenden. 

Herr Samuel Moscovitz, M. E., c. 0. Riter & Conelly wird 
als Mitglied aufgenommen. 

Der Phoenix Brauerei soll der Sekretär den Dank des Ver- 
eins übermitteln für die gastliche Aufnahme, welche den Theil- 
nehmern an der Besichtigung der Brauerei zu Theil wurde. 
Mehrere Briefe vom Vorort werden verlesen und zur Kentniss 
genommen, ebenfalls, dass der Vorort die Regelung der vom T. 
V. Pittsburg aufgeworfenen Frage, Beitragsleistung an den Ver- 
band solcher Mitglieder, welche mehreren Vereinen angehören 
der nächsten Delegatenversammlung überlassen wird. Eine 
dritte Umlage zu 50 Cents pro Mitglied wird zur Bezahlung an- 
gewiesen, ebenso Rechnungen im Betrage von ^»48. 78. 

4 Mitglieder wurden wegen Nichtbezahlung ihrer Beiträge 
von der Liste durch Vorstandsbeschluss gestrichen. Der Sekre- 
tär bringt die auf das Rundschreiben vom 24ten März: Verlegung 
der Vereinssitzungen betreffend, eingelaufenen 81 Antworten 
zur Verlesung. In der folgenden Diskussion wird der Antrag des 
Vorstandes, ihn zu ermächtigen, die Sitzungen versuchsweise 
am Sonnabend abzuhalten, mit 14 gegen 15 Stimmen abgelehnt 
und ein weiterer Antrag, die Versammlungen versuchsweise auf 
Mittwoch einzuberufen, mit einer Stimme Majorität angenommen. 

Herr Paul von Aueberg ergreift dann das Wort zu seinem 
mit grossem Beifall aufgenommenen Vortrag, über ,,die Anlage 
der Fabrikstadt Vandergrift, Pa.** Im Gegensatz zu den meisten 



34 Mittheilungen des D. A. T. V, 

neueren Fabrikstädten, die nur allmählich in der nächsten Um- 
gebung eines, viele Arbeiter beschäftigenden industriellen Unter- 
nehmens entstehen, und infolge dessen sich durch planlose und 
unzweckmässige Anlage sowie durch gänzlichen Mangel an mo- 
dernen städtischen Einrichtungen, wie Wasserleitung, Canali- 
sation, elektrische Beleuchtung, öffentliche Parkanlagen, Kirchen, 
Schulen, etc. auszeichnen, bietet die auch an Wohlfahrtseinrich- 
tungen reiche Stadt Vandergrift ein vorzügliches Beispiel ein- 
heitlicher zielbewusster Anlage, mit all den daraus erwachsenden 
Vortheilen. Durch einen Vergleich mit dem ebenfalls in den 
letzten 3 Jahren erstandenen Hast Pittsburg, welches den meisten 
Mitgliedern besser bekannt ist, gewinnen die Ausführungen des 
Redners ganz bedeutend an Interesse und Bedeutung. Der 
Vortrag war reich durch Photographien illustrirt und der Redner 
schloss mit der Ueberreichung eines grossen Bildes, ein Panorama 
von Vandergrift darstellend, welches vom Präsidenten der Apollo 
Iron & Steel Co., Herrn George McMurtry, dem Verein zum 
Geschenk gemacht wurde. 

Ein Antrag, dem Spender de^ Bildes den Dank des Vereins 
abzustatten wurde mit grossem Beifall aufgenommen. 



Re|i:elniä88i|i:e Versammlung vom 13. Mai 1898. 

Vorsitzender : Herr Ph. A. Lange ; Schriftführer : Herr 
O. C. Reyman. 

Anwesend : 26 Mitglieder und i Gast. 

Herr Hermann C. Fischer, M. E., c. 0. Julien Kennedy, Eng. 
wird auf Empfehlung des Vorstandes ohne Abstimmung in den 
Verein aufgenommen. Mehrere Briefe vom T. V. Philadelphia, 
sowie vom Vereinsmitglied Herrn Otto Heeren, z. Z. in San 
Remo, werden verlesen. Herr Edward A. Uehling, M. E., bot 
in seinem Vortrag über Pyrometrie ein klares übersichtliches 
Bild über den heutigen Stand der Wärmemesskunst. Hin- 
weisend auf die. Wichtigkeit der Pyrometrie für die Erzielung 
einer bestmöglichen Ausnutzung des Brennstoffes, erläutert der 
Vortragende die Wirkungsweise der gebräuchlichen Instrumente, 
sowie seines eigenen Patentpyrometers. Des Vortheils der 
graphischen Veranschaulichung und selbstätigen Registrierung 
der Temperaturschwankungen in den Feuerungszügen erwähnt 
Redner besonders. Dem mit Beifall reich bedachten Vortrag 
fügten die Herren Stupakoff und Stahl eine Vorführung des 
Le Chatelier'schen Elektropyrometers an. Der lebhaften De- 
batte wurde erst durch den leider stets Unterstützung findenden 
Vertagungsantrag ein Ziel gesetzt. 



Regelmässige Versammlung vom 25. Mai 1898. 

Vorsitzender : Herr Ph. Lange ; Schriftführer : Herr O. C. 
Reyman. 



VereinS'Berichte. 35 

Anwesend : 24 Mitglieder und 2 Gäste. 

Ein Brief vom Vorort, Reformvorschläge der Mittheilung be- 
treffend, wird verlesen, ebenso der Theil des Vorstandsprotokolls 
vom 20. Mai, welcher die Ansicht des Vorstandes in der Ange- 
legenheit wiedergiebt. Den Schluss einer lebhaften, von Herrn 
Schotte eingeleiteten Debatte, an welcher sich besonders die 
Herren Stupakoff, Moldenke, Lange und Reyman betheiligen, 
bildet die Annahme des Antrags. Der Verein beschliesst den 
vom Vorstand an den Verband gerichteten Brief gutzuheissen, 
und die darin ausgesprochenen Ansichten als die des Vereins 
anzunehmen. Es wurde ferner beschlossen, dem Vorort mitzu- 
theilen, dass der Verein Pittsburg gegen eine Abhaltung des 
diesjährigen Technikertags in Cleveland oder Atlantic City ist, 
und von den bisher vorgeschlagenen Städten, Reading, Pa., den 
Vorzug giebt, im Uebrigen sich jedoch jeder vom Vorort ge- 
troffenen Wahl anschliessen wird. 

Herr Carl Schinke, C. E., spricht darauf über : 

„Eine Brueckenverdingung in Arkansas/' 

Herrn Schinkes Ausführungen, reichlich gewürzt mit Schil- 
derungen seiner eigenen ,, Erfahrungen im fernen Westen,*' 
wurden mit Beifallssturm aufgenommen. Die ganz allgemeine 
Heiterkeit, durch welche der Redner mehr als einmal unter- 
brochen wurde, bewiess aufs Beste, mit wie grosser Aufmerk- 
samkeit die Zuhörer bei der Sache waren. 



Berichtigfungfen in der Nn 4, VoL HI« 

Auf Seite 30, 6te Zeile von oben soll es heissen : Faraday'sche Anordnung. 

39, i9te " " " " O. Sivertsen, M. E. 

40, i7te " " ** ** W. I. Reich. 

** 40, i4te " von unten ** " Harry J. Lewis. 

** 53 ist Datum und Namensunterschrift unter der Beschreibung des 
Clevelander Ausflugs zu streichen. Seit Veröffentlichung des Artikels in den 
„Mittheilungen,** ist das Dunkel über die Autorschaft derselben gelüftet 
worden. Mehrere Herren bekennen sich jetzt als Verfasser. 

Auf Seite 55, iite u. i5te Zeile von oben soll es heissen : Karl von Wagner. 

O. C. Reyman, Sekretär. 




36 Mittheilungen des D. A, T. V. 



Technischer Verein von Brooklyn» 



Sitzuos vom 7. Mai 1898. 
(Damen-Abend.) 

Die Sitzung wird vom Präsidenten E. L. Heusner eröffnet. 
Eine überaus zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich eingefunden, 
durch das vielversprechende Programm für den Abend angezogen. 
Der erste Theil brachte stereoptische Ansichten (vorgeführt von 
Herrn Gould W. Hart) die sich auf den amerikanisch-spanischen 
Krieg bezogen. In mannigfacher Abwechslung erblickte man : 
Ansichten von Spanien, von Cuba, von fast sämmtlichen Kriegs- 
schiffen der amerikanischen Flotte, sowie Porträts von den 
leitenden oder einen hervorragenden Antheilnehmenden Persön- 
lichkeiten. Das Bild des Admirals Dewey wurde mit einer Salve 
des höchsten spontanen Enthusiasmus begrüsst. 

Nach Beendigung des ersten Theiles des Programms ging 
man zu einem gemüthlichen Abendessen über, während dessen, 
als begleitende Unterhaltung, die vortrefflichen Kunstleistungen 
eines Taschenspielers (slight of band performer) die Aufmerk- 
samkeit der Gäste fesselten. Es fehlte nicht an komischen 
Zwischenfällen, die theüs absichtlich, theils unabsichtlich von 
Vereinsmitgliedern herbeigeführt wurden. Im Uebrigen wurden 
die zerschnittenen Schnupftücher im guten Zustande zurück- 
gegeben und der Herrenhut, in weichern Eier zerschlagen 
wurden, aus denen dann durch Erwärmen eine Taube ausge- 
brütet wurde, litt auch keinen Schaden. Mit Gesang und 
Gerstensaft wurde dem schön abgelaufenen Abend zur Ruhe 
geläutet. 

L. H. Friedburg, prot Sekretär. 




{ 



yereins-Berichte, 37 



Deutscher Techniker-Verein Baltimore* 



Wissenschaftliche Versammluns vom 21. April 1898. 

Anwesend 15 Mitglieder. 

Der Präsident Herr Professor O. Fuchs eröffnete die Ver- 
sammlung. 

Der Technische Verein New York sendet eine Einladung zu 
einem am 23. April stattfindendem Vortrag des Herrn O. C. 
Hauser. 

Da nur einige laufende Geschäfte zu erledigen waren wurde 
hierauf Herrn H. Kroekel das Wort ertheilt zu einem Vortrag über : 

„Torpedos und Torpedo Boote/' 

welcher speciell in gegenwärtiger Kriegszeit mit grossem In- 
teresse verfolgt wurde. 

Anlehnend an diesen Vortrag gab Herr H. Lässig eine kurze 
Beschreibung der chemischen Beschaffenheit der hauptsäch- 
lichsten Explosiv-Stoffe, welche im Kriegswesen zur Anwendung 
kommen. Beiden Herren wurde der Dank des Vereins ausge- 
sprochen. Hierauf zeigte und erklärte Herr Lässig einen neuen 
Apparat zur Bestimmung des specifischen Gewichtes von Ce- 
nienten. 



Qeschäfts-Sitzuog vom 5. Mai 1898. 

Anwesend 14 Mitglieder. 

Die Sitzung wurde durch den Präsidenten eröffnet. 

Vom Vorort wurde ein Schreiben verlesen worin wir benach- 
richtigt werden, dass jeder Verein so viele Umlagen zu bezahlen 
habe, als vom Vorort bestimmt wird, ferner dass unsere letzte 
Umlage am 11. July 1897 bezahlt sei. 

Ueber dieses Schreiben entstand eine Debatte, da es den 
§ 28 der Verbands-Statuten, Heft 2, widerspricht und wurde 
beschlossen : 

Den Vorort zu ersuchen, uns einen genauen Bericht bezüg- 
lich unserer Umlagen zu geben, ferner den Vorort zu benach- 
richtigen dass dieser Brief nicht mit den Verbands-Statuten über- 
einstimmt. 

Der Technische Verein Philadelphia sendet eine Einladung 
zu dessen am 29. Mai in Gemeinschaft mit dem Deutschen Club 
stattfindenten Stiftungsfeste. 

Herr H. Lässig zeigte noch einige Proben des sogenannten 
Schwarzdruck Verfahrens vor. 



38 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Wissenschaftliche Versammluns vom 19. Mai 1898. 

Anwesend I2 Herren. 

Der Präsident Herr Prof. O. Fuchs eröffnete die Versamm- 
lung. 

Ein Schreiben des Vorortes ersuchte um Vorschläge, be- 
treffens Reform des Verbandsorganes. 

Beschlossen wurde die „Mittheilungen" möglichst in Form 
des früheren ,, Techniker'* erscheinen zu lassen, ferner dieselben 
einem bezahlten Redakteur zu übergeben, der für weitere Ver- 
breitung im Interesse der Vereine des Verbandes als auch des 
Herausgebers und unter Controlle eines Presskomites und des 
Vorortes zu arbeiten hat. 

Hierauf wurde Herrn K. R. Sternberg das Wort ertheilt zu 
einem Vortrag über : 

,,Den Instinkt der Thiere,'' 

welcher mit grossem Beifall aufgenommen wurde. 



Qeschäfts-Sitzunn: vom 2. Juni 1898. 

Anwesend 14 Herren. 

Der Präsident Herr Prof. O. Fuchs eröffnete die Sitzung. 

Herr C. Henning von der Zeitschrift ,, Baumaterialien-Kunde*' 
theilt mit, dass der bisherige Präsident derselben, Herr O. M. 
Carter, seines Amtes enthoben sei und alle Zuschriften und Bei- 
träge an C. Henning zu senden seien. Gleichzeitig ersucht er 
um Vorschläge für einen geeigneten Ort für eine Versammlung. 

Da unser Verein nicht genug an dieser Angelegenheit in- 
teressirt ist, wurde der Antrag abschläglich beschieden. 

Beschlossen wurde die Austeilung der Arbeiten des Mary- 
land Institutes in corpore zu besuchen. 

Herr Sternberg theilt dem Verein mit, dass er wegen 
Geschäfts- und Arbeits-Ueberbürdung sein Amt als korrespon- 
dirender Sekretär niederlegen müsse. 



Wissenschaftliche Versammlung vom 16. Juni 1898. 

Anwesend 14 Herren. 

Die Sitzung wurde durch den Präsidenten eröffnet. 

An Correspondenzen waren eingegangen : 

Ein Brief vom Vorort betreffend Auswahl eines Ortes zur 
Abhaltung des Delegaten-Tages des D. A. Techniker-Verbandes 
schlägt die Stadt Reading, Pa., vor. 



yereinS'Berichte. 39 

Beschlossen wurde den vorgeschlagenen Ort zu acceptiren. 

Vom Herrn R. Leupold, unserem früheren Mitgliede, wurde 
ein Schreiben aus Deutschland verlesen, worin er alle Herren 
bestens grüssen lässt. 

Der Präsident Herr Prof. O. Fuchs benachrichtigt den 
Verein dass er für die nächsten 2 Monate von Baltimore ab- 
wesend sein würde, und er daher den Versammlungen nicht 
beiwohnen könne. 

Der Internationale Verband zur Prüfung der Materialien der 
Technik theilt mit, dass am 16. Juni eine Versammlung nach 
Philadelphia behufs Erwählung eines Vorsitzenden einberufen 
sei. 

Als stellvertretender correspondirender Sekretär für diesen 
Abend wurde Herr John Maiberg erwählt. 

Als Gast war Herr H. Krahforst von Philadelphia anwesend. 

Aug. Loeser, prot Sekretär, 



Berichtigung. 



Auf Seite 21 der April Ausgabe heisst es : Die Parson und 
Morton Dampf Turbinen 400 respective 800 Umdrehungen und 
sollte es heissen : 4000 respective 8000 Umdrehungen, 



Fragen und Antworten aus dem Leserkreise.^ 

Frage : ,,Wo befinden sich Gipsfabriken in den. U. S. of A., 
welche Gips für gewöhnliche Bauzwecke produziren. Wie gross 
ist die Leistungsfähigkeit der einzelnen Fabriken und wie hoch 
stellen sich die Verkaufspreise nach dem Gewicht." 

C. F. A.— PA. 



* Die unter dieser Rubrik an die Redaktion eingehenden Fragen und Ant- 
worten werden in der dem Eingange folgenden Nummer veröffentlicht und 
ersuchen wir um recht häufige Benutzung des hiermit zur Verfügung gestell- 
ten Raumes. Die Redaktion. 



40 Mittheilungen des D. A, T. V. ' 

Vereinsnachrichten und Personalien. 



Auf das vom Vorort erlassene Cirkular, betreffend die Reform 
des Verbandsorganes, liegen bis jetzt folgende Aeusserungen von 
Vereinen vor : Die Vereine New York und Brooklyn befürworten 
unveränderte Beibehaltung der bisherigen Herausgabe der ,, Mit- 
theilungen." Der Verein Baltimore wünscht das Halten eines 
Fachblattes, ähnlich wie es der ,, Techniker ** war, dessen 
Herausgeber dafür jährlich einen Dollar per Mitglied des Ver- 
bandes erhielte. Der Verein Pittsburg hat eine Anzahl von 
Bestimmungen zusammengestellt, deren Inhalt wie folgt lautet : 

i) Dass ein Press-Komite und ein Redakteur zur Leitung 
und Redaktion der ,, Mittheilungen** bestellt werden sollen. 

2) Dass die vorgeschlagenen Befugnisse des Redakteurs 
bezüglich der Abfassung der Protokolle ausreichend sind ; der 
Redakteur soll jedoch dem Press-Komite verantwortlich sein. 

3) Dass die Anzahl uud der Umfang der jährlich herauszu- 
gebenden Nummern der ,,Mittheilungen," dem Stande der Ver- 
bandskasse angepasst werden soll. 

4) Dass es wünschenswert ist, so lange die Redaktion der 
,, Mittheilungen** zur allseitigen Zufriedenheit der Verbands- 
Vereine geführt wird, dieselbe in ein und derselben Hand zu 
belassen. 

5) Dass als Entschädigung für die Arbeitsleistung des Redak- 
teurs, ein minimaler Betrag aus der Verbandskasse, zahlbar als 
Fixum anzusetzen ist, dass dem Redakteur ein gewisser Prozent- 
satz der Einnahmen aus sämmtlichen Annoncen zu gewähren 
ist; dass ihm ebenfalls der Ertrag aus dem Einzelverkauf der 
Nummern der ,, Mittheilungen** zugewendet werden soll. 

Das Jahresabonnement für Nichtverbandsmitglieder wäre in 
Einklang mit dem vom Verband festzusetzenden Einzelverkaufs- 
preis der „Mittheilungen'* zu bringen. Der Inhalt der ,, Mitthei- 
lungen** darf jedoch unter keinen Umständen auf die Erzielung 
eines möglichst grossen Verkaufs einzelner bestimmter Nummern 
zugeschnitten werden. 

6) Dass die ,, Mittheilungen ** als Kerbandspublication zu 
veröffentlichen sind und als solche den Verbandsinteressen resp. 
denen seiner Mitglieder zu dienen haben ; und dass eine Ver- 
öffentlichung der ,, Mittheilungen** als Technisches Fachblatt, mit 
Rücksicht auf die grosse Anzahl bereits bestehender Zeitschriften 
solchen Characters als wenig Erfolg versprechend erscheint. 

Die von einzelnen Mitgliedern vorgeschlagenen Reformen, 
betreffen hauptsächlich folgende Punkte : Rechte und Pflichten 
des Redakteurs, häufigeres Erscheinen des Verbandsorganes in 
theils kleinerem, theils grösserem Umfange der einzelnen Num- 
mern, womöglich Ueberlassung der Redaktion an einen stän- 
digen Redakteur, der dafür Honorar erhält ; Verbreitung des 



Vereinsnachrichten und Personalien. 41 

Verbandsblattes in grössere Kreise. Die verschiedenen Meinungs- 
äusserungen werden den Delegaten als Vorarbeit dienen können, 
für den Fall, dass Aenderungen im Publikationswesen des Ver- 
bandes beantragt werden sollten. 



Herr W. C. Willenbücher, Mitglieci des Vereins Washington; 
D. C, macht gegenwärtig Vermessungen der Ankergründe in der 
Umgegend von Key West. Er ist „in Charge of the party" on 
board the U. S. Steamer ,, Blake'*. Die Arbeit ist eine sehr ver- 
antwortliche und anstrengende und wird dieselbe längere Zeit in 
Anspruch nehmen. Hoffentlich kehrt unser, im Verbände allge- 
mein bekannter und beliebter Freund, gesund und befriedigt zu 
seinen Angehörigen zurück. 



Am i6ten Juni wurde zu Philadelphia die Amerikanische 
Section des ,, Internationalen Verbandes für Prüfung der Mate- 
rialien der Technik" gegründet. Herr Henning von New York 
führte den Vorsitz. Anwesend von Seiten des Deutsch-Ameri- 
kanischen Techniker Verbandes waren Herr Heusner von Brook- 
lyn, Herr Mueser von New York, Herr Dr. Moldenke von Pitts- 
burg und Herr Schmaltz von Philadelphia als Vertreter der ver- 
schiedenen Technischen Vereine. Ausserdem waren die Ver- 
bands-Mitglieder Herr Gustav Lindenthal von New York und 
Herr Paul Kreuzpointer von Altoona, Pa,, anwesend. Der Tech- 
niker Verein Washington, D. C, Hess sich durch Herrn Schmaltz 
von Philadelphia vertreten. 

Nachdem Herr Henning von New York ein Schreiben der 
Verbandsleitung verlesen hatte, das ihn bevollmächtigte die 
Gründung der Amerikanischen Section zu unternehmen, führte 
er in längerer Rede, die Ziele, Bestrebungen und Erfolge des 
Verbandes aus. 

Der Vorstand wurde wie folgt gewählt : 
Präsident : Prof. Merryman, 

Lehigh Uniyersity Bethlehem, Pa. 
Vice-Präsident : Prof. H. M. Howe, 

Columbia College, New York. 
Secretär : R. L. Humphrey, 

Testing Laboratory City of Philadelphia. 
Schatzmeister : Paul Kreuzpointer, 

Testing Laboratory P. R. R. Altoona, Pa. 



42 Mittheilungen des D. A. T. K 

Festtage in den Vereinen. 



Am 22. Februar feierte der Technische Verein von Pittsburg 
sein Winterfest. Die an glänzenden Festen so reiche Geschichte 
dieses Vereins, weisst keine Gelegenheit auf, bei der Alles so 
sorgsam vorbereitet und bis auf die kleinsten Einzelheiten würdig 
durchgeführt v^ar. Herr Skalweit, dem die Leitung der Arrange- 
ments übertragen war, hatte es verstanden, dem ganzen Feste 
einen distinguierten Charakter aufzuprägen, der deutlich die hohe 
gesellschaftliche Stellung bewiess, die der Pittsburger Verein ein- 
nimmt. Das Hotel Victoria hatte dem Verein Banquethalle und 
Speisesaal sowie die nöthigen Garderoberäume für den Abend 
zur Verfügung gestellt. Die Gourmands und Weinverständigen, 
und deren giebt es eine gesegnete Menge in Pittsburg, hatten 
ein tadelloses Menü zusammengestellt und mit grosser Sach- 
kenntniss die wichtigen Weine ausgewählt, so dass es sich auch 
die krassesten Materialisten gefallen lassen konnten : 

,,Der weisse Wein war eiseskalt, der rothe nicht zu kühle." 
Der Eintritt erfolgte auf persönliche Einladungskarte, die vom 
Verein den Mitgliedern und deren Gästen zugestellt war, und 
nur das Diner und die Getränke nicht einschloss. Etwa i8o 
Gäste waren erschienen, die Herren fast durchweg im Frack, 
die Damen in Gesellschaftscostümen. Die schwarz-weiss-roth 
bebändelten Herren vom Komite hatten alle Hände voll zu thun, 
so dass ihnen bald der Schweiss in Strömen herunterlief, wie 
eine poetische Pittsburger Zeitung sich am nächsten Tage aus- 
drückte. 

Der Verein zählt eine grosse Anzahl der musikalischen 
Grössen der Stadt zu seinen Freunden, und das Komite hatte 
auch in diesem Falle Grosses geleistet, und so bedeutende 
Künstler wie Frau Doktor Fricke, Fräulein und Herrn Rothleder, 
Fräulein Johnston, Herrn Oetting und Herrn Gardner zur Theil- 
nahme bewogen. Näher kann Referent leider nicht auf diesen 
ersten 1 heil des Programs eingehen, in musikalischer Hinsicht 
ist er nämlich schrecklich dumm. 

Dem zweiten Theile muss man eine Vorrede vorausschicken. 
Es scheint, als ob einige Mitglieder des Vereins das ausserordent- 
liche Glück gehabt hätten, einen Papyrus zu entdecken. Ich 
meine hier selbstredend eine alt-egyptische Handschrift, und 
nicht etwa'nen Stinkhaken. Besagter Papyrus scheint auf das 
Leben der Techniker im alten Egypten und auf die damaligen 
technischen Vereine im Besonderen ganz grelle Schlaglichter zu 
werfen^ um sich der Redeweise des Abgeordneten Richter zu 
bedienen. Das Komite, das von diesem Funde Wind bekommen 
hatte, setzte sich sofort mit den Sprachkundigen im Vereine in 
Verbindung — Kenntniss der egyptischen Sprache, ganz vom 
Deutschen zu schweigen, ist nicht allen unseren Mitgliedern ge- 



Festtage in den Vereinen. 43 

geben, um den Papyrus in eine fassliche Form zu bringen. So 
kam es denn, dass sich um 10 Uhr an besagtem Winterfeste der 
Vorhang der besonders für diesen Zweck gebauten Bühne hob, 
um den Zuschauern eine Wiedergabe der ,, Gründung des Techni- 
schen Vereins von Denderah** vorzuführen. Als Program diente 
ein Zipfel der alten Handschrift, der ausser den-natürlich un- 
leserlichen-Buchstaben noch seltsame egyptische Figuren auf- 
wies, auf die näher einzugehen, das Press-Komite des Vereins 
dem Referenten verbietet. Die Bühne führte den Schenley 
Park bei Nacht vor, dargestellt durch einen schwarzen Vorhang 
(Nacht) und eine Gartenbank (Schenleypark). Es erscheinen 
der Pausknabe Balduin Faberstift (Herr Grosse) und Karlchen 
Hammerstiel (Herr Kusebauch), ein junger Mann ohne höheres 
Streben. Beide kommen von einer. Sitzung des T. V. Pittsburg, 
wo sie eben während eines Vortrags über die Culturzustände 
Egyptens die neuen Broschüren gelesen hatten und sind schreck- 
lich knille. Sie setzen sich auf die Bank und schlafen bald ein. 
Da erscheint die Göttin Hathor (siehe Meyer's Convers. Lex. 
sub. H.), die sich durch die spöttischen Reden besagter Herren 
unangenehm berührt gefühlt hatte, und versetzt sie durch Be- 
rührung ihres Stabes in das alte Egypten. Der Vorhang rauscht 
auseinander und zeigt das Innere des Hathortempels zu Den- 
derah (siehe Meyer, sub D.) Der Referent bittet um Nachsicht, 
wenn er sich hier einen Augenblick verschnauft, um die Scenerie 
zu beschreiben, wie sie sich ihm vom Souffleurkasten aus darbot. 
Links vorne lag eine Sphynx und leckte sich wohlgefällig die 
Pfoten. In der Mitte sassen die Standbilder — oder soll ich sagen 
,, standen die Sitzbilder'* — die Könige Memnon und Chosres. 
Leider verrieht der Umfang ihrer ganz monumentalen Bäuche 
sofort die ,, Künstler.** Einige Statuen und einige Sarcophage 
mit Mumien dienten zur weiteren Verschönerung der Gegend. 
Besonders muss der Hintergrund hervorgehoben werden, der mit 
verschwindendem Augenpunkt (Patent Kusebauch) gemalt, die 
ungeheure Tiefe einer Säulenhalle des alten Tempels zeigte. 
Die Göttin Hathor (Frau Wüsthof) macht die Fremdlinge nun- 
mehr mit den sie umgebenden Wundern bekannt. Besonderes 
Interesse erregen die Hieroglyphen an König Memnons Sockel, 
die sich aber bei einer Berührung mit dem Stabe der Göttin 
durch Zauberei in die leserlichen Buchstaben B. V. M. R. E. 
verwandeln. Die Fremden werden den Königen vorgestellt, 
von denen der eine im fliessendsten Englisch, der andere aber in 
den heimathlichen Klängen Berlins antwortet, ein Umstand, den 
die Göttin damit erklärt dass : 

,, König Memnon manches lange Jahr 
In Berlin im alten Museum war.** 

Dann spielt er natürlich auch Skat, und da der andere **Patent** 
König auch bereits mehr oder minder erfolgreiche Versuche ge- 
macht hatte, das Wesen dieses Spiels zu meistern, so besorgt 
das ,, Mädchen für Alles bei Ramsessens** Bent Anat (Frau 



44 Mittheilungen des D. A.T. K 

Dr. Fischer). Karten und einen Schnabus und bald klopfen die 
Könige mit Herrn Hammerstiel einen feucht-fröhlichen Skat. 

Herr Faberstift erblickt nunmehr die Sphynx. Sehen und 
sich verlieben ist eins, die Sphynx (Frl. Gertrud Fischer) da- 
gegen ist kühl bis ans Herz hinan und hält den zudringlichen 
Werber, durch ein plötzlich auftauchendes Schild ,,Keep off the 
grass" in Schranken. Die Göttin gestattet ihm dagegen das 
Orakel der Sphynx zu befragen. In von Weisheit triefenden 
Worten enthüllt ihm die Sphynx die Geheimnisse des Lebens. 
Was ist das Glück, was ist die Liebe, wird schnell beantwortet. 

,, Kannst du auf dies mir Antwort geben ? 
Was ist die schönste Zeit im Leben ? 
Ist es der Jugend knospendes Blühn, 
Wenn Rosen duften, Schwalben ziehn ? 
Ist es des Mannes gereifte Kraft 
Die bedächtig, doch sicher wirkt und schafft, 
Oder ist es das Alter, würdig und weis'. 
Wenn die Silberlocke ziert den Greis, 
Ruhe und Frieden nach stürmischem Leben ? 
Sprich, welchem soll ich den Vorzug geben. 
Sphynx : Von der Wiege bis zur Bahre 

Sind die schönsten Lebensjahre. 

Der Zweck und die Ideale des Vereins, der nächste Präsi- 
dent und andere schwierige Dinge werden von der Sphynx mit 
der grössten Leichtigkeit beantwortet. Leider wird die interes- 
sante Unterhaltung durch das ,, Mädchen für Alles" unterbrochen, 
die beim Staubwischen an die Sphynx gekommen ist, und diese 
nun mit ihrem Federbesen bearbeitet. 

König Memnon scheint inzwischen beim Skat kein rechtes 
Glück gehabt zu haben. Er brummt denn auch mürrisch : 
Die Karte hier kann sich sehen lassen 
Selbst *n oller Ejipter muss daruff passen. 
Hammerstiel : Ich passe auch. 
Chorus : - Dasselbe hier. 

Alle drei : Ramses ! Ramses ! 

König Ramses : (hebt sich aus seinem Sarcophage) Wer ruft 
nach mir ? 

Des Königs (Herrn v. Aueberg) Mumienbalsamirer, muss 
offenbar auf einer der Egyptischen Universitäten Paukdoctor ge- 
wesen sein, denn die Bandagen seiner Majestät hatten verzwei- 
felte Aehnlichkeit mit 'ner ,, Haube". Es herrscht grosse Be- 
stürzung. Majestät scheint aber höchst leutselig zu sein und er- 
kundigt sich wie lange er schon tot sei ? 
Hathor : Du starbst, ich entsinn mich genau aufs Datum, 
Neunzehnhundert und via ante Christum natum. 
Wardst begraben, wie es 'nem König gebührt. 
Ramses : Da hab ich mich eigentlich gut conserviert. 



Festtage in den Vereinen. 45 

Als die Fremden ihm vorgestellt werden, beweist er, dass er 
mit den Angelegenheiten seines Landes vollkommen vertraut ist, 
und erkundigt sich, ob sie mit Stangen oder mit Cook gereist wä- 
ren. Auch für Musik interessirt er sich, behauptet aber, dass 
seit seinen Lebzeiten diese Kunst degeneriert sei. Er stellt ihnen 
sein Mädchen für Alles (Frau Dr. Fischer vor : 

Bent-Anat hier, das holde und liebliche Kind 
Singt so gut wie die Patti und Jennie Lind. 
An ihr hohes C kann die Melba nicht tupfen. 
Ich selbst will die Begleitung zupfen. 

Er holt aus der Tiefe seines Sarcophags eine Guitarre und 
sie singen nach der alt egyptischen Melodie vom ,,Sabinchen*' 
ein Lied, das von dem Hofstaat eines alten Pharao handelte und 
mit Überlebensgrossen höchst köstlichen und ähnlichen Portraits 
illustrirt war. Mehr zu sagen' verbietet auch hier die stets ge- 
rechte Scheere der Censur. Man amüsiert sich köstlich, schliess- 
lich denken die Fremden doch an den Aufbruch. Das giebts 
nicht. Sie müssen bleiben. Es wird ihnen nicht schwer sich zu 
trösten, wenn sie nur den Technischen Verein nicht entbehren 
müssten. Ramses schlägt vor: einen zu gründen, dessen Grund- 
sätze geradeso vernünftig seien, als die in dem Rundschreiben 
des fieuen Clevelander Vereins ausgedrückten Principien. Die 
Idee findet Anklang, man constituiert sich. Ramses, Präsident. 
Herr Hammerstiel drückt sein Bedauern darüber aus, dass man 
die Gründung des neuen Zweigvereins nicht den Pittsburgern 
mittheilen könnte. Ramses lächelt und giebt im Flüsterton 
einige Befehle. 

Bent-Anat : Gewiss mein Herr und Gebieter. Im Nu. (Geht 
nach der Wand hebt einen Vorhang und klingelt 
mittels Telephon die Centrale auf) 

Hailoh, Central, is that you ? 

Forty two, Wilkinsburg. Hailoh ! 

This is the office of Ramses the Pharao, 

Mr. Lange ? Not at home, you say ? 

To a ball ? Take the message anyway : 

Der Zweigverein der in Denderah 

Soeben das Licht der Erde sah 

Wünscht fröhliches Wachsen, Blüh'n und Gedeih'n, 

In Pittsburg dem Technischen Verein. 



Es genüge hier zu sagen, dass alle Mitwirkenden ihre Sache 
fein gemacht haben, es wurde flott und lustig gespielt und das 
Publicum kam aus einer Lachsalve in die andere. Die Damen 
hatten sich noch besondere Mühe mit ihren gradezu glänzenden 
Costümen gegeben. 

Nachdem so der geistige Mensch erquickt war, ging es zu 
Tische. An etwa 30 kleineren und grösseren Tischen nahm die 
Gesellschaft Platz, und bald sprudelte Alles von Frohsinn. Herr 



46 Mittheilungen des D. A, T. V, 

Skalweit fungirte als ,, Toastmaster" und nachdem Herr Beutner 
in einigen Worten den Verein hatte hochleben lassen, stattete 
Herr Oscar Rosenbaum in wohlgesetzter Rede den Mitwirkenden 
im Namen des Comite's seinen Dank ab. 

Die junge Welt verfügte sich nach dem Essen sofort in den 
Ballsaal, wo denn Herr Rosenbaum, der Arrangeur dieses äusserst 
wichtigen Theils des Programms, während der nächsten Stunden 
der best geplagteste Mann Pittsburgs war. 

Referent, who knows a good thing, when he sees it, wid- 
mete seine Zeit inzwischen dem vorzüglichen Rheinwein, kann 
infolge dessen nur wahrheitsgetreu berichten, dass das fröhlichste 
Leben und Treiben bis um 4 Uhr Morgens im Ballsaal herrschte, 
und dass ein grossartiger und höchst lustiger Cotillon Allem die 
Krone aufsetzte. 

Das Arrangementscomite, besonders aber die Herren Skal- 
weit und Rosenbaum, haben den Dank des Vereins im höchsten 
Grade durch ihre rastlosen und zielbewusten Bemühungen 
verdient. 



26tes Stiftungsfest des Technischen Vereins Philadelphia. 

Am 28. April 1898 beging der Verein Philadelphia sein 26tes 
Stiftungsfest, welches sich dadurch besonders auszeichnete, 
dass dasselbe in Gemeinschaft mit dem deutschen Club abge- 
halten wurde. Der Verlauf desselben lässt sich mit wenigen 
Worten schildern. Es hatten sich ungefähr 100 Theilnehmer, 
Damen und Herren, in einem Lokale der Stadt — (Mosebach's 
Casino) — eingefunden, die von dem Festpräsidenten Herrn H. 
Schmaltz begrüsst, zu Anfang eine tüchtige Magenstärkung zu 
sich nahmen. Die in den Pausen dieser angenehmen Beschäf- 
tigung, bei ähnlichen Gelegenheiten üblichen Chorgesänge, 
welche an die alte Heimath und die schöne Studien und Jugend- 
zeit erinnerten, fielen bis auf einen, als „Tauflied'' bezeichneten 
Gesang, diesesmal aus. 

Auch sonstige unterhaltende Vorträge unterblieben, jeden- 
falls sehr zum Bedauern mancher Theilnehmer, denen dieser 
Theil der Unterhaltung beim Feste stets von hauptsächlichster 
Bedeutung war und ist. 

Während des Festbanketts brachte Herr P. Ehlers einen 
Toast aus auf das Gedeihen der Vereine „Deutscher Club und 
Technischer Verein/' Herr H. Mosebach Hess die Techniker 
hoch leben und Herr A. Heilbrunn hielt einen schwungvollen 
Vortrag, in welchem er den anwesenden Damen und Gästen hohes 
Lob spendete. Auch des Festkomites wurde mit einigen an- 
erkennenden Worten gedacht. Ein vom Technischen Verein 
Pittsburg eingegangenes Glückwunschtelegramm begrüsste die 
Versammlung mit Jubel. 



Festtage in den Vereinen, 47 

Zum Schlüsse des einfachen Festes fand ein Ball statt, der 
sehr animiert Verlief und einen der Zeit entsprechenden kriege- 
rischen Aufzug brachte, bei welchem die Austattung der Mann- 
schaften und deren Bewaffnung höchstes Vergnügen gewährten. 

Das gute Einvernehmen zwischen den festfeiernden Vereinen 
wurde bei dieser Gelegenheit wieder auf das Glänzendste be- 
kundet. 



Gesellige Unterhaltung. 

An Stelle des regelmässigen Vereinsabends veranstaltete der 
T. V. N. Y. am Samstag, den 23. April, in der ,,Liederkranz- 
halle" einen populären Vortragsabend mit darauffolgender gesel- 
liger Unterhaltung. Der Zweck dieses Abends war, den Verein 
gesellschaftlich mehr in die Oeffentlichkeit zu bringen und der 
Erfolg ist auch in keiner Weise hinter den Erwartungen zurück- 
geblieben. 

Herr Präs. Kaczander führte den Vorsitz und stellte nach 
dner passenden Eröffnungsrede der Versammlung den Festred- 
ner des Abends, den bekannten, tüchtigen Humoristen Carl Hau- 
ser vor, der mit seinem Vortrage über ,, Humoristisches Polytech- 
nikum" stürmische Heiterkeit entfesselte. Nicht geringeren 
Beifall fanden die darauffolgenden Gesangsvorträge der Herren 
Maurice De Vreese, Beraham und Lewis Vialkofsky. 'Hieran 
schloss sich zwanglose Unterhaltung, bei der gemeinschaftlicher 
Gesang, Tanz und heitere Vorträge in bunter Reihenfolge ab- 
wechselten. 

Der Abend gehört zu den gelungensten und genussreichsten, 
die der Verein zu verzeichnen hat, und dem Arrangementskomite 
gebührt der volle Dank des Vereins. 

Victor Kops, Sekretär. 




MITTHEILUNGEN ^.1^,1.1;:- 

Deutsch- Amerikanischen ' ^'" " 

Techniker -Verbandes. 

(National Association of German-American Technologists.) 



PUBLISHED BI-MONTHLY. 



yol. IIL AUGUST, 1898. No. 6. 



Deul5cIi-7!inerik?ini5cKerTecKniker-YerI)?inJ 

Uorort: PMhiaeipMd, i$97-i$9t. 



Einladung^ zur 14« Jahresversammlung: in Reading:^ Pa* und 

Neversink Mountain am 3ten^ 4ten^ 5ten^ 6ten 

und 7ten September (898« 



Die vom Delegatentage der 13. Jahresversammlung in 
Vorschlag gebrachten Städte Cleveland, O. und Atlantic City, 
N. J., als Versammlungsorte für den diesjährigen Technikertag 
sind auf Vorschlag des Vorortes und mit Zustimmung der Ver- 
bandsvereine als solche aufgegeben und Neversink Mountain, bei 
der Stadt Reading, Pa, hierfür bestimmt worden. 

Bei der Wahl des Ortes waren dieselben Gründe, die im 
vorigen Jahre zur Bestimmung von Schoharie-Mansion als Ver- 
sammlungsort führten, maasgebend und die zum Theil begeisterte 
Zustimmung, die sich bei der Wahl von Neversink Mountain kund 
gegeben hat, lässt die Erwartung als berechtigt erscheinen, dass 
die I4te Jahres-Versammlung eine zahlreiche Betheiligung finden 
wird. 

Dem Vorort wird es ein Vergnügen sein, die Theilnehmer des 
Festes, wie die Zusammenkunft wohl mit Recht genannt werden 
kann, am ersten Tage in seinem Heime zu empfangen und hofft 
derselbe, dass die gemeinsame Fahrt nach Reading und Neversink 
Mountain dazu beitragen wird, die Feststimmung zu fördern. 

Dass es am Orte der Zusammenkunft weder an Unterhaltung 
noch an Belehrung fehlen wird, glauben wir versichern zu 



2 Mittheilungen des D. A. T. K 

können ; das aufgestellte Programm giebt Auskunft darüber, was 
in dieser. Beziehung in Aussicht genommen ist. 

Die Damen der Mitglieder und Freunde der Vereine werden 
hoffentlich auch diesesmal wieder zahlreich erscheinen und dem 
Feste Glanz verleihen und das Festkomite wird bemüht sein, den 
Aufenthalt möglichst angenehm zu machen. 

Wir. erfassen die Einladung an alle Mitglieder und Freunde 
des Verbandes in der sicheren Voraussetzung dass derselben 
freudig Folge geleistet und dass die Zusammenkunft dazu bei- 
tragen wird, dem Verbände Nutzen zu bringen und die Zahl seiner 
Anhänger zu vermehren. 

Achtungsvollst 

Der Verbands-Vorort Philadelphia, 

A. Schumann, Hermann Schmaltz, 

yerbands Sekretär. Präsident, 



j^ j^ ^ PROGRAMM .3^ ^ ^ 

für die 

3aDre$9er$aniinlun9 m %., \., s., 6. und 7. September \%^%. 

Hauptquartier in Philadelphia : 532 Nord 4te Strasse* 

^ ** Reading: : Neversink Mountain HoteL 



Sonnabend, den 3. September, Abends 8 Uhr. 

Informeller Empfang im Verein Philadelphia, Lokal des Deutschen 
Clubs, 532 Nord 4te Strasse. • 

Sonntag, den 4. September. 

Gemeinsame Fahrt nach Reading, Pa., per P. & R. R., um 9.06 
Reading Term. Station, 9.09 Springgarden Str., 9.12 Columbia Ave., 
9.17 Huntingdon Str. — Ankunft in Reading, yte und Franklin Str. 
um 10.45. Om 1 1 Uhr Abfahrt per Special Trollev Cars, 9te und 
Penn Strasse nach. dem Hauptquartier. Daselbst Mittagessen um i 
Uhr. Um 3.22 Uhr Abfahrt zum Pic-Nic in Klapperthal. Abend- 
essen im Hauptquartier. 
Von 8.30 Uhr ab : Gemüthliche Zusammenkunft. 

Montag, den 5. September, Delegatentag. Vormittags 9 Uhr. 

Um 9.25 Abfahrt nach Reading (9te und Penn Strassen) um 9.45 per 
R. & S. W. nach Mt. Penn Gravity Station. 10.15 Uhr weiter per 
Special Train Mt. Penn. Daselbst Lunch und Frühschoppen. 
Abfahrt von dort um i Uhr per Carsonia Park Car nach Woodvale. 
Gang durch den Wald nach dem Hauptquartier. Abends Bankett. 

Dienstag, den 6. September, Allgemeiner Technikertag. 9 bis 11 Uhr 
Vormittag. Besuch industrieller Etablissements. Dafür sind vor- 
läufig schon bestimmt : ** Carpenter Steel Works," *' Reading Hard- 
ware Works," **Repair Shop of R. R. Co." und ** Reading Scott 
Works." 

Um I Uhr Lunch in Bissinger's Cafe. 

3 Uhr per Trolley nach State Insane Asylum in Wernersville und 
Walters Sanatorium. Besichtigung der Einrichtungen für Verwerth- 
ung städtischer Abfuhrstoffe. Abends 8 Uhr Fest-Commers in Graeff' s 
Centennial Spring Hotel. 



EinladunfT :^ur 14. Jahresversammlung das D. A. 7. K 3 

Mittwoch, den 7. September. 

Abfahrt um 9.50 Uhr per Trolley nach Highland House zum Früh- 
schoppen und Abschied. 

Vorlas:en für den Delegaten -Tag. 

1. Wahl des nächsten Vororts. 

2. Reform der ** Mittheilungen.*' 

3. Zahlung von Umlagen für Mitglieder, welche mehreren Vereinen 

angehören. 

4. Statuten-Revision. 

Allgemeiner Technikertag. 

1. Allgemeiner Bericht. 

2. Special Berichte. 

3. Protokoll der Delegaten- Versammlung. 

4. Vortrag des Herrn OTTO C. REYMAN (Pittsburg) über: 

Acetylen. 

Anmeldungen sind recht bald erbeten und zu richten an 

A. SCHUMANN, 532 Nord 4te Strasse. 



DELEGATAN. 



Technischer Verein Baltimore . 
" Brooklyn . 
" New York 
** Philadelphia 
" Pittsburg . 



. HUBERT KREKEL. 
G. W. WUNDRAM. 
. VICTOR KOPS. 
. A. SCHUMANN. 
, DR. RICHARD G. G. MOLDENKE. 



ARRANGEMENTS KOMITE. 

EMIL BUSER Philadelphia. 

E. COLLINS, JR . *' 

G. HORST Reading. 

Lokal-Komite in Readiag:« 

G. HORST. ROB. C. RAHM. N. THUN. 




Mittheilungen des D. A. T. V, 
Ueber Ziegelverband — (System Jummerspach). 



Zwei Forderungen sind es, die man ausser der Verwendung 
guter Materialien, an ein gutes, starkes Ziegel-Mauerwerk zu^ 
stellen hat, nämlich möglichstes Vermeiden aller Hohlräume im 
Innern und vielfaches, jedoch regelmässiges Wechseln im Legen 
der Ziegel, dem sogenannten Verbände. 

Gegen beide Forderungen wird vielfach gefehlt und der Hin- 
weis darauf, dass die bisherige Art der Ausführung des Mauer- 
werks hier zu Lande immer genügt habe, beweist nur, dass man 
bisher darauf verzichtete, Ziegelmauerwerk in dem Maasse zu 
beanspruchen, wie dasselbe bei kunstgerechter Ausführung be- 
ansprucht werden kann. Bei der jetzt gebräuchlichen Art des 
Bauens mit Ziegeln, wobei die letzteren in Reihen der Länge 
nach, sogenannten ,, Läufern", nebeneinander gelegt werden 
und nur hin und wieder einzelne Ziegel oder eine Schicht der- 
selben als „Binder*' den Verband herstellen, bleibt die Mauer an 
vielen Stellen hohl, besonders wenn, was meist der Fall ist, die 
Maurer bemüht waren, der aufzuführenden Wand ein recht sau- 
beres Aussehen zu geben und deshalb das Bindematerial und 
Wasser zum Befeuchten nach Möglichkeit sparten. Es entstehen 
beim Herstellen der Mauern in der vorbeschriebenen Weise so 
grosse Hohlräume in denselben, dass Jeder, der Gelegenheit 
hatte, einen Durchbruch zu einer Thüröffnung oder dgl. vorzu- 
nehmen, staunt über den losen Zusammenhang eines solchen 
Mauerwerks, wie es der Queerschnitt dabei offenbart. 

Der intelligente, geübte Arbeiter bedarf nur weniger Beleh- 
rung durch den Bautechniker, welcher seinerseits auf strenge 
Durchführung seiner Anordnungen zu bestehen hat und wenn 
der Lehrling gleich von vornherein für eine bessere Methode er- 
zogen wird, so ist es möglich, in kurzer Zeit Wandel zu schaffen. 
Dieses vorausgeschickt mögen Mittheilungen folgen, über ein 
System, welches der Architekt Fritz Jummerspach im Münchener 
Architekten- und Ingenieur-Verein in einem Vortrage über : „Ra- 
tionelle Ermittelung des Ziegelverbandes etc/' bekannt gegeben und 
in der „Deutschen Bauzeitung" veröffentlicht hat. 

Während der Ziegelverband für rechtwinkelige Mauerkörper, 
mögen diese noch so sehr gegliedert sein, einfach und leicht zu 
ermitteln ist, so lange nur die Abmessungen durch eine halbe Stein- 
länge ohne Rest theilbar sind, ist es schon für massig gegliederte 
rechtwinklige Mauerkörper oft sehr verwickelt, sobald daran Ab- 
messungen vorkommen, die eine ungerade Anzahl von Viertel- 
Steinlängen betragen. Im ersten Falle werden in einer und der- 
selben Schichte aus allen einspringenden Winkeln Fugen nach 
der gleichen Fluchtrichtung zu legen sein und alle Dreiquartiere 
werden die gleiche Richtung bekommen. (Fig i). 

Im zweiten Falle wechseln in der Regel in einer und derselben 
Schichte die Fugen, welche durch Winkel gehen, die in Entfer- 



Ueber Ziegelverband, 



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6 Mittheilungen des D. A. T. y. 

nung von einer ungeraden Anzahl von Viertel-Steinlängen von 
einanderliegen, ihre Richtung, und ebenso wechseln die Drei- 
quartiere ihre Lage zu den Fluchtrichtungen. (Fig. 2.) 

Unter Beobachtung dieser Beziehungen lässt sich der Verband 
im zweiten Falle häufig schon rasch finden, allein bei sehr ge- 
gliederten Mauerkörpern wird man immer noch leicht die lieber- 
sieht verlieren und in ziemlich planloses Herumsuchen gerathen. 
In der Praxis hilft man sich dadurch, dass man versuchsweise 
einige Schichten trocken aufmauert. Dieses Verfahren hat aller- 
dings den Vorzug, dass man beide Schichten übereinander liegen 
hat, nicht nebeneinander, wie in der Zeichnung auf dem Papier. 
Jeder Fehler zeigt sich im ersten Falle von selbst, im letzteren 
ergiebt er sich durch aufmerksames Vergleichen beider Schichten 
mit einander. * Kommt noch ein praktischer geübter Blick dazu, 
so wird daher . das Probemauern meist verhältnissmässig rasch 
zum Ziele führen. Es kann aber auch sein, dass kein oder im 
besten Falle nur mit grossem Zeit- und somit Geldverlust ein be- 
friedigendes Resultat ergiebt. Kommt es auf einen soliden Ver- 
band besonders an, wie z. B. bei ungleichmässig beanspruchten 
Pfeilern, Maschinen-Fundamenten, Bögen etc., dann ist es miss- 
lich, die Ermittelung halb dem Zufall anheimstellen zu müssen. 
Jummerspach führt dann aus, welche Schwierigkeiten ihm 
als Lehrer einer Baugewerkschule beim Unterrichte erwachsen ; 
der empirische Weg ermüdet und macht misstrauisch gegen den 
Werth des Schulbesuchs, deswegen war der Lehrer bestrebt, den 
Schülern verlässliche Regeln zur systematischen Ermittelung des 
Ziegelverbandes an die Hand zu geben. Regeln, welche ver- 
lässlich, einfach und einleuchtend sein mussten, wenn sie Werth 
haben sollten. 

So gelangte Jummerspach zu dem Verfahren, welches im Nach- 
folgenden mitgetheilt werden soll, nach welchem auch für reich 
gegliederte Mauerkörper mit Abmessungen, die eine ungerade 
Anzahl von Viertel-Steinlängen betragen, der Verband auf dem 
Papier sich rascher und sicherer ermitteln lässt, als durch Probe- 
mauern. In der Grundidee ist er dabei C. von Brandt's ,, Methode 
der zulässigen Fugen'' ausgegangen. 

Das erste und wichtigste Erforderniss eines soliden Steinver- 
bandes im Allgemeinen ist, dass die Stossfugen (die lothrechten 
Fugen) zweier aufeinanderfolgenden Schichten sich nicht nur 
nicht decken, sondern auf gewisse seitliche Abstände, die von der 
Grösse der Steine abhängen, von einander verlegt werden, d. h. 
dass die Steine von Schicht zu Schicht sich entsprechend weit 
überbinden. Bei Quadern (regelrechten, von allen Seiten be- 
arbeiteten Hausteinen) ist der Verband danach meist einfach und 
leicht zu bestimmen, weil sie wegen ihrer Grösse wenige und 
darum leicht zu übersehende Fugen geben und beliebige Ab- 
messungen erhalten können. Anders bei Ziegeln, die aus be- 



*) Hierzu ist zu bemerken : Dass ein im Ziegrelverbande bewanderter Technilcer leicht im 
Stande ist, zwei Schichten über einander darzustellen, wobei er die Schichten in verschieden- 
artigen Linien aufträgt. Auch das Ermitteln des Verbandes mit l<Ieinen Modelsteinchen führt zum 
Ziele. A. S. 



Ueber Ziegelverband. 7 

kannten Gründen in kleinem und bestimmten Format zur Ver- 
wendung kommen. 

An diesem Format ist das Verhältniss der Breite zur Länge 
wie 1:2 für den Verband wesentlich. Die für den Verband noth- 
wendigen Steine kleineren Formates werden meist durch Behauen 
zweier Steine durch den Arbeiter auf der Baustelle erhalten. * 
Aus diesem Grunde sowohl, als auch deshalb, weil das Mauern 
mit ganzen Steinen überhaupt weniger Aufwand an Arbeit und 
Mittel erfordert, als das mit kleineren Steinen, müssen möglichst 
viele ganze Steine zur Verwendung kommen. 

Die Kleinheit der Ziegelsteine, die an dieser bedingte grosse 
Zahl von Stossfugen und die Förderung möglicht ausgiebiger Ver- 
wendung ganzer Steine machen es nothwendig, dass der Ziegelver- 
band streng systematisch durchgeführt wird, damit sich die Steine 
auch überall genügend überbinden, die Fugenlagen übersehen 
und ohne zu grosse Anforderung an die Kombinationsgabe des 
Ausführenden bestimmt werden können. 

Grundbedingungen für den Ziegelverband sind : 

i) Die Ziegel müssen sich von Schicht zu Schicht genau 

um J oder J Steinlängen überbinden. 
2) Es sind so viel wie möglich ganze Steine zu verwen- 
den. 

Die Systeme des Ziegelverbandes sind aus den Vorgängen 
bei Herstellung einfacher Ziegelverbände abzuleiten und müssen 
hierbei zwei verschiedene Fälle unterschieden werden : erstens 
für den Mauerkörper wird sich unbeschadet der zweiten Bedin- 
gung ein Verband ermitteln lassen, der nach beiden Richtungen 
die Schichten um eine Viertelsteinslänge überbinden lässt. (Fig. 
I u. 2.) 

T>er Ziegelverband pfeilerartiger Mauerkörper, wie die dargestell- 
ten, wird sich also auf ein einziges System T^rüchführen lassen. 

Es sei dieses System im Folgenden aus dem Vorgange bei 
Herstellung eines regelrechten Ziegelverbandeis klar gemacht. 
Der vorstehend genannten zweiten Grundbedingung entspre- 
chend werden im Inneren jedes Ziegelmauerwerks nur ganze, 
ausnahmsweise halbe. Steine (Köpfe) verwendet. Die Stoss- 
fugen einer Schicht werden daher nach beiden Richtungen Ab- 
stände von einander haben, je nachdem sie an den beiden Kopf- 
(kurzen) Seiten oder Langseiten eines ganzen Steines liegen. 
Da nun die ganzen Steine nach zwei verschiedenen Richtungen 
gelegt werden können, so werden die zulässigen Lagen der Stoss- 
fugen, die im Nachfolgenden kurzweg als „zulässige Fugen'' be- 
zeichnet sein werden, müssen für die nächste Schichte noch bei 
den Fluchtrichtungen (in der Länge und Breite) des Mauerkörpers 
um eine Viertelsteinlänge verschoben werden. Um dieses zu er- 
reichen, beginnt man in jeder Schichte mit dem Belegen der 



*) Es geschieht vielfach, dass Ziegelfabril<anten auf Verlangen }i, f^ und % Steine ent-, 
sprechend dem Format, der Farbe etc. der ganzen Ziegel liefern. Dieselben Theilstücke haben in 
vielen Gegenden Bezeichnungen, welche allgemein bekannt sind. In dem hier vorliegenden Ar- 
tikel mögen die Bezeichnungen : Quartier. Kopfstück, Dreiquartier und Riemchen hierfür gelten. 

A. S. 



8 Mittheilungen des D, A.l . k, 

Fluchten durch Dreiquartiere, * welche die gleiche Breite wie 
die Stdne haben, bei | der Länge der ganzen Steine. Legt 
man nun an einer Mauerecke in jeder Schicht ein Dreiquartier 
abwechselnd so, dass die Langseite einmal nach der einen Flucht, 
in der nächsten nach der andern gerichtet ist, so entsteht eine 
Verschiebung der Fugen um einen Viertelstein. Man nennt dies 
das Einrichten einer Schicht, d. h. dieselbe wird festgelegt, denn 
wenn durch die entsprechende Lage des Dreiquartiers die erste 
Stossfuge jeder Richtung bestimmt ist, so ergeben sich alle zu- 
lässigen Fugen von selbst, und weil diese in gleichen Abständen 
liegen, so muss jede zulässige Fuge einer Schicht von der nächst- 
liegenden der unteren Schichte um eine Viertelsteinlänge entfernt 
liegen, wenn diese Beziehung bei der ersten Fuge am Dreiquar- 
tier erfüllt ist. 

Bei den hier in Rede stehenden pfeilerartigen Mauerkörpern 
überbinden sich die Schichten nach beiden Richtungen durchwegs 
um einen Viertelstein und der Ziegelverband pfeilerartiger OAauer- 
härper kann also auf ein einziges System zurückgeführt werden. 

Sind alle Abmessungen durch eine halbe Steinlänge ohne 
Rest theilbar, (wie in Fig. i) so liegt es in der Natur der Sache, 
dass von Schichte zu Schichte abwechselnd alle Fluchten einer 
Richtung und dann alle Fluchten der anderen Richtung mit Drei- 
quartieren so belegt werden, dass sie an die betreffenden Fluch- 
ten mit ihren Breitseiten, also als Binder, zu liegen kommen. 
Dies macht eben den Verband solcher Mauerkörper so einfach, 
wie schon erwähnt wurde. Bei Mauerkörpern, an denen Ab- 
messungen vorkommen, die eine ungerade Anzahl von Viertel- 
längen betragen, werden dagegen die Dreiquartiere in dergleichen 
Schicht schon verschieden gerichtet liegen (Fig. 2) und auch an- 
dere Theilsteine, als Dreiquartiere, verwendet werden müssen. 

Betrachte man den Ziegelverband von Mauern mit aus- 
gesprochener Längsentwicklung (Fig. 3). Auch hier wird der 
Verband durch Dreiquarti^re eingerichtet, die an die Mauerenden 
verlegt werden- Jedoch werden nur in einer Schicht (in Fig. 3 
in der Läuferschicht) alle zulässigen Fugen, von den Dreiquar- 
tieren ab, in Abständen von einer halben Steinlänge liegen ; in 
der anderen (der Binderschichte) werden nur die Abstände der 
Binder- (Quer) Fugen von den Dreiquartieren in dieser Weise 
bestimmt, die Längsfugen dagegen sind im mittleren Mauertheile 
gegen die, durch Dreiquartiere festgelegten, gleichgerichteten 
Fugen der Mauerenden, um eine Viertel-Steinlänge verschoben. 
Diese Anordnung ist durch die Forderung geboten, dass möglichst 
viele grosse Steine verwendet werden sollen. Um nicht die 
ganze lange Flucht in der Binderschichte mit Dreiquartieren be- 
legen zu müssen, werden nur die Mauerenden in einen solchen 
Verband gebracht, der die aufeinanderfolgenden Schichten nach 
beiden Richtungen um eine Viertel-Steinlänge, sich überbinden 
lässt ; im Mittelstück, der eigentlichen Mauer, überbinden sich 
die Schichten nur nach der Längsrichtung um eine Viertel-Stein- 



*) In den beigegebenen Figuren sind die Theilsteine schraffiert. A. S. 



Ueber Ziegelverband. 



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10 Mittheilungen, des D. A. T. V, 

länge, nach der Tiefe (der Mauerdicke) indessen werden die 
Läufer von den Bindern um einen halben Stein Überbunden. * 
Der Ziegelverband lang gestrechter (Mauern folgt also nicht einem 
einheitlichen, sondern ^wei verschiedenen Systemen, Es werden auch 
bei solchen Mauern, wenn ihre Länge eine ungerade Zahl von 
Viertel-Steiniängen beträgt, die Dreiquartiere in der gleichen 
Schichte an beiden Enden verschieden liegen : an einem als 
Läufer, an den anderen als Binder. 

Aus dem Ausgeführten ergiebt sich das nun mitzutheilende 
Verhalten fast von selbst. Es soll zunächst in seiner Anwendung 
auf pfeilerartige Mauerkörper, die keine ausgesprochene Längs- 
entwicklung haben, erklärt werden. Wenn man alle zulässigen 
Fugen vorweg durch Linien bezeichnet, die in gleichen Abständen 
von einer halben Steinlänge den Grundriss des Mauerkörpers 
nach beiden Fluchtrichtungen durchziehen, so erhält man ein 
System von Linien, welches als „Fugennet:(' zu bezeichnen ist. 
Damit hat man alle Möglichkeiten der Anordnung des Verbandes 
für die betreffende Schichte vor Augen liegen. So liegt z. B. in 
Fig. 2 dem Verbände der Schichte I das Fugennetz I zugrunde. 

Für die nächste Schichte ist das Fugennetz parallel zu beiden 
Fluchtrichtungen je um eine Viertel-Steinlänge zu verschieben, 
so dass die Knotenpunkte in die Mitte der quadratischen Maschen 
der ersten Lage zu liegen kommen. So entstand Fugennetz II. 
aus Fugennetz 1 in Fig 2. Keine der Stossfugen, die nach dem 
zweiten Fugennetz gelegt sind, kann auf eine Stossfuge der ersten 
Schicht fallen, sondern sie nur kreuzen. Zwei solche zusammen- 
gehörige Fugennetze bilden eine Fugennetzpaar. In den Fig. 4, 
5 und 6 sind vorerst immer beide Fugennetze in einem Grundriss 
eingezeichnet, zur Unterscheidung jedoch das eine mit ganzen, das 
andere mit punktierten Linien. 

Da die Linien eines Fugennetzes parallel zu den beiden Fluch- 
ten und ihre Abstände immer gleich einer halben Steinlänge sind, 
so ist ein Fugennetz leicht zu zeichnen, sobald man einen „Kno- 
tenpunkf, d. h. Kreuzungspunkt, zweier Fugenlinien derselben 
kennt. Einen solchen erhält man, wenn man an irgend eine 
Ecke des Mauerkörpers (z. B. an die Ecke x in Fig. 4) ein Drei- 
quartier mit beiden Fluchten bündig legt, wobei es vorerst gleich- 
gültig ist, an welcher Flucht die Läufer oder Kopf- (Binder) Seite 
zu liegen kommt. Die innere Ecke a des Dreiquartiers ist dann 
Knotenpunkt eines Fugennet^es, 

Nachdem das Fugennetz von diesem aus gezeichnet ist, legt 
man das Dreiquartier an derselben Ecke um, so dass seine Läu- 
ferseite nun an die andere Flucht zu liegen kommt; dann giebt 
das Dreiquartier in dieser zweiten Lage mit seiner inneren Ecke 
b einen Knotenpunkt des Fugennetzes der zweiten Schicht. Da- 
mit ist dann ein Fugennetzpaar bestimmt. Bei Mauerkörpern, 
an welchen Abmessungen vorkommen, die eine ungerade Zahl 



*) Es ist zu bemerken, dass der Innere Theil einer Mauer, auch bei Läuferschichten, immer 
als Binderschicht verlegt werden muss ; sind die Mauern von ungerader Mauerdicke, also t}i, sH. 
3^^ etc. Ziegel dick, so ist stets auf einer Seite der Mauer eine Bindeschicht, wenn auf der andern 
eine Läuferschicht Ist A. S. 



Ueber Ziegelverband, 



II 




12 Mittheilungen des D. A. T. V, 

von Viertelsteinlängen betragen, kann man aber noch ein zweites 
Fugennetzpaar erhalten, wenn wir zur Ermittelung der Knoten- 
punkte das Dreiquartier an eine solche Ecke legen, in weicher 
ein Knotenpunkt eines Fugennetzes des ersten Paares zu liegen 
kommt. Dieser Fall lässt sich sofort daran erkennen, dass die 
der Ecke zunächst liegenden Fugenlinien desselben Netzes gleiche 
Abstände von der Ecke haben und zwar in einem Fugennetz eine 
Viertel-, im andern eine halbe Steinlänge; z. B. an der Ecke y im 
ersten Fugennetzpaar der Fig 4, während an der Ecke x im ersten 
Fugennetzpaar, deren Abstände verschieden, \ und \ Steinlänge 
sind. 

Welches Fugennetzpaar man auch benutzt: die erste Grund- 
bedingung, dass die Schichten sich durchwegs um eine Viertel- 
Steinlänge überbinden, wird erfüllt sein, sobald die Fugen nur 
auf die entsprechenden Fugennetze fallen. Man wird in der 
Regel das Fugennetz beibehalten, nach welchem der Verband 
einfacher ausfällt und der zweiten Grundbedingung entsprechend, 
mit mehr ganzen Steinen und grösseren Theilsteinen bewerk- 
stelligt werden kann. So wird dem Verbände nach dem ersten 
Fugennetzpaar Fig. 4 der Vorzug zu geben sein. Die bekannten 
Forderungen, die sonst noch an einen kunstgerechten Verband 
gestellt werden, können als minder oder unwesentlich nur soweit 
berücksichtigt werden, als sie mit den Grundbedingungen noch ver- 
einbar sind. 

Man sucht zunächst an der Peripherie des Mauerkörpers die 
erforderlichen Theilsteine anzubringen. Bei der Bestimmung 
der Theilsteine des Verbandes beachte man zunächst möglichst 
viele Dreiquartiere herbei zu bekommen. Wo .sich an einer 
Mauerflucht eine halbe Netzmasche anlegt, suche man diese mit 
einer benachbarten ganzen Masche zu einem Dreiquartier zu ver- 
einigen ; wo dieses nicht mehr möglich, (Fig. 4 bei a) wenigstens 
nicht ohne auch unzulässige Achtelsteine oder ausgeklinkte 
Steine ([ ,— ') zu verwenden, oder wo der Wechsel der Läufer- 
und Binderschichten in der äusseren Erscheinung des Mauerwerks 
gewahrt werden soll (Fig. 4 u. 5 bei g u. h.), belege man die hal- 
ben und Viertelnetzmaschen mit Viertel- und gespaltenen Drei- 
viertel- oder ganzen Steinen. * Bemerkt sei, dass sich das Auge 
sehr rasch für die Auffindung aller möglichen Dreiquartierlagen 
im Fugennetz schärft. 

Von solchen Winkeln des Mauerkörpers, durch welche keine 
Fugenlinie geht, sind unter 45° Viertel-Schrägfugen nach dem 
nächsten Knotenpunkt des Fugennetzes zu ziehen und an diese 
stumpfwinklige Viertelschräglinge zu legen. 

Kann unter Einhaltung des Fugennetzes die Verwendung 
entweder eines spitzwinkeligen Schräglings (bei m Fig. 4 und 
Variante A Schichte I) oder eines ausgeklinkten Steines (bei n 
Fig. 4 Variante B Schichte I) nicht vermieden werden, so kann 



* Das Lej^en von jjespaltenen i, J^ und V^. Steinen, sog. Riemchen, wird der Maurer !n der 
Praxis fast immer unterlassen, weil die schmalen Stücke schwerer so zu legen sind, dass sie ein 
exaktes Aussehen erhalten. Er wird vorziehen, sich durch abgeschrägte Dreiquartiere einen Eck- 
verband zu bilden. A. S, 



Ueter Ziegeherland, 1 3 

man sich durch eine kleine Abweichung vom Fugennetze helfen, 
von einem korrekten Verband ohne jene verwerflichen Theil- 
steine zu erhalten. In der anderen Schichte (bei m Fig 4, 
Schichte II) können nämlich nach beiden Fluchten Fugen durch 
solche Winkel gehen, weil auf dieselben ein Knotenpunkt des 
Fugennetzes fällt; es ist aber keineswegs erforderlich, beide 
Fugen durchzuführen, sondern sogar besser, man macht den Ver- 
band so, dass nur eine Fuge durchgeht, dann giebt man in der 
ersten Schichte, in welcher die Viertel-Schrägfuge zu machen 
wäre, diese ganz auf und ziehe vom Winkel in jener Fluchtrich- 
tung (m, n Fig. 4) eine Fuge durch, in welcher die nächste 
Schichte keine Fuge hat. Man weicht dabei zwar vom Fugen- 
netze ab, aber die Schichten überbinden sich noch um eine Viertel- 
Steinlänge. 

Also selbst dort noch, wo die strengsten Anforderungen an 
einen soliden Verband zu einer Abweichung vom Fugennetze 
zwingen, zeigt es einen Ausnahmeweg, der zum Ziele führt. 

Bisher wurde nur die Anwendung des Fugennetzes auf 
pfeilerartige Mauerkörper, behandelt ; es kann aber auch bei aus- 
gesprochenen langentwickelten Mauern angewendet werden, die 
ein vielfaches an halben Steinlängen zur Stärke haben und an 
verschiedenen Stellen, namentlich an den Ecken und Enden, 
durch gegliederte Vorsprünge pfeilerartig verstärkt sind. 

Wie früher schon angeführt, folgt aber der Verband solcher 
Mauern zwei verschiedenen Systemen. Man lege ein Fugennetz 
(Fig 5) in vorbesprochener Weise über den ganzen Grundriss der 
Mauer, um den Verband der gegliederten Ecken und Enden etc. 
einheitlich zu gestalten, halte sich aber nur in den erwähnten 
Verstärkungen in beiden Schichten streng an die betreffenden 
Fugennetze, in den zwischenliegenden glatten Mauertheilen ordne 
man jedoch den Verband in üblicher Weise mit Ueberbinden der 
Schichte nach der Tiefe um einen halben Stein an. Solche 
Mauern werden also nur in einer Schichte mit ihrem Verbände 
ganz dem Fugennetze folgen (Fig. 5 in Schichte I u. 11 die Flügel- 
theile mit der Läuferlage) in der anderen Schichte jedoch wird 
der glatte Mauertheil mit^ seinen Längsfugen davon abweichen. 
(Fig. 5 der Längsfugen im Mitteltheil mit den Binderlagen und 
zwar a 6 und Schichte I, cd und ef in Schichte II). Wer in Ziegel- 
verbänden bewandert ist, wird die Stellen, an denen diese Ab- 
weichungen vom (gleichmässigen) Fugennetz erforderlich ist, 
leicht erkennen. 

Den Verband solcher Mauern aus einem einheitlichen System 
entwickeln zu wollen, wäre ein Fehler, weil dasselbe hierdurch 
wieder verwickelt und unübersichtlich würde, so dass der Vor- 
theil der Einheitlichkeit illusorisch wird. 

Der besseren Verständlichkeit wegen wurden hier für äie 
Darstellung keine sehr schwierigen Beispiele gewählt ; das ein- 
fache Verfahren mit dem Fugennetz, welches auf einem Stück 
karriertem Papier rasch ausgeführt werden kann, versagt erst 
dann, wenn die Gliederung aus einer übermässigen Häufung 
kleiner Absätze besteht ; in diesen seltenen Fällen ist das Mauern 



14 Mittheilungen des D. A. T, V. 

mit gewöhnlichen Ziegeln überhaupt nicht mehr rationell, son- 
dern es ist besser, Formstücke zu verwenden. Zum Schlüsse 
seiner Besprechung über Ziegelverband weist Jummerspach da- 
rauf hin, dass zwar die geforderten statistischen Nachweise für 
Bögen und Träger gewissenhaft geliefert, die für Widerlager, 
Trägerauflager und Pfeiler angeordneten besten Ziegel auch 
wohl verwendet^ werden, aber seitens der Bauführung häufig 
nicht dafür gesorgt wird, dass die Ziegel auch durch ein'en kunst- 
gerechten Verband möglichst unverrückbar in einander gefügt 
werden. Diese Erscheinung sei dadurch verursacht, dass erstens 
die Ziegelverbände an sich wenig interessant sind, zweitens ihre 
Bedeutung häufig unterschätzt wird und drittens die auch von 
Lehrbüchern genährte Ansicht sehr verbreitet ist, die schwierig- 
sten Fälle von Ziegelverbänden könnten vorwiegend nur empi- 
risch gelöst werden und die hierzu erforderliche Fertigkeit sei nur 
durch die stetige handwerksmässige Uebung des Maurers zu er- 
reichen. Dass die Kunst der Maurer und Poliere (Vormänner) 
nur zu bald versage, davon könne man sich täglich überzeugen. 

Die im Vorstehenden enthaltenen Ausführungen erscheinen 
vielleicht Manchem ,,:{u theoretisch" und für die Praxis umständ- 
lich, und es muss zugestanden werden, dass eine so strenge 
systematische Durchführung des Ziegelverbandes, wie sie hier 
vorgeschrieben wird, auf dem Bau zuersf Schwierigkeiten machen 
wird. Dennoch sollte sie überall versucht werden, und beson- 
ders sollten die Lehrer des Baufaches ihre Schüler aufmerksam 
darauf machen, dass auch beim Ziegelverband keine Willkür 
herrschen darf, sondern dass dabei systematisch verfahren werden 
muss. 

Dass z. B. die jetzige Methode : die sichtbare Seite der Front- 
mauern nur einen halben Ziegel dick mit schöneren Ziegeln zu 
verblenden, fortfallen müsste, ist selbstverständlich. Es ist dies 
eine zu weit getriebene Sparsamkeit. Hintermauerungsziegel 
und Frontverblendziegel müssen gleiches Format haben und in 
gleicher Weise, wie das übrige Mauerwerk, mit einander ver- 
bunden werden. 

Nicht ausser Acht zu lassen und dem Gesagten noch hinzu- 
zufügen sei, dass auch dem Ziegelformat gleichzeitig Aufmerk- 
samkeit zuzuwenden und darauf hinzuarbeiten ist, dasselbe 
vortheilhafter als bisher zu gestalten. Die meisten hier zur Ver- 
wendung kommenden Ziegel sind zu klein. Durch ein etwas 
grösseres Format, (etwa io**X4|^*'X2j'*), welches in erster Linie 
dem regelrechten Verbände zustatten käme, würde zugleich ein 
grösseres Quantum Arbeit in derselben Arbeitsdauer und ohne 
grössere Ermüdung des Arbeiters geleistet werden können und 
dadurch das (auch nur anfänglich) etwas umständlichere 
Verlegen der Ziegel zum Mindesten ausgeglichen, wahrscheinlich 
aber übertroffen werden, so dass es sich somit auch für den Bau- 
unternehmer empfiehlt, auf besseren Ziegelverband, im Verein 
mit grösserem Ziegelformat, hinzuwirken. 

A. Schumann, Architekt. 



Berichte des yorortes. 15 

Deul5cK-JIinerik^ni5cKer TecKniker-YerL^nd 

Vorort; PhLlla-delphila., Pa.. 



Verbandsjahr J 897- 98* 



Vororts- Vorstaads-Sitzuas vom 8. Juli 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, O. Lüthy, A. Schumann, 
G. Stierlin, A. Propfe, J. Sachs, A. Heilbrunn und Dr. Th. 
Willken. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. Schreiben sind eingegangen : Von Herrn O. C. Rey- 
man — Verein Pittsburg, am 26. Juni, von Herrn F. Maiberg 
— Verein Baltimore, am 18. Juni, von A. Schumann — Verein 
Philadelphia, am 8. Juli, von Herrn K. R. Sternberg — Verein 
Baltimore, am 8. Juli. Ferner von der Montaner Society of 
Engineers eine Druckschrift. 

Herr Schumann theilt die Versendung der No. 5 der ''Mitthei- 
lungen " mit. Es gelangt sodann der im Schreiben des Vereins 
Pittsburg vom 26. Juni gestellte Antrag: in der nächsten Nummer 
der Mittheilungen ein Mitglieder - Verzeichniss erscheinen zu 
lassen, zur Besprechung. Herr Schumann legt eine Erwiderung 
gegen den Antrag vor, in welcher auf das Statutenwidrige des- 
selben hingewiesen wird. Nach eingehender Besprechung wird 
beschlossen, das Erwiderungsschreiben anzunehmen und dasselbe 
dem Vereine Pittsburg mit dem Zusätze zuzusenden, dass die 
schlechten finanziellen Verhältnisse, in welcher sich der Verband 
seiner Zeit befand, einestheils, und anderntheils der Umstand, 
dass bereits im August schon eine Mitgliederliste ausgegeben 
worden war, es verboten haben würden, im November 1897 eine 
neue Liste herauszugeben. 

Auf Antrag des Sekretärs wird beschlossen, an die Vereins- 
Sekretäre ein Circular zu erlassen, in welchem um frühzeitigere 
Einsendung von Berichten für die No. 6 der ,, Mittheilungen'' und 
mehrere, den Techikertag betreffende Sachen gebeten wird. 

Der Schatzmeister Herr A. Propfe macht folgende Mitthei- 
lungen : Die Kosten der No. 5 der ,,Mittheilurigen'* betragen : 

Für Druck $82.00. 

Für Redaktion und Expedition $15.20. 

Umlagen gingen ein : vom Verein Washington $20 — 3. Uml., 
vom Verein Baltimore $12—2. Uml. Der Verein Philadelphia 
hat Abschrift einer Resolution, welche sich auf Reform der 
„CMittheüungen" bezieht, eingeschickt. Abdruck erfolgt in den 
Vereins- Protokollen. 



i6 Mittheilungen des D. A. T. V. 

Für Arrangements zum Technikertage verstärkt sich der 
Vorstand um 3 Komitemitgiieder und werden dazu die Herren E. 
Buser, S. Coliins und G. Horst erwählt. 

Herr Schumann legt den Entwurf eines Einladungsschreibens 
an die Verbandsmitglieder zum Technikertage vor, welches an- 
genommen wird und soll dasselbe möglichst zeitig, mit dem Pro- 
gramm zur Versendung kommen. Der Sekretär wird ermächtigt, 
die erforderlichen Drucksachen zu besorgen. 

Hierauf erfolgt Schluss. 

Vororte-Vorstaads-Sitzuns vom 25. Juli 1898. 

Anwesend die Herren H. Schmaltz, O. Lüthy, A. Schumann, 
A. Propfe, Dr. Th. Willken und E. Buser. 

Das Protokoll der letzten Sitzung wird verlesen und ge- 
nehmigt. 

Eingegangene Schreiben gelangen zur Verlesung : von Herrn 
W. Mueser — New York, vom 12. Juli; von Herrn O. C. Reyman 
— Pittsburg, vom 19. Juli; von Herrn G. W. Wundram — Brook- 
lyn, vom 23. Juli; von Herrn P. Baasch, — Washington, D. C., 
vom 24. Juli. Ausserdem von Herrn R. C. Rahm, Reading, vom 
14. Juli, und vom Eidg. Polytechnikum Zürich vom 15. Juli 1898. 

Rechnungen werden bewilligt : 

Drucker Thomas für Envelopes $3.25. 
Sekretär Schumann für Postmarken ^6.00. 

Herr Buser erstattet hierauf Bericht Namens des Arrange- 
ments-Komites für den Technikertag. Das von Herrn E. Coliins 
jr. schriftlich aufgestellte Programm ist sehr umfassend und wird 
dasselbe genehmigt. 

Das Arrangements-Komite besteht aus den Herren E. Buser, 
E. Coliins jr. und C. Horst. Dasselbe hat sich verstärkt durch 
Hinzuziehung der Herren Rahm und Thun für ein Lokalkomite in 
Reading. 

Herr Schumann legt die für die cT^o. 6 Vol. 5 der Verbands- 
Mittheilungen zur Veröffentlichung bestimmten Schriftstücke vor, 
welche die Genehmigung erhalten. 

Hierauf Schluss. 

A. Schumann, Verbands-Sekretär 



"^^ 



VereinS'BerichU . 1 7 



Vereins- Protokolle. 



Technischer Verein von Philadelphia* 



Reselmässise Versammluas vom 25. Juai 1898. 

Anwesend 16 Mitglieder. Herr H. Schmaltz leitet die Ver- 
sammlung und berichtet zunächst über eine Versammlung im 
Ingenieurs-Club, welche behufs Konstituirung einer Section des 
„Intern, yerbandes für die Prüfung der Materialien der Technik" 
stattfand. Die Betheiligung seitens des D. A. T. V. war ver- 
hältnissmässig stark. Sobald der stenographische Bericht ein- 
geht, wird derselbe dem Vereine vorgelegt werden. 

Herr A. Schumann berichtet mit Genugthuung über Ge- 
schenke der Mitglieder Herrn A. L. Legeier, Herrn F. Meynen 
und Herrn W. Stein, welche grosses Interesse für den Verein 
bekunden. Der Präsident dankt im Namen des Vereins den 
freundlichen Gebern. 

Als Mitglied des Vereins aufgenommen wurde : 

Herr Heinrich B. Terne — Apotheker — Philadelphia. 

Bei ., Technische Mittheilungen'* beschreibt Herr A. Schumann 
unter Vorzeigung eines Modells die Herstellung der „Heussler- 
sehen Hol^^cementdächef. Er schildert die Vorzüge derselben in 
gewissen Fällen und weist darauf hin, dass die Methode durch 
mehr als fünfzigjährige Ausführungen in der Baupraxis Anerken- 
nung gefunden habe. 

Dem Berichte folgt eine kurze Diskussion. 

Im Fragekasten wird Auskunft gewünscht über Mauser- 
Gewehr-Kugeln und giebt Herr W. Stern hierauf Antwort. • 



Vierteljahrs-Oeschäfts-Versaminluns vom 2. Juli 1898. 

Anwesend 20 Mitglieder. Herr H. Schmaltz leitet die Ver- 
sammlung. Herr A. Schumann verliest die Resolution, welche 
der Vorstand im Auftrage des Vereins inbetreff der Reform der 
„Mittheilungen des Verbandes" formulirt hat. Der Präsident Herr 
Schmaltz begründet die Resolution ; Herr O. Lüthy ist für die- 
selbe, motivirt sie jedoch in anderer Weise. Nachdem noch die 
Herren W. Stein und A. Schumann ihre Meinungen abgegeben 
haben, erfolgt einstimmige Annahme. 

Die Resolution lautet wie folgt : 

„/« Anbetracht, dass die Herausgabe der „CMittheilungen" in 
der bisherigen Weise dem Verbände und dessen einzelnen Mitgliedern 
wenig Nutzen gewährt, gegenüber den grossen Geldbeträgen, welchen 



i8 CMütbeilungen des D. A. T. V. - 

die Vereine da^u beisteuern und in Anbetracht der Arbeitslast, welche 
dem jeweiligen Vorort damit aufgebürdet wird, so :(war, dass dieselbe 
von manchen Vereinen nicht getragen werden kann, beschlossen: 

Der T>elegatentag'möge aufgrund der vom Vororte und einigen 
Verbandsvereinen gemachten Vorschläge {u einer Reform in Verhand- 
lung treten. Auch sind bei dieser Gelegenheit die Paragraphen 23 bis 
26 der Verbandsstatuten, welche jet:^t den thatsächlichen Verhält- 
nissen nicht mehr entsprechen, ^u revtdiren." 

Die Resolution soll dem Delegaten für Philadelphia als Richt- 
schnur dienen. Um demselben die Ansichten des Vereines noch 
weiter zur Kenntniss zu bringen, wird in Verhandlung eingetreten 
über einen zu stellenden Antrag, betreffend Aenderungen der 
Paragraphen der Verbandsstatuten über Publikationen des Ver- 
barides. 

§24 soll lauten : „Die October- oder die nächstfolgende ü^um- 
mei des Verbandsorgans soll enthalten: a) Beamtenliste des Ver- 
bandes, b) Beamten- und Mitgliederlisten der Verbandsvereine, c) die 
Verbandsstatuten. — 

d und e der jetzigen Bestimmungen fallen fort, da die ander- 
weitigen Veröffentlichungen durch das Verbands-Organ dieselben 
überflüssig machen. 

Zu §25 — und Zusätze zu machen, welche Bestimmungen 
enthalten über die Herausgabe und Redaktionsführung des Ver- 
bandsorgans, je nach den diesbezüglichen Beschlüssen der Dele- 
gatenversammlung. 

Eventl. zu §26. — Der Schluss des ersten Absatzes von 
„entscheidet" an ist zu streichen und dafür zu setzen : „Der Vor- 
stand desjenigen Vereins, welchem der Redakteur als Mitglied an- 
gehört." 

Die vorstehenden Aenderungen werden ohne Debatte an- 
genommen. Herr A. Schumann berichtet, dass der Verein Pitts- 
burg wahrscheinlich einen Antrag einbringen werde, welcher 
statutenmässige Bestimmung darüber trifft, welcher Verein für 
ein Mitglied, welches mehreren Vereinen angehört, die Ver- 
bands-Umlagen zu zahlen hat. 

Für den Fall, dass Pittsburg diesen Antrag nicht einbringt, 
sollte der Delegat für Philadelphia die Regelung der Sache be- 
antragen. Auf jeden Fall sollte der Letztere die Ansichten des 
Vereins kennen und vertreten. 

Von einer Seite wird der Standpunkt vertheidigt, dass jeder 
Verein für jedes seiner Mitglieder, gleichviel, ob dasselbe noch 
anderen Vereinen angehört, Umlagen zu zahlen hat. Von anderer 
Seite wird betont, dass die Mitglieder, welche sich mehreren 
Vereinen anschliessen, ihren Beitritt vollziehen entweder aus 
Wohlwollen oder Zuneigung für die betreffenden Vereine oder 
aus anderen Gründen, welche mit dem Verbände nichts zu thun 
haben. 

Herr P. Ehlers stellt den Antrag: y, Der Delegat ist dahin ^u 
instruiren, dass der Verein Philadelphia dafür ist. dass Jür ein Mit- 



yereinS'Berichte, 19 

glied mehrerer Veriandsvereine nur einmal Umlage :{u fahlen ist und 
^war von dem Verein, dem dasselbe als ordentliches Mitglied angehört. 

Der Antrag wird angenommen. 

Es erfolgt hierauf die Wahl eines Delegaten zum Techniker- 
Tag und wird Herr A. Schumann per Acclamation gewählt. 

Derselbe nimmt die Wahl an. 

Der Präsident Herr Schmaltz schlägt vor : von der Wahl 
eines Stellvertreters abzusehen und es dem Vorstande zu über- 
lassen, für Vertretung zu sorgen, wenn sich dies sollte als nöthig 
herausstellen. Dem Vorschlage wird zugestimmt und erfolgt 
alsdann Schluss. 

A. Schumann, Sekretär, 



Technischer Verein von New York. 



Ausserordeatliche Versammluns vom 28. Juli 1898. 

Präsident Kaczander eröffnet die Versammlung. 

Die Herren Bruno von Baltzingslöwen, M. Ing., und Hannes 
Wysozki^ Chem., werden als ordentliche Mitglieder aufgenommen. 

Einlaufe : Einladung vom Department of the Interior zur 
Beteiligung an dem in Brüssel stattfindenden Congress of Public 
Art. ^ 

Ferner : Einladung zum 50-jährigen Jubiläums-Stiftunorsfest 
der Oestr. Ing. und Arch. Vereins. Der corresp. Sekretär wurde 
beauftragt, ein Glückwunschschreiben an denselben abzusenden. 

Die Wahl eines Delegaten zum diesjährigen Techniker-Tag 
ergiebt : 

Delegat: Victor Kops; Stellvertreter J. E. Aue. 

Durch Beschluss der Versammlung wurde dem Delegat die 
allgemeine Instruktion erteilt, gegen jede radikale Aenderung in 
den Verbandes-Verhältnissen zu stimmen. 

Bezüglich der verschiedenen Reformvorschläge in der Her- 
ausgabe der ** Mittheilungen," welche ein vom Vorort einge- 
laufenes Schreiben enthielt, wurden folgende Beschlüsse gefasst: 

i) Die Vorschläge bezügl. der Befugnisse des Press- 
komites, was, und in welchem Umfange publiziert werden soll, 
werden angenommen, jedoch mit dem Zusatz, dass diese Be- 
fugnisse sich nur auf Berichte über geschäftliche Debatten und 
nicht auf die eingeflochtenen Vorträge beziehen soll. 

2) Der Radakteur soll bezüglich der Orthographie und der 
Korrektur stilistischer Fehler vollständig freie Hand haben. 

3) Der Vorschlag, die *' Mittheilungen '' häufiger erscheinen 
zu lassen, wird abgelehnt ; doch ist der Verein nicht prinzipiell 
dagegen und hält denselben sogar für wünschenswert, voraus- 
gesetzt, dass die Kosten nicht zu gross werden und der Umfang 
der Zeitschrift nicht darunter leidet. 



20 Mittheilungen des D, A, T. V, 

4) Der Vorschlag, dem Redakteur ein entsprechendes 
Honorar zu bezahlen, wird abgelehnt. 

5) Der Lesestoff und Inhalt soll nicht geändert werden zu 
Gunsten der Erweiterung des Leserkreises, dagegen soll der 
Delegat den Vorschlag machen, zur Hebung der Zirkulation der 
** Mittheilungen *Mn jedem Verein ein Komite zu ernennen zum 
Sammeln von Annoncen. 

(Antrag des Herrn G. W. Spiro.) 

Hierauf gab Herr Mueser einen ausführlichen, sehr inter- 
essanten Bericht über den Verlauf der am i6. Juni stattge- 
fundenen Versammlung des '* Internat. Vereins zur Materiailen- 
prüfung," welcher er als Delegat des T. V. N. Y. beiwohnte, 
und machte u. A. die erfreuliche Mittheilung, dass die deutschen 
technischen Vereine in würdiger Weise in der Leitung der neu 
gegründeten amerikanischen Sektion des Int. Verbandes vertreten 
sei. 

Victor Kops, prot, Sekretär. 



Technischer Verein Pittsburg* 



Reselmässise Versammlung vom 8. Juai 1898. 

Vorsitzender : Herr Philipp A. Lange ; Schriftführer Herr 
O. C. Reyman. 

Anwesend : i6 Mitglieder und 2 Gäste. 

Aufgenommen als Mitglied : Herr Joseph Dicker, M. E., 
care of Westinghouse Electric & Mfg. Co., Pittsburg. 

Ausgetreten : Herr Fritz Degner, C. E., care of Penn Bridge 
Co., Beave^ Falls, Pa., wegen Rückkehr nach Deutschland. 

Der Vice-Präsident Herr Dr. Moldenke wird zum Vertreter 
des T. V. Pittsburg bei der konstituirenden Sitzung der 
amerik. Sektion des Int. Verb, für die Materialprüfung der Technik, 
einstimmig erwählt. Das Stellenvermittlungskorfiite berichtet 
über offene Stellen. Der Redner des Abends, Herr Simon H. 
Stupakoff, M. E., giebt eine sehr interessante und noch lehr- 
reichere Uebersicht über die neuesten Fortschritte in Schmiede- 
einrichtungen, unterstützt von einer grossen Anzahl Abbildungen. 
Die folgende Diskussion nahm einen so animirten Verlauf, dass 
der Vorsitzende sich veranlasst sah, eine weitere Diskussion 
über dasselbe Thema für die nächste Sitzung anzusetzen. 

O. C. Reyman, Sekretär. 



VereinS'Berichie. 21 



Polytechnische Gesellschaft von Chicago, IIL 



Präsident Herr Dr. Ihne, Sekretär Herr W. Beyenbach. 

In einer Versammlung Mitte Mai hatten sich Mitglieder und 
Freunde des Vereins mit ihren Damen eingefunden. 

Herr Henry Leist, früher Kanzler der deutschen Kolonie 
Kamerun, hielt einen Vortrag über 

„WEST- AFRIKA". 

Der Vortrag bot der zahlreichen Zuhörerschaft viel des 
Interessanten und wurde derselbe mit lebhaftestem Beifall be- 
lohnt. 

Wie Herr Dr. Ihne bei Beginn der Versammlung angedeutet, 
folgte hierauf noch eine Anzahl von Vorträgen, theils ernsten, 
theils humoristischen Inhalts, von denen hervorzuheben ist : ein 
Ciaviervortrag des Fräulein Morris, ein Gedicht des Dr. Ihne und 
ein humoristisch gehaltener Reisebericht über Alt-Mexico, Texas, 
San Francisco und Seattle von Dr. Theo. Ralfs. 

Eine gemüthliche Unterhaltung hielt die Erschienenen noch 
lange bei schäumendem Gerstensaft und dem nöthigen Lunch 
zusammen. 

W. Beyenbach, Protokoll. Sekretär. 



Technischer Verein von Brooklyn* 



Attsserordeatliche Versammluas am 22. Juli 1898. 

Die Sitzung wird vom Präsidenten E. L. Heusner eröffnet. 

Infolge eines vom korrespondirenden Sekretär vorgelegten 
Briefes vom Vorort Philadelphia wird beschlossen : 

i) Unseren Delegaten für den Techniker-Tag zu instruiren, 
dahin zu wirken, dass die Redaktion der ''Mittheilungen '* in der 
Art fortgeführt werde, wie sie bis zum Beginn des Verbands- 
jahres 1898 geführt worden ist. 

2) Der Delegat wird beauftragt, den Antrag zu stellen, dass 
der Vorort gehalten sein soll, in jeder Nummer der ^* Mittheil- 
ungen '* einen — ausführlichen — Kassenbericht zu veröffentlichen. 

3) Ferner beschlossen : Der nächstjährige Vorort soll 
beauftragt und ermächtigt sein, ein Komite zu ernennen, welches 
die derzeit gedruckten Verbands-Statuten mit den Protokollen 
der Delegaten-Versammlungen und den Verbands-Beschlüssen 
zu vergleichen und neu zu redigiren hat. Der Vorort soll die so 
korrigirten Statuten baldmöglichst in der Verbands - Brochüre 
veröffentlichen. 



22 Mittheilungen des D, A, T. V. 

Zum Delegaten für den Teckniker-Tag wird erwählt, Herr 
G. W. Wundram, und als Ersatzmann, Dr. L. H. Friedburg. 

Für Samstag den 6. August ist ein Ausflug, mit Damen, nach 
Rockaway Beach, in Gemeinschaft mit dem T. V. New York 
festgesetzt. 

Schluss der Sitzung. 

L. H. Friedburg, prot. Sekretär. 



Deutscher Techniker- Verein Baltimore* 



Qescbäft-Sitzuns: am 7. Juli 1898. 

Anwesend 15 Mitglieder und i Gast. 

Die Sitzung wurde durch den Vice-Präsidenten Herrn R. 
Stühler eröffnet. 

Herr Lässig berichtet, dass nach einem Briefe des Vorortes 
unsere Bücher betreffs der Einzahlungen mit denen des Vorortes 
überemstimmen. 

Als Delegat für den D. A. Techniker-Tag in Reading, Pa., 
wurde Herr Hubert Krekel ernannt. 

Als Arrangements- Komite für einen demnächst abzuhal- 
tenden Commers wurden die Herren A. Wansleben, Th. Zwermann 
und K. Sternberg ernannt. 

Herr K. Sternberg macht in einer längeren und mit vielem 
Beifall aufgenommenen Ansprache darauf aufmerksam, dass 
unser Mitglied H. F. Mayer am 3. Juli sein 25-jähriges Jubiläum 
als Chef-Ingenieur der Firma Bartlett, Hayward & Co., begangen 
hat und wünscht demselben ferneres Gedeihen und ein langes 
Leben. Herr F. Mayer bedankte sich in warmen Worten für den 
ihm von den Mitgliedern dargebrachten Glückwunsch. 

Herr D. Warner entschuldigt seine Abwesenheit beim letzten 
wissenschaftlichen Abend, und verspricht für den nächsten 
wissenschaftlichen Abend einen Vortrag über Andreas Schlüter 
als Architekt. 

Die fröhliche Erinnerung an das 25-jährige Jubiläum des 
Herrn F. Mayer sowie der Geburtstag unseres Vice-Präsidenten 
Herren R. Stühler hielt die Anwesenden noch mehrere Stunden 
bei bester Laune zusammen und manches Glas wurd^ auf das 
Wohl genannter Herren geleert. 



Wissenschaftliche Versammiunji: am 21. Juli 1898. 

Anwesend 14 Herren. 

Herr R. Stühler eröffnete die Sitzung. 

Der Vorort Philadelphia ersucht den Sekretär um Einsendung 
der Protokolle bis spätestens Ende dieses Monats. 

Herr R. L. Humphrey ersucht um Einsendung des Namens 
Verzeichnisses für die Zeitschrift ** Baumaterialien-Kunde." 



k ereinS'Berichte. 2 3 

Das Commers - Komite berichtet, dass der Commers im 
Locale der Harmonie am Mittwoch den 24. August stattfinden 
wird, alles Weitere wird dem Komite überlassen. 

Hierauf wurde Herrn Architekt S. Warner das Wort ertheilt 
zu seinem Vortrag über Andreas Schlüter, den Nordischen 
Michel Angelo in Berlin. Der Vortragende gab einen fesseln- 
den Ueberblick des Wirkens und der bedeutenden Bauten dieses 
berühmten Architekten und wurde der Redner mit reichem Beifall 
für den interressanten Vortrag belohnt. 

Der Vorsitzende sprach Herrn A. Warner den Dank des 
Vereines aus. 

A. LOESER, prot Sekretär, 




24 Mittheilungen des D.A. T. V. 



An die Herren Mitglieder 



des 



Deutsch-Amerikanischen Techniker-Verbandes. 



Mit dieser Nummer endigt für den Vorort Philadelphia die 
Redaktionsführung des Verbandsorganes. Der Unterzeichnete, 
dem die Pflicht oblag, die Geschäfte der Redaktion zu besorgen, 
nioimt hiermit Gelegenheit, allen denen, die Beiträge für die 
Mittheilungen lieferten, insbesondere den Herren Sekretären der 
Verbands-Vereine, herzlich zu danken für den Eifer, welchen sie 
jederzeit zeigten und es der Redaktion ermöglichten, die Vorgänge 
in den Vereinen so frühzeitig wie es möglich war, zur allgemeinen 
Kenntniss zu bringen. Viel Neues einzuführen war nach den 
bestehenden Verhältnissen nicht zu erreichen, um so weniger, als 
gleich zu Anfang der Thätigkeit des jetzigen Vororts sich elfte 
Opposition gegen Neuerungen geltend machte, noch ehe irgend 
welcher Vorschlag in die Öffentlichkeit gebracht worden war. 

Was in Zukunft inbezug auf Form und Inhalt der Mittheilungen 
geschehen soll, wird der nächste Techniker-Tag zu entscheiden 
haben ; mir aber ist es Bedürfniss, den Wunsch auszusprechen, 
dass es gelingen möge, einen Weg zu finden, der zu einem 
Resultate führt, das allseitig befriedigt und dem Wachsen und 
Gedeihen des Verbandes und der einzelnen Vereine förderlich ist. 

Mit diesen, vom Herzen kommenden Wunsche scheide ich aus 
der Redaktion und sehe der persönlichen Begegnung und Be- 
sprechung mit den Mitgliedern der Vereine am Techniker-Tag in 
Reading mit Freuden entgegen. 



J\. ScKum^nn. 



Abschiedsschreiben von A, Schumann. 25 



Vereinsnachrichten und iPersonalien. 



i* Henry Flad. 

Ein hervorragendes Mitglied des Deutsch-Amerikanischen 
Techniker-Verbandes, seit vielen Jahren Ehrenmitglied des Tech- 
nischen Vereins New York, Herr Henry Flad, ist in diesen Tagen 
nach längerem Leiden aus dem Leben geschieden. Der Ver- 
storbene, dessen Wiege im Grossherzogthum Baden gestanden, 
hat in seiner Jugend unter schweren Schicksal3schlägen zu leiden 
gehabt und war derselbe einer der wenigen Männer, welche, 
durch die Nachwirkungen der Revolutionen in den Jahren 1848- 

1849 nach Amerika geführt, hier eine hervorragende Bedeutung 
und Ansehen erlangten. 

Henry Flad ist im Jahre 1824 in Heidelberg geboren, er be- 
suchte in Speier die Vorbereitungsschule und später das Poly- 
technikum in München. Die badische Erhebung, an der sich der 
junge Mann betheiligte, wurde ihm verhängnissvoll und zwang 
ihn zur Flucht nach der Schweiz und später nach Amerika, wel- 
ches seine zweite Heimath werden sollte. Hier fand Flad 
zunächst Beschäftigung in einer Architekten-Office und im Jahre 

1850 trat er als ,, Assistant Engineer" in die Dienste der New 
York-Erie Railroad Co. in Dunkirk. In gleicher Eigenschaft war 
er 1852 bei der Ohio & Mississippi R. R. Co. beschäftigt und 
zwar beim Bau der Linie Cincinnati-St. Louis. In der folgenden 
Zeit war Flad thätig bei der Iron Mountain Railroad und im Jahre 
1861 trat er als Soldat in die 3. Missouri Reserve, woselbst er 
unter General Fremont sehr bald zum Capitain der Ingenieur- 
Abtheilung avancirte. Nach Beendigung des Krieges verliess 
Flad als Oberst die militärische Laufbahn und begann nunmehr 
für ihn eine Zeit grosser Erfolge auf dem Gebiete des Ingenieurs- 
wesens. Im Jahre 1877 wurde der Verstorbene zum Präsidenten 
des ,, Board of Public Improvements of St. Louis" erwählt und 
bekleidete er dieses Amt bis zum Jahre 1890. Die ehrende Be- 
rufung zum Mitgliede der Mississippi River Commission veranlasste 
Flad zum Rücktritte und zum Eintritte in die genannte Commis- 
sion, welcher er bis zu seinem Tode, der am 20. Juni d. J. 
erfolgte, angehörte. 

Colonel Henry Flad war ein liebenswürdiger Mensch und 
bereit, gemeinnützig thätig zu sein. Beweis dafür ist sein Eintritt 
in die ,, American Society of Civil Engineers*', welche Gesell- 
schaft ihn für geleistete Dienste dadurch auszeichnete, dass sie 
ihn zu ihrem Präsidenten erwählte. 

Seine hervorragende Thätigkeit als Ingenieur sowie seine 



26 Mittheilungen des D, A.7. V, 

gesellschaftlichen Vorzüge haben dem Dahingegangenen Ehre 
und viele Freunde erwgrben, wovon die vielen, ihm gewidmeten 
Nachrufe beredtes Zeugniss ablegen, und der Deutsch-Amerika- 
nische Techniker-Verband betrauert auf das Tiefste, in Henry 
Flad eines derjenigen Mitglieder verloren zu haben, deren An- 
gehörigkeit dem Verbände zur Ehre gereichen. Das Andenken 
an den Verstorbenen wird bei allen Denen, die sein Wirken 
kennen gelernt und ihm persönlich näher getreten sind, ein 
dauerndes sein, denn er war ein Mann von hoher Intelligenz und 
edlem Charakter. Ein deutscher Mann im besten Sinne. 
Er ruhe in Frieden! 



Herr TH. J. GOLDSCHMID, früher Präsident des Tech- 
nischen Vereins von Philadelphia, ist nach langer Krankheit und 
nach Ueberstehung einer gefährlichen Operation wiedergenesen, 
doch bedarf derselbe noch längere Zeit der Ruhe zu seiner Kräfti- 
gung. 



lieber den Besuch deutscher techoischer Hochschuleo 

im Sommer-Semester I898 ist zu berichten : 

Technische Hochschule Karlsruhe: 792 Studirende, 39 Hospi- 
tanten, zusammen 831 Hörer — hiervon 125 Ausländer. 

Technische Hochschule München : 1477 Studirende, 249 
Hospitanten, 136 Zuhörer, zusammen 1862 Hörer — hier- 
von 266 Ausländer. 

Polytechnikum Berlin : 2170 Studirende, 748 Hospitanten, 
zusammen 2918 Hörer — hiervon 263 Ausländer. 



Am 3. Juli d. J. feierte Herr Fritz Mayer — Mitglied und 
Begründer des Technischen Vereins Baltimore sein 25-jähriges 
Jubiläum als Chef - Ingenieur der bekannten Firma Bartlett, 
Hayward & Co. Herr Mayer hat speciell die Haupt-Branche 
dieser Firma : Die Fabrikation von Gas-Apparaten, Gasometern 
sowie die Anlage und Ausführung von ganzen Gaswerken zu 
seiner jetzigen bedeutenden Höhe gebracht und wird von den 
bedeutendsten Ingenieuren als eine Grösse und Specialist aner- 
kannt. Bei dem darauffolgenden Vereins-Abend wurde dem 
beliebten Mitglied eine lebhafte Ovation seitens der Mitglieder 
zu Theil und manches Hoch wurde auf sein ferneres Gedeihen 
ausgebracht. 



Am 8. August beging Herr George F. Ott, Mitbegründer des 
Technischen Vereins von Philadelphia, seinen 57. Geburtstag im 
Kreise seiner Arbeiter. Das Fest bezeugte wiederum das gute 
Einvernehmen, welches zwischen Arbeitern und Arbeitgeber be- 
steht und welches zu erhalten das eifrige Bemühen des Letzteren 
stets ist. 



In der Ferienzeit. 27 



In der Ferienzeit* 



Nachdem ein Theil der Vereinsmitglieder des Technischen 
Vereins Philadelphia nebst Familien zu Anfang des Juli einen 
Besuch bei einem Vereinsmitgliede, Hei-rn Richard de Planque 
unternommen und daselbst freundlichste Aufnahme gefunden, 
beschloss der Vorstand des Vereins, ein grösseres, gemeinsames 
Picnic am 30. Juli zu veranstalten. Der prächtige, etwas ver- 
wilderte Park des Turner Bicycle Clubs— in Frankford, einer 
Vorstadt Philadelphia's, belegen — wurde für die Veranstaltung 
erwählt, und trotz der geradezu erdrückenden Hitze hatten sich 
ungefähr 50 Personen — Gross und Klein — zusammen gefunden. 
Man ergötzte sich an Spielen im Freien, doch zogen es die meisten 
Theilnehmer vor, mit Behagen die würzige Luft, welche Bäumen, 
Feldern und Wiesen entströmte, zu athmen und sich einem 
,,dolce far niente'* hinzugeben. 

Gegen Abend versammelte man sich zu einem improvisirten, 
sehr guten Abendessen, bei welchem die fröhlichste und unge- 
bundenste Stimmung zum Durchbruch kam und zuletzt — es ist 
kaum zu glauben— wurde auch noch mit höchster Bravour das 
Tanzbein geschwungen, so dass selbst das Thermometer vor 
Staunen zu schwitzen anfing. Die, einem alten, baufälligen 
Pianoforte durch einen Freund des Vereins, Herrn Linders, mit 
Virtuosität entlocktenTanzweisen hatten es vermocht, die Jugend 
zu electrisiren und selbst das reife und reifste Alter mit in den 
Strudel hinein zu ziehen. In später Stunde erst trennte man 
sich mit dem Wunsche, sich bald wieder zu einem Feste im 
Freien zusammen zu finden. 



Ausflug nach **SiIver Lake/^ Staten Island* 



Obgleich während der Sommerferien keine regelmässigen 
Versammlungen stattfinden, so hat dieser Umstand dem geselligen 
Leben im Vereine New York jedenfalls keinen Abbruch gethan. 

Am Samstag, den 26. Juni, veranstaltete der Verein einen 
in jeder Beziehung wohlgelungenen Ausflug, mit Damen, nach 
**Silver Lake", Staten Island, ah dem sich trotz der sehr heissen 
und schwülen Witterung die Mitglieder des New York und des 
Brooklyner T. V. sehr zahlreich beteiligten. Mittelst der St. Island 
Ferry und mehrerer reservirten elektr. Strassenbahnwagen 
ging es nach dem hübsch gelegenen **Silver Lake", wo die 
Gesellschaftsich bei einem originellen *^ Kaffeeklatsch'' von den 



28 Mittheilungen des D, A, T. V. 

Strapazen der Fahrt erholte. Bei dem sich anschliessenden 
Picnic im nahegelegenen Walde veranlasste zwar ein plötzlich 
eintretendes heftiges Gewitter die Teilnehmer schleunigst unter 
der bedekten Halle Schutz zu suchen, doch fanden sie dort in 
Tanz und Gesellschaftsspielen reichliche Entschädigung für das 
gestörte Picnic. Nach einem gemeinschaftlichen, gut zubereiteten 
Abendessen wurde auf 14 festlich illuminirten Booten eine 
romantische Wasserfahrt unternommen, während am Ufer ein 
brillantes Feuerwerk abgebrannt wurde. Erst gegen 11 Uhr 
wurde gemeinschaftlich der Rückweg angetreten und das Arran- 
gements-Komite, bestehend aus den Herren Spiro, Gottlieb und 
Lindenthal hatte die verdiente Genugthuung, allen Teilnehmern 
einen vergnügten Nachmittag und Abend verschafft zu haben. 

Victor Kops, Sekretär. 




4. 



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1 

V 

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Inhalts-yerieicbniss. 3 1 

Inhalt des Dritten Bandes^ 

Oktober 1897— August 1898. 

Vollständige Grössere Abhandlungen. 



Nr. Seite- 

Die dreizehnte Jahresversammlung des D. A. T. Verbandes von A. S. i. i. 

Nachfeier zum dreizehnten Technikertag ' ' i. 9. 

Vortheile der rotirenden Dampf maschin^^von H. V.Bayer. i. 21. 
Anleitung zur Berechnung einer cylmdflschen Stahlschraubenfeder 

mit kreisförmigem Querschnitt von R. Teimer. 2. i. 

Neuerungen in der Eisengiesserei von Dr. R. Moldenke. 2. 6. 
Das moderne Fahrrad, seine Geschichte und Entwicklung von A. 

M. P. Maschraever. 2. 11. 
Material zur Geschichte der D. A. T. Vereine Cincinnati, O.; Buf- 

falo, Philadelphia, Washington, D. C, und Pittsburg, Pa. 2. 45. 
Darstellung von Ammoniak und dessen Verwendung für industrielle 

Zwecke von F. Goldschmid. 3. i. 

Ein Schreiben des Herrn P. Kreutzpointner. 3. 12. 

Das Email und das Emaillieren von Theo. Zwermann. 4. i. 

** " " " ** ** Schluss. 5. I. 

Acummulatoren, deren Herstellung und Verwendung von M. Neurath. 4. 8. 

Schluss. 5. 7. 

Mining und Transportation von Harry I. Lewis. 4. 17. 
Direct rotirende Aufnehmer-Verband-Dampfmaschine, mit und ohne 

Condensation von John H. Meyer. 4. 21. 
Neuerungen und Verbesserungen an Maschinentheilen für Transmis- 
sionsanlagen von F. H. Gottlieb. 5. 15. 
Ueber Ziegelverband (System Jummersbach) besprochen von A. 

Schumann. 6. 4. 

Vortragsauszüj|;e aus den Vereinsprotokoiien und kleineren Abhandiunj|;en. 

Die Centennial-Ausstellung in Nashville, Tenn., von W. Stein, 

Philadelphia. 2. 22. 

Aus der Sammelmappe des Technikers von H. Schmaltz, Philadelphia. 2. 27. 

Die Strassenreinigung New York's von George E. Waring, 

New York. ^ 2. 29. 

Entwicklung und Zukunft von Alaska von L. Viereck, Brooklyn. 2. 35. 

A. Brückners Patent-Wände von A. Schumann. 3. 16. 

Intern. Verband für die Nat. Prüfung der Technik von A. Schumann. 3. 18. 

Neue Bücher. Besprochen von O. R. und A. S. 3. 23. 

Röhren vortrieb in wasserreichem Boden aus : Deutsche Bauzeitung. 3. 21. 

Die Black Hills, von Hector von Bayer, Washington. 3. 29. 

Gemeinschaftliche Excursion der Vereine New York und Brooklyn 

zur Besichtigung der Abwässerungsanlage in Brooklyn. 3. 34. 

Eismaschinen von J. E. Aue, New York. 4. 34. 

Fortschritt auf dem Gebiete der Photo-Chemie von Dr. L. H. Fried- 
burg, Brooklyn. 4. 42. 

Die elektrische Ausstellung in New York von M. Neurath, Phila- 
delphia. 5. 25. 

Die Entwicklung der Papierfabrikation mit besonderer Besichtigung 

der Massenfabrikation von J. Spiro, New York. 5. 28. 

Wissenschaftl. Ausflug (Hygienic ice Comp.) von H. v. B., Wa- 
shington. 5. 29. 

Food and Water Control von Jas. O. Handy, Pittsburg. 5. 31. 



32 Mittheilungen des D. A. T. K 

Die Anlage der Fabrikstadt Vandergrift, Pa., von Paul v. Aueberg, ^r. Seite. 

Pittsburg. 5. 33 

Pyrometrie von Edward O. Uehiing, Pittsburg. 5. 34. 

Andreas Schlüter, von A. Warner, Baltimore. 6. 23. 

Verzeicbfliss der Vorträji:e iif den Vereinen und am 13ten Technikertag 
Deutsclier Tecliniker- Verein von Baltimore. 

Anordnung von Verankerungen In flachwandigen Wasser-Gefässen. 

Schiffsbau von Stueler. 

Kunst und Industrie von O. Fuchs. 

D ie Kerze als Gasfabrik von H. Lässig. 

Di e Geschichte des Emaills und der Emaille- Technik von Th. Zwer- 

mann. 
Schlacken-Cement-Fabrikation von H. Lässig, jr. 
Monier's System von Cement- und Beton-Konstruktionen von F. 

Mayer. 
Torpedos und Torpedo-Boote von H. Krekel. 
Der Instinkt der Thiere von K. R. Sternberg. 

Tecliisclier Verein von Brooklyn. 

Entwicklung und Zukunft von Alaska von L. Viereck. 
Fortschritte auf dem Gebiete der Photo-Chemie von Dr. L. H. Fried- 
burg. 

Technischer Verein von Philadelphia. 

Die Centennial-Ausstellung in Nashville, Tenn., von W. Stein. 

Konstruktion der automatischen Steinbohrer, von J. Sohn. 

Bimetallismus, von B. Haug. 

Aus der Sammelmappe des Technikers von H. Schmaltz. 

Feuerische Scheidewände von A. Schumann. 

Darstellung von Ammoniak und dessen Verw. f. ind. Zwecke vom 
F. Goldschmid. 

Accumulatoren, deren Herstellung u. Verwendung von M. Neurath. 

Aus der Sammelmappe des Technikers ( iste Folge) von H. Schmaltz. 

Verflüssigung der Luft von A. Burchard. 

Benutzung der Schornstein temperatur zur Vorwärmung von Kes- 
selspeisewasser von P. Ehlers. 

Einige Hilfsmittel zum techn. Zeichnen von J. Weil. 

Die electrische Ausstellung in New York von M. Neurath. 

Reading als Industriestadt von E. Buser. 

Electrische Ausstellung in Philadelphia von M. Neurath. 

Technischer Verein von Pittsburg^. 

Moderne Verbesserungen im Giessereibetriebe von Dr. R. Moldenke. 

Ein modernes Stahlwerk von G. L. Leutscher. 

Concert von Armin Schotte. 

Die Entwicklung der Dynamo-Maschine von Robert Siegfried. 

Fortsetzung 
Mining and Transportation von H. J. Lewis. 
Electrische Bahnen in Deutschland von Carl Till. 
Food and Water Control von Jas. O. Handy. 
Die Anlage der Fabrikstadt Vandergrift, Pa., von Paul Aueberg. 
Pyrometrie von Edward A. Uehiing. 
Eine Brückenverdingung in Arkansas von Carl Schinke. 

Technischer Verein von Washington, D. C. 

Die Geschichte und Entwicklung des modernen Fahrrades von A. 

M. P. Maschmeyer. 
Die Black Hills von Hector Bayer. 

Fritz Reuter und Recitation aus dessen Werken von Jul. Spiro. 
Zeit und Ortsbestimmungen von Sägmüller. 



I. 


33. 


I. 


35. 


2. 


41. 


3. 


36. 


3.* 


37. 


4. 


47. 


4. 


47. 


5. 


37. 


5. 


38 


2. 


35- 


4. 


42. 


2. 


22. 


2. 


25. 


2. 


26. 


2. 


27. 


3. 


25. 


3. 


26. 


3. 


27. 


4. 


30. 


4. 


31. 


4. 


31. 


4. 


32. 


5- 


25- 


5. 


26. 


5. 


27. 


2. 


33. 


3. 


31. 


3. 


33. 


4. 


39. 


4. 


39. 


4. 


40. 


4. 


41. 


5. 


31. 


5. 


33. 


5. 


34. 


5. 


35. 


2. 


31. 


3. 


29. 


3. 


29. 


4. 


37. 



4. 


33- 


4. 


34. 


5. 


28. 



I. 


11. 


I. 


12. 


I. 
I. 


17. 
i8. 



Inhaltsver^eichniss, 3 3 

Technischer Verein von New York. 

Nr. Seite. 

Die Strassenreinigung New York's von George E. Waring. 2. 29. 

Electrische Strassenbahnen mit unterirdischer Stromzuführung von 

Martin Joacliimson. 3« 28. 

Neuerungen an Maschinentheiien für Transmissions-Anlagen von 

H. Gottlieb. 
Eismaschmen von S. E. Aue. 
Die Entwicklung der Papierfabrikation etc. von Jul. Spiro. 

13. Jahresversammlung: des Jul. T. V. 

Anleitung zur Berechnung einer cyl. Stahlschraubenfeder mit kreis- 
förmigem Querschnitt von R. Teimer. 2. 

Ueber Erlebnisse und die geologischen Verhältnisse etc. von British 
Guyana von E. E. Lungwitz. i. 

Geschäftliche Angeleg^enheiten. 

Protokoll der Delegaten- Versammlung. 

Jahresbericht des Verbandb- Vororts Brooklyn 1896 — '97. 

" Verbands-Schatzmeisters Dr. Wilh. Schad. 
" der Central-Stelle für Stellenvermittlung, Paul Göpel. 

Wissenschaftliche Ausfliese. 

Technischer Verein von Philadelphia nach Pencoyd Iron Works. 2. 24. 

" The John M. Roger's 

Boat. Gauge and Drill Works in Gloucester City. 2. 24. 

Techniscner Verein von New York zur Besichtigung des Nord. Lloyd 

Dampfers Kaiser Wilhelm der Grosse. 2. 42. 

Technischer Verein von* Brooklyn und New York, Abwässerungs- 

Anlage (Purification Building) in Brooklyn. 3. 34. 

Technischer Verein von New York, Künstliche Eisbahn des St. Ni- 

cholas Skating Ring. 4. 34. 

Technischer Verein Baltimore, Crown, Cork & Seal Co., Baltimore. 4. 49. 
Technischer Verein von Philadelphia, Electrische Ausstellung in 

Philadelphia. 5. 27. 

Technischer Verein von New York, Electrische Ausstellung von 

New York. 5. 29. 

Technischer Verein Washington, D. C, Hygienic Ice Comp.'s 

Fabrik. 5. 29. 

Technischer Verein Pittsburg, Phoenix Brauerei, Pittsburg. 5. 33. 

Unterhaitangen und Pesttage der Vereine. 

Familien- Ausflug des Vereins Baltimore. i. 44. 

Zweites Stiftungsfest des Vereins Baltimore. 2. 39. 

Zehnjähriges Stiftungsfest des Techniker Vereins Washington, D. C. 2. 42. 

Familienabend des Techn. Vereins Pittsburg. 3. 41. 

Kommers des Techn. Vereins Pittsburg. 3. 41. 

Weihnachtsfest des Techn. Vereins Philadelphia. 3. 43. 

22tes Stiftungsfest des Techn. Vereins New York. 3. 44. 

Familienabend des Techn. Vereins Baltimore. 3. 47. 

Theater- Abend des T. V. New York. 4. 36. 

Ausflug des Techn. Vereins Pittsburg nach Cleveland, O. 4. 50. 

Maskenkränzchen des T. V. Washington, D. C. 4. 54. 

Darstellung von Bildern vom Kriegsschauplatz in Cuba. Technischer 5. 25. 

Verem Philadelphia. 

Excursion des T. V. Philadelphia nach Reading* 5. 27. 

Damen-Abend in T. Verein von Brooklyn. 5. 36. 

Winterfest des T. V. Pittsburg. 5. 42. 

26tes Stiftungsfest des T. V. Philadelphia. 5. 46. 

Gesellige Unterhaltung des T. V. Baltimore. • 5. 47. 

Picnic des T. V. Philadelphia. 6. 27. 

Ausflug des T. V. New York. 6. ig 



34 Mittheilungen des D. A. T. K 

VerscUedeaes. 

Nr. Seite. 

Zwei Briefe. (Vorort Brooklyn und W. C. Wiilenbueclier). i. 39. 
An die Mitglieder des D. A. T. V. Schreiben des Vororts Phila- 
delphia. ^ 2. 18. 
Fragen und Antworten aus dem Leserkreise. 5. 29. 
Einladung zur 14. Jahresversammlung des D. A. T. V. 6. i. 
An die Mitglieder des D. A. T. V. von A. Schumann. 6. 24. 

Nachrichteo ans den Vereinea. 

Die erste Nummer der diesjährigen Mittheilungen (zum Bilde von 

E. L. Heusner.) i. 40. 

Der Technische Verein New York. i. 40« 

Liedersammlung des T. V. New York zum Techn. Tag. i. 41. 

Photogr. Aufnahme von T. Tay und G. W. Wundram. i. 41- 

Schoharie Mansion. i. 42. 

Ueber die Wiedervereinigung der Vereine New York und Brooklyn, i. 42. 

Besuche in Washington. i. 43. 

Das Technikum Mittweida. i. 44- 

Rudolph Boericke t Nachruf. 3. 39. 

Brand der Fabrik von George F. Ott, in Philadelphia. 3. 40. 

Bestimmung eines Ortes zur Abhaltung des Techniker Tages. 4. 54- 

Reform des Verbandsorganes. 4. 54« 

5. 40. 

Ueber den Besuch des Polytechnikums in Berlin. 4« 55' 

Gründung einer Amerikanischen Section des Int. Verbandes zur 

Prüfung der Mat. der Technik. 5. 41» 

Henry Flad t Nachruf. 6. 25. 

Ueber den Besuch deutscher Hochschulen. . 6. 26. 

Andere kleine Nachrichten aus den Vereinen finden sich zertreut In den Protolcollen 
der Vereine. 

Peraoflalico. 

Ernst Dettmar, i — ^42. Dr. L. Friedburg, i — ^43. C. F. W. Becker, i — ^43. 
Julius Schubert, 1—43. Dr. Robert Schüpphans, i— 43» Jos. Ledent, 1—43. 
Otto Lüthy, 2—43. George Ellison und Emil Lundquist, 2—43. Eugen 
Friedländer, 2 — ^43. Paul Bausch, 2 — 44. Otto Seiffert, 2—44. E. F. Droop, 
2—44. William Mueser, 3—40. George F. Ott, 3—40. Karl von Wegner, 
4—55. Fritz Kindl, 4—55. W. C. Willenbücher, 5—41. Th. F. Gbldschmid, 
5—26. Fritz Mayer, 5 — 26. 

Verbaods-Protokolle (Vorort Brooklya). 

Vororts-Sitzung vom 27. September 1897. i. 24 



Vorort Philadeiphla, Po. 



Vororts-Sitzung 


vom 6. 


Oktober 


1897. 






„ 20. 


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November „ 






„ 26. 


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1898. 






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19. 
19. 

20. 

21. 
21. 
22. 
23. 
23. 
28. 
28. 
23. 
23. 
23. 

15- 
16. 



Inhaltsver^eichniss. 



35 



Vereins-ProtokoHe (Techaischer Vcreia von PbiladelphUu) 

Geschäftsversammlung vom 2. Oktober 1897. 
Regelmässige Versammlung vom 9. Oktober 1897« 

„ 13. November „ 

»» 25« ff ff 

„II. Dezember f, 

„ 8. Januar 1898. 

„22. 

f, 12. 

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„ 12. 
„26. 

„ 9. 
„23. 

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„II. Juni „ 

j> 25» ff ff 

Vierteljahrs Geschäftsvcrsammiung 2. Juli „ 

Technischer Vereia New York. 

General Versammlung vom 9. Oktober 1897. 
Regelmässige Versammlung vom 13. November 1897. 



I. 26. 



Februar 

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März 

April 

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, „ 26. März „ 


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, ,f 14. Mai 


Ausserordentliche , 


„ 28. Juli 


Technischer Vereia WashinstM, D. 


General Versammlung vom 6. Oktober 1897. 


Geschäftliche „ „ 3- November „ 


Wissenschaftliche,, „ 17. „ ,f 


Geschäftliche „ 99 i. Dezember ,f 


Wissenschaftliche,, „ 15. „ „ 


„ ,f „ 19. Januar 1898. 


Geschäftliche „ „ 2. Februar „ 


99 99 99 2. März „ 


Wissenschaftliche,, „ 16. „ „ 


Geschäftliche „ „ 6. April 


Technischer Vereia Pitfsbnrs. 


Regelmässige Versammlung vom 24. September 1897. 


General , 


, „ 8. Oktober „ 


Regelmässige , 


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„ 8. Juni „ 



2. 


22. 


2. 


25. 


2. 


26. 


2. 


27. 


3. 


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26. 


3. 


27. 


4. 


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4. 


30. 


4. 


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4. 


32. 


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25. 


5- 


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26. 


5. 


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6. 


17- 


6. 


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I. 


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2. 


27- 


2. 


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3. 


27. 


3- 


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3. 


28. 


4. 


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4. 


33. 


5- 


28- 


6. 


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I. 


28. 


2. 


31. 


2. 


31. 


2. 


32. 


3. 


29. 


3. 


29. 


3. 


30. 


4. 


37. 


4. 


37. 


4. 


37- 


Nr. 


Seite. 


I. 


30. 


I. 


30, 


2, 


32. 


2. 


33. 


3. 


31. 


3. 


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3. 


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3. 


33- 


4. 


38. 


4. 


39. 


4. 


40. 


4. 


40. 


5. 


31. 


5. 


33. 


5. 


24. 


5. 


34. 


6. 


20. 



36 



Mitthdlungen des D. A, T. V. 



Technischer Verein Baltimore. 

Wissenschaftliche Versammlung vom 15. Juli 1897. 

Geschäfts „ 

Ausserordentliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

General ,, 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 

Geschäfts ,, 

Wissenschaftliche ,, 

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Wissenschaftliche „• 

Geschäfts „ 

Wissenschaftliche „ 



5. August 

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„ „2. September „ 

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„ „7. Oktober „ 

„ „ 4» November „ 

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„ ,,6. Januar 1898. 

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,» 5. Mai „ 

„ 2. Juni „ 

j» » ^^» >» »> 

„ „ 7. Juli „ 

Technischer Verein Broolclyn. 



Regelmässige Versammlung vom 2. Oktober 1897. 

I. November „ 

4. Dezember ,, 
15. Januar 1898. 
19. Februar „ 

5. März „ 

,(DamenAbend) 7. Mai „ 

,, vom 22. Juli ,, 



Ausserordentliche 



I. 


32. 


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35. 


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6. 


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4. 


42- 


4. 


42- 


5. 


30- 


6. 


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Polytechnische Qesellschaft von Chicago. 

Versammlung Mitte Mai 1898. 



MITTHEILUNGE 



des Deutscb-RnQerikaniscben 



Techniker-Verban 



(lational issoclation of German-imerican Tectinolöglsts.) 





Inhalt. Seite. 

Ble drclzelmte Jahres-Versammlung: des h, A. T. Verbandes 1 

Nachfeier zum dreizehnten Teclmlker-Tai: — , — 9 

FrotokoU der dreizehnten Oelegaten-Versammluni: de* D. A, T. Verhandes 1 1 

Jahrcs-Bcricht des Verbands-Vororts Brooklyn für l%96/97 * * 13 

Jahres-Berlcht des Verbauds-Schatzmelsters für iB96/9t 17 

Jahrcs-Bericht der Centralstelle für SteUenYermittelutig:^ 1Ö96/9T 1*4 

VortHeile der rotlrenden Dampfmaschine, Von H. j. Bayer. ., 2L 

VerbandS-ProtökolIe (Vorort : Brooklyn) 21 

Ycreios-ProtokoUej T» V. Philadelphia ., ,*, 2*i 

T. V. New York -. .,..,,.. 27 

T, V. Washington 38 

TV, Pittsburg -. 30 

T. V. Baltimore.,., *. 32 

T. V. Brooklyü 37 

Zwei Briefe .,....., 3» 

Kleine Kachrichten und Personallen 40 

InhaltS"Ver2elclinlss für Band IL Anhang .,.. l 



Waslmington. D- C, 

Bnterßd at Wai^in^ton (D. OJ Post OfBce aa Second Claas Matter. 



J ah res-Abon nennen t ; $1 «OD. 



f)eTit^dl\-SineiHkki\i^dliei'¥eöhT^ikei*-Ve:^ki|d. 

(National Association of German-Amerlcan Ttchnoloilats,) 



Vorort: Technischer Verein von Philadelphia, Pa. 

HsBMAifjr SoHMALTz, Präii^nt, 307 Buttonwood St» Philadelphia, Fa. 
Ä. Schumann, carresp. ßekretär, 532 N. 4th St., PhiJadelphia, Pa. 
AuGUBT Propfe, ßchat^mmter, 1411 Vina St,, Pliiladelpliia, Pa. 



Deutscher Techniker-Verein von Baltimore. 

Ybeeins-Lokäi.; 116 North Paca St. 

VKESAmiLirNGEtT; Jeden 1. und 3. Doanerfltag im Monat. 

Pkof. Otto Fuchs, Främämt, 1811 St. Paul St., Baltimore, Md. 

E. R. STKRNBBRa, c^/Tcap. S^sretär, 1751 E. North Ave,, Baltimore, Md. 



Technischer Verein von Brooklyn. 

Verbiks-Lokal : Viermeiater*8 Restaarant, Gor. Broadway and Gates Ave. 

Brooklyn, N. Y. 
VBRSAHMLtmGKN : Jedea L und S. Samstag im Monat. 

B. L. Hbubnbh, Präsident^ 11 ßartlett St., Brooklyn, K Y. 

G. W. WuNDÄAM, correip, JMretär^ 31Ö Quincy St, Brooklyn» K. Y. 



Polytechnische Gesellschaft von Chicago. 

VBREXKS-LoKALr W. Jung, 106 E. Randolph St., Chicago, HL 
Ybesammluitgek : Jeden Samstag^ 8^ Ulir Abends. 

Dr. f. Wm. Ihnb, FräMeni, Ö2Ö Medioah BaUding, Chicago, 111. 

Db. A. MEMSLaDOBP, corresp. Sekretär, 583 Sedgwick St., Chicago, 111. 



Technischer Verein von Cincinnati, 0, 

Ybrei3!TS-LokaL: 1400 Yine St., Cincinnati, O. 
YBRaAMMLUNGEN : Jeden 1. und 3. Samstag im Monat. 

A. KöcJELiH, Präsident, c. o. L, Schreiber & Sons Co., Cincinnali, 0. 

E. F. Glaber, Sekretär^ 1713 Ylne St., Cinciraiati, O. 



Techitischar Verein von New York. 

VEREINS-LOKAL : Congress Hall, 192 3rd Ave., bet I7th & i8th Sts., New York, 
VERSAMMLUNGEN: Jeden 2. und 4. Samstag Im Monat 

LEOPOLD KACZANDER, Präsident, 416 Hast ic6th St., New York. 

W. MUESER, corresp. Sekretär, 35 Nassau St., New York. 



Technischer Verein von Philadelphia, Pa, 

VEREINS-LOKAL: 532 N. 4th St., Philaddphla, Pa. 
VERSAMMLUNGEN ; Jeden Samstag. 

HERMANN SCHMALTZ, Präsident, 207 Buttonwood St, Philadelphia. 

A. SCHUMANN, corresp. Sekretär, 532 N. 4th St, Philadelphia. 



Technischer Verein von Pittsburg, Pa, 

VEREINS-LOKAL : Froh sinn -Gebäude, 305 Penn Ave., Pittsborg, Pa. 
VERSAMMLUNGEN ! Jeden z. und 4. Freitag im Monat 

PHILIP A. LANGE, Präsident, Westinghouse EL & Mfg. Co., Pittsburg, Pa. 

OTTO C. REYMAN, corresp. Sekretär, 170 Federal St,, Ällegheny, Pa. 



Techniker*Verein, Washington, D. G. 

VEREINS" LOKAL: 719 Slxth Street, N. W., Washington, D, C. 

VERSAMMLUNGEN : Jeden r. und 3. Mittwoch Im Monat 

GEO. N. SAEGMUELLER, Präsident, 134 Maryland Ave., S.W., Washington, 
PAUL BAUSCH, corresp. Sekretär, Brown St., Mt. Pleasant, D. C. 



Verbands-Centrale für 5tellen*Vermlttelung : 

PAUL GOEPEL 56 Stewart Building, New York. 



Vertiaiids-Archlv- Verwaltung (T. V* New York). 

Verbande^Archlvar ; 

CARL KAELBLE 380 Broadway, New York. 



Redaktion der „Mlttheilungen««: 

Vororts-Vorstand des D. A.T, V,, 532 N. 4thSt., Philadelphia, Pa. 



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6i2 and 6i4 Chestnut Street, 
Philadelphia, Pa* 



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